Nos personalia non concoquimus. Nostri consocii (Google, Affilinet) suas vias sequuntur: Google, ut intentionaliter te proprium compellet, modo ac ratione conquirit, quae sint tibi cordi. Uterque consocius crustulis memorialibus utitur. Concedis, si legere pergis.
top

Cicero: Tusculanae Disputationes

Cicero: Gespräche in Tusculum

Cic.Tusc.5,26-88

Stoische Kritik an Epikurs Lustlehre

 
vorherige Seite folgende Seite

 
Die stoische Kritik deckt innere Widersprüche in Epikurs Lustlehre auf

Cicero: Tusculanae Disputationes

Cic.Tusc.5,26-28

Stoische Kritik an Epikurs Lustlehre

 

Cicero: Gespräche in Tusculum

Cic.Tusc.5,26-28

Stoische Kritik an Epikurs Lustlehre

26,1
An malumus Epicurum imitari? qui multa praeclare saepe dicit; quam enim sibi constanter convenienterque dicat, non laborat.Oder wollen wir lieber Epikur nachahmen? Er sagt oft viel Treffliches; denn wie konsequent, wie mit sich übereinstimmend, kümmert ihn nicht.
26,2
Laudat tenuem victum. Philosophi id quidem, sed si Socrates aut Antisthenes diceret, non is, qui finem bonorum voluptatem esse dixerit.Er lobt schmale Kost: ganz philosophisch; aber nur sollte es Sokrates oder Antisthenes sagen; nicht der, der das Vergnügen zum höchsten Gut erklärt.
26,3
Negat quemquam iucunde posse vivere, nisi idem honeste sapienter iusteque vivat.Er behauptet, niemand könne angenehm leben, ohne zugleich rechtschaffen, weise und gerecht zu leben.
26,4
Nihil gravius, nihil philosophia dignius, nisi idem hoc ipsum "honeste sapienter iuste" ad voluptatem referret.Nichts gewichtiger, nichts der Philosophie würdiger: wenn nur nicht eben derselbe gerade das "rechtschaffen, weise, gerecht" auf das Vergnügen zurückführte.
26,5
Quid melius quam "fortunam exiguam intervenire sapienti"? sed hoc isne dicit, qui, cum dolorem non modo maxumum malum, sed solum malum etiam dixerit, toto corpore opprimi possit doloribus acerrumis tum, cum maxime contra fortunam glorietur?Was besser als: "wenig Einfluss habe das Glück auf den Weisen". Aber sagt das nicht der, der, da er den Schmerz nicht nur für das höchste Übel, sondern sogar für das einzige Übel erklärte, am ganzen Körper von den heftigsten Schmerzen gerade dann niedergedrückt werden könnte, wann er sich am meisten gegen das Glück rühmt?
27,1
Quod idem melioribus etiam verbis Metrodorus: "Occupavi te" inquit, "Fortuna, atque cepi omnisque aditus tuos interclusi, ut ad me adspirare non posses."Dasselbe sagt mit noch besseren Worten Metrodorus: "Ich kam dir zuvor, und ergriff dich, o Glück; und alle deine Zugänge hab' ich versperrt, damit du zu mir die Flügel nicht erheben kannst."
27,2
Praeclare, si Aristo Chius aut si Stoicus Zenon diceret, qui, nisi quod turpe esset, nihil malum duceret; tu vero, Metrodore, qui omne bonum in visceribus medullisque condideris et definieris summum bonum firma corporis adfectione explorataque spe contineri, Fortunae aditus interclusisti? Quo modo? isto enim bono iam exspoliari potes.Trefflich, wenn's der Chier Aristo oder der Stoiker Zenon sagte, der nichts für ein Übel hielt, als das Sittlich-Schändliche. Du aber, Metrodorus, der du alles Gut in den Eingeweiden und im Mark aufgespeichert und erklärt hast, das höchste Gut bestehe in einer festen Körperbeschaffenheit und in der zuverlässigen Hoffnung, dass diese bleiben werde, du hast die Zugänge des Glücks versperrt? Wieso? Jenen Gutes kannst du ja jeden Augenblick beraubt werden!
28,1
Atqui his capiuntur imperiti, et propter huius modi sententias istorum hominum est multitudo; acute autem disputantis illud est, non quid quisque dicat, sed quid cuique dicendum sit, videre.Doch durch dergleichen lassen sich Unerfahrene fangen; und um solcher Ideen willen ist die Zahl der Anhänger so groß. Wer aber mit Scharfsinn über einen Gegenstand spricht, der sieht nicht darauf, was jeder behauptet, sondern was jeder behaupten sollte.
28,2
Velut in ea ipsa sententia, quam in hac disputatione suscepimus, omnis bonos semper beatos volumus esse.So wollen wir bei der Ansicht, die wir in gegenwärtiger Untersuchung ergriffen haben, das sagen: alle Guten sind immer glücksselig.
28,3
Quos dicam bonos, perspicuum est; omnibus enim virtutibus instructos et ornatos tum sapientis, tum viros bonos dicimus.Wen ich unter den Guten verstehe, ist klar: Männer, die mit allen Tugenden ausgerüstet und geschmückt sind, nennen wir bald weise, bald gut.
28,4
Videamus, qui dicendi sint beati. Equidem eos existimo, qui sint in bonis nullo adiuncto malo.Sehen wir auch, wer glückselig zu nennen ist: Ich meine, wer im Genuss von Gütern ist, ohne Beimischung eines Übels.
     
Aufgabenvorschläge:
  1. Welche Widersprüche in Epikurs Lustlehre will die stoische Kritik im einzelnen aufdecken?
Übersetzung von F.H.Kern, bearbeitet von E. Gottwein
vorherige Seite folgende Seite
Sententiae excerptae:
w32
2028
aegritudo ut taetra et inmanis belua fugienda
den Kummer muss man wie ein hässliches, abscheuliches Ungeheuer fliehen
Cic.Tusc.4,45,1

1352
Ante circumspiciendum est, cum quibus edas et bibas, quam quid edas et bibas.
Man muss sich früher umschauen, mit wem man isst und trinkt, als was man isst und trinkt.
Sen.epist.19,10 (Epikur)

2035
Appellata est enim ex viro virtus.
"Virtus" kommt nämlich von "vir" (Mann).
Cic.Tusc.2,43,3

30
aut bibat aut abeat (ἢ πῖθι ἢ ἄπιθι)
sauf oder lauf!
Cic.Tusc.5,118

1436
Clavus clavo eicitur. (ἧλον τῷ ἥλῳ καὶ πάτταλον ἐξέκρουσας πατάλῳ· ἀντὶ τοῦ ἁμαρτήματι τὸ ἁμάρτημα θεραπεύεις, Diog.5,16)
Ein Keil treibt den anderen heraus. (Bös muss Bös vertreiben).
Cic.Tusc.4,75

2037
Contemno magnitudinem doloris, a qua me brevitas temporis vindicabit ante paene, quam venerit (Epikur).
Ich verachte die Heftigkeit des Schmerzes, von der mich die Kürze der Zeit erretten wird, beinahe noch bevor er gekommen ist.
Cic.Tusc.2,44,3

1215
Egregia res est mortem condiscere.
Es ist eine herrliche Sache sterben zu lernen.
Sen.epist.26,8 (nach Epikur)

2026
est enim ira ulciscendi libido
Zorn ist Lust, sich zu rächen
Cic.Tusc.4,44,1

2039
Ferendi doloris consuetudo est non contemnenda magistra.
Im Verachten des Schmerzes ist die Gewöhnung eine nicht zu verachtende Lehrmeisterin.
Cic.Tusc.2,49,4

91
gloria virtutem tamquam umbra sequitur
der Ruhm folgt der Leistung wie ihr Schatten
Cic.Tusc.1,109

1122
Honesta res est laeta paupertas.
Es ist etwas Ehrenvolles um die vergnügte Armut.
Sen.epist.2,5 (nach Epikur)

2029
Impunitas peccatorum data videtur eis, qui ignominiam et infamiam ferunt sine dolore; morderi est melius conscientia.
Die scheinen für ihre Verfehlungen straffrei zu bleiben, die unter Schmach und Entehrung nicht leiden. Besser sind Gewissensbisse.
Cic.Tusc.4,45,2

2025
iracundiam cotem fortitudinis esse dicunt
Zorn sei der Schleifstein der Tapferkeit, sagen sie
Cic.Tusc.4,43,2

1214
Meditare mortem!
Bereite Dich auf den Tod vor! (Lebe im Bewusstsein des Todes!)
Sen.epist.26,8 (nach Epikur)

2023
Omninoque, quae crescentia perniciosa sunt, eadem sunt vitiosa nascentia.
Grundsätzlich ist, was in seinem Wachstum verderblich ist, auch in seiner Entstehung fehlerhaft.
Cic.Tusc.3,41,3

2024
qui vitiis modum apponit, is partem suscipit vitiorum
Wer Fehlern ein Maß setzt, ergreift Partei für die Fehler
Cic.Tusc.4,42,4

1203
Quid tam ridiculum quam adpetere mortem, cum vitam inquietam tibi feceris metu mortis?
Was ist so lächerlich, als nach dem Tod zu verlangen, nachdem man sich durch die Furcht vor dem Tod ein unruhiges Leben gemacht hat?
Sen.epist.24,23 (nach Epikur)

1202
Ridiculum est currere ad mortem taedio vitae, cum genere vitae, ut currendum ad mortem esset, effeceris.
Es ist lächerlich, aus Lebensüberdruss in den Tod zu eilen, wenn man es durch die Art seines Lebens dahin gebracht hat, dass man in den Tod eilen muss.
Sen.epist.24,22 (nach Epikur)

2038
saepe enim videmus fractos pudore, qui ratione nulla vincerentur.
Denn oft sehen wir durch Scham überwältigt, wer durch keinen Vernunftgrund besiegt werden konnte.
Cic.Tusc.2,48,3

1159
Satis magnum alter alteri theatrum sumus.
Ich und du, wir sind einer dem anderen Publikum genug.
Sen.epist.7,11 (nach Epikur)

1038
Sisyphi saxum versare.
Den Stein des Sisyphos wälzen. (Sich vergeblich abmühen.)
nach Cic.Tusc.1,5,10

2034
Sitne igitur malum dolere necne, Stoici viderint.
Ob der Schmerz ein Übel ist oder nicht, mögen die Stoiker zusehen.
Cic.Tusc.2,42,3

2027
ubi quicquid est, quod disci potest, eo veniendum.
wo etwas zu lernen ist, dahin muss man kommen
Cic.Tusc.4,44,5

2036
Viri autem propria maxime est fortitudo, cuius munera duo sunt maxima, mortis dolorisque contemptio.
Die Haupteigenschaft des Mannes aber ist die Tapferkeit, die beide Hauptrichtungen in sich begreift: Verachtung des Todes und Verachtung des Schmerzes.
Cic.Tusc.2,43,4


Literatur:
23 Fund(e)
4594
Baltes, M.
Die Todesproblematik in der griechischen Philosophie.
in: Gymnasium 95, 2/1988, 97-128

534
Barigazzi, A.
Sulle fonte del libro primo delle Tusculane de Cicerone
in: RFIC 76/1984,181-203

1534
Barigazzi, A.
Sulle fonte del libro primo delle Tusculane de Cicerone
in: RFIC 76/1984,181-203

683
Büchner, K.
Cicero. Bestand und Wandel seiner geistigen Welt
Heidelberg (Winter) 1964

703
Cicero, M.T. / Kühner, R.
Cicero's Tusculanen. Übs. und erklärt von Raphael Kühner.
Stuttgart, Krais & Hoffmann 2/1866

707
Cicero, M.T. / Kühner, R.
Tusculanarum disputationum libri quinque. Ex Orellii recensione edidit et illustravit Raphael Kühner. Editio altera auctior et emendatior.
Jena, Frommann, 1829; 1835

4584
Cicero, M.T. / O. Weissenfels
Auswahl aus Ciceros Philosophischen Schriften, hgg. v. Oskar Weissenfels. 3. Aufl. besorgt v. Paul Wessner
Leipzig, Berlin (Teubner) 1910

496
Gelzer, M.
Cicero. Ein biographischer Versuch
Wiebaden (Steiner) 1969

500
Giebel, M.
Cicero
Reinbek (rm 261) 1989

518
Harder, R.
Proömium von Ciceros Tusculanen (Die Antithese Rom-Griechenland)
in: Kl.Schrft., München (Beck) 1960

4595
Hermann, C.
Affektbeherrschung als Weg zum Glück. Cicero, Tusculanae disputationes V 15/16.
in: AU 37, 6/1994, 64-70.

532
Hommel, H.
Ciceros Gebetshymnus an die Philosophie, Tusculanen V 5
Heidelberg (Winter) 1968

4596
Hross, K.
Unsterblichkeit der Seele, Lukr.3 – Cic. Tusc.1
in: Anr. 13/1967, 389

4590
Ioannes ab Arnim (Hg.)
Stoicorum veterum fragmenta, collegit Ioannes ab Arnim. Volumen III: Chrysippi fragmenta moralia, fragmenta succcessorum Chrysippi
Stuttgart, Teubner1979

544
Klingner, F.
Cicero
in: Röm.Geisteswelt, München 1965

561
Kurfeß, A.
Adnotationes criticae ad Ciceronis Tusculanas disputationes
in: Gymn 62/1955,50

4589
Long, A.A. / Sedley, D.N.
Die hellenistischen Philosophen, Texte und Kommentare (nur deutsch), übers. v. Karlheinz Hülser
Stuttgart, Weimar (J.B.Metzler) 2000 (Cambridge 1987)

593
Plasberg, O.
Cicero in seinen Werken und Briefen
Darmstadt (WBG) 1962

4593
Pohlenz, M.
M. Ciceronis Tusculanarum disputationum libti quinque (Heft I/II)
Amsterdam (Hakkert) 1965/1957

622
Schmid, W.
Ein Tag und der Aion. ..zu Ciceros Doxologie der Philos.(Tusc.5,5)
in: Maurach: Philos. (WBG, WdF 193) 1976

4597
Schmid, W.
Ein Tag und der Aion... Zu Ciceros Doxologie der Philos. (Tusc.5,5)
in: Maurach. Philos., Darmstadt (WBG, WdF 193) 1976

638
Seel, O.
Cicero. Wort, Staat, Welt
Stuttgart (Klett) 1967

4585
Süss, Wilhelm
Cicero. Eine Einführung in seine philosophischen Schriften (mit Ausschluss der staatsphilosophischen Werke)
Wiesbaden (Franz Steiner) 1966

Site-Suche:
Benutzerdefinierte Suche
bottom - /Lat/CicTusc/tusc5026.php - Letzte Aktualisierung: 13.06.2019 - 14:35