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14. Konsulate bekleidete er außer
dem früheren vier, die beiden ersten hintereinander, die folgenden
in Zwischenräumen von je vier Jahren; das letzte führte er ein
halbes Jahr, die übrigen nur zwei Monate lang, das dritte aber, was
noch bei keinem Kaiser vorgekommen war, als erwählter Stellvertreter
eines verstorbenen Konsuls. |
(14,1) Consulatus
super pristinum quattuor gessit; ex quibus duos primos iunctim, sequentis
per intervallum quarto quemque anno, semenstrem novissimum, bimenstris ceteros,
tertium autem novo circa principem exemplo in locum demortui suffectus.
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Recht sprach er äußerst fleißig,
sowohl während seiner Konsulate, als auch, wenn er keine Ehrenstelle
bekleidete, sogar wenn er oder seine
Angehörigen persönliche Festtage begingen, zuweilen selbst
an altgeheiligten Fest- und Feiertagen. Auch folgte er nicht immer streng
den Vorschriften der Gesetze, sondern bestimmte die Härte oder Milde
der Strafen den Umständen und der Billigkeit gemäß nach
seiner jeweiligen Stimmung. So z. B. erlaubte er denen, die in Zivilverfahren
durch eine überhöhte Forderung ihren Prozess verloren hatten,
ihn von neuem anzustrengen, während er andererseits bei solchen, die
eines größeren Betrugs überführt waren, das gesetzliche
Strafmaß überschritt und sie zum Kampf mit wilden Tieren verurteilte. |
ius et consul et extra honorem laboriosissime dixit, etiam
suis suorumque diebus sollemnibus, nonnumquam festis quoque antiquitus et
religiosis. nec semper praescripta legum secutus duritiam lenitatemve multarum
ex bono et aequo, perinde ut adficeretur, moderatus est; nam et iis, qui
apud privatos iudices plus petendo formula excidissent, restituit actiones,
et in maiore fraude convictos legitimam poenam supergressus ad bestias condemnavit.
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15. Bei der Untersuchung und Entscheidung
der Fälle war er von einer wunderlichen Unbeständigkeit, bald
umsichtig und scharfsinnig, bald unbedachtsam und übereilt, zuweilen
sogar läppisch und ähnlich einem Schwachsinnigen. Als er die Dekurien
der Richter für den gerichtlichen Geschäftsgang musterte und dabei
einen fand, der sich beim Namensaufruf meldete, ohne von der ihm nach dem
„Privileg
der Väter von drei Kindern" zustehenden Befreiung Gebrauch zu
machen, strich er ihn wegen allzu starker Neigung zum Richten aus der Liste.
Einen andern, der von seinen Gegnern aufgefordert wurde, seinen privaten
Prozess vor den Kaiser zu bringen, aber behauptete, seine Sache gehöre
nicht vor einen außerordentlichen, sondern vor einen ordentlichen
Gerichtshof, nötigte er, seinen Prozess auf der Stelle selbst zu entscheiden,
damit er in eigener Sache ein Beispiel geben könne, welch ein gerechter
Richter er in fremder Sache sein werde. |
(15,1) in cognoscendo
autem ac decernendo mira varietate animi fuit, modo circumspectus et sagax,
interdum inconsultus ac praeceps, nonnumquam frivolus amentique similis.
cum decurias rerum actu expungeret, eum, qui dissimulata vacatione quam
beneficio liberorum habebat responderat, ut cupidum iudicandi dimisit; alium
interpellatum ab adversariis de propria lite negantemque cognitionis rem
sed ordinari iuris esse, agere causam confestim apud se coegit, proprio
negotio documentum daturum, quam aequus iudex in alieno negotio futurus
esset. |
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Eine Frau, die ihren Sohn nicht anerkennen wollte,
brachte er, da die Beweisgründe auf beiden Seiten unzulänglich
waren, dadurch zum Eingeständnis, dass er sie nötigte, den jungen
Mann zu heiraten. War eine Partei abwesend, entschied er sehr leicht zugunsten
der anwesenden, ohne einen Unterschied zu machen, ob jemand aus eigener
Schuld oder durch einen zwingenden Umstand den Termin versäumt hatte.
Als jemand ausrief, dem Fälscher müsse man die Hände abhauen,
forderte er leidenschaftlich, den Henker mit Messer und Henkertisch herbeizuschaffen.
Als bei dem Prozess gegen einen Fremden, zwischen
den Advokaten ein unnützer Streit darüber entstanden war, ob jener
in der Toga oder im
Pallium vor Gericht erscheinen solle, ließ er den Mann, um ein
glänzendes Beispiel seiner Unparteilichkeit zu geben, wiederholt die
Kleidung wechseln, je nachdem ob er gerade angeklagt oder verteidigt wurde.
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(15,2) feminam non agnoscentem
filium suum dubia utrimque argumentorum fide ad confessionem compulit indicto
matrimonio iuvenis. absentibus secundum praesentes facillime dabat, nullo
dilectu, culpane quis an aliqua necessitate cessasset. proclamante quodam
praecidendas falsario manus, carnificem statim acciri cum machaera mensaque
lanionia flagitavit. peregrinitatis reum orta inter advocatos levi contentione,
togatumne an palliatum dicere causam oporteret, quasi aequitatem integram
ostentans, mutare habitum saepius et prout accusaretur defendereturve, iussit. |
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In einem Rechtshandel soll er einmal sogar, wie
man glaubt, das schriftlich formulierte Urteil verlesen haben, er stimme
für die Partei, die die Wahrheit gesprochen habe. Durch solche Vorfälle
verringerte er sein Ansehen so sehr, dass er sich öffentlich und bei
jeder Gelegenheit verächtlich machte. So sagte z. B. einmal jemand,
um einen aus der Provinz von ihm vorgeladenen Zeugen zu entschuldigen, lange
Zeit bloß, jener könne nicht erscheinen, ohne den Grund anzugeben,
und fügte erst nach langem Fragen hinzu: „Er ist verstorben, ich denke,
mit deiner Erlaubnis!" Ein anderer, der ihm Dank dafür abstattete,
dass er erlaube, einen Angeklagten zu verteidigen, schloß diese Danksagung
mit den Worten: „Und doch ist das ja Brauch!" Auch das hörte ich
häufig von älteren Leuten, dass die Anwälte seine Geduld
dermaßen zu missbrauchen pflegten, dass sie ihn, wenn er von seinem
Tribunal herabstieg, nicht nur mit lauter Stimme zurückriefen, sondern
ihn auch am Zipfel der Toga zurückhielten oder zuweilen, indem sie
ihn am Bein fassten. |
(15,3) de quodam etiam negotio
ita ex tabella pronuntiasse creditur, secundum eos se sentire, qui vera
proposuissent. propter quae usque eo eviluit, ut passim ac propalam contemptui
esset. excusans quidam testem e provincia ab eo vocatum negavit praesto
esse posse dissimulata diu causa; ac post longas demum interrogationes:
'mortuus est,' inquit, 'puto, licuit.' alius gratias agens quod reum defendi
pateretur, adiecit: 'et tamen fieri solet.' illud quoque a maioribus natu
audiebam, adeo causidicos patientia eius solitos abuti, ut discedentem e
tribunali non solum voce revocarent, sed et lacinia
togae retenta, interdum pede apprehenso detinerent. |
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Damit man sich über das Bisherige nicht
wundere: Ein armseliger prozessführender Grieche ließ in der
Hitze des Streits das Wort fallen: „Auch du bist ein alter Trottel!"
Von einem römischen Ritter aber, der sträflicher Unzucht mit Frauen,
obwohl fälschlich und von Feinden, die ihm anders nicht beizukommen
wussten, angeklagt war, steht fest, dass er, als er gemeine Dirnen zum Zeugnis
gegen sich aufgerufen sah, dem Kaiser Schreibgriffel und Schreibtafel, die
er gerade in Händen hielt, unter den bittersten Vorwürfen seiner
Einfalt und Grausamkeit ins Gesicht schleuderte, so dass er seine Wange
nicht geringfügig verletzte. |
(15,4) ac ne cui haec mira sint,
litigatori Graeculo vox in altercatione excidit: καὶ σὺ γέρων εἶ, καὶ μωρός.
equitem quidem Romanum obscaenitatis in feminas reum, sed falso et ab impotentibus
inimicis conficto crimine, satis constat, cum scorta meritoria citari adversus
se et audiri pro testimonio videret, graphium et libellos, quos tenebat
in manu, ita cum magna stultitiae et saevitiae exprobratione iecisse in
faciem eius, ut genam non leviter perstrinxerit. |
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16. Auch die Censur bekleidete er,
die seit den Censoren Plancus
und Paulus
lange nicht mehr besetzt worden war; aber auch sie unausgewogen und nach
Grundsätzen und Entscheidungen inkonsequent. Bei der Rittermusterung z.
B. ließ er einen jungen Mann, der viel auf dem Kerbholz hatte, von
dem aber sein Vater aussagte, dass er mit ihm vollkommen zufrieden sei,
ohne Tadel durchschlüpfen, indem er sagte, der habe seinen eigenen
Censor! Einem andern, der als Verführer und Ehebrecher berüchtigt
war, gab er bloß die Warnung mit auf den Weg, er möge seine Jugendstreiche
entweder etwas seltener oder etwas vorsichtiger machen, denn, fügte
er hinzu: „Woher weiß ich, wen du als Liebdienerin hast?" Und
als er einmal auf Bitten seiner Vertrauten einem Ritter die ihm bereits
erteilte Rüge wieder tilgte, sagte er: „Aber die Tilgung soll sichtbar bleiben!" |
(16,1) Gessit et censuram intermissam
diu post Plancum Paulumque censores, sed hanc quoque inaequabiliter varioque
et animo et eventu. recognitione equitum iuvenem probri plenum, sed quem
pater probatissimum
sibi affirmabat, sine ignominia dimisit, habere dicens censorem suum; alium
corruptelis adulteriisque famosum nihil amplius quam monuit, ut aut parcius
aetatulae indulgeret aut certe cautius; addiditque: 'quare enim ego scio,
quam amicam habeas?' et cum orantibus familiaribus
dempsisset cuidam appositam notam: 'litura tamen,' inquit, 'extet.' |
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Einen Griechen aus glänzender Familie,
den angesehensten Mann der ganzen Provinz Griechenland, der aber der lateinischen
Sprache nicht mächtig war, strich er nicht nur aus der Richterliste,
sondern nahm ihm auch das Bürgerrecht; wie er denn überhaupt nicht
duldete, dass jemand anders als mit eigenem Mund, so gut er eben konnte,
und ohne Beistand Rechenschaft von seinem Lebenswandel ablegte. Zugleich
rügte er viele und manche ganz unvermutet und aus einem neuartigen Grund,
nämlich weil sie ohne sein Wissen und ohne Urlaub sich aus Italien
entfernt hätten, einen sogar deswegen, weil er sich in einer römischen
Provinz im Gefolge eines Königs gezeigt habe; wobei er anführte,
dass zur Zeit der Vorfahren Rabirius
Postumus, der dem Ptolemaeus,
um seinen Kredit zu retten, nach Alexandria gefolgt war, sich dadurch eine
Klage wegen Hochverrats zugezogen habe. |
(16,2) splendidum virum Graeciaeque
provinciae principem, verum Latini sermonis ignarum, non modo albo iudicum
erasit, sed in peregrinitatem redegit. nec quemquam nisi sua voce, utcumque
quis posset, ac sine patrono rationem vitae passus est reddere.
notavitque multos, et quosdam inopinantis et ex causa novi generis, quod
se inscio ac sine commeatu Italia excessissent; quendam vero et quod comes
regis in provincia fuisset, referens, maiorum temporibus Rabirio Postumo
Ptolemaeum Alexandriam crediti servandi causa secuto crimen maiestatis apud
iudices motum. |
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Viele andere, die er gleichfalls rügen wollte,
fand er wegen der großen Nachlässigkeit seiner Spitzel, aber
zu seiner noch größeren eigenen Schande fast durchweg unschuldig.
Leute, denen er Ehe- oder Kinderlosigkeit oder Armut zum Vorwurf machen
wollte, erwiesen sich als Ehemänner, Väter und wohlbegütert;
einer jedenfalls, der angeschuldigt wurde, er habe mit einem Dolch einen
Selbstmordversuch gemacht, entkleidete sich öffentlich und zeigte,
dass sein Leib unverletzt war. |
(16,3) plures notare conatus,
magna inquisitorum neglegentia sed suo maiore dedecore, innoxios fere repperit,
quibuscumque caelibatum aut orbitatem aut egestatem obiceret, maritos, patres,
opulentos se probantibus; eo quidem, qui sibimet vim ferro intulisse arguebatur,
inlaesum corpus veste deposita ostentante. |
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Merkwürdig war in seiner Zensur auch noch
Folgendes: dass er einen kostbar gearbeiteten silbernen Reisewagen, der
auf der Sigillarstraße
zum Verkauf stand, anzukaufen und vor seinen Augen zu zertrümmern befahl;
ferner dass er an einem Tag zwanzig Edikte veröffentlichte, darunter
zwei besondere: in dem einen erinnerte er daran, für die bevorstehende
reiche Weinlese die Fässer gut zu verpichen, in dem anderen, dass gegen
den Biß der Viper nichts so gut sei als der Saft des Taxusbaumes.
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(16,4) fuerunt et illa in censura
eius notabilia, quod essedum argenteum sumptuose fabricatum ac venale ad
Sigillaria redimi concidique coram imperavit; quodque uno die XX edicta
proposuit, inter quae duo, quorum altero admonebat, ut uberi vinearum proventu
bene dolia picarentur; altero, nihil aeque facere ad viperae morsum quam
taxi arboris sucum. |
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17. Feldzüge unternahm er nur einen und
dabei keinen gerade bedeutenden. Der Senat hatte ihm nämlich die Triumphabzeichen
zuerkannt; da ihm aber diese Auszeichnung für seine kaiserliche Majestät
zu gering erschien und er die Auszeichnung eines ordentlichen Triumphs besitzen
wollte, so wählte er, um diesen zu erlangen, bevorzugt Britannien
aus, an dem sich seit dem vergöttlichten Julius keiner versucht hatte
und das damals gerade wegen der Überläufer, die man nicht ausgeliefert
hatte, in Aufruhr war. |
(17,1) Expeditionem unam omnino
suscepit eamque modicam. cum decretis sibi a senatu ornamentis triumphalibus
leviorem maiestati principali titulum arbitraretur velletque iusti triumphi
decus, unde adquireret, Britanniam potissimum elegit, neque temptatam ulli
post Divum Iulium et tunc tumultuantem ob non redditos
transfugas. |
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Als er von Ostia
aus dorthin segelte, wäre er zweimal durch einen heftigen Nordweststurm
fast untergegangen: das eine Mal an der Küste von Ligurien, das zweite
Mal in der Nähe der Stoechadischen
Inseln. Er legte deshalb den Rest des Weges von Massilia bis Gesoriacum
zu Land zurück, setzte von dort über und unterwarf ohne einen
Schwertstreich und ohne Blutvergießen binnen weniger Tage einen Teil
der Insel, worauf er im sechsten Monat nach seiner Abreise wieder nach Rom
zurückkehrte und einen glänzend ausgestatteten Triumph feierte. |
(17,2) huc cum ab Ostia navigaret,
vehementi circio bis paene demersus est, prope Liguriam iuxtaque Stoechadas
insulas. quare a Massilia Gesoriacum usque pedestri itinere confecto inde
transmisit ac sine ullo proelio aut sanguine intra paucissimos dies parte
insulae in deditionem recepta, sexto quam profectus erat mense Romam rediit
triumphavitque maximo apparatu. |
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Zu diesem Schauspiel erlaubte er nicht nur den
Statthaltern der Provinzen, sondern sogar einigen Verbannten, nach Rom zu
kommen; unter den feindlichen Beutestücken heftete er an den Giebel seines
palatinischen Hauses neben der Bürgerkrone
auch eine Schiffskrone
als Zeichen des von ihm befahrenen und gebändigten Ozeans.
Hinter seinem Triumphwagen folgte seine Gemahlin Messalina
in einem Prachtwagen. Es folgten auch alle, die in diesem Krieg die Triumphabzeichen
erhalten hatten, doch sämtlich zu Fuß und in der Prätexta,
nur Marcus Crassus
Frugi auf einem reichgeschirrten Roß und mit dem palmengestickten
Triumphalgewand angetan, weil er diese Auszeichnung das zweite Mal erhalten
hatte. |
(17,3) ad cuius spectaculum
commeare in urbem non solum praesidibus provinciarum permisit, verum etiam
exulibus quibusdam; atque inter hostilia spolia navalem
coronam fastigio Palatinae domus iuxta civicam fixit, traiecti et quasi
domiti Oceani insigne. currum eius Messalina uxor carpento secuta est; secuti
et triumphalia ornamenta eodem bello adepti, sed ceteri pedibus et in praetexta,
M. Crassus Frugi equo phalerato et in veste palmata, quod eum honorem iteraverat. |
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18. Um die Hauptstadt und ihre Versorgung mit
Lebensmitteln bemühte er
sich immer sehr sorgfältig. Als der Aemilianische
Stadtteil von einem ziemlich hartnäckigen Brand
heimgesucht wurde, blieb er zwei Nächte im Diribitorium,
und da die Soldaten
und seine zahlreiche Dienerschaft nicht ausreichten, ließ er durch
die städtischen Beamten aus allen Stadtteilen das Volk zur Hilfe rufen,
stellte Körbe voll Geld vor sich hin und feuerte die Menge an, Hilfe
zu leisten, indem er jeden entsprechend seinem Einsatz sofort belohnte.
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(18,1) Urbis annonaeque curam
sollicitissime semper egit. cum Aemiliana pertinacius arderent, in diribitorio
duabus noctibus mansit ac deficiente militum ac familiarum turba auxilio
plebem per magistratus ex omnibus vicis convocavit ac positis ante se cum
pecunia fiscis ad subveniendum hortatus est, repraesentans pro opera dignam
cuique mercedem. |
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Als aber einmal
wegen andauernder Mißernten das Brotkorn
sehr knapp geworden war, hielt ihn die Menge mitten auf dem Forum an und
griff ihn mit Schimpfworten und zugleich mit Brotstücken so sehr an,
dass er sich nur mit Not durch eine Hintertür auf das Palatium zu retten
vermochte. Daraufhin traf er alle erdenklichen Vorkehrungen, um die Kornzufuhr
auch für die Zeit der Winterstürme zu sichern. So garantierte
er z. B. den Kornhändlern ihre Gewinne, indem er den Verlust übernahm,
wenn einer in der Sturmzeit Schiffbruch erleide, und gewährte denen,
die Handelsschiffe bauten, jedem nach seinen Verhältnissen große
Vergünstigungen: |
(18,2) artiore autem annona
ob assiduas
sterilitates detentus quondam medio foro a turba conviciisque
et simul fragminibus panis ita infestatus, ut aegre nec nisi postico evadere
in Palatium valuerit, nihil non ex eo cogitavit ad invehendos etiam tempore
hiberno commeatus. nam et negotiatoribus certa lucra proposuit suscepto
in se damno, si cui quid per tempestates accidisset, et naves mercaturae
causa fabricantibus magna commoda constituit pro condicione cuiusque: |
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19. Einem Bürger Befreiung von den Bestimmungen
der Lex Papia Poppaea,
einem Latiner das römische Vollbürgerrecht, Frauen das Recht der
Mütter
von vier Kindern - lauter Verordnungen, die noch heute gelten. |
(19,1) civi vacationem legis Papiae
Poppaeae, Latino ius Quiritium, feminis ius IIII liberorum; quae constituta
hodieque servantur. |
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20. Bauwerke schuf er mehr großartige und
notwendige als zahlreiche. Die herausragendsten sind: die von Gaius
begonnene Wasserleitung;
ferner der Abzugskanal des Fucinersees
und der Hafen von Ostia,
Werke, die er unternahm und vollendete, obwohl er von den beiden letztgenannten
wusste, dass Kaiser Augustus
das erstere den Marsern trotz
ihrer wiederholten Gesuche abgeschlagen und dass der vergöttlichte
Caesar zu dem letzteren
zwar die Idee mehrfach aufgenommen, aber wegen seiner Schwierigkeit immer
wieder aufgegeben hatte. Für die Aqua
Claudia leitete er die kalten, reichströmenden Quellen, von denen
die eine die Blaue, die andere die Curtische und die Albudignische heißen,
sowie den Bach des Anio novus
durch einen Steinbau bis nach der Stadt und verteilte dort ihr Wasser in
vielen herrlich geschmückten Bassins. |
(20,1) Opera magna potius ac
necessaria quam multa perfecit, sed vel praecipua: ductum aquarum a Gaio
incohatum, item emissarium Fucini lacus portumque Ostiensem, quanquam sciret
ex iis alterum ab Augusto precantibus assidue
Marsis negatum, alterum a Divo Iulio saepius destinatum ac propter difficultatem
omissum. Claudiae aquae gelidos et uberes fontes, quorum alteri Caeruleo,
alteri Curtio et Albudigno nomen est, simulque rivum Anienis novi lapideo
opere in urbem perduxit divisitque in plurimos et ornatissimos lacus. |
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Die Ableitung des Fucinersees
unternahm er ebenso wegen des davon erhofften Gewinns wie auch wegen des
Ruhms, da sich Unternehmer fanden, die die Ableitung auf ihre Kosten zu
bewerkstelligen versprachen, wenn ihnen das trockengelegte Terrain überlassen
würde. Auf eine Länge von drei Meilen ließ er den Berg teils durchgraben,
teils aushauen, und brachte so mit Mühe und erst nach elf Jahren den
Kanal zustande, obwohl fortwährend dreißigtausend Menschen ohne
Unterbrechung daran arbeiteten. |
(20,2) Fucinum adgressus est non
minus conpendii spe quam gloriae, cum quidam privato sumptu emissuros se
repromitterent, si sibi siccati agri concederentur. per tria autem passuum
milia partim effosso monte partim exciso canalem absolvit aegre et post
undecim annos, quamvis continuis XXX hominum milibus sine intermissione
operantibus. |
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Den Hafen von Ostia
erbaute er, indem er ihn rechts und links mit Molenarmen einfasste und ihn
am Eingang, wo der Grund und Boden schon tief lag, durch einen Damm schützte.
Um diesen umso fester zu gründen, ließ er vorher ein Schiff,
auf dem ein großer Obelisk aus Ägypten
hergebracht worden war, versenken, mehrere Pfeiler an den Seiten aufmauern
und auf ihnen einen riesigen Turm nach dem Muster des Leuchtturms von Alexandria
aufführen, nach dessen nächtlichen Feuerzeichen die Schiffe ihren
Kurs steuern könnten. |
(20,3) portum Ostiae extruxit
circumducto dextra sinistraque brachio et ad introitum profundo iam solo
mole obiecta; quam quo stabilius fundaret, navem ante demersit, qua magnus
obeliscus ex Aegypto fuerat advectus, congestisque pilis superposuit altissimam
turrem in exemplum Alexandrini Phari, ut ad nocturnos ignes cursum navigia
dirigerent. |
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Deutsche Übersetzung nach:
Stahr, A.
bearbeitet von E.Gottwein |
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