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| L |
Während dies im Senat verhandelt
wurde und während den Gesandten der
Allobroger und Titus
Volturcius in Anerkennung ihrer verdienstvollen Angaben Belohnungen
zuerkannt wurden, durcheilten die Freigelassenen und einzelne Klienten des
Lentulus in
verschiedenen Richtungen die Stadt und versuchten teils die Handwerker und
Sklaven auf den Straßen zu einem Aufstand zu bewegen, teils die gewöhnlichen
Führer bei Zusammenrottungen ausfindig zu machen, die schon oft für
Geld die öffentliche Ruhe gefährdet hatten.
Cethegus aber forderte durch Boten seine Hausgenossen und Freigelassenen,
ausgesuchte und geübte Leute, dringend auf, sie sollten sich bewaffnen
und in geschlossenen Haufen den Weg in sein Gefängnis bahnen. Als der
Konsul von diesen Vorhaben erfuhr, stellte er Wachposten auf, wie es die
Sachlage und der Ernst des Augenblicks erforderte, berief dann den Senat
und stellte zur Abstimmung, was mit denen geschehen solle, die in sicheren
Gewahrsam gebracht worden waren. Schon vorher aber hatte sie der Senat mit
großer Mehrheit für Hochverräter erklärt. Nun
wurde Decimus
Iunius Silanus, weil er zu dieser Zeit designierter Konsul war, zuerst
nach seiner Meinung befragt. Er hatte sich dahin erklärt, dass an denen,
die sich in Gewahrsam befanden, und an Lucius
Cassius, Publius
Furius, Publius Umbrenus
und Quintus Annius,
wenn sie aufgegriffen würden, die Todesstrafe zu vollziehen sei. Später
sagte er, unter dem Eindruck der Rede des
Gaius Caesar, er werde sich bei der Abstimmung dem Antrag des Tiberius
Nero anschließen. Dieser hatte nämlich beantragt, erst die
Wachen zu verstärken und dann den Sachverhalt neu zu verhandeln. Als
aber die Reihe an
Caesar gekommen war und er vom Konsul um seine Stellungnahme gebeten
wurde, sagte er folgendes: |
(50,1) Dum haec
in senatu aguntur et dum legatis Allobrogum et T. Volturcio, conprobato
eorum indicio, praemia decernuntur, liberti et pauci ex clientibus Lentuli
divorsis itineribus opifices atque servitia in vicis ad eum eripiundum sollicitabant,
partim exquirebant duces multitudinum, qui pretio rem publicam vexare soliti
erant. (50,2) Cethegus autem per nuntios familiam
atque libertos suos, lectos et exercitatos, orabat, ut grege facto cum telis
ad sese inrumperent. (50,3) consul ubi ea parari
cognovit, dispositis praesidiis, ut res atque tempus monebat, convocato
senatu refert, quid de iis fieri placeat, qui in custodiam traditi erant.
sed eos paulo ante frequens senatus iudicaverat contra rem publicam fecisse.
(50,4) tum D. lunius Silanus primus sententiam
rogatus, quod eo tempore consul designatus erat, de iis, qui in custodiis
tenebantur, et praeterea de L. Cassio, P. Furio, P. Umbreno, Q. Annio, si
deprehensi forent, supplicium sumundum decreverat; isque postea permotus
oratione C. Caesaris pedibus in sententiam Ti. Neronis iturum se dixit,
quod de ea re praesidiis additis referundum censuerat. (50,5)
sed Caesar, ubi ad eum ventum est, rogatus sententiam a consule huiusce
modi verba locutus est: |
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| LI |
Senatoren! Es ist die Pflicht aller
Menschen, die über ernsthafte Fragen einen Beschluss zu fassen haben,
sich von Hass wie von Liebe, von Zorn wie von Mitleid frei zu halten. Nicht
leicht trifft man das Rechte, sobald einen jene Regungen blenden und keiner
von allen hat je den Erfordernissen der Vernunft und der Leidenschaft zugleich Rechnung
getragen. Setze deinen Verstand ein, so wirkt er; zieht die Leidenschaft
ein, spielt sie die Herrin, der Verstand wirkt nichts. Ich könnte,
ihr Senatoren, eine große Menge von üblen Ratschlüssen vorführen,
die Könige und Völker aus Erbitterung oder Mitleid fassten; aber
ich ziehe es vor, rechte und pflichtgemäße Handlungen zu erwähnen,
die unsere Vorfahren gegen den Trieb ihres leidenschaftlichen Herzens vollzogen.
Im Makedonischen Krieg,
den wir gegen den König Perseus
führten, zeigte sich der mächtige und glanzvolle Staat der Rhodier,
der durch unsere Förderung emporgekommen war, uns gegenüber treulos
und feindlich. Als man aber nach dem Ende des Krieges über das Verhalten
der Rhodier beriet, ließen unsere Vorfahren sie ohne Strafe, damit
keiner behaupten könne, sie hätten den Krieg eher angefangen,
um sich zu bereichern, als weil man ihnen Unrecht zugefügt habe. Ebenso
vergalten sie selbst in keinem der Punischen
Kriege trotz mancher Gelegenheit Gleiches mit Gleichem, obgleich die
Karthager sowohl im Frieden als auch in Zeiten des Waffenstillstandes viele
gottlose Taten verübt hatten. Sie fragten danach, was ihnen Ehre mache,
nicht, was man mit Recht gegen jene machen könne. Dies muss auch eure
Sorge sein, Senatoren, dass die Ruchlosigkeit des
Publius Lentulus und der anderen auf euch keinen entscheidenderen Einfluss
ausübe als eure Ehre, dass ihr nicht mehr auf die Befriedigung eurer
Entrüstung als die Erhaltung eures Leumunds seht. Wenn sich nämlich
eine ihren Taten entsprechende Strafe finden lässt, so heiße
ich eine außerordentliche Maßregel gut; wenn aber die Größe
ihres Verbrechens alles Denken übersteigt, so stimme ich dafür
die Strafe zu verhängen, die durch die Gesetze geboten ist. |
(51,1) 'Omnis homines,
patres conscripti, qui de rebus dubiis consultant, ab odio, amicitia, ira
atque misericordia vacuos esse decet. (51,2)
haud facile animus verum providet, ubi illa officiunt, neque quisquam omnium
lubidini simul et usui paruit. (51,3) ubi intenderis
ingenium, valet; si lubido possidet, ea dominatur, animus nihil valet. (51,4)
magna mihi copia est memorandi, patres conscripti, quae reges atque populi
ira aut misericordia inpulsi male consuluerint. sed ea malo dicere, quae
maiores nostri contra lubidinem animi sui recte atque ordine fecere. (51,5)
bello Macedonico, quod cum rege Perse gessimus, Rhodiorum civitas magna
atque magnifica, quae populi Romani opibus creverat, infida et advorsa nobis
fuit. sed postquam bello confecto de Rhodiis consultum est, maiores nostri,
ne quis divitiarum magis quam iniuriae causa bellum inceptum diceret, inpunitos
eos dimisere. (51,6) item bellis Punicis omnibus,
quom saepe Carthaginienses et in pace et per indutias multa nefaria facinora
fecissent, numquam ipsi per occasionem talia fecere: magis quid se dignum
foret, quam quid in illos iure fieri posset, quaerebant. (51,7)
hoc item vobis providendum est, patres conscripti, ne plus apud vos valeat
P. Lentuli et ceterorum scelus quam vostra dignitas, neu magis irae vostrae
quam famae consulatis. (51,8) nam si digna poena
pro factis eorum reperitur, novom consilium adprobo; sin magnitudo sceleris
omnium ingenia exuperat, his utendum censeo, quae legibus conparata sunt.
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Die meisten von denen, die vor mir
Anträge gestellt haben, haben in wohlgesetzter und schmuckreicher Rede
das Unglück des Staates bejammert; haben aufgezählt, welche Abscheulichkeiten
der Krieg mit sich führe, welche Schicksale die Besiegten treffen;
dass Mädchen und Jungen geraubt, Kinder aus den Armen ihrer Eltern
gerissen, an Hausfrauen jedes Gelüst der Sieger verübt, Tempel
und Häuser geplündert, gemordet und gesengt, kurz alles mit Waffen
und Leichen, Blut und Wehklagen erfüllt werde. Doch, bei den unsterblichen
Göttern, worauf zielten denn solche Reden? Etwa darauf, euch gegen
die Verschwörer ergrimmt zu machen? Natürlich, denjenigen, auf
den so ernste und so schreckliche Tatsachen keinen Eindruck gemacht haben,
den werden Worte in Glut setzen! Nein, nein. Kein Sterblicher sieht Vergehen,
die ihn betreffen, als gleichgültig an, viele haben sie ernster
als billig geachtet. Aber nicht allen wird gleiche Freiheit des Handelns
zugestanden, Senatoren. Wenn Leuten, die niedrig im Dunkel leben, aus Jähzorn
ein Versehen unterlauft, so wissen wenige darum; ihr Ruf und ihre gesellschaftliche
Stellung sind einander gleich. Dagegen kennt die gesamte Menschheit die
Handlungen derer, die mit großer Macht bekleidet auf der Höhe
des Lebens stehen. Deshalb ist die Freiheit in der höchsten Stellung
am geringsten; weder Lieben noch Hassen, am wenigstens Zürnen macht
Ehre. Was man bei anderen Jähzorn nennt, das heißt beim Machthaber
Frevel und Grausamkeit. Ich bin, Senatoren, zu tiefst überzeugt, dass
alle Martern für deren Verbrechen zu gering sind; aber die meisten
Sterblichen behalten nur das Ende in Erinnerung, vergessen bei gottlosen
Menschen ihr Verbrechen und bekritteln nur die Strafe, wenn sie etwas zu
streng ausgefallen ist. |
(51,9) Plerique
eorum, qui ante me sententias dixerunt, conposite atque magnifice casum
rei publicae miserati sunt. quae belli saevitia esset, quae victis adciderent,
enumeravere: rapi virgines, pueros; divelli liberos a parentum conplexu;
matres familiarum pati, quae victoribus conlubuissent; fana atque domos
spoliari; caedem, incendia fieri; postremo armis, cadaveribus, cruore atque
luctu omnia conpleri. (51,10) sed, per deos
inmortalis, quo illa oratio pertinuit? an uti vos infestos coniurationi
faceret? scilicet, quem res tanta et tam atrox non permovit, eum oratio
adcendet. (51,11) non ita est, neque quoiquam
mortalium iniuriae suae parvae videntur, multi eas gravius aequo habuere.
(51,12) sed alia aliis licentia est, patres
conscripti. qui demissi in obscuro vitam habent, si quid iracundia deliquere,
pauci sciunt, fama atque fortuna eorum pares sunt; qui magno imperio praediti
in excelso aetatem agunt, eorum facta cuncti mortales novere. (51,13)
ita in maxuma fortuna minuma licentia est; neque studere neque odisse, sed
minume irasci decet; (51,14) quae apud alios
iracundia dicitur, ea in imperio superbia atque crudelitas appellatur. (51,15)
equidem ego sic existumo, patres conscripti, omnis cruciatus minores quam
facinora illorum esse. sed plerique mortales postrema meminere et in hominibus
inpiis sceleris eorum obliti de poena disserunt, si ea paulo severior fuit.
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Von Decimus
Silanus, diesem tapferen und tüchtigen Mann, weiß ich zwar
gewiss, dass alles, was er gesagt hat, nur dem Eifer für das Gemeinwohl
entstammt, dass er bei einer so wichtigen Angelegenheit sich weder von Sympathien
noch von Antipathien leiten lässt - ich kenne ja seinen Charakter,
seine Selbstlosigkeit -; aber sein Antrag erscheint mir nicht etwa
als grausam - denn gibt es Grausamkeit gegen solche Menschen? -
sondern als dem Charakter unseres Staates nicht entsprechend. Denn gewiss
können dich,
Silanus, den Konsul des künftigen Jahres, entweder nur Besorgnis
um die Ruhe oder Entrüstung über das Verbrechen veranlasst haben,
eine außerordentliche Strafe zu beantragen. Von Ängstlichkeit
bei dir ein Wort zu verlieren, wäre ganz überflüssig, zumal
durch die Sorgsamkeit des höchstgeachteten Konsuls eine so große
Schutztruppe in Waffen steht. Von der Strafe aber darf ich sagen, was in
der Natur der Sache begründet ist, dass in Kummer und Leiden der Tod
ein Ausruhen von Mühsal, keine Qual ist, dass er alles Elend der Sterblichen
in nichts auflöst, dass im Jenseits weder Sorge noch Freude Raum hat.
Nun, bei den unsterblichen Göttern, warum hast du in deinen Antrag
nicht aufgenommen, sie sollten vorher die Geißelung erleiden? Vielleicht
weil das Porcische Gesetz
es verbietet? Aber andere Gesetze gebieten ja ebenso, verurteilten Bürgern
nicht das Leben zu nehmen, sondern Verbannung zu gestatten. Vielleicht weil
Geißelung schmerzlicher ist als Tötung? Kann denn gegen Leute,
die eines so schweren Verbrechens überführt sind, von Schmerzhaftem
oder gar zu Hartem die Rede sein? Sagst du, weil es erträglicher ist,
nun wie reimt sich das, beim kleineren Ding vor dem Gesetz Scheu zu hegen,
nachdem man es bei dem größeren ganz unbeachtet gelassen hat?
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(51,16) D. Silanum,
virum fortem atque strenuom, certo scio, quae dixerit, studio rei publicae
dixisse, neque illum in tanta re gratiam aut inimicitias exercere: eos mores
eamque modestiam viri cognovi. (51,17) verum
sententia eius mihi non crudelis - quid enim in talis homines crudele
fieri potest? - sed aliena a re publica nostra videtur. (51,18)
nam profecto aut metus aut iniuria te subegit, Silane, consulem designatum
genus poenae novom decernere. (51,19) de timore
supervacuaneum est disserere, quom praesertim diligentia clarissumi viri
consulis tanta praesidia sint in armis. (51,20)
de poena possum equidem dicere, id quod res habet, in luctu atque miseriis
mortem aerumnarum requiem, non cruciatum esse; eam cuncta mortalium mala
dissolvere; ultra neque curae neque gaudio locum esse. (51,21)
sed, per deos inmortalis, quam ob rem in sententiam non addidisti, uti prius
verberibus in eos animadvorteretur? (51,22)
an quia lex Porcia vetat? at aliae leges item condemnatis civibus non animam
eripi, sed exilium permitti iubent. (51,23)
an quia gravius est verberari quam necari? quid autem acerbum aut nimis
grave est in homines tanti facinoris convictos? (51,24)
sin quia levius est, qui convenit in minore negotio legem timere, quom eam
in maiore neglexeris? |
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Aber, höre ich, wer wird denn
tadeln, was über Vaterlandsverräter verhängt wird? Die Zukunft,
die Zeit, das Schicksal, dessen Willkür über die Völker gebietet.
Jene wird mit Recht treffen, was immer beschlossen wird, aber ihr, Senatoren,
bedenkt, was ihr gegen andere zur Regel macht. |
(51,25) At enim
quis reprehendet, quod in parricidas rei publicae decretum erit? tempus,
dies, fortuna, quoius lubido gentibus moderatur. (51,26) illis merito adcidet,
quicquid evenerit; ceterum vos, patres conscripti, quid in alios statuatis,
considerate. |
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Alle schlechten Regeln sind aus
guten Beispielen hervorgegangen. Natürlich, wenn die Macht an unkundige
oder wenig rechtschaffene Leute gelangt, wird das früher außerordentliche
Verfahren von solchen, die es verdient hatten und auf die es anwendbar war,
auf Leute übertragen, die es nicht verdienen und auf die es nicht anwendbar
ist. Die Lakedaimonier setzten nach der endgültigen
Niederlage der Athener zur Regierung ihres Staates dreißig
Männer ein. Diese töteten zuerst
gerade die Schlechtesten und allen Verhassten ohne gerichtliches Urteil.
Darüber freute sich das Volk und erklärte, es sei mit Recht geschehen.
Als dann aber allmählich die Willkür gewachsen war, töteten
sie nach Laune in gleicher Weise Gute und Böse und hielten alle übrigen
durch ein Schreckensregiment nieder. So büßte das Volk unter
der schweren Last des Sklavenjochs die törichte Freude. Als in den
von uns erlebten Zeiten Sulla
nach seinem Sieg Damasippus
und andere seines Schlages, die aus dem Unglück des Staates den größten
Vorteil gezogen hatten, hinrichten ließ, lobte da nicht jeder sein
Handeln? Als ruchlose und streitsüchtige Menschen, die den Staat durch
Aufstände geängstigt hätten, seien sie verdientermaßen
getötet worden, behauptete man. Aber dieser Vorfall war der Anfang
zu schweren Schlägen. Denn wenn einer jemandes Haus oder Landgut, ja
Gefäß oder Kleid begehrte, so bemühte er sich, jenen auf
die Liste der Geächteten setzen zu lassen. So wurden jene, denen Damasippus'
Tod eine Freude gewesen war, bald selbst beim Schopfe genommen; und nicht
eher hörte das Schlachten
auf, bis Sulla
alle seine Anhänger in Reichtum gesättigt hatte. Freilich fürchte
ich solches nicht von Marcus
Tullius noch unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Aber in
einem großen Volk gibt es viele verschiedenartige Geister. Möglich,
dass zu anderer Zeit, unter einem anderen Konsul, dem ebenfalls ein Heer
zu Gebote steht, eine Lüge Glauben findet. Sobald nach dem Muster des
gegenwärtigen Verfahrens der Konsul auf einen Senatsbeschluss gestützt
dann das Schwert zieht, wer will ihm ein Ziel setzen oder wer ihn mäßigen?
|
(51,27) omnia mala
exempla ex rebus bonis orta sunt. sed ubi imperium ad ignaros eius aut minus
bonos pervenit, novom illud exemplum ab dignis et idoneis ad indignos et
non idoneos transfertur. (51,28) Lacedaemonii
devictis Atheniensibus triginta viros inposuere, qui rem publicam eorum
tractarent. (51,29) ii primo coepere pessumum
quemque et omnibus invisum indemnatum necare: ea populus laetari et merito
dicere fieri. (51,30) post ubi paulatim licentia
crevit, iuxta bonos et malos lubidinose interficere, ceteros metu terrere:
(51,31) ita civitas servitute oppressa stultae
laetitiae gravis poenas dedit. (51,32) nostra
memoria victor Sulla quom Damasippum et alios eius modi, qui malo rei publicae
creverant, iugulari iussit, quis non factum eius laudabat? homines scelestos
et factiosos, qui seditionibus rem publicam exagitaverant, merito necatos
aiebant. sed ea res magnae initium cladis fuit. (51,33)
nam uti quisque domum aut villam, postremo vas aut vestimentum aliquoius
concupiverat, dabat operam, uti is in proscriptorum numero esset. (51,34)
ita illi, quibus Damasippi mors laetitiae fuerat, paulo post ipsi trahebantur,
neque prius finis iugulandi fuit, quam Sulla omnis suos divitiis explevit.
(51,35) atque haec ego non in M. Tullio neque
his temporibus vereor, sed in magna civitate multa et varia ingenia sunt.
(51,36) potest alio tempore, alio consule,
quoi item exercitus in manu sit, falsum aliquid pro vero credi. ubi hoc
exemplo per senatus decretum consul gladium eduxerit, quis illi finem statuet
aut quis moderabitur? |
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| |
Unsere Vorfahren, Senatoren, waren
nie um Rat und Wagemut verlegen, aber Stolz hinderte sie nicht, fremde Einrichtungen,
wenn sie nur zweckmäßig waren, sich anzueignen: Angriffs- und
Verteidigungswaffen entlehnten sie von den Samniten,
die meisten Insignien der Beamten von den Etruskern; kurz, was ihnen irgendwo
bei Bundesgenossen oder Feinden tauglich schien, das verwendeten sie mit
größtem Eifer auch zu Hause. Sie wollten das Gute lieber nachahmen
als missgönnen. Aber zu eben jener Zeit übten sie nach griechischer
Sitte an Mitbürgern Prügelstrafe, verhängten über Verurteilte
die Todesstrafe. Nachdem aber ihr Gemeinwesen erstarkt war und durch die
große Zahl der Bürger die Parteien Kraft gewonnen hatten,
wurden, als man Unschuldige zu verurteilen und anderes dergleichen zu verüben
begann, das Porcische Gesetz
und andere Gesetze gegeben, durch die den Verurteilten die Verbannung ermöglicht
wurde. Dies halte ich, ihr Senatoren, für den stärksten Grund,
keine außerordentliche Maßregel zu ergreifen. In der Tat verfügten
die Alten, die mit geringen Mittel ein so großes Reich gewonnen haben,
über größere Tüchtigkeit und Weisheit als wir, die
wir das rühmlich Erworbene kaum behaupten. |
(51,37) Maiores
nostri, patres conscripti, neque consili neque audaciae umquam eguere; neque
illis superbia obstabat. quo minus aliena instituta, si modo proba erant,
imitarentur. (51,38) arma atque tela militaria
ab Samnitibus, insignia magistratuum ab Tuscis pleraque sumpserunt. postremo,
quod ubique apud socios aut hostis idoneum videbatur, cum summo studio domi
exequebantur: imitari quam invidere bonis malebant. (51,39)
sed eodem illo tempore Graeciae morem imitati verberibus animadvortebant
in civis, de condemnatis summum supplicium sumebant. (51,40)
postquam res publica adolevit et multitudine civium factiones valuere, circumveniri
innocentes, alia huiusce modi fieri coepere, tum lex Porcia aliaeque leges
paratae sunt, quibus legibus exilium damnatis permissum est. (51,41)
hanc ego causam, patres conscripti, quo minus novom consilium capiamus,
in primis magnam puto. (51,42) profecto virtus
atque sapientia maior illis fuit, qui ex parvis opibus tantum imperium fecere,
quam in nobis, qui ea bene parta vix retinemus. |
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| |
Stimme ich also dafür, sie
zu entlassen und dadurch Catilinas
Heer zu verstärken? Durchaus nicht, sondern ich stelle folgenden Antrag:
Ihr Vermögen ist zu konfiszieren, sie selbst aber sind in den Municipien,
die über die meisten Mittel verfügen, gefangen zu halten. Niemand
soll in Zukunft einen auf sie bezogenen Antrag im Senat stellen noch vor
dem Volk verhandeln. Wer zuwider handelt, gilt dem Senat als Hochverräter
am Staat und am Gemeinwohl." |
(51,43) Placet
igitur eos dimitti et augeri exercitum Catilinae? minume. sed ita censeo:
publicandas eorum pecunias, ipsos in vinculis habendos per municipia, quae
maxume opibus valent; neu quis de iis postea ad senatum referat neve cum
populo agat; qui aliter fecerit, senatum existumare eum contra rem publicam
et salutem omnium facturum.' |
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| LII |
Nachdem
Caesar seine Rede beendet hatte, stimmten die übrigen in kurzen
Äußerungen unterschiedlich teils dem, teils jenem zu. Aber
Marcus Porcius Cato hielt, als er um seine Stellungnahme gebeten wurde,
eine Rede folgenden Inhalts: |
(52,1) Postquam
Caesar dicundi finem fecit, ceteri verbo alius alii varie adsentiebantur.
at M. Porcius Cato rogatus sententiam huiusce modi orationem habuit:
|
|
| |
Da denke ich ganz anders, ihr Senatoren,
wenn ich unsere gefahrvolle Lage ins Auge fasse und mir die Stellungnahmen
einiger Vorredner durch den Kopf gehen lasse. Diese haben sich, wie mir
scheint, nur mit deren Bestrafung auseinandergesetzt, die gegen ihr
eigenes Vaterland, ihre Eltern, Altar und Herd Krieg führen wollten.
Die Sachlage aber gebietet, uns vor jenen zu sichern, nicht zu beraten,
was wir gegen sie verhängen wollen. Alle anderen Verbrechen mag man
nämlich bestrafen, wenn sie verübt sind, verhütet man aber
in diesem Fall nicht, dass es eintritt, dürfte man, wenn es passiert
ist, umsonst die Gerichte anrufen. Ist die Stadt erobert, bleibt den Besiegten
nichts. So rufe ich denn, bei den unsterblichen Göttern, euch auf,
denen Häuser und Landgüter, Bildsäulen und Gemälde stets
mehr wert waren als das Gemeinwesen: wollt ihr dies, mag sein, wie es will,
was ihr ans Herz drückt, retten, wollt ihr euch Ungestörtheit
zu euren Vergnügungen schaffen, so wacht endlich aus dem Schlaf auf
und greift beim Staat mit an! Es geht nicht um Steuereinnahmen, um Unrecht
an den Bundesgenossen: unsere Freiheit und unser Leben stehen auf dem Spiel!
|
(52,2) 'Longe alia
mihi mens est, patres conscripti, quom res atque pericula nostra considero,
et quom sententias nonnullorum ipse mecum reputo. (52,3)
illi mihi disseruisse videntur de poena eorum, qui patriae, parentibus,
aris atque focis suis bellum paravere; res autem monet cavere ab illis magis
quam, quid in illos statuamus, consultare. (52,4)
nam cetera maleficia tum persequare, ubi facta sunt; hoc nisi provideris,
ne adcidat, ubi evenit, frustra iudicia inplores: capta urbe nihil fit reliqui
victis. (52,5) sed, per deos inmortalis, vos
ego appello, qui semper domos, villas, signa, tabulas vostras pluris quam
rem publicam fecistis: si ista, quoiuscumque modi sunt, quae amplexamini,
retinere, si voluptatibus vostris otium praebere voltis, expergiscimini
aliquando et capessite rem publicam. (52,6)
non agitur de vectigalibus neque de sociorum iniuriis: libertas et anima
nostra in dubio est. |
|
| |
Oft, ihr Senatoren, habe ich in dieser
Versammlung gesprochen, oft über die Verschwendung und die Habsucht
unserer Mitbürger Klage geführt und mir dadurch viele Menschen
zu Feinden gemacht. Ich, der ich mir, meinem Herzen, nie einen Fehltritt
nachgesehen, habe deswegen auch der Lüsternheit eines anderen nicht
gern ein Verbrechen nachgesehen. Doch obwohl ihr darauf keinen Wer legtet,
war der Staat sicher; seine Macht konnte eure Gleichgültigkeit wettmachen.
Jetzt aber handelt es sich nicht darum, ob wir gute oder schlechte Lebensgewohnheiten
haben, auch nicht um die Größe und den Glanz des römischen
Reiches, sondern ob dies alles hier, mag man darüber denken, wie man
will, uns oder mit uns fortan den Feinden gehören soll. Da spricht
mir nun einer von Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Ja, längst sind
uns die rechten Namen für die Dinge abhanden gekommen. Weil fremdes
Gut verschenken edle Freigebigkeit, Verwegenheit im Bösen Tapferkeit
heißt, eben deshalb schwebt der Staat am Rande des Abgrunds. Mögen
sie, weil es nun einmal so mit den Sitten steht, freigebig mit dem Raub
an den Bundesgenossen sein, mögen sie mitleidig sein gegen Diebe am
Staatsschatz, aber mögen sie nicht unser Blut verschenken, mögen
sie nicht, indem sie einige Ruchlose schonen, uns alle ins Verderben stürzen!
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(52,7) Saepenumero,
patres conscripti, multa verba in hoc ordine feci, saepe de luxuria atque
avaritia nostrorum civium questus sum, multosque mortalis ea causa advorsos
habeo. (52,8) qui mihi atque animo meo nullius
umquam delicti gratiam fecissem, haut facile alterius lubidini male facta
condonabam. (52,9) sed ea tametsi vos parvi
pendebatis, tamen res publica firma erat, opulentia neglegentiam tolerabat.
(52,10) nunc vero non id agitur, bonisne an
malis moribus vivamus, neque quantum aut quam magnificum imperium populi
Romani sit, sed haec, quoiuscumque modi videntur, nostra an nobiscum una
hostium futura sint. (52,11) hic mihi quisquam
mansuetudinem et misericordiam nominat. iam pridem equidem nos vera vocabula
rerum amisimus: quia bona aliena largiri liberalitas, malarum rerum audacia
fortitudo vocatur, eo res publica in extremo sita est. (52,12)
sint sane, quoniam ita se mores habent, liberales ex sociorum fortunis,
sint misericordes in furibus aerari: ne illi sanguinem nostrum largiantur
et, dum paucis sceleratis parcunt, bonos omnis perditum eant. |
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In schönen und wohlgesetzten
Worten hat Gaius
Caesar vorhin in dieser Versammlung über das Verhältnis von
Leben und Tod gepredigt, natürlich weil er die Lehren von der Unterwelt
für Lügen hält, dass nämlich die Bösen abgesondert
von den Guten Räume voll Schmutz und Unrat voll Ekel und Schrecken
bewohnen. Und so hat er beantragt, ihr Vermögen zu konfiszieren und
sie in Municipien verteilt gefangen zu halten; natürlich aus Furcht,
sie könnten, wenn sie in Rom blieben, von ihren Mitverschwörern
oder von einer gemieteten Rotte gewaltsam befreit werden. Gerade so, als
gäbe es Schurken und Verbrecher nur in der Hauptstadt, nicht überall
in ganz Italien, oder als vermöchte Verwegenheit nicht da mehr, wo
die Mittel zur Abwehr geringer sind! Also ist der Rat gewiss töricht,
wenn er von jenen Gefahren fürchtet; ist ihm bei so großer allgemeiner
Besorgnis allein nicht bange, muss mir um so mehr um mich und um euch bange
zu sein. |
(52,13) Bene et
conposite C. Caesar paulo ante in hoc ordine de vita et morte disseruit,
credo falsa existumans ea, quae de inferis memorantur: divorso itinere malos
a bonis loca taetra, inculta, foeda atque formidulosa habere. (52,14)
itaque censuit pecunias eorum publicandas, ipsos per municipia in custodiis
habendos, videlicet timens, ne, si Romae sint, aut a popularibus coniurationis
aut a multitudine conducta per vim eripiantur; (52,15)
quasi vero mali atque scelesti tantummodo in urbe et non per totam Italiam
sint, aut non ibi plus possit audacia, ubi ad defendundum opes minores sunt.
(52,16) quare vanum equidem hoc consilium est,
si periculum ex illis metuit; si in tanto omnium metu solus non timet, eo
magis refert me mihi atque vobis timere. |
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Seid deshalb versichert, dass ihr,
wenn ihr über
Publius Lentulus und die übrigen abstimmt, zugleich über Catilinas
Heer und über alle Verschwörer beschließt. Je ernster ihr
das tut, um so schwächer wird ihr Mut werden; sehen sie euch nur ein
wenig lasch, werden alle sofort unerschrocken dastehen. Glaubt ja nicht,
dass unsere Vorfahren durch Waffen den Staat aus einem kleinen groß
gemacht haben. Wäre es so, müssten wir ihn jetzt in schönster
Vollendung vorfinden: An Bundesgenossen und Bürgern, sodann an Waffen
und Pferden haben wir ja größeren Reichtum als jene. Nein, was
sie groß gemacht hat, war etwas ganz anderes und ist bei uns gar nicht
mehr vorhanden: zu Hause Fleiß, draußen gerechte Regierung,
in der Beratung ein freier, weder durch Schuld noch durch Lust gebundener
Sinn. Statt dessen haben wir Verschwendung und Habsucht, leere Staatskassen,
gefüllte Privatsäckel; wir lieben den Mammon und ergehen uns in
Faulheit. Gute und Schlechte gelten uns gleich, allen Lohn der Tüchtigkeit
nimmt das Buhlen um Ämter in Beschlag. Kein Wunder! Wenn ihr jeder
nach seinem Sonderinteresse eure Entschließungen trefft, wenn ihr
zu Hause dem Vergnügen, hier dem Gold oder der Liebdienerei frönt,
- nun daher kommt es, dass der Staat das wehlose Ziel frecher Angriffe wird.
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(52,17) qua re,
quom de P. Lentulo ceterisque statuetis, pro certo habetote vos simul de
exercitu Catilinae et de omnibus coniuratis decernere. (52,18)
quanto vos adtentius ea agetis, tanto illis animus infirmior erit; si paulum
modo vos languere viderint, iam omnes feroces
aderunt. (52,19) Nolite existumare maiores
nostros armis rem publicam ex parva magnam fecisse. (52,20)
si ita esset, multo pulcherrumam eam nos haberemus: quippe sociorum atque
civium, praeterea armorum atque equorum maior copia nobis quam illis est.
(52,21) sed alia fuere, quae illos magnos fecere,
quae nobis nulla sunt: domi industria, foris iustum imperium, animus in
consulendo liber, neque delicto neque lubidini obnoxius. (52,22)
pro his nos habemus luxuriam atque avaritiam, publice egestatem, privatim
opulentiam. laudamus divitias, sequimur inertiam. inter bonos et malos discrimen
nullum, omnia virtutis praemia ambitio possidet. (52,23)
neque mirum: ubi vos separatim sibi quisque consilium capitis, ubi domi
voluptatibus, hic pecuniae aut gratiae servitis, eo fit, ut impetus fiat
in vacuam rem publicam. |
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Doch Schluss damit! Bürger des
höchsten Adels haben sich verschworen, die Vaterstadt in Brand zu stecken,
sie rufen das Volk der Gallier, das alles hasst, was römisch heißt,
zum Krieg herbei; der Führer der Feinde sitzt uns mit seinem Heer im
Nacken; und ihr zaudert noch immer und seid unsicher, was ihr mit den innerhalb
der Mauern ergriffenen Feinden machen sollt? Seid mitleidig, rate ich -
junge Leutchen haben aus Ehrgeiz einen Fehltritt getan - ja, lasst sie mit
ihren Waffen laufen! Wahrlich, eure Menschenfreundlichkeit und euer Mitleiden
dürfte sich, wenn jene die Waffen zur Hand nehmen, in Notleiden verkehren. Ach
so: die Sachlage ist schlimm, aber ihr habt davor keine Angst. Ganz im Gegenteil,
die größte; aber aus Faulheit und Schlaffheit zaudert ihr, indem
einer auf den anderen wartet, natürlich im festen Vertrauen auf die
unsterblichen Götter, die diesen unseren Staat oft in den größten
Gefahren gerettet haben. Nicht durch Gelübde und Weibertränen
wird Hilfe von den Göttern erlangt: durch Wachen, Handeln, gutes Planen
wird alles gut. Hat man sich der kopflosen Saft- und Kraftlosigkeit hingegeben,
wird man vergebens die Götter anrufen: sie sind aufgebracht und abweisend.
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(52,24) Sed ego
haec omitto. coniuravere nobilissumi cives patriam incendere, Gallorum gentem
infestissumam nomini Romano ad bellum arcessunt, dux hostium cum exercitu
supra caput est; (52,25) vos cunctamini etiam
nunc et dubitatis, quid intra moenia deprensis hostibus faciatis? (52,26)
misereamini censeo ‑ deliquere homines adulescentuli per ambitionem ‑ atque
etiam armatos dimittatis: (52,27) ne ista vobis
mansuetudo et misericordia, si illi arma ceperint, in miseriam convortat.
(52,28) scilicet res ipsa aspera est, sed vos
non timetis eam. immo vero maxume. sed inertia et mollitia animi alius alium
expectantes cunctamini, videlicet dis inmortalibus confisi, qui hanc rem
publicam saepe in maxumis periculis servavere. (52,29)
non votis neque suppliciis muliebribus auxilia deorum parantur; vigilando,
agundo, bene consulendo prospere omnia cedunt. ubi socordiae te atque ignaviae
tradideris, nequiquam deos inplores: irati infestique sunt. |
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Zur Zeit unserer Vorfahren ließ
Titus
Manlius Torquatus im Krieg gegen die Gallier
seinen Sohn, weil er entgegen dem Befehl mit einem Feind gekämpft hatte,
hinrichten. Der herausragende Jüngling büßte seine übermäßige
Tapferkeit mit dem Tod; und ihr fragt euch zögerlich, was über
unmenschliche Mörder verhängen sollt? Freilich steht ihr sonstiges
Leben zu ihrem jetzigen Verbrechen im Widerspruch! Ja, nehmt Rücksicht
auf den hohen Rang des
Lentulus, wenn er selbst auf seine Achtbarkeit, seinen Ruf, auf Götter
und Menschen je Rücksicht genommen hat! Verzeiht der Jugend des
Cethegus, wenn er nicht schon zum zweiten Mal gegen das Vaterland Krieg
angefangen hat. Und
Gabinius, Statilius,
Caeparius, was soll
ich über sie sagen? Hätten sie je ein Gewissen gehabt, sie hätten
nicht solche Pläne gegen den Staat gehegt. |
(52,30) apud maiores
nostros A. Manlius Torquatus bello Gallico filium suom, quod is contra imperium
in hostem pugnaverat, necari iussit, (52,31)
atque ille egregius adulescens inmoderatae fortitudinis morte poenas dedit;
vos de crudelissumis parricidis quid statuatis, cunctamini? videlicet cetera
vita eorum huic sceleri obstat. (52,32) verum
parcite dignitati Lentuli, si ipse pudicitiae, si famae suae, si dis aut
hominibus umquam ullis pepercit. (52,33) ignoscite
Cethegi adulescentiae, nisi iterum patriae bellum fecit. (52,34)
nam quid ego de Gabinio, Statilio, Caepario loquar? quibus si quicquam umquam
pensi fuisset, non ea consilia de re publica habuissent. |
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Schließlich würde ich,
ihr Senatoren, wenn es, bei Gott, hinnehmbar wäre, Fehler zu machen,
euch durch Schaden klug werden lassen, da ihr ja Worte missachtet. Aber
wird sind auf allen Seiten umzingelt. Catilina
geht uns mit seinem Heer an die Gurgel, andere Feinde sind innerhalb der
Mauern, ja im Herzen der Stadt; keine Maßnahme kann von ihnen unbemerkt
getroffen, kein Entschluss gefasst werden: um so größere Eile
tut Not. Daher lautet mein Antrag: Da durch den gottlosen Plan ruchloser
Bürger der Staat in die höchste Gefahr gestürzt ist und diese
durch das Geständnis des Titus
Volturcius und der allobrogischen
Gesandten überführt und selbst geständig sind, dass sie zu
Mord, Brand und anderen unmenschlichen Gräueltaten an ihren Mitbürgern
und am Vaterland entschlossen waren, so ist an denen, die gestanden haben
und wie an denen, die todeswürdiger Verbrechen überführt
wurden, nach dem Beispiel unserer Vorfahren die Todesstrafe zu vollziehen.
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(52,35) postremo,
patres conscripti, si mehercule peccato locus esset, facile paterer vos
ipsa re conrigi, quoniam verba contemnitis. sed undique circumventi sumus.
Catilina cum exercitu faucibus urget; alii intra moenia atque in sinu urbis
sunt hostes; neque parari neque consuli quicquam potest occulte: quo magis
properandum est. (52,36) Quare ego ita censeo,
quom nefario consilio sceleratorum civium res publica in summa pericula
venerit, iique indicio T. Volturci et legatorum Allobrogum convicti confessique
sint caedem, incendia aliaque se foeda atque crudelia facinora in civis
patriamque paravisse, de confessis, sicuti de manufestis rerum capitalium,
more maiorum supplicium sumundum.' |
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| LIII |
Nachdem
Cato sich niedergesetzt hat, spenden alle Consulare und die Mehrheit
des Senats seinem Antrag Beifall, loben seine mutige Einstellung bis zum
Himmel und schelten sich gegenseitig Feiglinge.
Cato allein gilt als großes und leuchtendes Vorbild; der Senatsbeschluss
entspricht unverändert seinem Antrag. |
(53,1) Postquam
Cato adsedit, consulares omnes itemque senatus magna pars sententiam eius
laudant, virtutem animi ad caelum ferunt, alii alios increpantes timidos
vocant. Cato clarus atque magnus habetur; senati decretum fit, sicuti ille
censuerat. |
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Vielfach habe ich gelesen und vielfach
gehört, welche ruhmreiche Taten das römische Volk im Krieg und
im Frieden zu Wasser und zu Land vollbracht hat. So kam mir der Gedanke,
darauf zu achten, was am meisten zur Überwindung so großer Gefahren
beigetragen hat. Ich wusste, dass es oft mit geringer Mannschaft gegen starke
Feindesscharen gestritten hatte; es war mir bekannt, dass es mit kleinen
Mitteln gegen mächtige Könige Kriege geführt hatte; dass
es zusätzlich oft Schicksalsschläge ausgehalten hatte, dass die
Griechen den Römern in der Beredsamkeit, die Gallier im Kriegsruhm
voraus waren. Doch bei vielfachen Überlegungen wurde es mir gewiss,
dass alles die ausgezeichnete Tüchtigkeit einzelner Bürger zu
Stande gebracht hatte, dass es dadurch so gekommen ist, dass die Armut über
den Reichtum, die geringe Zahl über die große den Sieg errang.
Aber nachdem durch Verschwendung und Lässigkeit die <Moral der>
Bürgerschaft verdorben war, glich wieder der Staat durch seine Macht
aus, was schlechte Feldherrn und Beamten verdarben. Als hätte
sich die Kraft der Eltern erschöpft, gab es während langer Zeit
so gut wie überhaupt keinen herausragenden Leistungsträger in
Rom. Doch in meiner Zeit lebten zwei Männer von außerordentlicher
Tüchtigkeit, aber entgegengesetztem Charakter, Marcus
Cato und Gaius
Caesar. Weil mich der Zusammenhang auf sie geführt hat, beabsichtige
ich nicht, stillschweigend an ihnen vorüberzugehen, ohne beider Wesensart
und Charakter, soweit ich das leisten kann, zu schildern. |
(53,2) Sed mihi
multa legenti, multa audienti, quae populus Romanus domi militiaeque, mari
atque terra praeclara facinora fecit, forte lubuit adtendere, quae res maxume
tanta negotia sustinuisset. (53,3) sciebam saepenumero
parva manu cum magnis legionibus hostium contendisse; cognoveram parvis
copiis bella gesta cum opulentis regibus, ad hoc saepe fortunae violentiam
toleravisse, facundia Graecos, gloria belli Gallos ante Romanos fuisse.
(53,4) ac mihi multa agitanti constabat paucorum
civium egregiam virtutem cuncta patravisse, eoque factum, uti divitias paupertas,
multitudinem paucitas superaret. (53,5) sed
postquam luxu atque desidia civitas conrupta est, rursus res publica magnitudine
sui imperatorum atque magistratuum vitia
sustentabat ac, sicuti effeta parentum vi, multis tempestatibus haud sane
quisquam Romae virtute magnus fuit. (53,6) sed
memoria mea ingenti virtute, divorsis moribus fuere viri duo, M. Cato et
C. Caesar. quos quoniam res obtulerat, silentio praeterire non fuit consilium,
quin utriusque naturam et mores, quantum ingenio possum, aperirem. |
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| LIV |
Abstammung, Alter, Beredsamkeit waren
ihnen annähernd gleich. Gleich war ihre Beherztheit, ebenso auch der
Ruhm, doch von verschiedener Art:
Caesar galt wegen seiner Wohltätigkeit und Freigebigkeit für
groß, wegen seiner persönlichen Integrität Cato.
Caesar gewann
durch Schenken, Helfen und Verzeihen Ruhm,
Cato dadurch, dass er nichts nachsah.
Caesar bot den Unglücklichen Zuflucht,
Cato bereitete den Schlechten Verderben. An
Caesar rühmte man die Umgänglichkeit, an
Cato die Beständigkeit. Endlich lag es in Caesars
Sinn, sich bei Tag und Nacht abzumühen, zu wachen; über Anstrengungen
für die Interessen seiner Freunde vergaß er die eigenen, nichts
schlug er ab, was ein würdiges Geschenk sein konnte. Er wünschte
sich ein Kommando, ein Heer, einen außergewöhnlichen Krieg, in
dem seine Stärke erstrahlen konnte. Dagegen ging
Catos Bemühen auf Einfachheit und Ehrbarkeit, aber vor allem auf
Tugendstrenge. Er suchte nicht den Reichen an Reichtum, den Parteimann an
Parteilichkeit zu überbieten, sondern den Tüchtigen an Sittlichkeit,
den Bescheidenen an Zurückhaltung, den Ehrlichen an Enthaltsamkeit;
gut sein wollte er, nicht scheinen: und so holte ihn der Ruhm, je weniger
er ihm nachjagte, um so mehr ein. |
(54,1) igitur iis
genus, aetas, eloquentia prope aequalia fuere, magnitudo animi par, item
gloria, sed alia alii. (54,2) Caesar beneficiis
ac munificentia magnus habebatur, integritate vitae Cato. ille mansuetudine
et misericordia clarus factus, huic severitas dignitatem addiderat. (54,3)
Caesar dando sublevando ignoscundo, Cato nihil largiundo gloriam adeptus
est. in altero miseris perfugium erat, in altero malis pernicies. illius
facilitas, huius constantia laudabatur. (54,4)
postremo Caesar in animum induxerat laborare, vigilare; negotiis amicorum
intentus sua neglegere, nihil denegare, quod dono dignum esset; sibi magnum
imperium, exercitum, bellum novom exoptabat, ubi virtus enitescere posset.
(54,5) at Catoni studium modestiae, decoris,
sed maxume severitatis erat; (54,6) non divitiis
cum divite neque factione cum factioso, sed cum strenuo virtute, cum modesto
pudore, cum innocente abstinentia certabat; esse quam videri bonus malebat:
ita, quo minus petebat gloriam, eo magis illum adsequebatur. |
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| LV |
Nachdem sich, wie gesagt, der Senat
Catos Antrag
angeschlossen hatte, erachtete es der Konsul als das Zweckmäßigste,
die bevorstehende Nacht sofort zu nutzen, damit nicht in diesem Zeitraum
ein Aufstand versucht würde. Er befiehlt also den Triumvirn,
die für die Hinrichtung erforderlichen Vorbereitungen zu treffen, ließ
Wachposten aufstellen und führte persönlich
Lentulus ins Gefängnis; mit den übrigen verfahren die Praetoren
entsprechend. Im Gefängnis
befindet sich, wenn man etwas nach links hinaufgeht, das so genannte Tullianum,
ein Raum, der ungefähr zwölf Fuß in die Erde eingelassen
ist. Ringsum ist er ausgemauert und hat oben eine durch steinerne Bogen
getragene gewölbte Decke; sein Äußeres aber erregt durch
Schmutz, Finsternis und Geruch Ekel und Schauer. Nachdem
Lentulus in diesen Raum hinabgebracht war, schnürten ihm die Henker
mit dem Strick die Kehle ab. So fand er , ein Patrizier aus dem glanzvollen
Geschlecht der Cornelier,
der in Rom die Konsulwürde bekleidet hatte, ein durch seine Sitten
und Taten verdientes Lebensende. An
Cethegus, Gabinius
und Caeparius wurde
die Todesstrafe in gleicher Weise vollzogen. |
(55,1) Postquam,
ut dixi, senatus in Catonis sententiam discessit, consul optumum factu ratus
noctem, quae instabat, antecapere, ne quid eo spatio novaretur, tresviros,
quae ad supplicium postulabat, parare iubet. (55,2)
ipse praesidiis dispositis Lentulum in carcerem deducit; (55,3)
idem fit ceteris per praetores. est in carcere locus, quod Tullianum appellatur,
ubi paululum ascenderis ad laevam, circiter duodecim pedes humi depressus;
(55,4) eum muniunt undique parietes atque insuper
camera
lapideis fornicibus
iuncta; sed incultu tenebris odore foeda atque terribilis eius facies est.
(55,5) in eum locum postquam demissus est Lentulus,
vindices rerum capitalium, quibus praeceptum erat, laqueo gulam fregere.
(55,6) ita ille patricius ex gente clarissuma
Corneliorum, qui consulare imperium Romae habuerat, dignum moribus factisque
suis exitum vitae invenit. de Cethego, Statilio, Gabinio, Caepario eodem
modo supplicium sumptum est. |
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