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| XXVI |
Obgleich Catilina
diese Maßnahmen getroffen hatte, bewarb er sich dennoch für das
folgende Jahr um das Konsulat. Er hoffte, wenn er gewählt wäre,
könne er mit
Antonius leicht machen, was er wolle. Doch war er inzwischen nicht
untätig, sondern trachtete Cicero
unausgesetzt nach dem Leben. Jenem fehlte es aber, um sich zu sichern, weder
an Verschlagenheit noch an Schläue. Denn gleich vom Antritt seines
Konsulats an hatte er durch
Fulvias Vermittlung Quintus
Curius, von dem ich oben erzählt habe, durch große Versprechungen
dazu gebracht, ihm Catilinas
Pläne zu verraten. Dazu hatte er seinen Mitkonsul
Antonius durch einen Tausch der Provinzen dazu gebracht, seine
Revolutionsgedanken aufzugeben. Um sich herum hielt er insgeheim Wachen
von Freunden und Klienten. Als nun der Wahltag gekommen war und Catilina
weder die Kandidatur noch der Mordanschlag glückte, den er auf dem
Marsfeld gegen den Konsul unternommen hatte, beschloss er loszuschlagen
und zum äußersten zu greifen, da ja seine heimlichen Versuche
gefährlich und schmählich ausgegangen waren. |
(26,1) His rebus
conparatis Catilina nihilo minus in proxumum annum consulatum petebat, sperans,
si designatus foret, facile se ex voluntate Antonio usurum. neque interea
quietus erat, sed omnibus modis insidias parabat Ciceroni. (26,2)
neque illi tamen ad cavendum dolus aut astutiae deerant. (26,3)
namque a principio consulatus sui multa pollicendo per Fulviam effecerat,
ut Q. Curius, de quo paulo ante memoravi, consilia Catilinae sibi proderet;
(26,4) ad hoc conlegam suom Antonium pactione
provinciae perpulerat, ne contra rem publicam sentiret; circum se praesidia
amicorum atque clientium occulte habebat. (26,5)
postquam dies comitiorum venit et Catilinae neque petitio neque insidiae,
quas consulibus in campo fecerat, prospere cessere, constituit bellum facere
et extrema omnia experiri, quoniam, quae occulte temptaverat, aspera foedaque
evenerant. |
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| XXVII |
Daher entsandte er Gaius
Manlius nach Faesulae
und in die dortige Gegend Etruriens, einen gewissen
Septimius aus Camerinum
in das Picenische, den
Gaius Iulius nach Apulien
und andere anderswohin, je nachdem er irgendwo nützliche Dienste von
jedem erwartete. Indessen nahm er in Rom vieles auf einmal in Angriff, legte
den Konsuln Mordschlingen, bereitete Brandschatzungen vor, besetzte geeignete
Plätze mit Bewaffneten, führte selbst ein Schwert und befahl anderen
das gleiche zu tun; er ermunterte sie, stets wachsam und bereit zu sein,
Tag und Nacht war er geschäftig und schlaflos, ohne durch Nachtwachen
und Anstrengung zu ermüden. Zuletzt ruft er, als ihm trotz seiner vielen
Unternehmungen nichts gelingt, in tiefer Nacht die Häupter der Verschwörung
noch einmal durch Vermittlung des
Marcus Porcius Laeca zusammen und legt ihnen, nachdem er sich über
Laschheit beklagt hat, dar, er habe
Manlius vorausgeschickt - nämlich zu den Scharen, die er
dazu angeworben hatte, die Waffen zu ergreifen - und andere an andere geeignete
Plätze, um den Krieg zu beginnen; er wünsche zum Heer abzugehen,
wenn er zuvor Cicero
erledigt habe: er sei für seine Pläne das Haupthindernis.
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(27,1) Igitur C.
Manlium Faesulas atque in eam partem Etruriae, Septimium quendam Camertem
in agrum Picenum, C. Iulium in Apuliam dimisit, praeterea alium alio, quem
ubique opportunum sibi fore credebat. (27,2)
interea Romae multa simul moliri: consulibus insidias tendere, parare incendia,
opportuna loca armatis hominibus obsidere; ipse cum telo esse, item alios
iubere, hortari, uti semper intenti paratique essent; dies noctisque
festinare, vigilare, neque insomniis neque labore fatigari. (27,3)
postremo, ubi multa agitanti nihil procedit, rursus intempesta nocte coniurationis
principes convocat per M. Porcium Laecam, (27,4)
ibique multa de ignavia eorum questus docet se Manlium praemisisse ad eam
multitudinem, quam ad capiunda arma paraverat, item alios in alia loca opportuna,
qui initium belli facerent, seque ad exercitum proficisci cupere, si prius
Ciceronem oppressisset: eum suis consiliis multum officere. |
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| XXVIII |
Während die anderen entsetzt
und bedenklich waren, bot der Ritter Gaius
Cornelius seine Dienste an und mit ihm der Senator
Lucius Vargunteius. Sie beschlossen, noch in der selben Nacht bald danach
mit Bewaffneten wie zum Morgenbesuch bei Cicero
einzutreten und ihn unversehens im eigenen Haus zu überraschen und
niederzustoßen. Als
Curius die Größe der Gefahr erkennt, in der Cicero
schwebt, setzt er Cicero
rasch durch Fulvia von
der Vorbereitung des bevorstehenden Überfalls in Kenntnis. So wurden
sie an der Tür zurückgewiesen und hatten vergeblich das so große
Verbrechen auf sich genommen. Inzwischen wiegelte
Manlius in Etrurien das
gemeine Volk auf, das unter Sullas
Gewaltherrschaft Grund und Boden und alle Habe verloren hatte und deswegen
aus Armut und Verbitterung über das erlittene Unrecht zu einer Revolution
geneigt war; außerdem Straßenräuber jeder Art, von denen
es in jener Gegend eine große Menge gab, auch den und jenen von den
durch Sulla eingesetzten Grundbesitzern, deren Lust und Verschwendung von
ihrem reichen Raub nichts übrig gelassen hatte. |
(28,1) igitur perterritis
ac dubitantibus ceteris C. Cornelius eques Romanus operam suam pollicitus
et cum eo L. Vargunteius senator constituere ea nocte paulo post cum armatis
hominibus sicuti salutatum introire ad Ciceronem ac de inproviso domi suae
inparatum confodere. (28,2) Curius ubi intellegit,
quantum periculum consuli inpendeat, propere per Fulviam Ciceroni dolum,
qui parabatur, enuntiat. (28,3) ita illi ianua
prohibiti tantum facinus frustra susceperant. (28,4)
Interea Manlius in Etruria plebem sollicitare, egestate simul ac dolore
iniuriae novarum rerum cupidam, quod Sullae dominatione agros bonaque omnia
amiserat, praeterea latrones quoiusque generis, quorum in ea regione magna
copia erat, nonnullos ex Sullanis coloniis, quibus lubido atque luxuria
ex magnis rapinis nihil relicui fecerant. |
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| XXIX |
Als Cicero
dies gemeldet wurde, bringt er die Sache in ernster Erwägung der doppelten
Gefahr vor den Senat, der schon zuvor durch die umlaufenden Gerüchte
in Sorge war: einmal konnte er die Stadt nicht länger durch eigenverantwortliche
Maßnahmen vor den Zerstörungsplänen schützen, sodann
gab es keine Gewissheit, wie stark das Heer des
Manlius war und welche Absichten es hegte. So beschloss der Senat, wie
gewöhnlich in dringender Gefahr, die Konsuln sollten alle Mittel aufbieten,
die Integrität des Staates zu wahren. Dadurch verleiht der Senat nach
römischem Staatsgesetz der Obrigkeit die umfassendsten Befugnisse,
nämlich ein Heer auszuheben, Krieg zu führen, durch alle Mittel
die Bundesgenossen und Bürger zum Gehorsam zu zwingen und in der Stadt
unumschränkte Macht und Gericht ohne Einspruch zu üben. Andernfalls
hat der Konsul ohne Ermächtigung durch das Volk zu nichts davon ein
Recht. |
(29,1) Ea cum Ciceroni
nuntiarentur, ancipiti
malo permotus, quod neque urbem ab insidiis privato consilio longius tueri
poterat neque, exercitus Manli quantus aut quo consilio foret, satis conpertum
habebat, rem ad senatum refert, iam antea volgi rumoribus exagitatam. (29,2)
itaque, quod plerumque in atroci negotio solet, senatus decrevit, darent
operam consules, ne quid res publica detrimenti caperet. (29,3)
ea potestas per senatum more Romano magistratui maxuma permittitur: exercitum
parare, bellum gerere, coercere omnibus modis socios atque civis, domi militiaeque
imperium atque iudicium summum habere; aliter sine populi iussu nullius
earum rerum consuli ius est. |
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| XXX |
Einige Tage darauf las der Senator
Lucius Saenius in der
Senatssitzung ein Schreiben vor, das er angeblich aus Faesulae
erhalten hatte. Darin stand, Gaius
Manlius habe mit einem großen Heerhaufen am 27. Oktober die Waffen
ergriffen. Zugleich meldeten einige, wie gewöhnlich bei solchen Ereignissen,
Wunder- und Schreckenserscheinungen, andere, man halte Versammlungen ab
und trage Waffen und in Capua und in
Apulien arbeite man auf einen bewaffneten Sklavenaufstand hin. Infolgedessen
schickte man auf Senatsbeschluss Quintus
Marcius Rex nach Faesulae, Quintus
Metellus Creticus nach Apulien
und in die umliegenden Gegenden - diese beiden standen als Feldherrn
vor den Toren der Stadt, weil sie durch die Intrigen einiger Leute, die
um Geld alles, Sittliches und Unsittliches, zu tun gewohnt waren, an der
Feier des Triumphes gehindert wurden -, ferner die Praetoren
Quintus Pompeius Rufus nach Capua,
Quintus Metellus Celer ins Picenische. Diese
waren befugt, je nach den Umständen und der Größe der Gefahr
ein Heer auszurüsten. Ferner lobte man Belohnungen aus: für einen
Sklaven, der über die Verschwörung, die gegen den Staat gerichtet
war, ein zur Überführung genügendes Geständnis ablegte
die Freiheit und 100000, für einen Freien Straflosigkeit für das
Vergehen und 200000 Sesterze; ebenso beschlossen sie, dass die zu den Fechtspielen
bestimmten Sklavenbanden nach Capua und entsprechend den Mittel einer jeden
in die übrigen Munizipialstädte aufgeteilt und überall in
Rom Nachtwachen aufgestellt werden, und zwar unter dem Befehl der niederen
Magistrate. |
(30,1) Post paucos
dies L. Saenius senator in senatu litteras recitavit, quas Faesulis adlatas
sibi dicebat, in quibus scriptum erat C. Manlium arma cepisse cum magna
multitudine ante diem VI Kalendas Novembris. (30,2)
simul, id quod in tali re solet, alii portenta atque prodigia nuntiabant,
alii conventus fieri, arma portari, Capuae atque (30,3)
in Apulia servile bellum moveri. igitur senati decreto Q. Marcius Rex Faesulas,
Q. Metellus Creticus in Apuliam circumque ea loca missi (30,4)
‑ hi utrique ad urbem imperatores erant, inpediti, ne triumpharent, calumnia
paucorum, quibus omnia honesta atque inhonesta vendere mos erat ‑ , (30,5)
sed praetores Q. Pompeius Rufus Capuam, Q. Metellus Celer in agrum Picenum,
iisque permissum, uti pro tempore atque periculo exercitum conpararent.
(30,6) ad hoc, si quis indicavisset de coniuratione,
quae contra rem publicam facta erat, praemium servo libertatem et sestertia
centum, libero inpunitatem eius rei et sestertia ducenta; (30,7)
itemque decrevere, uti gladiatoriae familiae Capuam et in cetera municipia
distribuerentur pro quoiusque opibus, Romae per totam urbem vigiliae haberentur
iisque minores magistratus praeessent. |
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| XXXI |
Durch diese Maßnahmen war die
Bürgerschaft in Unruhe versetzt und das Aussehen der Stadt verwandelt.
Statt der größten Heiterkeit und Ausgelassenheit, die die lang
anhaltende Ruhe erzeugt hatte, trat mit einem Mal allgemeine Niedergeschlagenheit.
Man eilte unruhig hin und her, traute keinem Ort und keinem Menschen, man
führte keinen Krieg und hatte doch keinen Frieden, jeder bemaß
die Gefahr nach seiner Besorgnis. Dabei gebärdeten sich die Weiber,
die bei der Machtgröße des Staates der Kriegsschrecken ganz ungewohnt
befallen hatte, angstvoll, streckten flehend die Hände zum Himmel,
bejammerten ihre kleinen Kinder, fragten immerfort nach allem, entsetzten
sich bei allem, ließen Stolz und Lustbarkeiten sein, verzweifelten
an ihrem und des Vaterlandes Heil. |
(31,1) Quis rebus
permota civitas atque inmutata urbis facies erat. ex summa laetitia atque
lascivia, quae diuturna quies pepererat, repente omnis tristitia invasit:
(31,2) festinare, trepidare, neque loco neque
homini quoiquam satis credere, neque bellum gerere neque pacem habere, suo
quisque metu pericula metiri. (31,3) ad hoc
mulieres, quibus rei publicae magnitudine belli timor insolitus incesserat,
adflictare sese, manus supplices ad caelum tendere, miserari parvos liberos,
rogitare omnia, omnia pavere, superbia atque deliciis
omissis, sibi patriaeque diffidere. |
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Aber Catilina
verfolgte in seiner Grausamkeit immerfort seine Pläne, obgleich eine
bewaffnete Macht aufgestellt wurde und er selbst nach dem Plautischen
Gesetz von Lucius
Paulus belangt worden war. Als habe man ihn zum Streit herausgefordert,
erschien er schließlich sogar im Senat,
um zu leugnen oder sich reinzuwaschen. Da hielt der Konsul Marcus
Tullius vielleicht aus Besorgnis über seine Anwesenheit, vielleicht
aus Zorn eine kraftvolle und staatsdienliche Rede, die er später schriftlich
herausgab. Aber als er sich wieder gesetzt hatte, begann Catilina
- er war ja entschlossen, alles zu leugnen - mit gesenktem Blick und in
flehentlichem Ton zu bitten, die Väter sollten ihn nicht unbegründet
verdächtigen; er stamme aus einer solchen Familie und habe von Jugend
an solche Lebensgrundsätze gepflegt, dass er die schönste Zukunft
erwarten dürfe. Sie sollten nicht glauben, dass er, ein Patrizier,
der selbst wie seine Vorfahren dem römischen Volk sehr viele Dienste
geleistet habe, einen Umsturz des Staates vonnöten habe, während
ein Marcus Tullius,
ein vom Dorf zugezogener Bürger der Stadt Rom, ihn erhalten werde.
Als er dem noch andere Lästerungen hinzufügte, erhoben alle einen
Lärm und nannten ihn Staatsfeind und Mörder. Da rief er wütend:
"Weil ich denn von Feinden umgarnt zum Äußersten getrieben
werde, will ich den Brand meines Hauses durch Einreißen ersticken.
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(31,4) At Catilinae
crudelis animus eadem illa movebat, tametsi praesidia parabantur et ipse
lege Plautia interrogatus erat ab L. Paulo. (31,5)
postremo dissimulandi causa aut sui expurgandi, sicut iurgio lacessitus
foret, in senatum venit. (31,6) tum M. Tullius
consul, sive praesentiam eius timens sive ira conmotus, orationem habuit
luculentam atque utilem rei publicae, quam postea scriptam edidit. (31,7)
sed ubi ille adsedit, Catilina, ut erat paratus ad dissimulanda omnia, demisso
voltu, voce supplici postulare a patribus coepit, ne quid de se temere crederent:
ea familia ortum, ita se ab adulescentia vitam instituisse, ut omnia bona
in spe haberet; ne existumarent sibi, patricio homini, quoius ipsius atque
maiorum pluruma beneficia in plebem Romanam essent, perdita re publica opus
esse, quom eam servaret M. Tullius, inquilinus civis urbis Romae. (31,8)
ad hoc male dicta alia quom adderet, obstrepere omnes, hostem atque parricidam
vocare. (31,9) tum ille furibundus 'quoniam
quidem circumventus' inquit 'ab inimicis praeceps agor, incendium meum ruina
extinguam.' |
|
| XXXII |
Damit stürzte er aus der Kurie
nach Hause. Dort stellte er vielfältige Überlegungen an: Weil
die Ermordung des Konsuls nicht gelang und weil er die Stadt durch Wachen
gegen Brandschatzung gesichert sah, kam er zu der Überzeugung, es sei
das beste, sein Heer zu verstärken und, bevor reguläre Truppen
ausgehoben würden, sich vieler Vorteile für den Krieg im voraus
zu versichern. Mitten in der Nacht reiste er mit wenigen Begleitern ab,
um sich in das Lager des
Manlius zu begeben. Aber
Cethegus,
Lentulus und den anderen, deren stets bereite Verwegenheit er kannte,
gibt er den Auftrag, womit sie nur könnten ihren Anhang zu kräftigen,
den Untergang des Konsuls möglichst rasch herbeizuführen und sich
zu Mord, Brand und anderen Schandtaten bereit zu halten: er werde nächster
Tage mit einem starken Heer gegen die Stadt anrücken. Während
dies zu Rom vor sich ging, schickte Gaius
Manlius aus der Zahl seiner Leute Gesandte mit Mitteilungen folgender
Art zu Quintus Marcius:
|
(32,1) deinde se
ex curia domum proripuit. ibi multa ipse secum volvens, quod neque insidiae
consuli procedebant et ab incendio intellegebat urbem vigiliis munitam,
optumum factu credens exercitum augere ac, prius quam legiones scriberentur,
multa antecapere, quae bello usui forent, nocte intempesta cum paucis in
Manliana castra profectus est. (32,2) sed Cethego
atque Lentulo ceterisque, quorum cognoverat promptam
audaciam, mandat, quibus rebus possent, opes factionis confirment, insidias
consuli maturent, caedem incendia aliaque belli facinora parent: sese propediem
cum magno exercitu ad urbem adcessurum. (32,3)
Dum haec Romae geruntur, C. Manlius ex suo numero legatos ad Marcium Regem
mittit cum mandatis huiusce modi: |
|
| XXXIII |
"Götter und Menschen rufen
wir zu Zeugen an, Feldherr, dass wir die Waffen nicht gegen das Vaterland
erhoben haben, auch nicht um andere in Gefahr zu bringen, sondern um uns
persönlich gegen Unrecht zu schützen, die wir arm und bloß
durch die grausame Unerbittlichkeit von Wucherern zum größten
Teil die Heimat, alle aber unsere Ehre und unser Vermögen verloren
haben. Keinem von uns war es gestattet, der Rechtsüberlieferung gemäß
die Wohltat des Gesetzes in Anspruch zu nehmen und durch Abtretung unseres
Vermögens für unsere Person die Freiheit zu erhalten. Denn so
groß war die Grausamkeit der Wucherer und des Praetors. Oft halfen
euere Vorfahren aus Mitleid mit dem armen Volk durch ihre Beschlüsse
seiner Not ab; und ganz vor kurzem haben wir erlebt, dass wegen der Höhe
der Verschuldung mit Einverständnis aller Gutgesinnten die Kupfermünze
im Zwangskurs dem Silber gleichgestellt wurde. Oft bewaffnete und erhob
sich das Volk auf eigene Faust entweder aus Lust, den Herrn zu spielen oder
durch die Anmaßung der Obrigkeit gereizt. Aber wir begehren weder
Herrschaft noch Reichtum, weswegen aller Krieg und aller Streit unter den
Menschen entsteht, sondern die Freiheit, die ein anständiger Mensch
nur mit dem Leben hingibt. Dich und den Senat beschwören wir, Sorgt
für die armen Bürger! Gebt ihnen den gesetzlichen Schutz zurück,
den ihnen die ungerechte Härte des Praetors entzog! Bringt uns nicht
in die Zwangslage einen Weg zu suchen, wie wir uns unter Verlust unseres
Lebens am wirkungsvollsten rächen!" |
(33,1) "Deos
hominesque testamur, imperator, nos arma neque contra patriam cepisse neque
quo periculum aliis faceremus, sed uti corpora nostra ab iniuria tuta forent,
qui miseri, egentes violentia atque crudelitate faeneratorum plerique patriae,
sed omnes fama atque fortunis expertes sumus. neque quoiquam nostrum licuit
more maiorum lege uti neque amisso patrimonio liberum corpus habere: tanta
saevitia faeneratorum atque praetoris fuit. (33,2)
saepe maiores vostrum, miserti plebis Romanae, decretis suis inopiae eius
opitulati sunt, ac novissume memoria nostra propter magnitudinem aeris alieni
volentibus omnibus bonis argentum aere solutum est. (33,3)
saepe ipsa plebs, aut dominandi studio permota aut superbia magistratuum,
armata a patribus secessit. (33,4) at nos non
imperium neque divitias petimus, quarum rerum causa bella atque certamina
omnia inter mortalis sunt, sed libertatem, quam nemo bonus nisi cum anima
simul amittit. (33,5) te atque senatum obtestamur,
consulatis miseris civibus, legis praesidium, quod iniquitas praetoris eripuit,
restituatis, neve nobis eam neccessitudinem inponatis, ut quaeramus, quonam
modo maxume ulti sanguinem nostrum pereamus." |
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| XXXIV |
Darauf gab Quintus
Marcius den Bescheid: wenn sie den Senat um etwas nachsuchen wollten,
sollten sie zuerst die Waffen niederlegen und sich dann bittend nach Rom
wenden; der Senat und das Volk von Rom hätten stets so viel Menschenfreundlichkeit
und Mitleid geübt, dass niemand sie je vergeblich um Hilfe gebeten
habe. |
(34,1) Ad haec Q.
Marcius respondit, si quid ab senatu petere vellent, ab armis discedant,
Romam supplices proficiscantur: ea mansuetudine atque misericordia senatum
populi Romani semper fuisse, ut nemo umquam ab eo frustra auxilium petiverit.
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Catilina
aber sandte von unterwegs an die meisten Konsularen und außerdem an
alle herausragenden Mitglieder der Aristokratie schriftliche Erklärungen:
er sei von einem Gewebe falscher Beschuldigungen umgarnt; weil er sich unfähig
gefühlt habe, der Meute seiner Feinden die Stirn zu bieten, weiche
er der Notwendigkeit und gehe nach Massilia in die Verbannung; nicht als
fühle er sich eines so schweren Verbrechens schuldig, sondern damit
der Staat ruhig bleibe und nicht aus seinem Privatstreit eine Empörung
entstehe. Ganz anders lautete das Schreiben, das Quintus
Catulus in der Senatssitzung vorlas, das ihm angeblich im Auftrag Catilinas
übergeben worden war. Davon teile ich hier eine Abschrift mit: |
(34,2) At Catilina
ex itinere plerisque consularibus, praeterea optumo quoique litteras mittit:
se falsis criminibus circumventum, quoniam factioni inimicorum resistere
nequiverit, fortunae cedere, Massiliam in exilium proficisci, non quo sibi
tanti sceleris conscius esset, sed uti res publica quieta foret neve ex
sua contentione seditio oreretur. (34,3) ab
his longe divorsas litteras Q. Catulus in senatu recitavit, quas sibi nomine
Catilinae redditas
dicebat. earum exemplum infra scriptum est. |
|
| XXXV |
"Lucius
Catilina an Quintus
Catulus. Deine mir durch die Tat bewiesene außerordentliche Freundschaft
ist mir in meinen großen Nöten ein lieber Trost und ermutigt
mich, mich dir zu empfehlen. Aus diesem Grund will ich für meinen neuen
Entschluss auf eine Rechtfertigung verzichten, halte es aber, weil
ich mir keiner Schuld bewusst bin, für meine Pflicht, dir eine Erklärung
vorzulegen, von deren Wahrheit du dich, so wahr mir Gott helfe, überzeugen
kannst. Von Kränkungen und Schmähungen gehetzt, weil ich des Erfolgs
meiner Anstrengungen und meines Einsatzes beraubt und von der meinem Rang
gebührenden Stellung verdrängt wurde, nehme ich nach meiner Gewohnheit
die allgemeine Sache meiner Mitbürger auf meine Schultern, nicht etwa
weil ich die auf meine Person gestellten Wechsel aus meinen Besitzungen
nicht decken könnte, - selbst die auf andere Namen lautenden
würde ja Orestilla
freigebig aus ihrem und ihrer Tochter Vermögen bezahlen - sondern weil
ich unebenbürtige Leute mit der höchsten Ehre bekleidet und mich
auf falschen Verdacht hin zurückgesetzt sehe. So bin ich den bei
meinem Unglück hinreichend ehrenvollen Aussichten gefolgt, das zu erhalten,
was mir von meinem Ansehen geblieben ist. Ich wollte zwar noch mehr schreiben,
doch gerade wird mir gemeldet, man plane eine Gewalttat gegen mich. So empfehle
ich dir jetzt Orestilla
und vertraue sie deinem Schutz an; Schütze sie vor Unrecht; bei dem
Leben deiner Kinder bitte ich dich darum. Lebe wohl!" |
(35,1) "L.
Catilina Q. Catulo. egregia tua fides, re cognita, grata mihi magnis in
meis periculis, fiduciam commendationi
meae tribuit. (35,2) quam ob rem defensionem
in novo consilio non statui parare: satisfactionem ex nulla conscientia
de culpa proponere decrevi, quam me
dius fidius veram licet cognoscas. (35,3)
iniuriis contumeliisque concitatus, quod fructu laboris industriaeque meae
privatus statum dignitatis non obtinebam, publicam miserorum causam pro
mea consuetudine suscepi, non quin aes alienum meis nominibus ex possessionibus
solvere non possem ‑ et alienis nominibus liberalitas Orestillae suis filiaeque
copiis persolveret ‑ , sed quod non dignos homines honore honestatos videbam
meque falsa suspicione alienatum esse sentiebam. (35,4)
hoc nomine satis honestas pro meo casu spes relicuae dignitatis conservandae
sum secutus. (35,5) plura quom scribere vellem,
nuntiatum est vim mihi parari. nunc Orestillam commendo tuaeque fidei trado;
(35,6) eam ab iniuria defendas, per liberos
tuos rogatus. haveto." |
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| XXXVI |
Er selbst verweilte einige Tage bei
Gaius Flaminius im
im Gebiet von Arretium und versah während dieser Zeit die schon
vorher aufgewiegelte Bevölkerung der Umgebung mit Waffen. Dann eilte
er mit den Rutenbündeln und den anderen Kennzeichen der höchsten
Gewalt ins Lager zu
Manlius. Sobald man davon in Rom sichere Kenntnis hatte, erklärt
der Senat Catilina und
Manlius zu Staatsfeinden und setzt der übrigen Meute eine Frist,
bis zu der sie mit Ausnahme derer, die wegen eines Kapitalverbrechens verurteilt
wären, ohne Nachteil die Waffen niederlegen könne. Außerdem
ordnet er an, dass die Konsuln Soldaten ausheben, dass
Antonius Catilina schleunigst
nachfolge und Cicero
über die Sicherheit der Stadt wache. |
(36,1) Sed ipse paucos
dies conmoratus apud C. Flaminium in agro Arretino, dum vicinitatem antea
sollicitatam armis exornat, cum fascibus atque aliis imperi insignibus in
castra ad Manlium contendit. (36,2) haec ubi
Romae conperta sunt, senatus Catilinam et Manlium hostis iudicat, ceterae
multitudini diem statuit, ante quam sine fraude liceret ab armis discedere
praeter rerum capitalium condemnatis. (36,3)
praeterea decernit, uti consules dilectum habeant, Antonius cum exercitu
Catilinam persequi maturet, Cicero urbi praesidio sit. |
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