Cicero in seinen Werken und Briefen
- Einleitung
Cicero war kein überragender Politiker oder Philosoph,
doch einer der wichtigsten Vermittler antiken Geistesgutes. Von
seinem Leben und seinen Werken haben wir eine recht unmittelbare
Vorstellung. Es fällt in einen wichtigen Abschnitt der römischen
Geschichte (Entwicklung der res publica zur dominatio).
3. Jan. 106 v.Chr. im Jugurthinischen Krieg geboren, 43 v.Chr.
infolge der Proskriptionen des Antonius, Oktavian, Lepidus ums
Leben gekommen. Er wurde 64 Jahre alt, trat mit 26 Jahren erstmals
in einem politischen Prozess auf, bekleidete mit 31 Jahren sein
erstes Staatsamt und wurde mit 43 Jahren Konsul. Selbst wenn er
sich aus der aktiven Politik zurückziehen musste, verfolgte
er sie noch mit größtem Interesse.
- Übersicht über Ciceros Werke und Briefe
- Reden: 58 Reden Ciceros sind erhalten; die
erste hielt er mit 25 Jahren 81 v.Chr., die letzte 7 Monate
vor seinem Tod. Davon sind:
- 29 Gerichtsreden
- 25 Reden für Kriminalprozesse (oft mit polit.
Hintergrund). Als Ankläger ist Cicero nur 2 Mal
aufgetreten
- 4 Reden für Privatprozesse
- 28 Staatsreden
- 20 vor dem Senat
- 8 vor dem Volk gehalten
Die Reden enthalten oft viel Selbstdarstellung, um die
persönlichen Gegenargumente seiner Gegner zu entkräften
und um die für die Laufbahn wichtige Publizität
zu erhalten. Die Gründe für die schriftliche Veröffentlichung
waren:
- Wunsch nach Publizität,
- sie sollten Jüngeren als Musterreden dienen,
- entsprechendes Vorbild der Griechen.
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Wurde eine Rede nicht von ihrem Verfasser selbst ediert,
war die Stenographie (Ciceros Freigelassener Tiro) hilfreich.
"Pro Milone" erschien sowohl als Eigenedition
Ciceros als auch im Stenogrammtext. Beide Texte liefen noch
lange nebeneinander her. Die spätere redaktion Ciceros
war sehr viel besser. Milo glaubte, er wäre nicht verurteilt
worden, hätte Cicero die Rede entsprechend seiner Edition
gehalten. Auch die Konsulatsreden wurden erst nach Jahren
ediert. Oft dienen Ausarbeitungen in Form einer Rede als
bloße Flugschriften, ohne jemals wirklich gehalten
worden zu sein. So
- die Ausarbeitung des Beweismaterials gegen Verres
(70 v.Chr.) in 5 Büchern;
- eine Gegenschrift gegen C. Scribonius Curio (61
v.Chr.), den Beschützer des Clodius, die Cic.
vergeblich zu unterdrücken versuchte;
- schließlich ist die zweite Philippica eine
bloße Flugschrift (Cicero fingiert, sie sei
gleich nach einem Angriff des Antonius im Senat
gehalten).
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Diese Flugschriften haben Vorbilder im Griechischen bei
Isokrates und Demosthenes.
Cicero sprach im allgemeinen frei (memoriter), nur seine
Dankrede an den Senat nach seiner Rückkehr aus der
Verbannung las er vom Blatt; sie sollte monumental wirken.
Als Tatsachequellen sind seine reden mit Vorsicht zu behandeln,
weil die beabsichtigte Wirkung wichtiger ist: Der Gegner
wird herabgewürdigt, die Fehler des Freundes werden
beschönigt (lex maledicendi).
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