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| V 9 |
(9) Weil mich nun der Zusammenhang
auf die Sitten des Volkes gebracht hat, scheint mich der Gegenstand meiner
Darstellung selbst aufzufordern, in der Geschichte zurückzugreifen
und in Kürze von den Gewohnheiten der Vorfahren im Krieg und Frieden
zu sprechen: in welcher Weise sie mit dem Staat umgegangen sind, in welcher
Größe sie ihn hinterlassen haben, wie er allmählich umgestaltet
wurde und so aus dem herrlichsten und besten so schlecht und hässlich
geworden ist. |
(5,9) Res ipsa hortari
videtur, quoniam de moribus civitatis tempus admonuit, supra repetere ac
paucis instituta maiorum domi militiaeque, quo modo rem publicam habuerint
quantamque reliquerint, ut paulatim inmutata ex pulcherruma [atque optuma]
pessuma ac flagitiosissuma facta sit, disserere. |
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| VI |
(1) Die Stadt Rom gründeten
und bewohnten, wie meine Quellen lauten, zuerst Trojaner, die unter Aeneas'
Führung heimatflüchtig ohne bleibende Stätte umhergeirrt
waren, und mit ihnen Aboriginer,
ein Bauernvolk ohne Gesetze, ohne Obrigkeit, ganz frei und unabhängig.
(2) Nachdem diese sich in einer Stadt vereinigt hatten, verschmolzen sie
trotz verschiedener Abstammung, ungleicher Sprache und abweichender Lebensgewohnheiten
unglaublich leicht miteinander: So war binnen kurzem aus einer zerstreuten
und nicht sesshaften Masse eine einträchtige Bürgerschaft geworden.
(3) Seitdem ihr Staat aber an Bürgerzahl, Gesittung und Gebiet gewachsen
war und ganz glücklich und mächtig schien, erregte ihr Wohlhabenheit,
wie es bei allem menschlichen Besitz zu sein pflegt, scheelsüchtigen
Hass. (4) Daher griffen die benachbarten Könige und Völker sie
mit Krieg an. Nur wenige von den Freunden leisteten Hilfe; denn die anderen
mieden in furchtsamer Bestürzung die Gefahren. (5) Aber die Römer
waren, daheim wie im Felde unermüdlich, rasch zur Hand, rüsteten,
ermutigten einander, zogen den Feinden entgegen, schützten Freiheit,
Vaterland, Eltern mit den Waffen. Als sie sich dann die Gefahren durch Tapferkeit
vom Halse geschafft hatten, brachten sie ihren Freunden und Bundesgenossen
Hilfe und erwarben sich dadurch Freunde, dass sie Dienste mehr erwiesen
als empfingen. (6) Sie hatten eine gesetzlich geordnete Staatsgewalt, für
die Staatsgewalt den Königstitel. Auserwählte, deren Körper
durch die Last der Jahre geschwächt, deren Geist aber durch gewonnene
Einsicht gekräftigt war, berieten das Gemeinwesen. Sie wurden - vielleicht
wegen des Alters, vielleicht wegen der Ähnlichkeit der Fürsorge
- Väter genannt. Nachher, als sich das Königtum, das ursprünglich
zur Wahrung der Freiheit und Mehrung des Reiches gedient hatte, in Willkür
und Gewaltherrschaft verkehrt hatte, änderten sie das Herkommen und
legten sich eine jährlich wechselnde Obrigkeit zu und jeweils
zwei Personen als Amtsinhaber. So, glaubten sie, könne ein Mensch am
wenigsten der Versuchung erliegen, willkürliche Ungesetzlichkeiten
zu üben. |
(6,1) Urbem Romam,
sicuti ego accepi, condidere atque habuere initio Troiani, qui Aenea duce
profugi sedibus incertis vagabantur, et cum his Aborigines, genus hominum
agreste, sine legibus, sine imperio, liberum atque solutum. (6,2)
hi postquam in una moenia convenere, dispari genere, dissimili lingua, alius
alio more viventes, incredibile memoratu est quam facile coaluerint: ita
brevi multitudo divorsa atque vaga concordia civitas facta erat. (6,3)
sed postquam res eorum civibus, moribus, agris aucta satis prospera satisque
pollens videbatur, sicuti pleraque mortalium habentur, invidia ex opulentia
orta est. (6,4) igitur reges populique finitumi
bello temptare, pauci ex amicis auxilio esse: nam ceteri metu perculsi a
periculis aberant. (6,5) at Romani domi militiaeque
intenti festinare, parare, alius alium hortari, hostibus obviam ire, libertatem,
patriam parentisque armis tegere. post ubi pericula virtute propulerant,
sociis atque amicis auxilia portabant, magisque dandis quam accipiundis
beneficiis amicitias parabant. (6,6) imperium
legitumum, nomen imperi regium habebant. delecti, quibus corpus annis infirmum,
ingenium sapientia validum erat, rei publicae consultabant: hi vel aetate
vel curae similitudine patres appellabantur. (6,7)
post ubi regium imperium, quod initio conservandae libertatis atque augendae
rei publicae fuerat, in superbiam dominationemque se convortit, inmutato
more annua imperia binosque imperatores sibi fecere: eo modo minume posse
putabant per licentiam insolescere animum humanum. |
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| VII |
(1) In der nun folgenden Zeit begannen
die Einzelnen mehr emporzustreben und ihre Talente mehr zu gebrauchen. (2)
Denn Königen flößen Gute mehr Argwohn ein als Schlechte,
und ihnen macht die Tüchtigkeit eines anderen immer Angst. (3) Kaum
glaubhaft klingt es, wie großes Wachstum in kurzer Zeit das Volk nach
erlangter Freiheit gewann. Vom so lebendigem Verlangen nach Ruhm war man
erfüllt. (4) Die jungen Leute erlernten, sobald sie nur stark genug
zum Krieg waren, sogleich im Feld unter Strapazen durch Übung den Kriegsdienst
und sie hatten ihre Lust an blanken Waffen und Kriegsrossen, nicht an Buhldirnen
und Gelagen. (5) Natürlich war ihnen, wenn sie dann Männer geworden
waren, keine Anstrengung ungewohnt, kein Platz unzugänglich und unübersteigbar,
kein Feind in Waffen schrecklich: Unerschrockenheit hatte alles überwunden.
(6) Unter ihnen selbst bestand dabei der lebhafteste Wetteifer um Ruhm.
Jeder suchte zum Beispiel vor den anderen einen Feind niederzustrecken,
eine Mauer zu ersteigen, die Augen, während er eine solche Tat vollbrachte,
auf sich zu ziehen. Darin sahen sie den Reichtum, darin guten Ruf und hohen
Adel. Geizig um Ruhm, waren sie freigebig mit Geld; Ruhm wünschten
sie haufenweise, von Reichtum nur, was recht war. (7) Ich könnte berichten,
an welchen Stätten das römische Volk in kleiner Zahl zahlreiche
Truppen aus dem Feld schlug, welche durch ihre natürliche Lage geschützten
Städte es im Sturm einnahm; aber das würde mich zu sehr von meinem
Thema ablenken. |
(7,1) Sed ea tempestate
coepere se quisque magis extollere magisque ingenium in promptu habere.
(7,2) nam regibus boni quam mali suspectiores
sunt, semperque iis aliena virtus formidulosa est. (7,3)
sed civitas incredibile memoratu est, adepta libertate quantum brevi creverit:
tanta cupido gloriae incesserat. (7,4) iam primum
iuventus, simul ac belli patiens erat, in castris per laborem usum militiae
discebat, magisque in decoris armis et militaribus equis quam in scortis
atque conviviis lubidinem habebant. (7,5) igitur
talibus viris non labor insolitus, non locus ullus asper aut arduos erat,
non armatus hostis formidulosus: virtus omnia domuerat. (7,6)
sed gloriae maxumum certamen inter ipsos erat: se quisque hostem ferire,
murum ascendere, conspici, dum tale facinus faceret, properabat. eas divitias,
eam bonam famam magnamque nobilitatem putabant. laudis avidi, pecuniae liberales
erant; gloriam ingentem, divitias honestas volebant. (7,7)
memorare possum, quibus in locis maxumas hostium copias populus Romanus
parva manu fuderit, quas urbis natura munitas pugnando ceperit, ni ea res
longius nos ab incepto traheret. |
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| VIII |
(8) Doch sagen muss ich: das Glück
übt überall seine Willkür. Es stellt alle Ereignisse nach
Laune, nicht nach Recht in Licht oder Schatten. (2) Die Taten der Athener
waren nach meiner Schätzung ganz groß und herrlich, jedoch beträchtlich
geringer als sie in der Überlieferung erscheinen; (3) aber weil unter
ihnen geistreiche Geschichtsschreiber auftraten, werden die Taten der Athener
als die größten auf der ganzen Erde gepriesen. (4) So gilt die
Tüchtigkeit derer, die Taten vollbracht haben, nur für so groß,
als ausgezeichnete Geister sie durch Worte herauszuheben vermochten.
(5) Solch Glück jedoch war dem römischen Volk nie beschieden,
weil der Gescheiteste immer auch der am meisten Beschäftigtste war;
Geistesarbeit ohne körperlichen Einsatz betrieb niemand; je tüchtiger
einer war, um so mehr stellte er das Handeln über das Reden und wollte
lieber seine Taten von anderen gelobt hören, als selbst die anderer
zu erzählen. |
(8,1) Sed profecto
fortuna in omni re dominatur; ea res cunctas ex lubidine magis quam ex vero
celebrat obscuratque. (8,2) Atheniensium
res gestae, sicuti ego aestumo, satis amplae magnificaeque fuere, verum
aliquanto minores tamen quam fama feruntur. (8,3)
sed quia provenere ibi scriptorum magna ingenia, per terrarum orbem Atheniensium
facta pro maxumis celebrantur. (8,4) ita eorum,
qui fecere, virtus tanta habetur, quantum eam verbis potuere extollere praeclara
ingenia. (8,5) at populo Romano numquam ea copia
fuit, quia prudentissumus quisque maxume negotiosus erat, ingenium nemo
sine corpore exercebat, optumus quisque facere quam dicere, sua ab aliis
bene facta laudari quam ipse aliorum narrare malebat. |
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| IX |
(1) Um den Faden wieder aufzunehmen:
Im Frieden und im Krieg pflegte man gute Sitten; es herrschte die größte
Eintracht, ganz wenig Habsucht. Recht und Pflicht wurden bei den Leuten
nicht infolge von Gesetzeszwang, sondern aus natürlicher Neigung treu
erfüllt. (2) Zank, Streit, Hader übten sie gegen Feinde, Bürger
stritten mit Bürgern nur um den Vorzug der Tüchtigkeit. Prachtliebend
bei den Götterfesten waren sie im häuslichen Leben sparsam, gegen
Freunde treu. (3) Durch diese beiden Vorzüge, Kampfbereitschaft im
Krieg und Gerechtigkeit, wenn der Frieden eingetreten war, förderten
sie das eigene Wohl und das Wohl des Staates. (4) Dafür habe ich folgende
schlagende Beweise: im Krieg musste öfter über solche Strafe verhängt
werden, die gegen Verbot gegen einen Feind gekämpft und die auf das
Kommando zum Rückzug zu langsam den Kampf abgebrochen hatten, als gegen
solche, die es gewagt hatten, die Reihen zu verlassen und, wenn sie geschlagen
waren, von der Stelle zu weichen. (5) Im Frieden aber gründete
man die Herrschaft auf Wohltaten, nicht auf Furcht , und verzieh lieber
nach erlittener Kränkung, als dass man strafte. |
(9,1) Igitur domi
militiaeque boni mores colebantur; concordia maxuma, minuma avaritia erat;
ius bonumque apud eos non legibus magis quam natura valebat. (9,2)
iurgia, discordias, simultates cum hostibus exercebant, cives cum civibus
de virtute certabant. in suppliciis deorum magnifici, domi parci, in amicos
fideles erant. (9,3) duabus his artibus, audacia
in bello, ubi pax evenerat, aequitate, seque remque publicam curabant. (9,4)
quarum rerum ego maxuma documenta haec habeo, quod in bello saepius vindicatum
est in eos, qui contra imperium in hostem pugnaverant quique tardius revocati
proelio excesserant, quam qui signa relinquere aut pulsi loco cedere ausi
erant; (9,5) in pace vero quod beneficiis magis
quam metu imperium agitabant et accepta iniuria ignoscere quam persequi
malebant. |
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| X |
(1) Als aber durch Kraftanstrengung
und Gerechtigkeit der Staat gewachsen, mächtige Könige durch Krieg
bezwungen, wilde Stämme und große Völker durch Gewalt unterworfen,
Karthago, die Nebenbuhlerin
der römischen Herrschaft, von Grund auf zerstört, die Zugänge
zu allen Ländern und Meeren erzwungen waren, da begann das Schicksal,
tückische Gewalt zu übern und alles durcheinander zu werfen. (2)
Denjenigen, die Mühen, Gefahren, Angst und Not ohne Beschwer ertragen
hatten, war Ruhe und Reichtum, sonst wünschenswert, jetzt Leid und
Last. (3) So wurde die Begierde zunächst nach Geld, dann nach Herrschaft,
immer mächtiger. Dies war der Keim zu allen Übeln; (4) denn Habsucht
zerstört Treue, Redlichkeit und alle anderen Tugenden, sie lehrt dafür
Frevelmut, Unmenschlichkeit, Gottvergessenheit, alles für Geld zu tun.
(5) Der Ehrgeiz hat schon viele dahin gebracht falsch zu werden, etwas anderes
in der Brust verschlossen als offen auf der Zunge zu tragen, Freundschaft
und Feindschaft nicht nach ihrem Wesen, sondern nach der Vorteilhaftigkeit
abzuwägen, ein ehrliches Gesicht, nicht ein ehrliches Herz zu haben.
(6) Diese Leidenschaften wuchsen anfänglich allmählich empor und
wurden manchmal bestraft; dann aber, als sich die Ansteckung wie eine Pest
ausbreitete, da änderte sich schnell der Volksgeist, da wurde die Herrschaft
aus der gerechtesten und wohltätigsten unmenschlich und unerträglich.
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(10,1) Sed ubi labore
atque iustitia res publica crevit, reges magni bello domiti, nationes ferae
et populi ingentes vi subacti, Carthago aemula imperi Romani ab stirpe interiit,
cuncta maria terraeque patebant, saevire fortuna ac miscere omnia coepit.
(10,2) qui labores, pericula, dubias atque asperas
res facile toleraverant, iis otium divitiaeque, optanda alias, oneri miseriaeque
fuere. (10,3) igitur primo pecuniae, deinde
imperi cupido crevit: ea quasi materies omnium malorum fuere. (10,4)
namque avaritia fidem, probitatem, ceterasque artis bonas subvortit; pro
his superbiam, crudelitatem, deos neglegere, omnia venalia habere edocuit.
(10,5) ambitio multos mortalis falsos fieri
subegit, aliud clausum in pectore, aliud in lingua promptum
habere, amicitias inimicitiasque non ex re, sed ex commodo aestumare, magisque
voltum quam ingenium bonum habere. (10,6) haec
primo paulatim crescere, interdum vindicari; post ubi contagio quasi pestilentia
invasit, civitas inmutata, imperium ex iustissumo atque optumo crudele intolerandumque
factum. |
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| XI |
(11) Anfangs indes trieb der Ehrgeiz
die Leute mehr als die Habsucht, weil jenes Laster der Tugend noch
etwas näher steht. Denn Ruhm, Ehre und Macht wünschen sich der
Tüchtige und der Untaugliche in gleicher Weise; aber jener müht
sich auf dem rechten Weg, dieser ringt, weil ihm gute Fertigkeiten abgehen,
mit Täuschung und Winkelzügen. (3) Das Wesen der Habsucht besteht
dagegen im Bemühen um Geld, dessen Besitz kein Weiser je für ein
Glück gehalten hat. Wie ein böser Gifttrank entnervt sie Leib
und Seele des Mannes, findet nie ein Ziel, eine Befriedigung und wird weder
durch Überfluss noch durch Mangel gemindert. (4) Seitdem später
jedoch
Lucius Sulla den Staat durch Waffengewalt an sich gebracht und nach
löblichen Anfängen einen schlimmen Ausgang genommen hatte, raubten
und plünderten alle; da wünschte einer ein Haus, dort einer Grundbesitz;
die Sieger kannten keine Schranke und keine Pflicht der Mäßigung,
verübten abscheuliche und unmenschliche Taten an Mitbürgern. (5)
Dazu trug bei, dass
Lucius Sulla, dem Heer, das er nach Asien geführt hatte, um sich
seiner Treue zu versichern, gegen die althergebrachte Sitte große
Üppigkeit und übermäßig große Zwanglosigkeit
gewährt hatte. Die schönen, zum Genuss verleitenden Gegenden hatten
leichthin die trotzigen Herzen der Soldaten im Nichtstun dahinschmelzen
lassen. (6) Dort zuerst lernte ein römisches Heer buhlen und saufen,
begann Bildsäulen, Gemälde und getriebene Gefäße
zu bewundern, sie aus Privat- und öffentlichem Besitz zu rauben, Tempel
zu plündern, an allem Geweihten und Ungeweihten zu freveln. (7) Natürlich
ließen diese Soldaten, nachdem sei einen Sieg errungen hatten, den
Besiegten nichts. (8) Glück macht ja sogar die Herzen der Weisen schwach.
Wie hätten sich jene, die sittlich verdorben waren, im Sieg mäßigen
können? |
(11,1) Sed primo
magis ambitio quam avaritia animos hominum exercebat, quod tamen vitium
propius virtutem erat. (11,2) nam gloriam, honorem,
imperium bonus et ignavos aeque sibi exoptant; sed ille vera via nititur,
huic quia bonae artes desunt, dolis atque fallaciis contendit. (11,3)
avaritia pecuniae studium habet, quam nemo sapiens concupivit: ea quasi
venenis malis inbuta corpus animumque virilem effeminat, semper infinita,
insatiabilis est, neque copia neque inopia minuitur. (11,4)
sed postquam L. Sulla armis recepta re publica bonis initiis malos eventus
habuit, rapere omnes, trahere, domum alius, alius agros cupere, neque modum
neque modestiam victores habere, foeda crudeliaque in civis facinora facere.
(11,5) huc adcedebat, quod L. Sulla exercitum,
quem in Asia ductaverat, quo sibi fidum faceret, contra morem maiorum luxuriose
nimisque liberaliter habuerat. loca amoena, voluptaria facile in otio ferocis
militum animos molliverant: (11,6) ibi primum
insuevit exercitus populi Romani amare, potare, signa tabulas, pictas, vasa
caelata mirari, ea privatim et publice rapere, delubra spoliare, sacra profanaque
omnia polluere. (11,7) igitur ii milites, postquam
victoriam adepti sunt, nihil relicui victis fecere. (11,8)
quippe secundae res sapientium animos fatigant: ne illi conruptis moribus
victoriae temperarent. |
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| XII |
(1) Seit der Reichtum Ehre brachte
und sich in seinem Gefolge Ruhm, Herrschaft und Macht einstellte, begann
die sittliche Kraft zu erlahmen, Armut für Schande, Redlichkeit für
Bösartigkeit zu gelten. (2) Also rissen infolge des Reichtums unter
der Jugend Üppigkeit und Habsucht samt Frevelmut ein: überall
Raffen und Prassen, Unzufriedenheit mit dem eigenen, Gier nach fremdem Gut,
Gleichgültigkeit gegen Schamhaftigkeit und Keuschheit gegen alles Göttliche
und Menschliche, kein Gewissen, keine Selbstbeherrschung. (3) Es lohnt sich,
wenn man Häuser und Landwohnungen sieht, die weitläufig wie Städte
aufgeführt sind, die Göttertempel zu besichtigen, die unsere Vorfahren,
höchst gottesfürchtige Menschen, erbaut haben. (4) In der Tat,
diese Alten sahen Frömmigkeit als den schönsten Schmuck der Tempel,
Ruhm für die höchste Zier ihrer Privathäuser und entzogen
Besiegten nichts als die Freiheit, Unrecht zu tun; (5) dagegen haben unsere
Zeitgenossen, ganz nichtsnutzige Leute, in höchst ruchloser Weise alles,
was die wackersten Männer trotz des Rechts des Siegers den Feinden
gelassen hatten, den Untertanen genommen, gerade als ob die Ausübung
von Herrschaft erst im Zufügen von Unrecht bestehe.
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(12,1) Postquam
divitiae honori esse coepere et eas gloria imperium, potentia sequebatur,
hebescere virtus, paupertas probro haberi, innocentia pro malevolentia duci
coepit. (12,2) igitur ex divitiis iuventutem
luxuria atque avaritia cum superbia invasere: rapere consumere, sua parvi
pendere, aliena cupere, pudorem pudicitiam, divina atque humana promiscua,
nihil pensi neque moderati habere. (12,3) operae
pretium est, quom domos atque villas cognoveris in urbium modum exaedificatas,
visere templa deorum, quae nostri maiores, religiosissumi mortales, fecere.
(12,4) verum illi delubra deorum pietate, domos
suas gloria decorabant, neque victis quicquam praeter iniuriae licentiam
eripiebant. (12,5) at hi contra, ignavissumi
homines, per summum scelus omnia ea sociis adimere, quae fortissumi viri
victores reliquerant: proinde quasi iniuriam facere, id demum esset imperio
uti. |
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| XIII |
(1) Soll ich denn wohl erwähnen,
was nur denen, die es gesehen haben, glaublich ist, dass von manchen Privatleuten
Berge geebnet und Meere überbaut worden sind? (2) Solche meine ich,
betrachten den Reichtum wie ein Spielzeug. Während sie ihn in Ehren
hätten besitzen können, beeilten sie sich, ihn schmählich
zu vertun. (3) Aber ebenso stark war die Lust an Hurerei, Schlemmerei und
allem anderen Sinnenkitzel geworden. Männer ließen sich wie Weiber
gebrauchen, Weiber hielten ihre Keuschheit feil. Der Leckerbissen wegen
suchte man alles aus Land und Wasser hervor; man schlief, ehe sich das Bedürfnis
danach einstellte; man wartete nicht die Zeit des Hungers und des Durstes,
der Kühle und der Ermattung ab, sondern beschleunigte künstlich
ihr Eintreten. (4) Dies trieb die jungen Leute, wenn ihr Vermögen zu
Ende war, zu Verbrechen: (5) der von Lastern befallene Sinn konne nicht
leicht auf die Sinnenlust verzichten. Man frönte nur um so zügelloser
dem Geldmachen und dem Verprassen. |
(13,1) nam quid ea
memorem, quae nisi iis, qui videre, nemini credibilia sunt, a privatis compluribus
subvorsos montis, maria constrata esse? (13,2)
quibus mihi videntur ludibrio fuisse divitiae: quippe quas honeste habere
licebat, abuti per turpitudinem properabant. (13,3)
sed lubido stupri, ganeae ceterique cultus non minor incesserat: viri muliebria
pati, mulieres pudicitiam in propatulo habere; vescendi causa terra marique
omnia exquirere; dormire prius quam somni cupido esset; non famem aut sitim,
neque frigus neque lassitudinem opperiri, sed ea omnia luxu antecapere.
(13,4) haec iuventutem, ubi familiares
opes defecerant, ad facinora incendebant: (13,5)
animus inbutus malis artibus haud facile lubidinibus carebat; eo profusius
omnibus modis quaestui atque sumptui deditus erat. |
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