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C.Valerii Catulli Veronensis

carmina

Catull.6 

An den "stummen" Freund Flavius
 
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Flavi, delicias tuas Catullo,
ni sint inlepidae atque inelegantes,
velles dicere nec tacere posses,
verum nescioquid febriculosi
Gerne, Flavius, hättest du dein Liebchen,
Wär's nicht gar zu gemein und unmanierlich,
Dem Catullus genannt und könnt'st nicht schweigen.
Doch ich merke, du liebst ein schauerliches
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scorti diligis: hoc pudet fateri.
nam te non viduas iacere noctes
nequiquam tacitum cubile clamat
sertis ac Syrio fragrans olivo,
pulvinusque peraeque et hic et ille
Ding von Dirne; du schämst dich, dies zu sagen.
Denn dass einsam die Nächte du nicht hinbringst,
Davon plaudert - vergeblich stumm - dein Lager,
Das von syrischem Öl und Kräutern duftet,
Und das Polster, das links wie rechts zernutzt ist,
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attritus, tremulique quassa lecti
argutatio inambulatioque.
nam nil stupra valet, nihil, tacere.
cur? non tam latera ecfututa pandas,
ni tu quid facias ineptiarum.
Und des zitternden, schwanken Bettgestelles
Lautes Knacken und Hin- und Hergewackel.
Nein, nichts nutzt es, die Unzucht zu verschweigen.
Woher schlottertest sonst du denn mit lahmen
Hüften, wenn du nicht dumme Sachen triebest?
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quare, quidquid habes boni malique,
dic nobis: volo et ac tuos amores
ad caelum lepido vocare versu.
Drum, was immer du Gutes oder Schlimmes
Hast, gesteh es! Ich will dich und dein Liebchen
In dem zierlichsten Vers zum Himmel heben.
     
Versmaß:   Phalaeceus (Hendekasyllabus)
 
Phalaeceus  

Aufgabenvorschläge:

  1. Beschreiben Sie die (äußere und innere) Sprechsituation des Gedichtes (Personen, Ort, Anlass, Interesse, Verlauf)!
    Schaubild zu Catull.6
  2. Charakterisieren sie den Gesprächston, in dem sich der Dichter an seinen Freund wendet (freundlich nett - spöttisch verletzend?)!
  3. Auffällig ist das zweimalige anaphorische "nam" gebraucht (vs 6 und 12).
    1. Zählen Sie die Verse davor, dazwischen und dahinter und stellen Sie aufgrund des auffälligen Ergebnisses Überlegungen zur Komposition an!
    2. Was genau begründet dieses "nam" jeweils?
      • Die Schwierigkeit, besonders das zweite "nam" inhaltlich nachzuvollziehen, hat zu mehreren Vorschlägen der Textänderung geführt (z.B. vales, ista valet, ista pudet).
      • Wir verstehen es so, dass der Dichter dem fortgesetzten Schweigen (Themawort "tacere"!) des Flavius den Einwurf entnimmt, das sei unzutreffend und könne Catull gar nicht wissen, worauf dieser mit (doch, denn...!) antwortet.
  4. Stellen Sie die Verben der "akustischen Wahrnehmung" zusammen und versuchen Sie ihren Zusammenhang im Verlauf des Gedichtes zu deuten!
    3 ni... velles... dicere nec tacere Das Schweigen des Freundes (und unterstelltes Motiv)
    5 hoc pudet fateri
    7 nequiquam tacitum cubile clama(n)t Das Schreien der vergeblich Stummen (cubile - pulvinus - lectus)
    9f. pulvinusque
    10f. tremulique quassa lecti
    argutatio inambulatioque
    12 nil stupra valet, nihil, tacere Unhaltbarkeit des Schweigens
    16 dic nobis starke Aufforderung zum Reden
    16f. volo .... vocare persönliches Interesse des Dichters
    1. Ist in der Ein- oder Aufdringlichkeit des Dichters eine Steigerung (Klimax) erkennbar?
    2. Wer spricht das "cur?" in Vs. 13: Flavius (der damit sein Schweigen durchbräche) oder der Dichter?
  5. Stellen Sie die provokativ abwertenden Unterstellungen zusammen, mit denen Catull die "Liebschaft" seines Freundes im Laufe des Gedichts bedenkt!
    1. Meint Catull sie ehrlich oder verfolgt er damit nur ein taktisches Interesse?
    2. Wie verhält sich zu diesen Abwertungen das überraschende Versprechen, das der Dichter in den beiden Schlussversen gibt?
  6. Versetzen Sie sich (bei allem Vorbehalt!) in die Lage des Flavius. Wären Sie über einen Freund wie Catullus froh? wie würden Sie ihm begegnen?
Deutsche Übersetzung bearbeitet nach Baumstark
3064 Catullus / Hertzberg, W.A.B / Teuffel, W.S. Die Gedichte des Catullus, in den Versmaßen der Urschrift übersetzt (mit Einleitung und Anmerkungen)
abe  |  look
Stuttgart (Metzler) 1862
Sententiae excerptae:
Literatur:
3688 Fordyce, C.J. Catullus
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Oxford 196,1
3279 Fuchs, Harald Zu Catulls Gedicht an Flavius (Catull c.6)
abe  |  look
in: Mus.Helv.25/1968,54-56
915 Syndikus, H.P. Catull. Eine Interpretation. I.: Die kleinen Gedichte (1-60); II.: Die großen Gedichte (61-68); III.: Die Epigramme (69-116) [mit bibliographischem Nachtrag in Bd.III der Studienausgabe von 2001]
abe  |  look
Darmstadt (WBG) I: 1984, 1994, 2001; II: 1990, 2001; III: 1987, 2001

Inhalt

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