|
|

Theater
auf zwei Bühnen? Ein
Satz ist wie eine Bühne,
die uns ein Geschehen zeigt. Hier haben wir sogar zwei Bühnen.
Haben wir auch ein doppeltes Geschehen? |
| |
|
- Die beiden Szenen stehen gleichwertig nebeneinander.
Wir können keiner von ihnen einen Vorrang einräumen.
Beide sind sind Hauptszenen.
Beide Sätze sind gleichwertig
als Hauptsätze aneinandergereiht. Sie bilden eine Satzreihe.
- Weil aber beide Szenen denselben Hauptdarsteller und ein
ähnliches Geschehen haben, liegt die Vermutung nahe,
dass, was hier geschieht, auch einen inneren Zusammenhang
hat. Wenn wir genauer überlegen, kommen wir mindestens
zu folgenden sinnvollen Verknüpfungen:
-
| Die
Kuh hat Hunger. |
Deswegen |
frisst
die Kuh |
Grund
- kausal |
| Dann |
Zeitfolge
- temporal |
| In
diesem Fall |
Fallsetzung-
konditional |
- Die beiden Handlungen bleiben zwar aneinandergereiht,
aber sie sind in einen inneren Zusammenhang getreten:
Der erste Satz begründet den zweiten ("deswegen"),
er geht ihm zeitlich voran ("dann") oder er
setzt einen Fall ("in diesem Fall"), der eine
"Bedingung" dafür angibt, dass die zweite
Handlung eintritt.
Die Satzreihe bleibt zwar
erhalten, aber durch ein sinntragendes Bindewort (Hauptsatzkonjunktion)
sind die beiden Hauptsätze in einen inneren Zusammenhang
getreten. Der erste Satz verhält sich zum zweiten
begründend (kausal), zeitlich (temporal) oder bedingend
(konditional).
- Tun wir nun den entscheidenden Schritt: Wenn es sich um
zwei zusammenhängende Szenen aus ein und demselben
Stück handelt, wäre viel besser, sie
nicht auf zwei, sondern auch auf einer Bühne
spielen zu lassen. Wir vereinigen also die beiden getrennten
Szenen (die Szenenreihe) auf einer Bühne
zu einem einheitlichen Szenengefüge,
das sich aus einer Hauptszene und
einer Nebenszene aufbaut.
Wir verbinden die beiden getrennten
Sätze (die Satzreihe) zu einem einheitlichen Satzgefüge,
das sich aus einem Hauptsatz und einem Nebensatz aufbaut.
-
| Weil |
die Kuh Hunger hat, |
frisst
(die Kuh) sie. |
| Sobald |
| Wenn |
- Wir haben jetzt nur noch eine Hauptszene, nämlich
die fressende Kuh. Die hungrige Kuh führt nur noch
eine untergeordnete Nebenszene vor Augen, die der Hauptszene
Hintergrund und Tiefenschärfe verleiht.
Wir haben nur noch
eine Hauptaussage, nämlich: "Die Kuh frisst".
Die Tatsache, dass sie Hunger hat, spielt nur noch eine
untergeordnete Nebenrolle. Dieser Zusatz ("Weil
die Kuh Hunger hat") liefert für sich allein
auch keine sinnvolle Aussage. Er verweist auf den Hauptsatz,
den er erläutert. Er gibt nur noch einen näheren
Umstand zum Fressen an. Der mit dem Bindewort eingeleitete
Satz ist also untergeordnet, ein Nebensatz. Er gibt
einen näheren Umstand zum Hauptsatz an und ist
somit Adverbiale zum Hauptsatz.
|
 |
 |
 |
| Die
Kuh frisst, |
| weil,
sobald, wenn |
|
|
| sie
Hunger hat |
|
| 
|
|
|
|
|
Zur
Vertiefung und Festigung |
. |
| Links
findest Du eine Satzreihe. Beachte: der zweite
HS wird immer mit einem sinntragenden Wort (HS-Konjunktion)
angebunden |
Eine
Übung mit der Kuh |
Bilde
rechts ein Satzgefüge!
Beachte: Die sinntragende NS-Konjunktion leitet
den NS ein (eine zusätzliche HS-Konjunktion
ist jetzt überflüssig). |
- Die Kuh hat frisch gefressen.
Deswegen kaut sie.
- Die Kuh hat frisch gefressen. Nur in
diesem Fall kaut sie.
- Die Kuh hat nicht frisch gefressen. Trotzdem
kaut sie.
- Die Kuh hat alles wiedergekäut. Jetzt
(dann) will sie schlafen.
|
|
- Weil..., (deswegen) kaut sie. - Der NS nennt
einen Grund für den HS
- Nur wenn..., kaut sie. - Der NS nennt eine Bedingung
für den HS
- Obwohl..., kaut sie. - Der NS nennt einen Gegengrund
zum HS.
- Sobald (nachdem)...,
der NS nennt für den HS eine Zeitbestimmung
|
|
|
|
|
Wenden wir unsere "Bühnentechnik"
jetzt auf lateinische Sätze an:
| Gaius
a Syro servo non amatur. |
Gaius
dominus severus est. |
Wir haben zwei Sätze nach bekanntem
Muster. Sie sind unverbunden aneinandergereiht (Satzreihe),
als hätten sie nichts miteinander zu tun. Doch wenn wir
genauer nachdenken, stellen wir fest, dass die Aussagen der
beiden Sätze nicht unabhängig voneinander sein müssen,
sondern in einem inneren logischen Verhältnis zueinander
stehen (können). Zum Beispiel:
-
| Der erste Satz könnte
die Folge des zweiten angeben: |
"Gaius
ist ein strenger Herr" - Mit
welcher Folge? - Die Folge ist: "Er
wird von Syrus nicht geliebt" |
| [Gaius
ist ein strenger Herr, so
dass er von Syrus nicht geliebt wird]
|
|
-
| Der erste Satz könnte
die Voraussetzung (Fallsetzung) oder Bedingung
des zweiten angeben: |
"Gaius
ist ein strenger Herr" - unter welcher Bedingung (Voraussetzung)?
- die Bedingung (Voraussetzung) ist: "Er wird von Syrus nicht geliebt".
|
| [Gaius ist ein strenger Herr, (nur)
wenn er von Syrus nicht geliebt wird] |
|
-
| Der zweite Satz könnte
aber auch die Voraussetzung (Fallsetzung) oder
Bedingung des ersten angeben: |
"Gaius
wird von Syrus nicht geliebt"- unter welcher Bedingung (Voraussetzung)?
- die Bedingung (Voraussetzung) ist:
"Gaius ist ein strenger Herr" |
| [Gaius wird von Syrus nicht geliebt, (nur) wenn er ein strenger Herr ist
(andernfalls schon)] |
|
-
| Der zweite Satz könnte
aber auch der Grund für den ersten angeben: |
"Gaius
wird von Syrus nicht geliebt"- aus
welchem Grund? - der
Grund ist: "Gaius
ist ein strenger Herr" |
| [Gaius
wird von Syrus nicht geliebt, (nur)
weil er ein strenger Herr ist (aus
sonst keinem Grund)] |
|
Überlegen
wir, was wir mit den beiden Sätzen jedes Mal angestellt
haben?
- Wir haben die (scheinbare) Unabhängigkeit
der beiden Sätze aufgegeben, und den einen jeweils
in den Dienst des anderen gestellt (ihn abhängig
gemacht, ihn untergeordnet).
So haben wir einen Hauptsatz
und einen Nebensatz erhalten:
Aus der Satzreihe ist
ein Satzgefüge geworden.
- Die Aussage des jetzt untergeordneten Satzes
spielt auch nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie
nennt in ihrer neuen Umgebung (nur noch) einen näheren
Umstand (Adverbiale):
eine Folge, eine Bedingung, einen Grund oder sonst
einen denkbaren Umstand im Dienste der übergeordneten
Aussage. Das heißt: der ursprüngliche Hauptsatz
ist zu einem adverbialen Nebensatz
(Adverbialsatz) geworden. Für sich allein
hätte er keinen vollständigen Sinn mehr.
- Dabei haben wir jeweils den untergeordneten
Satz mit einer Konjunktion
(Bindewort) "angebunden", die das
Adverbialverhältnis (den Sinnbezug zum Hauptsatz)
eindeutig bestimmt. [Deshalb sprechen wir auch von
einem konjunktionalen Nebensatz
oder einem adverbialen Nebensatz
oder einem konjunktionalen
Adverbialsatz]:
- so dass: Folge
- wenn: Bedingung
- weil: Grund
- sobald, nachdem: Zeit
- Dabei müssen wir noch einige kleine
Formalitäten berücksichtigen:
- die Stellung des Nebensatzes: Der NS
kann dem Hauptsatz vorangehen, ihm folgen oder
in ihn eingeschoben werden.
- Das gemeinsame Subjekt wird nur im ersten
der beiden Teilsätze ausgeführt, im
folgenden ersetzt.
- Im deutschen Nebensatz haben wir eine
besondere Wortstellung
|
|
Wir wollen nun Schritt
für Schritt die Umwandlung unserer Satzreihe in ein (kausales)
Satzgefüge veranschaulichen:
- Wir haben zunächst die beiden gleichwertigen
Sätze (also eine Satzreihe):
| Gaius
a Syro servo non amatur. |
Gaius dominus severus est. |
- Wir fügen nun den zweiten Satz als Grund
in den ersten ein. Damit begründet er, warum Gaius
von Syrus nicht geliebt wird. Er wird im ersten Satz Kausaladverbiale.
Die entsprechende Konjunktion heißt "quod
- weil".
(Das gemeinsame Subjekt lassen wir bei der Wiederholung
weg.)
| Gaius
a Syro servo non amatur, |
| QUOD
(Gaius) dominus severus est.
|
|
|
- Wir erproben alle möglichen Stellungen des
Nebensatzes (und verhindern jeweils die Wiederholung des
gemeinsamen Subjekts): a) Endstellung,
b) Anfangsstellung, c)
Zwischenstellung
| Gaius
a Syro servo non amatur, |
| QUOD dominus severus est. |
|
|
| QUOD
Gaius dominus severus est,
|
|
a
Syro servo non amatur. |
|
| Gaius,
|
| QUOD
dominus severus est, |
|
a
Syro servo non amatur. |
|
- An dem folgenden Satzbild kannst Du klar erkennen,
dass der Nebensatz als Kausaladverbiale dem Hauptsatz untergeordnet
ist. [Er wird nicht anders behandelt als alle sonstigen
Adverbialien].
|
|
| Natürlich kann man die einzelnen
Satzglieder des Nebensatzes farbig kennzeichnen,
aber darauf kam es uns hier nicht an. |
|
|
| Welche verschiedenen
Adverbialsätze (Konjunktionen) kennen wir bisher? |
| 1.
Kausalsatz |
Grund |
quod |
weil |
| 2.
Konzessivsatz |
Gegengrund
(Einräumung) |
quamquam |
obwohl |
| 3.
Konditionalsatz |
Bedingung |
si
nisi |
wenn
wenn nicht |
| 4.
Temporalsatz |
Zeit |
ubi
postquam
cum |
sobald
nachdem
als (plötzlich) |
|
I.) Übungstext:
Die
sieben Könige von Rom
- Postquam nimbus densus Romulum in Campo Martio circumdedit
et in caelum ad patrem portavit, Numa Pompilius rex
Romanorum fuit.
- Quamquam populi vicini Romanis insidias parabant,
Numa Pompilius Romanos monuit: "Desinite pugnare,
Romani! Pugnas finite et deos recte colite!"
- Nisi Romani errabant, Servius Tullius, rex Romanorum
sextus, quod hostes arcere cupiebat, murum primum
aedificavit.
- Populus Romanus, ubi Tarquinium Superbum, regem
ultimum, ex patria pepulit, quotannis duos consules
creabat.
|
| |
Angaben:
- nimbus, i, m - Wolke / rex, regis, m - König
/ sextus,a, um - der sechste / ultimus, a, um - der
letzte / duos - zwei (Akk. Pl. m.)
- Namen: Romulus / Campus Martius / Numa Pompilius
/ Servius Tullius / Tarquinius Superbus
Extra-Aufgabe:
- Hast Du Überschrift und Text aufmerksam gelesen?
Wie heißen der zweite und der siebte römische
König mit Namen?
- Im Arbeitstext kommen zwei temporale Nebensätze
vor. Gib die beiden Satznummern und die zugehörigen
Konjunktionen an!
- In einem Satz des Arbeitstextes kommen sogar zwei
Nebensätze vor. Gib die Satznummer, die beiden
Konjunktionen und jeweils die Art des Nebensatzes
(welches Adverbialverhältnis?) an!
|
|
II.) Übungstext:
Titus als Münchhausen Alle Soldaten erzählen,
wenn sie aus dem Krieg zurück sind, unglaubliche
Geschichten.
Auch Titus will den Kindern "ein Märchen aufbinden":
- Titus: "Audite, pueri! Quamquam parvi eratis,
me cum Pompeio imperatore in Asia fuisse scitis.
- Ibi aliquando solus sub arbore stabam et equos custodiebam,
cum subito magnam portam in terra esse vidi.
- Quod oculos me fallere credidi, incautus portae
appropinquavi, sed statim per portam in terram cecidi.
- Multos dies cadebam, sed tandem Cerberum latrare
audivi.
- Cerberus me neque timore complevit neque in fugam
dedit; sed me intrare sivit."
- Marcus: "Fabula", inquit, "mihi placet;
sed vera non est. Tu, Tite, nos fallere cupis."
- Et Lucius addidit: "Si tu nos fallere cupis, te
ipse (selbst) fefellisti, Tite!"
|
| |
Angaben:
- 2 solus,a,um - allein / custodire,io,ivi - bewachen
5 Cerberus,i,m - Kerberus (Ein vielköpfiger Hund,
der den Eingang zur Unterwelt bewacht) / latrare -
bellen 7 verus,a,um - wahr;
ipse (Nom.Sgl.m) - selbst
Extra-Aufgabe:
- Folgende Formen sollen (lateinisch) im Prs., Imperf.
und Perf. stehen:
1. pellunt, 2. cecinimus, 3. reperiebatis, 4. pendebat,
5. dees, 6. doceo
|
|
III.) Übungstext:
Romulus
vor dem Himmelstor
(Eine fast unglaubliche
Geschichte. Ob sie auch von dem "glaubwüdigen"
Iulius Proculus stammt?)
- Postquam nimbus densus Romulum e campo Martio ad
deos portavit, viri Romani valde dolebant.
- Romulus autem, ubi ad Olympi portam venit, magno
clamore clamavit: „Audite, dei! Novus deus adest.
Sinite me intrare!“
- Sed dei, quamquam Romulus se deum esse dixit,
portam Olympi non aperuerunt.
- Romulus diu stabat, cum Hercules apparuit
et: „Heus tu“, inquit, „Quid accidit? Cur tu
hic clamas? Nisi oculi me fallunt, non deum, sed virum
video. Tace et fuge!“
- Romulus, ut Hercules imperavit, statim tacuit, neque
tamen fugit sed: „Si tu“, inquit, „deus es, ceteris
deis filium Martis advenisse nuntia! Adsum, quod pater
meus me nunc deum esse cupit.“
|
| |
Angaben:
- 1 Olympus, i, m – der Olymp (der Berg, auf dem die
Götter wohnen) | 2 se – Sbj. im AcI: „dass er“
| 4 heus tu! – he du! | hic (Adv.) – hier | 5 neque
tamen – aber nicht
- Götternamen: Hercules (Nom.) / Mars, Martis
m
Extra-Aufgabe:
- Welche Art von Nebensatz (Adverbiale Bestimmung)
leiten folgende Konjunktionen ein:
- postquam (1)
- ubi (2)
- quamquam (3)
- nisi (4)
- ut (5)
- quod (5)
|
|
© 2000 - 2012 E.G.
|
|
|
|
|