- Rhetorische
und philosophische Schriften: Sie sind
im Gegensatz zu den Reden von vornherein literarisch.
Entstanden sind sie in zwei kurzen Perioden der politischen
Untätigkeit:
- 55-51 v. Chr.: Nach der Konferenz
bei Lucca bis zur Statthalterschaft Ciceros in Kilikien
(Redekunst und Staatslehre)
- 46-44 v. Chr.: Nach der Aussöhnung
mit Cäsar (nach der Schlacht bei Thapsus) bis
zu den Philippischen Reden; Redekunst und (nach
dem Tod seiner Tochter Tullia) Philosophie.
- Briefe:
Sie sind an Umfang geringer als die Reden und rhetorisch-philosophischen
Schriften, aber an Bedeutung für die Zeitgeschichte
sehr hoch. Gegen das Lebensende Ciceros hatte Tiro bereits
70 Briefe zusammengebracht; noch unter Augustus scheint
eine umfangreiche Sammlung der Briefe Ciceros entstanden
zu sein, die alles enthielt, was aufzutreiben war. Davon
ist nur etwa die Hälfte erhalten: Ca. 870 Briefe,
davon 780 Briefe von Cicero selbst, der Rest an ihn.
Sie sind sehr mannigfaltig in ihrer Offenheit und Stilisierung.
- ad
Atticum: ca. 400 (16 Bücher, alle
von Cicero, keiner von Atticus).
T.Pomponius
Atticus ist drei Jahre älter als Cicero,
dessen Schulfreund er war.
86 v. Chr. kam er in das von Sulla zerstörte
Athen und war beim Wiederaufbau behilflich. 65 v.
Chr. kam er nach Rom zurück und erhielt den
Beinamen Atticus.
Außer seinen Aufenthalten auf seinen Gütern
in Epirus und Geschäftsreisen nach Kleinasien
weilte Atticus
von jetzt an in Rom. Er betrieb einen Buchhandel
als Antiquar und Verleger und vermietete Schreibsklaven.
Er neigte zur epikureischen Philosophie (Betonung
der Freundschaft, Abneigung gegen Politik). Seine
Schwester war mit Ciceros Bruder Quintus verheiratet.
Cicero weilte 79 v. Chr. mit ihm gemeinsam in Athen.
Seine Briefe an ihn beginnen etwa 68 v. Chr. und
reichen bis in die Zeit der Proskriptionen (Unterbrechung
im Konsulatsjahr Ciceros bis 61 v. Chr.). Die Briefe
sind in familiärem Stil gehalten, im Ausdruck
oft noch stärker verkürzt als dies für
die Umgangssprache üblich ist, weil Cicero
seinen Adressaten genau kennt und sich oft mit bloßen
Andeutungen begnügen kann. Zu Atticus
hegte Cicero eine schwärmerische Zuneigung
(Ihm hat er die Schrift "de amicitia"
gewidmet), trotz oder gerade wegen der Verschiedenheit
ihrer Charaktere. Als historische Quellen sind diese
Briefe mit Vorsicht zu genießen, weil sie
oft nur die Momentaufnahme der seelischen Verfassung
von Ciceros unstetem Charakter darstellen. Zur Lektüre
ist psychologisches Einfühlungsvermögen
nötig.
- ad
Quintum fratrem (3 Bücher): Ciceros
Bruder war etwas jünger als er selbst, war
mit ihm ausgebildet worden, hat aber nie das Konsulat
erreicht. Er war Statthalter in Kleinasien (seit
61 v. Chr.) und Sardinien. Außer Legat bei
Cäsar in Gallien, wobei er oft nicht ohne Schuld
in Schwierigkeiten geriet. 51 v. Chr. ging er mit
seinem Bruder Marcus als Legat nach Kilikien.
Beide schlossen sich im Bürgerkrieg Pompeius
an und wurden von Caesar begnadigt; beide fielen
der Proskription zum Opfer.
28 Briefe ad Qu. fr. sind erhalten (alle zwischen
60 und 54 v. Chr.), alle in einem herzlichen Ton.
Ein Zerwürfnis trat erst ein, als Quintus seinem
Bruder die Schuld an dem Anschluss an Pompeius zuschob
und bei Cäsar und vielen anderen kränkende
Worte über Marcus äußerte. Cicero
nannte dieses Verhalten einen Verrat des Bruders.
Quintus war auch poetisch begabt: In 16 Tagen übersetzte
er in Gallien 4 Tragödien, von denen die Erigona
auf dem Weg nach Rom verlorenging. Dazu Cic.: Diese
Dame sei als einzige unter der Statthalterschaft
Cäsars nicht sicher gereist.
- ad
familiares: In dieser Sammlung (16
Bücher) sind enthalten:
24 Briefe Ciceros an seine Gattin Terentia, die
vier ältesten noch aus der Zeit der Verbannung;
sehr zärtlich. Nach 48 v. Chr. werden diese
Briefe immer kürzer und inhaltsleerer. Bald
danach erfolgte die Scheidung.
Anfang 45 stirbt seine Tochter Tullia, deren erste,
glückliche Ehe durch Tod des Gatten, die beiden
(?) anderen durch Scheidung endeten. Außer
ihr hatte Cicero von Terentia noch einen Sohn namens
Marcus, der ihm als unfleißiger Student in
Athen Sorgen machte.
Cicero hatte 54 v. Chr. Tiro freigelassen und als
Privatsekretär verwendet. Er folgte Cicero
in die Provinz und blieb auf der Rückfahrt
krank in Patrai zurück. Aus dieser Zeit ist
eine Reihe von Briefen Ciceros an Tiro erhalten,
in denen er väterliche Fürsorge für
ihn zeigt.
Außerdem haben wir noch 360 Briefe an verschiedene
Adressaten, z.B. an seinen Amtsvorgänger in
Kilikien:
Appius Claudius Pulcher, der nach schlechter Amtsführung
einer ordentlichen Amtsübergabe aus dem Wege
ging. Ein Buch Briefe des M. Caecilius Rufus ist
an Cicero erhalten, in denen er Cicero während
seiner Amtszeit in Kilikien
über die Politik in Rom unterrichtete (fam.
VIII). 8 Briefe an M. Terentius Varro (fam. IX 1-8)
über literarische Studien. Fam. XIII enthält
nur Empfehlungsschreiben (81 Stück). Außerdem
haben wir eine Reihe Trostbriefe an Cicero (bes.
den des Serv. Sulpicius Rufus aus dem Jahre 45 v.
Chr.)
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