Begleitgrammatik zum Lateinunterricht ab der 5. Klasse
Der Aufbau der Lateingrammatik orientiert sich an dem
Unterrichtswerk "Ianua Nova" (V&R Göttingen), kann
aber auch in Verbindung mit anderen Lehrbüchern verwendet werden.
I 4: Numerus, Konjugationsgruppen, Formen des Nom.Pl.
Wenn
es Dir schon einmal passiert ist, dass Du auf einer
Geburtstagsfeier zuerst ein Stück
Sahnetorte und dann noch ein Stück,
also insgesamt zwei Stücke oder
sogar drei Stücke, jedenfalls
mehr als ein Stück gegessen hast (vom Bauchweh
reden wir hier nicht), so muss ich Dir den Unterschied
zwischen Einzahl und Mehrzahl
(Singular und Plural)
nicht weiter erklären. Kommen wir also gleich zu
unseren Ausgangssätzen:
Dacht
ich mir's gleich: Statt Sahnetorte nur Grammatik!
aber
ohne Bauchweh!
2.)
Einteilung der Verben
Nach der Sahnetorte geht
die Geburtstagsfeier mit einem Kriminalspiel weiter.
Wir sind alle Detektive und dann gibt es noch einen Hauptkommissar.
Wenden wir uns unserem Fall zu!
a) Der Fall: Hier stimmt etwas
nicht!
Wo liegt das Problem? Gleich im zweiten
Satz finden wir die Prädikate "currunt"
und "audiunt".
Dass sie Pluralformen sind und dass
sie auf Deutsch "sie laufen"
und "sie hören" heißen,
macht uns kein Bauchweh. Aber warum sehen die Pluralformen
verschieden aus? Wenn sich die Singularformen
"currit"
und "audit" wie aus dem Gesicht geschnitten
gleichen, warum unterscheiden sie sich dann im Plural?
Aha, hier liegt das Problem! Hat sich der Täter
maskiert?
b) Spurensuche
Die
Spurensuche ergibt: Der Singular täuscht uns. Es
handelt sich in Wirklichkeit um zwei verschiedene Stammgruppen:
Wir gehen der Sache auf den Grund und greifen unserem
Buch etwas voraus. Wir wollen eindeutige Indizien
für die Einteilung der Verbalstämme
finden, damit wir nicht noch einmal einer solchen Maskierung
zum Opfer fallen.
Unser Hauptkommissar hat mal wieder das richtige Näschen:
Er behauptet, dass durch die Grundform
des Verbums (Infinitiv) und die Form
der 1. Person Sgl. jede Stammgruppe
eindeutig bestimmt sei. Diese beiden Formen müssten
wir in Zukunft also (statt der bisherigen 3. Sgl.) auch
lernen, dann könnten wir jeden Täter, gleichgültig
ob maskiert oder nicht, ermitteln. Wir nicken eifrig.
Bisher hatte er ja meistens Recht.
a-Stamm
e-Stamm
kons.Stamm
i-Stamm
gem.Stämme
Extra-Wurst
Grundform
1.Sgl.
ama-re am-o
vide-re vide-o
reg-e-re reg-o
audi-re audi-o
cap-e-re capi-o
es-se s-u-m
2.Sgl.
3.Sgl.
1.Pl.
2.Pl.
3.Pl.
...
ama-t
...
...
ama-nt
...
vide-t
...
...
vide-nt
...
reg-i-t
...
...
reg-u-nt
...
audi-t
...
...
audi-u-nt
...
cap-i-t
...
...
capi-u-nt
...
es-t
...
...
s-u-nt
c) Wir klären den Fall endgültig:
Die verschiedenen Formen identifizieren wir an ihren
Endungen:
Inf.: -re
| 1. Pers. Sgl.: -o | 3. Pers. Sgl.: -t
| 3. Pers. Pl.: -nt
Bei den a-Stämmen gibt es
kein Problem: an den Stamm (ama-) treten die Endungen
-t und -nt.
Nur in der 1, Sgl. frisst die gefräßige
Personenendung -o
das Stamm-a einfach auf. Sieh nur, wie dick und rund
es ist!
Die e-Stämme sind wirklich
ganz problemlos: Stamm (mone-) + Endungen
-o, -t und -nt.
Bei den Konsonantenstämmen
gibt es zwei Aussprechvokale: -i-
und -u-.
In der i-Konjugation gibt es nur
den Aussprechvokal -u-
in der 3. Pers. Pl.
Bei den Mischstämmen haben
wir in den beiden Randformen einen i-Stamm (capi-),
sonst einen Konsonantenstamm (cap-).
Die Aussprechvokale -i-
und -u- werden wie bei den Konsonantenstämmen
verwendet.
Um die Bestandteile der "Extra-Wurst"
kümmern wir uns jetzt noch nicht weiter. Wir
verzehren sie einfach mit Genuss!
So geht es den Kriminalbeamten
meistens: Viele kleine, unscheinbare Spuren, aber alle
zusammen führen eindeutig zum Täter!
d)
In das Protokoll schreiben wir unsere zukünftige
Lernform
und erkennen an den Indizien, welcher Stammgruppe
sie zugehören:
f) Jetzt haben wir Außendienst:
Es geht auf Verbrecherjagd! (Wir tun natürlich
nur so, um herauszufinden, ob unser Identifizierungsverfahren
auch klappt!)
Verbaltäter:
Unser Verfahren funktioniert! Wir haben
wirklich jeden Täter eindeutig identifiziert. Wir
würden jetzt gern in unsere Diensträume zurückkehren
und noch ein Stück Sahnetorte essen.
g) Aber unser Hauptkommissar behauptet, überhaupt gäbe
es ein weiteres Stück Sahnetorte nur, wenn wir auch die Pluralformen
der Nomina in unsere Kartei aufgenommen hätten. Was machen wir nicht
alles für ein Stück Sahnetorte?
3.)
Die Pluralformen der Nomina (Substantive und Adjektive)
Schon in den beiden Ausgangssätzen gab es Freunde (amici)
und Freundinnen (amicae): jeweils zwei. Machen
wir es kurz und schreiben zu allen Singularformen, die wir
bisher kennen, die entsprechende Pluralform:
Substantive
a
- Stämme
o
- Stämme
Kons.
Stämme
e-
Stämme
Numerus:
Singular
Plural
ancill-a
ancill-ae
ancill-ae
ancill-arum
ancill-am
ancill-as
Singular
Plural
fili-us
fili-i
fili-i
fili-orum
fili-um
fili-os
Singular
Plural
victor {
}
victor-es
victor-is
victor-um
victor-em
victor-es
Singular
Plural
r-es
r-es
r-ei
r-erum
r-em
r-es
Nominativ (Subjekt)
Genitiv
Akkusativ (Objekt)
"Mitgefangen - mitgehangen!" oder:
Wie man Nominaltäter am besten ermittelt: Der
"Alte" (so nennen wir den Hauptkommissar manchmal
liebevoll) meint: Am besten durch ein peinliches Verhör
(Fragen): Für jeden Kasus gibt es eine bestimmte
Frage! Und manchmal - meint er - erkennt man sie auch an ihren
Komplizen (Begleitern). Beispiel: labores
und labores
scheinen identisch zu sein, aber labores
magni werden durch ihren verräterischen
Komplizen (Attribut) als Nom.
Pl. enttarnt und labores
magnos als Akk.
Pl. Auch Präpositionen sind Komplizen
und Verräter, denn in dem Pärchen ad
labores muss labores
eindeutig Akk. Pl.
sein.
Was schließen wir daraus? - Wir müssen die Komplizen
kennen und legen eine Datei an:
Adjektive
der o - und a - Deklination
bonus,
bona, bonum - gut
Placenta
vobis placeat!
Lasst Euch die Torte schmecken!
Singular
masc.
fem.
neutr.
Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
bon -
us
bon - i
...
bon - um
bon -
a
bon - ae
...
bon - am
bon -
um ...
...
...
Plural
Nom.
Gen.
Dat.
Akk.
bon -
i
bon - orum
...
bon - os
bon -
ae
bon - arum
...
bon - as
bon -
a
...
...
...
Nominaltäter stellen uns jetzt
auch vor keine Probleme mehr:
Übungstext:
Unsere
Familie feiert die Saturnalien
Das Fest der Saturnalien galt dem Gott Saturnus. Es erinnert
stark an unsere Faßnacht, denn an diesem Fest vertauschten
Sklaven und Herren häufig ihre Rollen.
Hodie dies festus est. Romani Saturnum deum adorant.
Spes liberos non fallit: Dies festus semper res iucunda
est.
Valeria et Paula bonam cenam parant.
Servi et ancillae portam aperiunt et villam intrant.
Tum Syrus et Paula ad mensam consiÂdunt et dicunt:
„Nunc Gaius et Valeria non domini, sed servi sunt!“
Gaius et VaÂleria statim parent et cenam apportant.
Syrus Gaium vituperat: „Gaius servus malus est; labores
fugit. Semper malae res Gaium servum delectant.“