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Die Catilinarische Verschwörung
De Catilinae coniuratione
ΣΑΛΛΟΥΣΤΙΟΥ ΚΑΤΙΛΙÎΑΣ
36,4-39,5
Parteienexkurs |
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Pathologie (2. Exkurs) (36,4-39,5):
- Der Begriff ist wegen der Vergleichbarkeit mit Thuk.3,82f.
übernommen: Exkurs zum Parteienunwesen.
- Der Exkurs steht etwa in der Mitte der Schrift und charakterisiert
die ganze Gefahr und das ganze Ausmaß des politischen
Zerfalls.
- Der 1. Exkurs ist in die Vergangenheit gerichtet, der
2. Exkurs ist ganz gegenwartsbezogen.
- Die Reichweite der Verschwörung ist groß,
denn trotz des Aufrufes des Senats hat kein Teilnehmer
die Verschwörung verlassen.
- Die mittellose Bevölkerung sympathisiert, erst
recht das verbrecherische Stadtproletariat, ebenso die
arbeitsscheue Jugend und die von Sulla geschädigte
Schicht.
- Zu dieser Gärung im Volk tritt das staatsgefährdende
Treiben der Parteien:
- Seit Wiederherstellung des Tribunats verhetzen
machtlüsterne junge Leute das Volk mit popularen
Schlagworten gegen den Senat.
- Die Nobilität kämpft mit ebenso verlogenen
Phrasen für ihre Machtstellung. Seit dem Abgang
des Pompeius in den Osten ist die regierende Clique
hemmungslos im Missbrauch der Macht.
- Wenn Catilina bei diesen Verhältnissen im Feld
gesiegt hätte, wäre es zur politischen Katastrophe
gekommen; das Ende wäre die Gewaltherrschaft des
überlegenen Machthabers gewesen.
- Der Historiker verzichtet hier auf moralische Reflexionen
und bezeichnet die sozialen Schäden im Bürgervolk:
den Egoismus der Parteienwirtschaft (allgemeine Verurteilung
der Herrschenden und Beherrschten.
- Diese unbefangene und scharfe Analyse der römischen
Politik übertrifft alles, was Cicero in seinen
Reden zur Situation gesagt hat. Man ahnt, dass es für
die Regierung größere Aufgaben gab als die
Niederwerfung des Hochverräters (falls es überhaupt
noch eine Rettung vor dem römischen Selbstmord
gab).
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| Zusammenfassung
zu J.Vogt
(39-71) |
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| XXXVI |
In der
Zeit befand sich meines Erachtens das römische Reich in dem
beklagenswertesten Zustand. Obgleich ihm vom Aufgang bis zum Niedergang
der Sonne alles durch Waffengewalt bezwungen war und gehorchte,
in Rom aber der Genuss des Friedens und Reichtum, Dinge, die Menschen
für die höchsten Güter halten, in Fülle vorhanden
waren, gab es dennoch Bürger, die unbeirrbar auf ihren eigenen
Untergang und den des Gemeinwesens ausgingen. Denn trotz zweier
Senatsbeschlüsse hatte aus der so zahlreichen Menge kein einziger
sich von der Belohnung verführen lassen und die Verschwörung
verraten noch sich aus Catilinas
Lager entfernt. Wie eine Seuche hatte die so schreckliche Krankheit
die meisten Bürger befallen. |
(36,4)
Ea tempestate mihi imperium populi Romani multo maxume miserabile
visum est. quoi quom ad occasum ab ortu solis omnia domita armis
parerent, domi otium atque divitiae, quae prima mortales putant,
adfluerent, fuere tamen cives, qui seque remque publicam obstinatis
animis perditum irent. (36,5)
namque duobus senati decretis ex tanta multitudine neque praemio
inductus coniurationem patefecerat neque ex castris Catilinae quisquam
omnium discesserat: tanta vis morbi atque uti tabes plerosque civium
animos invaserat. |
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| XXXVII |
Und nicht allein die
hegten aufrührerische Gedanken, die sich an der Verschwörung
beteiligt hatten, nein, das gesamte niedrige Volk neigte zum Umsturz
und billigte Catilinas
Vorhaben. Dies scheint so ganz in seiner Art zu liegen. Denn immer
schauen im Staat, diejenigen, die keine Mittel besitzen voll Neid
auf die Gutgesinnten, voll Bewunderung auf die Schlechten, hassen
alles Alte und ersehnen alles Neue, wünschen aus Überdruss
an ihren Verhältnissen alles umzuwerfen, suchen sorglos durch
Unruhen und Aufstände ihr Brot; natürlich, Dürftigkeit
ist ja ein Besitz, an dem keine Einbuße zu fürchten steht. Das
Volk der Hauptstadt nun, das erst recht war aus vielen Gründen
nicht aufzuhalten. Zuerst waren alle, die sich irgendwo durch Schimpf
und Schande hervortaten, ebenso andere, die schmählich ihr
Erbe vergeudet hatten, kurz alle, die Schandtat oder Verbrechen
aus der Heimat verjagt hatte, in Rom wie die Jauche im Kielraum
zusammengeströmt. Zweitens erinnerten sich viele noch an Sullas
Sieg; jeder erwartete, weil er sah, dass manche aus gemeinen Soldaten
Senatoren geworden waren, andere so reich, dass sie in dm Stil und
der Pracht eines Königs lebten, für sich vom Sieg das
gleiche, wenn er sich bewaffnet hätte. Ferner hatten sich die
jungen Leute, die sich vorher auf dem Land durch Handarbeit ihr
tägliches Brot verdient hatten, durch private und staatliche
Spenden locken lassen
und den Müßiggang in der Stadt der unbequemen Arbeit
vorgezogen. Sie und alle anderen zehrten von den Schäden des
öffentlichen Lebens. Man darf sich also gar nicht wundern,
wenn mittellose Leute bei ganz schlechten Sitten aber glänzenden
Illusionen den Bestand des Gemeinwesens ebenso aufs Spiel setzen
wie ihr eigenes Leben. Außerdem blickten diejenigen, deren
Eltern durch Sullas
Siegeswillkür geächtet, denen ihre Güter entrissen
und ihre Bürgerrechte verkümmert waren, nicht eben mit
anderen Gedanken auf die Folgen eines Krieges hin. Dazu war es allen,
die nicht der Senatspartei angehörten, lieber, dass der Staat
in Verwirrung gerate als dass ihr eigenes Gewicht gemindert werde.
Diese Krankheit war nach vielen Jahren wieder im Staat ausgebrochen.
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(37,1)
neque solum illis aliena mens erat, qui conscii coniurationis fuerant,
sed omnino cuncta plebes novarum rerum studio Catilinae incepta
probabat. (37,2)
id adeo more suo videbatur facere. (37,3)
nam semper in civitate, quibus opes nullae sunt, bonis invident,
malos extollunt, vetera odere, nova exoptant, odio suarum rerum
mutari omnia student, turba atque seditionibus sine cura aluntur,
quoniam egestas facile habetur sine damno. (37,4)
sed urbana
plebes, ea vero praeceps erat de multis causis. (37,5)
primum omnium qui ubique probro atque petulantia
maxume praestabant, item alii per dedecora patrimoniis amissis,
postremo omnes, quos flagitium aut facinus domo expulerat, ii Romam
sicut in sentinam confluxerant. (37,6)
deinde multi memores Sullanae victoriae, quod ex gregariis militibus
alios senatores videbant, alios ita divites, ut regio victu atque
cultu aetatem agerent, sibi quisque, si in armis foret, ex victoria
talia sperabat. (37,7)
praeterea iuventus, quae in agris manuum mercede inopiam toleraverat,
privatis atque publicis largitionibus excita urbanum
otium ingrato labori praetulerat. eos atque alios omnis malum publicum
alebat. (37,8) quo
minus mirandum est homines egentis, malis moribus, maxuma spe rei
publicae iuxta ac sibi consuluisse. (37,9)
praeterea, quorum victoria Sullae parentes proscripti, bona erepta,
ius libertatis inminutum erat, haud sane alio animo belli eventum
expectabant. (37,10)
ad hoc quicumque aliarum atque senatus partium erant, conturbari
rem publicam quam minus valere ipsi malebant. (37,11)
id adeo malum multos post annos in civitatem revorterat. |
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| XXXVIII |
Seit nämlich unter dem
Konsulat des Gnaeus
Pompeius und des Marcus
Crassus die Befugnisse der Volkstribunen wieder hergestellt
worden waren, verschafften sich junge Leute, die nach Art und
Alter stürmisch waren, das sehr einflussreiche Amt und begannen,
durch Verdächtigung des Senats das Volk zu verhetzen, dann
durch Spenden und Versprechungen weiter zu entflammen und sich so
Ansehen und Einfluss zu erwerben. Gegen sie kämpfte der größte
Teil des Adels dem Schein nach im Interesse des Senats für
die eigene Größe. Denn um mit wenigen Worten die volle
Wahrheit auszusprechen: alle, die während der damaligen Zeiten
im Staat wühlten, stritten unter schönen Namen, die einen
als ob sie die Volksrechte verteidigten, die anderen um die Regierungsgewalt
in den Händen des Senats zu stärken, jeder unter dem Deckmantel
des Gemeinwohls, in Wahrheit nur für den eigenen Einfluss.
Und im Streit kannten sie weder Bescheidung noch Maß; auf
beiden Seiten nutzten sie den Sieg rücksichtslos aus. |
(38,1)
nam postquam Cn. Pompeio et M. Crasso consulibus tribunicia postestas
restituta est, homines adulescentes summam potestatem nacti, quibus
aetas animusque ferox erat, coepere senatum criminando plebem exagitare,
dein largiundo atque pollicitando magis incendere, ita ipsi clari
potentesque fieri. (38,2)
contra eos summa ope nitebatur pleraque nobilitas senatus specie
pro sua magnitudine. (38,3)
namque, uti paucis verum absolvam, post illa tempora quicumque rem
publicam agitavere, honestis nominibus, alii sicuti populi iura
defenderent, pars quo senatus auctoritas maxuma foret, bonum publicum
simulantes pro sua quisque potentia certabant. (38,4)
neque illis modestia neque modus contentionis erat: utrique victoriam
crudeliter exercebant. |
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| XXXIX |
Doch seitdem Gnaeus
Pompeius zur Führung des Seeräuberkrieges
und des Mithridatischen Krieges
entsandt war, nahm das Gewicht der Volkspartei ab und stieg die
Macht der Adelspartei. Diese hatte alle Ämter, Provinzen
und alles andere allein in Besitz, führte unangreifbar ein
glänzendes Leben ohne Furcht und schreckte die Gegner durch
die Androhung gerichtlicher Verfolgung, um beim Regieren um so
leichteres Spiel mit dem Volk zu haben. Sobald aber nun eine ernste
Verwicklung die Aussicht auf einen Umsturz bot, richtet die frühere
Streitlust die Mitglieder der Volkspartei wieder auf. Hätte
Catilina im ersten Treffen gesiegt oder wenigstens keine Niederlage
erlitten, so wäre in der Tat entsetzliches Unglück und
Leid über den Staat hereingebrochen; aber auch diejenigen,
die den Sieg errungen hätten, hätten sich seiner doch
nicht länger erfreuen können, ohne dass ein Stärkerer
den zum Tod Erschöpften Herrschaft und Freiheit entrissen
hätte. Dennoch gab es außerhalb der Verschwörer
etliche, die am Anfang in Catilinas Heerlager gingen. Unter ihnen
war Aulus
Fulvius, der Sohn eines Senators, den der eigene Vater hinrichten
ließ, als er unterwegs aufgegriffen wurde. |
(39,1)
sed postquam Cn. Pompeius ad bellum maritumum atque Mithridaticum
missus est, plebis opes inminutae, paucorum potentia crevit. (39,2)
ii magistratus, provincias aliaque omnia tenere; ipsi innoxii, florentes,
sine metu aetatem agere ceterosque iudiciis terrere, quo plebem
in magistratu placidius tractarent. (39,3)
sed ubi primum dubiis rebus novandi spes oblata est, vetus certamen
animos eorum adrexit. (39,4)
quod si primo proelio Catilina superior aut aequa manu discessisset,
profecto magna clades atque calamitas rem publicam oppressisset,
neque illis, qui victoriam adepti forent, diutius ea uti licuisset,
quin defessis et exanguibus, qui plus posset, imperium atque libertatem
extorqueret. (39,5)
fuere tamen extra coniurationem complures, qui ad Catilinam initio
profecti sunt. in iis erat Fulvius, senatoris filius, quem retractum
ex itinere parens necari iussit. |
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Lateinisch - deutsch (im Aufbau). (max. 500)
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