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- Gallia est omnis divisa in partes tres,
quarum unam incolunt Belgae,
aliam Aquitani,
tertiam, qui ipsorum linqua Celtae, nostra Galli appellantur.
- Hi omnes lingua, institutis, legibus inter se differunt.
Gallos ab Aquitanis
flumen Garunna,
a Belgis Matrona
et Sequana dividit.
- Horum omnium fortissimi sunt Belgae,
propterea quod a cultu atque humanitate porovinciae longissime
absunt, minimeque ad eos mercatores saepe commeant atque
ea, quae ad effeminandos animos pertinent, important proximique
sunt Germanis,
qui trans Rhenum incolunt, quibuscum continenter bellum
gerunt.
- Qua de causa Helvetii
quoque reliquos Gallos virtute praecedunt, quod fere cotidianis
proeliis cum Germanis
contendunt, cum aut suis finibus eos prohibent, aut ipsi in
eorum finibus bellum gerunt.
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- Der Blick Caesars richtet sich von vornherein
auf Gesamtgallien, nicht etwa nur auf die ihm zugewiesene provincia
Romana. Der geographische Exkurs beschreibt in Wahrheit
das Feld, auf dem er militärisch tätig wird, die kulturgeschichtliche
Perspektive, unter der er das kriegerische und barbarische Wesen
der Bevölkerung sieht, beinhaltet in Wahrheit bereits die
Legitimation zu ihrer Unterwerfung: "Caesar führt
den Krieg in Gallien, weil er nicht daran dachte, ihn nicht
zu führen" [Wi66]. Nach diesem Einstieg wird der Leser
über den Helvetiern
die Belger und das
übrige Gallien nicht mehr aus dem Blick verlieren.
- Caesar stellt die Art, wie er Land und Leute
beschreibt, ganz in den Dienst seiner res gestae, d.h.
aber, dass er mehr verschweigt als ausführt. Dies zeigt
der Vergleich mit einer entsprechenden Darstellung eines kontemporären
Historikers, dem es eher auf umfassende Sachlichkeit ankommt:
[Wi66f] Mit der Einrichtung der Provinz Narbonensis hatte
sich der Handel zwischen Gallien und Italien intensiviert. Das
sog. freie Gallien besaß ein ausgebautes Verkehrsnetz.
Auf Flüssen und auf dem Landweg mit Pferdetransporten konnten
Güter von der Kanalküste in 30 Tagen bis zum Mittelmeer
transportiert werden. Brücken, so bei Orléans über
die Loire oder bei Amiens über die Somme, überspannten
viele Flüsse. Im Abstand von ca 30-50 km befanden sich
Raststätten und Umspannorte. An den schiffbaren Flussläufen
existierte ein Netz von Verladeanlagen und Stapelplätzen.
In unmittelbarer Nähe waren bevölkerungsreiche Oppida
entstanden. Von Britannien
führte ein Handelsweg über die Saône und Rhône
nach Narbo und Massilia bzw. durch die Schweiz nach Norditalien.
[...] Der wirtschaftlichen Geschlossenheit des gallischen
Raumes entsprach keine ethnische Einheit. Die Kelten,
ein Synonym für Gallier oder Galater, welche im Gebiet
zwischen Alpen, Rhein,
Mittelmeer, Pyrenäen und Atlantik siedelten, bildeten ein
Völkergemisch. Noch in der Mitte des 1. Jhs. waren einzelne
civitates wie die Boier
oder Helvetier
nicht sesshaft geworden. Ethnische Unterschiede bestimmten oft
auch die soziale Struktur, in vielen Stämmen stand eine
kleine Oberschicht aus keltischen
Einwanderern der Mehrheit der unterworfenen autochthonen Bevölkerung
gegenüber. In den verschiedenen Regionen Galliens wurden
verschiedene Dialekte gesprochen, wirkten germanische, ligurische
oder iberische Einflüsse. Doch existierte daneben als verbindendes
Element eine keltische
Hochsprache, die in allen Stämmen verstanden wurde. Die
ethnographische Dreiteilung Galliens in Aquitania im Südwesten,
Belgica in Nordosten
und die Gallia Celtica in Ost- und Zentralgallien geht vermutlich
auf den griechischen Philosophen Poseidonios zurück. Das
ehemals gallische
Oberitalien wie das mediterrane Gallien, welches seit dem Sieg
des Cn. Domitius Ahenobarbus über Allobroger
und Arverner im Jahre 121 mit dem Mittelpunkt Tolosa
(Toulouse) als Gallia provincia (Narbonensis, ulterior, Transalpina)
organisiert worden war, galten im Verständnis der Eroberer
bereits als römisches Land.
- Das Motiv der Zivilisationsferne hat eine
doppelter Stoßrichtung: einmal kennzeichnet es das unzivilisierte,
barbarische Volk als mögliches militärisches Ziel
römischer Politik: es wäre ihm damit gedient, in den
Bereich der römischen Kultur einbezogen zu werden (Romanisierung);
zum anderen verweist es auf die Gefahr der eigene Dekadenz durch
Wohlstand.
- Die bellicositas der Helvetier
erscheint hier noch (gleichsam als kulturgeschichtliche Anmerkung)
unverfänglich in positivem Licht, dient aber Caesar zunehmend
zur negativen Charakterisierung der Helvetier
und schließlich als legitimer Grund, militärisch
gegen sie vorzugehen: ihre Umsiedlung in das Gebiet der Santonen
wäre gefährlich für die Provinz.
- Die Rheingrenze
erscheint hier sehr durchlässig ("tägliche Kämpfe").
Dies steht im Widerspruch zu der von den Helvetiern
behaupteten Enge und diskreditiert also ihr zentrales Auswanderungsmotiv
(EG).
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