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Herodot

I. Prooimion

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Hdt.1,Proöm.

Herodotus Thurius [Halicarnasseus], quae cum ceteris de rebus, tum de causa bellorum Graecos inter Barbarosque gestorum, perquirendo cognovit, ea his libris consignata in publicum edit; ne, quae ab hominibus gesta sunt, progressu temporis oblivione deleantur, neve praeclara mirabiliaque facta, quae vel a Graecis edita sunt vel a Barbaris, sua laude fraudentur. Ἡροδότου Θουρίου [Ἁλικαρνησσέος] ἱστορίης ἀπόδεξις ἥδε, ὡς μήτε τὰ γενόμενα ἐξ ἀνθρώπων τῷ χρόνῳ ἐξίτηλα γένηται, μήτε ἔργα μεγάλα τε καὶ θωμαστά, τὰ μὲν Ἕλλησι, τὰ δὲ βαρβάροισι ἀποδεχθέντα, ἀκλέα γένηται, τά τε ἄλλα καὶ δι' ἣν αἰτίην ἐπολέμησαν ἀλλήλοισι. Was Herodot von Thurioi [Halikarnassus] erforscht, das hat er hier dargelegt, auf dass weder das, was durch Menschen geschehen, noch große und bewundernswürdige Taten, teils von Griechen, teils von Barbaren vollbracht, ruhmlos bleiben: Das alles hat er dargelegt, so wie auch, aus welcher Ursache sie einander bekriegt haben. (nach J.Chr.F.Bähr)
τὸ προοίμιον – „Vorgesang“, Einleitung | ἡ ἱστορίη (Ϝιδ-; οἶδα) Erkundung, (Geschichts-)Forschung (beruht auf persönlichem Augenschein und auf Berichten) | ἡ ἀπόδεξις (ἀπόδειξις, ἀποδείκνυμι) – Nachweis, praktische Probe | ἥδε  ὡς (ἵνα, ὅπως) + Konj. – damit (Finalsatz) | τὰ γενόμενα ἐξ ἀνθρώπων = τὰ ὑπ’ ἀνθρώπων πραχθέντα | τῷ χρόνῳ - mit der Zeit (Dat.instr.) | εξίτηλος, ον (ἐξ-ιέναι) leicht verschwindend; verschwunden, vergessen  
  • Θούριος / Ἁλικαρνησσεύς - die Textüberlieferung ist nicht sicher. Beide Angaben sind sinnvoll. Herodot stammte aus Halikarnass und war 444 v.Chr. An der athenischen Neugründung von Θούριοι in Süditalien beteiligt. 
  • ἱστορίης ἀπόδεξις - "Herodots 'Darlegung der Erkundung' verbindet Forschung mit Reflexion und Gestaltung; sie fixiert ein großes Geschehen räumlich wie chronologisch und ist zugleich ein Meisterwerk effektvoller Erzählkunst"... "Wo immer es ging, drängte Herodot auf Autopsie; so wurde er einer der größten Forschungsreisenden der Antike." (K.Christ, 49)
  • τὰ γενόμενα ἐξ ἀνθρώπων - "Abstraktionen und Theorien spielen bei ihm (Herodot) nur eine völlig untergeordnete Rolle, im Mittelpunkt stehen auf allen Ebenen die Individuen." (K.Christ, 49)
  • δι' ἣν αἰτίην ἐπολέμησαν ἀλλήλοισι - αἰτίη kann auf verschiedenen Ebenen spielen, z.B.: 
    • die Rekonstruktion des historischen Prozesses, 
    • die tiefer in der ethnographisch-kulturellen Divergenz wurzelnden Gründe
    • am tiefsten die metaphysischen Voraussetzungen im Zusammenspiel zwischen Göttlichem und Menschlichem  

"Dieses Buch gibt nicht nur eine Rekonstruktion und Darstellung der Perserkriege und ihrer Voraussetzungen"... "Obwohl es an Ansätzen rationalistischer Kritik nicht fehlt, wirkt nach wie vor 'das Göttliche' in der Geschichte. Das ganze Buch ist eine einzige Warnung vor menschlicher Hybris." (K.Christ, 49)

 

Interpretation  O. Regenbogen, S. 98 f.
Wir müssen diese wenigen Zeilen in möglichster Kürze auslegen [...]. Die Fügung des Satzes ist schwer, aber doch durchsichtig. Der letzte Teil, "sowohl in anderer Hinsicht wie besonders aus welchem Grund sie miteinander in Krieg gerieten" erläutert und bestimmt den Anfang: "Dies ist die Darlegung der Forschung", indem er zeigt, worauf sich Forschung und Darlegung erstreckt hat, beziehungsweise erstrecken wird; der Finalsatz wird vom Hauptsatz umschlossen, doch so, dass sein Inhalt dazu beiträgt, den zweiten Teil des Hauptsatzes einsichtig zu machen: "einander" (ἀλλήλοισι) versteht nur, wer von den Hellenen und Barbaren im Zwischensatz gehört hat. Die Wendung "sowohl - wie besonders" legt allen Nachdruck auf das zweite Glied, so dass in ihm ebenso die Wendung der Forschung (ἱστορίη) auf das, was geschehen ist, die Geschichte, wie ihre Wendung auf das "ätiologische Moment" ausgesprochen ist. Der Finalsatz endlich mit seiner zunächst befremdlichen Zweiteilung scheidet zwischen den generell bedingten "Geschehnissen", auf deren Urheber, abgesehen davon, dass es Menschen waren, nichts ankommt, - sie sollen nicht der Vergessenheit anheimfallen - und den individuell verursachten "Werken", die sowohl Taten, wie etwa auch Bau- und Kunstwerke, technische Leistungen und alles dergleichen sein können, von denen man meist die Namen der Urheber kennt und die, Taten sowohl wie Täter, ihres Ruhmes nicht beraubt werden sollen - so wie das Lied des epischen Sängers die κλέα ἀνδρῶν, den Ruhm der Männer, erhält. 

Hekat.frg.1

῾Εκαταῖος Μιλήσιος ὧδε μυθεῖται· "τάδε γράφω, ὥς μοι δοκεῖ ἀληθέα εἶναι· οἱ γὰρ ῾Ελλήνων λόγοι πολλοί τε καὶ γελοῖοι, ὡς ἐμοὶ φαίνονται, εἰσίν" Hekataios von Milet erzählt so: "Dies schreibe ich, weil es mir wahr zu sein scheint. Denn die Darstellungen der Griechen sind viel an Zahl und lachhaft, wie mir scheint." (E.G.)

Vgl. auch das Proömium des Thukydides!

  1. a ) Wodurch gewinnt der Eingangssatz Titelcharakter? b) Wie steht es um das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein des Autors?
    1. Titelcharakter:
      • Ἡροδότου Θουρίου [Ἁλικαρνησσέος]: Angabe des Autors
      • ἱστορίης ἀπόδεξις: Angabe des Gegenstandes (Titel)
    2. Im Vergleich zu Homer, der ganz hinter seinem Stoff zurücktritt (μοι) und sein Lied in die Verantwortung der Muse stellt, hebt Herodot sein Werk als seine Leistung heraus. Es sind seine Forschungsergebnisse (ἱστορίη), die er vorlegt (ἀπόδεξις). Allerdings spricht er nicht wie der Lyriker von sich in der 1. Person (ἐγώ), auch nicht wie Hekataios von sich als Subjekt der Erzählung (῾Εκαταῖος Μιλήσιος ὧδε μυθεῖται). Er erscheint im Genitivus possessivus, als der, dem das Werk verantwortlich zugehört.
  2. In welcher Weise charakterisiert Herodot sein Werk?
    • Sein werk ist ἱστορίης ἀπόδεξις, ebenso Kennzeichnung des Gegenstandes, wie methodische Abgrenzung:
      • In der ursprünglichen Bedeutungsbreite von ἱστορίη Forschungsergebnisse, Dinge, die der Autor gezielt in Augenschein genommen hat und über die er jetzt etwas zu sagen weiß:
      • ἀπόδεξις beinhaltet nicht nur den literarischen Aufweis, sondern auch das Element der persönlichen Gewährleistung, das Geradestehen für die Richtigkeit.
    • Ziel der Erkundungen und damit Thema der Darstellung sind in dreifacher Spezifizierung:
      • τὰ γενόμενα ἐξ ἀνθρώπων: Im Mittelpunkt seines Interesses steht der Mensch und sein Handeln. Eine vergleichbare Zielangabe gibt Sokrates, wenn er sich von den Naturphilosophen und ihrer ausschließlichen Ausrichtung auf die φύσις absetzt (Stichwort: anthropologische Wende)
      • ἔργα μεγάλα τε καὶ θωμαστά: Die menschlichen Leistungen müssen bedeutend und auffällig sein, nicht nur durch ihre Größe (um deren Vergänglichkeit Herodot weiß), sondern auch durch ihre Andersartigkeit das Erstaunen des Lesers garantieren
        • τὰ μὲν Ἕλλησι, τὰ δὲ βαρβάροισι ἀποδεχθέντα: das ist keine beiläufige Differenzierung, sondern zielt auf Herodots zentrales Thema: die Kontrastierung von Ost und West, Hellenen und Barbaren, Europa und Asien: Er wird beiden Spielformen des Menschlichen zu ihrem Recht verhelfen (τε καὶ). Dass er keine Fremdenfeindlichkeit übt, heißt aber bei weitem nicht, dass er beide Lebensformen für gleichwertig hält.
        • ἀκλέα γένηται: Hier geht es zwar um die Absicht, die Herodot mit seinem Werk verfolgt, bedeutende menschliche Großtaten vor dem Vergessen zu bewahren, doch stellt er sich mit der Erinnerung an das epische Thema der κλέα ἀνδρῶν als Erzähler in die Nachfolge des Epikers Homer.
      • τά τε ἄλλα καὶ δι' ἣν αἰτίην ἐπολέμησαν ἀλλήλοισι fasst mit τά τε ἄλλα alle bisherigen Charakterisierungen zusammen, um ihnen als Hauptpunkt δι' ἣν αἰτίην ἐπολέμησαν ἀλλήλοισι gegenüber zu  stellen. Hier sind wir also beim letzten und wesentlichen Interesse, das Herodot umtreibt, die αἰτίη des Krieges, in den hinein sich der Ost-West-Konflikt entladen hat. Die Frage nach der αἰτίη weist über bloß erzählbare Faktizität hinaus, sucht nach Erklärungen und Gesetzmäßigkeiten, die hinter den Phänomenen liegen. Auch Homer stellt diese Frage am Anfang seiner Ilias (Hom.Il.8: τίς τ' ἄρ σφωε θεῶν ἔριδι ξυνέηκε μάχεσθαι;), doch ist die Suche der αἰτίη eigentlich das genuine Geschäft der Philosophen. Thukydides hat sie zur ausschließlichen Aufgabe des Historikers erhoben. Herodot ist zwar, was ihn sympathisch macht,  nicht so ausschließlich wie Thukydides, doch in diesem Punkt nicht allzu weit von ihm entfernt.
 
Sententiae excerptae:
w37
Literatur:

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