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Protagoras als Repräsentant der Sophistik

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ΠΡΩΤΑΓΟΡΑΣ

Protagoras aus Abdera (ca. 486-411) ist der älteste und berühmteste Sophist. In Athen gehörte er zum Kreis um Perikles. Vielgereist. 444 v.Chr. nahm er an der Gründung von Thurioi in Süditalien teil. Mit 70 Jahren wurde er in Athen der Asebie angeklagt. Er ertrank auf der Flucht nach Sizilien. Die ἀρετή, die er lehrt, zielt auf Überlegenheit in der Politik. Für Menschen gibt es nur eine relative Wahrheit, zu jeder These gibt es eine ebenbürtige Gegenthese; das Kriterium für das δίκαιον kann nur der jeweilige Nutzen (τὸ συμφέρον) sein. Dem entspricht sein ethischer Relativismus (der Wert einer Handlung ist nur durch ihren situativen Kontext bestimmt), und sein religiöser Agnostizismus.

[Reihenfolge: B1, A14, A21a, B7, Bildung: B3, A5, A25, Dialektik: B6a, Rhetorik: B6b, A21, Götter B4, Gesellschaft: C1]

1.) 80 A5 (Plat.Prot. 317e3 - 319a7) Das Erziehungsprogramm des Protagoras

(317e3) Ἐπεὶ δὲ πάντες συνεκαθεζόμεθα, ὁ Πρωταγόρας, "Νῦν δὴ ἄν, ἔφη, λέγοις, ὦ Σώκρατες, ἐπειδὴ καὶ οἵδε πάρεισιν, περὶ ὧν ὀλίγον πρότερον μνείαν ἐποιοῦ πρὸς ἐμὲ ὑπὲρ τοῦ νεανίσκου." 

9. Als wir uns alle niedergelassen, begann Protagoras: Jetzt sind wir nun alle beisammen, und so kannst du, mein Sokrates, dich nunmehr des Näheren auslassen über die Sache deines jungen Freundes, deren du kurz zuvor Erwähnung tatest.

Καὶ ἐγὼ εἶπον ὅτι "Ἡ αὐτή μοι ἀρχή ἐστιν, ὦ Πρωταγόρα, ἥπερ ἄρτι, περὶ ὧν ἀφικόμην. Ἱπποκράτης γὰρ ὅδε τυγχάνει ἐν ἐπιθυμίᾳ ὢν τῆς σῆς συνουσίας· ὅτι οὖν αὐτῷ ἀποβήσεται, ἐάν σοι συνῇ, ἡδέως ἄν φησι πυθέσθαι. τοσοῦτος ὅ γε ἡμέτερος λόγος." Ich erwiderte: Weshalb ich hierher komme, darüber habe ich mich schon vorhin erklärt und es bedarf nur einer kurzen Wiederholung. Hippokrates hier ist von dem Verlangen beseelt, dein Schüler zu werden; er möchte also, wie er sagt, gern wissen, was er von dem Zusammensein mit dir zu erwarten hat. Das ist es, was ich für ihn zu sagen habe.

Ὑπολαβὼν οὖν ὁ Πρωταγόρας εἶπεν· "Ὦ νεανίσκε, ἔσται τοίνυν σοι, ἐὰν ἐμοὶ συνῇς, ᾗ ἂν ἡμέρᾳ ἐμοὶ συγγένῃ, ἀπιέναι οἴκαδε βελτίονι γεγονότι, καὶ ἐν τῇ ὑστεραίᾳ ταὐτὰ ταῦτα· καὶ ἑκάστης ἡμέρας ἀεὶ ἐπὶ τὸ βέλτιον ἐπιδιδόναι."

Darauf versetzte Protagoras: Mein junger Freund, was du durch den Umgang mit mir gewinnen wirst, ist dies, dass du gleich am ersten Tage, wo du mit mir zusammen bist, als ein besserer Mensch zu den Deinigen heimkommst, und am nächsten Tage desgleichen und dass du so an jedem Tage an Tüchtigkeit zunimmst.

Καὶ ἐγὼ ἀκούσας εἶπον· "Ὦ Πρωταγόρα, τοῦτο μὲν οὐδὲν θαυμαστὸν λέγεις, ἀλλὰ εἰκός, ἐπεὶ κἂν σύ, καίπερ τηλικοῦτος ὢν καὶ οὕτως σοφός, εἴ τίς σε διδάξειεν, ὃ μὴ τυγχάνοις ἐπιστάμενος, βελτίων ἂν γένοιο. ἀλλὰ μὴ οὕτως, ἀλλ' ὥσπερ ἂν εἰ αὐτίκα μάλα μεταβαλὼν τὴν ἐπιθυμίαν Ἱπποκράτης ὅδε ἐπιθυμήσειεν τῆς συνουσίας τούτου τοῦ νεανίσκου τοῦ νῦν νεωστὶ ἐπιδημοῦντος, Ζευξίππου τοῦ Ἡρακλεώτου, καὶ ἀφικόμενος παρ' αὐτόν, ὥσπερ παρὰ σὲ νῦν, ἀκούσειεν αὐτοῦ ταὐτὰ ταῦτα, ἅπερ σοῦ, ὅτι ἑκάστης ἡμέρας συνὼν αὐτῷ βελτίων ἔσται καὶ ἐπιδώσει, εἰ αὐτὸν ἐπανέροιτο· "Τί δὴ φῂς βελτίω ἔσεσθαι καὶ εἰς τί ἐπιδώσειν;" εἴποι ἂν αὐτῷ ὁ Ζεύξιππος ὅτι πρὸς γραφικήν· κἂν εἰ Ὀρθαγόρᾳ τῷ Θηβαίῳ συγγενόμενος, ἀκούσας ἐκείνου ταὐτὰ ταῦτα ἅπερ σοῦ, ἐπανέροιτο αὐτὸν, εἰς ὅτι βελτίων καθ' ἡμέραν ἔσται συγγιγνόμενος ἐκείνῳ, εἴποι ἂν, ὅτι εἰς αὔλησιν· οὕτω δὴ καὶ σὺ εἰπὲ τῷ νεανίσκῳ καὶ ἐμοὶ ὑπὲρ τούτου ἐρωτῶντι, Ἱπποκράτης ὅδε Πρωταγόρᾳ συγγενόμενος, ᾗ ἂν αὐτῷ ἡμέρᾳ συγγένηται, βελτίων ἄπεισι γενόμενος καὶ τῶν ἄλλων ἡμερῶν ἑκάστης οὕτως ἐπιδώσει εἰς τί, ὦ Πρωταγόρα, καὶ περὶ τοῦ;"

Diese Auskunft gab mir Anlass zu folgender Erwiderung: Mein Protagoras, was du da sagst, ist durchaus nichts Außergewöhnliches, sondern ziemlich selbstverständlich; denn auch du würdest ungeachtet deines stattlichen Alters und deiner hohen Weisheit an Tüchtigkeit zunehmen, wenn jemand dich unterwiese auf einem Gebiete, das dir noch unbekannt ist. Aber bleibe nicht bei dieser Art des Antwortens, sondern stelle dir z. B. vor, unser Hippokrates hier sähe sich auf einmal von einem ganz anderen Verlangen befallen, nämlich von dem, bei dem jungen, seit kurzem hier weilenden Maler Zeuxippos aus Heraklea sich in die Lehre zu geben. Käme er nun zu diesem so, wie jetzt zu dir, und vernähme er von ihm dasselbe wie jetzt von dir, nämlich dass er mit jedem Tage des Zusammenseins an Tüchtigkeit zunehmen und Fortschritte machen werde, so würde er weiter fragen: Worin meinst du, werde ich tüchtiger werden und Fortschritte machen? und darauf vom Zeuxippos die Antwort erhalten: „In der Malerei". Und wenn er beim Thebaner Orthagoras Unterricht nehmen wollte und von ihm die gleiche Antwort bekäme wie von dir und darauf die weitere Frage an ihn richtete: Worin werde ich denn täglich tüchtiger werden durch den belehrenden Umgang mit dir? so würde jener antworten: „im Flötenspiel". So also antworte auch du dem Jüngling und mir, der ich in seinem Namen folgende Frage an dich richte: Wenn Hippokrates durch seinen Umgang mit dem Protagoras gleich am ersten Tage, wo er mit ihm zusammen ist, als besserer Mensch von dannen gehen und an jedem weiteren Tage in gleicher Weise Fortschritte machen wird, worin wird er denn besser und in welcher Hinsicht?

Καὶ ὁ Πρωταγόρας ἐμοῦ ταῦτα ἀκούσας, "Σύ τε καλῶς ἐρωτᾷς", ἔφη, "ὦ Σώκρατες, καὶ ἐγὼ τοῖς καλῶς ἐρωτῶσι χαίρω ἀποκρινόμενος. Ἱπποκράτης γὰρ παρ' ἐμὲ ἀφικόμενος οὐ πείσεται, ἅπερ ἂν ἔπαθεν ἄλλῳ τῳ συγγενόμενος τῶν σοφιστῶν. οἱ μὲν γὰρ ἄλλοι λωβῶνται τοὺς νέους·  τὰς γὰρ τέχνας αὐτοὺς πεφευγότας ἄκοντας πάλιν αὖ ἄγοντες ἐμβάλλουσιν εἰς τέχνας, λογισμούς τε καὶ ἀστρονομίαν καὶ γεωμετρίαν καὶ μουσικὴν διδάσκοντες - καὶ ἅμα εἰς τὸν Ἱππίαν ἀπέβλεψεν - παρὰ δ' ἐμὲ ἀφικόμενος μαθήσεται οὐ περὶ ἄλλου του ἢ περὶ οὗ ἥκει. τὸ δὲ μάθημά ἐστιν εὐβουλία περὶ τῶν οἰκείων, ὅπως ἂν ἄριστα τὴν αὑτοῦ οἰκίαν διοικοῖ, καὶ περὶ τῶν τῆς πόλεως, ὅπως τὰ τῆς πόλεως δυνατώτατος ἂν εἴη καὶ πράττειν καὶ λέγειν."

Als Protagoras diese meine Worte vernommen, erwiderte er: Du bist ein geschickter Frager, Sokrates, und mir macht es Freude, einem geschickten Frager zu antworten. Schließt sich Hippokrates an mich an, so wird es ihm nicht so ergehen, wie es der Fall sein würde, wenn er den Umgang mit irgend einem anderen Sophisten aufsuchte. Die anderen nämlich treiben ein schädliches Spiel mit den jungen Leuten. Denn eben erst den Künsten des Schulwissens glücklich entronnen, werden die Jünglinge durch sie wider ihren Willen wieder in diese Fachkünste zurückgeworfen und müssen es sich gefallen lassen, in Rechenkunst, Astronomie, Geometrie und Musik unterrichtet zu werden — dabei warf er einen Seitenblick auf den Hippias —, wenn aber Hippokrates zu mir kommt, so wird er nichts anderes lernen als worauf es ihm ankommt. Was aber bei mir erlernt wird, ist Wohlberatenheit einerseits in den persönlichen Angelegenheiten, also Kunde dessen, wie das Haus am besten verwaltet wird, anderseits in den öffentlichen Angelegenheiten, also die möglichst große Befähigung die Staatsangelegenheiten durch Wort und Tat zu leiten.

" Ἆρα", ἔφην ἐγώ, "ἕπομαί σου τῷ λόγῳ; δοκεῖς γάρ μοι λέγειν τὴν πολιτικὴν τέχνην καὶ ὑπισχνεῖσθαι ποιεῖν ἄνδρας ἀγαθοὺς πολίτας." 

Fasse ich deine Worte, erwiderte ich, auch richtig auf ? Irre ich nämlich nicht, so meinst du damit die Staatskunst und machst dich anheischig, deine Schüler zu guten Staatsbürgern zu machen.

"Αὐτὸ μὲν οὖν τοῦτό ἐστιν", ἔφη, "ὦ Σώκρατες, τὸ ἐπάγγελμα, ὃ ἐπαγγέλλομαι."

Damit triffst du, mein Sokrates, genau das, wozu ich mich anheischig mache.

μνείαν ποιεῖσθαι zur Sprache bringen
ὅ τι ἀποβήσεται was für ihn dabei herauskommt
τοιοῦτος so kurz (Seitenhieb auf die Geschwätzigkeit des Protagoras)
ἀλλὰ μὴ οὔτως sc.  λέγε
αὐτίκα gleich zum Beispiel
Ζευξίππος gefeierter Maler aus Heraklea
βελτίω (με) ἔσεσθαι
ἡ γραφικὴ (τέχνη) Malerei, Malkunst
Ὀρθαγόρας Orthagoras von Theben, Flötenlehrer des Epameinondas
ἡ αὔλησις Flötenspiel
περὶ τοῦ; = περὶ τίνος (βελτίων);
λωβᾶσθαι höhnen, zum besten halten
αἱ τέχναι die Fachwissenschaften
ὁ λογισμός Rechnen, Arithmetik
ἕπεσθαι h.: geistig folgen, begreifen
ἡ πολιτικὴ τέχνη Kunst, im Staate zu wirken
ἄνδρας ἀγαθοὺς πολίτας Objektsprädikativum (ergänze αὐτούς)

Die entscheidende Frage richtet Sokrates an Theodoros (Plat. Theait.161d,e): "Was kann der weise Protagoras eigentlich lehren, wenn für ihn die Wirklichkeit nur das ist, was jedes Individuum wahrnimmt und empfindet und es für ihn kein über das subjektive Empfinden hinausgehende Wirklichkeit oder darüber hinaus gültige Wahrheit gibt?" Die Antwort: Man könne diese wahrgenommene Welt so verändern, dass sie für den Wahrnehmenden und Empfindenden angenehmer werde. Worauf es ankomme. sei [...] eine τέχνη, eine praktische Kunst zu entwickeln, sich in dieser etwas unsicheren Welt zurechtzufinden und die Dinge zu unseren Gunsten zu wenden. Diese τέχνη  versprechen die Sophisten zu lehren und damit zugleich die ἀρετή. (K.v.Fritz (1) 225)

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