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6.
Bewaffnung und Kriegswesen |
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Selbst Eisen ist nicht im Überfluss
vorhanden, wie sich aus der Art ihrer Angriffswaffen schließen lässt.
Nur einzelne haben Schwerter oder größere Lanzen. Spieße
oder - nach ihrer eigenen Benennung - Framen führen sie mit schmalem
und kurzem Eisen, das aber so scharf und zum Gebrauch handlich ist, dass
sie mit der selben Waffe, je nach Umständen, in der Nähe oder
aus der Ferne kämpfen. Und der Reiter wenigstens begnügt sich
mit Schild und Frame; die Leute zu Fuß verschleudern auch Wurfgeschosse,
jeder mehrere, und sie werfen sie außerordentlich weit, da sie nackt
sind oder mit dem Mantel leicht bekleidet. Kein Prunken in der Ausstattung:
nur die Schilde bemalen sie mit den ausgesuchtesten Farben. Wenige haben
Panzer, kaum der eine oder andere Sturmhaube oder Helm. Die Pferde zeichnen
sich nicht durch schöne Gestalt, nicht durch Geschwindigkeit aus;
aber sie werden auch nicht nach unserer Sitte zu allen möglichen
Wendungen abgerichtet: gerade aus oder mit einer einzigen Schwenkung nach
rechts treiben sie sie in so geschlossenem Bogen, dass keiner hinter den
anderen ist. Auf das Ganze gesehen ist ihr Fußvolk der stärkere
Teil; deswegen kämpfen sie auch gemischt, indem zu dem Gefecht der
Reiter die Geschwindigkeit der Leute zu Fuß vollständig stimmt;
diese lesen sie aus der gesamten Mannschaft aus stellen sie vor der eigentlichen
Schlachtreihe auf; auch ihre Zahl ist festgelegt: je hundert sind es aus
einem Gau und ebenso heißen sie auch unter ihren Leuten, und was
anfänglich eine Zahlbezeichnung war, ist jetzt Titel und Ehre. Die
Schlachtreihe wird in keilförmigen Haufen aufgestellt. Von der Stelle
zu weichen, vorausgesetzt, dass man wieder vordringt, gilt bei ihnen eher
als Klugheit als für Feigheit. Leichname ihrer Leute bringen sie
auch in ungewissen Schlachten zurück. Seinen Schild zurückzulassen
ist die größte Schande: weder gottesdienstlichen Handlungen
beizuwohnen noch in eine Versammlung zu kommen ist einem solchen Ehrlosen
gestattet; viele, die einen Krieg überlebten, haben ihrem entehrten
leben durch den Strick ein Ende gemacht. |
(6,1) Ne ferrum quidem
superest, sicut ex genere telorum colligitur. rari gladiis aut maioribus
lanceis utuntur: hastas vel ipsorum vocabulo frameas gerunt angusto et brevi
ferro, sed ita acri et ad usum habili, ut eodem telo, prout ratio poscit,
vel comminus vel eminus pugnent. (6,2) et eques
quidem scuto frameaque contentus est, pedites et missilia spargunt, pluraque
singuli, atque in immensum vibrant, nudi aut sagulo leves. nulla cultus
iactatio: scuta tantum lectissimis coloribus distinguunt. (6,3)
paucis loricae, vix uni alterive cassis aut galea. equi non forma, non velocitate
conspicui. sed nec variare gyros in morem nostrum docentur: in rectum aut
uno flexu dextros agunt, ita coniuncto orbe, ut nemo posterior sit. (6,4)
in universum aestimanti plus penes peditem roboris; eoque mixti proeliantur,
apta et congruente ad equestrem pugnam velocitate peditum, quos ex omni
iuventute delectos ante aciem locant. definitur et numerus: (6,5)
centeni ex singulis pagis sunt, idque ipsum inter suos vocantur, et quod
primo numerus fuit, iam nomen et honor est. (6,6)
acies per cuneos componitur. cedere loco, dummodo rursus instes, consilii
quam formidinis arbitrantur. corpora suorum etiam in dubiis proeliis referunt.
scutum reliquisse praecipuum flagitium, nec aut sacris adesse aut concilium
inire ignominioso fas, multique superstites bellorum infamiam laqueo finierunt. |
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| 7.
Fürsten, Heerführer, Priester; Einfluss der Frauen |
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Die Könige nehmen sie nach ihrem
Adel, die Heerführer nach der Tapferkeit.Auch die Könige haben
keine schrankenlose und willkürliche Gewalt, und die Heerführer
gewinnen ihre ausgezeichnete Stellung mehr durch ihr Vorbild als durch Befehlsgewalt,
durch die Bewunderung, die sie einflößen, wenn sie entschlossen
sind, wenn sie sich hervortun, wenn sie Vorkämpfer sind. Übrigens
hat weder zum Strafen, noch zum Binden, noch auch zum Züchtigen irgend
jemand die Befugnis außer den Priestern, und auch diese nicht wie
zur Strafe oder auf des Anführers Geheiß, sondern gleichsam auf
Befehl des Gottes, von dem sie glauben, dass er den Kämpfenden zur
Seite steht, wie sie denn gewisse Bilder und Abzeichen, die sie aus den
Hainen holen, mit sich in die Schlacht nehmen;. und ein ganz besonderer
Antrieb zur Tapferkeit ist der Umstand, dass nicht Zufall oder beliebiges
Zusammenscharen das Geschwader oder den Keil bildet , sondern Familienbande
und Verwandtschaften; und in nächster Nähe sind ihre Liebsten,
so dass man von dort das Geheul der Weiber, das Wimmern der Kinder vernehmen
kann. Sie sind für jeden die heiligsten Zeugen, sie die höchsten
Lobredner. Zu ihren Müttern, zu ihren Frauen tragen sie ihre Wunden,
und jene scheuen sich nicht, die Schläge zu zählen und zu untersuchen,
und tragen ihnen selbst Speisen und Zuspruch ins Gefecht. |
(7,1) Reges ex nobilitate,
duces ex virtute sumunt. nec regibus infinita ac libera potestas, et duces
exemplo potius quam imperio, si prompti,
si conspicui, si ante aciem agant, admiratione praesunt. (7,2)
ceterum neque animadvertere neque vincire, ne verberare quidem nisi sacerdotibus
permissum, non quasi in poenam nec ducis iussu, sed velut deo imperante,
quem adesse bellantibus credunt. (7,3) effigiesque
et signa quaedam detracta lucis in proelium ferunt; quodque praecipuum fortitudinis
incitamentum est, non casus nec fortuita conglobatio turmam aut cuneum facit,
sed familiae et propinquitates; et in proximo pignora, unde feminarum ululatus
audiri, unde vagitus infantium. (7,4) hi cuique
sanctissimi testes, hi maximi laudatores: ad matres, ad coniuges vulnera
ferunt; nec illae numerare et exigere plagas pavent, cibosque et hortamina
pugnantibus gestant. |
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| 8.
Achtung vor den Frauen |
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Man erzählt Beispiele, dass Schlachtreihen,
die schon wankten und halb geworfen waren, von den Frauen, dadurch wieder
hergestellt wurden, dass sie beharrlich flehten, sich mit ihrer Brust entgegenwarfen
und auf die ihnen nunmehr drohende Gefangenschaft hinwiesen, die sie für
ihre Frauen mit noch viel größerer Unruhe fürchteten, so
dass ein besonders wirksames Mittel, eine Gemeinde zu verpflichten, ist,
wenn man ihr unter den Geiseln auch edle Jungfrauen abverlangt. Ja sie legen
ihnen sogar eine gewisse Heiligkeit und einen Blick in die Zukunft bei und
weisen weder ihre Ratschläge zurück noch missachten sie ihre Aussprüche.
Wir haben unter dem verewigten Vespasian erlebt, dass die Veleda
lange Zeit bei sehr vielen als höheres Wesen galt. Aber auch schon
vor Alters verehrten sie die Aurinia (Albruna) und mehrere andere Frauen
als heilig, nicht aus Schmeichelei und ohne sie damit zu Göttinnen
machen zu wollen. |
(8,1) Memoriae proditur quasdam
acies inclinatas iam et labantes a feminis restitutas constantia precum
et obiectu pectorum et monstrata comminus captivitate, quam longe impatientius
feminarum suarum nomine timent, adeo ut efficacius obligentur animi civitatum,
quibus inter obsides puellae quoque nobiles imperantur. (8,2)
inesse quin etiam sanctum aliquid et providum putant, nec aut consilia earum
aspernantur aut responsa neglegunt. (8,3) vidimus
sub divo Vespasiano Veledam diu apud plerosque numinis loco habitam; sed
et olim Auriniam et complures
alias venerati sunt, non adulatione nec tamquam facerent deas. |
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| 9.
Götterverehrung |
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Von den Göttern verehren sie
am meisten den Merkur, dem sie
an bestimmten Tagen auch Menschenopfer darzubringen für Recht halten.
Herkules und Mars
versöhnen sie durch zulässige Tieropfer. Ein Teil der Sueben
opfert auch der Isis. Worin Anlass
und Ursprung des fremden Gottesdienstes liegen, habe ich nicht mit Sicherheit
erfahren können nur dass uns das Bild selbst, das in der Art eines
Schnellseglers gestaltet ist, über eine Einführung der Verehrung
von außen belehrt. Übrigens finden sie es der Größe
der Himmlischen nicht angemessen, die Götter in Tempelwände zu
bannen oder sie irgendwie menschlichen Zügen ähnlich darzustellen.
Haine und Waldtriften betrachten sie als heilig und bezeichnen mit dem Namen
Gottheit jenes Geheimnisvolle Etwas, das sie einzig mit dem Auge der Andacht
schauen. |
(9,1) Deorum maxime
Mercurium colunt, cui certis diebus humanis quoque hostiis litare fas habent.
Herculem ac Martem concessis animalibus placant.
(9,2) pars Sueborum et Isidi sacrificat: unde
causa et origo peregrino sacro, parum comperi, nisi quod signum ipsum in
modum liburnae figuratum docet advectam religionem. (9,3)
ceterum nec cohibere parietibus deos neque in ullam humani oris speciem
adsimulare ex magnitudine caelestium arbitrantur: lucos ac nemora consecrant
deorumque nominibus appellant secretum illud, quod sola reverentia vident. |
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| 10.
Losen und Wahrzeichen |
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Auf Wahrzeichen und Losen achten sie so sehr
als nur irgend ein Volk. Beim Losen halten sie es einfach. Von einem Fruchtbaum
hauen sie einen Zweig ab, zerschneiden ihn in Reiser, unterscheiden diese
durch gewisse Zeichen voneinander und streuen sie dann über ein weißes
Tuch hin ohne Plan und nach bloßem Zufall. Sodann spricht, wenn sich
die Befragung auf öffentliche Angelegenheiten bezieht, der Priester
der Gemeinde, wenn auf persönliche, der Hausvater selbst ein Gebet
zu den Göttern, richtet seinen Blick zum Himmel empor, hebt dreimal
je eines auf und gibt dann entsprechend dem vorher darauf eingedrückten
Zeichen die Deutung. Ist ihre Antwort abschlägig, findet für diesen
Tag keine Befragung über den gleichen Gegenstand mehr statt; ist sie
zustimmend, wird noch überdies die Bestätigung der Vorzeichen
erfordert. Auch ist es jedenfalls hier bekannt, das Geschrei und den Flug
der Vögel zu befragen; eigentümlich aber ist es diesem Volk, es
auch mit Vorahnungen und Weissagungen der Pferde zu versuchen. Sie werden
auf öffentliche Kosten in den Waldtriften und Hainen gehalten, sind
glänzend weiß und von keiner irdischen Arbeit berührt. Diese
werden vor den heiligen Wagen gespannt, und der Priester und der König
- oder das Haupt der Gemeinde - begleiten ihn und geben auch ihr Wiehern
und Schnauben Acht. Und tatsächlich wird keinem Wahrzeichen größere
Glaubwürdigkeit beigemessen, nicht nur bei dem einfachen Volk, sondern
auch bei den Vornehmen, bei den Priestern; denn sich betrachten sie als
Diener der Götter, jene als deren Vertraute. Es gibt auch noch eine
andere Art, die Vorzeichen die beobachten, auf die sie den Ausgang wichtiger
Kriege im voraus erkunden: Von dem Volk, mit dem Krieg ist, lassen sie einen
Gefangenen, dessen sie, gleich wie, habhaft geworden sind, mit einem aus
ihren Leuten ausgewählten Mann, beide in ihrer heimischen Bewaffnung,
sich messen: der Sieg des einen oder des anderen wird als Vorentscheidung
angenommen. |
(10,1) Auspicia sortesque, ut
qui maxime, observant. sortium consuetudo simplex. virgam frugiferae arbori
decisam in surculos amputant eosque notis quibusdam discretos super candidam
vestem temere ac fortuito spargunt. (10,2) mox,
si publice consultetur, sacerdos civitatis, sin privatim, ipse pater familiae,
precatus deos caelumque suspiciens ter singulos tollit, sublatos secundum
impressam ante notam interpretatur. (10,3) si
prohibuerunt, nulla de eadem re in eundem diem consultatio; sin permissum,
auspiciorum adhuc fides exigitur. et illud quidem etiam hic notum, avium
voces volatusque interrogare: proprium gentis equorum quoque praesagia ac
monitus experiri. (10,4) publice aluntur isdem
nemoribus ac lucis, candidi et nullo mortali opere contacti; quos pressos
sacro curru sacerdos ac rex vel princeps civitatis comitantur hinnitusque
ac fremitus observant. (10,5) nec ulli auspicio
maior fides, non solum apud plebem, sed apud proceres, apud sacerdotes;
se enim ministros deorum, illos conscios putant. est et alia observatio
auspiciorum, qua gravium bellorum eventus explorant. (10,6)
eius gentis, cum qua bellum est, captivum quoquo modo interceptum cum electo
popularium suorum, patriis quemque armis, committunt: victoria huius vel
illius pro praeiudicio accipitur. |
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| 11.
Beratungen und Volksversammlungen |
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Über weniger wichtige Angelegenheiten halten
die Häuptlinge Rat, über wichtigere alle, doch in der Weise, dass
auch diejenigen Gegenstände, worüber das Volk die Entscheidung
hat, von den Häuptlingen vorbehandelt werden. Ihr Zusammentritt erfolgt,
sofern nicht etwas Zufälliges und Unerwartetes vorgefallen ist, an
bestimmten Tagen, zur Zeit des Neumonds oder des Vollmonds; denn für
Geschäfte ist dies nach ihrer Meinung der verheißungsvollste
Anfangspunkt. Auch zählen sie nicht nach Tagen, wie wir, sondern nach
Nächten; so erfolgen die Verabredungen, geschehen die Vorladungen:
die Nasch erscheint als Führerin des Tages. Eine üble Folge ihrer
Unabhängigkeit ist, dass sie nicht gleichzeitig zum geforderten Zeitpunkt
zusammenkommen, sondern der zweite und wohl auch dritte Tag durch ihre verspätetes
Eintreffen verloren geht. Sobald es dem versammelten Haufen gefällig
ist, lassen sie sich bewaffnet nieder. Die Priester, die dann das Recht
zur Bestrafung haben, gebieten Stille. Sofort hört man den König
oder den Häuptling an, je nach dem Einfluss, den jedem seine Jahre
verliehen haben oder sein Adel oder seine Auszeichnung im Krieg oder seine
Beredsamkeit, wobei jene eigentlich nur einen gewichtigen Rat geben können,
aber keine Befehlsgewalt haben. Missfällt der Vorschlag, weisen sie
ihn durch lautes Murren zurück; gefällt er ihnen aber, schlagen
sie die Framen zusammen. Die ehrenvollste Art der Zustimmung ist es, mit
den Waffen den Beifall zu äußern. |
(11,1) De minoribus rebus principes
consultant, de maioribus omnes, ita tamen, ut ea quoque, quorum penes plebem
arbitrium est, apud principes praetractentur. (11,2)
coeunt, nisi quid fortuitum et subitum incidit, certis diebus, cum aut incohatur
luna aut impletur; nam agendis rebus hoc auspicatissimum initium credunt.
nec dierum numerum, ut nos, sed noctium computant. sic constituunt, sic
condicunt: nox ducere diem videtur. (11,3) illud
ex libertate vitium,
quod non simul nec ut iussi conveniunt, sed et alter et tertius dies cunctatione
coeuntium absumitur. (11,4) ut turbae placuit,
considunt armati. silentium per sacerdotes, quibus tum et coercendi ius
est, imperatur. (11,5) mox rex vel princeps,
prout aetas cuique, prout nobilitas, prout decus bellorum, prout facundia
est, audiuntur auctoritate suadendi magis quam iubendi potestate. (11,6)
si displicuit sententia, fremitu aspernantur; sin placuit, frameas concutiunt:
honoratissimum adsensus genus est armis laudare. |
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| 12.
Befugnisse der Versammlungen: Peinliches Recht, Todesstrafen, Bußen |
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In der Volksversammlung kann man auch als Kläger
auftreten und einen peinlichen Prozess anhängig machen. Die Strafen
sind je nach Vergehen verschieden. Verräter und Überläufer
hängt man an Bäumen auf; Feiglinge, Kriegsscheue und körperlich
Unzüchtige versenkt man in Schlamm und Sumpf und wirft noch Flechtwerk
obendrein. Diese Verschiedenheit der Todesart geht von der Rücksicht
aus, dass Verbrechen offen behandelt werden sollten, wenn man sie bestraft,
Schandbares dem Anblick entzogen. Aber auch leichtere Vergehen haben ihre
entsprechende Strafe: mit einer Anzahl Pferde und kleinen Viehs büßt,
wer überführt ist. Ein Teil der Buße fällt dem König
oder der Gemeinde, ein Teil demjenigen zu, der sein Recht verfolgt, oder
dessen Verwandten. Auch werden in diesen Versammlungen Häuptlinge gewählt,
die in den Gauen und Dörfern umher Recht sprechen. Jedem von ihnen
stehen hundert aus dem Volk zur Seite, um ihm Rat und zugleich Ansehen zu
verleihen. |
(12,1) Licet apud concilium accusare
quoque et discrimen capitis intendere. distinctio poenarum ex delicto: proditores
et transfugas arboribus suspendunt, ignavos et imbelles et corpore infames
caeno ac palude, iniecta insuper crate, mergunt. (12,2)
diversitas supplicii illuc respicit, tamquam scelera ostendi oporteat, dum
puniuntur, flagitia abscondi. sed et levioribus delictis pro modo poena:
equorum pecorumque numero convicti multantur. pars multae regi vel civitati,
pars ipsi qui vindicatur vel propinquis eius exsolvitur. (12,3)
eliguntur in isdem conciliis et principes, qui iura per pagos vicosque reddunt;
centeni singulis ex plebe comites consilium simul et auctoritas adsunt. |
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| 13.
Das Tragen von Waffen. Die Fürsten und ihr Geleit |
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Keine Handlung, weder in öffentlichen noch
in privaten Angelegenheiten, nehmen sie anders vor als bewaffnet. Doch keinem
erlaubt es die Sitte, die Waffen eher anzulegen, als die Gemeinde ihn taugich
erklärt. Dann wird in der Versammlung selbst der junge Mann entweder
von einem Häuptling oder von seinem Vater oder von Verwandten mit mit
Schild und Frame geschmückt. Das ist bei ihnen die Mannestoga, das
die erste Ehre des jugendlichen Alters. Bis zu diesem Augenblick werden
sie als Glieder des Hauses gesehen, von da an des Gemeinwesens. Besonders
vornehmer Adel oder große Verdienste der Väter verleihen schon
jungen Männern fürstlichen Rang; sie werden anderen, Kräftigeren
und schon längst Erprobten, zugesellt, und es ist keine Schande, im
Gefolge zu erscheinen. Ja die Gefolgschaft selbst hat sogar Rangstufen nach
dessen Urteil, dem sie sich angeschlossen haben; und es findet ein lebhafter
Wetteifer statt, einesteils unter den Gefolgsleuten, wer den ersten Rang
bei seinem Fürsten habe, andererseits unter den Fürsten, wer das
zahlreichste und tatkräftigste Gefolge. Das heißt Würde,
das heißt Kraft, immer von einem großen Kreis erlesener junger
Männer umgeben zu sein, im Frieden eine Zierde, im Krieg ein Bollwerk.
Und nicht bloß bei dem eigenen Volk, sondern auch bei den angrenzenden
Völkerschaften macht das einen Namen, macht das Ruhm, wenn einer durch
die Zahl und Tapferkeit seines Gefolges hervorragt; denn man sucht sie mit
Gesandtschaften auf, beehrt sie durch Geschenke
und oft schlagen sie allein schon durch ihren Ruf einen Krieg nieder. |
(13,1) Nihil autem neque publicae
neque privatae rei nisi armati agunt. sed arma sumere non ante cuiquam moris,
quam civitas suffecturum probaverit. tum in ipso concilio vel principum
aliquis vel pater vel propinqui scuto frameaque iuvenem ornant: haec apud
illos toga, hic primus iuventae honos; ante hoc domus pars videntur, mox
rei publicae. (13,2) insignis nobilitas aut
magna patrum merita principis dignationem etiam adulescentulis adsignant:
ceteris robustioribus ac iam pridem probatis
adgregantur, nec rubor inter comites aspici. (13,3)
gradus
quin etiam ipse comitatus habet, iudicio eius, quem sectantur; magnaque
et comitum aemulatio, quibus primus apud principem suum locus, et principum,
cui plurimi et acerrimi comites. (13,4) haec
dignitas, hae vires: magno semper electorum iuvenum globo circumdari in
pace decus, in bello praesidium. nec solum in sua gente cuique, sed apud
finitimas quoque civitates id nomen, ea gloria est, si numero ac virtute
comitatus emineat; expetuntur enim legationibus et muneribus ornantur et
ipsa plerumque fama bella profligant. |
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| 14.
Kriegerisches Wesen. Dienst und Unterhalt des Geleits |
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Steht man in der Schlacht, ist es eine Schande
für den Fürsten, sich an Tapferkeit übertreffen zu lassen.
, eine Schande für das Gefolge, es an Tapferkeit dem Fürsten nicht
gleich zu tun; vollends aber bringt es Ehrlosigkeit und Vorwürfe für
das ganze Leben, seinen Fürsten überlebend aus der Schlacht zurück
zu kommen. Ihn zu verteidigen, zu schützern, auch die eigenen tapferen
Leistungen ihm zum Ruhm anzurechnen, ist die höchste Eidespflicht.
Die Fürsten kämpfen für den Sieg, das Gefolge für den
Fürsten. Wenn das Gemeinwesen, in dem sie geboren sind, in langem Frieden
und Untätigkeit erlahmt ist, suchen sehr viele adlige Jünglinge
von sich aus die Stämme auf, die im Augenblick einen Krieg führen,
weil einerseits die Ruhe dem Volk unwillkommen ist und sie dann inmitten
von Gefahren leichter zu Ruhm gelangen, sich ein großes Gefolge auch
nur durch Gewalt und Krieg erhalten lässt. Sie erwarten nämlich
von der Freigebigkeit ihres Fürsten ihr Streitross, ihre blutgetränkte,
siegegewohnte Frame; denn Gastmähler und zwar schlichter, abe reichlicher
Unterhalt zählen als Sold. Die Mittel zum Schenken gewähren Krieg
und Raub. Das Land zu pflügen oder geduldig auf den Ertrag des Jahres
zu warten, wird man sie nicht so leicht überreden, als die Feinde herauszufordern
und sich Wunden zu holen. Als Faulheit, vielmehr Schlaffheit kommt es ihnen
vor, mit Schweiß zu erwerben, was man mit Blut gewinnen kann. |
(14,1) Cum ventum in aciem, turpe
principi virtute vinci, turpe comitatui virtutem principis non adaequare.
iam vero infame in omnem vitam ac probrosum superstitem principi suo ex
acie recessisse: illum defendere, tueri, sua quoque fortia facta gloriae
eius adsignare praecipuum sacramentum est: principes pro victoria pugnant,
comites pro principe. (14,2) si civitas, in
qua orti sunt, longa pace et otio torpeat, plerique nobilium adulescentium
petunt ultro eas nationes, quae tum bellum aliquod gerunt, quia et ingrata
genti quies et facilius inter ancipitia
clarescunt magnumque comitatum non nisi vi belloque tueare; (14,3)
exigunt enim principis sui liberalitate illum bellatorem equum, illam cruentam
victricemque frameam; nam epulae et quamquam incompti, largi tamen apparatus
pro stipendio cedunt. materia munificentiae per bella et raptus. (14,4)
nec arare terram aut exspectare annum tam facile persuaseris quam vocare
hostem et vulnera mereri; pigrum quin immo et iners videtur sudore adquirere,
quod possis sanguine parare. |
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| 15.
Lebensweise im Frieden |
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Sooft sie nicht in den Krieg ziehen, bringen
sie weniger Zeit mit Jagen zu, als mit Müßiggang: sie geben sich
dem Schlaf hin und dem Essen. Gerade die Tapfersten und Kriegstüchtigsten
sind völlig unbeschäftigt, indem sie die Sorge für Haus,
Herd und Feld den Frauen übertragen haben, so wie den Greisen und allen
Schwachen aus dem Gesinde. Sie selbst faulenzen nach dem seltsamen Widerspruch
in ihrem Wesen, dass die gleichen Menschen in solcher Weise die Untätigkeit
lieben und die Ruhe hassen. Es ist Brauch in den Gemeinden, dass man von
selbst und jeder ohne Ausnahme den Fürsten Gaben an Vieh oder Feldfrüchten
darbringt, was als Ehrengeschenk angenommen wird und zugleich den dringendsten
Bedürfnissen abhilft. Ganz besondere Freude machen ihnen die Geschenke
der angrenzenden Völkerschaften, die nicht bloß von einzelnen
Personen, sondern auch von Staats wegen übersandt werden, erlesene
Rosse, ausgezeichnete Rüstungen, Pferdeschmuck und Halsketten. Jetzt
haben sie auch Geld zu nehmen von uns gelernt. |
(15,1) Quotiens bella non ineunt,
non multum venatibus, plus per otium transigunt, dediti somno ciboque: fortissimus
quisque ac bellicosissimus nihil agens, delegata domus et penatium et agrorum
cura feminis senibusque et infirmissimo cuique ex familia, ipsi hebent,
mira diversitate naturae, cum idem homines sic ament inertiam et oderint
quietem. (15,2) mos est civitatibus ultro ac
viritim conferre principibus vel armentorum vel frugum, quod pro honore
acceptum etiam necessitatibus subvenit. (15,3)
gaudent praecipue finitimarum gentium donis, quae non modo a singulis, sed
et publice mittuntur, electi equi, magnifica arma, phalerae torquesque;
iam et pecuniam accipere docuimus. |
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Deutsche Übersetzung nach:
Teuffel, W.S. bearbeitet
von E.Gottwein |
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