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Cornelius Nepos


Miltiades

 

 
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I. Miltiades cum colonis in Chersonesum mittitur. Irridetur a Lemniis.
(1,1) Miltiades, Cimonis filius, Atheniensis, cum et antiquitate generis et gloria maiorum et sua modestia unus omnium maxime floreret eaque esset aetate, ut non iam solum de eo bene sperare, sed etiam confidere cives possent sui, talem eum futurum, qualem cognitum iudicarunt, accidit, ut Athenienses Chersonesum colonos vellent mittere. (1,2) cuius generis cum magnus numerus esset et multi eius demigrationis peterent societatem, ex his delecti Delphos deliberatum missi sunt qui consulerent Apollinem, quo potissimum duce uterentur. namque tum Thraeces eas regiones tenebant cum quibus armis erat dimicandum. (1,3) his consulentibus nominatim Pythia praecepit, ut Miltiadem imperatorem sibi sumerent: id si fecissent, incepta prospera futura. (1,4) hoc oraculi responso Miltiades cum delecta manu classe Chersonesum profectus cum accessisset Lemnum et incolas eius insulae sub potestatem redigere vellet Atheniensium, idque Lemnii sua sponte facerent postulasset, (1,5) illi irridentes responderunt tum id se facturos, cum ille domo navibus proficiscens vento aquilone venisset Lemnum. hic enim ventus ab septentrionibus oriens adversum tenet Athenis proficiscentibus. (1,6) Miltiades morandi tempus non habens cursum direxit, quo tendebat, pervenitque Chersonesum.
(1,1) Als sich der Athener Miltiades, Kimons Sohn, wie durch das Alter seines Geschlechtes und den Ruhm seiner Vorfahren, so durch sein ganzes maßvolles Verhalten vor allen andern auszeichnete und in dem Alter stand, dass seine Mitbürger nicht mehr bloß Gutes von ihm hoffen, sondern auch zuversichtlich erwarten konnten, er werde sich als der Mann zeigen, für den sie ihn, nachdem er sich bewährt hatte, erkannten, traf es sich, dass die Athener nach der Chersones Kolonisten senden wollten. (1,2) Da es eine große Anzahl solcher Leute gab und viele Beteiligung an dieser Auswanderung begehrten, wurden einige aus ihrer Mitte erwählt und nach Delphi geschickt, um Rat einzuholen und Apollon zu befragen, wen sie am besten zum Anführer nähmen. Denn damals waren jene Gegenden im Besitz der Thraker, mit denen Kämpfe zu erwarten standen. (1,3) Diesen Abgesandten gebot die Pythia auf ihre Frage ausdrücklich, sie sollten den Miltiades zu ihrem Feldherrn wählen; täten sie das, würde ihr Unternehmen Erfolg haben. (1,4) Infolge dieser Antwort des Orakels segelte Miltiades mit auserlesener Mannschaft auf einer Flotte zur Chersones. Da er nach Lemnos kam und die Bewohner dieser Insel unter die Botmäßigkeit der Athener zu bringen wünschte, forderte er die Lemnier auf, sich freiwillig zu unterwerfen. (1,5) Doch die erwiderten voll Spott, dann wollten sie es tun, wenn er von Haus aus mit dem Aquilo nach Lemnos gesegelt käme. Dieser Wind weht nämlich, da er von Norden kommt, denen, die von Athen her reisen, entgegen. (1,6) Da Miltiades keine Zeit zum Verweilen hatte, lenkte er den Lauf der Flotte nach seinem Ziel hin und gelangte zur Chersones.

Lemnos und die thrakische Chersones
Lemnos und die thrakische Chersones

II. Chersoneso potitur, Lemnum sub Atheniensium redigit potestatem.
(2,1) Ibi brevi tempore barbarum copiis disiectis, tota regione, quam petierat, potitus, loca castellis idonea communiit, multitudinem, quam secum duxerat, in agris collocavit crebrisque excursionibus locupletavit. (2,2) neque minus in ea re prudentia quam felicitate adiutus est. nam cum virtute militum devicisset hostium exercitus, summa aequitate res constituit atque ipse ibidem manere decrevit. (2,3) erat enim inter eos dignitate regia, quamvis carebat nomine, neque id magis imperio quam iustitia consecutus. neque eo setius Atheniensibus, a quibus erat profectus, officia praestabat. quibus rebus fiebat, ut non minus eorum voluntate perpetuo imperium obtineret, qui miserant, quam illorum, cum quibus erat profectus. (2,4) Chersoneso tali modo constituta Lemnum revertitur et ex pacto postulat ut sibi urbem tradant. illi enim dixerant, cum vento borea domo profectus eo pervenisset, sese dedituros: se autem domum Chersonesi habere. (2,5) Cares, qui tum Lemnum incolebant, etsi praeter opinionem res ceciderat, tamen non dicto, sed secunda fortuna adversariorum capti resistere ausi non sunt atque ex insula demigrarunt. pari felicitate ceteras insulas, quae Cyclades nominantur, sub Atheniensium redegit potestatem.
(2,1) Hier bemächtigte er sich nach der Zerstreuung der Barbarenhaufen in kurzem des ganzen Landstriches, den er gewünscht hatte, legte an geeigneten Plätzen Befestigungen an, verteilte die Menge, die er mit sich gebracht hatte, auf den Ländereien und bereicherte sie durch häufige Streifzüge. (2,2) Dabei half ihm nicht minder seine Klugheit als sein Glück. Denn als er durch seine tapferen Krieger die feindlichen Heerhaufen vernichtet hatte, ordnete er die Angelegenheiten mit der größten Unparteilichkeit und beschloss, selbst dort zu bleiben. (2,3) Denn er genoss unter ihnen das Ansehen eines Königs, wenn er auch den Namen nicht führte, und hatte dies ebenso sehr durch seine Gerechtigkeit wie durch seine Eigenschaft als Befehlshaber erreicht. Auch erfüllte er nichts desto weniger seine Pflichten gegenüber Athen, von wo er ausgezogen war; und so kam es, dass er nicht minder mit der Einwilligung derer, die ihn ausgeschickt hatten, als derer, mit denen er ausgezogen war, fortwährend den Oberbefehl behielt. (2,4) Nachdem die Niederlassung auf der Chersones in solcher Weise begründet war, wandte er sich wieder nach Lemnos und forderte der gestellten Bedingung gemäß, ihm die Stadt zu übergeben; denn sie hatten gesagt, wenn er mit Nordwind von Haus aus zu Schiff zu ihnen gelange, wollten sie sich ergeben; er sei aber auf der Chersones zu Hause. (2,5) Die Karer, die damals Lemnos bewohnten, wagten, obwohl dieser Ausgang der Sache gegen ihre Erwartung war, dennoch keinen Widerstand, weil sie sowohl durch ihr Wort als auch durch die günstige Lage ihres Gegners in die Enge getrieben waren, und wanderten von der Insel aus. Mit gleichem Glück brachte er auch die übrigen Inseln, die den Namen Kykladen führten, unter die Botmäßigkeit der Athener.
III. A Dario Persa in bello contra Scythos suscepto custos pontis Istrici relictus consilium init Graeciae a Persarum dominatione liberandae, sed impeditur ab Histiaeo.
(3,1) Eisdem temporibus Persarum rex Darius ex Asia in Europam exercitu traiecto Scythis bellum inferre decrevit. pontem fecit in Histro flumine, qua copias traduceret. eius pontis, dum ipse abesset, custodes reliquit principes, quos secum ex Ionia et Aeolide duxerat, quibus singulis ipsarum urbium perpetua dederat imperia. (3,2) sic enim facillime putavit se Graeca lingua loquentes, qui Asiam incolerent, sub sua retenturum potestate, si amicis suis oppida tuenda tradidisset, quibus se oppresso nulla spes salutis relinqueretur. in hoc fuit tum numero Miltiades cui illa custodia crederetur. (3,3) hic cum crebri afferrent nuntii male rem gerere Darium premique a Scythis, Miltiades hortatus est pontis custodes, ne a fortuna datam occasionem liberandae Graeciae dimitterent. (3,4) nam si cum iis copiis, quas secum transportarat, interiisset Darius, non solum Europam fore tutam, sed etiam eos, qui Asiam incolerent Graeci genere, liberos a Persarum futuros dominatione et periculo: id facile effici posse. ponte enim rescisso regem vel hostium ferro vel inopia paucis diebus interiturum. (3,5) ad hoc consilium cum plerique accederent, Histiaeus Milesius, ne res conficeretur, obstitit, dicens non idem ipsis, qui summas imperii tenerent, expedire et multitudini, quod Darii regno ipsorum niteretur dominatio: quo exstincto ipsos potestate expulsos civibus suis poenas daturos. itaque adeo se abhorrere a ceterorum consilio, ut nihil putet ipsis utilius quam confirmari regnum Persarum. (3,6) huius cum sententiam plurimi essent secuti, Miltiades non dubitans tam multis consciis ad regis aures consilia sua perventura, Chersonesum reliquit ac rursus Athenas demigravit. cuius ratio etsi non valuit, tamen magnopere est laudanda, cum amicior omnium libertati quam suae fuerit dominationi.
(3,1) Zur selben Zeit beschloss der Perserkönig Dareios, mit einem Heer, das er aus Asien nach Europa übergesetzt hatte, Krieg gegen die Skythen zu beginnen (514). Er schlug eine Brücke über den Ister-Strom, um dort seine Scharen hinüberzuführen. Als Wächter dieser Brücke ließ er für die Zeit seiner Abwesenheit die Fürsten zurück, die er aus Ionien und der Aiolis mit sich geführt, und von denen er jedem den dauernden Oberbefehl über eine der dortigen Städte übertragen hatte. (3,2) So nämlich gedachte er am leichtesten die in Asien wohnenden Griechen unter seiner Botmäßigkeit zu halten, wenn er die Bewahrung der Städte seinen Anhängern anvertraute, denen im Fall seines Untergangs keine Hoffnung auf Rettung bliebe. Unter dieser Anzahl von Männern, denen jene Brückenwacht anvertraut werden durfte, befand sich damals auch Miltiades. (3,3) Als hier nun wiederholt Boten meldeten, mit Dareios' Sache stehe es schlimm und er werde von den Skythen bedrängt, ermahnte Miltiades die Wächter der Brücke, die vom Glück gebotene Gelegenheit zur Befreiung Griechenlands nicht aus der Hand zu lassen: (3,4) Würde nämlich Dareios samt jenen Scharen, die er mit sich hinübergeschafft hatte, zu Grunde gehen, so werde nicht allein Europa gesichert sein, sondern auch die in Asien wohnenden griechischen Stammesgenossen frei werden von der Herrschaft der Perser und der von ihnen ausgehenden Gefahr; und dies sei leicht zu bewirken. Denn bräche man die Brücke ab, so werde der König innerhalb weniger Tage entweder durch das Schwert der Feinde oder aus Mangel umkommen. (3,5) Da die Mehrzahl diesem Rat beistimmte, trat der Milesier Histiaios seiner Ausführung entgegen und sprach: Nicht ein und dasselbe sei für sie, die die oberste Gewalt in den Händen hätten, und für die Menge vorteilhaft, da sich ja ihre eigene Macht auf die Herrschaft des Dareios stütze. Käme jener um, so würden sie selbst aus ihrer Machtstellung vertrieben und von ihren Mitbürgern bestraft werden. Daher stimme er so wenig mit der Absicht der übrigen überein, dass er vielmehr nichts als vorteilhafter für sie erachte als die Befestigung der persischen Herrschaft. (3,6) Da nun die meisten seiner Ansicht beipflichteten, verließ Miltiades in der sicheren Voraussicht, dass seine Ratschläge bei so vielen Mitwissern dem König zu Ohren kämen, die Chersones und siedelte wieder nach Athen über. Obwohl also sein Rat nicht durchging, ist er doch höchst lobenswert, da er dabei mehr auf die Freiheit aller als auf seine eigene Herrschaft bedacht war.
IV. Dario Graecos bello persequente persuadet Atheniensibus, ut oviam eant barbaris.
(4,1) Darius autem, cum ex Europa in Asiam redisset, hortantibus amicis, ut Graeciam redigeret in suam potestatem, classem quingentarum navium comparavit eique Datim praefecit et Artaphernem hisque ducenta peditum, decem milia equitum dedit, causam interserens se hostem esse Atheniensibus, quod eorum auxilio Iones Sardis expugnassent suaque praesidia interfecissent. (4,2) illi praefecti regii classe ad Euboeam appulsa celeriter Eretriam ceperunt omnesque eius gentis cives abreptos in Asiam ad regem miserunt. inde ad Atticam accesserunt ac suas copias in campum Marathona deduxerunt. is est ab oppido circiter milia passuum decem. (4,3) hoc tumultu Athenienses tam propinquo tamque magno permoti auxilium nusquam nisi a Lacedaemoniis petiverunt Phidippumque cursorem eius generis, qui hemerodromoe vocantur, Lacedaemonem miserunt, ut nuntiaret, quam celeri opus esset auxilio. (4,4) domi autem creant decem praetores, qui exercitui praeessent, in eis Miltiadem. inter quos magna fuit contentio, utrum moenibus se defenderent an obviam irent hostibus acieque decernerent. (4,5) unus Miltiades maxime nitebatur, ut primo quoque tempore castra fierent: id si factum esset, et civibus animum accessurum, cum viderent de eorum virtute non desperari, et hostes eadem re fore tardiores, si animadverterent auderi adversus se tam exiguis copiis dimicari.
(4,1) Als Dareios aber aus Europa nach Asien zurückgekehrt war, rüstete er auf die Mahnung seiner Freunde, dass er doch Griechenland unter seine Botmäßigkeit bringen solle, eine Flotte von 500 Schiffen aus, stellte sie unter den Befehl des Datis und Artaphernes und gab diesem 200 Tausend Fußsoldaten und 10 Tausend Reiter. Als Ursache schützte er vor, er sei der Feind der Athener, weil die Ionier mit ihrer Unterstützung Sardeis erobert und seine Besatzung getötet hätten (500; 499). (4,2) Die königlichen Feldherrn landeten auf Euboia (490), bemächtigten sich schnell Eretrias und schleppten alle Bürger dieser Volkschaft fort und sandten sie nach Asien an den König. Von dort gingen sie nach Attika und führten ihr Heer auf die marathonische Ebene, die von der Stadt ungefähr 10 Tausend Doppelschritte entfernt liegt. (4,3) Im Schrecken über diesen ihnen so nahe gerückten und so gewaltigen Krieg suchten die Athener nur bei den Lakedaimoniern Hilfe und sandten den Pheidippos, einen Eilboten von der Art, die man Hemerodromoi nennt, nach Lakedaimon, um zu melden, wie schleunige Hilfe sie benötigten. (4,4) Zu Hause aber ernannten sie zehn Feldherrn, um ihr Heer zu befehligen, darunter Miltiades. Unter diesen gab es große Uneinigkeit, ob man die Abwehr hinter den Mauern versuchen oder dem Feind entgegenrücken und die Entscheidung in einer Schlacht suchen sollte. (4,5) Vor allen drang der eine, Miltiades, darauf, dass man so bald als möglich ein Lager aufschlage: geschehe dies, so werde einesteils den Bürgern der Mut wachsen, da sie sähen, dass man an ihrer Tapferkeit nicht verzweifle, andernteils werde eben dadurch der Mut der Feinde gedämpft werden, wenn sie bemerkten, dass man es wage, mit so geringer Macht gegen sie zu kämpfen.
V. Persas ante Lacedaemoniorum adventum apud Marathona vicit.
(5,1) Hoc in tempore nulla civitas Atheniensibus auxilio fuit praeter Plataeenses. ea mille misit militum. itaque horum adventu decem milia armatorum completa sunt, quae manus mirabili flagrabat pugnandi cupiditate. (5,2) quo factum est, ut plus quam collegae Miltiades valeret. eius ergo auctoritate impulsi Athenienses copias ex urbe eduxerunt locoque idoneo castra fecerunt. (5,3) deinde postero die sub montis radicibus acie regione instructa non apertissuma proelium commiserunt (namque arbores multis locis erant rarae) hoc consilio, ut et montium altitudine tegerentur et arborum tractu equitatus hostium impediretur ne multitudine clauderentur. (5,4) Datis etsi non aequum locum videbat suis, tamen fretus numero copiarum suarum confligere cupiebat, eoque magis, quod, priusquam Lacedaemonii subsidio venirent, dimicare utile arbitrabatur. itaque in aciem peditum centum, equitum decem milia produxit proeliumque commisit. (5,5) in quo tanto plus virtute valuerunt Athenienses, ut decemplicem numerum hostium profligarint adeoque perterruerint, ut Persae non castra, sed naves petierint. qua pugna nihil adhuc exstitit nobilius: nulla enim umquam tam exigua manus tantas opes prostravit.
(5,1) In dieser Not leistete kein Staat den Athenern Hilfe, ausgenommen die Plataier. Die schickten ihnen 1000 Kriegsleute, und so wurde durch deren Ankunft die Zahl der Bewaffneten auf 10 Tausend gebracht; doch brannte dieses Häuflein von wunderbarer Kampfbegierde. (5,2) So kam es auch, dass der Einfluss des Miltiades den seiner Kollegen überwog. Auf seinen Rat also führten die Athener ihre Mannschaft aus der Stadt und schlugen an passendem Platz ein Lager auf. (5,3) Darauf begannen sie am folgenden Tag am Fuß des Gebirges die Schlacht, nachdem sie ihre Stellung in einem nicht allzu offenen Terrain genommen hatten (es standen nämlich an vielen Stellen einzelne Bäume). Dabei verfolgten sie die Absicht, teils durch die Höhe des Gebirges gedeckt zu werden, teils durch die Baumreihen der feindlichen Reiterei ein Hindernis zu schaffen, damit sie nicht von der Überzahl umzingelt würden. (5,4) Obwohl Datis den Platz für die Seinen nicht günstig sah, wünschte er dennoch im Vertrauen auf die Zahl seiner Truppen sich zu schlagen, um so mehr, weil er es für ratsam hielt zu kämpfen, bevor die Lakedaimonier zu Hilfe kamen. Daher führte er 100 Tausend Mann zu Fuß und 10 Tausend Reiter ins Treffen und begann die Schlacht. (5,5) In dieser aber zeigte sich die Tapferkeit der Athener so entschieden überlegen, dass sie die zehnfache Anzahl der Feinde in die Flucht schlugen und ihnen solchen Schrecken einjagten, dass die Perser nicht nach ihrem Lager, sondern auf die Schiffe eilten. Bis heute noch gibt es nichts Ruhmvolleres als diesen Kampf; denn nie hat in einem anderen eine so kleine Schar eine so gewaltige Kriegsmacht niedergeworfen. (12.Sept.490).
Marathon LageplanPugna Marathonia
VI. Praemium victoriae
(6,1) Cuius victoriae non alienum videtur quale praemium Miltiadi sit tributum docere, quo facilius intellegi possit eandem omnium civitatum esse naturam.(6,2) ut enim populi Romani honores quondam fuerunt rari et tenues ob eamque causam gloriosi, nunc autem effusi atque obsoleti, sic olim apud Athenienses fuisse reperimus. (6,3) namque huic Miltiadi, qui Athenas totamque Graeciam liberarat, talis honos tributus est, in porticu, quae Poecile vocatur, cum pugna depingeretur Marathonia, ut in decem praetorum numero prima eius imago poneretur isque hortaretur milites proeliumque committeret. (6,4) idem ille populus, posteaquam maius imperium est nactus et largitione magistratuum corruptus est, trecentas statuas Demetrio Phalereo decrevit.
(6,1) Es scheint mir angebracht zu bemerken, was für eine Belohnung Miltiades für diesen Sieg zu Teil wurde, damit man um so leichter einzusehen lerne, wie der natürliche Entwicklungsgang aller Staaten der gleiche ist. (6,2) Wie nämlich die Ehrenbezeugungen des römischen Volkes ehedem selten und geringfügig waren, aber eben deshalb ruhmvoll, jetzt dagegen verschwenderisch und wertlos, so, finden wir, war es auch einst bei den Athenern. (6,3) Denn unserem Miltiades wurde für die Befreiung Athens und des ganzen Griechenlandes eine derartige Ehre zu Teil, dass er in der "Poikile" genannten Säulenhalle die Schlacht von Marathon durch ein Gemälde darstellen ließ, sein Bild unter den zehn Feldherrn die erste Stelle erhielt und dass er die Krieger anfeuerte und den Kampf begann. (6,4) Eben das selbe Volk hat, als es zu größerer Macht gelangt und durch die von den Behörden verteilten Spenden verdorben war, beschlossen, dem Demetrios von Phaleron 300 Bildsäulen zu errichten (317-307).
VII. Ad Cyclades subigendas cum classe evectus re infecta redit.
(7,1) Post hoc proelium classem septuaginta navium Athenienses eidem Miltiadi dederunt, ut insulas, quae barbaros adiuverant, bello persequeretur. quo in imperio plerasque ad officium redire coegit, nonnullas vi expugnavit. (7,2) ex his Parum insulam opibus elatam cum oratione reconciliare non posset, copias e navibus eduxit, urbem operibus clausit omnique commeatu privavit, dein vineis ac testudinibus constitutis propius muros accessit. (7,3) cum iam in eo esset, ut oppido potiretur, procul in continenti lucus, qui ex insula conspiciebatur, nescio quo casu nocturno tempore incensus est. cuius flamma ut ab oppidanis et oppugnatoribus est visa, utrisque venit in opinionem signum a classiariis regiis datum. (7,4) quo factum est, ut et Parii a deditione deterrerentur et Miltiades, timens ne classis regia adventaret, incensis operibus, quae statuerat, cum totidem navibus atque erat profectus Athenas magna cum offensione civium suorum rediret. (7,5) accusatus ergo est proditionis, quod, cum Parum expugnare posset, a rege corruptus infectis rebus discessisset. eo tempore aeger erat vulneribus, quae in oppugnando oppido acceperat. itaque cum ipse pro se dicere non posset, verba fecit frater eius Stesagoras. (7,6) causa cognita capitis absolutus pecunia multatus est, eaque lis quinquaginta talentis aestimata est, quantus in classem sumptus factus erat. hanc pecuniam quod solvere in praesentia non poterat, in vincla publica coniectus est ibique diem obiit supremum.
(7,1) Nach jener Schlacht gaben die Athener Miltiades wieder eine Flotte von 70 Schiffen, um die Inseln, die die Barbaren unterstützt hatten, zu bekriegen. Mit diesem Oberbefehl ausgestattet nötigte er die meisten, zum Gehorsam zurückzukehren, einige eroberte er auch mit Gewalt. (7,2) Als er unter anderen die auf ihren Reichtum stolze Insel Paros nicht auf dem Weg der Verhandlung wiedergewinnen konnte, ließ er seine Mannschaft an Land gehen, schloss die Stadt mit Verschanzungen ein und schnitt ihr alle Zufuhr ab. Nachdem er dann verschiedene Arten Schutzdächer gebaut hatte, rückte er näher an die Mauern heran (489). (7,3) Als er nun bereits so weit war, dass er sich der Stadt bemächtigen konnte, geriet fern auf dem Festland, ich weiß nicht durch welchen Zufall, zur Nachtzeit ein Hain in Brand, den man von der Insel aus sehen konnte. Sobald dieses Feuer von den Bewohnern der Stadt und den Belagerern bemerkt wurde, kam beiden der Gedanke, es könnte ein von der persischen Flotte gegebenes Signal sein. (7,4) Und so kam es, dass einerseits die Parier abgehalten wurden, sich zu ergeben, andererseits Miltiades aus Besorgnis, die persische Flotte könne herankommen, die errichteten Belagerungswerke anzündete und mit der selben Anzahl Schiffe, womit er ausgesegelt war, nach Athen zurückkehrte, zum großen Verdruss seiner Mitbürger. (7,5) Man klagte ihn daher des Verrates an, dass er, als er Paros erobern konnte, vom Perserkönig bestochen, unverrichteter Dinge abgezogen sei. Er lag damals an einer Verwundung danieder, die er bei der Belagerung der Stadt erhalten hatte; deshalb sprach sein Bruder Stesagoras vor Gericht für ihn, da er selbst nicht im Stande war sich zu verteidigen. (7,6) Nachdem die Sache untersucht war, wurde er zwar nicht zum Tod, jedoch zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Buße wurde ihm zu 50 Talenten berechnet: so viel hatte nämlich der Aufwand für jene Flotte betragen. Weil er dieses Geld für den Augenblick nicht bezahlen konnte, warf man ihn ins Staatsgefängnis. Dort starb er. (489).
VIII. Vera damnationis causa.
(8,1) Hic etsi crimine Pario est accusatus, tamen alia causa fuit damnationis. namque Athenienses propter Pisistrati tyrannidem, quae paucis annis ante fuerat, omnium civium suorum potentiam extimescebant. (8,2) Miltiades, multum in imperiis magistratibusque versatus, non videbatur posse esse privatus, praesertim cum consuetudine ad imperii cupiditatem trahi videretur. (8,3) nam Chersonesi omnes illos quos habitarat annos perpetuam obtinuerat dominationem tyrannusque fuerat appellatus, sed iustus. non erat enim vi consecutus, sed suorum voluntate, eamque potestatem bonitate retinebat. omnes autem et dicuntur et habentur tyranni, qui potestate sunt perpetua in ea civitate, quae libertate usa est. (8,4) sed in Miltiade erat cum summa humanitas tum mira communitas, ut nemo tam humilis esset, cui non ad eum aditus pateret; magna auctoritas apud omnes civitates, nobile nomen, laus rei militaris maxima. haec populus respiciens maluit illum innoxium plecti quam se diutius esse in timore.
(8,1) Obwohl es der Vorwurf wegen Paros war, dessentwegen er angeklagt wurde, war der Grund seiner Verurteilung dennoch ein anderer. Die Athener hegten nämlich infolge der Tyrannis des Peisistratos, die kurz vorher stattgefunden hatte, große Furcht vor jeglicher Übermacht eines ihrer Mitbürger. (8,2) Von Miltiades nun, der oftmals hohe Befehlshaberposten bekleidet hatte, glaubten sie, es sei unmöglich, als Privatmann zu leben, zumal da es schien, als ob ihn die Gewohnheit des Herrschens verlocken müsse, danach zu streben. (8,3) Denn auf der Chersones hatte jene ganzen Jahre seines dortigen Aufenthaltes die Herrschaft in seinen Händen gelegen und man hatte ihm den Namen eines Tyrannen beigelegt, wiewohl eines gerechten; denn nicht durch Gewalt hatte er es erreicht, sondern mit dem Willen seiner Mitbürger; und er behauptete diese Macht durch die Trefflichkeit seines Charakters. Alle die aber heißen und gelten als Tyrannen, die dauernde Macht in einem Staat besitzen, der vorher frei gewesen ist. (8,4) Miltiades aber war ein Mann von edelster Charakterbildung und einer wunderbaren Leutseligkeit, so dass niemand so gering war, dass ihm nicht der Zugang zu ihm offen gestanden hätte. Er besaß großes Ansehen bei allen Staaten, einen berühmten Namen und den höchsten Ruhm kriegerischer Tüchtigkeit. In Anbetracht dessen wollte ihn das Volk lieber unschuldig strafen als selbst länger in Furcht sein.
  Übersetzung: nach J. Siebelis bearbeitet von E.Gottwein
Sententiae excerptae:
w41
Literatur:
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