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PLATONS STAAT

ALS EINFÜHRUNG IN VOLKS-WIRTSCHAFTLICHE GRUNDBEGRIFFE

6. Außenhandel als Dienstleistungsbereich: Import und Export

 

Einleitung | Bedarf | Arbeitsteilung | Wachstum | Welthandel I | Welthandel II | Währung | Abschluss | Standard | Prosperität | Krieg | Schema
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Außenmarkt, Dienstleistung, Seefahrt, Globalisierung

 

371a10-b3: Entstehung eines Außenmarktes (Dienstleistung I )
Καὶ δὴ καὶ τῶν ἄλλων διακόνων που τῶν τε εἰσαξόντων καὶ ἐξαξόντων ἕκαστα. οὗτοι δέ εἰσιν ἔμποροι· ἦ γάρ;
Ναί.
Καὶ ἐμπόρων δὴ δεησόμεθα.
Πάνυ γε.
Καὶ ἐὰν μέν γε κατὰ θάλατταν ἡ ἐμπορία γίγνηται, συχνῶν (b) καὶ ἄλλων προσδεήσεται τῶν ἐπιστημόνων τῆς περὶ τὴν θάλατταν ἐργασίας.
Συχνῶν μέντοι.

Handel (ἐμπορία) und Seefahrt (ἡ περὶ τὴν θάλατταν ἐργασία) sind die die strukturell neu entstehenden Wirtschaftsbereiche. Beide gehören ausschließlich dem Dienstleistungssektor an. Sie bedürfen hoher Investitionen in Faktorkapital (Infrastruktur): Hafenanlagen, Schiffsbau. Das Transportwesen ist auch arbeitsintensiv, so dass es viele Arbeitsplätze bereitstellt.

Handel und Seefahrt integrieren die bisher isoliert betrachtete Stadt in den weltwirtschaftlichen Zusammenhang, womit insbesondere der Austausch von Produkten, Arbeit und Kapital gemeint ist.

Entsprechend den Mechanismen der Arbeitsteilung ergeben sich für beide in Handelsbeziehung tretenden Volkswirtschaften Effizienzvorteile: Sie gewinnen Zugriff auf die Produktionsfaktoren der jeweils anderen Volkswirtschaft und steigern damit die Effizienz der eigenen. Dabei ist der Export zunächst kein Selbstzweck, er dient auch nicht primär der Förderung des Wirtschaftswachstums oder der Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern seine Funktion ist es vom Ansatz her, Importe zu ermöglichen.

Die Effizienzvorteile haben aber auch ihren Preis: Die nationalen, im internationalen Wettbewerb nicht mehr konkurrenzfähigen Wirtschaftsunternehmen geraten in eine krisenhafte Entwicklung: entweder es gelingt ihnen, sich durch Rationalisierung und Umstrukturierung anzupassen (eine neue Nische zu finden) oder sie verlieren ihre Existenzgrundlage. Staatliche Subventionen finden in diesem Spannungsfeld ihre fragwürdige Berechtigung.

Genau wie sich intern eine Wirtschaftsordnung als Gesellschaftsordnung etabliert hat, muss sich jetzt auch eine übergreifende Weltwirtschaftsordnung herausbilden. Es bleibt zu erörtern, ob sie sich qualitativ oder nur quantitativ von der Binnenordnung eines Staates unterscheidet und worin diese Unterschiede liegen.

Text: Lippens, 12
Das Stichwort, mit dem die meisten - nicht alle - Probleme verbunden sind, heißt Globalisierung. Es bedeutet nichts anderes als verstärkte weltwirtschaftliche Arbeitsteilung und damit verschärfter internationaler Konkurrenzdruck.
Im Grunde entsprach diese Entwicklung durchaus liberalen Vorstellungen. Bereits Adam Smith hob nicht nur die Vorteile nationaler, sondern auch internationaler Arbeitsteilung hervor. David Ricardo (1772 - 1823), sein Nachfolger als führender liberaler Nationalökonom in England, untermauerte dies wissenschaftlich durch seine "Theorie der komparativen Kosten". Danach lohnt es sich auch für zwei Länder mit unterschiedlichem Kostenniveau, Handel miteinander zu treiben, wenn sich beide Länder auf die Produktion von Güter spezialisieren, welche sie am kostengünstigsten erzeugen können.

 

Text: (aus) J.Starbatty: Ohne Angst vor einer offenen Welt, in: FAZ 21/25.01.97, S.17
Aufschlussreich sind die Folgen der Globalisierung auf Wohlstand und Beschäftigung. In der Außenhandelstheorie wird dieser Sachverhalt anhand David Ricardos (1772 bis 1823) berühmtem Theorem der komparativen Kosten verdeutlicht. Ricardo zeigt in einem gedanklichen Modell, dass der Übergang von der Autarkie zum Freihandel sowohl das Weltsozialprodukt steigert als auch für jedes Land lohnend ist.

In seinem Modell produzieren zwei Länder (Portugal und England) jeweils zwei Güter (Tuch und Wein), wobei - gemessen in Einheiten des Arbeitsaufwandes - die Weinproduktion in Portugal günstiger ist als die Tuchproduktion in England: Portugal muss bei der zusätzlichen Produktion eines Quantums Wein auf relativ wenig Tuch verzichten, England dagegen bei einem zusätzlichen Quantum Wein auf relativ viel Tuch. Insofern ist Wein, gemessen in Tuch in Portugal relativ billig, während er in England relativ teuer ist. Wegen der unterschiedlichen relativen Preise für Wein und Tuch kaufen die Portugiesen bei Freihandel englisches Tuch und die Engländer portugiesischen Wein. Es lässt sich zeigen, dass sich jedes Land bei Spezialisierung besser stellt und dass das Weltsozialprodukt zunimmt.

[Aber diesem makroökonomischen Wohlstands- und Beschäftigungsgewinn stehen regionale Wohlfahrtsverluste einzelner Mitglieder gegenüber:] In Portugal schließen Tuchfabriken an den traditionellen Standorten, Arbeit und Kapital wandern in die Weinbauregionen (passive Sanierung); in England wandern Arbeit und Kapital in Richtung Standorte mit Tuchproduktion. Die nationalen Wohlfahrtsgewinne in Portugal und England werden auf Kosten einer Region und eines Sektors erzielt.

Die Dramatik, die dahintersteckt, wird offenkundig, wenn wir Ricardos Zwei-Länder-Modell abwandeln. Unterstellen wir, dass es sich bei den Regionen, in denen jeweils Tuch beziehungsweise Wein hergestellt wird, um selbständige Staaten handelt, die in zwei voneinander getrennten Gemeinschaften Freihandel vereinbart haben. Dann ergeben sich dieselben relativen Preise wie zuvor. Wenn nun Freihandel auch zwischen den Gemeinschaften vereinbart wird, dann wird in jeder Gemeinschaft ein Land Gewinner und ein Land Verlierer sein, obwohl per saldo der Wohlstand für jede Gemeinschaft zugenommen hat. Es ist offensichtlich, dass sich in jeder Gemeinschaft dasjenige Land der Globalisierung widersetzt, das sich für einen potentiellen Verlierer hält.

 

Text: (aus) H. Beck: Krugmann und die Irrlehren der Pop-Ökonomen, in: FAZ 74/29.03.99 S.22
Die Welt ist eine Falle geraten: in die Globalisierungsfalle. Die zunehmende Verflechtung der einst eher binnenorientierten Volkswirtschaften führt zu einem globalen Wettbewerb, bei dem alle verlieren. Lohn- und Sozialdumping führen zu Massenarbeitslosigkeit, Verelendung und zur Deindustrialisierung der westlichen Industrienationen. Die Welt taumelt einer globalen Katastrophe entgegen. (Der Autor formuliert in diesem Textausschnitt Globalisierungsängste aus der Sicht des "advocatus diaboli" )

 

Text: (aus) R.Ohr: Auf den Weltmärkten zum Wohlstand, in FAZ 83/10.04.99, S. 15
Es ist somit nicht verwunderlich, dass mit der zunehmenden Bedeutung der weltwirtschaftlichen Integration auch die Frage nach der internationalen Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft immer häufiger in der wirtschaftspolitischen Diskussion auftritt. Der erste Blick gilt dabei zumeist dem Leistungsbilanzsaldo als Messlatte der Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten.
Eine internationale Wettbewerbsfähigkeit, die vor allem an positiven Handels- und Dienstleistungsbilanzsalden abgelesen wird, entspricht dem merkantilistischen Denkmuster: Ziel und Zweck des Außenhandels werden darin gesehen, Exportgüter zu produzieren, um damit entsprechende Einnahmen zu erzielen und Arbeitsplätze zu schaffen. Die Wettbewerbsfähigkeit zeigt sich in der Fähigkeit, Güter und Dienstleistungen gewinnbringend auf den Weltmärkten abzusetzen und durch einen Exportüberschuss zu dokumentieren.
Der zweite Blick gilt dann zumeist dem Kapitalbilanzsaldo und hier insbesondere dem Saldo der Direktinvestitionen als Indikator der Standortqualität. Damit wird berücksichtigt, dass Volkswirtschaften mittlerweile auch in einem intensiven Wettbewerb um international mobile Produktionsfaktoren - insbesondere um Kapital - stehen. Die Fähigkeit, international mobile Produktionsfaktoren aus dem Ausland anzuziehen oder zumindest trotz Offenheit der Märkte im eigenen Land zu halten, kennzeichnet den Erfolg im Standortwettbewerb.
Im Gefolge des rasanten technischen Fortschritts auf der ganzen Welt ist mittlerweile aber auch die technologische Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft, das heißt ihre Fähigkeit zu Innovationen und Produktivitätssteigerungen, in den Vordergrund der Betrachtung gerückt. Hierbei geht es um die langfristigen Aspekte der Akkumulation von Wissen als Quelle von Innovationen und damit von dauerhaften Produktivitäts- und Einkommenssteigerungen. Die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, den Fortschritt voranzutreiben, ist somit ein weiterer Indikator internationaler Wettbewerbsstärke. Letztlich ist es jedoch oberstes Ziel der Wirtschaftspolitik eines Landes, den inländischen Bürgern einen hohen und steigenden Lebensstandard zu ermöglichen. Die Fähigkeit, in einer offenen, mit den Weltmärkten verflochtenen Volkswirtschaft ein dauerhaft hohes Realeinkommen zu erwirtschaften, das sich in einem im internationalen Vergleich hohen Lebensstandard dokumentiert, ist somit der umfassende Indikator internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Aufgaben:

  1. Informieren Sie sich darüber, wie man heute allgemein den Beitrag des freien Welthandels zum allgemeinen Wohlstand einzelner Volkswirtschaften einschätzt!
  2. Diskutieren Sie zum Thema "Globalisierung" folgende Thesen:
    1. Der technische Fortschritt und die Globalisierung vernichten in den entwickelten Industrieländern die Arbeitsplätze.
    2. Globalisierung etabliert den Primat der Wirtschaft vor der Politik und beschneidet so durch weltweiten Wettbewerb die Souveränität des Nationalstaates (besonders negativ in der Sozialpolitik).
    3. Zur Globalisierung gibt es in der offenen Informationsgesellschaft keine Alternative, da die weltweite Vernetzung aller Informationen (Internet), den globale Wettbewerber zwangsläufig zum Konkurrenten auch dem Binnenmarkt macht.
  3. Suchen Sie aus der aktuellen Wirtschaftspresse Beispiele
    1. dafür, dass   Wirtschaftsunternehmen aufgrund des globalen Wettbewerbs unter Anpassungsdruck stehen,
    2. dafür, welche Konzepte der Umstrukturierung einzelne Wirtschaftsunternehmen im Zusammenhang mit der globalen Konkurrenzsituation ins Auge fassen!
  4. An welchen Indikatoren lässt sich die weltwirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft ablesen (Text: R. Ott)?
  5. Ist die durch den freien Welthandel begründete Weltwirtschaftsordnung mit der bisherigen Innenstruktur unserer Polis qualitativ vergleichbar? Wo liegen die Unterschiede?
"Und auch Beauftragte, die alle Ein- und Ausfuhr besorgen? Das sind die Handelsherren, nicht wahr?"
"Ja!"
"Also brauchen wir auch Handelsherren?"
"Dringend!"
"Wenn aber der Handel übers Meer erfolgt, brauchen wir außerdem noch viele andere, (b) die sich auf die Seefahrt verstehen!"
"Sehr viele, allerdings!"
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Sententiae excerptae:
w42
Literatur:

11 Funde
802  Arends, J.E.M
Einheit der Polis. Eine Studie über Platons Staat
Leiden/New York (Brill) 1988; Mnemos.Suppl.106, Leiden (Brill) 1988
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1561  Ballauff, T.
Idee der Paideia.. zu Plat.Höhlengleichnis u.Parmenides Lehrged
Bonn 1949
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1008  Balzert, M.
Das 'Trojanische Pferd der Moral'. Die Gyges-Geschichte bei Platon und Cicero.
in: AU 39, 3/1996, 49-68
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1017  Demandt, A.
Der Idealstaat. Die politischen Theorien der Antike
Köln 1993
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2280  Hoffmann, Ernst
Platon
Zürich, Artemis 1950
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579  Meyerhöfer, H.
Platons Politeia - Ciceros De re publica. Versuch eines Vergleichs
in: Anr 33/4,1987,218
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4480  Neumann, Peter
Die Rezeption von Platons Atlantis in der 'Utopia' des Thomas Morus
GRIN Verlag , 1,2011
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2332  Pöhlmann, R.v.
Geschichte der sozialen Frage und des Sozialismus in der antiken Welt, I/II; 3. Aufl., durchges. u. um einen Anhang verm. v. Fr. Oertel. I-II
München (Beck) 1912; 3/1925
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Salin, E. Zenons Politeia. Xenophons Kyrupädie. Theopompos' Meropis
in: Platon u.die griechische Utopie, München 1921
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4481  Schölderle, Thomas
Utopia und Utopie: Thomas Morus, die Geschichte der Utopie und die Kontroverse um ihren Begriff
Baden-Baden : Nomos, 1,2011
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2642  Unruh, Peter
Sokrates und die Pflicht zum Rechtsgehorsam, eine Analyse von Platons "Kriton"
Baden-Baden: Nomos (Studien zur Rechtsphilosophie und Rechtstheorie 26) 2000
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