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Die Catilinarische Verschwörung
De Catilinae coniuratione
ΣΑΛΛΟΥΣΤΙΟΥ ΚΑΤΙΛΙÎΑΣ
46-49
Verhör der Verschwörer. Die Reaktionen
in der Öffentlichkeit |
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| XLVI |
Nachdem die Sache zu Ende
war, wird alles schleunigst durch Boten dem Konsul gemeldet. Jenen aber
befielen starke Sorge und Freude zugleich. Denn er freute sich,
weil ihm klar war, dass das Volk nach der Aufdeckung der Verschwörung
aus der Gefahr gerettet war; andererseits aber war ihm bange, weil
er sich im unklaren war, was zu tun sei, da so hochgestellte Bürger
beim größten Verbrechen entdeckt worden waren. Er war
überzeugt, dass ihre Bestrafung für ihn selbst zur Bürde
würde, ihre Nichtbestrafung aber zum Untergang des Staates
führe. Daher fasst er Mut und lässt
Lentulus,
Cethegus,
Statilius und
Gabinius zu sich rufen, ferner einen gewissen Caeparius
aus Terracina, der vorhatte, nach Apulien
abzureisen, um dort die Sklaven aufzuwiegeln. Alle anderen kommen
sofort; Caeparius
hatte wenige Minuten vorher sein Haus verlassen und war, nachdem
er von der Entdeckung gehört hatte, aus der Hauptstadt geflohen.
Der Konsul führt den
Lentulus, weil er Praetor war, persönlich an der Hand haltend
in den Senat, die übrigen lässt er unter Bewachung
in den Tempel der Concordia kommen. Dorthin beruft er den Senat
und lässt bei großer Vollzähligkeit des Kollegiums
Volturcius
mit den Gesandten hineinbringen. Den Praetor
Flaccus lässt er das Kästchen mit dem Schreiben, das
er von den Gesandten bekommen hatte, ebendahin bringen. |
(46,1)
Quibus rebus confectis omnia propere per nuntios consuli declarantur.
at illum ingens cura atque laetitia simul occupavere. (46,2)
nam laetabatur intellegens coniuratione patefacta civitatem periculis
ereptam esse; porro autem anxius erat dubitans, in maxumo scelere
tantis civibus deprehensis quid facto opus esset: poenam illorum
sibi oneri, inpunitatem perdundae rei publicae fore credebat. (46,3)
igitur confirmato animo vocari ad sese iubet Lentulum, Cethegum,
Statilium, Gabinium itemque Caeparium Terracinensem. qui in Apuliam
ad concitanda servitia proficisci parabat. (46,4)
ceteri sine mora veniunt; Caeparius, paulo ante domo egressus, cognito
indicio ex urbe profugerat. (46,5)
consul Lentulum, quod praetor erat, ipse manu tenens in senatum
perducit, reliquos cum custodibus in aedem Concordiae venire iubet.
(46,6) eo senatum
advocat magnaque frequentia eius ordinis Volturcium cum legatis
introducit, Flaccum praetorem scrinium cum litteris, quas a legatis
acceperat, eodem adferre iubet. |
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| XLVII |
Volturcius wurde über seine Reise verhört, über
die Schreiben, hauptsächlich, welche Absichten und warum er
sie gehabt habe. Anfänglich brachte er ablenkende Lügen
vor und stellte die Verschwörung in Abrede; als man ihn dann
aber aufforderte, die Wahrheit zu sagen, und dazu Straflosigkeit
zusicherte, erzählt er, wie sich alles zugetragen hatte; er
erklärt, er sei erst wenige Tage zuvor von
Gabinius und Caeparius
als Teilnehmer angeworben worden und wisse nichts weiter als die
Sache mit den Gesandten. Er habe nur öfter von
Gabinius gehört, dass Publius
Autronius,
Servius Sulla,
Lucius Vargunteius und viele andere zu den Verschwörern
gehörten. Die Gallier legen ganz das selbe Geständnis
ab und überführen den leugnenden
Lentulus außer durch die Briefe noch durch die Äußerungen,
die er oft gemacht hatte: nach den sibyllinischen Büchern sei
drei Corneliern
die Alleinherrschaft in Rom bestimmt; Cinna
und Sulla
seien die beiden ersten gewesen, er der dritte, den das Schicksal
zum Herrn der Stadt ausersehen habe. Ferner sei das jetzige Jahr
das zwanzigste seit dem
Brand des Kapitols, von dem die Opferdeuter aus Erscheinungen oft
geweissagt hätten, dass es durch Bürgerkrieg blutig sein
werde. Nachdem alle die Siegel als ihre eigenen anerkannt hatten,
las man die Briefe; der Senat beschließt,
Lentulus solle seines Amtes entsetzt und wie die übrigen
in freiem Gewahrsam gehalten werden. So wird
Lentulus dem Publius
Lentulus Spinther, der damals Aedil war, in Gewahrsam übergeben,
Cethegus
dem Quintus
Cornificius,
Statilius dem
Gaius Caesar,
Gabinius dem
Marcus Crassus, Caeparius
- denn dieser war kurz zuvor auf der Flucht aufgegriffen worden -
dem Senator
Gnaeus Terentius. |
(47,1)
Volturcius interrogatus de itinere, de litteris, postremo quid aut
qua de causa consili habuisset, primo fingere alia, dissimulare
de coniuratione; post ubi fide publica dicere iussus est, omnia,
uti gesta erant, aperit docetque se paucis ante diebus a Gabinio
et Caepario socium adscitum nihil amplius scire quam legatos, tantummodo
audire solitum ex Gabinio P. Autronium, Ser Sullam, L. Vargunteium,
multos praeterea in ea coniuratione esse. (47,2)
eadem Galli fatentur ac Lentulum dissimulantem coarguunt praeter
litteras sermonibus, quos ille habere solitus erat: ex libris Sibyllinis
regnum Romae tribus Corneliis portendi; Cinnam atque Sullam antea,
se tertium esse, quoi fatum foret urbis potiri; praeterea ab incenso
Capitolio illum esse vigesumum annum. quem saepe ex prodigiis haruspices
respondissent bello civili cruentum fore. (47,3)
igitur perlectis litteris, quom prius omnes signa sua cognovissent,
senatus decernit, uti abdicato magistratu Lentulus itemque ceteri
in liberis custodiis habeantur. (47,4)
itaque Lentulus P. Lentulo Spintheri, qui tum aedilis erat, Cethegus
Q. Cornificio, Statilius C. Caesari, Gabinius M. Crasso, Caeparius
‑ nam is paulo ante ex fuga retractus erat ‑ Cn. Terentio senatori
traduntur. |
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| XLVIII |
Als da nun die Verschwörung
enthüllt war, änderte das Volk, das anfänglich aus
Lust zum Umsturz gar zu sehr für den Krieg gewesen war, vollständig
seine Gesinnung, verwünschte Catilinas
Pläne und erhob dagegen
Cicero bis zum Himmel. Als sei es aus Sklaverei gerettet, gebärdete
es sich überschwänglich erfreut. Denn aus anderen Kriegsgräuel
glaubte es zwar mehr Beute als Schaden davonzutragen, Brandstiftung
aber hielt es für unmenschlich, maßlos und besonders
für es selbst am unheilvollsten, zumal ja sein ganzes Vermögen
in dem bestand, was es täglich verzehrte und auf dem Leibe
trug. |
(48,1)
Interea plebs coniuratione patefacta, quae primo cupida rerum novarum
nimis bello favebat, mutata mente Catilinae consilia execrari, Ciceronem
ad caelum tollere: veluti ex servitute erepta gaudium atque laetitiam
agitabat. (48,2)
namque alia belli facinora praedae magis quam detrimento fore, incendium
vero crudele, inmoderatum ac sibi maxume calamitosum putabat, quippe
quoi omnes copiae in usu cottidiano et cultu corporis erant.
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Am Tag nach diesen Vorgängen
wurde ein gewisser Lucius
Tarquinius vor den Senat gebracht; man gab an, er sei auf dem
Weg zu Catilina aufgegriffen
worden. Da er erklärte, er wolle über die Verschwörung
ein Geständnis ablegen, wenn ihm volle Straflosigkeit gewährt
werde, forderte ihn den Konsul auf, frei herauszusagen, was er wisse.
Nun machte er vor dem Senat fast die selben Angaben wie
Volturcius über die Vorbereitungen zur Brandlegung, über
die Ermordung der Gutgesinnten, über den Anmarsch der Feinde;
außerdem aber, er sei von Marcus
Crassus abgeschickt worden, um Catilina
zu melden, er solle sich durch Verhaftung des
Lentulus,
Cethegus und anderer Verschwörer nicht abschrecken lassen,
vielmehr um so eiliger gegen die Stadt anrücken, um die anderen
zu ermutigen und jene um so leichter der Gefahr zu entreißen.
Als aber Tarquinius
den Namen des
Crassus, eines adligen, sehr reichen und einflussreichen Mannes
aussprach, da rief man laut, die Angaben seien erlogen, und forderte,
die Sache zur Abstimmung zu bringen; die einen, weil sie die Sache
für unglaubwürdig hielten, manche aber, weil sie, obwohl
sie es für wahr erachteten, doch in einem so bedenklichen Moment
für richtiger ansahen, den so mächtigen Mannes zu beschwichtigen
als zu reizen, die meisten aber, weil sie Crassus
wegen Geldgeschäften verpflichtet waren. Auf Ciceros
Fragen hin beschließt denn der Senat mit deutlicher Mehrheit,
die Angaben des
Tarquinius seien augenscheinlich erlogen; er sei in Fesseln
zu legen und dürfe erst dann wieder Redeerlaubnis erhalten,
wenn er den nenne, auf dessen Anreiz hin er eine so abscheuliche
Lüge geäußert habe. Manche glaubten damals, jene
Aussage sei von Publius
Autronius angestiftet worden, damit Crassus,
wenn er in die Untersuchung verwickelt würde, wegen der Gemeinsamkeit
der Gefahr die anderen unter den Schutz seiner Macht stellen müsse.
Andere behaupteten,
Cicero habe
Tarquinius vorgeschickt, damit Crassus
nicht nach seiner Gewohnheit die Beschützung der Schlechtgesinnten
auf sich nehme und so den Staat in die schlimmste Lage bringe. Den
Crassus
selbst habe ich später laut aussprechen hören, jener so
große Schimpf sei ihm von Cicero angetan worden.
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(48,3)
Post eum diem quidam L. Tarquinius ad senatum adductus erat, quem
ad Catilinam proficiscentem ex itinere retractum aiebant. (48,4)
is quom se diceret indicaturum de coniuratione, si fides publica
data esset, iussus a consule, quae sciret, edicere, eadem fere quae
Volturcius de paratis incendiis, de caede bonorum, de itinere hostium
senatum docet: praeterea se missum a M. Crasso, qui Catilinae nuntiaret,
ne eum Lentulus et Cethegus aliique ex coniuratione deprehensi terrerent,
eoque magis properaret ad urbem adcedere, quo et ceterorum animos
reficeret et illi facilius e periculo eriperentur. (48,5)
sed ubi Tarquinius Crassum nominavit, hominem nobilem, maxumis divitiis,
summa potentia, alii rem incredibilem rati, pars tametsi verum existumabant,
tamen quia in tali tempore tanta vis hominis magis leniunda quam
exagitanda videbatur, plerique Crasso ex negotiis privatis obnoxii,
conclamant indicem falsum esse, deque ea re postulant, uti referatur.
(48,6) itaque consulente
Cicerone frequens senatus decernit Tarquini indicium falsum videri
eumque in vinculis retinendum neque amplius potestatem faciundam,
nisi de eo indicaret, quoius consilio tantam rem esset mentitus.
(48,7) erant eo tempore
qui existumarent indicium illud a P. Autronio machinatum, quo facilius
appellato Crasso per societatem periculi reliquos illius potentia
tegeret. (48,8) alii
Tarquinium a Cicerone inmissum aiebant, ne Crassus more suo suscepto
malorum patrocinio rem publicam conturbaret. (48,9) ipsum Crassum
ego postea praedicantem audivi tantam illam contumeliam sibi ab
Cicerone inpositam. |
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| IL |
Aber unter ganz gleichen
Umständen konnten Quintus
Catulus und Gaius
Piso Cicero
weder durch Bitten noch durch Geld noch durch persönlichen
Einfluss dazu bringen, durch die
Allobroger oder sonst einen Anzeiger
Gaius Caesar fälschlich nennen zu lassen. Beide lagen nämlich
mit ihm in bitterem Streit.
Piso, weil er von ihm in einer Klage auf Erpressung wegen
der ungerechten Hinrichtung eines Transpadaners heftig angegriffen
worden war,
Catulus war wegen der Bewerbung um das Pontifikat in Hass entbrannt,
weil ihm, dem Hochbetagten, der die höchsten Ämter begleitet
hatte, der noch ganz junge
Caesar den Rang abgelaufen hatte. Die Sachlage schien aber zur
Verdächtigung ganz geeignet, weil nämlich
Caesar durch außerordentliche Freigebigkeit gegen einzelne
Privatleute und sehr aufwendige Veranstaltungen für das Volk
sich eine drückende Schuldenlast aufgeladen hatte. Als sie
nun den Konsul zu einer so abscheulichen Handlung nicht bewegen
konnten, liefen sie mit aus der Luft gegriffenen Beschuldigungen,
die sie von Volturcius
oder den Allobrogern
gehört zu haben behaupteten, bei den Leuten umher. Dadurch
hatten sie eine heftige Missstimmung gegen ihn entfacht, so weit,
dass mehrere Ritter, die der Sicherheit wegen bewaffnet um den Tempel
der Concordia standen,
Caesar, als er aus der Sitzung kam, mit dem Schwert drohten,
um dadurch ihren Eifer für das Staatswohl eindeutig zu beweisen;
vielleicht weil sie wirklich von seiner Gefährlichkeit überzeugt
waren, vielleicht nur aus innerer Erregung. |
(49,1)
Sed isdem temporibus Q. Catulus et C. Piso neque precibus neque
pretio neque gratia Ciceronem inpellere potuere, uti per Allobroges
aut alium indicem C. Caesar falso nominaretur. (49,2)
nam uterque cum illo gravis inimicitias exercebat: Piso oppugnatus
in iudicio pecuniarum repetundarum propter quoiusdam Transpadani
supplicium iniustum, Catulus ex petitione pontificatus odio incensus,
quod extrema aetate, maxumis honoribus usus, ab adulescentulo Caesare
victus discesserat. (49,3)
res autem opportuna videbatur, quod is privatim egregia liberalitate,
publice maxumis muneribus grandem pecuniam debebat. (49,4)
sed ubi consulem ad tantum facinus inpellere nequeunt, ipsi singillatim
circumeundo atque ementiundo, quae se ex Volturcio aut Allobrogibus
audisse dicerent, magnam illi invidiam conflaverant, usque eo ut
nonnulli equites Romani, qui praesidi causa cum telis erant circum
aedem Concordiae, seu periculi magnitudine seu animi mobilitate
inpulsi, quo studium suom in rem publicam clarius esset, egredienti
ex senatu Caesari gladio minitarentur. |
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 © 2000 - 2012 - Letzte Aktualisierung: 18.08.2011 - 19:03 |
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