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16.
Haus- und Wohnungsbau |
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Dass die Völker Germaniens
nicht in Städten wohnen, ist bekannt genug, ja dass sie nicht einmal
aneinander gebaute Wohnungen dulden. Sie siedeln sich abgesondert und nach
verschiedenen Richtungen an, wie eine Quelle, eine Flur, eine Waldtrift
ihnen gefällt. Ein Dorf legen sie nicht nach unserer Art aus miteinander
verbundenen und zusammenhängen Gebäuden an: Jeder umgibt sein
Haus mit einem Freiraum, sei es als Schutz gegen Feuergefahr, sei es aus
Unkenntnis im Bauwesen. Nicht einmal Bausteine oder Ziegeln sind bei ihnen
im Gebrauch: Unförmiges Bauholz verwenden sie zu allem, ohne Ansehen
und Anmut. Einige Stellen bestreichen sie besonders sorgfältig mit
einer Erdart von solcher Reinheit und solchem Glanz, dass es wie Malerei
und Farbzeichnung aussieht. Sie pflegen auch unterirdische Höhlen aufzutun
und beschweren sie oben mit viel Mist als Zuflucht für den Winter und
zur Aufbewahrung der Feldfrüchte, weil derartige Orte die starre Kälte
mildern und ein Feind, wenn einmal einer ins Land kommt, nur, was offen
daliegt, plündert; was versteckt und begraben ist, bleibt entweder
unerkannt oder entzieht sich eben dadurch, dass man es suchen muss. |
(16,1) Nullas Germanorum
populis urbes habitari satis notum est, ne pati quidem inter se iunctas
sedes. colunt discreti ac diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit.
(16,2) vicos locant non in nostrum morem conexis
et cohaerentibus aedificiis: suam quisque domum spatio circumdat, sive adversus
casus ignis remedium sive inscitia aedificandi. (16,3)
ne caementorum quidem apud illos aut tegularum usus: materia ad omnia utuntur
informi et citra speciem aut delectationem. quaedam loca diligentius inlinunt
terra ita pura ac splendente, ut picturam ac lineamenta colorum imitetur.
(16,4) solent et subterraneos specus aperire
eosque multo insuper fimo onerant, suffugium hiemis et receptaculum frugibus,
quia rigorem frigorum eius modi loci molliunt et, si quando hostis advenit,
aperta populatur, abdita autem et defossa aut ignorantur aut eo ipso fallunt,
quod quaerenda sunt. |
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| 17.
Kleidung von Mann und Frau |
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Körperbedeckung ist für
alle der Mantel, der mit einer Spange oder, wenn sie fehlt, mit einem Dorn
zusammengesteckt ist. Im übrigen bringen sie ganze Tage unbedeckt an
Herd und Feuer zu. Die Wohlhabendsten wissen sich durch ihr Untergewand
auszuzeichnen, das nicht herabfließt, wie bei den Sarmaten
und Parthern, sondern eng anliegt
und die einzelnen Gliedmaßen abzeichnet. Sie tragen auch Tierfelle;
die nächsten Uferanwohner nachlässig, wer entfernter wohnt, erlesener,
da er nicht durch den Handelsverkehr an gepflegte Kleidung kommt. Sie wählen
sich das Wild aus und verzieren die abgezogenen Felle mit Pelzbesatz von
Tieren, die das jenseitige Weltmeer und die unbekannte See hervorbringt.
Nicht anderes ist die Tracht der Frauen und der Männer, außer
dass sich die Frauen häufiger in einen leinernen Überwurf hüllen
und diesen mit Purpur bunt färben und dem oberen Teil des Untergewandes
keine langen Ärmel geben, nackt am Unter- und Oberarm; aber auch der
nächste Teil der Brust ist frei. |
(17,1) Tegumen omnibus
sagum fibula aut, si desit, spina consertum: cetera intecti totos dies iuxta
focum atque ignem agunt. locupletissimi veste distinguuntur non fluitante,
sicut Sarmatae ac Parthi, sed stricta et singulos artus exprimente. (17,2)
gerunt et ferarum pelles, proximi ripae neglegenter, ulteriores exquisitius,
ut quibus nullus per commercia cultus. eligunt feras et detracta velamina
spargunt maculis pellibusque beluarum, quas exterior Oceanus atque ignotum
mare gignit. (17,3) nec alius feminis quam viris
habitus, nisi quod feminae saepius lineis amictibus velantur eosque purpura
variant, partemque vestitus superioris in manicas non extendunt, nudae brachia
ac lacertos; sed et proxima pars pectoris patet. |
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| 18.
Die Ehe, Hochzeit und Geschenke |
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Gleichwohl sind die Ehen dort streng und keine
Seite ihrer Sitten möchte man unbedingter loben. Denn sie sind fast
die einzigen unter den unzivilisierten Völkern, die sich mit einer
Frau begnügen, ganz wenige ausgenommen, die sich nicht aus Sinnlichkeit,
sondern ihres Adels wegen mit sehr vielen Heiratsanträgen umworben
sehen. Die Mitgift bringt nicht die Gattin dem Gatten zu, sondern der Gattin
der Gatte. Zeugen dabei sind die Eltern und Verwandten; sie prüfen
die Geschenke, die weder mit Rücksicht auf weibliche Liebhabereien
ausgesucht sind noch um der Neuvermählten zum Schmuck zu dienen, sondern
Rinder und ein gezäumtes Pferd und einen Schild samt Frame und Schwert.
Auf diese Geschenke hin wird die Gattin in Empfang genommen und bringt ihrerseits
selbst auch dem Mann irgend etwas an Waffen zu. Das betrachten sie als stärkstes
Band, dies als geheimnisvolle Weihen, darunter verstehen sie die Götter
des Ehebundes. Damit die Frau mutige Taten nicht außerhalb ihres Gedankenkreises
und sich den Wechselfällen des Krieges enthoben glaubt, wird sie gleich
durch die Eingangsfeier des beginnenden Ehestandes daran erinnert, dass
sie als Gefährtin der Mühsale und Gefahren eintrete, um im Frieden
wie auf dem Schlachtfeld Schicksal und Wagnisse zu teilen. Dies sagt ihr
das Joch Ochsen, dies das aufgeschirrte Ross, dies die überreichten
Waffen. So habe sie zu leben, so zu sterben; sie empfange, was sie unentweiht
und in Ehren auf ihre Kinder bringen, was ihre Schwiegertöchter empfangen
und wiederum auf ihre Enkel übergehen solle. |
(18,1) Quamquam severa illic
matrimonia, nec ullam morum partem magis laudaveris. nam prope soli barbarorum
singulis uxoribus contenti sunt, exceptis admodum paucis, qui non libidine,
sed ob nobilitatem plurimis nuptiis ambiuntur. (18,2)
dotem non uxor marito, sed uxori maritus offert. intersunt parentes et propinqui
ac munera probant, munera non ad delicias
muliebres quaesita nec quibus nova nupta comatur, sed boves et frenatum
equum et scutum cum framea gladioque. (18,3)
in haec munera uxor accipitur, atque in vicem ipsa armorum aliquid viro
adfert: hoc maximum vinculum, haec arcana sacra, hos coniugales deos arbitrantur.
(18,4) ne se mulier extra virtutum cogitationes
extraque bellorum casus putet, ipsis incipientis matrimonii auspiciis admonetur
venire se laborum periculorumque sociam, idem in pace, idem in proelio passuram
ausuramque: hoc iuncti boves, hoc paratus equus, hoc data arma denuntiant.
sic vivendum, sic pereundum: accipere se, quae liberis inviolata ac digna
reddat,
quae nurus accipiant rursusque ad nepotes referantur. |
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| 19.
Treue in der Ehe |
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So leben sie denn in den Schranken
der Sittsamkeit, durch keine lüsternen Schauspiele, keine verführerischen
Gelage verdorben. Auf die Heimlichkeiten von Briefen verstehen sich Männer
wie Frauen gleich wenig. Fälle von Ehebruch sind bei dem so zahlreichen
Volk eine große Seltenheit. Seine Bestrafung erfolgt auf der Stelle
und ist dem Gatten überlassen. Mit abgeschnittenen Haaren, entkleidet,
stößt sie der Gatte in Gegenwart der Verwandten aus dem Haus
und treibt sie mit Schlägen durch das Dorf. Denn die Preisgabe der
Keuschheit findet keine Nachsicht: nicht durch Schönheit, nicht durch
Jugend, nicht durch Reichtum fände sie einen Mann. Denn niemand lacht
da über die Laster und verführen und sich verführen lassen
heißt nicht Zeitgeist. Noch besser freilich steht es bisher bei den
Stämmen, bei denen nur Jungfrauen heiraten und es mit der Hoffnung
und dem Wunsch der Gattin ein für alle Mal abgetan ist. So erhalten
sie einen Gatten, ebenso wie einen Leib und ein
Leben, auf dass kein Gedanke darüber hinausreiche, sich kein Verlangen
weiter erstrecke, damit ihre Liebe nicht dem Gatten, sondern der Ehe gelte.
Die Zahl seiner Kinder fest zu begrenzen und eines der nachgeborenen zu
töten gilt als schandbar; und mehr vermögen dort die guten Sitten
als anderswo gute Gesetze. |
(19,1) Ergo saepta
pudicitia agunt, nullis spectaculorum illecebris, nullis conviviorum irritationibus
corruptae. litterarum secreta viri pariter ac feminae ignorant. (19,2)
paucissima in tam numerosa gente adulteria, quorum poena praesens et maritis
permissa: abscisis crinibus nudatam coram propinquis expellit domo maritus
ac per omnem vicum verbere agit; publicatae enim pudicitiae nulla venia:
non forma, non aetate, non opibus maritum invenerit. (19,3)
nemo enim illic vitia
ridet, nec corrumpere et corrumpi saeculum vocatur. melius quidem adhuc
eae civitates, in quibus tantum virgines nubunt et cum spe votoque uxoris
semel transigitur. (19,4) sic unum accipiunt
maritum, quo modo unum corpus unamque vitam, ne ulla cogitatio ultra, ne
longior cupiditas, ne tamquam maritum sed tamquam matrimonium ament. (19,5)
numerum liberorum finire aut quemquam ex agnatis necare flagitium habetur,
plusque ibi boni mores valent quam alibi bonae leges. |
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| 20.
Leben in der Familie: Kindererziehung, Familiengründung, Verwandtschaft,
Erbrecht |
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In jedem Haus wachsen sie nackt und schmutzig
zu diesen Gliedmaßen, diesem Leib heran, den wir bewundern. Jeden
nährt die eigene Mutter an der Brust, und sie werden keinen Mägden
und Ammen überantwortet. Herr und Knecht lassen sich nicht an der
Weichlichkeit der Erziehung unterscheiden: inmitten der selben Haustiere,
auf dem selben Boden leben sie, bis das Alter die Freigeborenen absondert,
die Tapferkeit sie anerkennt. Spät genießen die jungen Männer
die Liebe, und deshalb ist ihre Jugendkraft unerschöpft. Auch mit
den Jungfrauen beeilt man sich nicht. Gleich ist die Jugendfrische, ähnlich
der hohe Wuchs. Gleichartig und in voller Kraft paaren sie sich, und die
Kinder spiegeln die Kernhaftigkeit der Eltern wieder. Die Schwesternsöhne
sind dem (mütterlichen) Onkel ebenso wert wie dem Vater. Manche halten
diese Art von Blutsband für heiliger und enger und fordern, wenn
sie sich Geiseln geben lassen, ganz besonders solche, in der Meinung,
dass sie den Willen fester und das Haus in größerer Ausdehnung
binden. Erben indessen und Nachfolger sind bei jedem seine leiblichen
Kinder, eine letztwillige Verfügung gibt es nicht. Sind keine Kinder
da, folgen als Erbberechtigte Brüder, Vaterbrüder, Mutterbrüder.
Je mehr Blutsverwandte man hat, je größer die Zahl der Verschwägerten
ist, desto mehr Achtung genießt man im Alter; Kinderlosigkeit gewährt
keine Vorteile. |
(20,1) In omni domo nudi ac sordidi
in hos artus, in haec corpora, quae miramur, excrescunt. sua quemque mater
uberibus alit, nec ancillis ac nutricibus delegantur. (20,2)
dominum ac servum nullis educationis deliciis
dignoscas: inter eadem pecora, in eadem humo degunt, donec aetas separet
ingenuos, virtus agnoscat. (20,3) sera iuvenum
venus, eoque inexhausta pubertas. nec virgines festinantur; eadem iuventa,
similis proceritas: pares validaeque miscentur, ac robora parentum liberi
referunt. (20,4) sororum filiis idem apud avunculum
qui apud patrem honor. quidam sanctiorem artioremque hunc nexum sanguinis
arbitrantur et in accipiendis obsidibus magis exigunt, tamquam et animum
firmius et domum latius teneant. (20,5) heredes
tamen successoresque sui cuique liberi, et nullum testamentum. si liberi
non sunt, proximus gradus
in possessione fratres, patrui, avunculi. quanto plus propinquorum, quanto
maior adfinium numerus, tanto gratiosior senectus; nec ulla orbitatis pretia. |
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| 21.
Freundschaft und Feindschaft, Geselligkeit und Gastfreundschaft |
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Die Feindschaften des Vaters oder eines Verwandten
ebenso wie seine Freundschaften auf sich zu nehmen ist unerlässlich;
aber sie dauern auch nicht unversöhnlich fort; denn sogar die Tötung
eines Menschen lässt sich durch eine bestimmte Anzahl Groß- und
Kleinvieh büßen, und das gesamte Haus nimmt die Genugtuung an,
- zum Nutzen des Gemeinwesens, weil Feindschaften dort gefährlicher
sind, wo Freiheit besteht. Für gemeinsame Mahlzeiten und Gastereien
hat kein anderes Volk eine so ungemessene Vorliebe. Einem Sterblichen, gleich
wem, sein Haus zu verwehren gilt als Frevel. Jeder bewirtet mit einem seinen
Verhältnissen entsprechenden Essen. Ist dies ausgegangen, so wird der
bisherige Wirt Wegweiser und Begleiter zu einem anderen Gastgeber, und uneingeladen
gehen sie in das nächste Haus. Und es macht dies nichts aus: mit gleicher
Freundlichkeit werden sie aufgenommen. Zwischen Bekannten und Unbekannten
macht, was das Gastrecht angeht, niemand einen Unterschied. Bittet sich
einer beim Gehen etwas aus, ist es Sitte, es ihm zuzugestehen, und sich
dagegen etwas auszubitten nimmt man ebenso leicht. Sie haben Freude an Geschenken,
doch rechnen sie die gegebenen nicht an und fühlen sich durch die empfangenen
nicht verpflichtet. Der Verkehr unter Gastfreunden ist freundlich. |
(21,1) Suscipere tam inimicitias
seu patris seu propinqui quam amicitias necesse est. nec implacabiles durant:
luitur enim etiam homicidium certo armentorum ac pecorum numero recipitque
satisfactionem universa domus, utiliter in publicum, quia periculosiores
sunt inimicitiae iuxta libertatem. (21,2) Convictibus
et hospitiis non alia gens effusius indulget. quemcumque mortalium arcere
tecto nefas habetur; pro fortuna quisque apparatis epulis excipit. cum defecere,
qui modo hospes fuerat, monstrator hospitii et comes; proximam domum non
invitati adeunt. (21,3) nec interest: pari humanitate
accipiuntur. notum ignotumque, quantum ad ius hospitis, nemo discernit.
abeunti, si quid poposcerit, concedere moris; et poscendi in vicem eadem
facilitas. gaudent muneribus, sed nec data imputant
nec acceptis obligantur. victus inter hospites comis. |
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| 22.
Privatleben: Tagesablauf, Trinkgelage |
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Gleich nach dem Schlaf, den sie meist bis in
den Tag hinein ausdehnen, waschen sie sich gewöhnlich warm, da bei
ihnen die meiste Zeit über Winter herrscht. Nach dem Waschen nehmen
sie Speise zu sich. Jeder hat seinen besonderen Sitz und seinen eigenen
Tisch. Dann begeben sie sich an die Geschäfte und nicht weniger häufig
zu Gelagen, und zwar bewaffnet. Tag und Nacht ununterbrochen fortzuzechen
ist für keinen eine Schande. Bei den - wie unter Trunkenen natürlich -
häufig vorkommenden Streitigkeiten geht es selten nur mit Schimpfreden
ab, häufiger mit Totschlag und Wunden. Aber auch über die gegenseitige
Aussöhnung von Feinden und den Abschluss von ehelichen Verbindungen
und die Wahl von Fürsten, endlich über Frieden und Krieg beraten
sie sich sehr häufig bei Gelagen, gleich als meinten sie, dass zu keiner
Zeit der Sinn so sehr für einfache Gedanken erschlossen sei oder sich
für große erwärme. Ohne Verschmitztheit und List öffnet
das Volk in der Ungebundenheit eines heiteren Anlasses noch seine innersten
Gedanken. So offen und unverhüllt ist aller Denkweise. Am folgend Tag
wird von neuem verhandelt und beiderlei Zeiten widerfährt so ihr Recht:
sie beraten, wenn es ihnen nicht gelingt, sich zu verstellen, und beschließen,
wenn sie nicht irren können. |
(22,1) Statim e somno, quem plerumque
in diem extrahunt, lavantur, saepius calida, ut apud quos plurimum hiems
occupat. lauti cibum capiunt: separatae singulis sedes et sua cuique mensa.
tum ad negotia nec minus saepe ad convivia procedunt armati. (22,2)
diem noctemque continuare potando nulli probrum. crebrae, ut inter vinolentos,
rixae raro conviciis,
saepius caede et vulneribus transiguntur. (22,3)
sed et de reconciliandis invicem inimicis et iungendis adfinitatibus et
adsciscendis principibus, de pace denique ac bello plerumque in conviviis
consultant, tamquam nullo magis tempore aut ad simplices cogitationes pateat
animus aut ad magnas incalescat.(22,4) gens
non astuta nec callida
aperit adhuc secreta pectoris licentia loci; ergo detecta et nuda omnium
mens. postera die retractatur, et salva utriusque temporis ratio est: deliberant,
dum fingere nesciunt, constituunt, dum errare non possunt. |
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| 23.
Essen und Trinken |
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Als Getränk dient ihnen eine Flüssigkeit,
die aus Gerste oder Weizen ganz ähnlich dem Wein zusammengebraut ist.
Die nächsten Uferanwohner erwerben im Handel auch Wein. Die Speisen
sind einfach: wilde Baumfrüchte, frisches Wildbret oder Käse aus
Milch. Ohne besondere Zubereitung, ohne Gaumenkitzel vertreiben sie ihren
Hunger. Dem Durst gegenüber herrscht nicht die selbe Mäßigung.
Leistet man ihrer Trinklust Vorschub und verschafft ihnen so viel, wie sie
begehren, wird man sie gewiss nicht weniger leicht durch ihre Laster als
mit Waffen besiegen. |
(23,1) Potui humor ex hordeo
aut frumento, in quandam similitudinem vini corruptus; proximi ripae et
vinum mercantur. cibi simplices, agrestia poma, recens fera aut lac concretum:
sine apparatu, sine blandimentis expellunt famem. adversus sitim non eadem
temperantia. (23,2) si indulseris ebrietati
suggerendo, quantum concupiscunt, haud minus facile vitiis
quam armis vincentur. |
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| 24.
Spiele und Spielsucht, Waffentanz und Würfel |
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Von Schauspielen gibt es nur eine einzige Art,
die bei jeder Zusammenkunft wiederkehrt. Nackte Jünglinge, denen dies
eine Kurzweil ist, werfen sich tanzend zwischen Schwerter und drohende Framen.
Die Übung hat Fertigkeit erzeugt, die Fertigkeit ansprechende Form;
jedoch nicht zum Erwerb oder gegen Bezahlung, obwohl der kühne Scherz
seinen Lohn an dem Vergnügen der Zuschauer hat. Das Würfelspiel
treiben sie merkwürdiger Weise nüchtern unter den ernsthaften
Dingen, im Gewinnen und Verlieren so unbeherrscht, dass sie, wenn sie nichts
mehr haben, im letzten Wurf ihre Freiheit und Person einsetzen. Der Besiegte
begibt sich freiwillig in die Knechtschaft; wenn auch jugendlicher, wenn
auch stärker, lässt er sich binden und verkaufen. So weit geht
ihre Unnachgiebigkeit in einer verkehrten Sache: sie selber heißen
es Ehrenpflicht. Sklaven dieser Art verkaufen sie weiter, um auch sich selbst
von der Beschämung des Sieges zu entlasten. |
(24,1) Genus spectaculorum unum
atque in omni coetu idem: nudi iuvenes, quibus id ludicrum est, inter gladios
se atque infestas frameas saltu iaciunt. (24,2)
exercitatio artem paravit, ars decorem, non in quaestum tamen aut mercedem:
quamvis audacis lasciviae pretium est voluptas spectantium. (24,3)
aleam, quod mirere, sobrii inter seria exercent, tanta lucrandi perdendive
temeritate, ut, cum omnia defecerunt, extremo ac novissimo iactu de libertate
ac de corpore contendant. (24,4) victus voluntariam
servitutem adit; quamvis iuvenior, quamvis robustior, alligari se ac venire
patitur. ea est in re prava pervicacia; ipsi fidem vocant. servos condicionis
huius per commercia tradunt, ut se quoque pudore victoriae exsolvant. |
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| 25.
Sklaven und Freigelassene |
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Die anderen Knechte verwenden sie nicht nach
unserer Weise, so dass die Dienstleistungen planmäßig unter das
Gesinde verteilt wären:Jeder leitet selbst seinen Hof und sein Haus;
der Herr erlegt ihm, wie einem Pächter, ein bestimmtes Maß von
Getreide, Vieh oder Kleidung auf und nur so weit ist der Knecht abhängig.
Die übrigen häuslichen Dienstleistungen besorgen die Frau und
die Kinder. Peitschen eines Knechtes und seine Züchtigung durch Fesseln
und Arbeit ist eine Seltenheit. Seine Tötung kommt vor, aber nicht
infolge von Zucht und Strenge, sondern aus Erregung und Zorn, wie einem
Feind gegenüber, nur dass es ungestraft bleibt. Die Freigelassenen
stehen nicht weit über den Knechten; selten haben sie einige Bedeutung
im Haus, niemals in der Gemeinde, ausgenommen allein die Völkerschaften,
die unter Königen stehen; denn da steigen sie sogar über die Freien
und die Adligen empor; bei den andern ist es ein Merkmal ihrer Freiheit,
dass die Freigelassenen untergeordnet sind. |
(25,1) Ceteris servis non in
nostrum morem descriptis per familiam ministeriis utuntur: suam quisque
sedem, suos penates regit. frumenti modum dominus aut pecoris aut vestis
ut colono iniungit, et servus hactenus paret; cetera domus officia uxor
ac liberi exequuntur. (25,2) verberare servum
ac vinculis et opere coercere rarum: occidere solent, non disciplina et
severitate, sed impetu et ira, ut inimicum, nisi quod impune est. (25,3)
liberti non multum supra servos sunt, raro aliquod momentum in domo, numquam
in civitate, exceptis dumtaxat
iis gentibus quae regnantur. ibi enim et super ingenuos et super nobiles
ascendunt: apud ceteros impares libertini libertatis argumentum sunt. |
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| 26.
Vermögensverhältnisse: Geldwirtschaft, Besitz an Grund und Boden |
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Mit Kapital zu wuchern und durch Zinsen zu vermehren
ist unbekannt; deshalb hält man sich mehr daran, als wenn es verboten
wäre. Die Ländereien werden nach der Anzahl der Anbauer von der
Gesamtheit abwechselnd in Besitz genommen und dann später unter die
einzelnen nach ihrem Rang verteilt. Die Weite der Felder erleichtert ihre
Verteilung. Die Saatfelder wechseln sie alljährlich und es bleibt noch
Brachland über. Denn sie ringen nicht mit der Ergiebigkeit und Ausdehnung
des Bodens mit Arbeit, so dass sie Obstpflanzungen anlegten, Wiesen absonderten,
Gärten künstlich bewässerten: nur Getreide wird der Erde
abverlangt. Daher teilen sie das Jahr selbst auch nicht in gleich viele
Abschnitte wie wir: Winter, Frühling und Sommer haben bei ihnen einen
Sinn und eine eigene Bezeichnung; vom Herbst sind Name und Gaben gleich
unbekannt. |
(26,1) Faenus agitare et in usuras
extendere ignotum; ideoque magis servatur quam si vetitum esset. agri pro
numero cultorum ab universis in vices occupantur, quos mox inter se secundum
dignationem partiuntur; facilitatem partiendi camporum spatia praestant.
(26,2) arva per annos mutant, et superest ager.
nec enim cum ubertate et amplitudine soli labore contendunt, ut pomaria
conserant, ut prata separent, ut hortos rigent: sola terrae seges imperatur.
(26,3) unde annum quoque ipsum non in totidem
digerunt species: hiems et ver et aestas intellectum ac vocabula habent,
autumni perinde nomen ac bona ignorantur. |
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| 27.
Umgang mit den Toten |
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Bei den Leichenbegängnissen gibt es kein
Gepränge; nur darauf halten sie, dass die Leiber ausgezeichneter Männer
mit bestimmten Holzsorten verbrannt werden. Den Scheiterhaufen bedecken
sie weder mit Gewändern noch mit Wohlgerüchen; jedem wird seine
Rüstung, manchen auch ihr Pferd ins Feuer mitgegeben. Das Grab baut
sich aus Rasen auf. Denkmäler zu Ehren der Verstorbenen hoch und mühsam
aufzutürmen verwerfen sie als für diese drückend . Wehklagen
und Tränen legen sie rasch wieder ab, Schmerz und Betrübnis nur
langsam. Für Frauen gilt das Trauern als angebracht, für Männer
das Gedenken. |
(27,1) Funerum nulla ambitio:
id solum observatur ut corpora clarorum virorum certis lignis crementur.
(27,2) struem rogi nec vestibus nec odoribus
cumulant: sua cuique arma, quorundam igni et equus adicitur. sepulcrum caespes
erigit: monumentorum arduum et operosum honorem ut gravem defunctis aspernantur.
lamenta ac lacrimas cito, dolorem et tristitiam tarde ponunt. feminis lugere
honestum est, viris meminisse. |
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Das ist es, was ich allgemein über den Ursprung
und die Eigentümlichkeit aller Germanen
in Erfahrung gebracht habe. Jetzt will ich erörtern, in wie weit sich
die Einrichtungen und Gebräuche der einzelnen Stämme unterscheiden,
und welche Volksstämme aus Germanien
nach Gallien übergesiedelt sind. |
(27,3) Haec in commune de omnium
Germanorum origine ac moribus accepimus: nunc singularum gentium instituta
ritusque quatenus differant, quaeque nationes e Germania in Gallias commigraverint,
expediam. |
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Deutsche Übersetzung nach:
Teuffel, W.S. bearbeitet
von E.Gottwein |
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und R.Much. |
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