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Cicero: De finibus bonorum et malorum

Cicero: Vom höchsten Gut und größten Übel

Cic.fin.1,37-42,3

Wesen und Stellenwert der Lust nach ach Epikurs Lehre

 
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Torquatus setzt seinen Vortrag fort und will Wesen und Stellenwert der Tugend nach der Lehre Epikurs erklären.

Cicero: De finibus bonorum et malorum

Cic.fin.1,37-42,3

Epicurus summum bonum in voluptate ponit

Cicero: Vom höchsten Gut und größten Übel

Cic.fin.1,37-42,3

Wesen und Stellenwert der Lust selbst

37,1
Sed de clarorum hominum factis illustribus et gloriosis satis hoc loco dictum sit.Doch von den glänzenden und ruhmvollen Taten berühmter Männer haben wir hier genug gesprochen.
37,2
erit enim iam de omnium virtutum cursu ad voluptatem proprius disserendi locus.Denn es wird sich bald der geeignete Ort finden, von der Richtung zu reden, die alle Tugenden nach der Lust hin nehmen.
37,3
nunc autem explicabo, voluptas ipsa quae qualisque sit, ut tollatur error omnis imperitorum intellegaturque ea, quae voluptaria, delicata, mollis habeatur disciplina, quam gravis, quam continens, quam severa sit.Jetzt aber will ich das Wesen und die Beschaffenheit der Lust selbst entwickeln, damit jedes Missverständnis der Unkundigen ausgeräumt werde und man begreife, wie ein Lehrgebäude, das man für wollüstig, verzärtelt und weichlich hält, in hohem Grad ernst, genügsam und streng ist.
37,4
Non enim hanc solam sequimur, quae suavitate aliqua naturam ipsam movet et cum iucunditate quadam percipitur sensibus, sed maximam voluptatem illam habemus, quae percipitur omni dolore detracto;Denn nicht nach der Lust allein streben wir, die durch eine Annehmlichkeit unser Wesen selbst in Bewegung setzt und mit einem gewissen Wohlbehagen von den Sinnen empfunden wird, sondern in der Lust haben wir die größte, die durch die Entfernung allen Schmerzes empfunden wird.
37,5
nam quoniam, cum privamur dolore, ipsa liberatione et vacuitate omnis molestiae gaudemus, omne autem id, quo gaudemus, voluptas est, ut omne, quo offendimur, dolor, doloris omnis privatio recte nominata est voluptas.Wenn wir nämlich von einem Schmerz befreit werden, so freuen wir uns schon über die Befreiung und Entledigung von aller Beschwernis. Weil aber alles das, worüber wir uns freuen, Lust ist sowie alles, wodurch wir verletzt werden, Schmerz, so ist die Befreiung von allem Schmerz mit Recht Lust genannt worden.
37,6
ut enim, cum cibo et potione fames sitisque depulsa est, ipsa detractio molestiae consecutionem affert voluptatis, sic in omni re doloris amotio successionem efficit voluptatis.Denn so wie nach Stillung des Hungers und Durstes durch Speise und Trank die Beseitigung des Beschwerlichen selbst die Lust zur Folge hat, so bewirkt in jedem Fall die Entfernung des Schmerzes den Eintritt der Lust.
38,1
Itaque non placuit Epicuro medium esse quiddam inter dolorem et voluptatem;Daher ist Epikur der Ansicht, dass es zwischen Schmerz und Lust keinen Mittelbereich gibt;
38,2
illud enim ipsum, quod quibusdam medium videretur, cum omni dolore careret, non modo voluptatem esse, verum etiam summam voluptatem.denn eben jener Mittelbereich, der von einigen angenommen wird, der Zustand völliger Schmerzlosigkeit, sei nicht nur Lust, sondern sogar die höchste Lust.
38,3
quisquis enim sentit, quem ad modum sit affectus, eum necesse est aut in voluptate esse aut in dolore.Denn wer fühlt, auf welche Weise er gestimmt ist, der muss sich notwendig entweder im Zustand der Lust oder in dem des Schmerzes befinden;
38,4
omnis autem privatione doloris putat Epicurus terminari summam voluptatem, ut postea variari voluptas distinguique possit, augeri amplificarique non possit.Aber auf die Befreiung von jeder Art Schmerz wird nach Epikurs Ansicht die höchste Lust beschränkt, so dass sich die Lust in der Folge zwar mannigfaltig und unterscheidbar gestalten kann, aber keine Steigerung oder Erweiterung zulässt.
39,1
At etiam Athenis, ut e patre audiebam facete et urbane Stoicos irridente, statua est in Ceramico Chrysippi sedentis porrecta manu, quae manus significet illum in hac esse rogatiuncula delectatum: "Numquidnam manus tua sic affecta, quem ad modum affecta nunc est, desiderat?" --Allerdings befindet sich noch jetzt zu Athen, wie ich von meinem Vater hörte, wenn er witzig und scherzhaft die Stoiker verspottete, eine Bildsäule des Chrysippos, der auf dem Kerameikos mit ausgestreckte Hand dasitzt. Diese Hand soll andeuten, er habe sich in folgender Schlussform gefallen: "Begehrt deine Hand etwas in dem Zustand, wie sie sich jetzt befindet?" --
39,2
Nihil sane. -- "At, si voluptas esset bonum, desideraret." -- Ita credo. -- "Non est igitur voluptas bonum."Nichts eben. -- "Nun aber, wenn die Lust ein Gut wäre, würde sie es begehren?" -- Ja, glaube ich. -- "Also ist die Lust kein Gut."
39,3
Hoc ne statuam quidem dicturam pater aiebat, si loqui posset.Das würde, sagte mein Vater, nicht einmal die Bildsäule sagen, wenn sie sprechen könnte.
39,4
conclusum est enim contra Cyrenaicos satis acute, nihil ad Epicurum.Freilich, gegen die Kyrenaiker ist der Schluss ganz scharfsinnig gemacht; auf Epikur aber passt er gar nicht.
39,5
nam si ea sola voluptas esset, quae quasi titillaret sensus, ut ita dicam, et ad eos cum suavitate afflueret et illaberetur, nec manus esse contenta posset nec ulla pars vacuitate doloris sine iucundo motu voluptatis.Denn wenn das allein Lust wäre, was die Sinne gleichsam kitzelt, um mich so auszudrücken, und auf sie mit einer angenehmen Empfindung einströmt und in sie hineinschlüpft: so könnte weder die Hand noch ein anderes Glied mit der bloßen Schmerzlosigkeit ohne die angenehme Bewegung der Lust zufrieden sein.
39,6
sin autem summa voluptas est, ut Epicuro placet, nihil dolere, primum tibi recte, Chrysippe, concessum est nihil desiderare manum, cum ita esset affecta, secundum non recte, si voluptas esset bonum, fuisse desideraturam.Besteht aber die höchste Lust, wie Epikur meint, darin, dass man keinen Schmerz hat, so wird dir, Chrysippos, der erste Satz mit Recht zugestanden, dass deine Hand in solchem Zustand nichts begehre, der zweite aber nicht mit Recht, dass, wenn Lust ein Gut wäre, sie sie begehrt hätte;
39,7
idcirco enim non desideraret, quia, quod dolore caret, id in voluptate est.denn darum würde sie kein Begehren haben, weil das, was von Schmerz frei ist, sich im Zustand der Lust befindet.
40,1
Extremum autem esse bonorum voluptatem ex hoc facillime perspici potest:Dass aber das äußerste der Güter die Lust sei, lässt sich aus Folgendem sehr leicht begreifen.
40,2
Constituamus aliquem magnis, multis, perpetuis fruentem et animo et corpore voluptatibus nullo dolore nec impediente nec inpendente, quem tandem hoc statu praestabiliorem aut magis expetendum possimus dicere?Stellen wir uns einen Menschen vor, der große, viele und ununterbrochene Vergnügungen sowohl mit seinem Geist als mit seinem Körper genießt, ohne dass irgendein Schmerz ihn behindert oder bedroht: welchen Zustand könnten wir denn vorzüglicher oder begehrenswerter nennen als diesen?
40,3
inesse enim necesse est in eo, qui ita sit affectus, et firmitatem animi nec mortem nec dolorem timentis, quod mors sensu careat, dolor in longinquitate levis, in gravitate brevis soleat esse, ut eius magnitudinem celeritas, diuturnitatem allevatio consoletur.Denn wer sich in einem solchen Zustand befindet, dem muss notwendigerweise die Stärke einer Seele beiwohnen, die wieder den Tod noch den Schmerz fürchtet, weil im Tod kein Gefühl ist und der lange Schmerz leicht, der heftige aber kurz zu sein pflegt, so, dass über die Heftigkeit seine Kürze und über die Länge seine Leichtigkeit tröstet.
41,1
Ad ea cum accedit, ut neque divinum numen horreat nec praeteritas voluptates effluere patiatur earumque assidua recordatione laetetur, quid est, quod huc possit, quod melius sit, accedere?Kommt hierzu noch, dass er weder vor der Macht der Gottheit zittert noch vergangene Genüsse aus dem Gedächtnis schwinden lässt, sondern sich in der unablässigen Erinnerung an sie freut, wäre da wohl noch ein Zuwachs an Glück möglich?
41,2
Statue contra aliquem confectum tantis animi corporisque doloribus, quanti in hominem maximi cadere possunt, nulla spe proposita fore levius aliquando, nulla praeterea neque praesenti nec expectata voluptate, quid eo miserius dici aut fingi potest?Stelle dagegen einen anderen, der durch so große Schmerzen der Seele und des Körpers, wie sie nur immer einen Menschen treffen können, gänzlich erschöpft, ohne alle Hoffnung auf Erleichterung, überdies ohne allen Genuss eines gegenwärtigen oder zukünftigen Vergnügens: lässt sich etwas Elenderes anführen oder denken als er?
41,3
quodsi vita doloribus referta maxime fugienda est, summum profecto malum est vivere cum dolore, cui sententiae consentaneum est ultimum esse bonorum cum voluptate vivere.Ist nun ein mit Schmerzen erfülltes Leben aufs äußerste zu fliehen, so ist in der Tat das größte Übel ein Leben in Schmerzen. Und diesem Satz steht folgerichtig der gegenüber, das letzte der Güter sei ein Leben in Lust.
41,4
nec enim habet nostra mens quicquam, ubi consistat tamquam in extremo, omnesque et metus et aegritudines ad dolorem referuntur, nec praeterea est res ulla, quae sua natura aut sollicitare possit aut angere.Denn unser Geist hat nichts, wo er wie an einem Endpunkt stillstehen könnte, sondern alle Arten der Furcht und des Kummers beziehen sich auf den Schmerz; und außerdem gibt es nichts, was seinem Wesen nach das Gemüt beunruhigen oder ängstigen könnte.
42,1
Praeterea et appetendi et refugiendi et omnino rerum gerendarum initia proficiscuntur aut a voluptate aut a dolore.Überdies gehen alle Anfänge des Begehrens und des Verabscheuens, sowie überhaupt alles Handelns, entweder von der Lust oder vom Schmerz aus.
42,2
quod cum ita sit, perspicuum est omnis rectas res atque laudabilis eo referri, ut cum voluptate vivatur.Aus diesem Grund ist es einleuchtend, dass das Ziel alles Rechten und Lobenswerten ein mit Lust verbundenes Leben ist.
42,3
quoniam autem id est vel summum bonorum vel ultimum vel extremum -- quod Graeci τέλος nominant --, quod ipsum nullam ad aliam rem, ad id autem res referuntur omnes, fatendum est summum esse bonum iucunde vivere.Weil nun aber das höchste oder letzte oder äußerste der Güter – die Griechen nennen es τέλος – das ist, das selbst auf kein anderes, auf das aber alles andere bezogen wird, so muss man bekennen, das höchste Gut sei, angenehm zu leben.
     
Aufgabenvorschläge:
  1. Inwiefern kann man im Zusammenhang mit Epikurs Lehre von einer positiven und negativen Lust sprechen?
  2. Jegliche Motivation für menschliches Handeln soll nach Epikur aus dem Streben nach Lust erwachsen. Lassen sich andere Handlungsmotivationen denken?
  3. Gehen Sie mit der These konform, dass es zwischen Lust und Schmerz keinen Mittelbereich gibt (kein Weder - Noch,r kein Sowohl - Als-auch)?
  4. Zum Syllogismus des Chrysippos:
    1. Wie will ihn Chrysippos verstanden wissen?
    2. Welche Kritik übt Torquatus, bzw. sein Vater?
  5. Was ist damit gemeint, wenn man Epikurs Lust-Lehre als teleologich bezeichnet?
Übersetzung vonRaphael Kühner, bearbeitet von Egon Gottwein
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Sententiae excerptae:
292
Aetas cinaedum celat, aetas indicat.
Zeit verbirgt den Lüstling, Zeit zeigt ihn auch an.
Publil.Syr.A24

1075
Amissis rebus nemo sapiens.
Nach Verlust des Vermögens ist niemand weise. (In des Armen Tasche verdirbt die Weisheit.)
vulgo

9
Aspicere oportet, quidquid possis perdere.
Behalte stets im Blick, was du verlieren kannst.
Publil.Syr.A9

1379
Avaritia paupertatem intulit et multa concupiscendo omnia amisit.
Habgier führt zu Armut und verliert durch ihre Begehrlichkeit alles.
Sen.epist.90,38

1380
Avaritia vehementissima generis humani pestis.
Habgier ist die schlimmste Seuche des Menschengeschlechts.
Sen.dial.12,13,3

293
Avarus damno potius quam sapiens dolet.
Verlust betrübt den Geizhals mehr als einen weisen Mann.
Publil.Syr.A25

1302
Bene est homini, si palato bene est.
Dem Menschen ist wohl, wenn seinem Gaumen wohl ist.
Sen.epist.92,7

1417
Cogitandum est, quanto levior dolor sit non habere quam perdere.
Man muss bedenken, wie viel leichter es ist, etwas nicht zu haben als es einzubüßen.
Sen.dial.9,8,2

1899
Da oscula, dum licet
Gib Küsse, solange es dir vergönnt ist
Petron.114,9

426
Damnum appellandum est cum mala fama lucrum.
Verlust muss heißen ein Gewinn, der Schande macht.
Publil.Syr.D13

1577
Di boni, quantum hominum unus venter exercet!
Gute Götter! Welche Schar von Menschen setzt ein einziger Bauch in Trab!
Sen.epist.95,24

2026
est enim ira ulciscendi libido
Zorn ist Lust, sich zu rächen
Cic.Tusc.4,44,1

1048
Gradus unus in ea via, quae est hinc in Indiam.
Ein Schritt auf dem Weg, der von hier nach Indien führt. (Ein unzureichender Anfang.)
Cic.fin.3,45

1316
Hoc adversus virtutem possunt calamitates et damna et iniuriae, quod adversus solem potest nebula.
Gegen die Tugend vermögen Unglücksfälle, Verluste, Misshandlungen ebenso viel, wie ein Nebel gegen die Sonne.
Sen.epist.92,18

1708
Idem amor exitium pecori pecorisque magistro.
Also dem Vieh, wie dem Herren des Viehs bringt Liebe Verderben.
Verg.ecl.3,101

1049
In magnitudine maris Aegaei stilla mellis.
Ein Tropfen Honig im Aegaeischen Meer. (ein ungenügender Anfang.)
Cic.fin.3,14,45

1928
In umbra voluptatis diutius luditur.
Im Schatten der Wollust spielt sich's länger. (Im Vorhof der Lust hält das Vergnügen länger an).
Petron.129,4

574
In Venere semper certat dolor et gaudium.
Wo Venus wirkt, da streiten immer Schmerz und Lust.
Publil.Syr.I38

582
In Venere semper dulcis est dementia.
Im Dienst der Venus ist der Wahn stets voller Lust.
Publil.Syr.I46

1453
Ingeniumst omnium | hominum ab labore proclive ad lubidinem.
Aller Menschen Sinn | gar leicht von Arbeit zu Genuss hinüberneigt.
Ter.Andr.77f.

1193
Ipsae voluptates in tormenta vertuntur.
Selbst Vergnügungen wandeln sich in Qualen.
Sen.epist.24,16

104
iucundi acti labores
angenehm durchstandene Mühen
(vulgo dicitur: Cic.fin.2,32,105)

1166
Iucundissima est aetas devexa iam, non tamen praeceps.
Das angenehmste Lebensalter ist das, welches sich schon abwärts neigt, doch noch nicht jählings stürzt.
Sen.epist.12,5

1558
Ius iurandum rei servandae, non perdendae conditum est.
Nur zum Schutz (des Vermögens), nicht zum Verlieren ist das Schwören eingeführt.
Plaut.Rud.1374

617
Lucrum est dolorem posse damno exstinguere.
Ein Schaden ist, wenn er den Schmerz auslöscht, Gewinn. (Verlust ist, löscht er nur den Schmerz aus, ein Gewinn.)
Publil.Syr.L18

605
Lucrum sine damno alterius fieri non potest.
Gewinn ist möglich nur durch anderer Verlust.
Publil.Syr.L6

1489
Lugete, o Veneres Cupidinesque.
Trauert, ihr Liebenden und Verliebten!
Catull.3,1.

674
Misera est voluptas, ubi pericli memoria est.
Armselig ist die Lust, die an Gefahren denkt.
Publil.Syr.M57

1557
Miserum istuc verbum et pessimum est, habuisse, et nihil habere.
Das ist das jammervollste Wort: Du hattest und du hast nichts.
Plaut.Rud.1321

1133
Neminem eo fortuna provexit, ut non tantum illi minaretur, quantum permiserat.
Keinen hat das Glück so hoch gestellt, dass es ihm nicht ebenso vieles drohte, als es gewährte.
Sen.epist.4,7

1896
Nemo invitus audit, cum cogitur aut cibum sumere aut vivere
Niemand hört es ungern, wenn man ihn zwingt, Speise zu sich zu nehmen und zu leben.
Petron.111,13

125
Neque femina amissa pudicitia alia abnuerit.
Ein Weib versagt nach Verlust ihrer Keuschheit nichts mehr.
Tac.ann.4,3

131
Nulla salus bello.
Heil ist nimmer im Krieg!
Verg.Aen.11,362

1132
Nullius rei facilior amissio est, quam quae desiderari amissa non potest.
Keines Dinges Verlust ist leichter, als dessen, das, wenn es verloren ist, nicht vermisst wird.
Sen.epist.4,6

1131
Nullum bonum adiuvat habentem, nisi ad cuius amissionem praeparatus est animus.
Nur das Gut frommt seinem Besitzer, auf dessen Verlust sein Gemüt gefasst ist.
Sen.epist.4,6

138
Omnia deficiant: animus tamen omnia vincit.
Alles mag fehlen, doch überwinde ich alles (überwindet alles der Geist).
Ov.Pont.2,7,75

751
Omnis voluptas, quamcumque arrisit, nocet.
Es schadet jede Lust, wie viel sie auch verspricht.
Publil.Syr.O1

229
parvo (est) natura contenta
Die Natur ist mit wenigem zufrieden
Cic.fin.2,28,91

1879
Patrimonii reliquias olere.
Nach den Resten des väterlichen Vermögens duften. (An etwas sein ganzes Vermögen verschwenden).
Petron.105,3

2030
perturbationibus sapiens semper vacabit
Von Leidenschaften wird der Weise immer frei sein
Cic.fin.3,35,7

1772
Potestates fato dantur frustraque tentatur facinus potiundi spe vel amittendi metu.
Macht ist ein Geschenk des Schicksals und weder Aussicht auf ihren Besitz noch Furcht vor ihrem Verlust verleiht einem verbrecherischen Unternehmen Erfolg.
Aur.Vict.Caes.10,4 (Kaiser Titus)

1836
Pretium maioris compendii levior facit iactura.
Durch einen kleineren Verlust lässt sich (mitunter) ein größerer Gewinn erzielen.
Petron.14,4

1167
Quam dulce est cupiditates fatigasse ac reliquisse!
Wie wohltuend, seine Begierden müde gemacht und hinter sich gelassen zu haben!
Sen.epist.12,5

1578
Quare ego ad unam rem manum porrigam? plura veniant simul!
Warum soll ich nach einer Sache die Hand ausstrecken? Mehreres komme zugleich!
Sen.epist.95,27

1547
Qui dormiunt libenter, sine lucro et cum malo quiescunt.
Wer gerne schläft, der ruhet ohne Gewinn zu seinem Schaden.
Plaut.Rud.923

1165
Quod in se iucundissimum omnis voluptas habet, in finem sui differt.
Das Lieblichste, was jede Lust in sich hat, spart sie auf das Ende.
Sen.epist.12,5

1501
Quod vides perisse, perditum ducas.
Halte für verloren, wovon du siehst, dass es verloren ist!
Catull.8,2.

841
Quod vix contingit, plus voluptatis parit.
Was kaum gelingen will, vergrößert nur die Lust. (Was kaum gelingen will, facht das Verlangen an.)
Publil.Syr.Q21

172
Ridentem dicere verum.
Lachend die Wahrheit sagen.
Hor.sat.1,1,24

1832
Scis rediisse ad nos thesaurum, de quo querebar?
Weißt du, dass der Schatz, dessen Verlust ich beklagte, zu uns zurückgekehrt ist?
Petron.13,2

183
suavis laborum est praeteritorum memoria
angenehm ist die Erinnerung an vergangene Mühen
Cic.fin.2,32,105

1951
Tangomenas faciamus! vinum vita est.
Lasst uns lustig zechen! Wein bedeutet Leben!
Petron.34,7

1691
Trahit sua quemque voluptas.
So reißt jedweden sein Trieb hin.
Verg.ecl.2,65

1706
Triste arboribus venti.
Unheilvoll ist Bäumen der Wind.
Verg.ecl.3,80f.

1704
Triste lupus stabulis.
Unheilvoll ist Hürden der Wolf.
Verg.ecl.3,80

1705
Triste maturis frugibus imbres.
Unheilvoll ist reifenden Früchten Regen.
Verg.ecl.3,80

1104
Turpissima tamen est iactura, quae per neglegentiam fit.
Der schimpflichste Verlust ist der, der aus Nachlässigkeit erwächst.
Sen.epist.1,1

1748
Ut vidi, ut perii.
Wie war ich verloren, sobald ich sie (es) sah!
Verg.ecl.8,41

1933
Veneris quis gaudia nescit?
Wer kennt nicht die Freuden der Venus?
Petron.132,15

978
Voluntas impudicum, non corpus facit.
Der Wille macht unzüchtig, nicht des Fleisches Lust.
Publil.Syr.V11

1304
Voluptas dissolvit et omne robur emollit .
Die Sinnenlust zerstört und lähmt alle Kraft .
Sen.epist.92,10

969
Voluptas e difficili data dulcissima est.
Am süßesten schmeckt Lust, die schwer errungen ist.
Publil.Syr.V2

1325
Voluptas non est digna, ad quam respiciat.
Sinnenlust ist nicht wert, (von der Tugend) berücksichtigt zu werden.
Sen.epist.92,24

988
Voluptas tacita metus est magis quam gaudium.
Die stille Lust trägt mehr an Furcht als Freude ein.
Publil.Syr.V21

1301
Voluptas, bonum pecoris est.
Die Sinnenlust ist ein Gut des Tieres.
Sen.epist.92,6


Literatur:
23 Fund(e)
4594
Baltes, M.
Die Todesproblematik in der griechischen Philosophie.
in: Gymnasium 95, 2/1988, 97-128

534
Barigazzi, A.
Sulle fonte del libro primo delle Tusculane de Cicerone
in: RFIC 76/1984,181-203

1534
Barigazzi, A.
Sulle fonte del libro primo delle Tusculane de Cicerone
in: RFIC 76/1984,181-203

683
Büchner, K.
Cicero. Bestand und Wandel seiner geistigen Welt
Heidelberg (Winter) 1964

703
Cicero, M.T. / Kühner, R.
Cicero's Tusculanen. Übs. und erklärt von Raphael Kühner.
Stuttgart, Krais & Hoffmann 2/1866

707
Cicero, M.T. / Kühner, R.
Tusculanarum disputationum libri quinque. Ex Orellii recensione edidit et illustravit Raphael Kühner. Editio altera auctior et emendatior.
Jena, Frommann, 1829; 1835

4584
Cicero, M.T. / O. Weissenfels
Auswahl aus Ciceros Philosophischen Schriften, hgg. v. Oskar Weissenfels. 3. Aufl. besorgt v. Paul Wessner
Leipzig, Berlin (Teubner) 1910

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Gelzer, M.
Cicero. Ein biographischer Versuch
Wiebaden (Steiner) 1969

500
Giebel, M.
Cicero
Reinbek (rm 261) 1989

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Harder, R.
Proömium von Ciceros Tusculanen (Die Antithese Rom-Griechenland)
in: Kl.Schrft., München (Beck) 1960

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Affektbeherrschung als Weg zum Glück. Cicero, Tusculanae disputationes V 15/16.
in: AU 37, 6/1994, 64-70.

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Hommel, H.
Ciceros Gebetshymnus an die Philosophie, Tusculanen V 5
Heidelberg (Winter) 1968

4596
Hross, K.
Unsterblichkeit der Seele, Lukr.3 – Cic. Tusc.1
in: Anr. 13/1967, 389

4590
Ioannes ab Arnim (Hg.)
Stoicorum veterum fragmenta, collegit Ioannes ab Arnim. Volumen III: Chrysippi fragmenta moralia, fragmenta succcessorum Chrysippi
Stuttgart, Teubner1979

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Klingner, F.
Cicero
in: Röm.Geisteswelt, München 1965

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Kurfeß, A.
Adnotationes criticae ad Ciceronis Tusculanas disputationes
in: Gymn 62/1955,50

4589
Long, A.A. / Sedley, D.N.
Die hellenistischen Philosophen, Texte und Kommentare (nur deutsch), übers. v. Karlheinz Hülser
Stuttgart, Weimar (J.B.Metzler) 2000 (Cambridge 1987)

593
Plasberg, O.
Cicero in seinen Werken und Briefen
Darmstadt (WBG) 1962

4593
Pohlenz, M.
M. Ciceronis Tusculanarum disputationum libti quinque (Heft I/II)
Amsterdam (Hakkert) 1965/1957

622
Schmid, W.
Ein Tag und der Aion. ..zu Ciceros Doxologie der Philos.(Tusc.5,5)
in: Maurach: Philos. (WBG, WdF 193) 1976

4597
Schmid, W.
Ein Tag und der Aion... Zu Ciceros Doxologie der Philos. (Tusc.5,5)
in: Maurach. Philos., Darmstadt (WBG, WdF 193) 1976

638
Seel, O.
Cicero. Wort, Staat, Welt
Stuttgart (Klett) 1967

4585
Süss, Wilhelm
Cicero. Eine Einführung in seine philosophischen Schriften (mit Ausschluss der staatsphilosophischen Werke)
Wiesbaden (Franz Steiner) 1966

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