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Cicero
Rhetorische Schriften

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Inhalt und Aufbau

de oratore

Der Aufbau von de oratore

Grundprinzip der Komposition sind die fünf officia oratoris, von denen die Darstellung der inventio, dispositio und memoria Antonius, der elocutio und actio Crassus übertragen wird.

Buch I: Erster Tag
  1. Proömium: Cicero vertritt gegenüber seinem Bruder Quintus, dem er de oratore widmet,  die These, dass Rhetorik eine universale Bildung zur Voraussetzung hat (1-23). Exposition der Gesprächssituation (24).
  2. I. Teil: Die hohe Kulturleistung der Rhetorik (30-95): 
    Crassus' Hymnus auf die Beredsamkeit (1,30-34). Gegen die Behauptung ihrer staatsgründenden Funktion erhebt Scaevola Einwände (35-45), die Crassus zu widerlegen versucht (45-73). Auch Antonius bezieht Stellung: zwar realistisch-pragmatisch, doch bleibt auch für ihn der orator perfectus ein Ideal (74-95). 
  3. II. Teil: Zusammenhängende Darstellung der Rhetorik (107-262).
    1. Vortrag des Crassus (107-203) über die Voraussetzungen eines Redners: φύσις (113-133), μελέτη (134-146), τέχνη (147-159). Aus dem Bereich der  τέχνη erfährt die Rechtskenntnis eine gesonderte Darstellung (166-200). 
    2. Antonius vertritt die Gegenposition  (209-262): Erstellt den gesunden Menschenverstand über Theoriekenntnisse in Politik (214-233), Philosophie (219.233) und Rechtswesen (234-255). Scaevola verabschiedet sich (wie Kephalos in Platons Staat).
Buch II: Zweiter Tag
  1. Proömium: Ciceros persönliche Bewunderung für Crassus und Antonius (1-11). Der durch Catulus und Strabo vergrößerte Gesprächskreis (12-28). Methodische Vorüberlegungen (29-33).
  2. Antonius' Vortrag über die Redekunst [unterbrochen durch Caesars Einlage über den Witz (216-289), wie im 1. Buch eröffnet durch ein Enkomion und gegliedert nach den ἔργα τοῦ ῥήτορος (officia oratoris - Hauptaufgaben des Redners)] (33-360):
    1. Antonius' Enkomion auf die Redekunst (33-38)
    2. Regeln zur εὕρεσις (inventio - Auffinden der Hauptaspekte) (42-306). 
      1. Systemkritische Vorbemerkungen (42-113), aufgelockert durch das γένος ἐγκωμιαστικόν (43-70) und einen Exkurs zur antiken Geschichtsschreibung (51-65): Theorie allein genügt nicht (65-84). Der Redner muss sich an der Praxis schulen, zunächst durch Nachahmung eines Vorbildes (85-98), denn die Fälle der Praxis sind komplexer als die Schulbeispiele und erfordern ein vertieftes Eindringen (99-103). Auch die beliebte στάσις-Lehre (constitutiones, status) muss man kritisch sehen (104-113). 
      2. Hauptteil der εὕρεσις: Die Regeln der εὕρεσις differenzieren sich entsprechend der dreifachen Zielsetzung: a) probare - als richtig erweisen, b) conciliare - gewinnen, c) movere - Affekte erregen (114-151)
        1. Mittel zum probare (152-177)
          • Der Wert der philosophischen Schulen für den Redner (152-161)
          • Beispiele für wirksame Beweisgründe (162-177)
        2. Mittel zum conciliare (178-184)
        3. Mittel zum movere (185-290) [Exkurs Caesars über den Witz als bestem Mittel (216-290)]
      3. Abschließende Haupregel zur εὕρεσις: alles vermeiden, was der Sache des Mandanten schaden könnte. (290-306)
    3. Regeln zur τάξις (dispositio) (307-349): Dem Hauptteil (307-332) folgen spezielle Regeln für politische Reden (333-340) und Lob und Tadel (340-349).
    4. Regeln zur μνήμη (memoria) (350-360)
  3. Dank der Zuhörer und Erwartungen an den Fortgang (362-367)
Buch III:
  1. Proömium: "Phaidonstimmung" (1-16)
  2. Crassus' Vortrag über λέξις (elocutio) und ὑπόκρισις (pronuntiatio, actio)
    1. Einleitung (19-37): Untrennbarkeit von res (Inhalt) und verba (Form) (19-25). Erklärung der Verschiedenheit in den Stilarten aus den verschieden Anlagen (26-37). 
    2. ornatus
      1. Einleitung: a) Sprachrichtigkeit: Latine dicere (37-48), b) Klarheit: plane dicere (48-51), c) Schönheit und Angemessenheit: ornate dicere; apte dicere (52-54)
      2. Exkurs über den Vorzug des philosophischen Rednerideals vor dem pedantischen Formalismus der Schulrhetorik. Differenzierung und Spezialisierung erweisen sich als nachteilig. Eine universale Bildung muss wieder Grundlage der Beredsamkeit werden (54-143).
      3. Hauptteil zum ornatus: τρόποι (tropus, 148-170) und σχήματα (figura, 171-198) [Exkurs: Periode, Rhythmus (171-198) und die drei Stilebenen (199)]. Unterscheidung nach Gedankenfiguren (202-205) und Redefiguren (206-207).
      4. Der vierte Teil der λέξις (elocutio): das πρέπον (aptum, 210-212) 
      5. Die ὑπόκρισις (actio) (213-227)
    3. Schluss: Dank der Zuhörer und hoffnungsvoller Ausblick (vaticinium) auf  Hortensius (228-230).

 

Brutus

Der Aufbau des Brutus (nach Kytzler, B., S.280-285)

  • Cicero achtet dabei auf drei wichtige Aufbauprinzipien: 
    1. weitgehende Vollständigkeit der Redner, die sich um Kristallisationspunkte herum gruppieren. 
    2. Herausarbeiten des evolutionären Charakters der geschichtlichen Entwicklung (Reifeprozess),
    3. Streben nach Parallelisierung der römischen mit der griechischen Beredsamkeit. 
    4. Vermeidung einer strengen Architektonik: bes. Mittel der Digression
  1. Proömium: Klage über den Tod des Hortensius und die polirische Situation (1-9)
  2. Tractatio (10-301)
    1. Einleitung: Brutus und Atticus sind bei Cicero "otiosus" zu Besuch. Sie erinnern an ihre gegenseitig anregenden literarischen Beziehungen. Atticus schlägt die Weiterführung eines früher abgebrochenen Themas vor: "Über Redner, ihre Person und Wirksamkeit" (10-21)
    2. Erörterung (25-301)
      1. Geschichtlicher Abriss der griechischen Rhetorik (25-52)
        1. Das späte Aufkommen der Rhetorik in Griechenland (25-39)
        2. Bedeutung der Beredsamkeit und ihre Frühformen, Aufkommen einer Rhetorik-Theorie (40-52).
      2. Entwicklung der Beredsamkeit in Rom (52-301)
        1. Aufkeimen: der unbezeugte geschichtliche Anfang mit dem Urrepublikaner M.Iunius Brutus (53-56) und seinen Fortsetzern (57-60).
        2. Aufblühen: Cato maior als erster geschichtlich greifbarer Redner (61-76) und seine Zeitgenossen (77-90). Zeit der Gracchen (94-126). Mit zunehmender Bedeutung u.a.: M.Aemilius Lepidus Porcina (95f.), Ti.Sempronius Gracchus (103-106) und C.Sempronius Gracchus (125).
          Einschübe:
          • 91-94: Welcher Unterschied zwischen mündlicher und schriftlicher Rede besteht
          • 118-121: Die Beziehungen zwischen Rhetorik und Philosophie
        3. Erste Reife: Eine Reihe weniger bedeutender Redner (127ff.) führt [über methodische Zwischenbemerkungen: 137-138] zum ersten Höhepunkt (dicendi Latine prima maturitas, 161) römischer Beredsamkeit, nämlich Antonius und Crassus (139-165). 
          Einschübe:
          • 145-158: Die Beziehungen zwischen Rhetorik und Rechtswissenschaft
          • 183-200: Wie ein Laie und wie ein Fachmann die rhetorische Leistung unterschiedlich beurteilen
        4. Blüte: Hortensius bildet einen zweiten Kristallisationspunkt  (228-233) [methodischer Einschub: 231-233]. Seine und Ciceros Bedeutung für die evolutionäre Entfaltung der römischen Rhetorik bildet den Abschluss.(234-301)
          Einschübe:
          • Atticus analysiert Caesars Sprachstil (252-262)
          • Brutus analysiert den Sprachstil von Marcus Claudius Marcellus (248-251).
          • 284-291 Behandlung des Attizismus
    3. Epilog: Appell an Brutus, die geschichtliche Entwicklung der römischen Beredsamkeit aufzugreifen und bewusst weiterzuführen. 

orator

Der Aufbau des Orator

(in der Hauptsache nach: W.Kroll, S.7-9)
  1. Prooemium (1-32): 
    • Widmung an Brutus (1-2)
    • zum Thema: seine Schwierigkeiten (3-6); Die Deutung der vollendeten Beredsamkeit als platonischer Idee (7-10) 
    • Der Redner muss, will er latius et copiosius disserere (14),  philosophisch gebildet sein (11-19) und nach dem Vorbild des Demosthenes alle drei Stilarten beherrschen (20-32)
  2. Tractatio (33-236)
    1. Einleitung (33-43)
    2. Tractatio (44-236):
      1. Einleitung: Erneute Widmung an Brutus (33-35) und erneute Bemerkungen zum Thema: Seine Schwierigkeit (36) und sein Umfang: das γένος ἐπιδεικτικόν wird hier nicht behandelt;  Würdigung des Isokrates (37-42). Drei ἔργα τοῦ ῥήτορος ( officia oratoris) bestimmen die weitere Disposition: εὕρεσις ( inventio), τάξις (dispositio) und λέξις (elocutio) [die ὑπόκρισις (actio) wird unter die λέξις subsumiert und die μνήμη (memoria) ganz ausgelassen.]
      2. Hauptteil: Die drei ἔργα τοῦ ῥήτορος (officia oratoris) (44-236)
        1. εὕρεσις (inventio) (44-49)
        2. τάξις (dispositio) (50)
        3. λέξις (elocutio) (51-236); darunter subsumiert Cicero die ὑπόκρισις (actio) (54-60)
          • Das Erfordernis der Stilbeherrschung: den drei Aufgaben des Redners werden die entsprechenden Stilarten zugeordnet (76-99); der gebildete Redner muss sie alle beherrschen (113-120)
            Aufgabe Stilart Abschnitt
            probare genus tenue 76-90
            delectare genus medium 91-96
            flectere genus grande 100-112
          • Weitere Anforderungen an den Redner:
            • Wissen aus den Gebieten Philosophie, Recht und Geschichte (113-120)
            • die Beherrschung der Schulregeln (121-125),
            • der Lehre der θέσις (Setzung), αὔξησις (Steigerung, amplificatio, exaggeratio) (125-127),
            • Beherrschung des πάθος (gesteigerte Affekte, affectus concitati) (128-133),
            • der ἐκλογὴ ὀνομάτων (Wortwahl; electio verborum) (134),
            • der lumina verborum (135), der lumina sententiarum (136-139)
            • [Exkurs über die Frage, ob der Umgang mit derartigen Formalismen für einen römischen Senator passend sei (140-148)]
          • Geschick in der σὑνθεσις ὀνομάτων . Dazu zählt 
            • die Euphonie der einzelnen Worte (149-164)
            • der Parallelismus der Kola (164-167)
            • die Rhythmisierung der einzelnen Kola (168-236)
              • Vorbemerkungen (168-173)
              • Tractatio:
                • origo numeri (174-176)
                • causa (177-178)
                • natura (79-203)
                • usus (204-236)
  3. Epilog (237-238): Empfehlung an Brutus

Literatur

Texte und Kommentare
Merklin, H. Marcus Tullius Cicero, De oratore - Über den Redner (lat.-dtsch.) übersetzt und herausgegeben ...., Stuttgart (Reclam) 1976
Kroll, W. Marci Tulli Ciceronis Orator, erklärt von..., Zürich/Berlin (Weidmann) 1913 / 1964
Kytzler, B. Marcus Tullius Cicero, Brutus, lat.-dtsch ed...., München (Heimeran) 1970
Nüßlein, Th. M.Tullius Cicero: De inventione, De optimo genere oratorum, lat.-dtsch. hg. und übersetzt von..., Darmstadt (WBG, Tusc.)1998
   
Sekundärliteratur
 
Kytzler, B. Ciceros literarische Leistung im „Brutus“, in: Kytzler, Cicero Darmstadt WBG (WdF 240) 1973
Schmidt, P. L. Brauchen wir philosophisch gebildete Politiker? (Cicero, de oratore 3,91-95), in: AU 37, 6/1994, 45-52.
Schulte, H.K. Orator. Untersuchungen über das ciceron. Bildungsideal, Frankfurt 1935
Zink, N.  Orator perfectus -  Ciceroreden (Cic.Lig.) und die rhetor. Theorie, in: AU XI 4,25
 Cic.rep.1,12: quae (de re publica disputatio) ne frustra haberetur, dubitationem ad rem publicam adeundi in primis debui tollere. 
Sententiae excerptae:
Lat. zu "Cic" und "rhet"