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Lit. |
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Der Begriff des "Archaischen" versteht sich relativ zu einer späteren Zeit, die dann als reife (klassische) Ausformung dessen gilt, was in früher Zeit zwar ansatzweise und anfänglich erkennbar, aber eben noch nicht entwickelt war. Das verführt zu abschätzigen Urteilen: bereits der Begriff trägt des Archaischen den Makel der Ungerechtigkeit an sich. Denn er beurteilt die griechische Frühzeit nicht aus sich selbst heraus, nach den sich in ihr erfüllenden eigenen Wesenszügen, sondern nach Kriterien, die diese Zeit weder erfüllen konnte noch wollte. Oder wird man dem "Vater der Geschichtsschreibung" gerecht, wenn man ihm vorhält, er sei ein unwissenschaftlicher Märchenerzähler und könne an seinen "Sohn" Thukydides bei weitem nicht heranreichen?
Allerdings widerfährt der Archaik ausgleichende Gerechtigkeit, wenn man sie - in einem neuen Akt des Unrechts - mit ihrer Vorgängerinnen, der geometrischen und geradezu kulturlosen "Dunklen Zeit" vergleicht. Solange diese im Dunkel der Geschichte bleibt, wird es ihr nicht wehtun, die geometrische Zeit werden wir trösten und die Archaik kann wieder lächeln. Aus dieser Sicht ist z.B. die Dichtung Homers nicht einmal anfänglich, geschweige primitiv. Im Gegenteil, sie ist eindeutig Abschluss und Vollendung, ein erster Höhepunkt der Weltliteratur.
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