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Cornelius Nepos


Phocion - Phokion

 

 
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I. Phocion vitae integritate clarior factus est quam rei militaris labore.
(1,1) Phocion Atheniensis etsi saepe exercitibus praefuit summosque magistratus cepit, tamen multo eius notior integritas vitae quam rei militaris labor. itaque huius memoria est nulla, illius autem magna fama, ex quo cognomine Bonus est appellatus. (1,2) fuit enim perpetuo pauper, cum divitissimus esse posset propter frequentis delatos honores potestatesque summas, quae ei a populo dabantur. (1,3) hic cum a rege Philippo munera magnae pecuniae repudiaret legatique hortarentur accipere simulque admonerent, si ipse iis facile careret, liberis tamen suis prospiceret, quibus difficile esset in summa paupertate tantam paternam tueri gloriam, (1,4) his ille 'si mei similes erunt, idem hic' inquit 'agellus illos alet, qui me ad hanc dignitatem perduxit; sin dissimiles sunt futuri, nolo meis impensis illorum ali augerique luxuriam.'
1. Obwohl der Athener Phokion oft Heere befehligte und die höchsten Ämter im Staat erhielt, ist er doch weit bekannter durch sein unbescholtenes Leben, als durch seine Leistungen im Krieg. Dieser gedenkt daher niemand, während jenes in hohem Ruf stand, so dass er deshalb den Beinamen "der Rechtschaffene" erhielt. Er blieb nämlich fortwährend arm, obgleich er bei den häufig ihm übertragenen Ehrenstellen und der ihm vom Volk erteilten höchsten Gewalt sehr reich hätte sein können. Als er reiche Geldgeschenke vom König Philippos zurückwies und die Gesandten in ihn drangen, sie anzunehmen, zugleich mit der Erinnerung, wenn er auch selbst leicht darauf verzichten könne, möge er doch an seine Kinder denken, denen es bei so großer Armut schwer sein werde, den so hohen Ruhm ihres Vaters zu behaupten, so erwiderte er ihnen: "Werden sie mir ähnlich sein, dann wird eben dieser kleine Acker, der mich zu solchem Ansehen erhoben hat, zu ihrer Nahrung ausreichen; sollten sie mir hingegen unähnlich werden, dann will ich ihrer Üppigkeit nicht auf meine Kosten Nahrung und Wachstum geben."
II. Senex in odium pervenit civium suorum, quod Piraeum Cassandro prodidisset.
(2,1) Idem cum prope ad annum octogesimum prospera pervenisset fortuna, extremis temporibus magnum in odium pervenit suorum civium, (2,2) primo quod cum Demade de urbe tradenda Antipatro consenserat eiusque consilio Demosthenes cum ceteris, qui bene de re publica meriti existimabantur, populi scito in exilium erant expulsi. neque in eo solum offenderat, quod patriae male consuluerat, sed etiam quod amicitiae fidem non praestiterat. (2,3) namque auctus adiutusque a Demosthene eum, quem tenebat, ascenderat gradum, cum adversus Charetem eum subornaret: ab eodem in iudiciis, cum capitis causam diceret, defensus aliquotiens, liberatus discesserat. hunc non solum in periculis non defendit, sed etiam prodidit. (2,4) concidit autem maxime uno crimine, quod, cum apud eum summum esset imperium populi et Nicanorem, Cassandri praefectum, insidiari Piraeo Atheniensium a Dercylo moneretur idemque postularet ut provideret, ne commeatibus civitas privaretur, huic audiente populo Phocion negavit esse periculum seque eius rei obsidem fore pollicitus est. (2,5) neque ita multo post Nicanor Piraeo est potitus, sine quo Athenae omnino esse non possunt. ad quem recuperandum cum populus armatus concurrisset, ille non modo neminem ad arma vocavit, sed ne armatis quidem praeesse voluit.
2. Eben dieser Mann zog sich, da er unter glücklichen Verhältnissen fast sein 80. Jahr erreicht hatte, in der letzten Zeit seines Lebens in hohem Grad den Hass seiner Mitbürger zu: zuerst weil er sich mit Demades wegen Übergabe der Stadt an Antipatros verständigt hatte und auf seinen Rat Demosthenes zusammen mit den übrigen, die für wohlverdient um den Staat galten, durch einen Volksbeschluss in die Verbannung getrieben worden war (322). Aber nicht allein das hatte Unwillen erregt, dass er das Vaterland übel beraten, sondern auch dass er dem Freund nicht Treue bewährt hatte. Denn von Demosthenes gehoben und unterstützt, war er zu der hohen Stellung, die er einnahm, emporgestiegen, indem ihn dieser gegen den Chares anstiftete. Auch war er von eben dem selben vor Gericht, als er sich gegen peinliche Anklagen zu verantworten hatte, einige Mal verteidigt worden und frei ausgegangen. Er dagegen verteidigte diesen, als er angeklagt war, nicht nur nicht, sondern gab ihn sogar offen preis. Sein Sturz aber wurde hauptsächlich durch eine Beschuldigung veranlasst: Als er nämlich die oberste Gewalt im Staat bekleidete, warnte ihn Derkylos, dass Kassandros' Feldherr Nikanor, etwas gegen den Peiraieus der Athener im Schilde führe, und forderte ihn zugleich auf, sich vorzusehen, dass die Stadt nicht der Zufuhr beraubt werde. Doch Phokion stellte laut vor dem Volk das Vorhandensein einer Gefahr gegen ihn in Abrede und versicherte, dafür Bürge sein zu wollen. Aber nicht sehr lange nachher bemächtigte sich Nikanor des Peiraieus, ohne den Athen überhaupt nicht bestehen kann; und als das Volk, um ihn wiederzugewinnen, bewaffnet zusammenströmte, rief er nicht nur niemand zu den Waffen, sondern wollte nicht einmal die Bewaffneten anführen.
III. Eo crimine et a civibus et a Polyperchonte Macedone damnatur.
(3,1) Erant eo tempore Athenis duae factiones, quarum una populi causam agebat, altera optimatium. in hac erat Phocion et Demetrius Phalereus. harum utraque Macedonum patrociniis utebatur: nam populares Polyperchonti favebant, optimates cum Cassandro sentiebant. (3,2) interim a Polyperchonte Cassandrus Macedonia pulsus est. quo facto populus superior factus statim duces adversariae factionis capitis damnatos patria propulit, in his Phocionem et Demetrium Phalereum, deque ea re legatos ad Polyperchontem misit, qui ab eo peterent ut sua decreta confirmaret. (3,3) huc eodem profectus est Phocion. quo ut venit, causam apud Philippum regem verbo, re ipsa quidem apud Polyperchontem iussus est dicere: namque is tum regis rebus praeerat. (3,4) hic ab Agnone accusatus, quod Piraeum Nicanori prodidisset, ex consilii sententia in custodiam coniectus Athenas deductus est, ut ibi de eo legibus fieret iudicium.
3. Es gab zu jener Zeit zwei Parteien in Athen, von denen eine für das Volk, die andere für die Optimaten wirkte. Zu letzterer gehörten Phokion und Demetrios aus Phaleron. Beide Parteien stützten sich auf makedonischen Schutz; denn die Volksmänner hielten es mit Polyperchon, die Optimaten mit Kassandros. Mittlerweile wurde Kassandros von Polyperchon aus Makedonien vertrieben. Hierdurch gewann das Volk die Oberhand, vertrieb sogleich die Führer der Gegenpartei, zu Kapitalstrafen verurteilt, aus dem Vaterland, darunter auch den Phokion und Demetrios aus Phaleron, und schickte deshalb Gesandte an Polyperchon, um von ihm die Bestätigung seiner Beschlüsse zu erbitten (318). Eben dorthin begab sich auch Phokion. Sobald er ankam, befahl man ihm, sich dem Namen nach vor König Philippos, in der Tat aber vor Polyperchon zu verantworten; denn dieser leitete damals die Angelegenheiten des Königs. Hier von Agnon angeklagt, den Peiraieus an Nikanor verraten zu haben, wurde er auf Beschluss des Rates ins Gefängnis geworfen und nach Athen abgeführt, damit dort den Gesetzen nach über ihn Gericht gehalten werde.
IV. Ad supplicium traditus constanti animo moritur.
(4,1) Huc ut perventum est, cum propter aetatem pedibus iam non valeret vehiculoque portaretur, magni concursus sunt facti, cum alii, reminiscentes veteris famae, aetatis misererentur, plurimi vero ira exacuerentur propter proditionis suspicionem Piraei maximeque quod adversus populi commoda in senectute steterat. (4,2) quare ne perorandi quidem ei data est facultas et dicendi causam. inde iudicio legitimis quibusdam confectis damnatus traditus est undecimviris, quibus ad supplicium more Atheniensium publice damnati tradi solent. (4,3) hic cum ad mortem duceretur, obvius ei fuit Euphiletus, quo familiariter fuerat usus. is cum lacrimans dixisset: 'o quam indigna perpeteris, Phocion!', huic ille 'at non inopinata' inquit: 'hunc enim exitum plerique clari viri habuerunt Athenienses.' (4,4) in hoc tantum fuit odium multitudinis, ut nemo ausus sit eum liber sepelire. itaque a servis sepultus est.
4. Hier landete man an, indem er, wegen seiner Jahre zu Fuß nicht mehr kräftig genug, auf einem Wagen gefahren wurde. Ein großer Zusammenlauf erfolgte, da einige, eingedenk seines alten Ruhmes, den Greis bemitleideten, die meisten aber heftiger Zorn anstachelte, weil man ihn im Verdacht hatte, den Peiraieus verraten zu haben, hauptsächlich aber, weil er sich jetzt, im hohen Alter, dem Vorteil des Volkes widersetzt hatte. Deswegen gestattete man ihm nicht einmal, zu Ende zu sprechen und sich zu verteidigen. Dann wurde er nach Vollzug gewisser gesetzmäßiger Formen durch das Gericht verurteilt und den Elfmännern übergeben, denen nach athenischer Sitte die gesetzlich Verurteilten zur Vollstreckung der Todesstrafe übergeben zu werden pflegen. Als man ihn nun zum Tod führte, begegnete ihm Euphyletos, der sein Freund gewesen war. Dieser rief unter Tränen: "O, wie Unwürdiges duldest du, Phokion!" "Doch nichts Unerwartetes," antwortete jener, "denn ein solches Ende haben die meisten berühmten Athener genommen." So groß war auf ihn der Hass der Menge, dass ihn kein freier Mann zu beerdigen wagte; deshalb wurde er von Sklaven begraben.
  Übersetzung: nach J. Siebelis bearbeitet von E.Gottwein
Sententiae excerptae:
w32
Literatur:
4175  Geiger, Joseph
Cornelius Nepos and ancient political biography.
Stuttgart : Steiner-Verl.-Wiesbaden-GmbH, 1985 [Historia : Einzelschriften ; 47]
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4159  Haacke, H.
W├Ârterbuch zu den Lebenbeschreibungen des Cornelius Nepos. F├╝r den Schulgebrauch hg. v. Dr. H. Haacke.
Leipzig : Teubner 7/1882
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4168  Nepos / Anselm
Struktur und Transparenz : eine literaturwissenschaftliche Analyse der Feldherrnviten des Cornelius Nepos.
Stuttgart : Steiner, 2004
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4180  Nepos / Billerbeck
Vollstaendiges Woerterbuch zu den Lebensbeschreibungen des Cornelius Nepos v. Billerbeck, Heinrich Ludwig Julius
Hannover: Hahn, 1860
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4181  Nepos / Eichert
Schulw├Ârterbuch zu den Lebensbeschreibungen des Cornelius Nepos v.Eichert, Otto
Breslau: Kern, 1891
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4158  Nepos / Kirfel
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M├╝nster : Aschendorff, 10/2010
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De viris illustribus : Lateinisch/Deutsch - Durchges., bibliogr. erg. Ausg. ├ťbers. und hrsg. von Peter Krafft und Felicitas Olef-Krafft
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4167  Nepos / Maier, Fr.
Cornelius Nepos, Ber├╝hmte M├Ąnner / bearb. von Friedrich Maier
Bamberg : Buchner, 1/2004
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4178  Nepos / Marshall
Cornelii Nepotis vitae cum fragmentis / ed. Peter K. Marshall
Leipzig : BSB Teubner, 1/1977
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4164  Nepos / May
Cornelii Nepotis Vitarum concordantia / cur. Regine May - Bd. I: A - M
Hildesheim, u.a. : Olms-Weidmann, 2006
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4169  Nepos / Nipperdey
Cornelius Nepos, erkl├Ąrt von Karl Nipperdey. Hrsg. von K. Witte (lat Text, Komment.)
Hildesheim : Weidmann, 14/2002 = 1913
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4166  Nepos / Pfeiffer
Ber├╝hmte M├Ąnner : lateinisch - deutsch = De viris illustribus / Cornelius Nepos. Hrsg. und ├╝bers. von Michaela Pfeiffer unter Mitarb. von Rainer Nickel
D├╝sseldorf : Artemis & Winkler [Sammlung Tusculum], 2006
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4162  Nepos / Riege
Ber├╝hmte M├Ąnner. mit Begleittexten, bearb. von Ernst Riege
Bamberg, Buchner, 2/2008
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Cornelius Nepos, with an engl. transl. by John C. Rolfe
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Cornelius Nepos : lateinisch - deutsch hrsg. von Gerhard Wirth
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4172  Nepos / Wirth
Ber├╝hmte M├Ąnner. Aus dem Lat. ├╝bers. und mit einer Einl., Erl., einer Zeittaf., einem Namensverz. und Literaturhinweisen vers. von Gerhard Wirth
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4151  Plutarch
Plutarch's Lives ; 8 ; Sertorius and Eumenes. Phocion and Cato the Younger.
ND. 2004
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