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PLATONS STAAT

ALS EINFÜHRUNG IN VOLKS-WIRTSCHAFTLICHE GRUNDBEGRIFFE

11. Krieg (πολέμου γένεσις)

Einleitung | Bedarf | Arbeitsteilung | Wachstum | Welthandel I | Welthandel II | Währung | Abschluss | Standard | Prosperität | Krieg | Schema
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373d4-374a2: Entstehung des Krieges - πολέμου γένεσις
Καὶ ἡ χώρα γέ που, ἡ τότε ἱκανὴ τρέφειν τοὺς τότε, σμικρὰ δὴ ἐξ ἱκανῆς ἔσται. ἢ πῶς λέγομεν;
Οὕτως, ἔφη.
Οὐκοῦν τῆς τῶν πλησίον χώρας ἡμῖν ἀποτμητέον, εἰ μέλλομεν ἱκανὴν ἕξειν νέμειν τε καὶ ἀροῦν, καὶ ἐκείνοις αὖ τῆς ἡμετέρας, ἐὰν καὶ ἐκεῖνοι ἀφῶσιν αὑτοὺς ἐπὶ χρημάτων κτῆσιν ἄπειρον, ὑπερβάντες τὸν τῶν ἀναγκαίων ὅρον;
Πολλὴ ἀνάγκη, ἔφη, ὦ Σώκρατες.
Πολεμήσομεν δὴ τὸ μετὰ τοῦτο, ὦ Γλαύκων; ἢ πῶς ἔσται;
Οὕτως, ἔφη.
Καὶ μηδέν γέ πω λέγωμεν, ἦν δ' ἐγώ, μήτ' εἴ τι κακὸν μήτ' εἰ ἀγαθὸν ὁ πόλεμος ἐργάζεται, ἀλλὰ τοσοῦτον μόνον, ὅτι πολέμου αὖ γένεσιν ηὑρήκαμεν, ἐξ ὧν μάλιστα ταῖς πόλεσιν καὶ ἰδίᾳ καὶ δημοσίᾳ κακὰ γίγνεται, ὅταν γίγνηται.
Πάνυ μὲν οὖν.
Ἔτι δή, ὦ φίλε, μείζονος τῆς πόλεως δεῖ οὔ τι σμικρῷ, ἀλλ' ὅλῳ στρατοπέδῳ, (374a) ὃ ἐξελθὸν ὑπὲρ τῆς οὐσίας ἁπάσης καὶ ὑπὲρ ὧν νυνδὴ ἐλέγομεν διαμαχεῖται τοῖς ἐπιοῦσιν.

 Die logische Stringenz, mit der der Krieg aus dem Streben nach Wohlstand erwächst, ist bedrückend. Dass Platon den Krieg als Übel ansieht, macht nicht nur die Parallele zur Krankheit unabweisbar. Auch expressis verbis lässt er keinen Zweifel: ἐξ ὧν μάλιστα ταῖς πόλεσιν καὶ ἰδίᾳ καὶ δημοσίᾳ κακὰ γίγνεται.  Beide, Krankheit und Krieg, treten erst beim Überschreiten des gesunden Maßes von ökonomischer Bedürfnisbefriedigung auf (ἐὰν καὶ ἐκεῖνοι ἀφῶσιν αὑτοὺς ἐπὶ χρημάτων κτῆσιν ἄπειρον, ὑπερβάντες τὸν τῶν ἀναγκαίων ὅρον). Sie sind der Preis, den man für Wohlstand und Luxus zahlen muss: Der Produktionsfaktor Boden ist erschöpft. Soll das Wachstum weitergehen, muss er gewaltsam vermehrt werden. Dabei kommt es Platon nicht auf die Verteufelung des Krieges an. Er sagt ausdrücklich, dass es ihm nicht auf eine moralische Beurteilung ankommt (καὶ μηδέν γέ πω λέγωμεν...). Man beachte, dass man den Krieg, wie ihn Platon entstehen lässt, auch nicht nach allgemeiner Auffassung als gerecht beurteilen kann. Legt man z.B. die einfache Definition des Isidor von Sevilla als Maßstab für den "Gerechten Krieg" zugrunde ["Iustum est bellum, quod ex edicto geritur de rebus repetendis aut propulsandorum hostium causa", zitiert nach: Kimminich: Krieg, in: J.Ritter / K.Gründer (Hgg.) Hist. Wörterbuch der Philos. IV, Darmstadt 1976, Sp. 1231], so wird Platons Krieg zunächst einmal überwiegend "de rebus petendis" nicht "de rebus repetendis" geführt. Platon ist es wichtig klarzumachen, dass die Staatsbürger de facto selbst entscheiden, ob sie Militär benötigen und sich auf die Möglichkeit des Krieges einstellen sollen.
Beachte: Nachbarstaaten waren von Platon bisher nur als Handelspartner in die Entstehung seiner Stadt einbezogen worden (also wie die eigenen Bürger als koinvno Ü kaÜ bohyoÛ). Hier gewinnen sie eine weitergehende Bedeutung als potentielles Angriffsziel oder als potentielle Angreifer. Damit gewinnt die gewollte methodische Reduktion des philosophischen Entwurfs zunehmend an Realitätsgehalt. Die zunehmende historische Plausibilität lässt sich z.B. im Vergleich mit dem Text von S.Lauffer nachweisen.

S.Lauffer: Kurze Geschichte der antiken Welt, Griechenland, München (Callwey) 1971, S. 30
Bei den langwierigen Kriegen, die während des 8.- 6. Jahrhunderts von den Griechen geführt wurden, ging es meist um den Besitz strittiger Grenzgebiete, da der anbaufähige Boden infolge der Zunahme der Bevölkerung immer knapper wurde. So zwang Sparta das dorische Argos zur Abtretung der Landschaften Kynuria und Thyreatis. Die Aristokraten von Chalkis auf Euboia eroberten im Kampf gegen ihre Nachbarn von Eretria die fruchtbare lelantische Ebene. Die Athener siegten über Megara und gewannen dadurch die Insel Salamis.
Die Landnot war wohl die Hauptursache der großen Auswanderungsbewegung dieser Zeit, der griechischen Kolonisation, die in der Mitte des 8. Jahrhunderts begann und die Küsten fast des ganzen Mittelmeers erfasste. [...]

Im Unterschied zu den Phönikern, die Tauschhandel trieben, kam es den Griechen darauf an, Ackerboden zu gewinnen. Sie siedelten daher meist in einer Ebene und stets an der Küste, so dass ihnen der Seeweg offen blieb. Die einheimischen Stämme in Sizilien und Italien, die Sikuler, Lukaner, Osker und andere wurden ins Hinterland verdrängt.

 

Doxographie des Krieges bei K.Hörmann, Krieg, in: Lexikon der christlichen Moral 1976, Sp. 919-938 [online]:
1. Platon, Aristoteles, Cicero sehen nicht den K. als erstrebenswert an, sondern den Frieden. Platon hält ihn dennoch für ein notwendiges Übel, um dessen Anwendung der Staat manchmal nicht herumkomme (Leges 626 a - 628 c). Aristoteles wendet sich gegen das K.führen als Selbstzweck (Politica I 8,1256 b), nennt aber Gründe, die einen K. rechtfertigen (Pol. VII 14,1333 b - 1334 a). Cicero lässt den Weg der gewaltsamen Problemlösung zu, wenn der vorzuziehende Weg der Verhandlung nicht zum Ziel des Friedens geführt hat (De off. I 11,34; I 23,80).
Zu Platon verweist Kimminich (Sp. 1233) auf Leg. I, 4, 628d; VIII, 1, 829a

Aufgaben:

  1. Wie lässt sich Platons Auffassung vom Krieg am griffigsten in eine These ummünzen? Beurteilen und verbessern Sie folgende Versuche:
    1. Kriege sind immer Wirtschaftskriege.
    2. Es gibt keine Kriege ohne vorherrschende wirtschaftliche Zielsetzung (Sicherung von Rohstoffen etc.)
    3. Haben Staaten oder Regierungen abgewirtschaftet, suchen sie ihr Heil im Krieg.
  2. Kann die Gegenthese, dass Krieg für die wirtschaftliche Entfaltung einer Gesellschaft die größte Katastrophe ist, nicht mehr Plausibilität für sich beanspruchen?
  3. Überwiegen zwischen Platons theoretischer und Lauffers historischer Darstellung die Parallelen oder die Unvergleichbarkeiten?
XIV. "Und das Land, das bisher alle damaligen Bewohner ernähren konnte, reicht nicht mehr aus und wird zu klein; oder nicht?"
"So ist es!"
"Also müssen wir uns vom Gebiet des Nachbarn etwas abtrennen, wenn wir genügend Land für Weide und Acker haben wollen, und die Nachbarn machen es ebenso bei uns, wenn auch sie sich dem endlosen Drang nach Besitz ergeben und die Grenze des Notwendigen überschreiten."
(e) "Zwangsläufig, mein Sokrates", sagte er.
"Dann werden wir also Krieg führen, mein Glaukon?" fragte ich.
"Allerdings!"
"Noch wollen wir nichts darüber aussagen, ob der Krieg Gutes oder Schlechtes bewirkt, sondern uns begnügen, die Entstehung des Krieges gefunden zu haben aus jener Quelle, aus der zumeist in den Staaten für alle oder für den einzelnen das Unglück kommt, wenn es eintritt."
"Richtig!"
"Da brauchen wir einen Staat, der noch um etliches größer ist, (374a) nämlich um ein ganzes Heer, das auszieht, um für den ganzen Besitz und für alle die Menschen, die wir aufzählten, mit den anrückenden Feinden zu kämpfen."
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Sententiae excerptae:
w37
Literatur:

11 Funde
802  Arends, J.E.M
Einheit der Polis. Eine Studie über Platons Staat
Leiden/New York (Brill) 1988; Mnemos.Suppl.106, Leiden (Brill) 1988
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1561  Ballauff, T.
Idee der Paideia.. zu Plat.Höhlengleichnis u.Parmenides Lehrged
Bonn 1949
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1008  Balzert, M.
Das 'Trojanische Pferd der Moral'. Die Gyges-Geschichte bei Platon und Cicero.
in: AU 39, 3/1996, 49-68
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1017  Demandt, A.
Der Idealstaat. Die politischen Theorien der Antike
Köln 1993
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2280  Hoffmann, Ernst
Platon
Zürich, Artemis 1950
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579  Meyerhöfer, H.
Platons Politeia - Ciceros De re publica. Versuch eines Vergleichs
in: Anr 33/4,1987,218
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4480  Neumann, Peter
Die Rezeption von Platons Atlantis in der 'Utopia' des Thomas Morus
GRIN Verlag , 1,2011
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2332  Pöhlmann, R.v.
Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der antiken Welt, I/II; 3. Aufl., durchges. u. um einen Anhang verm. v. Fr. Oertel. I-II
München (Beck) 1912; 3/1925
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2333  Pöhlmann, R.v.
Salin, E. Zenons Politeia. Xenophons Kyrupädie. Theopompos' Meropis
in: Platon u.die griechische Utopie, München 1921
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4481  Schölderle, Thomas
Utopia und Utopie: Thomas Morus, die Geschichte der Utopie und die Kontroverse um ihren Begriff
Baden-Baden : Nomos, 1,2011
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2642  Unruh, Peter
Sokrates und die Pflicht zum Rechtsgehorsam, eine Analyse von Platons "Kriton"
Baden-Baden: Nomos (Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie 26) 2000
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