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Mit dem Konsulat
des Gaius Asinius
und Gaius Antistius
erlebte Tiberius
jetzt im
neunten Jahr das Gemeinwesen in guter Ruhe, sein
Haus in blühendem Zustand - denn des Germanicus
Tod gehörte
ihm zu den erwünschten Ereignissen - als auf einmal der Himmel zu stürmen
begann, er selbst in Grausamkeit ausbrach und fremder Grausamkeit die Macht
lieh. Anfang
und Ursache davon war Aelius
Seianus, Präfekt der prätorischen
Kohorten, von dessen mächtigem Einfluss ich oben gesprochen habe. Jetzt
will ich Herkunft und Charakter des Mannes darlegen, und wie er mit frevelnder
Hand die Herrschergewalt an sich zu reißen trachtete. Geboren zu Vulsinii,
Sohn des römischen Ritters Seius
Strabo, und in früher Jugend schon im Gefolge des Gaius
Caesar, des Enkels des verewigten Augustus
befindlich, nicht frei von der Nachrede, dass er sich dem reichen Verschwender
Apicius preisgegeben habe,
fesselte er später den Tiberius
durch mancherlei Künste, so dass der, der für jedermann verschlossen
war, gegen ihn allein Vorsicht und Zurückhaltung ablegte; möglich
wurde dies nicht sowohl durch den Reichtun seines Geistes an Mitteln und
Wegen - er ließ durch die gleichen Künste
sich zu Fall bringen - als durch die Ungnade
der Götter gegen Rom, für das sein Glück und sein Sturz
gleich verderblich wurde. Er war ausdauernd in körperlicher Anstrengung,
verwegenen Geistes, verschlossen mit den Seinigen, gegenüber anderen
ein Lästerer, kriechend zugleich und hochmütig nebeneinander;
in der äußeren Erscheinung berechnete Bescheidenheit, im Innern
lüsterne Gier, nach dem Höchsten zu greifen, daher denn bald verschwenderische
Freigebigkeit und Üppigkeit,
bald wieder - und das häufiger - betriebsame Tätigkeit und Wachsamkeit
- nicht weniger schuldhafte Eigenschaften, sobald sie bloß zum Erwerb
der Alleinherrschaft angenommen werden. |
(4,1)
C. Asinio C. Antistio consulibus nonus Tiberio annus erat compositae rei
publicae, florentis domus (nam Germanici mortem inter prospera ducebat),
cum repente turbare fortuna coepit, saevire ipse aut saevientibus viris
praebere. initium et causa penes Aelium Seianum, cohortibus praetoriis praefectum,
cuius de potentia supra memoravi: nunc originem, mores, et, quo facinore
dominationem raptum ierit, expediam. genitus Vulsiniis patre Seio Strabone
equite Romano, et prima iuventa Gaium Caesarem, divi Augusti nepotem, sectatus,
non sine rumore Apicio diviti et prodigo stuprum veno dedisse, mox Tiberium
variis artibus devinxit adeo, ut obscurum adversum alios sibi uni incautum
intectumque efficeret, non tam sollertia (quippe isdem artibus victus est)
quam deum ira in rem Romanam, cuius pari exitio viguit ceciditque. corpus
illi laborum tolerans, animus audax; sui obtegens, in alios criminator;
iuxta adulatio et superbia; palam compositus pudor, intus summa apiscendi
libido, eiusque causa modo largitio et luxus, saepius industria ac vigilantia,
haud minus noxiae, quotiens parando regno finguntur. |
- "Die Bücher 4-6 bilden eine neue, in sich geschlossene Einheit,
die sich von der erste Trias in Zielsetzung und Problemstellung entscheidend
abhebt (vgl. Syme, Tac. I 253ff.)" (Köstermann II 31)
- Beachte die zu jeweils tiefer liegenden Ursachen voranschreitende
Begründungskette für die Erklärung des abrupten Umbruchs
(der Peripetie):
- turbare fortuna coepit, saevire ipse (Tiberius)
- initium et causa penes Aelium Seianum
- deum ira in rem Romanam!
- Vergleiche die Charakterisitk des Seianus nach inhaltlichen und formalen
Kriterien mit der des Catilina bei Sallust (Sall.Cat.5,1-8)!
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Die Gewalt des Präfekten der
Leibwache war bis dahin
beschränkt gewesen. Er verstärkte sie dadurch, dass er die zerstreut
in der Stadt umherliegenden Kohorten in eine Kaserne zusammenzog.
Sie sollten alle zu gleicher Zeit ihre Befehle erhalten und durch den Anblick
ihrer Zahl und Kernhaftigkeit Vertrauen auf sich gewinnen, für die
anderen aber furchtbar werden. Zum Vorwand aber nahm er: über einen
weiten Raum zerstreute Truppen würden ausgelassen; so aber sei gleichmäßig
alles zur Hand, wenn plötzlich etwas vorfalle, und man habe dann kräftigere
Hilfe; auch werde ein größerer Ernst unter sie kommen, wenn Wall
und Graben sie von den Lockungen der Stadt fernhalte. Als jetzt die Kasernierung
abgeschlossen war, suchte er sich allmählich bei den Soldaten einzuschleichen,
machte Besuche, redete sie an, wählte auch selbst die Centurionen,
die Tribunen. So war es ihm auch nicht zu viel, seine Stellung als Senator
zu benutzen, um seine Clienten mit Ehrenstellen und Provinzen auszustatten;
und Tiberius war
so willfährig, so zuvorkommend, dass er ihn als Mitarbeiter nicht allein
im Gespräch, sondern auch vor den Vätern und dem Volk rühmte;
ja er ließ es geschehen, dass seinem Bildnis in den Theatern, auf
öffentlichen Plötzern und vor dem Feldherrnzelt der Legionen Verehrung
erwiesen wurde. |
(4,2)
Vim praefecturae modicam antea intendit, dispersas per urbem cohortis una
in castra conducendo, ut simul imperia acciperent numeroque et robore et
visu inter se fiducia ipsis, in ceteros metus oreretur. praetendebat lascivire
militem diductum; si quid subitum ingruat, maiore
auxilio pariter subveniri; et severius acturos si vallum statuatur procul
urbis inlecebris. ut perfecta sunt castra, inrepere paulatim militaris animos
adeundo, appellando; simul centuriones ac tribunos ipse deligere. neque
senatorio ambitu abstinebat clientes suos honoribus aut provinciis ornandi,
facili Tiberio atque ita prono ut socium laborum non modo in sermonibus,
sed apud patres et populum celebraret colique per theatra et fora effigies
eius interque principia legionum sineret. |
- Zur Bedeutung der Kasernierung und Neuorganisation der Prätorianergarde
Till-Röver: "Das war die Stunde, in der sich der Prinzipat
zur Militärmonarchie zu wandeln begann."
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Indes vesprach das volle
Haus der Caesaren, der Sohn in seiner Jugendkraft, die erwachsenen Enkel,
den Wünschen seines Herzens keine schnelle Befriedigung. Mit Gewalt
an so viele zugleich die Hand zu legen, war misslich; der Weg der List aber
machte Pausen nötig. Da entschloss er sich doch zu dem verdeckteren
Weg und den Anfang mit Drusus
zu machen, gegen den ihn frische Rache trieb. Denn Drusus,
der den Nebenbuhler nicht leiden konnte und dessen Gemüt leicht zu
erregen war, hatte bei einem zufällig entstandenen Wortwechsel gegen
Seianus die Hand erhoben und,
als dieser sich widersetzte, ihm ins Gesicht geschlagen. Seian
fand es nun, wenn er alles überlegte, am ratsamsten, sich an dessen
Gattin Livia zu machen, die,
eine Schwester des Germanicus,
in ihrem früheren Alter von unansehnlicher Gestalt, sich später
durch Schönheit auszeichnete. Diese verlockte er, als wäre er
von Liebe entbrannt, zur Untreue. Nachdem er sie zu Fall gebracht hatte
- ein Weib versagt nach Verlust ihrer Keuschheit nichts mehr - trieb er
sie weiter zur Hoffnung auf ein Ehebündnis, zum Gedanken an Teilung
des Thrones und Tötung des Gatten. Und sie, die Augustus
zum Großonkel,
Tiberius zum Schwiegervater
und Kinder von Drusus
hatte, besudelte sich und ihre Ahnen und ihre Nachkommen mit einem ehebrecherischen
Landstädter, um für ein ehrenvolles naheliegendes Glück ein
schmachbedecktes, in unsicherer Ferne wirkendes einzutauschen. Eudemus,
der Freund und Arzt der Livia,
der unter dem Vorwand seiner Kunst oft mit ihr allein
war, wurde ins Geheimnis gezogen. Seianus
jagt siene Gattin Apicata,
mit der er drei Kinder gezeugt hatte, aus dem Haus, um bei der Buhlin keinen
Verdacht zu erregen. Aber das Ungeheuere des frevelhaften Anschlags erzeugte
noch Furcht, Aufschub, mitunter widerstreitende Pläne. |
(4,3) Ceterum
plena Caesarum domus, iuvenis filius, nepotes adulti moram cupitis adferebant;
et quia vi tot simul corripere intutum, dolus intervalla scelerum poscebat.
placuit tamen occultior via et a Druso incipere, in quem recenti ira ferebatur.
nam Drusus impatiens aemuli et animo commotior orto forte iurgio intenderat
Seiano manus et contra tendentis os verberaverat. igitur cuncta temptanti
promptissimum
visum ad uxorem eius Liviam convertere, quae soror Germanici, formae initio
aetatis indecorae, mox pulchritudine praecellebat. hanc ut amore incensus
adulterio pellexit et, postquam primi flagitii potitus est (neque femina
amissa pudicitia alia abnuerit), ad coniugii spem, consortium regni et necem
mariti impulit. atque illa, cui avunculus Augustus, socer Tiberius, ex Druso
liberi, seque ac maiores et posteros municipali adultero foedabat, ut pro
honestis et praesentibus flagitiosa et incerta expectaret. sumitur in conscientiam
Eudemus, amicus ac medicus Liviae, specie artis frequens secretis. pellit
domo Seianus uxorem Apicatam, ex qua tres liberos genuerat, ne paelici suspectaretur.
sed magnitudo facinoris metum, prolationes, diversa interdum consilia adferebat. |
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Inzwischen legte Drusus,
einer von des Germanicus
Söhnen am Anfang des Jahres die Männertoga an. Was der Senat seinem
Bruder Nero zuerkannt
hatte, wiederholte sich hier. Der kaiser hielt dabei einen Vortrag mit
viel Lob für seinen Sohn, wie er ein so väterliches Wohlwollen
gegen die Kinder seines Bruders hege. Wirklich nahm man, so schwer es auch
sein mag, hohe Macht und herzliches Einvernehmen miteinander zu finden,
von Drusus an, er sei
den Jünglingen gewogen, zumindest nicht abgeneigt. |
(4,4)
Interim anni principio Drusus ex Germanici liberis togam virilem sumpsit,
quaeque fratri eius Neroni decreverat senatus, repetita. addidit orationem
Caesar multa cum laude filii sui, quod patria benevolentia in fratris liberos
foret. nam Drusus, quamquam arduum sit eodem loci potentiam et concordiam
esse, aequus adulescentibus aut certe non adversus habebatur. |
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Nun tauchte der alte, oft zum Schein vorgetragene
Plan einer Reise in die Provinzen wieder auf. Der Kaiser gab die Menge der
Veteranen als Grund an und die Notwendigkeit, die Heere durch Aushebung
zu ergänzen: denn es fehle an Freiwilligen, und selbst wenn es genug
davon gäbe, so herrsche doch nicht die selbe Tapferkeit und Manneszucht
bei solchen Truppen, weil in der Regel nur Arme und Landstreicher freiwillig
zur Fahne gingen. Dabei gab er einen summarischen Überblicküber
die Zahl der Legionen und die von ihnen bewachten Provinzen. |
exim vetus et saepe simulatum proficiscendi in provincias
consilium refertur. multitudinem veteranorum praetexebat imperator et dilectibus
supplendos exercitus: nam voluntarium militem deesse, ac si suppeditet,
non eadem virtute ac modestia agere, quia plerumque inopes ac vagi sponte
militiam sumant. percensuitque cursim numerum legionum et quas provincias
tutarentur. |
- Die Überleitung zu dem Exkurs (4,5) erfolgt thematisch formal
unmerklich und zwanglos. Inhaltlich aber ist der Wunsch des Kaisers,
die Provinzen zu bereisen, reine Schauspielerei und zeigt den aufbrechenden
Gegensatz zwischen Wirklichkeit und Fiktion: der Ankündigung einer
bedeutenden politischen Unternehmung korresponidert in Wirklichkeit
der persönliche Rückzug aus der Politik nach Capri. Der Exkurs
macht dem Leser deutlich, dass wirklich eine Unterbrechung der Entwicklung
erfolgt ist, dass derzeitig ein bedeutender Umbruch (zum Schlechteren)
vonstatten geht.
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Auch ich finde es zweckmäßig, hier
aufzuführen, was damals die Waffenmacht Roms, wer die verbündeten
Könige, und wie viel enger die Grenzen unserer Herrschaft waren. |
quod mihi quoque exequendum reor, quae tunc Romana copia
in armis, qui socii reges, quanto sit angustius imperitatum. |
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Den Schutz Italiens besorgte in beiden
Meeren jeweils eine Flotte: die eine lag bei Misenum,
die andere bei Ravenna; die
nächstgelegene Küste von Gallien bewachten die Kriegsschiffe,
die Augustus in der Schlacht
von Actium erbeutet und mit
kräftigem Rudervolk nach der Stadt Forum
Iulium geschickt hatte. Eine besonders kräftige Waffenmacht stand
zum Rhein hin, acht
Legionen, als Schutzwehr zugleich gegen Germanien und Gallien.
Das erst neulich vollends bezwungene Spanien
wurde mit drei Legionen besetzt gehalten. Mauretanien
hatte König Iuba vom römischen
Volk zum Geschenk erhalten. Das übrige Afrika hielten zwei
Legionen, ebenso
viele Ägypten im
Zaum, sodann vier
Legionen den ganzen mächtigen Ländergurt, von da, wo Syrien
beginnt, bis zum Euphrat hin, wo Iberien,
Albanien
und andere
Königreiche angrenzen, die in der römischen Großmacht
Schutz gegen auswärtige Reiche finden. Thrakien hatten Rhoemetalces
und die Söhne des Cotys
inne, das Donauufer zwei Legionen
in Pannonien, zwei
in Moesien; ebenso viele ware in
Dalmatien aufgestellt, damit sie infolge der Lage des Landes jenen andern
den Rücken decken und zugleich, wenn Italien einr plötzlichen
Hilfe bedürfe, auch dahin nahe hätten, obgleich die Hauptstadt
ihre eigene Besatzung hatte, drei städtische und neun prätorische
Kohorten, meist in Etrurien und Umbrien ausgehoben, oder aus dem alten
Latium und den altrömischen Kolonien. An passenden Orten in den
Provinzen befanden sich auch noch bundesgenössische Dreirudrer, Reitergeschwader
und Hilfskohorten, und die Streitkräfte waren nicht viel geringer;
aber sie aufzuzählen wäre unsicher, da sie nach der Erfordernis
der Umstände dahin oder dorthin zogen, bisweilen vermehrt, bisweilen
auch wieder vermindert wurden. |
(4,5) Italiam
utroque mari duae classes, Misenum apud et Ravennam, proximumque Galliae
litus rostratae naves praesidebant, quas Actiaca victoria captas Augustus
in oppidum Foroiuliense miserat valido cum remige. sed praecipuum robur
Rhenum iuxta, commune in Germanos Gallosque subsidium, octo legiones erant.
Hispaniae recens perdomitae tribus habebantur. Mauros Iuba rex acceperat
donum populi Romani. cetera Africae per duas legiones parique numero Aegyptus,
dehinc initio ab Syriae usque ad flumen Euphraten, quantum ingenti terrarum
sinu ambitur, quattuor legionibus coercita, accolis Hibero Albanoque et
aliis regibus, qui magnitudine nostra proteguntur adversum externa imperia.
et Thraeciam Rhoemetalces ac liberi Cotyis, ripamque Danuvii legionum duae
in Pannonia, duae in Moesia attinebant, totidem apud Delmatiam locatis,
quae positu regionis a tergo illis, ac si repentinum auxilium Italia posceret,
haud procul accirentur, quamquam insideret urbem proprius miles, tres urbanae,
novem praetoriae cohortes, Etruria ferme Umbriaque delectae aut vetere Latio
et coloniis antiquitus Romanis. at apud idonea provinciarum sociae triremes
alaeque et auxilia cohortium, neque multo secus in iis virium: sed persequi
incertum fuit, cum ex usu temporis huc illuc mearent, gliscerent
numero et aliquando minuerentur. |
- Beginn des eigentlichen Exkurses mit den außenpolitischen Gegebenheiten.
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Es dürfte angemessen sein, auch über
die anderen Bereiche der Staatsverwaltung eine Übersicht zu geben und
zu zeigen, wie sie bis dahin gehandhabt wurden, weil ja dieses Jahr in der
Regierung des Tiberius
den Wendepunkt zum Schlimmeren bildet. Was fürs erste die öffentlichen
und die wichtigsten privaten Angelegenheiten betrifft, so wurden diese von
den Vätern verhandelt und den Angeseheneren unter ihnen war es
vergönnt, sich eingehend auszusprechen; denen, die in Schmeichelei
verfielen, pflegte
er selbst Einhalt zu gebieten. Bei Beförderungen leitete ihn die
Rücksicht auf Adel der Vorfahren, auf Kriegsruhm und ausgezeichnete
Leistungen im Frieden, so dass man mit Sicherheit annehmen konnte, die Wahl
habe nicht auf Bessere fallen können. Die Konsuln, die Prätoren
erschienen noch in der ihnen zustehenden Würde; die niederen Beamten
übten wirklich ihre Amtsgewalt aus, und die Gesetze waren, sieht man
von der Untersuchung der Majestätsverbrechen ab, in voller Kraft. De
Getreidelieferungen, die Zollerträge
und die übrigen Staatseinkünfte gingen durch die Hände von
Gesellschaften römischer Ritter. Die Verwaltung seines eigenen Vermögens
übertrug der Kaiser an Männer, die er als vollkommen erprobt kannte,
zuweilen auch an Unbekannte, bloß auf ihren Ruf hin, und die einmal
Angestellten wurden ohne zeitliche Beschränkung beibehalten. Die meisten
ergrauten in ein und derselben Anstellung. Das Volk litt zwar unter drückender
Teuerung, aber ohne alle Schuld
des Kaisers. Ja er suchte, wenn Misswachs eintrat oder die See stürmisch
war, den Folgen zu begegnen, so viel er durch Geldaufwand und Sorgfalt vermochte.
Auch achtete er darauf, dass nicht die Provinzen durch neue Lasten in Aufruhr
gebracht, die alten ihnen nicht durch Habsucht und Grausamkeit der Beamten
erschwert würden. Schläge als Strafmittel und Gütereinzug
kamen nicht vor. Grundbesitz hatte der Kaiser in Italien nur sparsam, mit
bescheidenem Sklavenstand; sein Haushalt in der Stadt war auf wenige Freigelassene
beschränkt, und wenn er einmal mit einem BBürger in einen Streit
geriet, so nahm er auf dem Forum sein Recht. |
(4,6) Congruens
crediderim recensere ceteras quoque rei publicae partis, quibus modis ad
eam diem habitae sint, quoniam Tiberio mutati in deterius principatus initium
ille annus attulit. iam primum publica negotia et privatorum maxima apud
patres tractabantur, dabaturque primoribus disserere et in adulationem lapsos
cohibebat ipse; mandabatque honores nobilitatem maiorum, claritudinem militiae,
inlustris domi artes spectando, ut satis constaret non alios potiores fuisse.
sua consulibus, sua praetoribus species; minorum quoque magistratuum exercita
potestas; legesque, si maiestatis quaestio eximeretur, bono in usu. at frumenta
et pecuniae vectigales, cetera publicorum fructuum societatibus equitum
Romanorum agitabantur. res suas Caesar spectatissimo cuique, quibusdam ignotis
ex fama mandabat, semelque adsumpti tenebantur prorsus sine modo, cum plerique
isdem negotiis insenescerent. plebes acri quidem annona fatigabatur, sed
nulla in eo culpa ex principe: quin infecunditati terrarum aut asperis maris
obviam iit, quantum impendio diligentiaque poterat. et ne provinciae novis
oneribus turbarentur utque vetera sine avaritia aut crudelitate magistratuum
tolerarent, providebat: corporum verbera, ademptiones bonorum aberant. rari
per Italiam Caesaris agri, modesta servitia, intra paucos libertos domus;
ac si quando cum privatis disceptaret, forum et ius. |
- Es folgt die Darstellung der innenpolitischen Verhältnisse
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Dem blieb er insgesamt treu, wenn auch nicht
in umgänglicher Weise - er erschien dabei vielmehr abstoßend
und in vielen Fällen wahrhaft furchterregend - bis es mit Drusus
Tod anders wurde. Solange nämlich dieser lebte, änderte sich nichts,
weil Seianus, dessen Macht erst
am Anfang stand, sich durch gute Ratschläge bekannt machen wollte und
weil er <in Drusus>
stets noch einen Rächer zu fürchten hatte, der seinen Hass nicht
verborgen hielt und sich häufig beschwerte, dass ein anderer, während
der Sohn am Leben sei, Reichsadjutant genannt werde; wie viel fehle denn
noch daran, dass er Mitkaiser genannt werde? Anfangs sei die Bahn der Herrschaft
schwer zu erklimmen; habe man sie aber einmal betreten, so fehle es nicht
an eifrigen Helfern. Schon stehe die Kasern nach dem Wunsch des Präfekten
da, seien ihm die Soldaten in die Hand gegeben; sein Bildnis sei im Theaterbau
des Pompeius zu sehen;
mit der Familie der Druser werde er sich in die Enkel
teilen; erbitten müsse man danach für ihn Bescheidenheit,
damit er sich zufrieden gebe. Dergleichen äußerte er nicht selten
und nicht vor wenigen; auch was er geheim hielt wurde nach der Verführung
seiner Gattin verraten. |
(4,7) Quae cuncta
non quidem comi via sed horridus ac plerumque formidatus retinebat tamen,
donec morte Drusi verterentur: nam dum superfuit, mansere, quia Seianus
incipiente adhuc potentia bonis consiliis notescere volebat, et ultor metuebatur
non occultus odii set crebro querens incolumi filio adiutorem imperii alium
vocari. et quantum superesse ut collega dicatur? primas dominandi spes in
arduo: ubi sis ingressus, adesse studia et ministros. extructa iam sponte
praefecti castra, datos in manum milites; cerni effigiem eius in monimentis
Cn. Pompei; communis illi cum familia Drusorum fore nepotes: precandam post
haec modestiam, ut contentus esset. neque raro neque apud paucos talia iaciebat,
et secreta quoque eius corrupta uxore prodebantur. |
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So glaubte Seianus,
sich beeilen zu müssen, und wählte ein Gift, das allmählich
wirken und so den Schein zufälliger Krankheit erwecken sollte. Dies
wurde Drusus, wie
man acht
Jahre später erfuhr, von dem Eunuchen Lygdus verabreicht. Übrigens
kam Tiberius während
der ganzen Dauer der Krankheit, entweder weil er nichts befürchtete
oder um seine Seelenstärke zur Schau zu tragen, ja auch als er gestorben
und noch nicht bestattet war, in die Kurie. Die Konsuln, die sich zum Ausdruck
ihrer Betrübnis in der Reihe
der anderen niedergelassen hatten, erinnerte er an ihren Ehrenplatz,
und als sich der Senat in Tränen ergoss, unterdrückte er sein
Schluchzen und suchte ihn in zusammenhängendem Vortrag aufzurichten:
Er wisse wohl, man könne es tadeln, dass er in so frischem Schmerz
vor den Augen des Senats erscheine; die meisten Trauernden könnten
kaum die Ansprache der Verwandten, kaum den Anblick des Tages ertragen und
man dürfe sie deswegen nicht einmal der Schwäche beschuldigen.
Er aber habe kräftigeren Trost im Schoße des Staates gesucht.
Er beklagte das dem Ende nahe Greisenalter
der Augusta, das (teilweise)
noch unreife Alter seiner
Enkel und sein zunehmendes Alter und verlangte, die Kinder des Germanicus
herbeizuführen, seine einzige Erleichterung im gegenwärtigen Leid.
Die Konsuln begeben sich hinaus, ermutigen dien Jünglinge durch Zuspruch,
geleiten sie hinein und stellen sie vor den Kaiser. Dieser fasste sie bei
der Hand und sagte: "Versammelte Väter! Sie, die ihr hier seht,
übergab ich, als die den Vater verloren hatten, ihrem Onkel
und bat ihn, obwohl er selbst Nachkommen habe, sie nicht anders als sein
eigen Blut zu pflegen, großzuziehen, für sich und für zukünftige
Geschlechter heranzubilden. Nun, da Drusus
uns entrissen wurde, richte ich meine Bitten an euch und beschwöre
euch im Angesicht der Götter und des Vaterlandes: nehmt ihr die Urenkel
des Augustus, die Sprösslinge
der erlauchten Ahnen auf als Kinder, leitet sie und tut an ihnen, was mir
und euch obliegt! Seht, Nero
und Drusus, dies
sind eure Väter! Eure Stellung und Bestimmung bringt es mit sich, dass
euer Glück und Wehe Sache des Gemeinwesens ist." |
(4,8) Igitur Seianus
maturandum ratus deligit venenum, quo paulatim inrepente fortuitus morbus
adsimularetur. id Druso datum per Lygdum spadonem, ut octo post annos cognitum
est. ceterum Tiberius per omnis valetudinis eius dies, nullo metu an ut
firmitudinem animi ostentaret, etiam defuncto necdum sepulto, curiam ingressus
est. consulesque sede vulgari per speciem maestitiae sedentis honoris locique
admonuit, et effusum in lacrimas senatum victo gemitu simul oratione continua
erexit: non quidem sibi ignarum posse argui, quod tam recenti dolore subierit
oculos senatus: vix propinquorum adloquia tolerari, vix diem aspici a plerisque
lugentium. neque illos imbecillitatis damnandos: se tamen fortiora solacia
e complexu rei publicae petivisse. miseratusque Augustae extremam senectam,
rudem adhuc nepotum et vergentem aetatem suam, ut Germanici liberi, unica
praesentium malorum levamenta, inducerentur, petivit. egressi consules firmatos
adloquio adulescentulos deductosque ante Caesarem statuunt. quibus adprensis
"patres conscripti, hos" inquit "orbatos parente tradidi
patruo ipsorum precatusque sum, quamquam esset illi propria suboles, ne
secus quam suum sanguinem foveret, attolleret, sibique et posteris conformaret.
erepto Druso preces ad vos converto disque et patria coram obtestor: Augusti
pronepotes, clarissimis maioribus genitos, suscipite, regite, vestram meamque
vicem explete. hi vobis, Nero et Druse, parentum loco. ita nati estis, ut
bona malaque vestra ad rem publicam pertineant." |
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Unter vielem Weinen und dann mit Segenswünschen
wurde dies vernommen; und hätte er es nur dabei bewenden lassen! - die
Zuhörer waren voll Teilnahme an seinem Leid, und er stand in ehrwürdigstem
Licht vor ihnen. So aber verlor er sich wieder in die eitlen und oft schon
zum Gespött gewordenen Äußerungen: er wolle die Regierung
abgeben, die Konsuln oder sonst jemand solle die Leitung übernehmen!
Damit entzog er auch dem, was ernst gemeint und löblich an ihm war,
den Glauben. Zum Ehrengedächtnis des Drusus
wurde das selbe beschlossen wie für Germanicus
und vieles noch hinzugefügt,
wie es spätere Schmeichelei zu tun pflegt. Das Leichenbegängnis
war durch den Zug der Ahnenbilder besonders feierlich, da Aeneras, der Stammvater
des Iulischen
Geschlechts, sämtliche Albaner-Könige,
Roms Gründer Romulus, dann
der Sabiner-Adel,
Attus Clausus und die Bildnisse
der übrigen Claudier in langer Reihe zu schauen waren. |
(4,9) Magno ea
fletu et mox precationibus faustis audita; ac si modum orationi posuisset,
misericordia sui gloriaque animos audientium impleverat: ad vana et totiens
inrisa revolutus, de reddenda
re publica utque consules seu quis alius regimen susciperent, vero quoque
et honesto fidem dempsit. memoriae Drusi eadem, quae in Germanicum, decernuntur,
plerisque additis, ut ferme amat posterior adulatio. funus imaginum pompa
maxime inlustre fuit, cum origo Iuliae gentis Aeneas omnesque Albanorum
reges et conditor urbis Romulus, post Sabina nobilitas, Attus Clausus ceteraeque
Claudiorum effigies longo ordine spectarentur. |
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In meinem Bericht über den Tod des Drusus
habe ich mich an das gehalten, was die meisten und zuverlässigsten
Geschichtsschreiber erzählen; doch will ich ein Gerücht aus jener
Zeit, das so erstarkt ist, dass es sich auch jetzt noch nicht ganz verlieren
will, nicht unerwähnt lassen. Nachdem Seianus
Livia dadurch, dass er
sie verführte, für das Verbrechen gewonnen hatte, habe er auch
den Eunuchen Lygdus - dieser war nämlich wegen seiner Jugend und
Schönheit bei seinem Herrn beliebt und einer seiner ersten Diener -
durch unzüchtigen Umgang an sich gefesselt. Als darauf unter den Eingeweihten
Ort und Zeit der Vergiftung verabredet war, sei er in der Frechheit so weit
gegangen, dass er die Sache umkehrte, Drusus
eines Giftanschlags auf seinen Vater beschuldigte und den Tiberius
in anonymer ANzeige vor dem ersten Becher warnte, der ihm, wenn er bei seinem
Sohn speise, gereicht werde. So getäuscht habe der Greis, als er zum
Mahl gekommen war, den Becher zwar genommen, ihn aber dem Drusus
dargereicht. Da ihn dieser ahnungslos in jugendlicher Weise geleert habe,
habe dies nur den Verdacht bestärkt, er habe aus Furcht und Scham sich
selbst den Tod gegeben, den er dem Vater bereitet hatte. |
(4,10) In tradenda
morte Drusi, quae plurimis maximaeque fidei auctoribus memorata sunt, rettuli:
set non omiserim eorundem temporum rumorem validum adeo, ut nondum exolescat.
corrupta ad scelus Livia Seianum Lygdi quoque spadonis animum stupro vinxisse,
quod is aetate atque forma carus domino interque primores ministros erat;
deinde inter conscios ubi locus veneficii tempusque composita sint, eo audaciae
provectum, ut verteret et occulto indicio Drusum veneni in patrem arguens
moneret Tiberium vitandam potionem, quae prima ei apud filium epulanti offerretur.
ea fraude captum senem, postquam convivium inierat, exceptum poculum Druso
tradidisse; atque illo ignaro et iuveniliter hauriente auctam suspicionem,
tamquam metu et pudore sibimet inrogaret mortem, quam patri struxerat. |
- Auch die Kapitel 10 und 11 bilden einen kleinen Exkurs, in dem sich
Tacitus kritisch mit einem hartnäckigen Gerücht auseinander
setzt.
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Dieses allgemein verbreitete Gerücht lässt
sich abgesehen davon, dass es keinen sicheren Gewährsmann für
sich hat, leicht widerlegen. Denn welcher einigermaßen besonnene Mensch,
ganz zu schweigen von dem durch eine so große Schule gegangenen Tiberius,
würde dem Sohn, ohne ihn zu hören, den Tod darreichen, und dies
mit eigener Hand, ohne jede Möglichkeit zur Reue? Warum hätte
er nicht viel eher den, von dessen Hand der Giftbecher kam, foltern, nach
dem Angeber forschen und die zaudernde Bedenklichkeit, die ihm sogar gegen
Fremde eigen war, auch gegen den einzigen Sohn anwenden sollen, den er zuvor
keines Verbrechens schuldig befundenen hatte? Aber weil Seianus als unerschöpflicher
Quell aller möglichen Untaten galt, schenkte man bei des Kaisers übergroßer
Liebe zu ihm und bei dem Hass aller anderen gegen die beiden auch den fabelhaftesten
und unnatürlichsten Dingen Glauben; immer übertreibt ja das Gerede
beim Tod der Machthaber ins Grässliche. Überdies wurde der Hergang
des Verbrechens durch des Seianus
Gattin Apicata verraten und durch Folterung des Eudemus und Lygdus ans volle
Licht gezogen. Auch ist kein Geschichtsschreiber aufgetreten, der gegen
Tiberius so feindselig
gewesen wäre, ihm solches zur Last zu legen, während sie sonst
alles gegen ihn aufsuchten und aufbauschten. Ich meinerseits hatte bei der
Mitteilung und Widerlegung dieses Gerüchts nur die Absicht, mit einem
in die Augen fallenden Beispiel falsches Gerede zurückzuweisen und
diejenigen, in deren Hände meine Arbeit gelangen mag, zu bitten, Verbreitetes
begierig aufzunehmen und der Wahrheit und dem, was nicht nicht ins Wunderbare
entstellt ist, vorzuziehen. |
(4,11) Haec
vulgo iactata super id, quod nullo auctore certo firmantur, prompte
refutaveris. quis enim mediocri prudentia, nedum Tiberius tantis rebus exercitus,
inaudito filio exitium offerret, idque sua manu et nullo ad paenitendum
regressu? quin potius ministrum veneni excruciaret, auctorem exquireret,
insita denique etiam in extraneos cunctatione et mora adversum unicum et
nullius ante flagitii compertum uteretur? sed quia Seianus facinorum omnium
repertor habebatur, ex nimia caritate in eum Caesaris et ceterorum in utrumque
odio quamvis fabulosa et immania credebantur, atrociore semper fama erga
dominantium exitus. ordo alioqui sceleris per Apicatam Seiani proditus tormentis
Eudemi ac Lygdi patefactus est. neque quisquam scriptor tam infensus extitit,
ut Tiberio obiectaret, cum omnia alia conquirerent intenderentque. mihi
tradendi arguendique rumoris causa fuit ut claro sub exemplo falsas auditiones
depellerem peteremque ab iis, quorum in manus cura nostra venerit, ne divulgata
atque incredibilia avide accepta veris neque in miraculum corruptis antehabeant. |
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Übrigens nahmen Senat und Volk, als Tiberius
von der Rednerbühne herab seinem Sohn die Trauerrede hielt, den Ausdruck
des Leides in Haltung und Äußerungen mehr nur zum Schein an als
von Herzensgrund, und in der Stille freute man sich, dass das Haus des Germanicus
wieder aufblühe. Dieses Aufkommen von Gunst und dass die Mutter Agrippina
ihre Hoffnungen schlecht verhüllte, beschleunigte den Untergang des
Hauses. Denn sobald Seianus
sieht, dass des Drusus
Tod an den Mördern ungerächt bleibt und das Volk keine Trauer
zeigt, fängt er in zügellosem Hang zu Verbrechen, weil die erste
Tat gut ausgegangen war, an, bei sich zu überlegen, wie er die Kinder
des Germanicus,
denen unzweifelhat die Nachfolge zukam, zu Fall bringe. Dreien mit Gift
beizukommen war bei der ausgezeichneten Verlässlichkeit ihrer Hüter
und bei Agrippinas unbesiegbarer
Keuschheit nicht möglich. Deshalb machte er den Starrsinn der Agrippina
zum Zielpunkt seiner Angriffe und stachelte den alten Hass der Augusta
und das frische Schuldbewusstsein der Livia
an, sie beim Kaiser anzuschwärzen, sie trachte stolz auf ihren Kindersegen
und im Vertrauen auf die Gunst des Volkes gierig nach der Macht. Dazu bediente
er sich listiger Verleumder, unter denen er sich besonders Iulius
Postumus ausgesucht hatte, der durch ein ehebrecherisches Verhältnis
zu Mutilia Prisca, einer
Vertrauten der Großmutter, für seine Absichten besonders geeignet
war, weil Prisca viel
Einfluss bei der Augusta
hatte, die ohnehin schon auf ihre Macht eifersüchtige alte Frau zur
unversöhnlichen Feindin ihrer Schwiegertochter zu machen. Auch Agrippinas
nächste Umgebung verführte man durch törichte Reden, ihren
hochfahrenden Geist mehr und mehr aufzureizen. |
(4,12) Ceterum
laudante filium pro rostris Tiberio senatus populusque habitum ac voces
dolentum simulatione magis quam libens induebat, domumque Germanici revirescere
occulti laetabantur. quod principium favoris et mater Agrippina spem male
tegens perniciem adceleravere. nam Seianus ubi videt mortem Drusi inultam
interfectoribus, sine maerore publico esse, ferox scelerum et, quia prima
provenerant, volutare
secum, quonam modo Germanici liberos perverteret, quorum non dubia successio.
neque spargi venenum in tres poterat, egregia custodum fide et pudicitia
Agrippinae impenetrabili. igitur contumaciam eius insectari, vetus Augustae
odium, recentem Liviae conscientiam exagitare, ut superbam fecunditate,
subnixam popularibus studiis inhiare dominationi apud Caesarem arguerent.
atque haec callidis
criminatoribus, inter quos delegerat Iulium Postumum, per adulterium Mutiliae
Priscae inter intimos aviae et consiliis suis peridoneum, quia Prisca in
animo Augustae valida anum suapte natura potentiae anxiam insociabilem nurui
efficiebat. Agrippinae quoque proximi inliciebantur pravis sermonibus tumidos
spiritus perstimulare. |
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Aber Tiberius
widmete sich ununterbrochen der Regierungstätigkeit; er fand im Geschäft
seinen Trost und behandelte die Rechtssachen der Bürger und die Gesuche
der Bundesgenossen. Auf seinen Antrag wurde vom Senat beschlossen, den Städten
Kibyra in Asien und Aegium in Achaia, die unter einem Erdbeben gelitten
hatten, durch einen Erlass ihrer Abgaben auf drei Jahre zu helfen. Vibius
Serenus, der Proconsul im jenseitigen Spanien
wurde wegen Missbrauchs der Amtsgewalt verurteilt und wegen seines unmenschlichen
Benehmens auf die Insel Amorgos verbannt. Carsidius
Sacerdos wurde von der Anklage, Tacfarinas
mit der Lieferung von Getreide unterstützt zu heben, freigesprochen;
von der selben Beschuldigung auch Gaius
Gracchus. Diesen hatten noch als kleinen Knaben sein Vater Sempronius
mit sich in die Verbannung nach Kerkina genommen. Hier war er unter Verbannten
und ungebildeten Leuten aufgewachsen und verschaffte sich später seinen
Lebensunterhalt durch gemeine Krämerei in Africa und Sizilien. Trotzdem
entging er nicht den Gefahren einer hohen Stellung. Hätten nicht Aelius
Lamia und Lucius Apronius,
die in Africa Statthalter waren, den Unschuldigen unterstützt - auch
er wäre durch die Bekanntheit seines unglücklichen Geschlechts
und durch das Missgeschick seines Vaters mit fortgerissen worden. |
(4,13) At Tiberius
nihil intermissa rerum cura, negotia pro solaciis accipiens, ius civium,
preces sociorum tractabat; factaque auctore eo senatus consulta ut civitati
Cibyraticae apud Asiam, Aegiensi apud Achaiam, motu terrae labefactis, subveniretur
remissione tributi in triennium. et Vibius Serenus pro consule ulterioris
Hispaniae de vi publica damnatus ob atrocitatem morum in insulam Amorgum
deportatur. Carsidius Sacerdos, reus tamquam frumento hostem Tacfarinatem
iuvisset, absolvitur, eiusdemque criminis C. Gracchus. hunc comitem exilii
admodum infantem pater Sempronius in insulam Cercinam tulerat. illic adultus
inter extorris et liberalium artium nescios, mox per Africam ac Siciliam
mutando sordidas merces sustentabatur; neque tamen effugit magnae fortunae
pericula. ac ni Aelius Lamia et L. Apronius qui Africam obtinuerant insontem
protexissent, claritudine infausti generis et paternis adversis foret abstractus. |
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Deutsche Übersetzung nach:
Strodtbeck,
G.F. bearbeitet von E.Gottwein |
Unserer Kommentierung liegt
der Kommentar von E.Koestermann
zugrunde. |
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