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| Belege des Suchbegriffs aus ausgewählten Texten (vollständig: Caes.Gall., Cic.Arch., Cic.S.Rosc., Cic.Lael.) |
| his rebus fiebat, ut et minus late vagarentur et minus facile finitimis bellum inferre possent; qua ex parte homines bellandi cupidi magno dolore adficiebantur. Caes.Gall.1,2,4 | Deshalb konnten die Helvetier keine weiten Streifzüge unternehmen, auch ihre Nachbarn nicht leicht bekriegen; ein Umstand, der diesen kampflustigen Leuten viel Missvergnügen verursachte. Sie glaubten nämlich, |
| persuadent Rauracis et Tulingis et Latobrigis finitimis, uti eodem usi consilio oppidis suis vicisque exustis una cum iis proficiscantur, Boiosque, qui trans Rhenum incoluerant et in agrum Noricum transierant Noreiamque oppugnabant, receptos ad se socios sibi adsciscunt. Caes.Gall.1,5,4 | Zugleich beredeten sie ihre Nachbarn, die Rauraker, Tulinger und Latobriger, zu dem selben Entschluss, nämlich gleichfalls ihre Städte und Ortschaften abzubrennen und mit ihnen gemeinschaftlich wegzuziehen. Auch die Boier, die am rechten Rheinufer gewohnt, aber in das norische Gebiet einen Einfall gemacht und die Hauptstadt Noreia bestürmt hatten, zogen sie als Bundesgenossen an sich. |
| is pagus appellabatur Tigurinus; nam omnis civitas Helvetia in quattuor partes vel pagos est divisa. Caes.Gall.1,12,4 | Es waren dies die Helvetier des Tiguriner-Gaus. Die Gesamtheit der helvetischen Bevölkerung bildet nämlich vier solche Gaue. |
| qua in re Caesar non solum publicas, sed etiam privatas iniurias ultus est, quod eius soceri L. Pisonis avum, L. Pisonem legatum, Tigurini eodem proelio, quo Cassium, interfecerant. Caes.Gall.1,12,7 | Cäsar aber rächte bei dieser Gelegenheit nicht nur die Beleidigungen gegen sein Vaterland, sondern auch die gegen sein eigenes Haus. Die Tiguriner hatten nämlich in jenem älteren Treffen außer dem Konsul Cassius auch den Legaten Lucius Piso erschlagen; dies war aber der Großvater von Lucius Piso, dem Schwiegervater Cäsars. |
| consuesse enim deos immortales, quo gravius homines ex commutatione rerum doleant, quos pro scelere eorum ulcisci velint, his secundiores interdum res et diuturniorem impunitatem concedere. Caes.Gall.1,14,5 | die unsterblichen Götter pflegten nämlich denjenigen Menschen, die sie für ihre Frevel bestrafen wollten, zuweilen größeres Glück und längere Straffreiheit zu gestatten, damit sie den Wechsel des Schicksals desto schmerzlicher empfänden. |
| nam propter frigora - quod Gallia sub septentrionibus, ut ante dictum est, posita est - non modo frumenta in agris matura non erant, sed ne pabuli quidem satis magna copia suppetebat. Caes.Gall.1,16,2 | Weil nämlich, wie früher bemerkt, das Keltenland nördlich liegt, war wegen der kalten Jahreszeit nicht bloß auf den Feldern noch kein Getreide reif, sondern man hatte nicht einmal genug Futter. |
| reperiebat etiam in quaerendo Caesar, quod proelium equestre adversum paucis ante diebus esset factum, initium eius fugae factum ab Dumnorige atque eius equitibus ‑ nam equitatui, quem auxilio Caesari Haedui miserant, Dumnorix praeerat ‑ ; eorum fuga reliquum esse equitatum perterritum. Caes.Gall.1,18,10 | Bei weiterem Ausfragen erfuhr Cäsar auch, dass es Dumnorix sei, der bei dem unglücklichen Reitertreffen vor einigen Tagen zuerst mit seinen eigenen Reitern die Flucht ergriff und dadurch die übrige Reiterei in Bestürzung brachte. Dumnorix befehligte nämlich die Reiterei, die die Häduer den Römern als Hilfe ins Feld gestellt hatten. |
| Quibus rebus cognitis, cum ad has suspiciones certissimae res accederent, quod per fines Sequanorum Helvetios traduxisset, quod obsides inter eos dandos curasset, quod ea omnia non modo iniussu suo et civitatis, sed etiam inscientibus ipsis fecisset, quod a magistratu Haeduorum accusaretur, satis esse causae arbitrabatur, quare in eum aut ipse animadverteret aut civitatem animadvertere iuberet. Caes.Gall.1,19,1 | Als zu diesen durch Erkundigung wahrgenommenen Verdachtsumständen noch unleugbare Tatsachen kamen, dass nämlich Dumnorix die Helvetier durch das Land der Sequaner geführt, die gegenseitige Stellung von Geiseln vermittelt, dies alles nicht bloß gegen Cäsars und seiner Mitbürger Befehl, sondern auch ohne ihr Wissen getan hatte und die Obrigkeit der Häduer ihn anklagte, so glaubte Cäsar hinlänglich Grund zu haben, ihn entweder selbst aufs schwerste zu bestrafen oder solche Bestrafung von den Mitbürgern zu verlangen. |
| Postridie eius diei, quod omnino biduum supererat, cum exercitui frumentum metiri oporteret, et quod a Bibracte, oppido Haeduorum longe maximo et copiosissimo, non amplius milibus passuum xviii aberat, rei frumentariae prospiciendum existimans iter ab Helvetiis avertit ac Bibracte ire contendit. Caes.Gall.1,23,1 | Folgenden Tages wendete er sich von den Helvetiern weg und zog gegen Bibracte, die größte und reichste Stadt der Häduer, von der er nur achtzehn Meilen entfernt war; in zwei Tagen musste er nämlich unter seine Leute Lebensmittel austeilen und deshalb auf Vorrat bedacht sein. |
| nisi si quid in Caesare populoque Romano sit auxilii, omnibus Gallis idem esse faciendum, quod Helvetii fecerint, ut domo emigrent, aliud domicilium, alias sedes, remotas a Germanis, petant fortunamque, quaecumque accidat, experiantur. Caes.Gall.1,31,14 | Wenn sie bei Cäsar und beim römischen Volk keine Hilfe fänden, müssten alle Gallier das selbe tun, was die Helvetier getan hätten, nämlich ihre Heimat verlassen, ein anderes Heimatland, andere Wohnsitze, fern von den Germanen, suchen und sich, was auch immer passiere, auf ihr Glück verlassen. |
| quod non fore dicto audientes neque signa laturi dicantur, nihil se ea re commoveri; scire enim quibuscumque exercitus dicto audiens non fuerit, aut male re gesta fortunam defuisse aut aliquo facinore comperto avaritiam esse convictam. Caes.Gall.1,40,12 | Wenn man ihm aber sage, seine Soldaten würden den Gehorsam verweigern und nicht aufbrechen, so beunruhige ihn das nicht. Er wisse nämlich, dass in allen Fällen, in denen ein Heer einem Feldherrn den Gehorsam verweigert habe, dieser entweder die Sache schlecht ausgeführt und kein Glück gehabt habe oder aufgrund eines offenkundigen Vergehens der Habgier überführt worden sei. |
| quodsi praeterea nemo sequatur, tamen se cum sola decima legione iturum, de qua non dubitaret, sibique eam praetoriam cohortem futuram. huic Caesar legioni indulserat praecipue et propter virtutem confidebat maxime. Caes.Gall.1,40,15 | Wolle ihm außerdem niemand folgen, so werde er allein mit der zehnten Legion aufbrechen, an der er nicht zweifele; sie werde seine Leibwache sein. Dieser Legion hatte Cäsar nämlich immer die meiste Aufmerksamkeit und wegen ihrer Tapferkeit das meiste Vertrauen geschenkt. |
| nam etsi sine ullo periculo legionis delectae cum equitatu proelium fore videbat, tamen committendum non putabat, ut pulsis hostibus dici posset eos ab se per fidem in conloquio circumventos. Caes.Gall.1,46,3 | Obgleich er nämlich überzeugt war, ein Treffen mit der Reiterei würde ohne jedes Risiko für seine ausgewählte Legion vonstatten gehen, glaubte er doch nicht zugeben zu dürfen, dass man nach einer Niederlage der Feinde sagen könne, die Germanen seien aus Vertrauen zu ihm während der Unterredung in eine Falle gelockt worden. |
| quod tum facile fiebat. nam cum tanta multitudo lapides ac tela conicerent, in muro consistendi potestas erat nulli. Caes.Gall.2,6,3 | Dies war damals leicht. Weil nämlich eine so große Menge Belagerer Steine und Geschosse schleuderten, war es für die Belagerten ganz unmöglich, sich auf der Mauer zu halten. |
| hostes impeditos nostri in flumine adgressi magnum eorum numerum occiderunt; Caes.Gall.2,10,2 | die Römer griffen nämlich die Feinde an, die sich im Fluss nicht richtig verteidigen konnten, und hieb einen großen Teil von ihnen nieder. |
| hi novissimos adorti et multa milia passuum prosecuti magnam multitudinem eorum fugientium conciderunt, cum ab extremo agmine, ad quos ventum erat, consisterent fortiterque impetum nostrorum militum sustinerent, Caes.Gall.2,11,4 | Diese griffen die Nachhut an, verfolgten sie viele Meilen weit und hieben eine große Menge Feinde auf der Flucht nieder. Während nämlich die Leute im feindlichen Nachtrab, auf die man gestoßen war, dem Angriff standhielten und tapfere Gegenwehr leisteten, |
| nam quod hostibus adpropinquabat, consuetudine sua Caesar sex legiones expeditas ducebat; Caes.Gall.2,19,2 | Weil sich nämlich Cäsars den Feinden näherte, ließ er nach seiner Gewohnheit sechs Legionen schlagfertig vorausziehen; |
| ipsi erant ex Cimbris Teutonisque prognati, qui cum iter in provinciam nostram atque Italiam facerent, iis impedimentis, quae secum agere ac portare non poterant, citra flumen Rhenum depositis custodiam ex suis ac praesidium, sex milia hominum, una reliquerunt. Caes.Gall.2,29,4 | Sie selbst stammten von den Kimbern und Teutonen. Als nämlich diesen den Zug in das römische Gallien und nach Italien machten, ließen sie den Teil ihres Gepäcks, den sie nicht mit sich nehmen konnten, auf dem linken Rheinufer zurück, und dabei 6000 von ihren Leuten als Bedeckung. |
| quibusnam manibus aut quibus viribus praesertim homines tantulae staturae - nam plerumque omnibus Gallis prae magnitudine corporum suorum brevitas nostra contemptui est - tanti oneris turrim in muro posse conlocare confiderent? Caes.Gall.2,30,4 | mit welchen Hände oder Kräften besonders so klein gewachsene Menschen sich getrauten, einen so gewaltigen Turm an die Mauer zu bringen. Die Römer kamen nämlich in der Regel allen Leuten in Gallien im Vergleich zu ihrer Größe klein und verächtlich vor. |
| pedestria esse itinera concisa aestuariis, navigationem impeditam propter inscientiam locorum paucitatemque portuum sciebant; Caes.Gall.3,9,4 | Sie wussten nämlich, dass ihre Landstraßen durch sumpfige Stellen zerschnitten und die Befahrung ihres Meeres ohne Kenntnis der Gegend und bei der geringen Anzahl von Seehäfen schwierig war; |
| ac longe aliam esse navigationem in concluso mari atque in vastissimo atque apertissimo Oceano perspiciebant. Caes.Gall.3,9,7 | Das nämlich wussten sie gar wohl, dass zwischen der Schiffahrt in dem eingeschlossenen Mittelmeer und der auf dem unermesslichen, nach allen Seiten offenen Weltmeer ein großer Unterschied besteht. |
| neque enim his nostrae rostro nocere poterant - tanta in iis erat firmitudo -, neque propter altitudinem facile telum adigebatur, et eadem de causa minus commode copulis continebantur. Caes.Gall.3,13,8 | Die römischen Schiffe konnten nämlich den gallischen ihrer ungemeinen Festigkeit wegen mit den Schnäbeln nicht schaden, und weil sie so hoch gebaut waren, konnte man nicht leicht weder von Geschossen noch von Enterhaken Gebrauch gegen sie machen. |
| nam cum omnis iuventus, omnes etiam gravioris aetatis, in quibus aliquid consilii aut dignitatis fuit, eo convenerant, tum navium quod ubique fuerat unum in locum coegerant. Caes.Gall.3,16,2 | Diese Gallier hatten nämlich die ganze waffenfähige Mannschaft und selbst alle betagten Männer von etwas Einsicht oder Ansehen, so wie alle ihre Schiffe an jenen einen Ort aufgeboten und versammelt. |
| Eodem fere tempore Caesar, etsi prope exacta iam aestas erat, tamen quod omni Gallia pacata Morini Menapiique supererant qui in armis essent neque ad eum umquam legatos de pace misissent, arbitratus id bellum celeriter confici posse, eo exercitum duxit. qui longe alia ratione ac reliqui Galli bellum gerere instituerunt. Caes.Gall.3,28.1 | Fast um dieselbe Zeit rückte Cäsar in eigener Person gegen die Menapier und Moriner zu Feld, obgleich der Sommer schon vorüber war. Diese beiden Völkerschaften allein hatten nämlich nie Gesandte zu ihm geschickt und standen noch unter den Waffen, während alle übrigen Gallier den Römern gehorchten. Er täuschte sich jedoch in seiner Meinung, dieser Krieg lasse sich bald beenden; denn die Feinde führten ihn nach einem ganz anderen Plan als die übrigen Gallier. |
| nam quod intellegebant maximas nationes, quae proelio contendissent, pulsas superatasque esse continentesque silvas ac paludes habebant, eo se suaque omnia contulerunt. Caes.Gall.3,28.2 | Da nämlich die Erfahrung gelehrt hatte, dass selbst die mächtigsten Völkerschaften, wenn sie sich mit den Römern in ein förmliches Treffen einließen, geschlagen und besiegt wurden, begaben sie sich mit all ihrer Habe in ihre weiten Wälder und Moräste. |
| Sueborum gens est longe maxima et bellicosissima Germanorum omnium. Caes.Gall.4,1,3 | Die Sueben sind nämlich das größte und das meist kriegerische Volk von ganz Germanien. |
| ad alteram partem succedunt Ubii, quorum fuit civitas ampla atque florens, ut est captus Germanorum. et paulo quam eiusdem generis ceteri sunt humaniores, propterea quod Rhenum attingunt multumque ad eos mercatores ventitant et quod ipsi propter propinquitatem Gallicis sunt moribus adsuefacti. Caes.Gall.4,3,3 | Auf der anderen (südwestlichen) Seite folgen unmittelbar auf die Sueben die Ubier, ein nach dem Begriff und den Verhältnissen der Germanen einst bedeutendes und mächtiges Volk, zugleich gebildeter als die übrigen Stammesgenossen und als die Germanen im allgemeinen. Weil diese Ubiern nämlich den Rhein berühren, haben fremde Handelsleute häufigen Verkehr mit ihnen und sie selbst sind der Nachbarschaft wegen den Sitten Galliens genähert. |
| missas legationes ab nonnullis civitatibus ad Germanos invitatosque eos uti ab Rheno discederent: omnia quaeque postulassent ab se fore parata. Caes.Gall.4,6,3 | Einige Völkerschaften hätten nämlich die Germanen durch Botschaften eingeladen, vom Rhein hinweg mehr in das Land hineinzuziehen und mit der Erfüllung all ihrer Wünsche zu rechnen. |
| his constitutis rebus et consilio cum legatis et quaestore communicato, ne quem diem pugnae praetermitteret, opportunissime res accidit, quod postridie eius diei mane eadem et perfidia et simulatione usi Germani frequentes omnibus principibus maioribusque natu adhibitis ad eum in castra venerunt, Caes.Gall.4,13,4 | Nachdem er dies festgesetzt und seinen Plan den Legaten und dem Quaestor mitgeteilt hatte, bot sich ihm die schönste Gelegenheit da, keinen Tag für eine entscheidende Schlacht zu verlieren. Es kamen nämlich die Germanen in großer Anzahl, besonders alle ihrer Häuptlinge und Ältesten, in der Frühe des folgenden Tages mit gleicher List und Verstellung zu ihm in sein Lager, |
| quae omnia fere Gallis erant incognita. neque enim temere praeter mercatores adit ad illos quisquam, neque iis ipsis quicquam praeter oram maritimam atque eas regiones, quae sunt contra Galliam, notum est. Caes.Gall.4,20,3 | den Galliern nämlich waren so ziemlich alle diese Dinge ganz unbekannt. Denn es begibt sich außer den Handelsleuten nicht leicht jemand nach Britannien, und selbst solchen Leuten ist höchstens die Küste mit denjenigen Gegenden der Insel bekannt, die Gallien gegenüberliegen. |
| nam et navium figura et remorum motu et inusitato genere tormentorum permoti barbari constiterunt ac paulum modo pedem rettulerunt. Caes.Gall.4,25,2 | Die Britannier wurden nämlich durch die Gestalt der Kriegsschiffe, durch den Ruderschlag und das ihnen unbekannte schwere Geschütz so erschreckt, dass sie haltmachten und für den Augenblick wichen. |
| nam quod omni ex reliquis partibus demesso frumento una pars erat reliqua, suspicati hostes huc nostros esse venturos noctu in silvis delituerant. Caes.Gall.4,32,4 | Da nämlich an den übrigen Punkten der Umgegend bereits alles Getreide abgemäht war und nur an einem Ort stand, hatten sich die Feinde, weil sie vermuteten, die Römer würden dorthin ziehen, bei Nacht in das Gebüsch versteckt. |
| ad celeritatem onerandi subductionisque paulo facit humiliores, quam quibus in nostro mari uti consuevimus, atque id eo magis, quod propter crebras commutationes aestuum minus magnos ibi fluctus fieri cognoverat, ad onera ac multitudinem iumentorum transportandam paulo latiores, quam quibus in reliquis utimur maribus. Caes.Gall.5,1,2 | Um sie nämlich schneller laden und an Land ziehen zu können, ließ er sie etwas niedriger machen als die Schiffe im Mittelmeer zu sein pflegen, hauptsächlich aber aus dem Grund, weil er bemerkt hatte, dass in dem Meer bei Gallien wegen des häufigen Wechsels von Ebbe und Flut die Wellen nicht so groß sind. Um aber desto mehr Lasten und Tiere aufnehmen zu können, musste die Breite dieser Schiffe etwas bedeutender werden, als dies bei den Schiffen der Fall ist, deren man sich in den übrigen Meeren bedient. |
| si vim faciat neque pareat, interfici iubet, nihil hunc se absente pro sano facturum arbitratus, qui praesentis imperium neglexisset. Caes.Gall.5,7,7 | mit dem Zusatz, ihn niederzuhauen, falls er sich zur Wehr setze; er glaubte nämlich, er werde in seiner Abwesenheit nur Tollheiten anstellen, da er ja schon in seiner Gegenwart seine Befehle missachte. |
| sed ut postea Caesar ex captivis cognovit, cum magnae manus eo convenissent, multitudine navium perterritae, quae cum annotinis privatisque, quas sui quisque commodi causa fecerat, amplius octingentae uno erant visae tempore, ab litore discesserant ac se in superiora loca abdiderant. Caes.Gall.5,8,6 | Obgleich nämlich eine große feindliche Streitmacht zusammengekommen war, hatte sie sich doch, wie man später von den Gefangenen erfuhr, durch die zahlreiche Flotte der Römer in Schrecken setzen lassen, sich vom Ufer zurückgezogen und hinter den Anhöhen versteckt; denn auf einmal standen die Schiffe vom vorigen Jahr und diejenigen, die sich einzelne zu ihrem Gebrauch hatten machen lassen eingerechnet, zusammen über 800 Fahrzeuge vor ihren Augen. |
| qui cum ad fines regni sui Sabino Cottaeque praesto fuissent frumentumque in hiberna comportavissent, Indutiomari Treveri nuntiis impulsi suos concitaverunt subitoque oppressis lignatoribus magna manu ad castra oppugnanda venerunt. Caes.Gall.5,26,2 | Als sie nämlich dem Sabinus um Cotta an der Grenze ihres Herrschaftsgebietes Ergebenheit bezeugt und Lebensmittel in das römische Lager geliefert hatten, wurden sie durch Botschaften des Treverers Indutiomarus aufgereizt und brachten ihre Leute zum Aufstand, überfielen plötzlich die Soldaten, die mit Holzfällen beschäftigt waren, und rückten zahlreich heran, um das Lager selbst zu bestürmen. |
| nam et nostris militibus spem minuit et hostes ad pugnam alacriores effecit, quod non sine summo timore et desperatione id factum videbatur. Caes.Gall.5,33,5 | Den Römern nämlich sank dabei der Mut, während er beim Feind wuchs; denn man glaubte, dies sei nur aus der größten Furcht und Verzweiflung geschehen. |
| nam et nostris militibus spem minuit et hostes ad pugnam alacriores effecit, quod non sine summo timore et desperatione id factum videbatur. Caes.Gall.5,33,5 | Den Römern nämlich sank dabei der Mut, während er beim Feind wuchs; denn man glaubte, dies sei nur aus der größten Furcht und Verzweiflung geschehen. |
| neque tamen ulli civitati Germanorum persuaderi potuit, ut Rhenum transiret, cum se bis expertos dicerent, Ariovisti bello et Tencterorum transitu, non esse amplius fortunam temptaturos. Caes.Gall.5,55,2 | Es ließ sich aber dennoch kein germanischer Stamm bereden, über den Rhein zu ziehen; sie sagten, schon zweimal hätten sie es versucht, nämlich in Ariovists Krieg und bei dem Übergang der Tenkterer: sie würden es nicht noch einmal zu wagen. |
| magni interesse etiam in reliquum tempus ad opinionem Galliae existimans tantas videri Italiae facultates, ut, si quid esset in bello detrimenti acceptum, non modo id brevi tempore sarciri, sed etiam maioribus augeri copiis posset. Caes.Gall.6,1,3 | Cäsar glaubte nämlich, es sei auch für die Zukunft sehr wichtig, in Gallien die Meinung zu erhalten, Italiens Hilfsquellen und Macht seien so groß, dass ein im Krieg etwa erlittener Verlust nicht bloß schnell wieder gutgemacht, sondern das römische Heer sogar mit größeren Kräften verstärkt werden könne. |
| confines erant hi Senonibus civitatemque patrum memoria coniunxerant, sed ab hoc consilio afuisse existimabantur. Caes.Gall.6,3,5 | Die Parisier nämlich stießen an die Senonen und bildeten mit ihnen seit alter Zeit nur einen Staat, ohne jedoch damals mit den Senonen gemeinschaftliche Sache zu machen. |
| quos Labienus equitatu consectatus magno numero interfecto compluribus captis paucis post diebus civitatem recepit. nam Germani, qui auxilio veniebant, percepta Treverorum fuga sese domum contulerunt. Caes.Gall.6,8,7 | Labienus verfolgte sie mit seiner Reiterei, hieb eine große Zahl nieder, nahm mehrere gefangen und war wenige Tage darauf Herr des Landes. Die germanischen Hilfsscharen hatten sich nämlich bei der Nachricht von der Niederlage der Treverer wieder nach Hause begeben. |
| in eorum locum Remi successerant; quos quod adaequare apud Caesarem gratia intellegebatur, ii, qui propter veteres inimicitias nullo modo cum Haeduis coniungi poterant, se Remis in clientelam dicabant. Caes.Gall.6,12,7 | An ihre Stelle traten die Remer. Weil man nämlich sah, dass diese bei Cäsar in gleicher Gunst wie die Häduer standen, begaben sich alle, die wegen alter Zerwürfnisse schlechterdings nicht mit den Häduern gehen konnte, in den Schutz der Remer, die ihnen diesen auch auf das sorgfältigste angedeihen ließen |
| magnum ibi numerum versuum ediscere dicuntur. itaque annos nonnulli vicenos in disciplina permanent. neque fas esse existimant ea litteris mandare, cum in reliquis fere rebus, publicis privatisque rationibus, Graecis utantur litteris. Caes.Gall.6,14,3 | Sie müssen dann eine Menge Verse auswendig lernen, weshalb manche sogar zwanzig Jahre in dieser Schule zu bringen. Sie halten es nämlich nicht für erlaubt, solche Dinge schriftlich zu verzeichnen, während sie sich in anderen Sachen und Geschäften des Staates und der einzelnen der griechischen Schrift bedienen. |
| quod pro vita hominis nisi hominis vita reddatur, non posse aliter deorum immortalium numen placari arbitrantur, publiceque eiusdem generis habent instituta sacrificia. Caes.Gall.6,16,3 | Man hat nämlich die abergläubische Meinung, dass für ein Menschenleben nur wieder ein Menschenleben gegeben werden dürfe; anders lasse sich die Hoheit der unsterblichen Götter nicht besänftigen. Auch von Seiten des Staates hat man diesen Opfergebrauch. |
| quod saepe homines temerarios atque imperitos falsis rumoribus terreri et ad facinus impelli et de summis rebus consilium capere cognitum est. Caes.Gall.6,20,2 | Die Erfahrung lehrt nämlich, dass sich unbesonnene und unerfahrene Leute oft durch falsche Gerüchte in Schrecken setzen lassen, zu starken Taten schreiten und Einschlüsse von größter Bedeutung treffen. |
| hoc proprium virtutis existimant, expulsos agris finitimos cedere neque quemquam prope se audere consistere. Caes.Gall.6,23,2 | Sie sind es nämlich als einen besonderen Beweis der Tapferkeit an, wenn ihre Nachbarn aus ihren Sitzen vertrieben werden und weichen und niemand es wagt, in ihrer Nähe zu wohnen; |
| nam et praedae cupiditas multos longius evocabat et silvae incertis occultisque itineribus confertos adire prohibebant. Caes.Gall.6,34,4 | Die Lust, Beute zu machen, lockte nämlich viele allzu weit weg: in Reih und Glied vorzudringen erlaubten aber die Waldungen mit ihren unsicheren und verborgenen Pfaden nicht. |
| atque ille latebris aut silvis aut saltibus se eriperet et noctu occultatus alias regiones partesque peteret non maiore equitum praesidio quam quattuor, quibus solis vitam suam committere audebat. Caes.Gall.6,43,5 | Ambiorix entkam nämlich immer in Schlupfwinkeln, Wäldern oder Bergen, indem er bei Nacht unter dem Schutz der Dunkelheit in immer veränderter Richtung von Ort zu Ort flüchtete; dabei begleiteten ihn nur vier Reiter, denen allein er sein Leben anvertraute. |
| celeriter ad omnes Galliae civitates fama perfertur. nam ubicumque maior atque inlustrior incidit res, clamore per agros regionesque significant; hinc alii deinceps excipiunt et proximis tradunt; Caes.Gall.7,3,2 | Hiervon verbreitete sich das Gerücht sogleich zu allen gallischen Stämmen. Sooft nämlich etwas Wichtiges und Außerordentliches vorfällt, geben sich die Gallier davon mit Geschrei durch Stadt und Land ein Zeichen; dieses nehmen andere entgegen und teilen es der Reihe nach den nächsten mit. |
| nam quae ab reliquis Gallis civitates dissentirent, has sua diligentia adiuncturum atque unum consilium totius Galliae effecturum, cuius consensui ne orbis quidem terrarum possit obsistere; idque se prope iam effectum habere. Caes.Gall.7,29,6 | Er werde nämlich auch die gallischen Stämme, die bisher abseits gestanden hätten, durch seine Bemühungen zum Anschluss bewegen und ganz Gallien unter einem einzigen Plan einigen, einem Bündnis, dem sich die ganze Welt nicht widersetzen könne; ja, die Sache sei schon beinahe fertig. |
| Haec cogitanti accidere visa est facultas bene gerendae rei. nam cum in minora castra operis perspiciendi causa venisset, animadvertit collem, qui ab hostibus tenebatur, nudatum hominibus, qui superioribus diebus vix prae multitudine cerni poterat. Caes.Gall.7,44,1 | Mitten in diesen Gedanken glaubte er die Möglichkeit eines glücklichen Schlages wahrzunehmen. Als er sich nämlich einmal in das kleinere Lager begeben hatte, um die Verschanzungen zu besichtigen, nahm er wahr, dass die Höhe, die der Feind innehatte, ganz verlassen war, während man sie in den letzten Tagen vor der Menge Menschen kaum hatte sehen können. |
| namque altera ex parte Bellovaci, quae civitas in Gallia maximam habet opinionem virtutis, instabant, alteram Camulogenus parato atque instructo exercitu tenebat: tum legiones a praesidio atque impedimentis interclusas maximum flumen distinebat. Caes.Gall.7,59,5 | Auf der einen Seite nämlich drängten ihn die Bellovacer, ein Stamm, der in Gallien den Ruf sehr großer Tapferkeit genießt, auf der anderen Seite aber drohte Camulogenus mit seinem kampfbereiten und wohlgerüsteten Heer. Überdies waren Labienus und seine Legionen von ihrem Gepäck und dessen Schutz durch den großen Fluss Seine getrennt. |
| namque altera ex parte Bellovaci, quae civitas in Gallia maximam habet opinionem virtutis, instabant, alteram Camulogenus parato atque instructo exercitu tenebat: tum legiones a praesidio atque impedimentis interclusas maximum flumen distinebat. Caes.Gall.7,59,5 | Auf der einen Seite nämlich drängten ihn die Bellovacer, ein Stamm, der in Gallien den Ruf sehr großer Tapferkeit genießt, auf der anderen Seite aber drohte Camulogenus mit seinem kampfbereiten und wohlgerüsteten Heer. Überdies waren Labienus und seine Legionen von ihrem Gepäck und dessen Schutz durch den großen Fluss Seine getrennt. |
| reliquas omnes munitiones ab ea fossa pedibus CCCC reduxit. id hoc consilio, quoniam tantum spatium necessario esset complexus nec facile totum opus corona militum cingeretur, ne de improviso aut noctu ad munitiones multitudo hostium advolaret aut interdiu tela in nostros operi destinatos conicere posset. Caes.Gall.7,72,2 | Alle übrigen Schanzen ließ er von diesem Graben vierhundert Fuß weit aufwerfen. Weil er nämlich einerseits diesem Graben notwendig einen so großen Umfang hatte geben müssen und andererseits doch auch das ganze Werk nicht leicht mit bewaffneter Mannschaft ringsherum besetzt werden konnte, suchte er durch diese Entfernung zu verhindern, dass die ganze Masse der Feinde unversehens entweder bei Nacht gegen die Schanzen stürmen oder bei Tag auf die römischen Soldaten schießen konnten, die an der Einschließung arbeiteten. |
| XXX milia universis civitatibus, quae Oceanum attingunt quaeque eorum consuetudine Aremoricae appellantur, quo sunt in numero Coriosolites, Redones, Ambibarii, Caletes, Osismi, Veneti, Lemovices, Unelli. Caes.Gall.7,75,4 | dreißigtausend zusammen sollten die so genannten amorischen Staaten am Ozean stellen, nämlich die Coriosoliten, Redonen, Ambibarier, Caleten, Osismer, Veneter, Lemovicen und Uneller. |
| omnia enim plerumque, quae absunt, vehementius hominum mentes perturbant. Caes.Gall.7,84,5 | Das Entfernte wirkt nämlich meist mit heftigerer Störung auf das menschliche Herz. |
| erat autem in Caesare cum facultas atque elegantia summa scribendi, tum verissima scientia suorum consiliorum explicandorum. Hirt. ad Balbum 7 | Cäsar besaß nämlich nicht nur die größte Gewandtheit und geschmackvollste Schönheit in der Darstellung, sondern auch die einsichtsvollste Wahrhaftigkeit in der Darlegung seiner Pläne und Taten. |
| Tali modo re gesta recentibus proelii vestigiis ingressus Caesar, cum victos tanta calamitate existimaret hostes nuntio accepto locum castrorum relicturos, quae non longius ab ea caede abesse plus minus VIII milibus dicebantur, tametsi flumine impeditum transitum videbat, tamen exercitu traducto progreditur. Caes.Gall.8,20,1 | Cäsar verfolgte nun den frischen Sieg. Er glaubte nämlich, dass die übrigen Bellovaker bei der Nachricht von der Niederlage den Ort, wo ihr Lager (8,16) stand, etwa 8 Meilen weit entfernt, verlassen würden. Obgleich ein schwieriger Fluss im Weg stand, setzte er doch mit dem Heer hinüber und rückte vor. |
| nam superiore anno T. Labienus Caesare in Gallia citeriore ius dicente, cum Commium comperisset sollicitare civitates et coniurationem contra Caesarem facere, infidelitatem eius sine ulla perfidia iudicavit comprimi posse. Caes.Gall.8,23,3 | Im letzten Jahr nämlich hatte, während Cäsar in Oberitalien die Rechtspflege besorgte, Titus Labienus bei der Nachricht, dass Commius die gallischen Völker aufwiegele und ein Empörung gegen Cäsar anlege, geglaubt, man dürfe über den Treulosen herfallen, ohne sich einer Wortbrüchigkeit schuldig zu machen. |
| Quorum omnis postea multitudo aquatum in unum locum conveniebat; sub ipsum enim oppidi murum magnus fons aquae prorumpebat ab ea parte, quae fere pedum trecentorum intervallo a fluminis circuitu vacabat. Caes.Gall.8,41,1 | Dicht an der Festungsmauer war nämlich eine reiche Quelle auf der Seite der Stadt, die ungefähr durch einen Zwischenraum von 300 Fuß vom umlaufenden Fluss frei war. |
| nam cum Antonius in hiberna venisset civitasque Atrebatium in officio maneret, Commius, qui post illam vulnerationem, quam supra commemoravi, semper ad omnes motus paratus suis civibus esse consuesset, ne consilia belli quaerentibus auctor armorum duxque deesset, parente Romanis civitate, cum suis equitibus latrociniis se suosque alebat infestisque itineribus commeatus complures qui comportabantur in hiberna Romanorum intercipiebat. Caes.Gall.8,47,2 | Die Gesamtheit der Atrebaten waren nämlich, da Antonius bei ihnen das Winterlager bezogen hatte, ganz ruhig. Während jedoch seine Landsleute den Römern gehorchten, tat dies Commius nicht, der seit der oben erwähnten Verwundung (8,23) seinen Mitbürgern bei jeder aufrührerischen Bewegung zu Diensten stand, damit ihnen bei ihren feindlichen Absichten weder ein Anstifter des Krieges noch ein Anführer fehlte. Er lebte jetzt mit seinen Reitern von Straßenraub, machte feindselige Streifzüge und nahm mehrere Zufuhren von Lebensmitteln weg, die für das römische Lager bestimmt waren. |
| Magnum hoc testimonium senatus erat universi conveniensque superiori facto. nam M. Marcellus proximo anno cum impugnaret Caesaris dignitatem, contra legem Pompei et Crassi rettulerat ante tempus ad senatum de Caesaris provinciis, sententiisque dictis discessionem faciente Marcello qui sibi omnem dignitatem ex Caesaris invidia quaerebat, senatus frequens in alia omnia transiit. Caes.Gall.8,53,1 | Dies war ein großes Zeugnis des gesamten Senats und seinem früheren Benehmen angemessen. Marcellus hatte nämlich im letzten Jahr, um Cäsars Geltung zu befeinden, gegen ein Gesetz des Pompeius und Crassus vor der gehörigen Zeit über die Bestimmung der Provinzen Cäsars im Senat vorgetragen. Nachdem die einzelnen Mitglieder gesprochen hatten, ließ er, der durch Cäsars Verkleinerung seine eigene Bedeutung zu geben suchte, abstimmen; der Senat dagegen verwarf seinen Antrag mit großer Stimmenmehrheit. |
| namque antea pleraque nobilitas invidia aestuabat, et quasi pollui consulatum credebant, si eum quamvis egregius homo novos adeptus foret. sed ubi periculum advenit, invidia atque superbia post fuere. Sall.Cat.23,6 | Vorher nämlich wogte in den Herzen der meisten Männer des Adels die Eifersucht auf und man glaubte, das Konsulat werde gleichsam besudelt, wenn es ein Emporkömmling, sei er noch so hervorragend, erhalte. Aber als sich die Gefahr abzeichnete, traten Eifersucht und Stolz in den Hintergrund. |
| ibique multa de ignavia eorum questus docet se Manlium praemisisse ad eam multitudinem, quam ad capiunda arma paraverat, item alios in alia loca opportuna, qui initium belli facerent, seque ad exercitum proficisci cupere, si prius Ciceronem oppressisset: eum suis consiliis multum officere. Sall.Cat.27,4 | und legt ihnen, nachdem er sich über Laschheit beklagt hat, dar, er habe Manlius vorausgeschickt - nämlich zu den Scharen, die er dazu angeworben hatte, die Waffen zu ergreifen - und andere an andere geeignete Plätze, um den Krieg zu beginnen; er wünsche zum Heer abzugehen, wenn er zuvor Cicero erledigt habe: er sei für seine Pläne das Haupthindernis. |
| ea potestas per senatum more Romano magistratui maxuma permittitur: exercitum parare, bellum gerere, coercere omnibus modis socios atque civis, domi militiaeque imperium atque iudicium summum habere; aliter sine populi iussu nullius earum rerum consuli ius est. Sall.Cat.29,3 | Dadurch verleiht der Senat nach römischem Staatsgesetz der Obrigkeit die umfassendsten Befugnisse, nämlich ein Heer auszuheben, Krieg zu führen, durch alle Mittel die Bundesgenossen und Bürger zum Gehorsam zu zwingen und in der Stadt unumschränkte Macht und Gericht ohne Einspruch zu üben. Andernfalls hat der Konsul ohne Ermächtigung durch das Volk zu nichts davon ein Recht. |
| nam postquam Cn. Pompeio et M. Crasso consulibus tribunicia postestas restituta est, homines adulescentes summam potestatem nacti, quibus aetas animusque ferox erat, coepere senatum criminando plebem exagitare, dein largiundo atque pollicitando magis incendere, ita ipsi clari potentesque fieri. Sall.Cat.38,1 | Seit nämlich unter dem Konsulat des Gnaeus Pompeius und des Marcus Crassus die Befugnisse der Volkstribunen wieder hergestellt worden waren, verschafften sich junge Leute, die nach Art und Alter stürmisch waren, das sehr einflussreiche Amt und begannen, durch Verdächtigung des Senats das Volk zu verhetzen, dann durch Spenden und Versprechungen weiter zu entflammen und sich so Ansehen und Einfluss zu erwerben. |
| ille eos in domum D. Bruti perducit, quod foro propinqua erat neque aliena consili propter Semproniam; nam tum Brutus ab Roma aberat. Sall.Cat.40,5 | Jener führte sie in das Haus des Decimus Brutus, weil es nahe beim Forum lag und wegen der Sempronia an der Verschwörung nicht unbeteiligt war; Brutus war nämlich damals von Rom abwesend. |
| nam uterque cum illo gravis inimicitias exercebat: Piso oppugnatus in iudicio pecuniarum repetundarum propter quoiusdam Transpadani supplicium iniustum, Catulus ex petitione pontificatus odio incensus, quod extrema aetate, maxumis honoribus usus, ab adulescentulo Caesare victus discesserat. Sall.Cat.49,2 | Beide lagen nämlich mit ihm in bitterem Streit. Piso, weil er von ihm in einer Klage auf Erpressung wegen der ungerechten Hinrichtung eines Transpadaners heftig angegriffen worden war, Catulus war wegen der Bewerbung um das Pontifikat in Hass entbrannt, weil ihm, dem Hochbetagten, der die höchsten Ämter begleitet hatte, der noch ganz junge Caesar den Rang abgelaufen hatte. |
| res autem opportuna videbatur, quod is privatim egregia liberalitate, publice maxumis muneribus grandem pecuniam debebat. Sall.Cat.49,3 | Die Sachlage schien aber zur Verdächtigung ganz geeignet, weil nämlich Caesar durch außerordentliche Freigebigkeit gegen einzelne Privatleute und sehr aufwendige Veranstaltungen für das Volk sich eine drückende Schuldenlast aufgeladen hatte. |
| tum D. lunius Silanus primus sententiam rogatus, quod eo tempore consul designatus erat, de iis, qui in custodiis tenebantur, et praeterea de L. Cassio, P. Furio, P. Umbreno, Q. Annio, si deprehensi forent, supplicium sumundum decreverat; isque postea permotus oratione C. Caesaris pedibus in sententiam Ti. Neronis iturum se dixit, quod de ea re praesidiis additis referundum censuerat. Sall.Cat.50,4 | Nun wurde Decimus Iunius Silanus, weil er zu dieser Zeit designierter Konsul war, zuerst nach seiner Meinung befragt. Er hatte sich dahin erklärt, dass an denen, die sich in Gewahrsam befanden, und an Lucius Cassius, Publius Furius, Publius Umbrenus und Quintus Annius, wenn sie aufgegriffen würden, die Todesstrafe zu vollziehen sei. Später sagte er, unter dem Eindruck der Rede des Gaius Caesar, er werde sich bei der Abstimmung dem Antrag des Tiberius Nero anschließen. Dieser hatte nämlich beantragt, erst die Wachen zu verstärken und dann den Sachverhalt neu zu verhandeln. |
| nam si digna poena pro factis eorum reperitur, novom consilium adprobo; sin magnitudo sceleris omnium ingenia exuperat, his utendum censeo, quae legibus conparata sunt. Sall.Cat.51,8 | Wenn sich nämlich eine ihren Taten entsprechende Strafe finden lässt, so heiße ich eine außerordentliche Maßregel gut; wenn aber die Größe ihres Verbrechens alles Denken übersteigt, so stimme ich dafür die Strafe zu verhängen, die durch die Gesetze geboten ist. |
| nam cetera maleficia tum persequare, ubi facta sunt; hoc nisi provideris, ne adcidat, ubi evenit, frustra iudicia inplores: capta urbe nihil fit reliqui victis. Sall.Cat.52,4 | Alle anderen Verbrechen mag man nämlich bestrafen, wenn sie verübt sind, verhütet man aber in diesem Fall nicht, dass es eintritt, dürfte man, wenn es passiert ist, umsonst die Gerichte anrufen. Ist die Stadt erobert, bleibt den Besiegten nichts. |
| Bene et conposite C. Caesar paulo ante in hoc ordine de vita et morte disseruit, credo falsa existumans ea, quae de inferis memorantur: divorso itinere malos a bonis loca taetra, inculta, foeda atque formidulosa habere. Sall.Cat.52,13 | In schönen und wohlgesetzten Worten hat Gaius Caesar vorhin in dieser Versammlung über das Verhältnis von Leben und Tod gepredigt, natürlich weil er die Lehren von der Unterwelt für Lügen hält, dass nämlich die Bösen abgesondert von den Guten Räume voll Schmutz und Unrat voll Ekel und Schrecken bewohnen. |
| nam, uti planities erat inter sinistros montis et ab dextra rupe aspera, octo cohortis in fronte constituit, reliquarum signa in subsidio artius conlocat. Sall.Cat.59,2 | Da nämlich die Ebene links von Bergen und rechts von steilen Felswänden eingeschlossen war, stellte er acht Cohorten in das erste Treffen, die übrigen ließ er als Reserve enger zusammenrücken; |
| Meministine me ante diem xii Kalendas Novembris dicere in senatu fore in armis certo die, qui dies futurus esset ante diem VI. Kal. Novembris, C. Manlium, audaciae satellitem atque administrum tuae? Cic.Catil.1,7 | Weißt du noch, wie ich am 21. Oktober im Senat sagte, dass an einem bestimmten Tag, nämlich am 27. Oktober, Gaius Manlius, der Schildträger und Gehilfe deiner Frechheit, unter den Waffen stehen werde? |
| Nam si te interfici iussero, residebit in re publica reliqua coniuratorum manus; sin tu, quod te iam dudum hortor, exieris, exhaurietur ex urbe tuorum comitum magna et perniciosa sentina rei publicae. Cic.Catil.1,12 | Wenn ich nämlich den Befehl zu deiner Hinrichtung gebe, wird die übrige Schar der Verschwörer im Staat zurückbleiben. Wofern aber du, wozu ich dich schon längst aufrufe, dich entferntest, so wird der starke und dem Staat Verderben drohende Bodensatz deiner Genossen sich aus der Hauptstadt entleeren. |
| Etenim iam diu, patres conscripti, in his periculis coniurationis insidiisque versamur, sed nescio quo pacto omnium scelerum ac veteris furoris et audaciae maturitas in nostri consulatus tempus erupit. Cic.Catil.1,31 | Schon lange nämlich, versammelte Väter, treiben wir uns unter diesen Gefahren der Verschwörung und unter Nachstellungen herum; aber ich weiß nicht, wie es kommt, dass die Reife aller Verbrechen und der alten Rasereien und Frechheiten in der Zeit unseres Konsulats ausbrechen musste. |
| sed ne cui vestrum mirum esse videatur, me in quaestione legitima et in iudicio publico, cum res agatur apud praetorem populi Romani, lectissimum virum, et apud severissimos iudices, tanto conventu hominum ac frequentia hoc uti genere dicendi, quod non modo a consuetudine iudiciorum verum etiam a forensi sermone abhorreat, quaeso a vobis, ut in hac causa mihi detis hanc veniam accommodatam huic reo, vobis, quem ad modum spero, non molestam, ut me pro summo poeta atque eruditissimo homine dicentem hoc concursu hominum litteratissimorum, hac vestra humanitate, hoc denique praetore exercente iudicium, patiamini de studiis humanitatis ac litterarum paulo loqui liberius et in eius modi persona, quae propter otium ac studium minime in iudiciis periculisque tractata est, uti prope novo quodam et inusitato genere dicendi. Cic.Arch.3.a | Damit es aber keiner von euch verwunderlich finde, dass ich bei einer gesetzlichen Untersuchung und einem öffentlichen Anklageprozess, wo die Sache vor dem Prätor des römischen Volkes, einem Mann von größter Geradheit und Folgerichtigkeit, und vor sehr strengen Richtern verhandelt wird, bei einer so zahlreichen Versammlung von Anwesenden, eine solche Art des Vortrags wähle, die nicht allein der Gewohnheit bei Gerichten, sondern auch der Redeweise des Forums fremd ist, so bitte ich euch, dass ihr mir in dieser Sache eine Vergünstigung gewährt, die diesem Beklagten angemessen und euch, wie ich hoffe, nicht beschwerlich ist, dass ihr mir nämlich hier, wo ich für einen großen Dichter und Gelehrten zu sprechen habe, in diesem zahlreichen Kreis sehr unterrichteter Menschen, bei der Bildung die ihr selbst besitzt, wo endlich dieser Prätor das Gericht leitet, vergönnt, erlaubt, mich über die Studien der Wissenschaften, die zur allgemeinen Bildung gehören, etwas freier zu verbreiten, und bei einem solchen Charakter, der wegen seiner gelehrten Muße in Prozessen und Anklagen durchaus noch nie Gegenstand einer Verhandlung gewesen ist, eine fast neue und ungewöhnliche Art des Vortrags anzuwenden. |
| quod si mihi a vobis tribui concedique sentiam, perficiam profecto, ut hunc A. Licinium non modo non segregandum, cum sit civis, a numero civium, verum etiam, si non esset, putetis asciscendum fuisse. Cic.Arch.4.a | Wenn ich annehmen darf, dass ihr mir dies zugesteht und gestattet, so werde ich gewiss meinen Zweck erreichen, dass ihr euch nämlich überzeugt, dieser Aulus Licinius dürfe, da er Bürger ist, nicht allein aus der Zahl der Bürger nicht ausgeschlossen, sondern er müsse, wenn er es noch nicht wäre, als Bürger aufgenommen werden. |
| nam ut primum ex pueris excessit Archias atque ab iis artibus, quibus aetas puerilis ad humanitatem informari solet, se ad scribendi studium contulit, primum Antiochiae— nam ibi natus est loco nobili—, celebri quondam urbe et copiosa atque eruditissimis hominibus liberalissimisque studiis adfluenti, celeriter antecellere omnibus ingeni gloria contigit. Cic.Arch.4.b | Sobald nämlich Archias das Knabenalter überschritten hatte und von den Künsten, durch die diese Altersklasse zur allgemeinen Bildung angeleitet zu werden pflegt, sich zu schriftstellerischen Beschäftigungen wandte, so gelang es ihm zuerst in Antiochia, wo er aus einem angesehenen Haus stammt, in jener einst stark besuchten und wohlhabenden Stadt, die der Sitz einer großen Anzahl sehr unterrichteter Männer und der edelsten wissenschaftlichen Bestrebungen ist, in kurzem sich vor allen durch den Ruhm seines Talents auszuzeichnen. |
| etenim cum mediocribus multis et aut nulla aut humili aliqua arte praeditis gratuito civitatem in Graecia homines impertiebant, Reginos credo aut Locrensis aut Neapolitanos aut Tarentinos, quod scaenicis artificibus largiri solebant, id huic summa ingeni praedito gloria noluisse! Cic.Arch.10.b | Da nämlich die Leute in Griechenland vielen mittelmäßigen oder mit einer niederen Kunst begabten Menschen ohne Schwierigkeit das Bürgerrecht erteilten, ist es wahrscheinlich, dass die Einwohner von Rhegium oder Locri, oder Neapel, oder Tarent, das, was sie Bühnenkünstlern zu gewähren pflegten, diesem durch sein Talent hoch berühmten Mann verweigern wollten? |
| sed, quoniam census non ius civitatis confirmat ac tantum modo indicat eum, qui sit census ita se iam tum gessisse, pro cive, eis temporibus is, quem tu criminaris, ne ipsius quidem iudicio in civium Romanorum iure esse versatum et testamentum saepe fecit nostris legibus, et adiit hereditates civium Romanorum, et in beneficiis ad aerarium delatus est a L. Lucullo pro consule. Cic.Arch.11.b | Aber weil in der Schätzung keine Bestätigung des Bürgerrechtes liegt, sondern nur eine Anzeige, dass derjenige, der geschätzt wurde, schon damals so gehandelt habe, nämlich als Bürger, so bemerkte ich, dass derjenige, von dem du behauptest, dass er da auch nach seinem eigenen Urteil das Recht eines römischen Bürgers nicht ausgeübt habe, damals nicht allein oft ein Testament nach unserem Gesetz machte, sondern auch Erbschaften von römischen Bürgern antrat, und von dem damaligen Proconsul Lucius Lucullus zum Zweck einer Gratifikation vor der Staatskasse genannt worden ist. |
| nam nisi multorum praeceptis multisque litteris mihi ab adulescentia suasissem nihil esse in vita magno opere expetendum nisi laudem atque honestatem, in ea autem persequenda omnis cruciatus corporis, omnia pericula mortis atque exsili parvi esse ducenda, numquam me pro salute vestra in tot ac tantas dimicationes atque in hos profligatorum hominum cotidianos impetus obiecissem. Cic.Arch.14.a | Hätte ich mir nämlich nicht durch vielseitigen Unterricht und das Lesen vieler Schriften von früher Jugend an den Grundsatz eingeprägt, dass nichts im Leben in hohem Grad wünschenswert sei außer Ruhm und Tugend, und dass, um sie zu gewinnen, alle körperlichen Qualen, alle Todesgefahr und Verbannungen gering zu achten sind, so hätte ich mich nie für euer Wohl so vielen und so schweren Kämpfen und diesen täglichen Angriffen verworfener Menschen ausgesetzt. |
| neque enim quisquam est tam aversus a Musis, qui non mandari versibus aeternum suorum laborum praeconium facile patiatur. Cic.Arch.20.a | Niemand ist nämlich den Musen so abgeneigt, dass er sich nicht gern gefallen ließe, dass das unvergängliche Lob seiner Mühen in Gedichten niedergelegt wird. |
| Est enim et scientia comprehendenda rerum plurimarum, sine qua verborum volubilitas inanis atque inridenda est, et ipsa oratio conformanda non solum electione, sed etiam constructione verborum, et omnes animorum motus, quos hominum generi rerum natura tribuit, penitus pernoscendi, quod omnis vis ratioque dicendi in eorum, qui audiunt, mentibus aut sedandis aut excitandis expromenda est; accedat eodem oportet lepos quidam facetiaeque et eruditio libero digna celeritasque et brevitas et respondendi et lacessendi subtili venustate atque urbanitate coniuncta; Cic.de_orat.1,17. | Es ist nämlich nötig, dass man sich eine umfassende Sachkenntnis aneigne, ohne welche die Geläufigkeit der Worte nichtig und lächerlich ist, dass man den Vortrag selbst nicht allein durch die Wahl, sondern auch durch die Anordnung der Worte passend gestalte, dass man alle Gemütsbewegungen, welche die Natur dem Menschengeschlecht erteilt hat, gründlich erforsche, weil die ganze Kraft und Kunst der Rede sich in der Beruhigung oder Aufregung der Gemüter unserer Zuhörer zeigen muss. Hinzutreten muss gleichfalls eine Art des Witzes und der Laune, eine des freien Mannes würdige Gelehrsamkeit, Schlagfertigkeit und Kürze im Antworten und Herausfordern, verbunden mit feiner Anmut und feinem Geschmack. |
| Ac ne plura, quae sunt paene innumerabilia, consecter, comprehendam brevi: sic enim statuo, perfecti oratoris moderatione et sapientia non solum ipsius dignitatem, sed et privatorum plurimorum et universae rei publicae salutem maxime contineri. Quam ob rem pergite, ut facitis, adulescentes, atque in id studium, in quo estis, incumbite, ut et vobis honori et amicis utilitati et rei publicae emolumento esse possitis.' Cic.de_orat.1,34. | Und um nicht noch mehr Vorteile, deren es fast unzählige gibt, aufzusuchen, will ich es kurz zusammenfassen. Ich urteile nämlich so: Auf der weisen Mäßigung des vollkommenen Redners beruht vorzüglich nicht allein seine eigene Würde, sondern auch die Wohlfahrt der meisten einzelnen und des ganzen Staates. Darum, junge Freunde, fahrt so fort, wie ihr tut, und legt euch mit allem Eifer auf die Wissenschaft, der ihr euch widmet, damit ihr euch Ruhm, den Freunden Nutzen und dem Staat Vorteil gewähren könnt." |
| Agerent enim tecum lege primum Pythagorei omnes atque Democritii ceterique in iure sua physici vindicarent ornati homines in dicendo et graves, quibuscum tibi iusto sacramento contendere non liceret; urgerent praeterea philosophorum greges iam ab illo fonte et capite Socrate nihil te de bonis rebus in vita, nihil de malis, nihil de animi permotionibus, nihil de hominum moribus, nihil de ratione vitae didicisse, nihil omnino quaesisse, nihil scire convincerent; et cum universi in te impetum fecissent, tum singulae familiae litem tibi intenderent; Cic.de_orat.1,42. | Es würden nämlich mit dir rechten zuerst alle Pythagoreer und Demokritier, sowie auch die übrigen Naturphilosophen ihren Besitz in Anspruch nehmen, Männer, die sich durch eine schöne und nachdrucksvolle Rede auszeichnen, und du dürftest dich mit diesen nicht in einen Rechtsstreit unter Berufung auf ein gerichtliches Unterpfand einlassen. Bedrängen würden dich außerdem die Scharen der Philosophen, gleich von Sokrates an, ihrem Urheber und Stifter, und erweisen, dass du nichts von den Gütern im Leben, nichts von den Übeln, nichts von den Gemütsbewegungen, nichts von den Sitten der Menschen, nichts von ihrer Lebensweise gelernt, nichts überhaupt untersucht habest, nichts wissest; und nach dem Gesamtangriff aller auf dich würden auch noch die einzelnen Schulen besonders einen Rechtsstreit gegen dich erheben. |
| Nam quod illud, Scaevola, negasti te fuisse laturum, nisi in meo regno esses, quod in omni genere sermonis, in omni parte humanitatis dixerim oratorem perfectum esse debere: numquam me hercule hoc dicerem, si eum, quem fingo, me ipsum esse arbitrarer. Cic.de_orat.1,71. | Ich muss nämlich hier auf deine frühere Äußerung, Scaevola, zurückkommen. Warum sagtest du, du würdest, wenn du dich nicht auf meinem Gebiet befändest, meine Behauptung nicht ertragen haben, dass der Redner in jeder Art des Vortrages, in jedem Zweig menschlicher Bildung vollkommen sein müsse? Niemals fürwahr würde ich eine solche Behauptung ausgesprochen haben, wenn ich mich selbst für das Vorbild, das ich aufstellte, hielte. |
| Sed, ut solebat C. Lucilius saepe dicere, homo tibi subiratus, mihi propter eam ipsam causam minus quam volebat familiaris, sed tamen et doctus et perurbanus, sic sentio neminem esse in oratorum numero habendum, qui non sit omnibus eis artibus, quae sunt libero dignae, perpolitus; quibus ipsis si in dicendo non utimur, tamen apparet atque exstat, utrum simus earum rudes an didicerimus: Cic.de_orat.1,72. | Aber was Gaius Lucilius oft zu sagen pflegte, der dir ein wenig grollte und gerade deshalb mir weniger, als er es wünschte, befreundet, aber doch ein gelehrter und sehr fein gebildeter Mann war, dasselbe ist auch mein Urteil, dass nämlich niemand unter die Zahl der Redner gerechnet werden dürfe, der nicht in allen, eines freien Mannes würdigen Wissenschaften ausgebildet sei. Denn wenn wir von ihnen selbst auch beim Reden keinen Gebrauch machen, so ist es doch sichtbar und stellt sich heraus, ob wir derselben unkundig sind oder sie gelernt haben. |
| Ipsa vero praecepta sic inludere solebat, ut ostenderet non modo eos expertis esse illius prudentiae, quam sibi asciscerent, sed ne hanc quidem ipsam dicendi rationem ac viam nosse: caput enim esse arbitrabatur oratoris, ut et ipse eis, apud quos ageret, talis, qualem se esse optaret, videretur; id fieri vitae dignitate, de qua nihil rhetorici isti doctores in praeceptis suis reliquissent; et uti ei qui audirent sic adficerentur animis, ut eos adfici vellet orator; quod item fieri nullo modo posse, nisi cognosset is, qui diceret, quot modis hominum mentes et quibus et quo genere orationis in quamque partem moverentur; haec autem esse penitus in media philosophia retrusa atque abdita, quae isti rhetores ne primoribus quidem labris attigissent. Cic.de_orat.1,87. | Ihre Regeln selbst pflegte er dadurch zu verspotten, dass er zeigte, dass sich nicht nur in jener Staatsklugheit, die sie sich anmaßten, unerfahren seien, sondern auch von der Beredsamkeit selbst keine schulgerechte Kenntnis hätten. Die Hauptsache für den Redner nämlich, meinte er, bestehe darin, dass er denjenigen, vor denen er auftrete, so erscheine, wie er es selbst wünsche; dies werde durch die Würde des Lebens bewirkt, von der jene Lehrer der Beredsamkeit in ihren Vorschriften nichts hinterlassen hätten; und dass seine Zuhörer in ihrem Inneren so gestimmt würden, wie sie der Redner gestimmt wissen wolle; auch dies sei auf keine Weise möglich, wenn nicht der Redner gelernt habe, auf welche und auf wie vielerlei Weise, und durch welche Art des Vortrages die Gemüter der Menschen nach allen Richtungen gelenkt würden; das seien aber Geheimnisse, die ganz in der Tiefe der Philosophie versteckt und verborgen lägen, wovon jene Redekünstler sich nicht einmal eine oberflächliche Kenntnis angeeignet hätten. |
| Ea Menedemus exemplis magis quam argumentis conabatur refellere; memoriter enim multa ex orationibus Demostheni praeclare scripta pronuntians docebat illum in animis vel iudicum vel populi in omnem partem dicendo permovendis non fuisse ignarum, quibus ea rebus consequeretur, quae negaret ille sine philosophia quemquam nosse posse. Cic.de_orat.1,88. | Diese Behauptungen suchte Menedemus mehr durch Beispiele als durch Beweise zu widerlegen. Er trug nämlich aus dem Gedächtnis viele herrliche Stellen aus den Reden des Demosthenes vor und zeigte so, dass dieser dadurch, dass er verstand, die Gemüter der Richter oder des Volkes nach allen Richtungen zu lenken, kundgegeben habe, wie gut er die Mittel gekannt habe, durch die er das erreichen könne, was nach jenes Behauptung niemand ohne Philosophie wissen könne. |
| Saepe etiam in eam partem ferebatur oratione, ut omnino disputaret nullam artem esse dicendi; idque cum argumentis docuerat, quod ita nati essemus, ut et blandiri eis subtiliter, a quibus esset petendum, et adversarios minaciter terrere possemus et rem gestam exponere et id, quod intenderemus, confirmare et, quod contra diceretur, refellere, ad extremum deprecari aliquid et conqueri, quibus in rebus omnis oratorum versaretur facultas; et quod consuetudo exercitatioque intellegendi prudentiam acueret atque eloquendi celeritatem incitaret; tum etiam exemplorum copia nitebatur. Cic.de_orat.1,90. | Oft ließ er sich auch in seinem Vortrag zu der Behauptung hinreißen, es gebe überhaupt keine Kunst der Rede. Zuerst suchte er dies durch Beweise zu zeigen; wir seien nämlich von Natur so geschaffen, dass wir uns durch einnehmende Worte und flehentliche Bitten bei denen einschmeicheln könnten, die wir um etwas bitten müssten, unsere Gegner durch Drohungen schrecken, eine vorgefallene Begebenheit auseinandersetzen, das, was wir beabsichtigten, durch Gründe beweisen und die dagegen gemachten Einwendungen widerlegen, zuletzt etwas durch Bitten abwenden und beklagen; und in diesen Dingen bestehe die ganze Geschicklichkeit der Redner; zweitens, die Gewohnheit und Übung schärfe das Vermögen der Einsicht und rege die Geläufigkeit des Ausdrucks an. Darauf aber stützte er sich auch auf eine Menge von Beispielen. |
| Nam primum quasi dedita opera neminem scriptorem artis ne mediocriter quidem disertum fuisse dicebat, cum repeteret usque a Corace nescio quo et Tisia, quos artis illius inventores et principes fuisse constaret; eloquentissimos autem homines, qui ista nec didicissent nec omnino scire curassent, innumerabilis quosdam nominabat; in quibus etiam, sive ille inridens sive quod ita putaret atque ita audisset, me in illo numero, qui illa non didicissem et tamen, ut ipse dicebat, possem aliquid in dicendo, proferebat; quorum ego alterum illi facile adsentiebar, nihil me didicisse, in altero autem me inludi ab eo aut etiam ipsum errare arbitrabar. Cic.de_orat.1,91. | Zuerst nämlich, sagte er, sei gleichsam absichtlich kein Schriftsteller der Kunst auch nur in mäßigem Grade beredt gewesen, wobei er von Korax und Tisias, mir unbekannten Leuten, ausholte, die bekanntlich die Erfinder und Gründer dieser Wissenschaft gewesen seien; von den beredtesten Männern aber, die diese Dinge weder gelernt noch überhaupt zu wissen sich die Mühe genommen hätten, nannte er unzählige; unter ihnen – sei es nun, um meiner zu spotten, oder dass er so glaubte und so gehört hatte – führte er auch mich an, der ich jene Dinge nicht gelernt hätte und doch, wie er sagte, einiges im Reden leistete. In dem einen stimme ich ihm gern bei, dass ich nichts gelernt hätte; in dem andern aber, meinte ich, wolle er mich verspotten oder befinde sich selbst im Irrtum. |
| Itaque ego hac eadem opinione adductus scripsi etiam illud quodam in libello, qui me imprudente et invito excidit et pervenit in manus hominum, disertos cognosse me non nullos, eloquentem adhuc neminem, quod eum statuebam disertum, qui posset satis acute atque dilucide apud mediocris homines ex communi quadam opinione hominum dicere, eloquentem vero, qui mirabilius et magnificentius augere posset atque ornare quae vellet, omnisque omnium rerum, quae ad dicendum pertinerent, fontis animo ac memoria contineret. Id si est difficile nobis, quod ante, quam ad discendum ingressi sumus, obruimur ambitione et foro, sit tamen in re positum atque natura: Cic.de_orat.1,94. | Und so habe ich, durch dieselbe Meinung verleitet, in einer kleinen Schrift, die mir wider Willen und Wissen entschlüpft und in die Hände der Menschen gekommen ist, die Äußerung niedergeschrieben, der beredten Männer hätte ich einige gekannt, einen Redner aber noch nicht. Unter einem beredten verstand ich nämlich denjenigen, welcher mit hinlänglichem Scharfsinn und Deutlichkeit vor gewöhnlichen Leuten dem gemeinen Menschenverstand gemäß reden könne; unter einem Redner aber denjenigen, welche, auf eine bewunderungswürdigere und prächtigere Weise alles, was er wolle, erheben und ausschmücken könne und alle Hilfsquellen für alle Gegenstände, die sich auf die Rede beziehen, mit seinem Geist und Gedächtnis umfasse. Wenn dies auch für uns schwierig ist, weil wir, bevor wir zum Lernen schreiten, von Amtsbewerbungen und Gerichtshändeln erdrückt werden, so dürfte es doch in dem Wesen der Sache begründet sein. |
| Tum Cotta 'quoniam id, quod difficillimum nobis videbatur, ut omnino de his rebus, Crasse, loquerere, adsecuti sumus, de reliquo iam nostra culpa fuerit, si te, nisi omnia, quae percontati erimus, explicaris, dimiserimus.' Cic.de_orat.1,100. | Hierauf Cotta: "Nachdem wir nun einmal das, was uns als das Schwerste erschien, erreicht haben, dass du dich nämlich, Crassus, überhaupt in ein Gespräch über diese Gegenstände einließest, so würde es, was nun das Weitere betrifft, unsere Schuld sein, wenn wir dich eher entließen, als bis du alle unsere Fragen beantwortet hättest." |
| 'Atqui' inquit Sulpicius 'hoc ex te, de quo modo Antonius exposuit, quid sentias, quaerimus, existimesne artem aliquam esse dicendi?' 'Quid? mihi vos nunc' inquit Crassus 'tamquam alicui Graeculo otioso et loquaci et fortasse docto atque erudito quaestiunculam, de qua meo arbitratu loquar, ponitis? Quando enim me ista curasse aut cogitasse arbitramini et non semper inrisisse potius eorum hominum impudentiam, qui cum in schola adsedissent, ex magna hominum frequentia dicere iuberent, si quis quid quaereret? Cic.de_orat.1,102. | "Nun gut", sagte Sulpicius, "so fragen wir denn zuerst nach deiner Ansicht in betreff des Gegenstandes, über den sich eben Antonius ausgesprochen hat, ob du nämlich der Meinung seiest, dass es eine Wissenschaft der Beredsamkeit gebe." "Wie?" erwiderte Crassus, "ihr wollt mir jetzt, wie einem müßigen und geschwätzigen, vielleicht auch gelehrten und unterrichteten Griechen eine so nichtige Frage vorlegen, über die ich nach meinem Ermessen reden soll? Wann, glaubt ihr, habe ich mich um dergleichen Dinge bekümmert und darüber nachgedacht? Wisst ihr denn nicht, dass ich vielmehr zu jeder Zeit die Unverschämtheit der Menschen verspottet habe, welche, wenn sie sich in ihrem Hörsaal bei einer zahlreichen Versammlung von Zuhörern niedergelassen haben, die Anwesenden auffordern, ihnen irgendeine Frage zur Beantwortung vorzulegen. |
| Quod si te, Cotta, arbitrarer aut te, Sulpici, de eis rebus audire velle, adduxissem huc Graecum aliquem, qui nos istius modi disputationibus delectaret; quod ne nunc quidem difficile factu est: est enim apud M. Pisonem adulescentem iam huic studio deditum, summo homo ingenio nostrique cupidissimus, Peripateticus Staseas, homo nobis sane familiaris et, ut inter homines peritos constare video, in illo suo genere omnium princeps.' Cic.de_orat.1,104. | Hätte ich nun geglaubt, du, Cotta, oder du, Sulpicius, hättet über dergleichen Dinge hören wollen, so hätte ich einen Griechen hierher gebracht, der euch mit derartigen Vorträgen unterhalten konnte, und dies ist auch jetzt nicht schwer auszuführen. Es lebt nämlich bei dem jungen Marcus Piso, der sich bereits dieser Wissenschaft widmet, einem Mann von ausgezeichneter Begabung und der mir, sehr ergeben ist, der Peripatetiker Staseas, der mir sehr befreundet ist und sich nach dem einstimmigen Urteil der Sachkundigen in seinem Fach unter allen am meisten auszeichnet." |
| 'Ego vero' inquit 'istis obsequi studeo neque gravabor breviter meo more, quid quaque de re sentiam, dicere. Ac primum illud - quoniam auctoritatem tuam neglegere, Scaevola, fas mihi non esse puto - respondeo, mihi dicendi aut nullam artem aut pertenuem videri, sed omnem esse contentionem inter homines doctos in verbi controversia positam. Cic.de_orat.1,107. | "Gut", erwiderte er, "ich bin ja eifrig bemüht, ihnen Folge zu leisten, und ich werde nicht Anstand nehmen, in der Kürze nach meiner Weise über jeden einzelnen Punkt meine Ansicht vorzutragen. Was nun die erste Frage anlangt – deinen Rat nämlich, Scaevola, unbeachtet zu lassen, halte ich für unzulässig –, so ist meine Antwort diese: Ich glaube, es gibt entweder gar keine oder nur eine sehr unvollkommene Wissenschaft der Beredsamkeit und der ganze Streit hierüber unter den Gelehrten beruht auf einem Wortgezänk. |
| cuius quidem rei cum causam quaererem, quidnam esset cur, ut in quoque oratore plurimum esset, ita maxime is pertimesceret, has causas inveniebam duas: unam, quod intellegerent ei, quos usus ac natura docuisset, non numquam summis oratoribus non satis ex sententia eventum dicendi procedere; ita non iniuria, quotienscumque dicerent, id, quod aliquando posset accidere, ne illo ipso tempore accideret, timere; Cic.de_orat.1,123. | Und wenn ich die Ursache hiervon aufsuchte, wie es zugehe, dass, je mehr Gediegenheit ein Redner besitze, er desto furchtsamer sei, so fand ich folgende zwei Ursachen. Einmal nämlich wissen diejenigen, welche die Erfahrung und der Lauf der Dinge belehrt haben, dass zuweilen den ausgezeichnetsten Rednern der Erfolg der Rede nicht hinlänglich nach Wunsch entspricht; deshalb fürchten sie nicht mit Unrecht, sooft sie reden, dass, was sich zuweilen ereignen kann, sich gerade jetzt ereignen möchte. |