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Cornelius Nepos


De regibus - Von den Königen

 

 
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I. Clarissimi reges Persarum
I. Die namhaftesten Perserkönige
(1,1) Hi fere fuerunt Graecae gentis duces, qui memoria digni videantur, praeter reges: namque eos attingere noluimus, quod omnium res gestae separatim sunt relatae. (1,2) neque tamen ii admodum sunt multi. Lacedaemonius autem Agesilaus nomine, non potestate fuit rex, sicut ceteri Spartani. ex iis vero, qui dominatum imperio tenuerunt, excellentissimi fuerunt, ut nos iudicamus, Persarum Cyrus et Darius, Hystaspi filius, quorum uterque privatus virtute regnum est adeptus. prior horum apud Massagetas in proelio cecidit, Darius senectute diem obiit supremum. (1,3) tres sunt praeterea eiusdem gentis: Xerxes et duo Artaxerxae, Macrochir cognomine et Mnemon. Xerxi maxime est illustre, quod maximis post hominum memoriam exercitibus terra marique bellum intulit Graeciae. (1,4) at Macrochir praecipuam habet laudem amplissimae pulcherrimaeque corporis formae, quam incredibili ornavit virtute belli: namque illo Perses nemo manu fuit fortior. Mnemon autem iustitiae fama floruit. nam cum matris suae scelere amisisset uxorem, tantum indulsit dolori, ut eum pietas vinceret. (1,5) ex his duo eodem nomine morbo naturae debitum reddiderunt, tertius ab Artabano praefecto ferro interemptus est.
1. Das waren ungefähr die Feldherrn griechischer Nation, die bemerkenswert scheinen möchten, mit Ausnahme der Könige, die ich nicht berühren wollte, da aller Taten in einem besonderen Buch erzählt sind. Doch sind es deren nicht sehr viele. Der lakedaimonische König Agesilaos aber war es, wie die übrigen spartanischen Könige, nur dem Namen, nicht der Macht nach. Unter denen dagegen, die mit wirklicher Obergewalt regierten, waren die ausgezeichnetsten, nach meinem Urteil, von den Persern Kyros (560-529) und Dareios (521-485), des Hystaspes Sohn, die beide aus dem Privatstand durch ihre Tüchtigkeit zur Herrschaft gelangten. Der erste von ihnen fiel bei den Massageten in einer Schlacht, Dareios starb infolge hohen Alters. Außerdem drei aus dem gleichen Stamm: Xerxes (485-473) und die beiden Artaxerxes, mit dem Beinamen Makrocheir und Mnemon. Von Xerxes ist am berühmtesten, dass er mit den seit Menschengedenken gewaltigsten Heermassen zu Wasser und zu Land Griechenland mit Krieg überzog. Makrocheir (473-424) dagegen hat vorzüglich den Ruhm einer sehr ansehnlichen und schönen Körpergestalt, der eine außerordentliche kriegerische Tüchtigkeit zum Schmuck diente. Denn kein Perser war persönlich tapferer als er. Mnemon (405 -359) endlich besaß den Ruf großer Gerechtigkeit. Denn als er durch eine verbrecherische Tat seiner Mutter seine Gattin verloren hatte, gab er seinem Schmerz nur so weit nach, dass ihn noch die Kindesliebe überbot. Von diesen drei zahlten die beiden gleichnamigen der Natur ihre Schuld durch eine Krankheit, der dritte fiel durch das Schwert seines Feldherrn Artabanos.
II. Duo reges Macedonum, unus Epirotes, unus Siculus
II. Zwei Makedonenkönige, ein Epeirote, ein Sikilier
(2,1) Ex Macedonum autem gente duo multo ceteros antecesserunt rerum gestarum gloria: Philippus, Amyntae filius, et Alexander Magnus. horum alter Babylone morbo consumptus est, Philippus Aegiis a Pausania, cum spectatum ludos iret, iuxta theatrum occisus est. (2,2) unus Epirotes, Pyrrhus, qui cum populo Romano bellavit. is cum Argos oppidum oppugnaret in Peloponneso, lapide ictus interiit. unus item Siculus, Dionysius prior. nam et manu fortis et belli peritus fuit et, id quod in tyranno non facile reperitur, minime libidinosus, non luxuriosus, non avarus, nullius denique rei cupidus nisi singularis perpetuique imperii ob eamque rem crudelis: nam dum id studuit munire, nullius pepercit vitae, quem eius insidiatorem putaret. (2,3) hic cum virtute tyrannidem sibi peperisset, magna retinuit felicitate: maior enim annos sexaginta natus decessit florente regno. neque in tam multis annis cuiusquam ex sua stirpe funus vidit, cum ex tribus uxoribus liberos procreasset multique ei nati essent nepotes.
2. Aus dem makedonischem Stamm aber ragten zwei durch den Ruhm ihrer Taten weit über die übrigen hervor: Philippos, des Amyntas Sohn (359 -336) und Alexander der Große (336 -323). Dieser letztere wurde zu Babylon durch eine Krankheit weggerafft, Philippos zu Aigai, als er ins Schauspiel ging, nahe beim Theater von Pausanias ermordet. Unter den Epeiroten einer, Pyrrhos (297 -272), der gegen das römische Volk Krieg führte. Als dieser die Stadt Argos in der Peloponnes erstürmte, kam er durch einen Steinwurf um. Desgleichen ein Sikilier, Dionysios der Ältere (406 -367). Denn er war persönlich tapfer, kriegskundig und, was nicht leicht bei einem Tyrannen vorkommt, durchaus nicht ausschweifend, nicht üppig, nicht geizig, kurz, nach nichts begierig als nach dauernder Alleinherrschaft, und eben deshalb grausam. Denn indem er diese zu befestigen strebte, schonte er das Leben von niemandem, bei dem er eine Verschwörung gegen sich selber argwöhnte. Nachdem er sich durch seine Tüchtigkeit die Tyrannis gewonnen hatte, behauptete er sie mit großem Glück. Denn er starb, mehr als 60 Jahre alt, bei blühendem Zustand seiner Herrschaft, und in einer so langen Reihe von Jahren sah er keinen seiner Nachkommen sterben, obwohl er mit drei Frauen Kinder gezeugt hatte und ihm viele Enkel geboren waren.
III. Reges ex amcis Alexandri
III. Diadochenkönige
(3,1) Fuerunt praeterea magni reges ex amicis Alexandri Magni, qui post obitum eius imperia ceperunt, in his Antigonus et huius filius Demetrius, Lysimachus, Seleucus, Ptolemaeus. (3,2) ex his Antigonus in proelio, cum adversus Seleucum et Lysimachum dimicaret, occisus est. pari leto affectus est Lysimachus ab Seleuco: namque societate dissoluta bellum inter se gesserunt. (3,3) at Demetrius, cum filiam suam Seleuco in matrimonium dedisset neque eo magis fida inter eos amicitia manere potuisset, captus bello in custodia socer generi periit a morbo. (3,4) neque ita multo post Seleucus a Ptolemaeo Cerauno dolo interfectus est, quem ille a patre expulsum Alexandrea alienarum opum indigentem receperat. ipse autem Ptolemaeus, cum vivus filio regnum tradidisset, ab illo eodem vita privatus dicitur.
(3,5) De quibus quoniam satis dictum putamus, non incommodum videtur non praeterire Hamilcarem et Hannibalem, quos et animi magnitudine et calliditate omnes in Africa natos praestitisse constat.
3. Außerdem gab es große Könige unter den Freunden Alexanders des Großen, die nach dessen Tod Herrschaften in Besitz nahmen, darunter Antigonos und dessen Sohn Demetrios, Lysimachos, Seleukos und Ptolemaios. Antigonos wurde in einer Schlacht, in der er gegen Seleukos und Lysimachos kämpfte, getötet (301). Einen gleichen Tod erlitt Lysimachos (221) durch Seleukos, da sie sich nach Auflösung ihres Bündnisses untereinander bekriegten. Demetrios aber wurde, als er seine Tochter (Stratonike) mit Seleukos vermählt hatte, und trotzdem sich keine dauernde Freundschaft zwischen beiden erhalten konnte, im Krieg gefangen und starb, der Schwiegervater im Kerker des Schwiegersohnes, an einer Krankheit (282). Nicht sehr lange nachher wurde auch Seleukos von Ptolemaios Keraunos hinterlistig ermordet (280), den er, von seinem Vater aus Alexandreia vertrieben und fremder Hilfe bedürftig, bei sich aufgenommen hatte. Ptolemaios selbst aber soll, nachdem er noch bei seinen Lebzeiten seinem Sohn das Reich übergeben hatte, von eben diesen umgebracht worden sein (283).
Da ich über diese genug gesagt zu haben glaube, scheint es mir nicht unangebracht, den Hamilkar und Hannibal nicht zu übergehen, die es bekanntlich an Geistesgröße und Schlauheit allen Afrikanern zuvorgetan haben.
  Übersetzung: nach J. Siebelis bearbeitet von E.Gottwein
Sententiae excerptae:
w45
Literatur:
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