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| XXXIX |
Zur selben Zeit versuchte in
Rom
Lentulus, wie ihn Catilina
angewiesen hatte, persönlich oder mit fremder Hilfe, wen immer er wegen
seines Charakters oder seiner äußeren Lage für tauglich
zur Revolution hielt, zu gewinnen, nicht allein Bürger, sondern Leute
jeglichen Schlages, wenn sie nur für den Krieg brauchbar wären.
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(39,6) Isdem temporibus
Romae Lentulus, sicuti Catilina praeceperat, quoscumque moribus aut fortuna
novis rebus idoneos credebat, aut per se aut per alios sollicitabat, neque
solum civis, sed quoiusque modi genus hominum, quod modo bello usui foret.
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| XL |
So beauftragte er denn einem gewissen
Umbrenus, in Rom anwesende
Gesandte der Allobroger
aufzusuchen und sie, wo möglich, für die Teilnahme ihrer Landsleute
am Krieg zu gewinnen; er war überzeugt, man könne sie leicht für
ein solches Unternehmen gewinnen, weil sie drückende Privat- und Staatsschulden
hätten und außerdem der gallische
Volksstamm von Natur aus kriegslustig sei.
Umbrenus war, weil er in Gallien Geschäfte getätigt hatte,
mit den meisten Stammeshäuptlingen gegenseitig bekannt. Sobald
er also die Gesandten auf dem Forum erblickt hatte, stellte er sofort einige
Fragen über die Lage ihres Staates und erhob dann, als ob er an seinem
Niedergang Anteil nehme, die Frage, ob sie denn einen Ausweg aus der großen
Not in Aussicht hätten. Als er sieht, dass sie sich über die Habsucht
der Beamten beschweren, den Senat anklagen, weil bei ihm keine Hilfe sei,
und den Tod als einziges Heilmittel für ihr Leiden erwarten, sagte
er: "Wollt ihr euch als Männer beweisen, so will ich euch einen
Weg zeigen, auf dem ihr euerem so großen Unglück entfliehen könnt."
Diese Worte weckten bei den
Allobrogern höchste Erwartungen; sie baten ihn, er möge sich
ihrer erbarmen; nichts sei so gefahrvoll, nichts so schwierig, dass sie
es nicht auf das freudigste tun würden, wenn es nur ihr Volk von der
Schuldenlast befreie. Jener führte sie in das Haus des Decimus
Brutus, weil es nahe beim Forum lag und wegen der Sempronia
an der Verschwörung nicht unbeteiligt war;
Brutus war nämlich damals von Rom abwesend. Außerdem zieht
er den Gabinius
hinzu, um seinen Worten ein nachdrücklicheres Gewicht zu verleihen.
In seiner Gegenwart gibt er ihnen über die Verschwörung Aufschluss,
nennt die Teilnehmer, außerdem wahllos viele ganz Unbeteiligte aus
allen Städten, um das Vertrauen der Gesandten zu steigern. Dann entlässt
er sie, nachdem sie ihre Mitwirkung versprochen hatten, nach Hause.
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(40,1) igitur P.
Umbreno quoidam negotium dat, uti legatos Allobrogum requirat eosque, si
possit, inpellat ad societatem belli, existumans publice privatimque aere
alieno oppressos, praeterea quod natura gens Gallica bellicosa esset, facile
eos ad tale consilium adduci posse. (40,2) Umbrenus,
quod in Gallia negotiatus erat, plerisque principibus civitatium notus
erat atque eos noverat. itaque sine mora, ubi primum legatos in foro conspexit,
percontatus pauca de statu civitatis et quasi dolens eius casum requirere
coepit, quem exitum tantis malis sperarent. (40,3)
postquam illos videt queri de avaritia magistratuum, accusare senatum, quod
in eo auxili nihil esset, miseriis suis remedium mortem expectare, 'at ego',
inquit, 'vobis, si modo viri esse voltis, rationem ostendam, qua tanta ista
mala effugiatis'. (40,4) haec ubi dixit, Allobroges
in maxumam spem adducti Umbrenum orare, ut sui misereretur: nihil tam asperum
neque tam difficile esse, quod non cupidissume facturi essent, dum ea res
civitatem aere alieno liberaret. (40,5) ille
eos in domum D. Bruti perducit, quod foro propinqua erat neque aliena consili
propter Semproniam; nam tum Brutus ab Roma aberat. (40,6)
praeterea Gabinium arcessit, quo maior auctoritas sermoni inesset. eo praesente
coniurationem aperit, nominat socios, praeterea multos quoiusque generis
innoxios, quo legatis animus amplior esset. deinde eos pollicitos operam
suam domum dimittit. |
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| XLI |
Die Allobroger
aber waren lange im Zweifel, welchen Entschluss sie fassen sollten. Auf
der einen Seite waren ihre Schulden, die Lust zum Krieg, großer Gewinn
im Falle des Sieges, auf der anderen dagegen größere Zahlungsmittel,
Handeln ohne Risiko, statt ungewisser Aussicht gewisse Belohnungen. nach
längerem Schwanken gab das Glück unseres Staates den Ausschlag.
Und so eröffneten sie Quintus
Fabius Sanga, dessen sich ihr Volk meistens als Schutzherrn bediente,
alles, wie sie es erfahren hatten. Nachdem
Cicero durch Sanga
von dem Plan erfahren hatte, wies er die Gesandten an, sie sollten lebhaftes
Interesse für die Verschwörung spielen, die übrigen Verschwörer
aufsuchen, großzügig Zusicherungen machen, und sich darum bemühen,
möglichst viele Beweismittel gegen sie zu haben. |
(41,1) sed Allobroges
diu in incerto habuere, quidnam consili caperent. (41,2)
in altera parte erat aes alienum, studium belli, magna merces in spe victoriae;
at in altera maiores opes, tuta consilia, pro incerta spe certa praemia.
(41,3) haec illis volventibus tandem vicit fortuna
rei publicae. (41,4) itaque Q. Fabio Sangae,
quoius patrocinio civitas plurumum utebatur, rem omnem, uti cognoverant,
aperiunt. (41,5) Cicero per Sangam consilio
cognito legatis praecipit, ut studium coniurationis vehementer simulent,
ceteros adeant, bene polliceantur dentque operam, uti eos quam maxume manufestos
habeant. |
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| XLII |
Fast zur selben Zeit gab es im diesseitigen
und im jenseitigen Gallien, ferner
im Pikenischen, in Bruttium
und in Apulien Unruhen. Denn
diejenigen, die Catilina früher
ausgesendet hatte, wollten unüberlegt und gerade wie von Sinnen alles
auf einmal ausrichten; aber durch nächtliche Zusammenkünfte, durch
das Tragen von Verteidigungs- und Angriffswaffen, dadurch, dass sie hin
und herhasteten und alles auf einmal machten, hatten sie mehr Furcht als
Gefahr hervorgerufen. Mehrere von ihnen hatte der Praetor
Quintus Metellus Celer aufgrund des Senatsbeschlusses nach gerichtlicher
Untersuchung ins Gefängnis geworfen. Ebenso verfuhr im diesseitigen
Gallien Gaius
Murena, der diese Provinz als Legat verwaltete. |
(42,1) Isdem fere
temporibus in Gallia citeriore atque ulteriore, item in agro Piceno Bruttio
Apulia motus erat. (42,2) namque illi, quos
ante Catilina dimiserat, inconsulte ac veluti per dementiam cuncta simul
agebant. nocturnis consiliis, armorum atque telorum portationibus, festinando
agitando omnia plus timoris quam periculi effecerant. (42,3)
ex eo numero compluris Q. Metellus Celer praetor ex senatus consulto causa
cognita in vincula coniecerat,
item in citeriore Gallia C. Murena, qui ei provinciae legatus praeerat.
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| XLIII |
In Rom dagegen hatten
Lentulus und die übrigen, die an der Spitze der Verschwörung
standen, nachdem sie ihrer Ansicht nach bedeutende Hilfsmittel beschafft
hatten, vereinbart, der Volkstribun Lucius
Bestia solle, sobald Catilina
mit seinem Heer in das Gebiet von Faesulae
gekommen sei, eine Volksversammlung abhalten und in ihr über Ciceros
Amtsführung Beschwerde führen und alle Verbitterung über
den so ernsten Krieg auf den ganz untadeligen Konsul lenken. Dies solle
für die übrige Meute der Verschwörer das Zeichen sein, dass
jeder in der folgenden Nacht das ihm zugeteilte Geschäft zu erledigen
habe. Die Geschäfte aber waren, wie man erzählte, folgendermaßen
verteilt: Statilius
und Gabinius
sollten mit starker Mannschaft gleichzeitig zwölf geeignete Punkte
der Stadt in Brand stecken, damit man infolge des Durcheinanders um so leichter
an den Konsul und die übrigen, auf die man es abgesehen hatte, herankomme.
Cethegus
sollte Ciceros Tür
überwachen und Hand an ihn legen; ebenso andere an andere. Die noch
im Elternhaus lebenden Söhne, die größtenteils dem Adel
entstammten, sollten ihre Eltern umbringen. Wenn dann durch das Morden und
Brennen allgemeine Bestürzung herrsche, sollten sie zu Catilina
durchbrechen. Während dieser Vorbereitungen und Vereinbarungen beschwerte
sich Cethegus
immerfort über die Laschheit seiner Mitverschworenen: durch ihr Zögern
und das dauernde Vertagen ließen sie die besten Gelegenheiten aus.
Tat, nicht Rat brauche es in so gefährlicher Lage; er wolle, wenn ihn
nur wenige unterstützten, auch wenn andere ihre Hände in den Schoß
legten, einen Angriff auf die Kurie unternehmen. Von Natur aus war er leidenschaftlich,
stürmisch, rasch zur Hand; in der Schnelligkeit sah er den größten
Vorteil. |
(43,1) At Romae
Lentulus cum ceteris, qui principes coniurationis erant, paratis, ut videbatur,
magnis copiis constituerant, uti, quom Catilina in agrum Faesulanum cum
exercitu venisset, L. Bestia tribunus plebis contione
habita quereretur de actionibus Ciceronis bellique gravissumi invidiam optumo
consuli inponeret: eo signo proxuma nocte cetera multitudo coniurationis
suom quodque negotium exequeretur. (43,2) sed
ea divisa hoc modo dicebantur: Statilius et Gabinius ut cum magna manu duodecim
simul opportuna loca urbis incenderent, quo tumultu facilior aditus ad consulem
ceterosque, quibus insidiae parabantur, fieret; Cethegus Ciceronis ianuam
obsideret eumque vi adgrederetur; alius autem alium, sed filii familiarum,
quorum ex nobilitate maxuma pars erat, parentis interficerent; simul caede
et incendio perculsis omnibus ad Catilinam erumperent. (43,3)
inter haec parata atque decreta Cethegus semper querebatur de ignavia sociorum:
illos dubitando et dies prolatando magnas opportunitates conrumpere: facto,
non consulto in tali periculo opus esse, seque, si pauci adiuvarent, languentibus
aliis impetum in curiam facturum. (43,4) natura
ferox, vehemens, manu promptus
erat, maxumum bonum in celeritate putabat. |
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| XLIV |
Die Allobroger
treffen nach Ciceros
Weisung durch die Vermittlung des
Gabinius mit den übrigen zusammen. Sie fordern von
Lentulus,
Cethegus, Statilius
und auch von
Cassius eine eidesstattliche Erklärung, die sie versiegelt ihren
Mitbürgern überbringen könnten. Anders könnten sie diese
nur schwerlich zu einem so bedeutenden Unternehmen bewegen. Die übrigen
stellen das Dokument ohne Argwohn aus,
Cassius aber verspricht, er werde bald persönlich in ihr Land kommen,
und reist kurz vor den Gesandten aus der Hauptstadt ab.
Lentulus schickt mit den Allobrogern
einen gewissen Titus Volturcius
aus Croton, damit sie, bevor sie in ihre Heimat weiterreisten, mit Catilina
ein gegenseitig beschworenes Bündnis eingingen. Für seine Person
übergab er dem Volturcius
ein Schreiben an Catilina,
wovon ich eine Abschrift mitteile: "Wer dir hier schreibt, wirst du
von dem erfahren, den ich zu dir schicke. Erwäge ja, in wie schlimmer
Lage du dich befindest, und vergiss nicht, dass du ein Mann bist! Behalte
im Auge, was deine Stellung erfordert! Suche Hilfe auch bei den Geringsten!"
Dazu lässt er ihn mündlich fragen, was ihm denn einfalle, Sklaven
zurückzuweisen, da ihn der Senat zum Staatsfeind erklärt habe.
In der Hauptstadt sei bereit, was er befohlen habe; er solle nicht zögern,
näher heranzurücken. |
(44,1) Sed Allobroges
ex praecepto Ciceronis per Gabinium ceteros conveniunt. ab Lentulo, Cethego,
Statilio, item Cassio postulant ius iurandum, quod signatum ad civis perferant:
aliter haud facile eos ad tantum negotium inpelli posse. (44,2)
ceteri nihil suspicantes dant, Cassius semet eo brevi venturum pollicetur
ac paulo ante legatos ex urbe proficiscitur. (44,3)
Lentulus cum iis T. Volturcium quendam Crotoniensem mittit, ut Allobroges,
prius quam domum pergerent, cum Catilina data atque accepta fide societatem
confirmarent. (44,4) ipse Volturcio litteras
ad Catilinam dat, quarum exemplum infra scriptum est. (44,5)
'Qui sim, ex eo, quem ad te misi, cognosces. fac cogites, in quanta
calamitate sis, et memineris te virum esse. consideres, quid tuae rationes
postulent. auxilium petas ab omnibus, etiam ab infumis.' (44,6)
Ad hoc mandata verbis dat: quom ab senatu hostis iudicatus sit, quo consilio
servitia repudiet? in urbe parata esse, quae iusserit. ne cunctetur ipse
propius adcedere. |
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| XLV |
Nachdem dies so verabredet und die
Nacht festgesetzt war, in der sie aufbrechen sollten, befahl Cicero,
der durch die Gesandten in allem unterrichtet war, den Praetoren
Lucius Valerius Flaccus und
Gaius Pomptinus, die Allobroger
und ihre Begleitung an der Mulvischen
Brücke abzupassen und festzunehmen. Worauf es bei ihrem Auftrag
ankam, eröffnete er ihnen vollständig, im übrigen überlässt
er es ihnen so zu verfahren, wie es zweckdienlich sei. Sie stellen nun als
gute Kriegsleute ohne allen Lärm Wachposten aus und besetzen, wie es
ihnen befohlen war, unauffällig die Brücke. nachdem denn die Gesandten
in Begleitung des Volturcius
zu diesem Punkt gekommen waren und sich auf beiden Seiten gleichzeitig Kampfgeschrei
erhob, erkannten die Gallier rasch die Absicht und ergaben sich unverzüglich
den Praetoren. Volturcius
forderte anfänglich die übrigen zum Kampf auf und verteidigte
sich mit dem Schwert gegen die Überzahl; sobald er sich dann aber von
den Gesandten verlassen sah, bat er zunächst
Pomptinus, weil er ihm bekannt war, inständig um sein Leben, ergab
sich aber schließlich in Angst und Verzweiflung den Praetoren gerade
wie Feinden. |
(45,1) his rebus
ita actis, constituta nocte, qua proficiscerentur, Cicero per legatos cuncta
edoctus L. Valerio Flacco et C. Pomptino praetoribus imperat, ut in ponte
Mulvio per insidias Allobrogum comitatus deprehendant. rem omnem aperit,
quoius gratia mittebantur; cetera, uti facto opus sit, ita agant permittit.
(45,2) illi, homines militares, sine tumultu
praesidiis conlocatis, sicuti praeceptum erat, occulte pontem obsidunt.
(45,3) postquam ad id loci legati cum Volturcio
venerunt et simul utrimque clamor exortus est, Galli cito cognito consilio
sine mora praetoribus se tradunt, (45,4) Volturcius
primo cohortatus ceteros gladio se a multitudine defendit, deinde, ubi a
legatis desertus est, multa prius de salute sua Pomptinum obtestatus, quod
ei notus erat, postremo timidus ac vitae diffidens velut hostibus sese praetoribus
dedit. |
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