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Beleg gesucht für: niemand
Belege des Suchbegriffs aus ausgewählten Texten (vollständig: Caes.Gall., Cic.Arch., Cic.S.Rosc., Cic.Lael.)
Anzahl der Treffer: 100
reperit esse vera: ipsum esse Dumnorigem, summa audacia, magna apud plebem propter liberalitatem gratia, cupidum rerum novarum. compluris annos portoria reliquaque omnia Haeduorum vectigalia parvo pretio redempta habere, propterea quod illo licente contra liceri audeat nemo Caes.Gall.1,18,3fand folgende Tatsachen bestätigt: gerade Dumnorix sei das Hindernis, ein höchst verwegener, wegen seiner Freigiebigkeit beim Volk sehr beliebter und zu Unruhen geneigter Mann. Derselbe habe die Zölle und alle übrigen Steuern der Häduer für eine Reihe von Jahren um ein geringes Pachtgeld in seinen Händen; denn wenn dieser biete, so wage niemand ein Gegengebot.
scire se illa esse vera, nec quemquam ex eo plus quam se doloris capere, propterea quod, cum ipse gratia plurimum domi atque in reliqua Gallia, ille minimum propter adulescentiam posset, per se crevisset, quibus opibus ac nervis non solum ad minuendam gratiam, sed paene ad perniciem suam uteretur. Caes.Gall.1,20,2Er wisse wohl, dass jenes wahr sei, und niemand falle es schwerer als ihm; denn Dumnorix sei erst durch ihn gestiegen, da er bei den Häduern und im übrigen Gallien den größten Einfluss, Dumnorix aber wegen seiner jungen Jahre fast kein Ansehen genieße. Dieser Macht und dieser Kräfte bediene sich nun der Bruder zur Verminderung seines bisherigen Ansehens und fast zu seinem gänzlichen Untergang.
quod si quid ei a Caesare gravius accidisset, cum ipse eum locum amicitiae apud eum teneret, neminem existimaturum non sua voluntate factum. qua ex re futurum, uti totius Galliae animi a se averterentur. Caes.Gall.1,20,4Wenn Cäsar denselben hart strafe, so werde niemand glauben, dass dies nicht auf seinen Wunsch geschehen sei, da er Cäsars Freundschaft in so hohem Grade besitze; dann aber würden sich die Gemüter in ganz Gallien von ihm abwenden.
nam hoc toto proelio, cum ab hora septima ad vesperum pugnatum sit, aversum hostem videre nemo potuit. Caes.Gall.1,26,2denn niemand konnte den Feind eigentlich fliehen sehen, obwohl die ganze Schlacht von ein Uhr nachmittags bis zum Abend gedauert hatte.
quod sibi Caesar denuntiaret se Haeduorum iniurias non neglecturum, neminem secum sine sua pernicie contendisse. Caes.Gall.1,36,6Wenn Cäsar ihm erkläre, er könne die Übergriffe gegen die Häduer nicht unbeachtet lassen, so müsse er wissen, dass noch niemand ohne sein Verderben gegen ihn gekämpft habe.
quodsi praeterea nemo sequatur, tamen se cum sola decima legione iturum, de qua non dubitaret, sibique eam praetoriam cohortem futuram. huic Caesar legioni indulserat praecipue et propter virtutem confidebat maxime. Caes.Gall.1,40,15Wolle ihm außerdem niemand folgen, so werde er allein mit der zehnten Legion aufbrechen, an der er nicht zweifele; sie werde seine Leibwache sein. Dieser Legion hatte Cäsar nämlich immer die meiste Aufmerksamkeit und wegen ihrer Tapferkeit das meiste Vertrauen geschenkt.
paulum quidem intermissa flamma et quodam loco turri adacta et contingente vallum, tertiae cohortis centuriones ex eo, quo stabant, loco recesserunt suosque omnes removerunt, nutu vocibusque hostes, si introire vellent, vocare coeperunt; quorum progredi ausus est nemo. Caes.Gall.5,43,6Als das Feuer etwas nachließ und an einer Stelle ein Turm der Feinde so weit vorgeschoben war, dass er den Wall berührte, zogen sich die Hauptleute der dritten Kohorte von dem Platz, den sie innehatten, zurück und zogen alle ihre Leute ab; dann forderten sie den Feind mit Gesten und Worten auf hereinzukommen; aber niemand wagte es.
neque quisquam agri modum certum aut fines habet proprios, sed magistratus ac principes in annos singulos gentibus cognationibusque hominum quique una coierunt, quantum et quo loco visum est agri, adtribuunt atque anno post alio transire cogunt. Caes.Gall.6,22,2Auch besitzt niemand bei Ihnen ein bestimmt abgemessenes Feld oder ein eigenes Gebiet. Nur ganze Stämme, Geschlechter und Verbände bekommen alljährlich von ihren Obrigkeiten und Häuptlingen, so viel und wo diese es für gut finden, Feld angewiesen, müssen aber im folgenden Jahr anderswohin ziehen.
hoc proprium virtutis existimant, expulsos agris finitimos cedere neque quemquam prope se audere consistere. Caes.Gall.6,23,2Sie sind es nämlich als einen besonderen Beweis der Tapferkeit an, wenn ihre Nachbarn aus ihren Sitzen vertrieben werden und weichen und niemand es wagt, in ihrer Nähe zu wohnen;
neque quisquam est huius Germaniae, qui se aut adisse ad initium eius silvae dicat, cum dierum iter LX processerit, aut, quo ex loco oriatur, acceperit. Caes.Gall.6,25,4Niemand in diesen Gegenden Germaniens, selbst wenn er 60 Tage auf der Reise war, kann behaupten, dass er den Anfangspunkt des Waldes gesehen oder etwas Bestimmtes darüber erfahren habe.
tribus horis Atuatucam venire potestis; huc omnes suas fortunas exercitus Romanorum contulit; praesidii tantum est, ut ne murus quidem cingi possit neque quisquam egredi extra munitiones audeat'. Caes.Gall.6,35,9In drei Stunden seid ihr in Atuatuca; dorthin hat das römische Heer alle seine Schätze gebracht; die Mannschaft des Ortes ist so gering, dass sie nicht einmal die Mauer besetzen kann und sich niemand untersteht, vor die Festung hinauszugehen."
simili omnem exercitum inopia premi nec iam vires sufficere cuiusquam nec ferre operis laborem posse; itaque statuisse imperatorem, si nihil in oppugnatione oppidi profecisset, triduo exercitum deducere. Caes.Gall.7,20,11dieselbe Not drücke Cäsars ganzes Heer, in dem niemand mehr Kräfte genug habe, niemand mehr die Mühen des Dienstes ertragen könne; der Oberfeldherr sei deswegen entschlossen, wenn die Belagerung nicht gelinge, in drei tagen wieder abzuziehen.
Conclamat omnis multitudo et suo more armis concrepat, quod facere in eo consuerunt, cuius orationem approbant; summum esse Vercingetorigem ducem nec de eius fide dubitandum nec maiore ratione bellum administrari posse. Caes.Gall.7,21,1Nun erhob die Menge ein Geschrei; zugleich klirrte sie mit ihren Waffen, was die Gallier einer Volkssitte gemäß gewöhnlich zu Ehren derjenigen tun, deren Rede sie ihren Beifall schenken. Vercingetorix, hieß es, sei der größte Feldherr; seine Treue sei unzweifelhaft, und besser als er könne niemand den Krieg führen.
nec fuit quisquam, qui praedae studeret. sic et Cenabensi caede et labore operis incitati non aetate confectis, non mulieribus, non infantibus pepercerunt. Caes.Gall.7,28,4Niemand bei den Römern dachte an Beute. Erbittert über das Blutbad bei Cenabum und über die vielen Mühseligkeiten während der Belagerung schonten sie weder das hohe Alter noch das weibliche Geschlecht noch die Kinder.
adhortatus milites, ne necessario tempore itineris labore permoveantur, cupidissimis omnibus progressus milia passuum XXV agmen Haeduorum conspicatur. immisso equitatu iter eorum moratur atque impedit interdicitque omnibus, ne quemquam interficiant. Caes.Gall.7,40,4Cäsars Soldaten zeigten auf seine Bitte, sich in diesem dringenden Augenblick die Mühen des Marsches nicht zu viel sein zu lassen, insgesamt den größten Eifer. So erblickte er nach einem Weg von fünfundzwanzig Meilen das heranrückende Heer der Häduer. Cäsars Reiterei musste diesem entgegensprengen, um dessen Vordringen aufzuhalten und zu verhindern; doch sollte niemand dabei getötet werden.
neminem vero tantum pollere, ut invitis principibus, resistente senatu, omnibus bonis repugnantibus infirma manu plebis bellum concitare et gerere posset; sed tamen se contentum fore ea poena, quam sibi ipsi contraxissent. Caes.Gall.8,22,2doch sei niemand so mächtig, dass er, bloß vom gemeinen Haufen unterstützt, Krieg anfangen und führen könne, wenn die Häuptlinge nicht wollten, die Regierung des ablehne und alle Besseren sich dagegen erklärten. Übrigens wolle er mit der Bestrafung zufrieden sein, die sie sich selbst zugezogen hätten.
Re bene gesta Caninius ex captivis comperit partem copiarum cum Drappete esse in castris a milibus non amplius XII. qua re ex compluribus cognita, cum intellegeret fugato duce altero perterreri reliquos facile et opprimi posse, magnae felicitatis esse arbitrabatur neminem ex caede refugisse in castra, qui de accepta calamitate nuntium Drappeti perferret. Caes.Gall.8,36,1Nach diesen glücklichen Erfolg erfuhr Caninius erst durch Gefangene, dass Drappes mit einem Teil der Besatzung etwa zwölf Meilen weit von da in einem Lager stehe. Da er bei übereinstimmender Aussage mehrerer überzeugt war, man könne, nachdem der eine Anführer geschlagen und verjagt sei, den anderen Teil leicht überwältigen, so hielt er es für einen äußerst günstigen Umstand, dass niemand von den Entkommenen dem Drappes ins Lager Nachricht von der Niederlage gebracht habe.
erat autem oppidanis difficilis et praeruptus eo descensus, ut prohibentibus nostris sine vulneribus ac periculo vitae neque adire flumen neque arduo se recipere possent ascensu. Caes.Gall.8,40,4Der Gang an diesen Fluss war dagegen für die Belagerten so schwierig und schroff, das, sobald die Römer entgegentraten, niemand ohne Wunden und Lebensgefahr wieder zum Fluss gelangen noch sich wieder auf die steile Höhe zurückziehen konnte.
Caesar tamen, cum de voluntate minime dubium esset adversariorum suorum, Pompeio legionem remisit et suo nomine quintam decimam, quam in Gallia citeriore habuerat, ex senatus consulto iubet tradi; in eius locum tertiam decimam legionem in Italiam mittit, quae praesidia tueretur, ex quibus praesidiis quinta decima deducebatur. ipse exercitui distribuit hiberna: Caes.Gall.8,54,3Und wirklich schickte Cäsar diese Legion dem Gnaeus Pompeius zurück, obgleich niemand mehr an den Absichten seiner Gegner zweifeln konnte. Für sich selbst aber trat er, um dem Beschluss des Senats zu gehorchen, die 15. Legion, die in Oberitalien stand, ab, an deren Stelle dann die 13. nach Italien zog, um diejenigen Plätze einzunehmen, die die 15. verließ.
hoc facto quamquam nulli erat dubium quidnam contra Caesarem pararetur, tamen Caesar omnia patienda esse statuit, quoad sibi spes aliqua relinqueretur iure potius disceptandi quam belligerandi. Caes.Gall.8,55,2Jetzt konnte niemand mehr im Zweifel sein, was man gegen Cäsar im Schilde führe; er aber wollte sich dennoch alles gefallen lassen, solange er noch einigermaßen Hoffnung hatte, die Sache eher auf dem Wege des Rechts als mit den Waffen zu entscheiden.
sed multi mortales, dediti ventri atque somno, indocti incultique vitam sicuti peregrinantes transigere; quibus profecto contra naturam corpus voluptati, anima oneri fuit. eorum ego vitam mortemque iuxta aestumo, quoniam de utraque siletur. Sall.Cat.2,8Aber viele Sterbliche sind, indem sie dem Bauch und dem Schlaf frönen, ohne Geistes- und Herzensbildung, gerade wie durch ein fremdes Land, so durch ihr Leben gewandelt; Ihnen war - wahrlich ganz widernatürlich - der Leib Freude, die Seele Bürde. Ihr Leben und ihr Sterben wiegt bei mir gleich viel, weil von beidem niemand spricht.
at populo Romano numquam ea copia fuit, quia prudentissumus quisque maxume negotiosus erat, ingenium nemo sine corpore exercebat, optumus quisque facere quam dicere, sua ab aliis bene facta laudari quam ipse aliorum narrare malebat. Sall.Cat.8,5Solch Glück jedoch war dem römischen Volk nie beschieden, weil der Gescheiteste immer auch der am meisten Beschäftigtste war; Geistesarbeit ohne körperlichen Einsatz betrieb niemand; je tüchtiger einer war, um so mehr stellte er das Handeln über das Reden und wollte lieber seine Taten von anderen gelobt hören, als selbst die anderer zu erzählen.
Ad haec Q. Marcius respondit, si quid ab senatu petere vellent, ab armis discedant, Romam supplices proficiscantur: ea mansuetudine atque misericordia senatum populi Romani semper fuisse, ut nemo umquam ab eo frustra auxilium petiverit. Sall.Cat.34,1Darauf gab Quintus Marcius den Bescheid: wenn sie den Senat um etwas nachsuchen wollten, sollten sie zuerst die Waffen niederlegen und sich dann bittend nach Rom wenden; der Senat und das Volk von Rom hätten stets so viel Menschenfreundlichkeit und Mitleid geübt, dass niemand sie je vergeblich um Hilfe gebeten habe.
Placet igitur eos dimitti et augeri exercitum Catilinae? minume. sed ita censeo: publicandas eorum pecunias, ipsos in vinculis habendos per municipia, quae maxume opibus valent; neu quis de iis postea ad senatum referat neve cum populo agat; qui aliter fecerit, senatum existumare eum contra rem publicam et salutem omnium facturum.' Sall.Cat.51,43Stimme ich also dafür, sie zu entlassen und dadurch Catilinas Heer zu verstärken? Durchaus nicht, sondern ich stelle folgenden Antrag: Ihr Vermögen ist zu konfiszieren, sie selbst aber sind in den Municipien, die über die meisten Mittel verfügen, gefangen zu halten. Niemand soll in Zukunft einen auf sie bezogenen Antrag im Senat stellen noch vor dem Volk verhandeln. Wer zuwider handelt, gilt dem Senat als Hochverräter am Staat und am Gemeinwohl."
Verum ego hoc, quod iam pridem factum esse oportuit, certa de causa nondum adducor, ut faciam. Tum denique interficiere, cum iam nemo tam improbus, tam perditus, tam tui similis inveniri poterit, qui id non iure factum esse fateatur. Cic.Catil.1,5Doch wiewohl dies schon längst hätte geschehen sollen, so kann ich mich doch aus einem gewissen Grund noch nicht entschließen, es zu tun. Dann erst werde ich dich töten, wenn niemand mehr sich finden wird, der so ruchlos und so schlecht wäre, nicht zu erkennen, dass es mit Recht geschehen sei.
Quid est enim, Catilina, quod te iam in hac urbe delectare possit? in qua nemo est extra istam coniurationem perditorum hominum, qui te non metuat, nemo, qui non oderit. Cic.Catil.1,13Denn was, Catilina, kann für dich in dieser Stadt noch einen Reiz haben, in der, jene verschworene Bande verzweifelter Menschen ausgenommen, niemand ist, der dich nicht fürchtet, niemand, der dich nicht hasst?
Nunc intellego, si iste, quo intendit, in Manliana castra pervenerit, neminem tam stultum fore, qui non videat coniurationem esse factam, neminem tam improbum, qui non fateatur. Cic.Catil.1,30Nun weiß ich, wenn dieser Mensch in das Lager des Manlius, wohin er zu gehen beabsichtigt, sich begeben haben wird, dass niemand so töricht ist, nicht einzusehen, dass die Verschwörung eine Tatsache ist, dass niemand so ruchlos ist, dies nicht anzuerkennen.
neque enim quisquam est tam aversus a Musis, qui non mandari versibus aeternum suorum laborum praeconium facile patiatur. Cic.Arch.20.aNiemand ist nämlich den Musen so abgeneigt, dass er sich nicht gern gefallen ließe, dass das unvergängliche Lob seiner Mühen in Gedichten niedergelegt wird.
tibi vero, frater, neque hortanti deero neque roganti, nam neque auctoritate quisquam apud me plus valere te potest neque voluntate. Ac mihi repetenda est veteris cuiusdam memoriae non sane satis explicata recordatio, sed, ut arbitror, apta ad id, quod requiris, ut cognoscas quae viri omnium eloquentissimi clarissimique senserint de omni ratione dicendi. Cic.de_orat.1,4.Deinen Anforderungen aber, mein Bruder, und deinen Bitten werde ich nicht unterlassen Genüge zu leisten. Denn niemand kann durch Ansehen und Willen mehr über mich vermögen als du. Ich muss nun zu einem Ereignis früherer Zeiten zurückkehren, das zwar meinem Gedächtnis nicht ganz vollständig gegenwärtig ist, wohl aber, wie ich glaube, geeignet ist für die Erfüllung deines Wunsches, damit du die Ansicht der beredtesten und berühmtesten Männer über die ganze Redekunst erfährst.
Quis ignorat, ei, qui mathematici vocantur, quanta in obscuritate rerum et quam recondita in arte et multiplici subtilique versentur? Quo tamen in genere ita multi perfecti homines exstiterunt, ut nemo fere studuisse ei scientiae vehementius videatur, quin quod voluerit consecutus sit. Quis musicis, quis huic studio litterarum, quod profitentur ei, qui grammatici vocantur, penitus se dedit, quin omnem illarum artium paene infinitam vim et materiem scientia et cognitione comprehenderit? Cic.de_orat.1,10.Was die Mathematiker anlangt, wer weiß da nicht, was für dunkle Gegenstände, welch eine entlegene, vielseitige und tiefe Wissenschaft sie bearbeiten? Und doch sind unter ihnen so viele vollkommene Meister aufgetreten, dass sich fast niemand dieser Wissenschaft mit großem Eifer befleißigt zu haben scheint, ohne seinen Zweck zu erreichen. Wer hat sich der Musik, wer der heutigen Literaturkunde gründlich gewidmet, ohne den ganzen beinahe unbegrenzten Umfang und Stoff jener Künste mit seiner wissenschaftlichen Forschung zu umfassen?
Ac mea quidem sententia nemo poterit esse omni laude cumulatus orator, nisi erit omnium rerum magnarum atque artium scientiam consecutus: etenim ex rerum cognitione efflorescat et redundet oportet oratio. Quae, nisi res est ab oratore percepta et cognita, inanem quandam habet elocutionem et paene puerilem. Cic.de_orat.1,20.Und nach meiner Ansicht wenigstens wird niemand ein in jeder Hinsicht vollkommener Redner sein können, wenn er sich nicht Kenntnisse von allen wichtigen Gegenständen und Wissenschaften angeeignet hat. Denn aus der Erkenntnis der Sachen muss die Rede erblühen und hervorströmen. Hat der Redner die Sachen nicht gründlich erfasst und erkannt, so ist sein Vortrag nur ein leeres und ich möchte sagen kindisches Gerede.
Nam si quis hunc statuit esse oratorem, qui tantummodo in iure aut in iudiciis possit aut apud populum aut in senatu copiose loqui, tamen huic ipsi multa tribuat et concedat necesse est; neque enim sine multa pertractatione omnium rerum publicarum neque sine legum, morum, iuris scientia neque natura hominum incognita ac moribus in his ipsis rebus satis callide versari et perite potest; qui autem haec cognoverit, sine quibus ne illa quidem minima in causis quisquam recte tueri potest, quid huic abesse poterit de maximarum rerum scientia? Sin oratoris nihil vis esse nisi composite, ornate, copiose loqui, quaero, id ipsum qui possit adsequi sine ea scientia, quam ei non conceditis? Dicendi enim virtus, nisi ei, qui dicet, ea, quae dicet, percepta sunt, exstare non potest. Cic.de_orat.1,48.Denn gesetzt, es wolle einer den für einen Redner halten, der nur mit Rechtsangelegenheiten und in den Gerichten entweder vor dem Volk oder im Senat mit Fülle reden könne, so muss er doch selbst diesem vieles einräumen und zugestehen. Ohne gründliche Behandlung aller öffentlichen Angelegenheiten, ohne die Kenntnis der Gesetze, der Sitte und des Rechtes, ohne die Bekanntschaft mit dem Wesen und den Sitten der Menschen kann ja niemand selbst in diesen Dingen sich mit genügender Einsicht und Geschicklichkeit bewegen. Wer sich aber diese Kenntnisse angeeignet hat, ohne die niemand auch nur das Geringfügigste in den Rechtssachen wahren kann, wie wird dem die Wissenschaft der wichtigsten Sachen fern sein können? Verlangt man aber auch vom Redner weiter nichts als einen wohlgeordneten, geschmückten und reichhaltigen Vortrag, so frage ich, wie er selbst dieses ohne die Wissenschaft erreichen kann, die ihr ihm nicht einräumt. Denn Tüchtigkeit im Reden kann nur stattfinden, wenn der Redner den Gegenstand, über den er sprechen will, erfasst hat.
Atque illud est probabilius, neque tamen verum, quod Socrates dicere solebat, omnis in eo, quod scirent, satis esse eloquentis; illud verius, neque quemquam in eo disertum esse posse, quod nesciat, neque, si optime sciat ignarusque sit faciundae ac poliendae orationis, diserte id ipsum, de quo sciat, posse dicere. Cic.de_orat.1,63.Und das hat einen ziemlichen Schein von Wahrheit, ist jedoch nicht wahr, was Sokrates zu sagen pflegte, alle seien in dem, was sie wissen, hinlänglich beredt; wahrer ist das: Niemand kann in dem beredt sein, was er nicht weiß; aber wenn er es auch noch so gut weiß und nicht versteht, die Rede zu bilden und zu glätten, so kann er selbst das, wovon er Kenntnis hat, nicht beredt vortragen.
Sed, ut solebat C. Lucilius saepe dicere, homo tibi subiratus, mihi propter eam ipsam causam minus quam volebat familiaris, sed tamen et doctus et perurbanus, sic sentio neminem esse in oratorum numero habendum, qui non sit omnibus eis artibus, quae sunt libero dignae, perpolitus; quibus ipsis si in dicendo non utimur, tamen apparet atque exstat, utrum simus earum rudes an didicerimus: Cic.de_orat.1,72.Aber was Gaius Lucilius oft zu sagen pflegte, der dir ein wenig grollte und gerade deshalb mir weniger, als er es wünschte, befreundet, aber doch ein gelehrter und sehr fein gebildeter Mann war, dasselbe ist auch mein Urteil, dass nämlich niemand unter die Zahl der Redner gerechnet werden dürfe, der nicht in allen, eines freien Mannes würdigen Wissenschaften ausgebildet sei. Denn wenn wir von ihnen selbst auch beim Reden keinen Gebrauch machen, so ist es doch sichtbar und stellt sich heraus, ob wir derselben unkundig sind oder sie gelernt haben.
Horum alii, sicuti iste ipse Mnesarchus, hos, quos nos oratores vocaremus, nihil esse dicebat nisi quosdam operarios lingua celeri et exercitata; oratorem autem, nisi qui sapiens esset, esse neminem, atque ipsam eloquentiam, quod ex bene dicendi scientia constaret, unam quandam esse virtutem, et qui unam virtutem haberet, omnis habere easque esse inter se aequalis et paris; ita, qui esset eloquens, eum virtutes omnis habere atque esse sapientem. Sed haec erat spinosa quaedam et exilis oratio longeque a nostris sensibus abhorrebat. Cic.de_orat.1,83.Einige von ihnen sowie eben jener Mnesarchos sagten, diejenigen, die wir Redner nennten, seien nichts anderes als Handlanger mit geläufiger und geübter Zunge; ein wahrer Redner sei niemand, wenn er nicht ein Weiser sei, und die Beredsamkeit selbst sei, weil sie in der Wissenschaft des guten Vortrages bestehe, eine Tugend, und wer eine Tugend besitzt, besitze alle, und diese seien untereinander völlig gleich; folglich, wer beredt sei, der besitze alle Tugenden und sei ein Weiser. Doch diese Erörterung war spitzfindig und saftlos und widersprach zu sehr unserer Auffassungsweise.
Charmadas vero multo uberius eisdem de rebus loquebatur, non quo aperiret sententiam suam; hic enim mos erat patrius Academiae adversari semper omnibus in disputando; sed cum maxime tamen hoc significabat, eos, qui rhetores nominarentur et qui dicendi praecepta traderent, nihil plane tenere neque posse quemquam facultatem adsequi dicendi, nisi qui philosophorum inventa didicisset. Cic.de_orat.1,84.Charmadas aber sprach weit reichhaltiger über dieselben Gegenstände, jedoch nicht, um seine eigene Ansicht auszusprechen; das ist ja die hergebrachte Weise der Akademie, in ihren Untersuchungen allen nur immer das Widerspiel zu halten; aber doch deutete er ganz deutlich an, diejenigen, die man Redekünstler nenne und die die Regeln der Beredsamkeit lehrten, wüssten gar nichts, und niemand könne sich Geschicklichkeit im Reden aneignen, wenn er nicht die Erfindungen der Philosophen gelernt habe.
Ea Menedemus exemplis magis quam argumentis conabatur refellere; memoriter enim multa ex orationibus Demostheni praeclare scripta pronuntians docebat illum in animis vel iudicum vel populi in omnem partem dicendo permovendis non fuisse ignarum, quibus ea rebus consequeretur, quae negaret ille sine philosophia quemquam nosse posse. Cic.de_orat.1,88.Diese Behauptungen suchte Menedemus mehr durch Beispiele als durch Beweise zu widerlegen. Er trug nämlich aus dem Gedächtnis viele herrliche Stellen aus den Reden des Demosthenes vor und zeigte so, dass dieser dadurch, dass er verstand, die Gemüter der Richter oder des Volkes nach allen Richtungen zu lenken, kundgegeben habe, wie gut er die Mittel gekannt habe, durch die er das erreichen könne, was nach jenes Behauptung niemand ohne Philosophie wissen könne.
Quid multa? Sic mihi tum persuadere videbatur neque artificium ullum esse dicendi neque quemquam posse, nisi qui illa, quae a doctissimis hominibus in philosophia dicerentur, cognosset, aut callide aut copiose dicere; in quibus Charmadas solebat ingenium tuum, Crasse, vehementer admirari: me sibi perfacilem in audiendo, te perpugnacem in disputando esse visum. Cic.de_orat.1,93.Wozu viele Worte? Er schien mich damals zu überzeugen, dass es keine Kunst der Beredsamkeit gebe und dass niemand mit Einsicht und Fülle reden könne, wenn er sich nicht mit den Vorträgen der gelehrtesten Philosophen bekannt gemacht habe. Hierbei pflegte Charmadas mit großer Bewunderung deine Anlagen, Crassus, zu loben und zu sagen, an mir habe er einen sehr gefälligen Zuhörer, an dir einen sehr kampflustigen Gegner gefunden.
Haec sunt, quae clamores et admirationes in bonis oratoribus efficiunt; neque ea quisquam, nisi diu multumque scriptitarit, etiam si vehementissime se in his subitis dictionibus exercuerit, consequetur; et qui a scribendi consuetudine ad dicendum venit, hanc adfert facultatem, ut, etiam subito si dicat, tamen illa, quae dicantur, similia scriptorum esse videantur; atque etiam, si quando in dicendo scriptum attulerit aliquid, cum ab eo discesserit, reliqua similis oratio consequetur; Cic.de_orat.1,152.Das ist das, was lauten Beifall und Bewunderung der Redner hervorruft, und niemand wird dies erreichen, wenn er nicht lange und viel geschrieben hat, mag er sich auch noch so eifrig in diesen Reden aus dem Stegreif geübt haben. Wer hingegen von der Übung im Schreiben zum Reden kommt, bringt die Fertigkeit mit, dass, wenn er auch aus dem Stegreif redet, doch das Gesagte dem Geschriebenen ähnlich zu sein scheint, und sollte er selbst einmal bei einem Vortrag eine schriftliche Ausarbeitung mitgebracht haben, so wird doch, wenn er diese verlässt, die folgende Rede sich in ähnlicher Form anschließen.
[Cic.fin.1,32,2] Nemo enim ipsam voluptatem, quia voluptas sit, aspernatur aut odit aut fugit, sed quia consequuntur magni dolores eos, qui ratione voluptatem sequi nesciunt; neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor sit, amet, consectetur, adipisci velit, sed quia non numquam eius modi tempora incidunt, ut labore et dolore magnam aliquam quaerat voluptatem. Cic.Fin.1,32,2Niemand verachtet, hasst oder meidet nämlich Lust an sich, weil sie Lust ist, sondern weil schweres Leid denen folgt, die Lust nicht vernünftig zu verfolgen verstehen. Ferner liebt keiner, verfolgt oder sucht den Schmerz an sich zu erlangen, weil er Schmerz ist, sondern weil mitunter die Umstände es erfordern, eine große Lust durch eine schmerzliche Mühe zu gewinnen.
Quorsum haec? Quia sine sociis nemo quicquam tale conatur. Cic.Lael.42.aWozu aber diese Bemerkungen? Weil sich niemand ohne Genossen in eine solche Unternehmung einlässt.
Quare talis improborum consensio non modo excusatione amicitiae tegenda non est, sed potius supplicio omni vindicanda est, ut ne quis concessum putet amicum vel bellum patriae inferentem sequi; Cic.Lael.43.aDaher darf ein solches Einverständnis schlecht denkender Menschen nicht durch Entschuldigungsgründe der Freundschaft beschönigt werden, sondern ist auf das strengste zu bestrafen, damit niemand sich für berechtigt hält, dem Freund selbst dann zu folgen, wenn er gegen das Vaterland Krieg anzettelt.
Nemo umquam animo aut spe maiora suscipiet, qui sibi non illius memoriam atque imaginem proponendam putet. Cic.Lael.102.dNiemand wird je großen Entwürfe und Hoffnungen nachgehen, ohne zu glauben, sich das Andenken und das Vorbild jenes Mannes vorzuhalten zu müssen.
Omnino, si tuam solitudinem communemque calamitatem nemo despexerit, aut per te aliquid confici aut nullo modo poterit; sin te quoque inimici vexare coeperint, ne cessaris, non enim gladiis tecum, sed litibus agetur. Cic.ad Q.fr.1,4,5,4Wenn niemand dich wegen deiner Verlassenheit und uns beide wegen unseres Unglücks verachtet, lässt sich von deiner Bemühung noch etwas erwarten, oder es ist durch kein Mittel mehr etwas auszurichten. Wenn aber unsere Feinde sich auch an dich machen, dann zögere nicht! denn sie werden nicht mit Schwertern, sondern mit Prozessen gegen dich auftreten.
ne diutius teneam, iudices, societas coitur. cum nulla iam proscriptionis mentio fieret, cum etiam, qui antea metuerant, redirent ac iam defunctos sese periculis arbitrarentur, nomen refertur in tabulas Sex. Rosci, hominis studiosissimi nobilitatis; Cic.S.Rosc.21.aKurz, ihr Richter, ihr Bund wird geschlossen. Als bereits niemand mehr an Ächtungen dachte, und sogar solche, die sich früher fürchten mussten, heimkehrten und glaubten, die Gefahren überstanden zu haben, da wird der Name des Sextus Roscius, des eifrigsten Anhängers der Adelspartei, auf die Liste gesetzt.
nemo erat, qui non ardere omnia mallet quam videre in Sex. Rosci, viri optimi atque honestissimi, bonis iactantem se ac dominantem T. Roscium. Cic.S.Rosc.24.cDa war niemand, der nicht lieber gewünscht hätte, dass alles in Flammen aufgehe, als den Titus Roscius im Besitztum des rechtschaffensten und achtbarsten Mannes, des Sextus Roscius, sich herrisch brüsten zu sehen.
ita loqui homines: quod iudicia tam diu facta non essent, condemnari eum oportere, qui primus in iudicium adductus esset; huic autempatronos propter Chrysogoni gratiam defuturos; de bonorum venditione et de ista societate verbum esse facturum neminem; ipso nomine parricidi et atrocitate criminis fore, ut hic nullo negotio tolleretur, cum ab nullo defensus esset. Cic.S.Rosc.28.bEs sagten daher diese Leute, weil so lange kein Gericht gehalten worden sei, müsse man den, der zuerst vor Gericht gestellt werde, verurteilen. Diesem aber werde es wegen der Gunst des Chrysogonus an Beschützern fehlen; den Güterverkauf und jene Genossenschaft werde wohl niemand erwähnen; schon das Wort Vatermord und das Empörende des vorgeworfenen Verbrechens werde es möglich machen, diesen, da er von niemandem verteidigt werde, ohne Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.
cum ab eo quaereretur, quid tandem accusaturus esset eum, quem pro dignitate ne laudare quidem quisquam satis commode posset, aiunt hominem, ut erat furiosus, respondisse: quod non totum telum corpore recepisset. Cic.S.Rosc.33.cAls man ihn nun fragte, warum er eigentlich einen Mann anklagen wolle, den niemand seinem Verdienst gemäß genug loben könne, soll der Rasende in seiner Wut geantwortet haben, weil er die Mordwaffe nicht tief genug in seinen Körper habe eindringen lassen.
'domum suam istum non fere quisquam vocabat.' nec mirum, qui neque in urbe viveret neque revocaturus esset. Cic.S.Rosc.52.e"Fast niemand lud ihn in sein Haus ein." Kein Wunder, da er weder in der Stadt lebte, noch die Einladung hätte erwidern können.
sin autem sic agetis, ut arguatis aliquem patrem occidisse neque dicere possitis, aut qua re aut quo modo, ac tantum modo sine suspicione latrabitis, crura quidem vobis nemo suffringet; Cic.S.Rosc.57.cWenn ihr aber so verfahrt, dass ihr jemanden des Vatermordes beschuldigt, ohne das Warum und Wie angeben zu können, und nur bellt (um zu bellen) ohne Verdachtsgründe, so wird euch zwar niemand die Beine zerschmettern;
audio, sed qua de causa vereri debuerit nemo dicit. 'habebat pater in animo.' Cic.S.Rosc.58.bIch höre es. Aber warum er dies befürchten musste, das sagt niemand. "Der Vater hatte es im Sinn."
planum fac. nihil est; non, quicum deliberaverit, quem certiorem fecerit, unde istud vobis suspicari in mentem venerit. Cic.S.Rosc.58.cNun, so beweise es! Es liegt nichts vor; niemand, mit dem er sich darüber beraten, den er davon in Kenntnis gesetzt hätte; kein Grund, warum ein solcher Argwohn euch einfallen konnte.
unum illud spectavi, quod Chrysogonus aiebat, neminem isti patronum futurum; de bonorum emptione deque ea societate neminem esse, qui verbum facere auderet hoc tempore'. Cic.S.Rosc.58.eIch hatte nur das im Auge, was Chrysogonus immer wieder sagte: jener werde keinen Verteidiger finden; über den Güterkauf und jene Genossenschaft ein Wort zu sagen, werde sich in diesen Zeiten niemand erdreisten.
postea quam invenit neminem eorum, qui possunt et solent, ita neglegens esse coepit, ut, cum in mentem veniret ei, resideret, deinde spatiaretur, non numquam etiam puerum vocaret, credo, cui cenam imperaret, prorsus ut vestro consessu et hoc conventu pro summa solitudine abuteretur. Cic.S.Rosc.59.cAls er keinen von denen, die dies können und gewöhnlich tun, bemerkte, wurde er so nachlässig, dass er, wenn es ihm beliebte, sich niedersetzte, dann auf- und abging, gelegentlich seinen Diener herbeirief, wahrscheinlich um das Essen bei ihm zu bestellen, so dass er in der Tat eure Gerichtssitzung und diese ganze Versammlung mit einem Mangel an Achtung behandelte, als ob gar niemand zugegen wäre.
erat porro nemo in quem ea suspicio conveniret. Cic.S.Rosc.64.dEs war ferner niemand da, auf den der Verdacht passte.
nemo enim putabat quemquam esse, qui, cum omnia divina atque humana iura scelere nefario polluisset, somnum statim capere potuisset, propterea quod, qui tantum facinus commiserunt non modo sine cura quiescere, sed ne spirare quidem sine metu possunt. Cic.S.Rosc.65.bDenn niemand glaubte, dass es einen Menschen geben können, der, nachdem er alle göttlichen und menschlichen Rechte durch einen ruchlosen Frevel verletzt hätte, sogleich einschlafen könne, weil, wer ein solches Verbrechen begangen habe, nicht allein nicht sorglos schlafen, sondern auch nicht einmal ohne Angst atmen könne.
apud homines autem prudentissimos agitur, qui intellegunt neminem ne minimum quidem maleficium sine causa admittere. Cic.S.Rosc.73.bVor höchst umsichtigen Männern aber wird die Sache verhandelt, die wissen, dass niemand auch das geringste Vergehen ohne Ursache vollbringt.
sic vita hominum est, ut ad maleficium nemo conetur sine spe atque emolumento accedere. Cic.S.Rosc.84.dDas liegt einmal in der menschlichen Natur, dass niemand es wagt, ohne Hoffnung auf Gewinn ein Verbrechen zu unternehmen.
iam quos nemo propter ignobilitatem nominat, sescenti sunt, qui inter sicarios et de veneficiis accusabant; qui omnes, quod ad me attinet, vellem viverent. Cic.S.Rosc.90.bFerner gibt es viele Hunderte, deren Namen wegen ihrer geringen Berühmtheit niemand nennt, die bei Meuchelmord und Giftmischerei die Ankläger machten. Von mir aus sollten diese alle noch am Leben sein!
multa scelerate, multa audaciter, multa improbe fecisti, unum stultissime, profecto tua sponte, non de Eruci sententia: nihil opus fuit te istic sedere. neque enim accusatore muto neque teste quisquam utitur eo, qui de accusatoris subsellio surgit. Cic.S.Rosc.104.bDu hast viel Schlechtes, Freches, und Ruchloses getan; aber eines hast du sehr dumm gemacht, gewiss aus eigenem Antrieb, nicht auf den Rat des Erucius: Du hättest dich nicht hier hinsetzen sollen. Denn niemand will einen stummen Ankläger haben oder einen Zeugen, der sich von der Bank des Anklägers erhebt.
qui sunt igitur in istis bonis, quibus partem Chrysogonus dederit? duo Roscii. num quisnam praeterea?nemo est, iudices. Cic.S.Rosc.107.cWer ist es nun, dem Chrysogonus einen Teil an jenen Gütern gab? Die beiden Roscier. Und wer weiter? Sonst niemand.
nam neque mandat quisquam fere, nisi amico, neque credit, nisi ei, quem fidelem putat. Cic.S.Rosc.112.dDenn niemand gibt wohl einen Auftrag, außer einem Freund; und niemand vertraut sich wohl einem an, den er nicht für treu hält.
ac iam nihil est, quod quisquam aut tam stultus aut tam improbus sit, qui dicat: 'vellem quidem liceret; hoc dixissem.' dicas licet. Cic.S.Rosc.138.cUnd niemand hat eine Veranlassung, so töricht oder schlimm zu sein, dass er behauptet: "Ach dass es erlaubt wäre; ich hätte dies oder jenes gesagt." Du darfst es sagen.
'hoc fecissem.' facias licet; nemo prohibet. Cic.S.Rosc.138.d"Ich hätte dies oder jenes getan." Du darfst es ja tun; niemand verwehrt es.
vestrum nemo est, quin intellegat populum Romanum, qui quondam in hostis lenissimus existimabatur, hoc tempore domestica crudelitate laborare. Cic.S.Rosc.154.bNiemand ist unter euch, der nicht einsieht, dass das römische Volk, das ehemals den Ruhm der größten Milde gegen seine Feinde hatte, jetzt durch Grausamkeit gegen die Bürger leide.
nemo enim ipsam voluptatem, quia voluptas sit, aspernatur aut odit aut fugit, sed quia consequuntur magni dolores eos, qui ratione voluptatem sequi nesciunt; Cic.fin.1,32,2Niemand nämlich verschmäht, hasst und flieht die Lust an sich, weil sie Lust ist, sondern weil es für die, die die Lust auf keine vernünftige Weise zu suchen verstehen, Schmerzen zur Folge hat.
nemo enim illic vitia ridet, nec corrumpere et corrumpi saeculum vocatur. melius quidem adhuc eae civitates, in quibus tantum virgines nubunt et cum spe votoque uxoris semel transigitur. Tac.Germ.19,3Denn niemand lacht da über die Laster und verführen und sich verführen lassen heißt nicht Zeitgeist. Noch besser freilich steht es bisher bei den Stämmen, bei denen nur Jungfrauen heiraten und es mit der Hoffnung und dem Wunsch der Gattin ein für alle Mal abgetan ist.
nec interest: pari humanitate accipiuntur. notum ignotumque, quantum ad ius hospitis, nemo discernit. abeunti, si quid poposcerit, concedere moris; et poscendi in vicem eadem facilitas. gaudent muneribus, sed nec data imputant nec acceptis obligantur. victus inter hospites comis. Tac.Germ.21,3Und es macht dies nichts aus: mit gleicher Freundlichkeit werden sie aufgenommen. Zwischen Bekannten und Unbekannten macht, was das Gastrecht angeht, niemand einen Unterschied. Bittet sich einer beim Gehen etwas aus, ist es Sitte, es ihm zuzugestehen, und sich dagegen etwas auszubitten nimmt man ebenso leicht. Sie haben Freude an Geschenken, doch rechnen sie die gegebenen nicht an und fühlen sich durch die empfangenen nicht verpflichtet. Der Verkehr unter Gastfreunden ist freundlich.
nec defuit audentia Druso Germanico, sed obstitit Oceanus in se simul atque in Herculem inquiri. mox nemo temptavit, sanctiusque ac reverentius visum de actis deorum credere quam scire. Tac.Germ.34,3Auch fehlte es Drusus Germanicus nicht an Wagemut; aber das Weltmeer widersetzte sich, dass man es gleichzeitig mit Herkules zum Gegenstand einer Untersuchung mache. Später machte niemand einen Versuch und man fand es frömmer und ehrfurchtsvoller, an die Taten der Götter zu glauben als Gewissheit zu suchen.
est et alia luco reverentia: nemo nisi vinculo ligatus ingreditur, ut minor et potestatem numinis prae se ferens. si forte prolapsus est, attolli et insurgere haud licitum: per humum evolvuntur. Tac.Germ.39,3Noch eine andere Ehrfurcht erweist man dem Hain: Niemand tritt ein, ohne mit einer Fessel gebunden zu sein, um die eigene Abhängigkeit und die Macht des göttlichen Wesens zu bekunden. Fällt einer zufällig zu Boden, darf er sich weder aufrichten lassen noch aufstehen; auf dem Boden wälzt er sich hinaus.
Qui fit, Maecenas, ut nemo, quam sibi sortem Hor.sat.1,1,1.Wie doch kommt es, Mäcen, dass niemand, welchen Beruf ihm
Si nemo praestet, quem non merearis, amorem? Hor.sat.1,1,87.Niemand Liebe gewährt, die selbst du nimmer verdienest?
Rex ibis neque te quisquam stipator ineptum Hor.sat.1,3,138.Um drei Unzen begibst, und niemand du zum Gefolge
Obiciet nemo sordis mihi, quas tibi, Tulli, Hor.sat.1,6,107.Mir wirft niedrigen Schmutz niemand, so wie, Tillius, dir vor,
2014.03.16 Hodie, die Crimaeae fatali, Crimenses plebiscito a Russis promoto et militari more praemunito, a ceteris autem orbis nationibus reiecto suffragia ferent, utrum ab Ucrainis ad Russos deficiant, an integra Ucrainae pars manere malint. De exitu plebisciti vix quisquam dubitat, qui effectus secuturi sint, adhuc nemo scit. lc20140316Heute, an einem für die Krim schicksalshaften Tag, werden die Bewohner der Krim in einer von den Russen geförderten und militärisch abgesicherten, aber von den restlichen Nationen der Welt abgelehnten Volksabstimmung entscheiden, ob sie von der Ukraine weg zu Russland übertreten oder lieber selbständiger Teil der Ukraine bleiben wollen. Kaum einer zweifelt am Ergebnis der Abstimmung, welche Folgen aber daraus erwachsen werden, weiß zur Zeit noch niemand.
2014.12.13 Sa.d. Motionem politicam, quae se PEGIDA nominat, quod est "Boni Europaei contra Islamizationem Hesperiae" ante paucas septimanas nemo noverat; quae imprimis Dresdae exemplum demonstrationum lunarium consequens orta et retiaculis socialibus celeriter propagata nunc politicos sollicitat. Participes contra multitudinem immigrantium et asylum flagitantium reclamitant. Quos praeses Gauck turbatores nominat minime opiferos; cancellaria Merkel in Germania agitationi et islamophobiae et infestationi phyleticae locum non esse profert. Haud immerito timor est, ne nazistae aliique extremistae sicut virus se insinuantes istam organizationem valetudine tentent. Sed imperialis diabolizatio minus aptum remedium sit quam argumentatio democratica, siquidem politici sanare quam acerbare malunt. 2014.12.13Die politische Bewegung, die sich PEGIDA nennt, was "Europäische Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes" bedeutet, kannte vor wenigen Wochen noch niemand. Sie ist insbesondere in Dresden nach dem Vorbild der Montagsdemonstrationen entstanden, hat sich durch die sozialen Netzwerke schnell verbreitet und macht der Politik jetzt Sorgen. Ihre Anhänger protestieren gegen die Vielzahl von Einwanderern und Asylsuchenden. Präsident Gauck nennt sie wenig hilfreiche Chaoten; die Kanzlerin Merkel betont, dass in Deutschland kein Platz sei für Hetze, Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit. Es besteht zu Recht die Furcht, dass Nazis und andere Extremisten sich wie ein Virus in diese Organisation einnisten und sie krank machen. Aber selbstherliche Verteufelung dürfte ein weniger geeignetes Heilmittel sein als demokratische Argumentation, jedenfalls wenn die Politiker lieber heilen als verschlimmern wollen.
[30,1] "Sed male prima pueritia inductus es et acutas manus habes et maiores tuos irreverenter pulsasti totiens et ipsam matrem tuam, me inquam ipsam, parricida denudas cotidie et percussisti saepius et quasi viduam utique contemnis nec vitricum tuum fortissimum illum maximumque bellatorem metuis. (Apul.met.5,30,1) Apul.met.5,30,1[30,1] Du hast schon von klein auf nichts getaugt; hast dich beständig an allen vergriffen, die Älteren so oft schändlich getroffen. Wie hast du nicht deiner Mutter selbst stets frevelhaft mitgespielt? Wie oft mich nicht bis ans Leben verwundet? Welche Schmach tust du mir nicht noch täglich an? Verächtlicher kann wohl niemand einer armen hilflosen Witwe begegnen! Und vor deinem Stiefvater, dem großen Kriegsgott, hast du wohl keine Furcht und Achtung mehr?
[Cic.off.1,14,4] Quibus ex rebus conflatur et efficitur id, quod quaerimus, honestum, quod etiamsi nobilitatum non sit, tamen honestum sit, quodque vere dicimus, etiamsi a nullo laudetur, natura esse laudabile. Cic.off.1,14,4Diese Züge sind es, die zusammen das Wesen des Rühmlichen oder Sittlichguten bilden, um dessen Begriff es uns hier zu tun ist; hat es auch keinen äußeren Glanz, ist es dennoch ehrenwert und mit recht erklären wir es, sollte es auch von niemand gepriesen werden, seiner selbst wegen für preiswürdig.
Illud autem officium, quod rectum idem appellant, perfectum atque absolutum est et, ut idem dicunt, omnes numeros habet nec praeter sapientem cadere in quemquam potest. Cic.off.3,14,2Jene Pflicht aber, die sie die richtige nennen, ist vollkommen und vollendet; sie lässt, wie sie sagen, nichts mehr zu wünschen übrig, und kann bei niemand, außer dem Weisen, vorkommen.
Neque vero hoc solum natura, id est iure gentium, sed etiam legibus populorum, quibus in singulis civitatibus res publica continetur, eodem modo constitutum est, ut non liceat sui commodi causa nocere alteri. Cic.off.3,23,1Und nicht bloß die Natur, d.h., das von den Völkern anerkannte Recht, sondern auch die Gesetze, auf die Staat und Verfassung bei den einzelnen Völkern gegründet sind, sprechen es gleich stark aus, dass niemand dem anderen des eigenen Vorteils wegen schaden darf.
Postquam Bruto et Cassio caesis nulla iam publica arma, Pompeius apud Siciliam oppressus exutoque Lepido, interfecto Antonio ne Iulianis quidem partibus nisi Caesar dux reliquus, posito triumviri nomine consulem se ferens et ad tuendam plebem tribunicio iure contentum, ubi militem donis, populum annona, cunctos dulcedine otii pellexit, insurgere paulatim, munia senatus magistratuum legum in se trahere, nullo adversante, cum ferocissimi per acies aut proscriptione cecidissent, ceteri nobilium, quanto quis servitio promptior, opibus et honoribus extollerentur ac novis ex rebus aucti tuta et praesentia quam vetera et periculosa mallent. Tac.ann.1,2,1.Brutus und Cassius waren gefallen, mit ihnen die Waffenmacht der Republik dahin; Pompeius erlag bei Sizilien, Lepidus wurde entwaffnet; und als nun auch Antonius getötet und selbst der julischen Partei kein Führer mehr übrig war außer allein Caesar (Augustus) - da legte dieser den Titel Triumvir nieder, wollte nur noch Konsul sein und begnügte sich zur Wahrung der Interessen des Volkes mit der Amtsgewalt eines Tribunen. Sobald er darauf das Heer durch Geschenke, das Volk durch Brotspenden und alle durch die Annehmlichkeit der Ruhe geködert hatte, trat er allmählich stärker hervor, zog die Befugnisse des Staates, der obersten Behörde, der Gesetze an sich - und niemand trat ihm entgegen. Denn die mutigsten Männer waren in der Schlacht oder durch Ächtung gefallen, die übrigen aus der Nobilität wurden, je willfähriger einer zur Dienstbarkeit war, desto mehr zu Reichtum und Ehrenstellen emporgehoben und zogen jetzt, da sie sich durch den Umschwung besser stellten, die sichere Gegenwart der riskanten Vergangenheit vor.
illi temptatis, quos idoneos rebantur, postquam maiorem legionum partem in officio vident, de sententia legati statuunt tempus, quo foedissimum quemque et seditioni promptum ferro invadant. tunc signo inter se dato inrumpunt contubernia, trucidant ignaros, nullo nisi consciis noscente, quod caedis initium, quis finis. Tac.ann.1,48,3.Diese forschten zuerst bei denen, die ihnen geeignet schienen, und bestimmten, nachdem sie sich überzeugt hatten, dass der größere Teil in den zwei Legionen treu gesinnt war, nach dem Rat des Legaten den Augenblick, wo sie die schlimmsten Aufrührer mit dem Schwert anfallen wollten: und jetzt stürmten sie, nachdem sie sich untereinander ein Zeichen gegeben hatten, in die Zelte, machten ihre nichtsahnenden Opfer nieder, und niemand, außer wer eingeweiht war, wusste, woher das Morden und wozu.
classem quippe et avia Oceani quaesita, ne quis venientibus occurreret, ne pulsos premeret: sed ubi miscuerint manus, inane victis ventorum remorumve subsidium. Tac.ann.2,15,2.Zur Flotte und zum weglosen Ozean hätten sie - das sehe man wohl - nur darum ihre Zuflucht genommen, damit niemand ihnen unterwegs entgegentrete, niemand den Geschlagenen zusetze. Aber sie sollten nur erst einmal mit ihnen die Waffen kreuzen: Winde und Ruder wären den Geschlagenen dann keine Hilfe!
pars navium haustae sunt, plures apud insulas longius sitas eiectae; milesque nullo illic hominum cultu fame absumptus, nisi quos corpora equorum eodem elisa toleraverant. sola Germanici triremis Chaucorum terram adpulit; quem per omnis illos dies noctesque apud scopulos et prominentis oras, cum se tanti exitii reum clamitaret, vix cohibuere amici, quo minus eodem mari oppeteret. Tac.ann.2,24,2.Ein Teil der Schiffe versank. Ein größerer Teil wurde an weiter entfernten Inseln an Land geworfen, wo die Mannschaft, weil dort niemand etwas anbaute, verhungerte, wenn nicht das Fleisch toter Pferde, die eben dort angeschwemmt wurden, sie am Leben hielt. Die Galeere des Germanicus war die einzige, die an der Küste der Chauker landete. Hier stand er während all jener Tage und Nächte auf Klippen und vorspringenden Küsten und schrie, er sei schuld an dem entsetzlichen Unglück. Seine Freunde konnten ihn kaum abhalten, in demselben Meer den Tod zu suchen.
Dies, quo reliquiae tumulo Augusti inferebantur, modo per silentium vastus, modo ploratibus inquies; plena urbis itinera, conlucentes per campum Martis faces. illic miles cum armis, sine insignibus magistratus, populus per tribus concidisse rem publicam, nihil spei reliquum clamitabant promptius apertiusque, quam ut meminisse imperitantium crederes. Tac.ann.3,4,1.Der Tag, an dem die Überreste in das Grab des Augustus gebracht wurden, war bald durch lautlose Stille verödet, bald durch laute Klage unruhig bewegt. In der Stadt die Straßen voll, das Marsfeld hell beleuchtet von Fackeln; dort bewaffnete Soldaten, die höchsten Behörden ohne Ehrenschmuck; vom Volk ertönte Stadtbezirk für Stadtbezirk die Klage, jetzt sei die Republik dahin und keine Hoffnung mehr übrig; und dies so lebhaft und unverhohlen, dass man sah: es dachte niemand an den Machthaber.
Nec ignoro in conviviis et circulis incusari ista et modum posci: set si quis legem sanciat, poenas indicat, idem illi civitatem verti, splendidissimo cuique exitium parari, neminem criminis expertem clamitabunt. atqui ne corporis quidem morbos veteres et diu auctos nisi per dura et aspera coerceas: corruptus simul et corruptor, aeger et flagrans animus haud levioribus remediis restinguendus est, quam libidinibus ardescit. Tac.ann.3,54,1.Wohl weiß ich: Bei Gastmählern und in geselligen Zirkeln klagt man über diese Dinge und fordert Beschränkung. Allein erlasse nur jemand ein Gesetz und kündige Strafen an: dieselben Menschen werden ein Geschrei erheben, man wolle den Staat ruinieren, wolle gerade den glanzvollen Häusern den Garaus bereiten, und niemand sei mehr vor Anschuldigung sicher. Kann man ja selbst körperliche Übel, wenn sie sich eingenistet und lange Zeit verschlimmert haben, nicht anders als durch harte und schmerzliche Mittel lindern. Auch eine Gesinnung, die zugleich verdorben ist und verdirbt, zugleich krank ist und ansteckt, darf man nicht mit Mitteln dämpfen wollen, die milder sind, als die Seuche der Lust brennt!
quantulum istud est, de quo aediles admonent! quam, si cetera respicias, in levi habendum! at hercule nemo refert, quod Italia externae opis indiget, quod vita populi Romani per incerta maris et tempestatum cotidie volvitur. ac nisi provinciarum copiae et dominis et servitiis et agris subvenerint, nostra nos scilicet nemora nostraeque villae tuebuntur. Tac.ann.3,54,4.Wie unbedeutend doch ist, was die Aedile rügen! Wie gering zu achten gegen das übrige! Aber darüber - nicht wahr? - berichtet niemand, dass ganz Italien das Ausland braucht, dass das Leben des römischen Volkes tagtäglich auf unserem Meer dem Spiel der Winde und Wogen ausgesetzt ist! Ja, kämen nicht die Vorräte der Provinzen den Herren und Knechten und den Leistungen des Feldes zu Hilfe, unsere Parkanlagen und Landhäuser würden schon unseren Unterhalt sichern!
Pleraque eorum, quae rettuli quaeque referam, parva forsitan et levia memoratu videri non nescius sum: sed nemo annalis nostros cum scriptura eorum contenderit, qui veteres populi Romani res composuere. ingentia illi bella, expugnationes urbium, fusos captosque reges, aut, si quando ad interna praeverterent, discordias consulum adversum tribunos, agrarias frumentariasque leges, plebis et optimatium certamina libero egressu memorabant: Tac.ann.4,32,1.Dass man gar manches von dem, was ich berichtet habe und noch berichten werde, vielleicht unbedeutend und nicht recht erwähnenswert findet, ist mir durchaus bewusst. Aber niemand dürfte auch meine Jahrbücher mit dem literarischen Anspruch derjenigen vergleichen, die die alte Geschichte Roms aufgeschrieben haben. Dort waren gewaltige Kriege, die Eroberung von Städten, Niederlagen und Gefangennahme von Königen, oder, wenn der Geschichtsschreiber einmal inneren Angelegenheiten den Vortritt ließ, Streit der Konsuln mit den Tribunen, Acker- und Korngesetze, Auseinandersetzungen des Volkes mit den Optimaten der Stoff, den er ohne jede Einschränkung darstellte.
nec quisquam defendere audebat, crebris multorum minis restinguere prohibentium, et quia alii palam faces iaciebant atque esse sibi auctorem vociferabantur, sive ut raptus licentius exercerent seu iussu. Tac.ann.15,38,7.Auch wagte niemand Einhalt zu tun, da viele unter wiederholtem Drohen das Löschen verwehrten, und weil andere offen Feuerbrände hineinwarfen und laut riefen, sie handelten auf Weisung, sei es, um ungestört rauben zu können, sei es wirklich auf Befehl.
Seneca missum ad se Natalem conquestumque nomine Pisonis, quod a visendo eo prohiberetur, seque rationem valetudinis et amorem quietis excusavisse respondit. cur salutem privati hominis incolumitati suae anteferret, causam non habuisse; nec sibi promptum in adulationes ingenium. idque nulli magis gnarum quam Neroni, qui saepius libertatem Senecae quam servitium expertus esset. Tac.ann.15,61,1.Seneca gab zur Antwort, Natalis sei zu ihm geschickt worden und sich im Namen Pisos darüber beklagt, dass dieser an einem Besuch gehindert werde, und er habe sich mit der Rücksicht auf seine Gesundheitsumstände und seiner Vorliebe für Ruhe entschuldigt. Das Leben eines Privatmannes seiner eigenen Unversehrtheit vorzuziehen, habe er keinen Grund gehabt; und Schmeicheleien widerstrebten seinem Charakter. Dies wisse niemand besser als Nero, der öfter Freimut als Knechtessinn an Seneca erfahren habe.
Ceterum militaris quoque conspiratio non ultra fefellit, accensis indicibus ad prodendum Faenium Rufum, quem eundem conscium et inquisitorem non tolerabant. ergo instanti minitantique renidens Scaevinus neminem ait plura scire quam ipsum, hortaturque ultro redderet tam bono principi vicem. Tac.ann.15,66,1.Jedoch auch der Militärverschwörung blieb nicht länger geheim, da die Angeber die Lust trieb, den Faenius Rufus zu verraten, der ihnen als Mitverschwörer und Untersuchungsrichter zugleich unausstehlich war. Zu ihm, wie er drängte und drohte, sagte daher Scaevinus lächelnd, niemand wisse mehr als er selbst, und forderte ihn seinerseits auf, dem so guten Fürsten sich dankbar zu erweisen.
ceterum coeptam adultamque et revictam coniurationem neque tunc dubitavere, quibus verum noscendi cura erat, et fatentur, qui post interitum Neronis in urbem regressi sunt. Tac.ann.15,73,2.Übrigens, dass wirklich eine Verschwörung begonnen und um sich gegriffen hatte und dann unterdrückt worden war, hat schon damals niemand in Zweifel gezogen, der sich bemühte, die Wahrheit zu erfahren, und auch solche, die nach dem Sturz Neros In die Hauptstadt zurückkehrten, geben es zu.
[Cic.Tusc.1,6] in quo eo magis nobis est elaborandum, quod multi iam esse libri Latini dicuntur scripti inconsiderate ab optimis illis quidem viris, sed non satis eruditis. fieri autem potest, ut recte quis sentiat et id quod sentit polite eloqui non possit; sed mandare quemquam litteris cogitationes suas, qui eas nec disponere nec inlustrare possit nec delectatione aliqua allicere lectorem, hominis est intemperanter abutentis et otio et litteris. itaque suos libros ipsi legunt cum suis, nec quisquam attingit praeter eos, qui eandem licentiam scribendi sibi permitti volunt. quare si aliquid oratoriae laudis nostra attulimus industria, multo studiosius philosophiae fontis aperiemus, e quibus etiam illa manabant. Cic.Tusc.1,6Hierbei muss ich um sie so mehr Sorgfalt anwenden, weil ich höre, dass schon manche lateinische Schriften vorhanden sind, die mit Unbedacht verfasst wurden, von zwar wohlmeinenden, aber nicht genug gebildeten Männern Kann ja doch der Fall sein, dass einer richtig denkt, ohne deswegen im Stande zu sein, was er denkt, geschmackvoll auszudrücken. Übrigens, seine Gedanken in Büchern niederzulegen, ohne die Gabe eines geordneten, deutlichen und durch Reiz den Leser anziehenden Vortrages, heißt Zeit und Schreibkunst ohne Maß missbrauchen. Drum lesen solche Menschen ihre Bücher auch nur selbst mit ihren Anhängern, und niemand nimmt sie zur Hand außer denjenigen, die dieselbe Freiheit zu schreiben sich gestattet wissen wollen. Daher will ich, wenn ich etwas zum Rednerruhm durch meine Tätigkeit beigetragen habe, nun noch viel sorgfältiger die Quellen der Philosophie öffnen, woraus auch jenes geflossen ist.
[Cic.Tusc.1,9] Malum mihi videtur esse mors. Iisne, qui mortui sunt, an iis, quibus moriendum est? Utrisque. Est miserum igitur, quoniam malum. Certe. Ergo et ii, quibus evenit iam ut morerentur, et ii, quibus eventurum est, miseri. Mihi ita videtur. Nemo ergo non miser. Prorsus nemo. Et quidem, si tibi constare vis, omnes, quicumque nati sunt eruntve, non solum miseri, sed etiam semper miseri. nam si solos eos diceres miseros quibus moriendum esset, neminem tu quidem eorum qui viverent exciperes —moriendum est enim omnibus,— esset tamen miseriae finis in morte. quoniam autem etiam mortui miseri sunt, in miseriam nascimur sempiternam. necesse est enim miseros esse eos qui centum milibus annorum ante occiderunt, vel potius omnis, quicumque nati sunt. Ita prorsus existimo. Cic.Tusc.1,9V. Der Tod scheint mir ein Übel zu sein. – Für wen? Für die, die gestorben sind, oder für die, die sterben müssen? – Für beide. – Der Tod ist also ein Unglück, weil er ein Übel ist. – Ja. – Also sind sowohl diejenigen, bei denen das Sterben schon vorüber ist, als auch diejenigen, denen es noch bevorsteht, unglücklich. – Dies ist meiner Ansicht. – Es gibt also niemanden, der nicht unglücklich wäre? – Nein! Niemand. – Und zwar, wenn du folgerichtig sein willst, sind alle, die schon geboren sind und noch geboren werden, nicht nur unglücklich, sondern auch immer unglücklich. Denn würdest du bloß diejenigen unglücklich nennen, denen der Tod bevorsteht, so würdest du zwar keinen der Lebenden ausnehmen, denn sterben müssen alle, aber es gäbe doch ein Ende des Unglücks im Tod. Weil aber auch die Toten unglücklich sind, so werden wir zu immer dauerndem Unglück geboren. Denn unglücklich müssen auch diejenigen sein, die vor 100,000 Jahren hinabgegangen sind, oder vielmehr alle, die überhaupt geboren sind.– Ganz so meine ich es. –
[Cic.Tusc.1,11] Quis enim non in eius modi causa? aut quid negotii est haec poetarum et pictorum portenta convincere? Atqui pleni libri sunt contra ista ipsa disserentium philosophorum. Inepte sane. quis enim est tam excors, quem ista moveant? Si ergo apud inferos miseri non sunt, ne sunt quidem apud inferos ulli. Ita prorsus existimo. Ubi sunt ergo ii, quos miseros dicis, aut quem locum incolunt? si enim sunt, nusquam esse non possunt. Ego vero nusquam esse illos puto. Igitur ne esse quidem? Prorsus isto modo, et tamen miseros ob id ipsum quidem, quia nulli sint. Cic.Tusc.1,11Wer könnte das nicht in solcher Sachen? Oder welche Schwierigkeit ist es, diese abenteuerlichen Erzeugnisse der Dichter und Maler zu widerlegen? – Dennoch gibt dicke philosophische Bücher, in denen die Verfasser sich gerade dagegen aussprechen. – Ungeschickt genug! Wer ist denn so verstandlos, dass jenes auf ihn Eindruck machte? – Also wenn man in der Unterwelt nicht unglücklich ist, so ist’s wohl deswegen, weil überhaupt niemand in der Unterwelt ist. – Ganz so denke ich. – Wo sind nun diejenigen, die du unglücklich nennst, oder welchen Ort bewohnen sie? Denn wenn sie sind, so müssen sie doch irgendwo sein. – Im Gegenteil, ich glaube, dass sie nirgends sind. – Also auch, dass sie nicht sind? – Ja wohl. – Und doch unglücklich, gerade deswegen weil sie nichts sind. –
[Cic.Tusc.3,2,1] Quodsi talis nos natura genuisset, ut eam ipsam intueri et perspicere eademque optima duce cursum vitae conficere possemus, haut erat sane, quod quisquam rationem ac doctrinam requireret. Cic.Tusc.3,2,1Wären wir durch die Natur von Geburt an so ausgestattett, dass wir sie selbst anschauen und durchblicken und unter ihrer trefflichen Leitung den Lauf des Lebens vollenden könnten: dann brauchte freilich niemand Lehre und Unterweisung.
Negat quemquam iucunde posse vivere, nisi idem honeste sapienter iusteque vivat. Cic.Tusc.5,26,3Er behauptet, niemand könne angenehm leben, ohne zugleich rechtschaffen, weise und gerecht zu leben.
Qui enim poterit aut corporis firmitate aut fortunae stabilitate confidere? Atqui nisi stabili et fixo et permanente bono beatus esse nemo potest. Cic.Tusc.5,40,2Denn wie wird er auf die Stabilität des Körpers oder die Beständigkeit des Glücks vertrauen können? Und doch, ohne dass ein Gut beständig, unverrückt und bleibend ist, kann niemand glückselig sein.
"Veni Athenas" inquit Democritus "neque me quisquam ibi adgnovit." Cic.Tusc.5,104,2"Ich kam nach Athen," sagt Demokrit, "und niemand erkannte mich dort."
[Cic.Tusc.1,38] Magni autem est ingenii sevocare mentem a sensibus et cogitationem ab consuetudine abducere. itaque credo equidem etiam alios tot saeculis, sed quod litteris exstet, Pherecydes Syrius primus dixit animos esse hominum sempiternos, antiquus sane; fuit enim meo regnante gentili. hanc opinionem discipulus eius Pythagoras maxime confirmavit, qui cum Superbo regnante in Italiam venisset, tenuit Magnam illam Graeciam cum [honore] disciplinae, tum etiam auctoritate, multaque saecula postea sic viguit Pythagoreorum nomen, ut nulli alii docti viderentur. XVII. sed redeo ad antiquos. rationem illi sententiae suae non fere reddebant, nisi quid erat numeris aut descriptionibus explicandum: Cic.Tusc.1,38Es gehört auch eine große Seele dazu, abzurufen den Geist vom Sinnlichen, und den Gedanken von der Gewohnheit abzuziehen. Immerhin mögen daher auch andere in so vielen Jahrhunderten dasselbe behauptet haben; aber schriftlich ist es zuerst von Pherekydes aus Syros aufgezeichnet, dass er die ewige Fortdauer der menschlichen Seelen ausgesprochen habe, allerdings ein alter Zeuge. Denn er lebte unter der Regierung meines Stammesverwandten (König Servius Tullius). Dieser Ansicht gab sein Schüler Pythagoras eine besondere Fesigkeit. Da er unter der Regierung des Superbus nach Italien gekommen war, gewann er Goßgriechenland für sich, teils durch die Würde seiner Schule, teils durch sein persönliches Ansehen. Und noch viele Jahrhunderte lebte die Kraft des Namens der Pniemand sonst für einen Gelehrten angesehen wurde.
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