Aristoteles, Poetik
(Kap. 18 - 1455b24 - 1456a32)

Dichtung als Mimesis

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ΑΡΙΣΤΟΤΕΛΟΥΣ
ΠΕΡΙ ΠΟΙΗΤΙΚΗΣ
18

Die Schürzung und Lösung des Knotens. Stoff und Chor der Targödie

Textvorlagen: lateinisch: Didot - griechisch: Kassel - deutsch: C.Walz

 

       
zu cap.1 [cap.18]        
(1) Constat autem omnis tragoedia partim convinctione, partim solutione. Externa scilicet et quaedam ex internis saepe sunt convinctio; quod autem reliquum, solutio.   (1) Ἔστι δὲ πάσης τραγῳδίας τὸ μὲν δέσις τὸ δὲ λύσις, τὰ μὲν ἔξωθεν καὶ ἔνια τῶν ἔσωθεν πολλάκις ἡ δέσις, τὸ δὲ λοιπὸν ἡ λύσις·    (1) Die ganze Tragödie besteht aus Verknüpfung und Lösung.1 ) Die außerhalb des Stückes liegenden und oft einige der inneren Teile machen die Verknüpfung aus; das übrige die Lösung.
(2) Dico autem convinctionem esse, quae a principio usque ad eam partem , quae postrema est, ex qua transitus ad felicitatem vel infelicitatem; solutuonem autem, quae a principio transitūs usque ad finem,    (2) λέγω δὲ δέσιν μὲν εἶναι τὴν ἀπ' ἀρχῆς μέχρι τούτου τοῦ μέρους, ὃ ἔσχατόν ἐστιν, ἐξ οὗ μεταβαίνει εἰς εὐτυχίαν ἢ εἰς ἀτυχίαν, λύσιν δὲ τὴν ἀπὸ τῆς ἀρχῆς τῆς μεταβάσεως μέχρι τέλους·    (2) Verknüpfung nenne ich alles von Anfang an bis auf den Teil, welcher der letzte ist, von dem aus der Übergang zum Glück oder Unglück geschieht. Lösung ist das, was vom Anfang des Übergangs bis zum Ende geschieht; 
(3) quemadmodum in Lynceo Theodectis convinctio est, quae ante acta sunt et pueri captio, solutio autem, quae ab accusatione capitis usque ad finem.   (3) ὥσπερ ἐν τῷ Λυγκεῖ τῷ Θεοδέκτου δέσις μὲν τά τε προπεπραγμένα καὶ ἡ τοῦ παιδίου λῆψις καὶ πάλιν ἡ αὐτῶν Λύσις δ' ἡ ἀπὸ τῆς αἰτιάσεως τοῦ θανάτου μέχρι τοῦ τέλους.    (3) z.B. in dem Lynkeus des Theodektes 2 ) ist die Verknüpfung das, was vorher geschehen ist und die Wegnahme des Kindes. Lösung aber ist das, was von der Anklage wegen des Mordes an bis zu dem Ende geschieht. 
(4) Tragoediae autem species quattuor sunt: tot enim etiam partes praedictae sunt. (5) Alia implicata, cuius totum est peripetia et agnitio; (6) alia pathetica, ut Aiaces et Ixiones; (7) alia moralis, ut Phthiodides et Peleus; (8) quartum autem, ut Phorcides et Prometheus et quod in Orco.    (4) τραγῳδίας δὲ εἴδη εἰσὶ τέσσαρα (τοσαῦτα γὰρ καὶ τὰ μέρη ἐλέχθη), (5) ἡ μὲν πεπλεγμένη, ἧς τὸ ὅλον ἐστὶν περιπέτεια καὶ ἀναγνώρισις, (6) ἡ δὲ παθητική, οἷον οἵ τε Αἴαντες καὶ οἱ Ἰξίονες, (7) ἡ δὲ ἠθική, οἷον αἱ Φθιώτιδες καὶ ὁ Πηλεύς· (8) τὸ δὲ τέταρτον †οης†, οἷον αἵ τε Φορκίδες καὶ ὁ Προμηθεὺς καὶ ὅσα ἐν ᾅδου.    (4) Es gibt aber vier Arten der Tragödie; denn so viel wurden auch Teile von ihr genannt. (5) Die erste ist verwickelt, deren Ganzes in Peripetie und Erkennung besteht. (6) Die zweite ist pathetisch, z.B. Stücke wie Aias und Ixion.3 ) (7) Der dritte ist charakteristisch, wie die Phthiotiden4 ) und der Peleus 5 ). (8) Die vierte ist gleichmäßig, wie die Phorkiden 6 ) und Prometheus 7 ) und die Geschichten im Hades 8 )
(9) Praecipue igitur enitendum est, ut omnia habeas; sin minus, maxima et plurima, praesertim ut nunc calumniantur poetas; nam quum in unaquaque specie boni poetae exstiterint, unumquemque in eo, quo  ipse excellit, ab uno superari postulant.   (9) μάλιστα μὲν οὖν ἅπαντα δεῖ πειρᾶσθαι ἔχειν, εἰ δὲ μή, τὰ μέγιστα καὶ πλεῖστα, ἄλλως τε καὶ ὡς νῦν συκοφαντοῦσιν τοὺς ποιητάς· γεγονότων γὰρ καθ' ἕκαστον μέρος ἀγαθῶν ποιητῶν, ἑκάστου τοῦ ἰδίου ἀγαθοῦ ἀξιοῦσι τὸν ἕνα ὑπερβάλλειν.    (9) Hauptaufgabe ist, dass man alles zu vereinigen sucht, wo nicht, das Wichtigste und Meiste, besonders da man heutzutage die Dichter so gerne tadelt, und verlangt, dass einer alle die Dichter, welche sich in jedem einzelnen Teil ausgezeichnet haben, jeden in dem Teil, in welchem er besonders stark ist, übertreffen solle.
(10) Iustum vero etiamtragoediam aliam et eandem dicere, non fortasse ob fabulam, sed hoc, quarum eadem est convinvtio et solutio.    (10) δίκαιον δὲ καὶ τραγῳδίαν ἄλλην καὶ τὴν αὐτὴν λέγειν οὐδενὶ ὡς τῷ μύθῳ· τοῦτο δέ, ὧν ἡ αὐτὴ πλοκὴ καὶ λύσις.    (10) Man kann aber auch eine sonst verschiedene Tragödie gleichartig nennen, ohne dass der Mythos der gleiche ist, wenn die Verwicklung und Lösung die gleiche ist. 
(11) Multi autem convinctione bene facta male solvunt. Docet autem utrumque semper cum plausu excipi.   (11) πολλοὶ δὲ πλέξαντες εὖ λύουσι κακῶς· δεῖ δὲ ἀμφότερα ἀρτικροτεῖσθαι.    (11) Bei vielen ist die Verwicklung gut, aber die Lösung schlecht: Beides aber muss gleich gediegen sein.
(12) Oportet autem, quod saepe dictum est, meminisse nec committere, ut tragoedia epica fiat compositio. Epicam autem dico, quae multis fabulis constet, ut si quis Iliadis totam fabulam tractaret.    (12) χρὴ δέ, ὅπερ εἴρηται, πολλάκις μεμνῆσθαι καὶ μὴ ποιεῖν ἐποποιικὸν σύστημα τραγῳδίαν - ἐποποιικὸν δὲ λέγω τὸ πολύμυθον - οἷον εἴ τις τὸν τῆς Ἰλιάδος ὅλον ποιοῖ μῦθον.    (12) Man muss aber an das denken, was oft schon gesagt wurde, und darf die Tragödie nicht nach Art des Epos einrichten. Episch nenne ich das, was viele Mythen befasst, z.B. wenn einer den ganzen Mythos der Ilias dramatisch bearbeiten wollte;  
(13) Illic enim propter longitudinem partes aptam magnitudinem accipiunt; sed in scenicis fabulis multum a probabilitate discedunt.    (13) ἐκεῖ μὲν γὰρ διὰ τὸ μῆκος λαμβάνει τὰ μέρη τὸ πρέπον μέγεθος, ἐν δὲ τοῖς δράμασι πολὺ παρὰ τὴν ὑπόληψιν ἀποβαίνει.    (13) denn dort erhalten die Teile  wegen der Länge ihre gebührende Größe, in den Dramen aber bleibt der Erfolg weit hinter der Erwartung zurück. 
(14) Signum autem, quod, quicumque excidium Ilii totum tractaverunt et non ex parte, ut Euripides, aut Niobam <totam> ac non ut Aeschylus, aut non stant aut male certant, quandoquidem etiam Agatho in hoc uno non stetit.    (14) σημεῖον δέ, ὅσοι πέρσιν ᾿Ιλίου ὅλην ἐποίησαν καὶ μὴ κατὰ μέρος, ὥσπερ Εὐριπίδης, <ἢ> Νιόβην καὶ μὴ ὥσπερ Αἰσχύλος, ἢ ἐκπίπτουσιν ἢ κακῶς ἀγωνίζονται, ἐπεὶ καὶ Ἀγάθων ἐξέπεσεν ἐν τούτῳ μόνῳ.    (14) Ein Beweis ist, dass diejenigen, welche die Zerstörung Ilions ganz und nicht stückweise, wie Euripides oder <die ganze Niobe und nicht wie> Aischylos bearbeitet haben, entweder durchfallen oder bei der Aufführung wenig Glück machen. Dies war auch der einzige Grund, weswegen Agathon durchfiel. 
(15) Sed in peripetiis et simplicibus factis, quod volunt, mirifice consectantur: tragicum enim hoc est et humanum sensum tangit.   (15) ἐν δὲ ταῖς περιπετείαις καὶ ἐν τοῖς ἁπλοῖς πράγμασι στοχάζονται, ὧν βούλονται, θαυμαστῶς· τραγικὸν γὰρ τοῦτο καὶ φιλάνθρωπον.    (15) In den Peripetien aber und in den einfachen Begebenheiten erreichen sie, was sie wünschen, auf wunderbare Weise; denn dies ist tragisch und menschenfreundlich.
(16) Est autem hoc, quum prudens quidem sed pravitate infectus dexipitur, sicut Sisyphus, et fortis quidem sed iniustus vincitur.    (16) ἔστιν δὲ τοῦτο, ὅταν ὁ σοφὸς μὲν μετὰ πονηρίας <δ'> ἐξαπατηθῇ, ὥσπερ Σίσυφος, καὶ ὁ ἀνδρεῖος μὲν ἄδικος δὲ ἡττηθῇ.    (16) Dies ist der Fall, wen ein zwar kluger aber bösartiger Mensch getäuscht wird, wie Sisyphos, und ein zwar tapferer aber ungerechter besiegt wird. 
(17) Est autem id versisimile, quemadmodum Agatho dicit: nam verisimile est fieri multa etiam praeter similitudinem veri.   ἔστιν δὲ τοῦτο καὶ εἰκὸς ὥσπερ Ἀγάθων λέγει, εἰκὸς γὰρ γίνεσθαι πολλὰ καὶ παρὰ τὸ εἰκός.    (17) Dies ist wahrscheinlich, wie Agathon sagt: denn es ist wahrscheinlich, dass vieles auch gegen die Wahrscheinlichkeit geschehe. 
(18) Atque chorum existimare debet unum ex actoribus et partem esse totius et una agere, non ut apud Euripidem, sed ut apud Sophoclem.    (18) καὶ τὸν χορὸν δὲ ἕνα δεῖ ὑπολαμβάνειν τῶν ὑποκριτῶν, καὶ μόριον εἶναι τοῦ ὅλου καὶ συναγωνίζεσθαι μὴ ὥσπερ Εὐριπίδῃ ἀλλ' ὥσπερ Σοφοκλεῖ.    (18) Den Chor muss man wie einen der Schauspieler und als einen Teil des Ganzen betrachten und mit in die Handlung ziehen, nicht wie bei Euripides, sondern wie bei Sophokles. 
(19) Apud relquos autem quae praebentur, non magis ad fabulam quam ad aliam tragoediam pertinent; quapropter exodia canunt, posteaquam primus haec fecit Agatho. Quamquam quid interest, utrum exodia canas, an orationem ex alia fabula alii inseras vel episodium totum?   (19) τοῖς δὲ λοιποῖς τὰ ᾀδόμενα οὐδὲν μᾶλλον τοῦ μύθου ἢ ἄλλης τραγῳδίας ἐστίν· διὸ ἐμβόλιμα ᾄδουσιν πρώτου ἄρξαντος Ἀγάθωνος τοῦ τοιούτου. καίτοι τί διαφέρει ἢ ἐμβόλιμα ᾄδειν ἢ εἰ ῥῆσιν ἐξ ἄλλου εἰς ἄλλο ἁρμόττοι ἢ ἐπεισόδιον ὅλον;   (19) Bei den übrigen passen die Zwischengesänge ebenso gut zum Mythos als zu einer anderen Tragödie. Daher singen sie eingeschobene Gesänge, was zuerst Agathon angefangen hat. Und was ist wohl für ein Unterschied, ob man eingeschobene Gesänge singt oder eine Rede aus einem Stück einem anderen anpasst oder eine ganze Episode?
         
        menschenfreundlich st. angenehm
zu xap.1        
1) Zur Anmerkung zurück Eine Differenzierung, die sich kompositionell von Aristot.Poet.10 eher absetzt, als in Zusammenhang steht.
2) Zur Anmerkung zurück Siehe zu Aristot.Poet.16,9 (Anm.9)
3) Zur Anmerkung zurück Der Titel eines Ixion ist von Aischylos und von Euripides bekannt
4) Zur Anmerkung zurück Die Φθιώτιδες waren ein Stück des Sophokles. Von dem Inhalt ist nichts bekannt.
5) Zur Anmerkung zurück Auch über den Inhalt dieser Tragödie gibt es kaum Kenntnisse. Der Titel ist für Sophokles und Euripides belegt.
6) Zur Anmerkung zurück Die Töchter des Phorkys sind die Graien. Ein Satyrspiel des Aischylos war nach ihnen benannt.
7) Zur Anmerkung zurück Der Gefesselte Prometheus, das erste Stück einer Tetralogie von Aischylos hat sich erhalten.
8) Zur Anmerkung zurück Für Unterweltstragödien hat sich kein Beispiel erhalten. 
         
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