Lucius Annaeus Seneca


Aus Leben und Werk - Biographischer Steckbrief

 

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(In der Hauptsache nach L.Bieler, II S.86 ff. und Schanz-Hosius, II 456ff., 679ff.)

Leben

Lucius Annaeus Seneca (der Sohn)

Quellen
  • Senecas Abhandlungen und besonders seine Briefe lassen Rückschlüsse zu.
  • Die Historiker (Tacitus, Suetonius, Dio Cassius) geben auch kein authentisches Bild
Geburt
ca. 1 v.Chr. in Corduba, der Hauptstadt der Hispania ulterior.
Familie
Er war zweiter von drei Söhnen. Seine Tante war Gattin des ägyptischen Statthalters Galerius, wo sich Seneca eine Zeitlang aufhielt.
Vater
  • Lucius Annaeus Seneca (ca. 54 v.Chr. - 39 n.Chr.), Rhetor aus Corduba, wahrscheinlich ein höherer Beamter.
    • Oratorum et rhetorum sententiae, divisiones, colores
      • 10 Bücher controversiae (fingierte Rechtsfälle)
      • 1 Buch suasoriae
    • Historiae (bezeugt, aber vielleicht nicht ediert)
Mutter
  • Helvia, aufgeschlossener als ihr beträchtlich älterer Gatte.
Brüder
  • Lucius Annaeus Novatus (nach seiner Adoption: Lucius Iunius Gallio),
  • Marcus Annaeus Mela (Vater des Dichters Lucanus)
Heirat
  • zwei Mal verheiratet:
    • von seiner ersten Frau hatte er zwei Söhne. Sie selbst und ein Sohn starben noch vor der Verbannung nach Korsika.
    • zweite Gattin: Pompeia Paullina. Nero hinderte sie daran, mit ihrem Mann in den Tod zu gehen.
Kinder
  • von seiner ersten Frau hatte Seneca zwei Söhne. Einer der beiden starb noch vor der Verbannung des Vaters nach Korsika.
Ausbildung
  • Ausbildung in Rom. Frühzeitige Beschäftigung mit kynisch-stoischer Philosophie und in Rhetorik.
  • Lehrer waren
    • Quintus Sextius
    • der Pythagoraier Sotion (philosophus Alexandrinus),
    • der Stoiker Attalus (Sen.epist.108,3),
    • Papirius Fabianus (Sen.epist.100,12),
    • der Rhetoriker Mamercus Scaurus
Besondere Aspekte
  • Er war stets kränklich. Seine Verbannung traf ihn hart. Lehrer Neros. Seine Entwicklung enttäuschte ihn schwer. Vertreter der Humanität (Ideal des stoischen Weisen, "heimlicher Christ").
Freundes-
kreis
Daten
ca 1 v.Chr.
  • Geburt in Corduba in Spanien.
  • Frühzeitig zur rhetorischen Ausbildung (als Vorbereitung auf eine Anwaltstätigkeit und senatorische Laufbahn) nach Rom.
ca. 24
  • schwere gesundheitliche Krise, von der seine Asthmaerkrankung zurückblieb. Deswegen Reise nach Ägypten, wo Galerius, der Gatte seiner Tante, Statthalter war.
31
  • Abberufung und Tod des Galerius infolge eines Seesturms.
  • Rückkehr Senecas aus Ägypten nach Rom.
33-34
  • Quaestur Senecas
37-41 Gaius Caligula
37-38
  • Seneca ist Aedil (oder Volkstribun).
 
  • Seneca betätigte sich als Sachwalter (Sen.epist.49,2). Karrierebeginn.
39
40-49
  • Consolatio ad Marciam (Marcia, die Tochter des Historikers Cremutius Cordus, hatte ihren Sohn Metilius verloren).
41-54 Claudius
41
  • Verbannung durch Claudius nach Korsika (auf Betreiben Messalinas unter dem Vorwurf des Ehebruchs mit Iulia Livilla, der Schester des Caligula) (Tac.ann.13,42)
41-44
  • Consolatio ad Polybium
42
  • Consolatio ad Helviam
48-50
  • De brevitate vitae (ad Paulinum)
49
  • Rückkehr (auf Betreiben Agrippinas, der letzten Gattin des Claudius).
  • Erzieher Neros. Sein Einfluss am Hof macht ihn zur "Grauen Eminenz".
50
  • Praetor.
54-68 Nero
nach 54
  • 7 Bücher De beneficiis
55-56
  • Drei Bücher De clementia (Nero gewidmet; nur zwei Bücher sind erhalten).
56
  • Consul suffectus
59
  • De tranquillitate animi (ad Serenum) (vielleicht auch erst 62-63)
61
  • Die traditionsgemäße Hinrichtung der gesamten Sklavenschaft des Pedianus Secundus, der von einem seiner Sklaven ermordet war (Tac.ann.14,42ff.), findet Senecas Missbilligung.
62
  • Nero verstößt seine ungeliebte Gattin Octavia und heiratet Poppaea Sabina.
  • Mit Burrus' (gewaltsamen) Tod hatte auch Seneca seine Macht über Nero eingebüßt und zieht sich weitgehend vom Hof und den Staatsgeschäften zurück (Tac.ann.14,53-56).
  • De otio (ad Serenum) am ehesten nach dem Rückzug von den Staatsgeschäften.
nach 62
  • Epistulae morales (ad Lucilium);
  • Naturalium quaestionum libri septem (ad Lucilium).
Juli 64
  • Brand Roms.
65
  • Von Nero wegen angeblicher Beteiligung an der Pisonischen Verschwörung in den Selbstmord getrieben (Tac.ann.15,60,1-64).
Tod 65 n.Chr. Von Nero wegen angeblicher Beteiligung an der Pisonischen Verschwörung in den Selbstmord getrieben.

Werke

allgemein
Vorbilder Poseiodonios (stoischer Humanismus)
Inhalte Philosophische Essays, die Wegweisung zu einem sittlich orientierten Leben geben wollen. Individualethik. Allgemeine Natur und Würde des Menschen (auch der Sklaven).
Stil Stilelemente der Zeit: Knappe, pointierte Kola (Abwendung von der ciceronischen Periodisierung, was ihm die Kritik sowohl der Klassizisten als auch der Archaisten eintrug).
Würdigung Quint.10,1,128: "Tractavit omnem fere studiorum materiam: nam et orationes eius et poemata et epistulae et dialogi feruntur. In philosophia parum diligens, egregius tamen vitiorum insecrator fuit."
Dialogi
12 Dialogi (ziemlich willkürliche Bezeichnung)
Titel
  1. De providentia (opus senectutis; ad Lucilium)
    Inhalte
    • Das gesamte Universum unterliegt einer einheitlichen Leitung.
    • Auch die Leiden der Guten sind als Prüfungen sinnvoll, vom Schicksal bestimmt und nützen den Betroffenen. (Theodizeefrage).
    • Der tüchtige Mann bedarf niemals des Mitleids, da er nicht unglücklich sein kann
    Form
    • Kein zwingender Aufbau
    Zeit
    • wahrscheinlich vor den epistulae verfasst.
  2. De constantia sapientis (ad Serenum)
    Inhalte
    • Erweis des stoischen Paradoxon, dass der Weise weder von iniuria noch (auf Grund seiner Überlegenheit) von contumelia betroffen werden kann.
    • Cato minor dient als positives Beispiel, Caligula als negatives.
    Form
    • Zweiteilige Gliederung nach iniuria und contumelia.
    Zeit
    • Anfang der neronischen Zeit (55-56).
  3. De ira I. (ad Novatum)
  4. De ira II.
  5. De ira III.
    Inhalte
    • I: Konkretes Beispiel. Definitionen und Spielarten des Zorns. Zorn ist nicht naturgemäß und muss der ratio weichen.
    • II: Spezialfragen wie das Verhältnis des Zorns zur Grausamkeit und Tugend; Möglichkeiten, den Zorn zu verhüten.
    • III. Wie kann man fremden Zorn heilen? (Die Dreigliederung des 3. Buches wird nicht durchgehalten).
    Form
    • Keine einheitliche Gesamtkomposition
    Zeit
    • Unter Caligula [oder unter Claudius (49 n.Chr.)]
  6. Consolatio ad Marciam
    Inhalte
    • Marcia, die Tochter des Cremutius Cordus, hatte einen noch jungen Sohn verloren.
    • Appell an die Seelenstärke Marcias. Zwei tröstende Beispiele aus dem Kaiserhaus:
      • Octavia, die Schwester des Augustus, die den Tod ihres Sohnes Marcellus maßvoll betrauert hatte,
      • Livia, die Gattin des Augustus, die ihren Sohn Drusus gefasst betrauert hatte.
    • Eigene Trostgründe Senecas
    Zeit
    • Es wird die Zeit kurz vor, während oder bald nach dem Exil angenommen (zwischen 40-49).
  7. De vita beata (ad Gallionem)
    Inhalte
    • Glücklich leben heißt naturgemäß leben (idem est beate vivere et secundum naturam, Sen.dial.7,8,2). Es besteht in der Ausübung der Tugend.
    • Polemik gegen die voluptas und die Kritik, dass Leben und Lehre der Philosophen nicht übereinstimmen.
    Form
    • Disposition in Sen.dial.7,1,1:
      • 1. quid sit quod adpetamus
      • 2. qua contendere illo celerrime possimus
    • Besondere Kunstmittel:
      • 1. Synkrisis zwischen virtus und voluptas ( Sen.dial.7,7,3)
      • Einführung des redenden Sokrates am Schluss (sermocinatio).
    Zeit
    • Nach der Adoption seines Bruders Novatus durch den Rhetor Iunius Gallio.
  8. De otio (ad Serenum)
    Inhalte
    • Entsprechend der Disposition ( Sen.dial.8,2,1) zwei Thesen:
      • 1. auf Grund des naturgemäßen Forschungstriebes des Menschen ist es statthaft, sich von früh an ganz der Spekulation zu widmen;
      • 2. dies kann man auch nach einem geschäftigen Leben erst im Alter tun.
    Form
    • Anfang und Schluss von De otio fehlen.
    Zeit
    • am ehesten nach 62, dem Rückzug von den Staatsgeschäften.
  9. De tranquillitate animi (ad Serenum)
    Inhalte
    • Zustand, der der Seelenruhe entgegensteht ("sibi displicere")
    • Abhilfe:
      • Gewissenhaft Selbsteinschätzung im Vergleich zu den anstehenden Aufgaben.
      • Wahl des Umgangs
      • Genügsamkeit
      • Hinnahme des Schicksals und Wahrung der rechten Mitte.
    Quelle
    • Bezugnahme auf Demokrits Schrift Περὶ εὐθυμίης, was Sen. mit "De tranquillitate" wiedergibt.
    • Epikureische Anklänge (Sen.dial.9,9,2)
    Form
    • Dialogische Form (singulär).
    Zeit
    • Ca. 59 (vielleicht auch 62 oder 63).
  10. De brevitate vitae (annis 48-50) (ad Paulinum)
    Inhalte
    • Das Leben ist (entgegen gängiger Ansicht) lang, wenn man es zu nutzen weiß.
    • Übliche Fehler der Lebensgestaltung:
      • Wir leben nicht für uns, sondern für andere,
      • wir leben, als gebe es keinen Tod,
      • wir geben uns den Leidenschaften hin,
      • wir leben, als sei die Zeit wertlos
      • wir leben in der Zukunft,
      • wir leben in geschäftigem Nichtstun.
    • Der Weise vermeidet diese Fehler. Das wahre Leben zielt auf Weisheit.
    Form
    • Großer Reichtum an Sentenzen.
    Zeit
    • 48-50.
  11. (olim 12) Consolatio ad Polybium
    Inhalte
    • Der am Hof des Claudius einflussreiche Polybius soll über den Tod seines Bruders getröstet werden.
      • Der Tod ist etwas Naturnotwendiges,
      • Kummer über den Tod trägt nichts ein; Studium ist das beste Mittel ihn zu überwinden.
      • Der Tod ist auch für den Betroffenen kein Unglück. Er stellt sich bereits bei der Geburt als Begleiter ein.
      • Aufforderung, sich dem Glück des Lebens (sein Verhältnis zum Kaiser) zuzuwenden.
    Form
    • Kunstmittel:
      • Seneca legt die Trostrede dem Kaiser in den Mund,
      • Anrede an die Fortuna (Sen.dial.11,2),
      • Vergleich des Lebens mit dem Meer (Sen.dial.11,9,6).
    Zeit
    • Zwischen 41-44. Nebenabsicht war, Claudius zu huldigen und ihn so zu einer Rücknahme der Verbannung zu bewegen.
  12. (olim 11) Consolatio ad Helviam
    Inhalte
    • Seneca will seine Mutter Helvia über seine Verbannung trösten.
    Form
    • Verbannung ist nichts als Ortswechsel, der den Weisen nicht beeinträchtigt.
    • Auch für die Mutter ist die Verbannung eines Sohnes kein Grund zur Trauer.
    Zeit
    • ca. 42
Vorbilder
  • Poseidonios (Stoa), Diatribe (Bion)
Inhalte
  • moralisch lehrhafte Betrachtungen
Form
  • Keine echten Dialoge (augenommen De tranquillitate animi), sondern dialogische Färbung durch gedachte Einwände..
De beneficiis
De beneficiis libri septem (7 Bücher)
Widmung
  • an Aebutius Liberalis
Inhalte
  • I: Trotz häufigen Undanks darf man nicht auf Wohltaten verzichten. Die Gesinnung des Gebers entscheidet über ihren Wert.
  • II: Praktische Empfehlungen: Welche Wohltaten in welcher Weise.
  • III: Dankbarkeit ist nicht einklagbar. Auch Sklaven können ihren Herren Wohltaten erweisen.
  • IV: Dankbarkeit und Wohltaten sind für sich erstrebenswert. Frage, ob man auch Undankbaren Wohltaten erweisen soll.
  • V: Ist es schändlich im Wohltun übertroffen zu werden? Stoische Paradox; Einzelfälle.
  • VI: Kasuistische Einzelfragen.
  • VII: Kasuistische Einzelfragen.
Form
  • Zum Schluss hin neben guten Beobachtungen unfruchtbare Spitzfindigkeiten. Keine kompositorische Geschlossenheit.
Zeit
  • Nach Claudius.
De clementia
Ad Neronem Caesarem de clementia ("Fürstenspiegel")
Inhalte
  • I: Allgemeines (Nutzen der Milde für den Herrscher);
  • II: Definitionen und Abgrenzungen (von misericordia und venia);
  • III: Wie erwirbt und bewahrt man die Tugend der Milde
Charakter:
  • Von drei Büchern sind nur das erste und der Anfang des zweiten erhalten.
  • Dreiteilige Disposition (Sen.clem.1,3,1)
Form:
  • 55-56
Naturales quaestiones
Ad Lucilium naturalium quaestionum libri septem (7 Bücher)
Inhalte
  • I: Überlegenheit der (himmlichen) Naturphilosophie über die (irdische) Moralphilosophie.
    Feurige Lichterscheinungen, besonders der Regenbogen.
  • II: Gliederung der Naturphilosophie: 1. caelestia (Himmliches - Astronomie), 2. sublimia (Zwischenregion - Meteorologie), 3. terrena (Irdisches - Geograophie).
    Gewitter (Wetterleuchten, Blitz, Donner).
  • III: Die Fülle des Stoffes als Herausforderung seines Alters.
    Das Wasser (Entstehung, Eigenschaften, Überschwemmungen und Weltuntergang)
  • IV: Persönliche Warnung des Lucilius vor Schmeichlern.
    Nilschwellung; Hagel, Schnee.
  • V: Ohne Einleitung Behandlung des Windes.
  • VI: Behandlung des Erdbebens, eingelietet durch die Erinnerung an das Erdbeben von Pompeii aus dem Jahr 63.
  • VII: Kometen.
Charakter:
  • Kein vollständiges und systematisches Lehrbuch, eher eine Sammlung von Monographien ohne erkennbares Kompositionsprinzip.
  • Beruht weniger auf eigener Naturbeobachtung.
  • Der Moralphilosoph dringt an einigen Stellen durch
    • Exkurs über den Tafelluxus, Sen.nat.3,17f; Sen.nat.4,13;
    • Exkurs über die Habsucht, Sen.nat.5,15
Quellen
  • In der Hauptsache Poseidonios
Zeit
  • 62-63
Epistulae morales
20 (22) Bücher (124 Briefe) an Lucilius
Titel  
Inhalte u. Form
  • Buch I-III stellen eine Einheit dar: Das philosophische Studium führt zur Glückseligkeit. Die nichtige Dingwelt darf uns davon nicht ablenken. Jedem dieser Briefe (außer dem ersten) ist als Schmuck das besondere dictum eines Philosophen mitgegeben.
Charakter
  • Locker gereihte praktische Ethik, mit dem Ziel, Wege zur Glückseligkeit zu zeigen.
  • lebendige Frische, Anschaulichkeit, belebende Charakteristiken, Sittenbilder, reiche Lebenserfahrung
Zeit
  • nach 62 (Rückzug aus dem Staatsleben).
Tragödien
9 Stücke (Rezitationsstücke, keine Bühnenstücke, ebenfalls moralische Wirkung beabsichtigt).

Titel

  1. Agamemno
  2. Hercules (furens)
  3. Hercules (Oetaeus) [Echtheit angezweifelt]
  4. Medea
  5. Oedipus
  6. Phaedra sive Hippolytus
  7. Phoenissae
  8. Thyestes
  9. Troades
Vorbilder
  • Attische Tragödie und nachklassische Tragödie der Griechen (in Stoff und Metrik der Chorlieder).
  • Ovids (verlorene) Tragödie Medea.
  • Kaum Einfluss der Tragödien der römischen Republik.
Absicht Moralische Schockwirkung (statt aristotelischer Katharsis).
Stil Hohes Pathos. Rhetorisierung. (Zurücktreten von Handlungsführung und Charakterzeichnung.)
Rezeption
  • Senecas Tragödien werden zum Vorbildfür das klassische Drama in Frankreich und Italien.
  • Wirkung auf Shakespeare.
Apocolocyntosis
(Ludus de morte Claudii)
Titel Divi Claudii Apotheosis per saturam. Apocolocyntosis ("Verkürbissung", "Veräppelung").
Inhalte Parodie der Apotheose des Kaisers Claudius (politische Satire) und Ankündigung der "Goldenen Zeit" unter Nero (ehrlich gemeint).
Form Mischung von Dichtung und Prosa (Satura Menippea)
 

Textauswahl

(lat.-deutsch)

  • Apocolocyntosis (lat. / dtsch.)
  • Ad Lucilium epistulae morales
    1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
    21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40
    41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60
    61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80
    81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100
    101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120
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Zitate (50 max.)

1242 A capite bona valetudo. Beim Kopf fängt die Gesundheit an. Sen.clem.2,2
1243 A lasso rixa quaeritur. Der Ermüdete sucht Streit. Sen.dial.4,9,5
1244 A natura non deerrare et ad illius legem exemplumque formari sapientia est. Weise ist es, von der Natur nicht abzuweichen und sich nach ihrem Gesetz und Muster zu bilden. Sen.dial.7,3,3
1433 A studiis venter nimium distentus abhorret. Ein voller Bauch studiert nicht gern. vulgo
1245 Ab homine homini cotidianum periculum; adversus hoc te expedi, hoc intentis oculis intuere: nullum est malum frequentius, nullum pertinacius, nullum blandius. Vom Menschen droht dem Menschen täglich Gefahr; gegen sie rüste dich! Sie fasse aufmerksam in den Blick! Kein Übel ist häufiger, keines hartnäckiger, keines schmeichelnder. Sen.epist.103,1
1246 Absit omen. Es möge kein schlechtes Vorzeichen sein! Sen.Oed.855
1247 Accedo. Ich stimme zu. (Ich trete bei). Sen.epist.48,4
1248 Acrior est cupiditas ignota cognoscendi quam nota repetendi. Das Verlangen, Unbekanntes kennen zu lernen ist heftiger, als Bekanntes zu wiederholen. Sen.contr.4,1
1249 Actio recta non erit, nisi recta fuerit voluntas: ab hac enim est actio. Eine Handlung wird nicht richtig sein, wenn der Wille nicht richtig war; denn von ihm hängt die Handlung ab. Sen.epist.95,57
1306 Actiones nostrae honestae sunt, non ipsa, quae aguntur. Unsere Handlungen sind sittlich gut, nicht ihr Gegenstand. Sen.epist.92,12
1252 Ad astra per aspera. Auf steinigem Weg zu den Sternen. (Durch Nacht zum Licht.) Sen.Herc.f.437
1194 Ad hoc me natura grave corporis mei pondus adstrinxit. Die Natur hat mich an dieses schwere Gewicht meines Körpers gefesselt. Sen.epist.24,17
1253 Ad honesta vadenti contemnendus est ipse contemptus. Wer zur Sittlichkeit unterwegs ist, muss gerade die Verachtung verachten. Sen.epist.76,4
1140 Ad manum est, quod sat est. Zur Hand ist, was genug ist. Sen.epist.4,11
1254 Ad neminem ante bona mens venit quam mala. Zu keinem kommt die gute Gesinnung früher als die schlechte. Sen.epist.50,7
1255 Ad nova homines concurrunt, ad nota non veniunt. Zum Neuen strömen die Menschen zusammen, zum Bekannten kommen sie nicht. Sen.contr.4,1
1256 Ad postremum divitiae meae sunt: tu divitiarum es. Schließlich gehört der Reichtum mir, du gehörst dem Reichtum. Sen.dial.7,22,5
1139 Ad supervacua sudatur. Das Überflüssige nur kostet Schweiß. Sen.epist.4,11
1257 Ad veras potius te converte divitias; disce parvo esse contentus. Wende dich lieber zum wahren Reichtum, lerne mit wenig zufrieden zu sein! Sen.epist.110,18
1187 Adeo mors timenda non est, ut beneficio eius nihil timendum sit. Der Tod ist so sehr nicht zu fürchten; ja es ist seine Wohltat, dass wir überhaupt nichts zu fürchten haben. Sen.epist.24,11
1258 Adhibe rationem difficultatibus: possunt et dura molliri et angusta laxari et gravia scite ferentes minus premere. Gehe Schwierigkeiten mit Vernunft an: Hartes kann gemildert, Enges gelockert werden und Schweres kann den, der es mit Bedacht trägt, weniger bedrücken. Sen.dial.9,10,4
1259 Aditum nocendi perfido praestat fides. Dem Untreuen eröffnet Treue die Möglichkeit zu schaden. Sen.Oed.686
1260 Admoneri bonus gaudet, pessimus quisque rectorem asperrime patitur. Der Gute freut sich ermahnt zu werden, gerade die Schlechtesten ertragen den, der sie belehrt, nur sehr schwer. Sen.dial.3,36,4
1261 Adulatio quam similis est amicitiae! Wie ähnlich ist die Schmeichelei der Freundschaft! Sen.epist.45,7
1262 Adulatores ut inimicos cave; corrumpunt fictis laudibus leves animas. Hüte dich vor den Schmeichlern wie vor Feinden: Mit falschem Lob umgarnen sie den Leichtgläubigen. Ps.Sen.mor.
1263 Adversarum impetus rerum viri fortis non vertit animum. Der Ansturm von Unglück ändert nicht des tapferen Mannes Denkweise. Sen.dial.1,2,1
1111 Aegri animi iactatio est. Ein Sichhinundherwerfen deutet auf ein krankes Gemüt. Sen.epist.2,1
1264 Aequat omnes cinis. Impares nascimur, pares morimur. Die Asche macht alle gleich. Ungleich werden wir geboren, gleich sterben wir. Sen.epist-91,16
1265 Aequissima vox est et ius gentium prae se ferens: »Redde, quod debes«; haec turpissima est in beneficio. Ein höchst gerechter und das Völkerrecht bezeugender Spruch lautet: „Gib zurück, was du schuldest!“ Im Falle einer Wohltat aber ist er höchst schändlich. Sen.benef.3,14,3
1266 Aequo animo audienda sunt imperitorum convicia. Beschimpfung durch Unerfahrene muss man mit Gleichmut anhören. Sen.epist.76,4
1267 Aequum atque iniquum regis imperium feras. Ertrage die gerechte und auch die ungerechte Herrschaft eines Königs! Sen.Med.195
1229 Aequum inter omnes cives ius sit! Gleiches Recht gelte unter allen Bürgern! Sen.epist.86,2 (nach Scipio)
1268 Aetate fruere! Mobili cursu fugit. Genieße deine Jugend (dein Leben)! Sie entflieht in behendem Lauf. Sen.Phaedr.446
1269 Affectus cito cadit, aequalis est ratio. Die Gefühlswallung schwindet schnell, die Vernunft bleibt sich gleich. Sen.dial.3,17,5
1270 Agunt opus suum fata. Das Schicksal erledigt sein Werk. Sen.dial.6,21,7
1271 Aiunt homines plus in alieno negotio videre. Angeblich sehen der Menschen Augen in fremder Sache mehr. Sen.epist.109,16
1513 Albus an ater sit, nescio. Ich weiß nict, ob er weiß oder schwarz ist. Catull.93,2.
1386 Alea ludere pertuso fritillo. Mit einem durchlöcherten Becher Würfel spielen. Sen.apocol.14,4
1272 Aliena vitia in oculis habemus, a tergo nostra sunt. Fremde Fehler haben wir vor Augen, unsere eigenen im Rücken. Sen.dial.4,28,8
1273 Alienis perimus exemplis; sanabimur, si separemur modo a coetu. An fremden Beispielen gegen wir zugrunde; geheilt werden wir, wenn wir uns nur von der Masse abtrennen. Sen.dial.7,1,4
1274 Aliquando et insanire iucundum est. Manchmal macht es auch Freude, unvernünftig zu sein. Sen.dial.9.17,10
1121 Aliquid cotidie adversus paupertatem, aliquid adversus mortem auxili compara, nec minus adversus ceteras pestes! Erwirb Dir täglich etwas, was Dich gegen die Armut, gegen den Tod, nicht minder gegen die anderen Übel zu stärken vermag! Sen.epist.2,4
1275 Aliquis vir bonus nobis diligendus est ac semper ante oculos habendus. Einen guten Mann müssen wir wertschätzen und immer vor Augen haben. Sen.epist.11,8
1276 Alit lectio ingenium et studio fatigatum reficit. Die Lektüre nährt den Geist und lässt ihn sich erholen, wenn er von der Mühe erschöpft ist. Sen.epist.84,1
1282 Aliter loqueris, aliter vivis. Du redest anders als du lebst. Sen.dial.7,18,1
1277 Alium silere quod voles, primus sile! Wenn du willst, dass ein anderer schweige, schweige du zuerst! Sen.Phaedr.876
1385 Altera tantum parte audita condemnare. Nach dem Anhören nur einer Seite verurteilen. Sen.apocol.14,2
1278 Alteri semper ignoscito, tibi ipsi numquam. Mit einem anderen übe immer Nachsicht, nie mit dir selbst! Ps.Sen.mor.
1279 Alteri vivas oportet, si vis tibi vivere. Du musst für den Mitmenschen leben, wenn du für dich leben willst! Sen.epist.48,2
1340 Altius praecepta descendunt, quae teneris imprimuntur aetatibus. Lehren, die in zartem Alter verinnerlicht werden, dringen tiefer ein. Sen.dial.12,18,8
Weitere lateinische und griechische Sprichwörter und Zitate
 
Literatur:
726 Abel, K. Problem der Faktizität der senecanischen Korrespondenz (Briefe)
abe  |  look
in: Herm.109/1981,472
728 Abel, K. Rez.v.: A.Stückelberger, Senecas 88.Brief: Wert der..freien Künste
abe  |  look
in: Maurach: Seneca, WBG 1987 (WdF 414)
730 Abel, K. Seneca De brevitate vitae: Datum und Zielsetzung
abe  |  look
in: Gymn 72/1965
731 Abel, K. Textkritisches zu Senecas Epist.71,1
abe  |  look
in: Herm.108/1980,499 (Misz.)
732 Abel, K. Zu Senecas Geburtsdatum
abe  |  look
in: Herm.109/1981,123 (Misz.)
1644 Abel, K. Seneca. Leben und Leistung
abe  |  look
in: ANRW II.32.2 (1985) 653-775
1645 Abel, K. Die Taciteische Seneca-Rezeption
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3118 Seneca / Forbiger Langenscheidtsche Bibliothek sämtlicher griechischen und römischen Klassiker Bd. 104/105: Seneca I1, I2, II1: Briefe; II2: Trostschriften an Marcia, Helvia, Polybius; Vom glückseligen Leben, Von der Gemütsruhe; Von der Kürze des Lebens, übersetzt von Albert Forbiger
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3120 Seneca / M. (anonymus) Fünfzig ausgewählte Briefe Senecas an Lucilius (in deutscher Übersetzung)
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3121 Seneca / Rosenbach, Manfred Lucius Annaeus Seneca: Philosophische Schriften lateinisch und deutsch, herausgegeben von Manfred Rosenbach III: Ad Lucilium epistulae morales. An Lucilius Briefe über Ethik 1-69. IV: Ad Lucilium epistulae morales. An Lucilius Briefe über Ethik 70-124.
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2914 Seneca / Schmidt, Heinrich / Kroymann, Jürgen Seneca: Vom glücklichen Leben ; Auswahl aus seinen Schriften. hg. von H.Schmidt. Eingel. v. J.Kroymann
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2928 Seneca / Thaler, Otto L. Annaeus Seneca, Epistulae morales ad Lucilium . Auswahl (Einführungen und Anmerkungen)
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Münster, Aschdendorff 8/1966
2929 Seneca, L. Annaeus Naturales quaestiones – Naturwissenschaftliche Untersuchungen Lateinisch und Deutsch. Hrsg. und übers. von M. F. A. Brok
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Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1995
2930 Seneca, L. Annaeus Philosophische Schriften. Lateinisch und deutsch. Der lateinische Text aus der Sammlung Budé (Lizenz Les Belles Lettres, Paris). Hrsg., übers., eingel. und mit Anmerkungen von Manfred Rosenbach
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Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1995
2933 Seneca, L. Annaeus / Binder, Gerhard Apokolokyntosis. Lateinisch und deutsch. Hg. und übers. von Gerhard Binder
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Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1999
2902 Seneca, Lucius Annaeus / Hachmann, Erwin Epistulae morales, Brief 66 : Einleitung, Text und Kommentar, hg. v. Hachmann, Erwin
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Frankfurt am Main : Lang, 2006
2906 Seneca, Lucius Annaeus / Hachmann, Ulf Gregor Senecas 82. Brief an Lucilius : Dialektikkritik illustriert am Beispiel der Bekämpfung des metus mortis ; ein Kommentar
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2218 Seneca, Lucius Annaeus Epistulae morales ad Lucilium ; Arbeitskommentar und Zweittexte
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Paderborn : Schöningh, 1989
644 Steinmeyer, H. Virtus-Begriff bei Cicero und Seneca
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in: AU XVII 2,80
2921 Stückelberger, Alfred Senecas 88. Brief : Über Wert und Unwert der freien Künste ; Text, Übersetzung, Kommentar.
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Heidelberg : Winter, 1965
2140 Veit, Georg Kaiser Claudius : zwischen Macht und Lächerlichkeit ; Texte von Sueton, Tacitus und Seneca mit Erläuterungen ; Arbeitsaufräge, Begleittexte, Lernwortschatz und Stilistik
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Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1995
2924 Veld, Christoph Quem putas perisse praemissus est : ein Kommentar zu Senecas 93. und 99. Brief
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Aachen : Shaker, 2000
2904 Volk, Katharina Seeing Seneca whole : perspectives on philosophy, poetry and politics.
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Leiden : Brill, 2006
2907 Wiener, Claudia Stoische Doktrin in römischer Belletristik : das Problem von Entscheidungsfreiheit und Determinismus in Senecas Tragödien und Lucans Pharsalia
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München (u.a.): Saur, 2006
2903 Wildberger, Jula Seneca und die Stoa ; I: Text, II: Anhänge, Literatur, Anmerkungen, Register
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Berlin (u.a.): de Gruyter 2006
2922 Zechel, Herbert L. A. Seneca, Brief 89. Textkritische Ausgabe mit Sachkommentar und sprachlichstilistischen Erläuterungen
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Bamberg, 1966
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