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Die Catilinarische Verschwörung
De Catilinae coniuratione
ΣΑΛΛΟΥΣΤΙΟΥ ΚΑΤΙΛΙÎΑΣ
17-22
Die Vorgeschichte der Verschwörung |
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Die erste Unternehmung Catilinas (17-25)
- Breit dargestellt:
- Sommer 64 Versammlung von Angehörigen der Senatoren,
des Ritterstandes und des Landadels.
- Akt der eigentlichen Verschwörung: Catilina tritt
wie ein Feldherr vor seine Truppe, ruft zur Schlacht
auf und fordert den Eid ab.
- Mit den Begriffen der idealen Väterzeit, mit
den Formen des echten Soldatentums wird das Verbrechen
vollzogen: erprobte Kraft und Treue der Mannschaft.
- Die Niederwerfung der oligarchischen Zwingherrschaft
bahnt den Weg in die Freiheit. Jugend gegen Greisentum,
Armut gegen Luxus: Freiheit, Reichtum, Ruhm winken den
Siegern.
- Catilina bewahrt die Attitüde des Feldherrn,
der sich vor Schlachtbeginn jedes einzelnen Mitkämpfers
durch persönlichen Anruf versichert.
- Die Vereidigung erfolgt unter Anwendung eines religiösen
Weiheaktes (Menschenblut mit Wasser vermischt), der
das Unheimliche des Vorgangs verdeutlicht.
- Dieser Verschwörungsszene stehen einige innere
Widersprüche entgegen:
- Catilina fordert schließlich nur auf, seine
Bewerbung um das Konsulat zu betreiben (eine sehr
bürgerliche Angelegenheit);
- im folgenden Abschnitt, (23-26) der die Ereignisse
vom Juni 63 bis Spätsommer 63 beschreibt, ist
keine Rede von Schlachten oder Siegen, sondern durch
Verrat eines Q.Curius und seiner Geliebten Fulvia
wird einiges bekannt und die verschüchterte
Nobilität duldet für 63 ein Konsulat des
homo novus Cicero.
- Daraufhin setzt Catilina die Anwerbung neuen Anhangs
fort, auch unter Frauen: Sempronia ist in ihrer
Verbindung von Begabung und Liederlichkeit ein echtes
Pendant zu Catilina. Aber auch jetzt kein Losschlagen,
sondern neue Bewerbung um das Konsulat (für
62).
- Erst der zweite Misserfolg bei der Bewerbung lässt
Catilina auf das Ganze gehen (26,5), ein Entschluss,
der bereits für die Verschwörungsszene
in Anspruch genommen wird. Dieser Frühansatz
des Sallust trifft nicht zu. Tatsächlich hat
sich Catilina erst nach dem zweiten Durchfall bei
der Konsulatsbewerbung zum Aufstand entschlossen.
Damit erreicht Sallust eine stärkere Wirkung:
Der Einfluss des Hochverräters hält schon
länger an, und Ciceros Wahl wird verständlicher.
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| Zusammenfassung
zu J.Vogt
(39-71) |
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| XVII |
Um den 1. Juni, in dem Jahr,
in dem Lucius
Caesar und
Gaius Figulus Konsuln waren, wandte er sich also zuerst
an jeden einzelnen; die einen ermutigte er, die anderen suchte er
zu gewinnen. Er legte seine Mittel, die mangelnde Bereitschaft im
Staat und den großen Gewinn einer Verschwörung dar. Sobald
er sich dessen, was er wünschte, hinlänglich gewiss war,
bewegte er alle, in denen er die größte Verzweiflung
und am meisten Waghalsigkeit erblickt hatte, zu einer gemeinsamen
Versammlung. Es erschienen dabei aus dem Senatorenstand Publius
Lentulus Sura, Publius
Autronius, Lucius
Cassius Longinus, Gaius
Cethegus.
Publius und
Servius Sulla, Söhne des Servius Sulla,
Lucius Vargunteius,
Quintus Annius,
Marcus Porcius Laeca, Lucius
Bestia, Quintus
Curius; ferner aus dem Ritterstand Marcus
Fulvius Nobilior, Lucius
Statilius, Publius
Gabinius Capito, Gaius
Cornelius; endlich viele aus Kolonien und Municipien, in ihren
Heimatorten angesehene Leute. Ferner wussten um den vorliegenden
Plan mehr insgeheim viele Adelige, die nur die Aussicht auf Macht,
nicht ein Mangel oder sonst eine größere Verlegenheit
antrieb. Außerdem sympathisierte der größte Teil
der Jugend, besonders der adligen, mit dem Vorhaben des Catilina.
Sie, die mit Pracht oder zumindest bequem im Frieden hätten
leben können, zogen das gewagte Spiel dem sicheren Besitz und
den Krieg dem Frieden vor. Einige glaubten damals auch, Marcus
Licinius Crassus sei in diese Absichten eingeweiht gewesen;
weil der ihm verhasste Gnaeus
Pompeius an der Spitze eines großen Heeres stand, sei
er entschlossen gewesen, jeden Parteigänger als Gegengewicht
gegen jenes Einfluss zu fördern, und habe ganz fest damit gerechnet,
sich an die Spitze der Verschwörer zu stellen, wenn sie erstarkt
wären. |
(17,1)
Igitur circiter Kalendas Iunias L. Caesare et C. Figulo consulibus
primo singulos appellare; hortari alios, alios temptare; opes suas,
inparatam rem publicam, magna praemia coniurationis docere. (17,2)
ubi satis explorata sunt quae voluit, in unum omnis convocat, quibus
maxuma necessitudo et plurumum audaciae inerat. (17,3)
eo convenere senatorii ordinis P. Lentulus Sura, P. Autronius, L.
Cassius Longinus, C. Cethegus. P. et Ser. Sullae Ser. filii, L.
Vargunteius, Q. Annius, M. Porcius Laeca, L. Bestia, Q. Curius;
(17,4) praeterea
ex equestri ordine M. Fulvius Nobilior, L. Statilius, P. Gabinius
Capito, C. Cornelius; ad hoc multi ex coloniis et municipiis domi
nobiles. (17,5) erant
praeterea complures paulo occultius consili huiusce participes nobiles,
quos magis dominationis spes hortabatur quam inopia aut alia necessitudo.
(17,6) ceterum iuventus
pleraque, sed maxume nobilium Catilinae inceptis favebat: quibus
in otio vel magnifice vel molliter vivere copia erat; incerta pro
certis, bellum quam pacem malebant. (17,7)
fuere item ea tempestate, qui crederent M. Licinium Crassum non
ignarum eius consili fuisse: quia Cn. Pompeius, invisus ipsi, magnum
exercitum ductabat, quoiusvis opes voluisse contra illius potentiam
crescere, simul confisum, si coniuratio valuisset, facile apud illos
principem se fore. |
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| XVIII |
Doch schon früher hatten
sich einige, zu denen Catilina
gehörte, zu einer Revolution verschworen. Davon will ich so
wahrheitsgetreu wie möglich berichten. Im Konsulatsjahr
des Lucius
Tullus und Manius
Lepidus waren die designierten Konsuln Publius
Autronius und Publius
Sulla wegen Wahlumtrieben angeklagt und zur gesetzlichen Strafe
verurteilt worden. Gleich darauf sah sich Catilina,
weil man einen Prozess wegen Erpressung gegen ihn anstrengte, daran
gehindert, sich um das Konsulat zu bewerben, weil er sich innerhalb
der gesetzlichen Frist nicht hatte melden können. Zur selben
Zeit lebte in Rom Gnaeus
Piso, ein junger Mann aus dem Adel, höchst verwegen, mittellos,
herrschsüchtig, den seine Armut und seine Liederlichkeit zur
Revolution trieben. Nachdem sie sich mit diesem um den 5. Dezember
über ihre Absichten verständigt hatten, trafen Catilina
und Autronius
Anstalten, am 1. Januar auf dem Kapitol die Konsuln Lucius
Cotta und Lucius
Torquatus zu ermorden, sich selbst das Konsulat anzueignen und
Piso
die Verwaltung der beiden spanischen Provinzen mit einem Heereskommando
zu übertragen. Nachdem dies ruchbar geworden war, verschoben
sie die Ausführung auf den 5. Februar. Jetzt aber planten sie
nicht nur die Ermordung der Konsuln, sondern eines Großteils
der Senatoren. Hätte Catilina
seinen Genossen vor der Kurie nicht zu früh das Zeichen gegeben,
wäre an diesem Tag das ruchloseste Bubenstück seit dem
Bestehen Roms verübt worden. Dass sich die Bewaffneten noch
nicht in hinlänglicher Zahl eingefunden hatten, machte den
Plan zunichte. |
(18,1)
Sed antea item coniuravere pauci contra rem publicam, in quis Catilina
fuit. (18,2) de qua
quam verissume potero dicam. L. Tullo et M'. Lepido consulibus P.
Autronius et P. Sulla designati consules legibus ambitus interrogati
poenas dederant. (18,3)
post paulo Catilina pecuniarum repetundarum reus prohibitus erat
consulatum petere, quod intra legitumos dies profiteri nequiverat.
(18,4) erat eodem
tempore Cn. Piso, adulescens nobilis, summae audaciae, egens,
factiosus, quem ad perturbandam rem publicam inopia atque mali mores
stimulabant. (18,5)
cum hoc Catilina et Autronius circiter Nonas Decembris consilio
communicato parabant in Capitolio Kalendis Ianuariis L. Cottam et
L. Torquatum consules interficere, ipsi fascibus conreptis Pisonem
cum exercitu ad optinendas duas Hispanias mittere. (18,6)
ea re cognita rursus in Nonas Februarias consilium caedis transtulerant.
(18,7) iam tum non
consulibus modo, sed plerisque senatoribus perniciem machinabantur.
(18,8) quod ni Catilina
maturasset pro curia signum sociis dare, eo die post conditam urbem
Romam pessumum facinus patratum foret. quia nondum frequentes armati
convenerant, ea res consilium diremit. |
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| XIX |
Anschließend wurde
Piso
als Quaestor mit prätorischer Amtsgewalt in das diesseitige
Spanien geschickt.
Dafür verwendete sich
Crassus mit Nachdruck, weil er in ihm einen erbitterten Gegner
des Gnaeus
Pompeius gefunden hatte. Doch hatte ihm auch der Senat die Provinz
ganz gern gegeben, weil er den abscheulichen Menschen aus dem Mittelpunkt
der Politik entfernen wollte. Auch sahen manche Mitglieder der Senatspartei
in ihm einen Wahrer ihrer Interessen; denn die Macht des
Pompeius erregte schon damals die größte Besorgnis.
Aber dieser
Piso wurde in der Provinz von spanischen Reitern, die eine Abteilung
seines Heeres bildeten, auf dem Marsch getötet. Manche berichten,
die Einheimischen seien über seine ungerechten, arroganten
und unmenschlichen Forderungen empört gewesen; andere aber,
jene Reiter, langjährige und ergebene Schutzbefohlene des
Pompeius, hätten auf seinen Wink hin Hand an
Piso gelegt; sonst hätten die Spanier nie eine solche Tat
verübt, sondern sich manche arge Herrschaft gefallen lassen.
Wir lassen die Sache unentschieden. Genug jetzt von der früheren
Verschwörung. |
(19,1)
postea Piso in citeriorem Hispaniam quaestor pro praetore missus
est adnitente Crasso, quod eum infestum inimicum Cn. Pompeio cognoverat.
(19,2) neque tamen
senatus provinciam invitus dederat, quippe foedum hominem a re publica
procul esse volebat, simul quia boni complures praesidium in eo
putabant et iam tum potentia Pompei formidulosa erat. (19,3)
sed is Piso in provincia ab equitibus Hispanis, quos in exercitu
ductabat, iter faciens occisus est. (19,4)
sunt, qui ita dicant imperia eius iniusta, superba, crudelia barbaros
nequivisse pati; (19,5)
alii autem, equites illos, Cn. Pompei veteres fidosque clientis,
voluntate eius Pisonem adgressos: numquam Hispanos praeterea tale
facinus fecisse, sed imperia saeva multa antea perpessos. nos eam
rem in medio relinquemus. (19,6) de superiore coniuratione satis
dictum. |
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| XX |
Als Catilina
die eben gerade genannten Personen versammelt sieht, zieht
er sich mit ihnen in einen abgelegenen Teil des Hauses zurück.
Er hatte zwar mit jedem einzelnen schon oft eingehende Unterredungen
geführt, hielt es aber trotzdem für zweckdienlich, an
alle begeisternde Worte zu richten. Hier also hielt er, nachdem
alle Zeugen weit entfernt waren, eine Rede folgenden Inhalts: "Hätte
ich nicht von eurem Mut und eurer Ergebenheit eindeutige Beweise,
hätte ich die günstige Gelegenheit ungenutzt gelassen.
Die herrlichste Aussicht, die Macht im Staat hätte sich vergeblich
unserem Zugriff dargeboten. Ich würde ja nicht unsere Sicherheit
aufgeben, um mit wankelmütigen Feiglingen nach Gefahren zu
greifen. Daraus aber, dass ich euch in vielen heftigen Stürmen
standhaft und treu gefunden habe, daraus schöpfe ich den Mut,
die größte und herrlichste Tat zu wagen; zugleich daraus,
dass ich erkannt habe, wie ihr mit mir über Glück und
Unglück die gleiche Ansicht teilt. Denn dasselbe wollen und
dasselbe nicht wollen, das erst ist feste Freundschaft. Welchen
Plan ich nun ausgedacht habe, habt ihr alle früher schon einzeln
gehört. Aber von Tag zu Tag wächst die Flamme meiner Begeisterung,
wenn ich erwäge, welche trübe Aussicht wir für unser
künftiges Leben haben, wenn wir uns nicht aus eigener
Kraft wieder die Freiheit erringen. Denn seit der Staat unter die
Botmäßigkeit und Gewalt einer nicht zahlreichen Oligarchie
gefallen ist, zahlten Könige und Fürsten immer nur ihnen
Steuern, leisteten Völker und Stämme immer nur ihnen Abgaben.
Wir anderen, alle brave und wackere Leute, adlige wie nichtadlige,
galten als Pöbel ohne Wert, ohne Einfluss, denjenigen untertan,
denen wir, stünde es recht um den Staat, Angst einflößen
müssten. So sind denn alle Gunst und Macht, alle Ehren und
aller Reichtum in ihren Händen, oder in welchen sie wollen.
Uns ließen sie nur Feindschaften und Wahlniederlagen, Prozesse
und Armut. Wie lange noch wollt ihr euch dies gefallen lassen, ihr
tapfersten Männer? Ist es nicht besser, einen Heldentod zu
erleiden als ein elendes und ehrloses Leben schmählich auszuhauchen,
nachdem man fremden Launen zum Spielball geworden ist? Nein, fürwahr,
bei allem, was Göttern und Menschen heilig ist, der Sieg ist
uns gewiss, jugendlich kraftvoll ist unser Körper, stark unser
Mut; dagegen herrscht bei jenen dort in Folge der Jahre und der
Genüsse nichts als Altersschwäche. Wir müssen nur
anfangen; alles andere gibt die Zeit. |
(20,1)
Catilina ubi eos, quos paulo ante memoravi, convenisse videt, tametsi
cum singulis multa saepe egerat, tamen in rem fore credens univorsos
appellare et cohortari, in abditam partem aedium secedit atque ibi
omnibus arbitris procul amotis orationem huiusce modi habuit: (20,2)
"Ni virtus fidesque vostra spectata mihi foret, nequiquam opportuna
res cecidisset; spes magna, dominatio in manibus frustra fuissent,
neque ego per ignaviam aut vana ingenia incerta pro certis captarem.
(20,3) sed quia multis
et magnis tempestatibus vos cognovi fortis fidosque mihi, eo animus
ausus est maxumum atque pulcherrumum facinus incipere, simul quia
vobis eadem quae mihi bona malaque esse intellexi; (20,4)
nam idem velle atque idem nolle, ea demum firma amicitia est. (20,5)
Sed ego quae mente agitavi, omnes iam antea divorsi audistis. (20,6)
ceterum mihi in dies magis animus adcenditur, quom considero, quae
condicio vitae futura sit, nisi nosmet ipsi vindicamus in libertatem.
(20,7) nam postquam
res publica in paucorum potentium ius atque dicionem concessit,
semper illis reges, tetrarchae vectigales esse, populi, nationes
stipendia pendere; ceteri omnes, strenui boni, nobiles atque ignobiles,
volgus fuimus sine gratia, sine auctoritate, iis obnoxii, quibus,
si res publica valeret, formidini essemus. (20,8)
itaque omnis gratia, potentia, honos, divitiae apud illos sunt aut
ubi illi volunt; nobis reliquere pericula, repulsas, iudicia, egestatem.
(20,9) quae quo usque
tandem patiemini, o fortissumi viri? nonne emori per virtutem praestat
quam vitam miseram atque inhonestam, ubi alienae superbiae ludibrio
fueris, per dedecus amittere? (20,10)
verum enim vero, pro deum atque hominum fidem, victoria in manu
nobis est, viget aetas, animus valet; contra illis annis atque divitiis
omnia consenuerunt. tantummodo incepto opus est, cetera res expediet.
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Kann denn ein Sterblicher,
in dem ein Mannesherz schlägt, ruhig mit ansehen, wie jene
Reichtum in solchem Überfluss besitzen, dass sie ihn mit der
Aufschüttung von Meeren und der Einebnung von Bergen verschwenden,
uns aber selbst zur Deckung der Notdurft das eigene Vermögen
fehlt? wie jene zwei und noch mehr Häuser in einer Reihe
haben, wir aber nirgends einen eigenen Herd? Indem sie Gemälde,
Bildsäulen, Tafelaufsätze kaufen, Neues niederreißen
und anderes aufbauen, kurz auf alle Weise mit Gold klappern und
um sich werfen, vermögen sie doch trotz aller Ausschweifungen
mit ihrem Reichtum nicht fertig zu werden. Aber uns wohnt im Haus
der Kehraus, vor der Tür steht der Wucherer; schlimme Zeit,
viel bösere Zukunft! Ja, was haben wir noch außer dem
elenden Leben? Warum also wacht ihr nicht auf? Seht da, da die Freiheit,
die ihr so oft ersehnt habt, dazu stehen euch Reichtum, Ehre und
Ruhm vor Augen! Das Glück hat dies alles den Siegern zum Preis
ausgesetzt. Gegenwart und Zukunft, Not und Armut und die reiche
Beute des Krieges werden euch stärker anfeuern als meine Worte.
Nehmt mich zum Feldherrn oder Soldaten. Sowohl Seele als auch Leib
gehören euch. Dies alles werde ich mit euch, wie ich hoffe,
als Konsul beginnen. Oder täusche ich mich und ihr seid gewillt,
Sklavenketten zu tragen, statt die Herren zu spielen?"
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(20,11)
etenim quis mortalium, quoi virile ingenium est, tolerare potest
illis divitias superare, quas profundant in extruendo mari et montibus
coaequandis, nobis rem familiarem
etiam ad necessaria deesse? illos binas aut amplius domos continuare,
nobis larem familiarem
nusquam ullum esse? (20,12)
quom tabulas, signa, toreumata emunt, nova diruunt, alia aedificant,
postremo omnibus modis pecuniam trahunt, vexant, tamen summa lubidine
divitias suas vincere nequeunt. (20,13)
at nobis est domi inopia, foris aes alienum, mala res, spes multo
asperior: denique quid relicui habemus praeter miseram animam? (20,14)
Quin igitur expergiscimini? en illa, illa, quam saepe optastis,
libertas, praeterea divitiae, decus, gloria in oculis sita sunt;
fortuna omnia ea victoribus praemia posuit. (20,15)
res, tempus, pericula egestas, belli spolia magnifica magis quam
oratio mea vos hortantur. (20,16)
vel imperatore vel milite me utimini: neque animus neque corpus
a vobis aberit. (20,17)
haec ipsa, ut spero, vobiscum una consul agam, nisi forte me animus
fallit et vos servire magis quam imperare parati estis." |
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| XXI |
Nachdem dies die Leute vernommen
hatten, die alle Nöte in Fülle, aber kein Glück in
Gegenwart und Zukunft sahen, forderten dennoch die meisten, obwohl
es schon reichlich lohnend schien, die Ruhe zu stören, er möge
vorlegen, welcher Art denn die Aussichten für den Krieg seien,
welchen Lohn sie mit ihren Waffen erringen sollten, welche Mittel
und Erwartungen sie jeweils hätten. Da stellte ihnen Catilina
Schuldentilgung in Aussicht, Ächtung der Begüterten, Ämter,
Priesterstellen, Plünderungen und alles andere, was Krieg und
Siegeslaune mit sich bringt; ferner stehe im diesseitigen Spanien
Piso und in Mauretanien
an der Spitze eines Heeres Publius
Sittius Nucerinus; beide seien in seinen Plan eingeweiht. Um
das Konsulat bewerbe sich Gaius
Antonius, den er zum Kollegen zu erhalten hoffe; er sei sowohl
eng mit ihm befreundet als auch von allen Verlegenheiten bedrängt;
mit diesem werde er, sobald er Konsul sei, den Anfang machen. Dazu
lästert und schimpft er gegen alle Gutgesinnten, nennt jeden
einzelnen seiner Leute bei Namen und lobt ihn. Dem einen ruft er
seine Armut, einem anderen seine Wünsche in Erinnerung, etlichen
eine Schmach, die sie bei Gericht zu fürchten oder bereits
erlitten hatten, vielen Sullas
Sieg, soweit er ihnen Beute gebracht hatte. Als er alle zur Tat
begeistert sieht, entlässt er die Versammlung mit der Aufforderung,
sich das Gelingen seiner Kandidatur angelegen sein zu lassen.
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(21,1)
Postquam accepere ea homines, quibus mala abunde omnia erant, sed
neque res neque spes bona ulla, tametsi illis quieta movere magna
merces videbatur, tamen postulavere plerique, ut proponeret, quae
condicio belli foret, quae praemia armis peterent, quid ubique opis
aut spei haberent. (21,2)
tum Catilina polliceri tabulas novas, proscriptionem locupletium,
magistratus, sacerdotia, rapinas, alia omnia, quae bellum atque
lubido victorum fert; (21,3)
praeterea esse in Hispania citeriore Pisonem, in Mauretania cum
exercitu P. Sittium Nucerinum, consili sui participes; petere consulatum
C. Antonium, quem sibi collegam fore speraret, hominem et familiarem
et omnibus necessitudinibus circumventum; cum eo se consulem initium
agundi facturum. (21,4)
ad hoc maledictis increpabat omnis bonos, suorum unum quemque nominans
laudare: admonebat alium egestatis, alium cupiditatis suae, compluris
periculi aut ignominiae, multos victoriae Sullanae, quibus ea praedae
fuerat. (21,5) postquam
omnium animos alacris videt, cohortatus, ut petitionem suam curae
haberent, conventum dimisit. |
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| XXII |
Einige berichteten damals,
Catilina habe nach
dem Ende seiner Rede den Anhängern seiner Ruchlosigkeit einen
Eid abnehmen wollen und so Menschenblut und Wein gemischt in Schalen
herumgereicht: Als nach dem Aussprechen der Verwünschungsformel
alle, wie es bei feierlichen Opfern üblich ist, daraus getrunken
hatten, habe er seinen Plan bekannt gemacht; dies habe er getan,
um sie durch die gemeinsame Mitwisserschaft um ein so großes
Verbrechen fester aneinander zu ketten. Manche hielten dies und
vieles andere für erfunden; und zwar von denen, die glaubten,
dass die heftige Missstimmung, die später gegen
Cicero aufkam, durch die verbrecherische Ruchlosigkeit derer
gemildert würde, die bestraft worden waren. Uns gelten diese
Vorwürfe in Anbetracht ihrer Bedeutung als zu wenig erwiesen.
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(22,1)
fuere ea tempestate, qui dicerent Catilinam oratione habita, quom
ad ius iurandum popularis sceleris sui adigeret, humani corporis
sanguinem vino permixtum in pateris circumtulisse: (22,2)
inde quom post execrationem omnes degustavissent, sicuti in sollemnibus
sacris fieri consuevit, aperuisse consilium suom, atque eo dicationem
fecisse, quo inter se fidi magis forent alius alii tanti facinoris
conscii. (22,3) nonnulli
ficta et haec et multa praeterea existumabant ab iis, qui Ciceronis
invidiam, quae postea orta est, leniri credebant atrocitate sceleris
eorum, qui poenas dederant. nobis ea res pro magnitudine parum conperta
est. |
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| Lateinisches Online-Wörterbuch. |
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Lateinisch - deutsch (im Aufbau). (max. 500)
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 © 2000 - 2012 - Letzte Aktualisierung: 18.08.2011 - 18:31 |
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