- Reise
nach Griechenland und Kleinasien (79 - 77 v. Chr.):
- Cicero selbst motivierte diese Reise
mit Gesundheitsrücksichten; Plutarch berichtet,
er habe sie aus Furcht vor Sulla unternommen. Sie war
in der Ausbildung eines jungen Römers nicht unüblich.
Einige Jahre später hielt sich auch Caesar auf
Rhodos auf. Cicero weilte etwa ein halbes Jahr in Athen,
wo sich Atticus
bereits aufhielt. Es begleiteten ihn sein Bruder Quintus
und sein früh verstorbener Vetter Lucius Cicero.
Sie ließen sich in die eleusinischen Mysterien
einweihen.
- Im Gymnasion hörte Cicero den Leiter der Akademie,
Antiochos
von Askalon, einen Schüler des Philon
von Larisa und Vertreter des Skeptizismus. Der Skeptizismus
war im 4. Jh. von Pyrrhon von Elis und Arkesilaos begründet
worden. Karneades hatte ihn im 2. Jh. stark ausgebaut:
Da der Mensch kein den Dingen adäquates Erkenntnisvermögen
besitzt, kann er nichts genau wissen, sondern nur forschen.
hat man aber eine Vorstellung hinreichend geprüft,
kann man sie als wahrscheinlich ("probabile")
anerkennen. Arkesilaos hatte Sokrates
noch übertrumpft: "Man kann nicht einmal wissen,
dass man nichts weiß!" Die skeptische Philosophie
musste Cicero wegen ihres Abwägens von "pro"
und "contra" (in utramque partem disputare)
mit seinem Nutzen für die Gerichtsrede liebenswert
werden. Da Philon nur eine subjektive Gewissheit kannte
(ἐναργές), hatte er Schwierigkeiten, eine positive Ethik
aufzubauen. Sein Schüler Antiochos versuchte deshalb
(stärker dogmatisch), indem er auf die einheitliche
Philosophie Platons zurückging, aus den verschiedenen
ethischen Systemen seiner Zeit eine einheitliche Lehre
zu kombinieren, indem er die bestehenden Unterschiede
als nur terminologisch erklärte. Der Widerspruch
zwischen Antiochos und Philon äußert sich
in den philosophischen Schriften Ciceros im Wechsel
von dogmatischer und skeptischer Haltung.
- Auf Rhodos hörte Cicero den Stoiker Poseidonios,
einen Forscher aristotelischen Charakters, mit einer
umfassenden Weltanschauung, die die ganze Welt als einheitlichen
Organismus begriff. Anfangs konnte er auf den rhetorisch
interessierten Cicero keine starke Wirkung ausüben.
- Rhetorische Ausbildung genoss Cicero auf Rhodos von
Apollonios Molon.
Er soll, als er Cicero kennen lernte, Griechenland bedauert
haben, weil es durch ihn seine letzte Domäne (Bildung
und Rhetorik) an die Römer verlieren werde (Plut.Cic.4,7).
Cicero sieht sein Verdienst darin, dass er ihn neben
sprachtechnischen Verbesserungen von dem asianischen
Überschwang seiner Jugend zu einem gemäßigten
Attizismus führte (Cic.Brut.316)
- In Smyrna suchte er Publius Rutilius Rufus
auf, den letzten Überlebenden des Scipionenkreises.
Weil er sich während seiner Statthalterschaft in
Asia bei den Steuerpächtern (Rittern) unbeliebt
gemacht hatte, wurde er zu Unrecht wegen Erpressung
angeklagt und zu einer Geldstrafe verurteilt, die er
nicht aufbringen konnte. So ging er in die Verbannung
und beschäftigte sich in Smyrna mit literarischen
Arbeiten. Später gibt Cicero in de rep. vor, dass
er der Berichterstatter des Dialoges sei.
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