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REDESCHMUCK: GEDANKENFIGUREN

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  1. GEDANKENFIGUREN:
    Rhetorisches Ziel: Verfolgung von Parteiinteressen; Aufwerten oder Herunterspielen von Sachverhalten; Affektsteigerung; Wohlwollen des Zuhörers gewinnen
    1. Figuren der gedanklichen Häufung oder Ausweitung (amplificatio): Ausweitung eines Gedankens durch Differenzieren (Dihärese), Verallgemeinern, Steigerung u.a. "Der Appell an die GefĂŒhle forderte amplificatio,, und amplificatio forderte ornatus." (Clarke 96) (vgl. die Anwendung in Cic.Phil.4). Nach Auct.ad Herenn.3,14,24 dient die amplificatio der Affektsteigerung, und zwar in doppelter Richtung:
      • die cohortatio steigert die Schwere eines Verbrechens und weckt beim Zuhörer Zorn;
      • die conquestio steigert Not und UnglĂŒck und weckt beim Zuhörer Mitleid 
      1. Dihärese: Aufgliederung eines zentralen Gedankens in die ihn konstituierenden Teilargumente.
      2. evidentia (Enargeia): Festhalten der Einzelbeobachtungen, aus denen sich ein Gesamtbild zusammensetzt
        Rhetorisches Ziel: Verlebendigung, Affektsteigerung, Erhöhung der Glaubwürdigkeit
      3. Ekphrasis: Verweilen bei einem Gegenstand durch eine ausführliche exkursartige Schilderung (z.B.: Topographie)
      4. Epiphrasis: Erweiterung eines syntaktisch vollständigen Satzes (Gedankens) durch einen Nachtrag (z.B.: fluctibus oppressos Troas caelique ruina)
      5. Antithese: Pointierte Nebeneinandersetzung gegensätzlicher Gedanken [seu ratio dederit seu fors obiecerit, Hor.sat.1,1,2]
      6. Oxymoron: Enge Verbindung scheinbar widersprüchlicher Begriffe: "concordia discors"; "Beredtes Schweigen"
      7. Paradoxon: Unerwarteter Gedankenschluss: "si vis pacem, para bellum"; "die Hälfte ist mehr als das Ganze"
      8. Vergleich, Gleichnis: Verdeutlichung eines Sachverhaltes durch Heranziehung eines analogen Sachverhaltes aus einem anderen Bereich
      9. Beispiel (exemplum, Paradeigma): Ein aus der Geschichte oder Mythologie allgemein bekannter Fall wird modellhaft zu dem in Rede stehenden Sachverhalt in Analogie gesetzt
      10. Priamel: Beispielreihung mit abschließender Pointe (hinführend, steigernd oder antithetisch), von der eine einfache, archaische Wirkung ausgeht. (Hor.c.!,1 ist in Priamelform). Vgl. hy.Hom.Ap.140-148; Alcm.1,92-99; Sapph.16,1-4LP; Pind.Ol.1,1-7; Hor.c.1,7,1-14 
      11. Enthymem: Ein verkürzter (dialektischer) Syllogismus, bei dem der Hörer eine fehlende Prämisse oder Konklusion selbst ergänzen muss (im Extremfall eine Banalität).
      12. correctio (Epanorthosis): Verbesserung eines zunächst gewählten (eigenen oder fremden) Ausdrucks durch einen  zutreffenderen.
      13. conciliatio, distinctio und dubitatio sind analog auch als Gedankenfiguren aufzufassen.
      14. Gnome (Sentenz): Ein eingefügter Satz allgemeiner Lebensweisheit.
      15. Epiphonem: Abschluss eines Gedankengangs durch einen allgemeinen Satz (Gnome, Sentenz), etwa ein allgemeines Urteil über den Sachverhalt, ein ResumĂ©e oder eine Sentenz
    2. Figuren der gedanklichen Wiederholung
      1. Epimone (commoratio, expolitio): Gedankenwiederholung: Verweilen bei einem Gedanken durch Wiederholung in anderer (synonymer) Formulierung (z.B. positiv - negativ) [z.B. Anfang von Cic.Catil.1,1: quousque tandem..., quamdiu..., quem ad finem...]
        • Tautologie: Gedankenwiederholung ohne jeden neuen Aspekt
    3. Figuren der gedanklichen Einsparung (detractio, Brachylogie)
      1. Praeteritio: Erklärung, einen Gegenstand übergehen zu wollen, wobei er jedoch (ironisch) angedeutet wird
        Rhetorisches Ziel: Kürzung (Straffung) der Rede, stoffliche Konzentration. Aufwertung sowohl der in der Präteritio ironisch nur angedeuteten und der nach der Präteritio wirklich ausgeführten Inhalte.
        Hörerlenkung: Vorspiegelung abundanter Fülle; Vertuschung von Unvollständigkeit und willkürlicher Auswahl. Aufwertung der scheinbar ausgewählten Inhalte (sie sind nur die Spitze eines Eisberges).
      2. Aposiopese (reticentia): Abbruch eines Satzes: entweder syntaktischer Abbruch ("vos ego...") oder (mit Verstoß gegen das "aptum") begründeter Gedankenabbruch ("das könnt ihr euch selbst leicht zusammenreimen").
    4. Figuren der gedanklichen Umstellung
      1. Hysteron proteron: Das zeitlich Spätere wird zuerst genannt: "moriamur et in media arma ruamus!"
      2. Parenthese (interpositio):
      3. anticipatio (Prolepse): Vorweggenommene Entkräftung möglicher Einwände der Gegenpartei
    5. Figuren der gedanklichen Ersetzung: Ersetzung eines Gedankens durch einen anderen (Gedanken-Tropus; Gedanken-Emphase; Gedanken-Periphrase; Gedanken-Hyperbel):
      1. Allegorie: Ausdehnung der Wort-Metapher auf einen gedanklichen Zusammenhang; z.B. Hor.c.1,14: "O navis, referent..." (Quint.inst.8,6,44); Rad der Fortuna
      2. Personifikation (Prosopopoiie): Einführung lebloser oder abstrakter oder Dinge oder sozialer Gebilde als redende Personen
        Rhetorisches Ziel: Suggestion von Rationalität und Emotionalität bei materiellen Gegebenheiten.
        Hörerlenkung: Appell an mitmenschliche Gefühle. Versuch, beim Hörer Sympathie oder Antipathie zu erzeugen.
      3. Ironie: Ausdehnung der Wort-Ironie auf einen gedanklichen Zusammenhang (Ausdruck eines gemeinten gemeinten Gedankens durch die Formulierung des gegenteiligen Gedankens)
    6. Figuren der Wegwendung (aversio, Metabasis): Änderung der Perspektive des Redenden (im Hinblick auf a) Redner, b) Redestoff, c) Hörer)
      1. sermocinatio (Ethopoiie, Mimesis): Der Sprecher (wendet sich von sich selbst ab und) legt seine Rede einer anderen Person in den Mund.
      2. digressio (Parekbasis, Exkurs): Der Sprecher wendet sich vom Gegenstand der Rede ab einer anderen "materia" zu.
      3. Apostrophe ("Abwendung"): Der Sprecher wendet sich vom Zuhörer ab und redet abwesende Personen an, Tote, Sachen, Abstraktes (bes. die Anrede eines Dichters an eine Figur seiner Dichtung).
      4. Aporie (dubitatio): Der Redner gibt vor, er sei über sein weiteres Vorgehen im Zweifel
      5. communicatio (koinonia): Der Redner gibt vor, den Rat der Zuhörer oder der Gegenpartei einzuholen
    7. Veränderung (immutatio) der Satzform (immutatio syntactica):
      1. Erotema (interrogatio): Der Redner wählt die Form der Frage statt der Aussage.
        Rhetorisches Ziel: Offenlassen der Wahrheit.
        Hörerlenkung:
        Der Redner spiegelt eigenes Nichtwissen und Offenheit des Sachverhalts vor. Er lenkt den Hörer (antizipatorisch) in die Richtung der gewünschten Antwort.
      2. Rhetorische Frage: Verwendung einer Frage statt Aussage oder Aufforderung
        Rhetorisches Ziel: Affektsteigerung
        Hörerlenkung
        : Der Hörer wird (durch die überflüssige Frageform) affektiv auf eine bestimmte These festgelegt. ("Sollten wir nicht..." suggeriert: "Doch wir sollten...")
      3. Pysma: Der Redner stellt und beantwortet selbst eine Frage zu Thematik oder Disposition seiner Rede (Figur der Wegwendung (aversio) vom Redeinhalt (materia) zur Redesituation)
        Rhetorisches Ziel: Vorpiegelung von Offenheit. Erzeugung von Glaubwürdigkeit
        Hörerlenkung:
        Der Redner verleiht seiner Rede suggestiv Improvisationscharakter. Er provoziert so die Zustimmung des Hörers zu dem was und wie er es sagt.
      4. Ausruf (exclamatio): "o tempora, o mores!"
Sententiae excerptae:
Literatur:
2868  Bannier, W.
Wiederholungen bei Àlteren griechischen und lateinischen Autoren
in: RhMus.69/1914, 491-514
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2934  BlĂŒmner, Hugo
Über Geichnis und Metapher in der attischen Komödie
Leipzig (Teubner) 1891
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3264  DeichgrĂ€ber, K.
Elegantia Caesaris. Zu Caesars Reden und commentarii
in: Rasmussen: Caesar, WBG 1967 (WdF 43)
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2834  Gamberini, Federico
Stylistic theory and practice in the younger Pliny
Southampton, Univ., Diss., 1982; Hildesheim, Olms-Weidmann 1983 (Altertumswissenschaftliche Texte und Studien 11)
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4012  George, P.
Style and Character in the Satyricon
in: Arion 5,1966,336-358
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2823  Hofacker, C.
De clausulis C.Caecili Plini Secundi
Diss. Bonn 1903
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3958  Landfester, Manfred
EinfĂŒhrung in die Stilistik der griechischen und lateinischen Literatursprachen. Mit einem Beitrag von Barbara KĂŒhn ĂŒber Formen des Prosarhythmus
Darmstadt, WBG 1,1997
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981  Lausberg, H.
Handbuch der literarischen Rhetorik. EIne Grundlegung der Literaturwissenschaften
MĂŒnchen 1960
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4170  Nepos / GlĂŒcklich
Hannibal : Text mit ErlĂ€uterungen ; ArbeitsauftrĂ€ge, Begleittexte, Stilistik und Übungen zu Grammatik und Texterschliessung. Von Hans-Joachim GlĂŒcklich und Stefan Reitzer
Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 4/1996
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2591  Nepos, Cornelius
Hannibal : Text mit ErlĂ€uterungen, ; ArbeitsauftrĂ€ge, Begleittexte, Stilistik und Übungen zu Grammatik und Texterschließung
Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 4,1996
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2612  Nepos, Cornelius / Mayr, Anton
Stimmt der Cato u. Atticus des Cornelius Nepos in Sprache u. Stil mit den demselben Schriftsteller zugeschriebenen Vitae ĂŒberein oder nicht?
Cilli : J. Rakusch, 1883
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2609  Nepos, Cornelius / Pretzsch, Bernhard
Zur Stilistik des Cornelius Nepos
Spandau : Hopf'sche Buchdr., 1890
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1498  O'Sullivan, Neil
Alcidamas, Aristophanes and the beginnings of Greek stylistic theory Diss. Cambridge 1986
Stuttgart (Steiner ) 1992 (Hermes : Einzelschriften 60 )
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348  Race, W.H.
The clasical Priamel from Homer to Boethius
in: Mnemos. Suppl. 74, 1982
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3241  Rohde, G.
Ein Darstellungsmittel Caesars
in: Stud.u.Interpret., Berlin 1963,143-8
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3246  Schlicher, J.J.
Caesars Narrative Style
in: Class.Philol.31/1936,212-224
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398  Schmid, U.
Priamel der Werte im Griechischen von Homer bis Paulus
Wiesbaden 1964
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4581  Stolz, Peter
Handbuch zur lateinischen Sprache des Mittelalters. 5 Bde. 1.: Einleitung, Lexikologische Praxis, Wörter und Sachen, Lehnwortgut 2.: Bedeutungswandel und Wortbildung 3.: Lautlehre 4.: Formenlehre, Syntax, Stilistik 5.: Biblographie, QuellenĂŒbersicht, Register
Beck. MĂŒnchen 1996–2004
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652  Tuomi, R.
Stud.z.Textform der Briefe Ciceros. Verbalellipse..
Turku 1975
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2140  Veit, Georg
Kaiser Claudius : zwischen Macht und LÀcherlichkeit ; Texte von Sueton, Tacitus und Seneca mit ErlÀuterungen ; ArbeitsaufrÀge, Begleittexte, Lernwortschatz und Stilistik
Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1995
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