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6. Nero
wurde in Antium im neunten Monat
nach dem Tod des Tiberius,
am 15. Dezember, bei Sonnenaufgang
geboren, so dass er von ihren Strahlen fast früher als von der Erde
berührt wurde. Zu seiner Geburt gab es gleich anfangs von vielen
Personen viele fürchterliche Prophezeiungen; dazu gehörte auch der
Ausruf seines Vaters Domitius,
der auf die Glückwünsche seiner Freunde äußerte, von
ihm und Agrippina habe
der Welt nur ein Scheusal und Verderben geboren werden können! Zugleich
aber wurde ein augenfälliges Vorzeichen seines zukünftigen Glückes
an seinem Lustraltag
wahrgenommen, indem Gaius
Caesar auf die Bitte seiner Schwester, dem Kind einen ihm genehmen Namen
zu geben, mit einem Blick auf seinen väterlichen Onkel Claudius,
der später als Kaiser den Nero
adoptierte, ausrief: „Nun wohl, so möge er Claudius
heißen!" Er sagte dies aber nicht etwa im Ernst, sondern bloß,
um einen Spaß zu machen, und auch Agrippina
verwarf den Namen, weil damals Claudius
das allgemeine Gespött des Hofes war. Dreijährig verlor er seinen
Vater, der ihn nur zum dritten Teil als Erben eingesetzt hatte, und auch
diesen Teil erhielt er nicht einmal vollständig, weil sein Miterbe
Gaius sämtliche
Güter an sich riss; und als später auch seine Mutter verbannt
worden war, wurde er fast mittellos und dürftig im Haus seiner Tante
Lepida unter der
Aufsicht von zwei Hofmeistern erzogen, von denen der eine ein Tänzer,
der andere ein Barbier war. Als aber Claudius
zur Regierung gelangt war, erhielt er nicht nur sein väterliches Vermögen
zurück, sondern wurde auch durch die Erbschaft seines Stiefvaters Crispus
Passienus ein reicher Mann. Durch die Gunst und den Einfluss seiner
aus der Verbannung zurückberufenen Mutter gelangte er dann zu einer
so hervorragenden Stellung, dass sich im Publikum das Gerücht verbreitete,
Messalina, des Claudius
Gemahlin, habe Leute abgeschickt, die ihn als einen Nebenbuhler des Britannicus,
wahrend er Siesta hielt, erwürgen sollten. Als Zusatz dieses Stadtgesprächs
hieß es später, die Mörder seien vor Schreck über eine
aus dem Lagerpolster sich hervorringelnde große Schlange zurückgeflohen.
Dieses Histörchen entstand dadurch, dass einmal in seinem Bett unter
dem Kopfkissen die abgestreifte Haut einer Schlange gefunden worden war,
die er wirklich später nach dem Willen seiner Mutter lange Zeit hindurch
in einem goldenen Armbandmedaillon am rechten Arm getragen hat, das er erst
spät, als ihm das Andenken seiner Mutter zuwider geworden war, von
sich tat und erst in der Not seiner letzten Lebenslage, wenn auch vergeblich,
wieder aufsuchte. |
(6,1) Nero natus est
Anti post IX. mensem quam Tiberius excessit, XVIII. Kal. Ian. tantum quod
exoriente sole, paene ut radiis prius quam terra contingeretur. De genitura
eius statim multa et formidulosa multis coniectantibus praesagio fuit etiam
Domitii patris vox, inter gratulationes amicorum negantis quicquam ex se
et Agrippina nisi detestabile et malo publico nasci potuisse. (6,2)
Eiusdem futurae infelicitatis signum evidens die lustrico exstitit; nam
C. Caesar, rogante sorore, ut infanti, quod vellet, nomen daret, intuens
Claudium parvum suum, a quo mox principe Nero adoptatus est, eius se dixit
dare, neque ipse serio sed per iocum et aspernante Agrippina, quod tum Claudius
inter ludibria aulae erat. (6,3) Trimulus patrem
amisit; cuius ex parte tertia heres, ne hanc quidem integram cepit correptis
per coheredem Gaium universis bonis. Et subinde matre etiam relegata paene
inops atque egens apud amitam Lepidam nutritus est sub duobus paedagogis
saltatore atque tonsore. Verum Claudio imperium adepto non solum paternas
opes reciperavit, sed et Crispi Passieni vitrici sui hereditate ditatus
est. (6,4) Gratia quidem et potentia revocatae
restituaeque matris usque eo floruit, ut emanaret in vulgus missos a Messalina
uxore Claudi, qui eum meridiantem, quasi Britannici aemulum, strangularent.
Additum fabulae eosdem dracone e pulvino se proferente conterritos refugisse.
Quae fabula exorta est deprensis in lecto eius circum cervicalia serpentis
exuviis; quas tamen aureae armillae ex voluntate matris inclusas dextro
brachio gestavit aliquamdiu ac taedio tandem maternaeque memoriae abiecit
rursusque extremis suis rebus frustra requisiit. |
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7. Noch im zarten Alter spielte er,
kaum ein Knabe zu nennen, in den Circusvorstellungen mit höchster Ausdauer
und großem Beifall das Trojaspiel.
Im elften Lebensjahr wurde er von Claudius
adoptiert und dem Annaeus
Seneca, der damals bereits Senator war, zur Erziehung übergeben.
Man erzählt, Seneca habe die Nacht darauf geträumt, er unterrichte
den Gaius Caesar
(Caligula), und Nero
bewahrheitete bald darauf diesen Traum, indem er die Unmenschlichkeit seiner
Natur durch alle ihm damals möglichen Proben zu erkennen gab. Denn
er erdreistete sich, seinen Bruder Britannicus,
aus Ärger darüber, dass dieser ihn nach erfolgter Adoption noch
aus Gewohnheit mit seinem bisherigen Namen Ahenobarbus gegrüßt
hatte, bei dem Vater als untergeschobenen Sohn auszugeben. Gegen seine Tante
Lepida, die angeklagt
war, trat er öffentlich als Belastungszeuge auf, um seiner Mutter,
die ihr mit der Klage zusetzen wollte, einen Gefallen zu tun. Bei seiner
Bekleidung mit der Männertoga
auf dem Forum versprach er dem Volk eine Gabenspende und dem Militär
ein Donativum, ließ die Prätorianer
ein Manöver ausführen, wobei er selbst kommandierte, und hielt
zum Schluss im Senat seinem Adoptivvater eine Dankrede. Ebenfalls vor dem
Senat plädierte er als Konsul für die Einwohner von Bononia in
lateinischer, für die von Rhodus und Ilium in griechischer Sprache.
Im Rechtsprechen debütierte er als Stadtpräfekt am Latinerfest,
wo die berühmtesten Anwälte auftraten und nicht, wie gewöhnlich
zu geschehen pflegt, geringfügige und schnell zu entscheidende, sondern
hochwichtige Rechtsfälle in großer Anzahl ihm wetteifernd zur
Entscheidung vorlegten, obwohl Claudius
es verboten hatte. Nicht lange darauf heiratete er die Octavia,
wobei er infolge eines Gelübdes für das Leben des Claudius
Circusspiele und Tierhetzen veranstaltete. |
(7,1) Tener adhuc
necdum matura pueritia circensibus ludis Troiam constantissime favorabiliterque
lusit. Undecimo aetatis anno a Claudio adoptatus est Annaeoque Senecae
iam tunc senatori in disciplinam traditus. Ferunt Senecam proxima nocte
visum sibi per quietem C. Caesari praecipere, et fidem somnio Nero brevi
fecit prodita immanitate naturae quibus primum potuit experimentis. Namque
Britannicum fratrem, quod se post adoptionem Ahenobarbum ex consuetudine
salutasset, ut subditivum apud patrem arguere conatus est. Amitam autem
Lepidam ream testimoni coram afflixit gratificans matri, a qua rea premebatur.
(7,2) Deductus in forum tiro populo congiarium,
militi donativum proposuit indictaque decursione praetorianis scutum sua
manu praetulit; exin patri gratias in senatu egit. Apud eundem consulem
pro Bononiensibus Latine, pro Rhodiis atque Iliensibus Graece verba fecit.
Auspicatus est et iuris dictionem praefectus urbi sacro Latinarum, celeberrimis
patronis non tralaticias, ut assolet,
et brevis, sed maximas plurimasque postulationes certatim ingerentibus,
quamvis interdictum a Claudio esset. Nec multo post duxit uxorem Octaviam
ediditque pro Claudi salute circenses et venationem. |
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