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Beleg gesucht für: Männer
Belege des Suchbegriffs aus ausgewählten Texten (vollständig: Caes.Gall., Cic.Arch., Cic.S.Rosc., Cic.Lael.)
Anzahl der Treffer: 100
hac oratione adducti inter se fidem et ius iurandum dant et regno occupato per tres potentissimos ac firmissimos populos totius Galliae sese potiri posse sperant. Caes.Gall.1,3,8Durch solche Vorstellungen wusste er die beiden Männer in das Spiel zu ziehen; man schwor sich Treue, beseelt von der Hoffnung, mit der Kraft dieser drei mächtigsten Völkerschaften ganz Keltenland bemeistern zu können, sobald sie sich bei den Ihrigen in den Besitz der Herrschaft gesetzt hätten.
In castris Helvetiorum tabulae repertae sunt litteris Graecis confectae et ad Caesarem relatae, quibus in tabulis nominatim ratio confecta erat, qui numerus domo exisset eorum, qui arma ferre possent, et item separatim pueri, senes mulieresque. Caes.Gall.1,29,1Im Lager der Helvetier fanden sich Tafeln mit griechischer Schrift, die man Cäsar zustellte. Auf denselben war ausdrücklich berechnet, wie viel waffenfähige Männer Helvetien verlassen hatten; ebenso war die Anzahl der Knaben, der Greise und der Weiber besonders angegeben.
nam cum omnis iuventus, omnes etiam gravioris aetatis, in quibus aliquid consilii aut dignitatis fuit, eo convenerant, tum navium quod ubique fuerat unum in locum coegerant. Caes.Gall.3,16,2Diese Gallier hatten nämlich die ganze waffenfähige Mannschaft und selbst alle betagten Männer von etwas Einsicht oder Ansehen, so wie alle ihre Schiffe an jenen einen Ort aufgeboten und versammelt.
itaque re frumentaria provisa, auxiliis equitatuque comparato, multis praeterea viris fortibus Tolosa et Carcasone et Narbone - quae sunt civitates Galliae provinciae finitimae his regionibus - nominatim evocatis in Sotiatium fines exercitum introduxit. Caes.Gall.3,20,2Daher wurde nicht bloß für hinlänglichen Getreidevorrat gesorgt und gallisches Hilfsvolk zu Fuß und zu Pferd in Bereitschaft gesetzt, sondern Crassus berief auch tapfere Männer von Tolosa und Narbo, Städten, die zum römischen Gallien gehörten und an der Grenze von Aquitanien lagen, persönlich zu sich. Dann zog er in das Land der Sontiaten.
in ea civitate duo de principatu inter se contendebant, Indutiomarus et Cingetorix. Caes.Gall.5,3,2Um den Vorrang in ihrer Mitte strebten damals zwei Männer, Indutiomarus und Cingetorix.
ex quibus perpaucos, quorum in se fidem perspexerat, relinquere in Gallia, reliquos obsidum loco secum ducere decreverat, quod, cum ipse abesset, motum Galliae verebatur. Caes.Gall.5,5,4denn nur wenige dieser Männer, deren Treue gegen seine Person er erprobt hatte, wollte er in Gallien zurücklassen, die übrigen aber als Geiseln mit sich führen, weil er während seiner Abwesenheit einen Aufstand in Gallien befürchtete.
Erant in ea legione fortissimi viri, centuriones, qui iam primis ordinibus adpropinquarent, Titus Pullo et Lucius Vorenus. Caes.Gall.5,44,1Es gab in dieser Legion zwei höchst tapfere Männer, Hauptleute, die dem ersten Rang nahe waren, Titus Pullo und Lucius Vorenus.
viri in uxores sicuti in liberos vitae necisque habent potestatem, et cum pater familiae inlustriore loco natus decessit, eius propinqui conveniunt et de morte, si res in suspicionem venit, de uxoribus in servilem modum quaestionem habent et, si compertum est, igni atque omnibus tormentis excruciatas interficiunt. Caes.Gall.6,19,3Die Männer haben Gewalt über Leben und Tod ihrer Weiber und ihrer Kinder; und wenn ein vornehmes Familienhaupt stirbt, so verhängen die versammelten Verwandten, falls der Tod Verdacht erregt, über die Weiber des Verstorbenen die peinliche Untersuchung, wie bei Sklaven; findet man sie schuldig, so werden sie unter grausamste Marter mit dem Feuertod bestraft.
hos subsecuti equites calonesque eodem impetu militum virtute servantur. Caes.Gall.6,40,5ihnen folgten die Knechte und Reiter unmittelbar in dem selben Sturm nach und fanden durch die Tapferkeit dieser erfahrenen Männer ebenfalls Rettung.
centuriones, quorum nonnulli ex inferioribus ordinibus reliquarum legionum virtutis causa in superiores erant ordines huius legionis traducti, ne ante partam rei militaris laudem amitterent, fortissime pugnantes conciderunt. Caes.Gall.6,40,7Unter den Centurionen befanden sich einige, die Cäsar ihrer Tapferkeit wegen aus untersten Rangstufen bei anderen Legionen zu höherem Rang bei dieser Legion befördert hatte. Diese Männer wollten den früher erworbenen Kriegsruhm nicht verlieren und fielen in heldenmütigem Kampf.
indignantes milites Caesar, quod conspectum suum hostes ferre possent tantulo spatio interiecto, et signum proelii exposcentes edocet, quanto detrimento et quot virorum fortium morte necesse sit constare victoriam; Caes.Gall.7,19,4Cäsars Leute ertrugen es mit Unwillen, dass der Feind in so geringer Entfernung ihren Anblick auszuhalten vermochte; sie verlangten das Zeichen zur Schlacht. Doch Cäsar zeigte ihnen, welchen Verlust und wie vieler Männer Tod der Sieg kosten würde.
ubi eos in sententia perstare viderunt, quod plerumque in summo periculo timor misericordiam non recipit, conclamare et significare de fuga Romanis coeperunt. Caes.Gall.7,26,4Als die Männer dennoch auf ihrem Beschluss beharrten, weil in der äußersten Gefahr die Furcht gewöhnlich kein Mitleid zulässt, fingen die Weiber laut zu schreien an, um den Römern die Flucht zu verraten.
celeriter adulescentibus et oratione magistratus et praemio deductis, cum se vel principes eius consilii fore profiterentur, ratio perficiendi quaerebatur, quod civitatem temere ad suscipiendum bellum adduci posse non confidebant. Caes.Gall.7,37,6Die jungen Männer ließen sich ebenso durch diese Worte ihres damaligen Oberhauptes als durch die Bestechung verleiten. Sie erklärten sich also bereit, selbst an die Spitze des Unternehmens zu treten. Es handelte sich jetzt nur noch um die Art und Weise, die Sache ins Werk zu setzen, weil sich ihre Mitbürger nicht so leicht zu einer Empörung würden verleiten lassen.
inviti summae spei adulescentes Eporedorix et Viridomarus Vercingetorigi parent. Caes.Gall.7,63,9auch Eporedorix und Viridomarus, junge Männer mit glänzendsten Aussichten, fügten sich gegen ihren Willen unter Vercingetorix' Oberbefehl.
Commio Atrebati, Viridomaro et Eporedorigi Haeduis, Vercassivellauno Arverno consobrino Vercingetorigis summa imperii traditur. his delecti ex civitatibus attribuuntur, quorum consilio bellum administraretur. Caes.Gall.7,76,4Den Oberbefehl übertrug man dem Atrebaten Commius, den Häduern Viridomarus und Eporedorix sowie dem Arverner Vercassivellaunus, einem Schwestersohn des Vercingetorix. Als Ratgeber in der Kriegsführung gab man ihnen noch andere Männer bei, die man aus den einzelnen Staaten wählte.
igitur talibus viris non labor insolitus, non locus ullus asper aut arduos erat, non armatus hostis formidulosus: virtus omnia domuerat. Sall.Cat.7,5Natürlich war ihnen, wenn sie dann Männer geworden waren, keine Anstrengung ungewohnt, kein Platz unzugänglich und unübersteigbar, kein Feind in Waffen schrecklich: Unerschrockenheit hatte alles überwunden.
at hi contra, ignavissumi homines, per summum scelus omnia ea sociis adimere, quae fortissumi viri victores reliquerant: proinde quasi iniuriam facere, id demum esset imperio uti. Sall.Cat.12,5dagegen haben unsere Zeitgenossen, ganz nichtsnutzige Leute, in höchst ruchloser Weise alles, was die wackersten Männer trotz des Rechts des Siegers den Feinden gelassen hatten, den Untertanen genommen, gerade als ob die Ausübung von Herrschaft erst im Zufügen von Unrecht bestehe.
sed lubido stupri, ganeae ceterique cultus non minor incesserat: viri muliebria pati, mulieres pudicitiam in propatulo habere; vescendi causa terra marique omnia exquirere; dormire prius quam somni cupido esset; non famem aut sitim, neque frigus neque lassitudinem opperiri, sed ea omnia luxu antecapere. Sall.Cat.13,3Aber ebenso stark war die Lust an Hurerei, Schlemmerei und allem anderen Sinnenkitzel geworden. Männer ließen sich wie Weiber gebrauchen, Weiber hielten ihre Keuschheit feil. Der Leckerbissen wegen suchte man alles aus Land und Wasser hervor; man schlief, ehe sich das Bedürfnis danach einstellte; man wartete nicht die Zeit des Hungers und des Durstes, der Kühle und der Ermattung ab, sondern beschleunigte künstlich ihr Eintreten.
sed maxume adulescentium familiaritates adpetebat: eorum animi molles etiam et [aetate] fluxi dolis haud difficulter capiebantur. Sall.Cat.14,5Am meisten aber suchte sich Catilina in das Vertrauen junger Männer zu stehlen. Solche bildsame, jugendlich schwankende Seelen ließen sich ohne Mühe in seinen Schlingen fangen.
quae quo usque tandem patiemini, o fortissumi viri? nonne emori per virtutem praestat quam vitam miseram atque inhonestam, ubi alienae superbiae ludibrio fueris, per dedecus amittere? Sall.Cat.20,9Wie lange noch wollt ihr euch dies gefallen lassen, ihr tapfersten Männer? Ist es nicht besser, einen Heldentod zu erleiden als ein elendes und ehrloses Leben schmählich auszuhauchen, nachdem man fremden Launen zum Spielball geworden ist?
namque antea pleraque nobilitas invidia aestuabat, et quasi pollui consulatum credebant, si eum quamvis egregius homo novos adeptus foret. sed ubi periculum advenit, invidia atque superbia post fuere. Sall.Cat.23,6Vorher nämlich wogte in den Herzen der meisten Männer des Adels die Eifersucht auf und man glaubte, das Konsulat werde gleichsam besudelt, wenn es ein Emporkömmling, sei er noch so hervorragend, erhalte. Aber als sich die Gefahr abzeichnete, traten Eifersucht und Stolz in den Hintergrund.
per eas se Catilina credebat posse servitia urbana sollicitare, urbem incendere, viros earum vel adiungere sibi vel interficere. Sall.Cat.24,4Mit ihrer Hilfe glaubte Catilina in der Lage zu sein, die Sklaven in der Hauptstadt aufzuwiegeln, die Stadt anzuzünden und ihre Männer entweder für sich zu gewinnen oder zu töten.
postquam illos videt queri de avaritia magistratuum, accusare senatum, quod in eo auxili nihil esset, miseriis suis remedium mortem expectare, 'at ego', inquit, 'vobis, si modo viri esse voltis, rationem ostendam, qua tanta ista mala effugiatis'. Sall.Cat.40,3Als er sieht, dass sie sich über die Habsucht der Beamten beschweren, den Senat anklagen, weil bei ihm keine Hilfe sei, und den Tod als einziges Heilmittel für ihr Leiden erwarten, sagte er: "Wollt ihr euch als Männer beweisen, so will ich euch einen Weg zeigen, auf dem ihr euerem so großen Unglück entfliehen könnt."
Lacedaemonii devictis Atheniensibus triginta viros inposuere, qui rem publicam eorum tractarent. Sall.Cat.51,28Die Lakedaimonier setzten nach der endgültigen Niederlage der Athener zur Regierung ihres Staates dreißig Männer ein.
sed memoria mea ingenti virtute, divorsis moribus fuere viri duo, M. Cato et C. Caesar. quos quoniam res obtulerat, silentio praeterire non fuit consilium, quin utriusque naturam et mores, quantum ingenio possum, aperirem. Sall.Cat.53,6Doch in meiner Zeit lebten zwei Männer von außerordentlicher Tüchtigkeit, aber entgegengesetztem Charakter, Marcus Cato und Gaius Caesar. Weil mich der Zusammenhang auf sie geführt hat, beabsichtige ich nicht, stillschweigend an ihnen vorüberzugehen, ohne beider Wesensart und Charakter, soweit ich das leisten kann, zu schildern.
quod si virtuti vostrae fortuna inviderit, cavete inulti animam amittatis, neu capti potius sicuti pecora trucidemini, quam virorum more pugnantes cruentam atque luctuosam victoriam hostibus relinquatis.' Sall.Cat.58,21Sollte aber das Schicksal eurer Tapferkeit missgünstig sein, so gebt nicht ungerächt euer Leben hin, lasst euch nicht gefangen nehmen uns wie Tiere abschlachten, sondern kämpft nach Männer Art und lasst den Feinden einen blutigen und tränenreichen Sieg!"
Nihilne te nocturnum praesidium Palati, nihil urbis vigiliae, nihil timor populi, nihil concursus bonorum omnium, nihil hic munitissimus habendi senatus locus, nihil horum ora voltusque moverunt? Cic.Catil.1,1Vermochten nicht die nächtliche Besetzung des Palatium, nicht die Wachen in der Stadt, nicht die Bestürzung des Volkes, nicht der Zusammentritt aller Gutgesinnten nicht dieser wohlbefestigte Ort der Senatsversammlung, nicht die Blicke und Mienen dieser Männer dich zu erschüttern?
Nos autem, fortes viri, satis facere rei publicae videmur, si istius furorem ac tela vitamus. Cic.Catil.1,2Wir aber, wir tapfere Männer, meinen genug für den Staat zu tun, wenn wir uns gegen die Wut und die Mordwaffen dieses Menschen decken?
Fuit, fuit ista quondam in hac re publica virtus, ut viri fortes acrioribus suppliciis civem perniciosum quam acerbissimum hostem coercerent. Cic.Catil.1,3Es war ja, ja es war einmal in diesem Staat so viel männliche Kraft, dass die wackeren Männer mit härteren Strafen den verderblichen Bürger als den gehasstesten Feind niederhielten.
Dixi ego idem in senatu caedem te optimatium contulisse in ante diem V. Kalendas Novembris, tum cum multi principes civitatis Roma non tam sui conservandi quam tuorum consiliorum reprimendorum causa profugerunt. Cic.Catil.1,7Ich habe ferner im Senat gesagt, du hättest die Ermordung der rechtschaffenen Leute auf den 28. Oktober festgesetzt, damals, als viele der vornehmsten Männer aus Rom entflohen, nicht sowohl um sich zu retten, als um deinen Plänen entgegen zu arbeiten.
De te autem, Catilina, cum quiescunt, probant, cum patiuntur, decernunt, cum tacent, clamant, neque hi solum, quorum tibi auctoritas est videlicet cara, vita vilissima, sed etiam illi equites Romani, honestissimi atque optimi viri, ceterique fortissimi cives, qui circumstant senatum, quorum tu et frequentiam videre et studia perspicere et voces paulo ante exaudire potuisti. Cic.Catil.1,21Indem sie aber bei dir, Catilina, so ruhig sind, billigen sie meine Rede und beschließen, indem sie diese dulden; und ihr Schweigen ist eine laute Erklärung! Und nicht diese allein sind es, deren Spruch dir natürlich viel wert ist, obgleich du ihr Leben gering achtest, sondern auch jene römischen Ritter, hochachtbare und treffliche Männer, und die übrigen höchst wackeren Bürger, welche die Senatsversammlung umstehen, deren große Anzahl du sehen, ihre Gesinnung vernehmen und ihren Ausruf vor wenigen Augenblicken hören konntest.
Etenim si summi viri et clarissimi cives Saturnini et Gracchorum et Flacci et superiorum complurium sanguine non modo se non contaminarunt sed etiam honestarunt, certe verendum mihi non erat, ne quid hoc parricida civium interfecto invidiae mihi in posteritatem redundaret. Cic.Catil.1,29Denn wenn die größten Männer und berühmtesten Bürger durch das vergossene Blut eines Saturninus, der Gracchen, eines Flaccus und mehrerer aus der älteren Zeit sich nicht nur nicht befleckt, sondern Ehre erworben haben, so hatte ich doch gewiss nicht zu befürchten, dass die Tötung dieses Bürgermörders einige für meinen Ruf nachteilige Folgen für mich haben möchte.
nam ut primum ex pueris excessit Archias atque ab iis artibus, quibus aetas puerilis ad humanitatem informari solet, se ad scribendi studium contulit, primum Antiochiae— nam ibi natus est loco nobili—, celebri quondam urbe et copiosa atque eruditissimis hominibus liberalissimisque studiis adfluenti, celeriter antecellere omnibus ingeni gloria contigit. Cic.Arch.4.bSobald nämlich Archias das Knabenalter überschritten hatte und von den Künsten, durch die diese Altersklasse zur allgemeinen Bildung angeleitet zu werden pflegt, sich zu schriftstellerischen Beschäftigungen wandte, so gelang es ihm zuerst in Antiochia, wo er aus einem angesehenen Haus stammt, in jener einst stark besuchten und wohlhabenden Stadt, die der Sitz einer großen Anzahl sehr unterrichteter Männer und der edelsten wissenschaftlichen Bestrebungen ist, in kurzem sich vor allen durch den Ruhm seines Talents auszuzeichnen.
adsunt Heraclienses legati, nobilissimi homines; huius iudici causa cum mandatis et cum publico testimonio venerunt; qui hunc ascriptum Heracliae esse dicunt. Cic.Arch.8.cErschienen sind Abgesandte aus Heraklea, sehr angesehene Männer; dieser Rechtsverhandlung wegen sind sie mit Aufträgen und mit öffentlichen Zeugnissen gekommen; diese sagen, er sei als Herakleer eingeschrieben.
quam multas nobis imagines, non solum ad intuendum, verum etiam ad imitandum fortissimorum virorum expressas, scriptores et Graeci et Latini reliquerunt! quas ego mihi semper in administranda re publica proponens animum et mentem meam ipsa cogitatione hominum excellentium conformabam. Cic.Arch.14.cWie viele lebendige Schilderungen der wackersten Männer haben uns die griechischen und lateinischen Schriftsteller nicht allein zur Anschauung, sondern auch zur Nachahmung hinterlassen! Sie habe ich mir stets bei der Verwaltung meiner politischen Ämter vorgehalten und so eben durch den Gedanken an jene trefflichen Männer Urteil und Entscheidung gebildet.
quaeret quispiam: 'quid? illi ipsi summi viri, quorum virtutes litteris proditae sunt, istane doctrina, quam tu effers laudibus, eruditi fuerunt?' Cic.Arch.15.aEs wird vielleicht jemand fragen: "Wie? Waren denn eben jene großen Männer, deren Verdienste in Schriftwerken auf die Nachwelt gekommen sind, in jener Wissenschaft, die du lobpreisend erhebst, unterrichtet?"
ego multos homines excellenti animo ac virtute fuisse sine doctrina, et naturae ipsius habitu prope divino per se ipsos et moderatos et gravis exstitisse fateor; Cic.Arch.15.cIch gebe zu, dass es viele Männer von hervorragendem Geist und Verdienst gegeben hat, die ohne Wissenschaft, schon durch die fast göttliche Anlage ihrer Natur von selbst vernünftige und achtungswerte Männer geworden sind.
ex hoc esse hunc numero, quem patres nostri viderunt, divinum hominem, Africanum, ex hoc C. Laelium, L. Furium, moderatissimos homines et continentissimos; Cic.Arch.16.aHierher gehört jener Africanus, der göttliche Mann, den unsere Väter noch erlebt haben; hierher Gaius Laelius und Lucius Furius, Männer von höchster Mäßigung und Selbstbeherrschung;
qui profecto, si nihil ad percipiendam colendamque virtutem litteris adiuvarentur, numquam se ad earum studium contulissent. Cic.Arch.16.cdiese Männer hätten sich gewiss niemals dem Studium der Literatur gewidmet, wären sie nicht dadurch in der Kenntnis und Übung der Tugend gefördert worden.
atque sic a summis hominibus eruditissimisque accepimus, ceterarum rerum studia ex doctrina et praeceptis et arte constare, poetam natura ipsa valere et mentis viribus excitari et quasi divino quodam spiritu inflari. Cic.Arch.18.dHaben uns doch die größten und gelehrtesten Männer gelehrt, dass die Beschäftigung mit den anderen Dingen zwar auf Wissenschaft, Unterricht und Kunst beruht, der Dichter aber schon in seinem Talent seine Stärke habe und durch die Kraft seines Geistes belebt und wie von göttlichem Geist beseelt werde.
sit igitur, iudices, sanctum apud vos, humanissimos homines, hoc poetae nomen, quod nulla umquam barbaria violavit. Cic.Arch.19.aSo sei denn, ihr Richter, auch für euch hochgebildete Männer, dieser Name des Dichters heilig, den keine Barbarenwelt je verletzt hat.
omnes denique illi maximi, Marcelli, Fulvii non sine communi omnium nostrum laude decorantur. Cic.Arch.22.dJa, alle jene Männer wie Maximus, Marcellus, Fulvius empfangen dort (bei Ennius) so ihren Ehrenkranz, dass auf uns alle insgesamt ein rühmliches Licht fällt.
quid? noster hic Magnus, qui cum virtute fortunam adaequavit, nonne Theophanem Mytilenaeum, scriptorem rerum suarum, in contione militum civitate donavit, et nostri illi fortes viri, sed rustici ac milites, dulcedine quadam gloriae commoti quasi participes eiusdem laudis magno illud clamore approbaverunt? Cic.Arch.24.dWie? Hat nicht dieser unser Magnus, dessen Glück hinter seinen Heldentaten nicht zurücksteht, den Theophanes aus Mytilene, den Geschichtsschreiber seiner Taten, vor der Versammlung des Heeres mit dem Bürgerrecht beschenkt, und haben nicht jene unsere tapferen Männer, obwohl sie Landleute und Soldaten sind, durch einen gewissen Reiz des Ruhmes angeregt, als hätten sie an jener Belohnung auch Anteil, mit lautem Zuruf jenes gebilligt?
an statuas et imagines, non animorum simulacra, sed corporum, studiose multi summi homines reliquerunt; consiliorum relinquere ac virtutum nostrarum effigiem nonne multo malle debemus summis ingeniis expressam et politam? Cic.Arch.30.bOder müssen wir, da so viele große Männer eifrig bemüht waren, Standbilder und Gemälde von sich zu hinterlassen, die doch nur den Körper und nicht den Geist darstellen, müssen wir nicht noch viel mehr wünschen, von unserem Denken und Handeln ein Abbild zu hinterlassen, das durch große Geister nachgezeichnet und vollendet wäre?
Cogitanti mihi saepe numero et memoria vetera repetenti perbeati fuisse, Quinte frater, illi videri solent, qui in optima re publica, cum et honoribus et rerum gestarum gloria florerent, eum vitae cursum tenere potuerunt, ut vel in negotio sine periculo vel in otio cum dignitate esse possent; ac fuit cum mihi quoque initium requiescendi atque animum ad utriusque nostrum praeclara studia referendi fore iustum et prope ab omnibus concessum arbitrarer, si infinitus forensium rerum labor et ambitionis occupatio decursu honorum, etiam aetatis flexu constitisset. Cic.de_orat.1,1.Wenn ich, mein lieber Bruder Quintus, wie ich oftmals tue, die alten Zeiten überdenke und mir vergegenwärtige, so pflegen mir die Männer sehr glücklich zu erscheinen, welchen bei der besten Verfassung des Staates im Genuss hoher Ehrenämter und eines großen Tatenruhmes einen solchen Lebenslauf zu behaupten erlaubt war, dass sie entweder ihren Ämtern ohne Gefahr obliegen oder in ihrer Zurückgezogenheit von den Staatsgeschäften mit Würde leben konnten. Auch ich hatte gehofft, es würde mir einst mit Fug und Recht und nach dem Urteil fast aller eine Zeit, in der ich wieder Ruhe finden und mich in den Schoß der herrlichen Wissenschaften, die wir beide lieben, zurückziehen könnte, gegönnt werden, wenn die unendliche Arbeit der gerichtlichen Verhandlungen und die Bewerbung um Staatsämter mit dem Ablauf der Ehrenstellen zugleich auch mit der Neige des Alters das Ziel erreicht hätte.
tibi vero, frater, neque hortanti deero neque roganti, nam neque auctoritate quisquam apud me plus valere te potest neque voluntate. Ac mihi repetenda est veteris cuiusdam memoriae non sane satis explicata recordatio, sed, ut arbitror, apta ad id, quod requiris, ut cognoscas quae viri omnium eloquentissimi clarissimique senserint de omni ratione dicendi. Cic.de_orat.1,4.Deinen Anforderungen aber, mein Bruder, und deinen Bitten werde ich nicht unterlassen Genüge zu leisten. Denn niemand kann durch Ansehen und Willen mehr über mich vermögen als du. Ich muss nun zu einem Ereignis früherer Zeiten zurückkehren, das zwar meinem Gedächtnis nicht ganz vollständig gegenwärtig ist, wohl aber, wie ich glaube, geeignet ist für die Erfüllung deines Wunsches, damit du die Ansicht der beredtesten und berühmtesten Männer über die ganze Redekunst erfährst.
Vis enim, ut mihi saepe dixisti, quoniam, quae pueris aut adulescentulis nobis ex commentariolis nostris incohata ac rudia exciderunt, vix sunt hac aetate digna et hoc usu, quem ex causis, quas diximus, tot tantisque consecuti sumus, aliquid eisdem de rebus politius a nobis perfectiusque proferri; solesque non numquam hac de re a me in disputationibus nostris dissentire, quod ego eruditissimorum hominum artibus eloquentiam contineri statuam, tu autem illam ab elegantia doctrinae segregandam putes et in quodam ingeni atque exercitationis genere ponendam. Cic.de_orat.1,5.Du hast ja oft den Wunsch gegen mich ausgesprochen, weil die Schrift, die mir in meinem Knaben- oder Jünglingsalter aus meinen Heften unvollendet und nur in rohen Umrissen entschlüpfte, kaum meines jetzigen Alters und der Erfahrung, die ich aus der Führung so vieler und so wichtiger Verhandlungen gewonnen habe, würdig ist, ich möchte über dieselben Gegenstände etwas Gefeilteres und Vollendeteres veröffentlichen. Auch pflegst du zuweilen in unseren Unterhaltungen darin von mir abzuweichen, dass, während nach meinem Urteil die Beredsamkeit auf den wissenschaftlichen Kenntnissen der einsichtsvollsten Männer beruht, du hingegen der Ansicht bist, sie müsse von der gründlichen Gelehrsamkeit getrennt und als das Erzeugnis einer gewissen natürlichen Geistesanlage und Übung angesehen werden.
Ac mihi quidem saepe numero in summos homines ac summis ingeniis praeditos intuenti quaerendum esse visum est quid esset cur plures in omnibus rebus quam in dicendo admirabiles exstitissent; nam quocumque te animo et cogitatione converteris, permultos excellentis in quoque genere videbis non mediocrium artium, sed prope maximarum. Cic.de_orat.1,6.Wenn ich nun, wie ich oftmals tat, auf die Männer von der höchsten Geistesbegabung meinen Blick richtete, so drängte sich mir die Frage auf, warum wohl alle anderen Fächer eine größere Anzahl bewunderungswürdiger Männer aufzuweisen hätten als die Beredsamkeit. Denn wohin man auch seine Aufmerksamkeit und seine Gedanken wenden mag, so wird man sehr viele ausgezeichnete Männer in jeder Art von Künsten und Wissenschaften sehen, und zwar nicht bloß in den gewöhnlichen, sondern beinahe in den wichtigsten.
Quis enim est qui, si clarorum hominum scientiam rerum gestarum vel utilitate vel magnitudine metiri velit, non anteponat oratori imperatorem? Quis autem dubitet quin belli duces ex hac una civitate praestantissimos paene innumerabilis, in dicendo autem excellentis vix paucos proferre possimus? Cic.de_orat.1,7.Wer sollte, wenn er bei der Wissenschaft berühmter Männer den Nutzen oder die Größe ihrer Taten zum Maßstab nehmen will, nicht dem Feldherrn vor dem Redner den Vorzug geben; und doch, wer möchte bezweifeln, dass wir der vortrefflichsten Heerführer aus unserem Staat allein beinahe unzählige, in der Beredsamkeit aber hervorragende Männer kaum wenige anführen können?
Iam vero consilio ac sapientia qui regere ac gubernare rem publicam possint, multi nostra, plures patrum memoria atque etiam maiorum exstiterunt, cum boni perdiu nulli, vix autem singulis aetatibus singuli tolerabiles oratores invenirentur. Ac ne qui forte cum aliis studiis, quae reconditis in artibus atque in quadam varietate litterarum versentur, magis hanc dicendi rationem, quam cum imperatoris laude aut cum boni senatoris prudentia comparandam putet, convertat animum ad ea ipsa artium genera circumspiciatque, qui in eis floruerint quamque multi sint; sic facillime, quanta oratorum sit et semper fuerit paucitas, iudicabit. Cic.de_orat.1,8.Ferner, Männer, die mit Klugheit und Weisheit einen Staat zu lenken und zu leiten verstanden, haben viele zu unserer, mehr noch zu unserer Väter und auch unserer Vorfahren Zeit gelebt, während gute Redner sehr lange gar nicht, erträgliche kaum in den einzelnen Zeitaltern einzeln gefunden wurden. Und damit man nicht etwa meine, die Redekunst müsse mehr mit anderen Wissenschaften, die auf tieferen Kenntnissen und vielseitiger Gelehrsamkeit beruhen, als mit dem Ruhm eines Feldherrn oder mit der Klugheit eines guten Senators verglichen werden, so möge man seinen Geist auf eben diese Zweige der Wissenschaft richten und betrachten, welche Männer sich in denselben ausgezeichnet haben und wie viele, und man wird so am leichtesten beurteilen, wie gering die Anzahl der Redner ist und zu jeder Zeit war.
Neque enim te fugit omnium laudatarum artium procreatricem quandam et quasi parentem eam, quam φιλoσoφίαv Graeci vocant, ab hominibus doctissimis iudicari; in qua difficile est enumerare quot viri quanta scientia quantaque in suis studiis varietate et copia fuerint, qui non una aliqua in re separatim elaborarint, sed omnia, quaecumque possent, vel scientiae pervestigatione vel disserendi ratione comprehenderint. Cic.de_orat.1,9.Es ist dir ja nicht unbekannt, dass die Wissenschaft, welche die Griechen Philosophie nennen, von den gelehrtesten Männern als die Erzeugerin und Mutter aller anderen gepriesenen Wissenschaften betrachtet wird; und doch ist es schwer, alle die Männer aufzuzählen, die sich in derselben durch den größten Umfang ihres Wissens und die größte Vielseitigkeit und Fülle ihrer Bestrebungen auszeichneten, die sich nicht etwa mit einem einzelnen abgesonderten Gegenstand beschäftigen, sondern soviel als möglich alles mit ihrer wissenschaftlichen Erforschung und Erörterung umfassten.
Exierant autem cum ipso Crasso adulescentes et Drusi maxime familiares et in quibus magnam tum spem maiores natu dignitatis suae conlocarent, C. Cotta, qui tum tribunatum plebis petebat, et P. Sulpicius, qui deinceps eum magistratum petiturus putabatur. Cic.de_orat.1,25.Mit dem Crassus selbst waren zwei junge Männer gegangen, welche vertraute Freunde des Drusus waren und an denen die Älteren damals zwei wichtige Stützen ihrer Interessen zu erhalten hofften, Gaius Cotta, der sich damals um das Volkstribunat bewarb, und Publius Sulpicius, der sich, wie man glaubte, demnächst um dieses Amt bewerben wollte.
Quis enim tibi hoc concesserit aut initio genus hominum in montibus ac silvis dissipatum non prudentium consiliis compulsum potius quam disertorum oratione delenitum se oppidis moenibusque saepsisse? aut vero reliquas utilitates aut in constituendis aut in conservandis civitatibus non a sapientibus et fortibus viris, sed a disertis ornateque dicentibus esse constitutas? Cic.de_orat.1,36.Denn wer möchte dir das einräumen, dass anfänglich das auf Bergen und Wäldern zerstreute Menschengeschlecht sich nicht durch kluger Männer Ratschläge eher als durch bezaubernde Vorträge beredter Männer habe bewegen lassen, sich in Städten und Mauern einzuschließen? Oder aber, dass die übrigen nützlichen Einrichtungen bei der Gründung und Erhaltung der Staaten nicht von weisen und tapferen, sondern von beredten und schön redenden Männern getroffen seien?
Ego vero si velim et nostrae civitatis exemplis uti et aliarum, plura proferre possim detrimenta publicis rebus quam adiumenta, per homines eloquentissimos importata; sed ut reliqua praetermittam, omnium mihi videor, exceptis, Crasse, vobis duobus, eloquentissimos audisse Ti. et C. Sempronios, quorum pater, homo prudens et gravis, haudquaquam eloquens, et saepe alias et maxime censor saluti rei publicae fuit: atque is non accurata quadam orationis copia, sed nutu atque verbo libertinos in urbanas tribus transtulit, quod nisi fecisset, rem publicam, quam nunc vix tenemus, iam diu nullam haberemus. At vero eius filii diserti et omnibus vel naturae vel doctrinae praesidiis ad dicendum parati, cum civitatem vel paterno consilio vel avitis armis florentissimam accepissent, ista praeclara gubernatrice, ut ais, civitatum eloquentia rem publicam dissipaverunt. Cic.de_orat.1,38.Ja, wenn ich mich auf Beispiele unserer und anderer Staaten berufen wollte, so könnte ich mehr Nachteile als Vorteile anführen, die dem Gemeinwesen durch die beredtesten Männer gebracht sind; doch um anderes zu übergehen, so waren, wie ich glaube, unter allen Rednern, die ich gehört habe, wenn ich euch beide, Crassus, ausnehme, die größten die beiden Sempronier, Tiberius und Gaius, deren Vater, ein verständiger und achtungswürdiger Mann, aber keineswegs beredt, die Wohlfahrt des Staates sowohl zu anderen Zeiten oft als ganz besonders während seiner Zensur förderte. Und dieser hat nicht durch eine sorgfältige Fülle der Rede, sondern durch einen Wink und ein Wort die Freigelassenen in die städtischen Zünfte versetzt. Hätte er dies nicht getan, so würden wir den Staat, den wir jetzt kaum noch behaupten können, schon längst gar nicht mehr haben. Aber seine beredten und mit allen Gaben der Natur und allen Hilfsmitteln der Gelehrsamkeit zum Reden ausgerüsteten Söhne haben, da sie doch den Staat durch die Klugheit ihres Vaters und durch die Waffen ihres Großvaters in der höchsten Blüte überkommen hatten, durch diese deine Lenkerin der Staaten, wie du die Beredsamkeit nennst, das Vermögen des Staates zerrüttet.
Agerent enim tecum lege primum Pythagorei omnes atque Democritii ceterique in iure sua physici vindicarent ornati homines in dicendo et graves, quibuscum tibi iusto sacramento contendere non liceret; urgerent praeterea philosophorum greges iam ab illo fonte et capite Socrate nihil te de bonis rebus in vita, nihil de malis, nihil de animi permotionibus, nihil de hominum moribus, nihil de ratione vitae didicisse, nihil omnino quaesisse, nihil scire convincerent; et cum universi in te impetum fecissent, tum singulae familiae litem tibi intenderent; Cic.de_orat.1,42.Es würden nämlich mit dir rechten zuerst alle Pythagoreer und Demokritier, sowie auch die übrigen Naturphilosophen ihren Besitz in Anspruch nehmen, Männer, die sich durch eine schöne und nachdrucksvolle Rede auszeichnen, und du dürftest dich mit diesen nicht in einen Rechtsstreit unter Berufung auf ein gerichtliches Unterpfand einlassen. Bedrängen würden dich außerdem die Scharen der Philosophen, gleich von Sokrates an, ihrem Urheber und Stifter, und erweisen, dass du nichts von den Gütern im Leben, nichts von den Übeln, nichts von den Gemütsbewegungen, nichts von den Sitten der Menschen, nichts von ihrer Lebensweise gelernt, nichts überhaupt untersucht habest, nichts wissest; und nach dem Gesamtangriff aller auf dich würden auch noch die einzelnen Schulen besonders einen Rechtsstreit gegen dich erheben.
Tum ille 'non sum' inquit 'nescius, Scaevola, ista inter Graecos dici et disceptari solere; audivi enim summos homines, cum quaestor ex Macedonia venissem Athenas, florente Academia, ut temporibus illis ferebatur, cum eam Charmadas et Clitomachus et Aeschines obtinebant; erat etiam Metrodorus, qui cum illis una ipsum illum Carneadem diligentius audierat, hominem omnium in dicendo, ut ferebant, acerrimum et copiosissimum; vigebatque auditor Panaeti illius tui Mnesarchus et Peripatetici Critolai Diodorus; Cic.de_orat.1,45.Hierauf erwiderte jener: "Ich weiß recht wohl, Scaevola, dass dieses unter den Griechen besprochen und verhandelt zu werden pflegt. Ich habe ja die größten Männer gehört, da ich als Quästor aus Makedonien nach Athen gekommen war, wo die Akademie, wie man damals sagte, dadurch in Blüte stand, dass derselben Charmadas, Kleitomachos und Aischines vorstanden. Auch Metrodoros war da, der mit jenen zugleich den berühmten Karneades selbst sehr fleißig gehört hatte, der alle im Vortrag und Scharfsinn und Fülle der Rede überragte, und in großem Ansehen standen der Schüler deines Panaitios, Mnesarchos, und Diodoros, der Schüler des Peripatetikers Kritolaos.
multi erant praeterea clari in philosophia et nobiles, a quibus omnibus una paene voce repelli oratorem a gubernaculis civitatum, excludi ab omni doctrina rerumque maiorum scientia ac tantum in iudicia et contiunculas tamquam in aliquod pistrinum detrudi et compingi videbam; Cic.de_orat.1,46.Außerdem lebten noch viele andere Männer hier, die in der Philosophie berühmt und angesehen waren. Alle diese nun wollten, wie ich sah, fast einstimmig den Redner von dem Steuer der Staaten verdrängen und von aller Gelehrsamkeit .und höherer Wissenschaft ausschließen und nur in die Gerichte und in unbedeutende Volksversammlungen, wie in eine Stampfmühle, verstoßen und einsperren.
Etenim videmus eisdem de rebus ieiune quosdam et exiliter, ut eum, quem acutissimum ferunt, Chrysippum, disputavisse neque ob eam rem philosophiae non satis fecisse, quod non habuerit hanc dicendi ex arte aliena facultatem. Quid ergo interest aut qui discernes eorum, quos nominavi, in dicendo ubertatem et copiam ab eorum exilitate, qui hac dicendi varietate et elegantia non utuntur? Unum erit profecto, quod ei, qui bene dicunt, adferunt proprium, compositam orationem et ornatam et artificio quodam et expolitione distinctam; haec autem oratio, si res non subest ab oratore percepta et cognita, aut nulla sit necesse est aut omnium inrisione ludatur. Cic.de_orat.1,50.Wir sehen ja, dass einige über dieselben Gegenstände trocken und dürftig gesprochen haben, wie zum Beispiel Chrysippos, dessen großen Scharfsinn man rühmt und der darum, dass er diese Geschicklichkeit im Reden aus einer fremden Kunst nicht besaß, nicht minder der Philosophie Genüge geleistet hat. Was findet also für ein Unterschied statt? Oder wie wirst du die Reichhaltigkeit und Fülle der eben genannten Männer von der Dürftigkeit derer unterscheiden, welche diese Mannigfaltigkeit und Zierlichkeit der Rede nicht haben? Eines wird in der Tat sein, was diejenigen, welche gut reden, als ihr Eigentum mit sich bringen: eine wohlgeordnete, geschmückte und durch Kunst und Feile mit mannigfaltiger Abwechslung versehene Rede. Wenn aber einer solchen Rede nicht ein Stoff zugrunde liegt, der von dem Redner erfasst und erkannt ist, so muss sie notwendigerweise entweder ganz bedeutungslos sein oder der Gegenstand allgemeinen Spottes und Gelächters werden.
Iam vero de legibus constituendis, de bello, de pace, de sociis, de vectigalibus, de iure civium generatim in ordines aetatesque discriptorum dicant vel Graeci, si volunt, Lycurgum aut Solonem - quamquam illos quidem censemus in numero eloquentium reponendos - scisse melius quam Hyperidem aut Demosthenem, perfectos iam homines in dicendo et perpolitos, vel nostri decem viros, qui xii tabulas perscripserunt, quos necesse est fuisse prudentis, anteponant in hoc genere et Ser. Galbae et socero tuo C. Laelio, quos constat dicendi gloria praestitisse. Cic.de_orat.1,58.Ferner in betreff der Gesetzgebung, des Krieges und Friedens, der Bundesgenossen, der Staatsgefälle, der nach Verschiedenheit der Stände und Alter angeordneten Rechte der Bürger mögen die Griechen, wenn sie wollen, behaupten, Lykurgos oder Solon – wiewohl diese wenigstens meines Erachtens unter die Zahl der Redner gerechnet werden müssen – hätten von diesen Gegenständen eine bessere Kenntnis gehabt als Hypereides oder Demosthenes, Männer, die in der Beredsamkeit schon ganz vollkommen und fein ausgebildet sind; oder mögen die Unsrigen den Decemvirn, den Verfassern der zwölf Gesetzestafeln, welche einsichtsvolle Männer sein mussten, in dieser Beziehung den Vorzug geben vor dem Servius Galba und deinem Schwiegervater Gaius Laelius, die sich bekanntlich durch Rednerruhm auszeichneten.
sed primum id difficile est factu, praesertim in hac nostra vita nostrisque occupationibus; deinde illud etiam verendum est ne abstrahamur ab hac exercitatione et consuetudine dicendi populari et forensi. Aliud enim mihi quoddam orationis genus esse videtur eorum hominum, de quibus paulo ante dixisti, quamvis illi ornate et graviter aut de natura rerum aut de humanis rebus loquantur: nitidum quoddam genus est verborum et laetum, et palaestrae magis et olei, quam huius civilis turbae ac fori. Cic.de_orat.1,81.Aber erstens ist dieses schwer auszuführen, zumal bei unserer Lebensweise und unseren Beschäftigungen; und dann muss man besorgen, dass wir dadurch von unserer Redeübung und Redeweise, wie sie sich für das Volk und die Gerichte eignet, abgezogen werden. Denn einen anderen Vortrag scheinen mir die Männer zu haben, deren du kurz zuvor gedacht hast, so geschmackvoll und so gewichtig sie auch über das Wesen der Dinge und über menschliche Angelegenheiten reden mögen. Ihre Redeweise ist glänzend und blühend, aber sie passt mehr für die Schule und Schulübungen als für unseren gemischten Bürgerschwarm und die Gerichte.
Namque egomet, qui sero ac leviter Graecas litteras attigissem, tamen cum pro consule in Ciliciam proficiscens venissem Athenas, compluris tum ibi dies sum propter navigandi difficultatem commoratus; sed, cum cotidie mecum haberem homines doctissimos, eos fere ipsos, qui abs te modo sunt nominati, cum hoc nescio quo modo apud eos increbruisset, me in causis maioribus sicuti te solere versari, pro se quisque ut poterat de officio et de ratione oratoris disputabat. Cic.de_orat.1,82.Ich meinerseits habe mich freilich erst spät und nur oberflächlich mit der griechischen Literatur befasst; aber da ich als Prokonsul auf meiner Reise nach Kilikien und Athen kam und daselbst wegen widriger Winde mehrere Tage verweilte, so hatte ich doch täglich die gelehrtesten Männer um mich, meistens dieselben, die du eben nanntest. Und da es, ich weiß nicht wie, unter ihnen ruchbar geworden war, dass ich wichtigere Rechtsverhandlungen, so wie du, zu führen pflegte, so versuchte jeder von ihnen, so gut er konnte, sich über den Beruf und das Verfahren des Redners auszusprechen.
Disputabant contra diserti homines Athenienses et in re publica causisque versati, in quis erat etiam is, qui nuper Romae fuit, Menedemus, hospes meus; qui cum diceret esse quandam prudentiam, quae versaretur in perspiciendis rationibus constituendarum et regendarum rerum publicarum, excitabatur homo promptus atque omni abundans doctrina et quadam incredibili varietate rerum atque copia: omnis enim partis illius ipsius prudentiae petendas esse a philosophia docebat neque ea, quae statuerentur in re publica de dis immortalibus, de disciplina iuventutis, de iustitia, de patientia, de temperantia, de modo rerum omnium, ceteraque, sine quibus civitates aut esse aut bene moratae esse non possent, usquam in eorum inveniri libellis; Cic.de_orat.1,85.Dagegen sprachen beredte und in Staatsgeschäften und Rechtshandlungen bewanderte Männer, unter denen sich auch der befand, der neulich zu Rom war, Menedemos, mein Gastfreund. Da dieser behauptete, es gebe eine Wissenschaft, die sich mit Erforschung von Kunstregeln über die Einrichtung und Verwaltung der Staaten beschäftige, da erhob sich der immer schlagfertige Mann, der eine reiche Gelehrsamkeit und eine unglaubliche Mannigfaltigkeit und Fülle von Kenntnissen besaß, und zeigte, dass alle Teile eben dieser Staatswissenschaft von der Philosophie entlehnt werden müssten und dass über Verordnungen des Staates in betreff der unsterblichen Götter, der Jugenderziehung, der Gerechtigkeit, der Geduld, der Besonnenheit, des Maßes in allem und über alle anderen Dinge, ohne welche die Staaten entweder gar nicht bestehen oder nicht wohl gesittet sein könnten, sich nirgends in ihren Bücher eine Vorschrift finden lasse.
Itaque ego hac eadem opinione adductus scripsi etiam illud quodam in libello, qui me imprudente et invito excidit et pervenit in manus hominum, disertos cognosse me non nullos, eloquentem adhuc neminem, quod eum statuebam disertum, qui posset satis acute atque dilucide apud mediocris homines ex communi quadam opinione hominum dicere, eloquentem vero, qui mirabilius et magnificentius augere posset atque ornare quae vellet, omnisque omnium rerum, quae ad dicendum pertinerent, fontis animo ac memoria contineret. Id si est difficile nobis, quod ante, quam ad discendum ingressi sumus, obruimur ambitione et foro, sit tamen in re positum atque natura: Cic.de_orat.1,94.Und so habe ich, durch dieselbe Meinung verleitet, in einer kleinen Schrift, die mir wider Willen und Wissen entschlüpft und in die Hände der Menschen gekommen ist, die Äußerung niedergeschrieben, der beredten Männer hätte ich einige gekannt, einen Redner aber noch nicht. Unter einem beredten verstand ich nämlich denjenigen, welcher mit hinlänglichem Scharfsinn und Deutlichkeit vor gewöhnlichen Leuten dem gemeinen Menschenverstand gemäß reden könne; unter einem Redner aber denjenigen, welche, auf eine bewunderungswürdigere und prächtigere Weise alles, was er wolle, erheben und ausschmücken könne und alle Hilfsquellen für alle Gegenstände, die sich auf die Rede beziehen, mit seinem Geist und Gedächtnis umfasse. Wenn dies auch für uns schwierig ist, weil wir, bevor wir zum Lernen schreiten, von Amtsbewerbungen und Gerichtshändeln erdrückt werden, so dürfte es doch in dem Wesen der Sache begründet sein.
Equidem te cum in dicendo semper putavi deum, tum vero tibi numquam eloquentiae maiorem tribui laudem quam humanitatis; qua nunc te uti vel maxime decet neque defugere eam disputationem, ad quam te duo excellentes ingeniis adulescentes cupiunt accedere.' Cic.de_orat.1,106.Ich habe dich zwar immer für einen unvergleichlichen Redner gehalten, aber nie habe ich deiner Beredsamkeit ein größeres Lob erteilt als deiner Menschenfreundlichkeit, und diese musst du gerade jetzt an den Tag legen und nicht die Erörterung ablehnen, welche die beiden jungen Männer von so ausgezeichneten Geistesgaben von dir übernommen zu sehen wünschen."
Neque haec in eam sententiam disputo, ut homines adulescentis, si quid naturale forte non habeant, omnino a dicendi studio deterream: quis enim non videt C. Coelio, aequali meo, magno honori fuisse, homini novo, illam ipsam, quamcumque adsequi potuerat, in dicendo mediocritatem? Quis vestrum aequalem, Q. Varium, vastum hominem atque foedum, non intellegit illa ipsa facultate, quamcumque habuit, magnam esse in civitate gratiam consecutum? Cic.de_orat.1,117.Dies jedoch sage ich nicht in der Absicht, um junge Männer, denen es vielleicht an einer Naturgabe gebricht, gänzlich von der Beschäftigung mit der Beredsamkeit abzuschrecken. Denn wer weiß nicht, dass dem Gaius Caelius145, meinem Altersgenossen, einem Emporkömmling, selbst die Mittelmäßigkeit im Reden, soweit er sie erreichen konnte, zu Erlangung hoher Ehren förderlich gewesen ist? Wer sieht nicht ein, dass euer Altersgenosse Quintus Varius146, ein ungestalter und hässlicher Mensch, selbst durch die geringe Redegewandtheit, die er besitzt, zu großem Einfluss im Staat gelangt ist?
altera est haec, de qua queri saepe soleo; quod ceterarum homines artium spectati et probati, si quando aliquid minus bene fecerunt quam solent, aut noluisse aut valetudine impediti non potuisse consequi id, quod scirent, putantur: "noluit" inquiunt "hodie agere Roscius," aut "crudior fuit"; oratoris peccatum, si quod est animadversum, stultitiae peccatum videtur; Cic.de_orat.1,124.Die andere Ursache, über die ich oft zu klagen pflege, ist diese: Wenn in anderen Künsten bewährte und erprobte Männer zuweilen etwas minder gut gemacht haben, als sie sonst pflegen, so nimmt man an, sie hätten ihre Geschicklichkeit entweder nicht zeigen wollen oder wegen Unpässlichkeit nicht zeigen können. ‘Roscius’, sagt man, ‘hatte heute keine Lust zu spielen’; oder: ‘Er hat sich den Magen etwas verdorben.’ Bemerkt man aber an dem Redner einen Fehler, so hält man es gleich für einen Fehler der Dummheit.
Verum ego hanc vim intellego esse in praeceptis omnibus, non ut ea secuti oratores eloquentiae laudem sint adepti, sed, quae sua sponte homines eloquentes facerent, ea quosdam observasse atque collegisse; sic esse non eloquentiam ex artificio, sed artificium ex eloquentia natum; quod tamen, ut ante dixi, non eicio; est enim, etiam si minus necessarium ad bene dicendum, tamen ad cognoscendum non inliberale; Cic.de_orat.1,146.Doch es leuchtet mir ein, dass alle Regeln nicht einen solchen Einfluss haben, dass Redner durch ihre Befolgung den Ruhm der Beredsamkeit erlangt hätten, sondern dass dasjenige, was beredte Männer von selbst leisteten, von einigen beobachtet und in eine gewisse Ordnung gebracht worden und demzufolge nicht die Beredsamkeit aus der Kunst, sondern die Kunst aus der Beredsamkeit entstanden ist. Indes verwerfe ich, wie gesagt, die Kunst nicht. Denn wenn sie auch nicht gerade unentbehrlich für die Beredsamkeit ist, so, gereicht doch ihre Erlernung einem Menschen von guter Erziehung zur Zierde.
Quod quidem certis de causis a plerisque aliter existimatur: primum, quia veteres illi, qui huic scientiae praefuerunt, obtinendae atque augendae potentiae suae causa pervulgari artem suam noluerunt; deinde, postea quam est editum, expositis a Cn. Flavio primum actionibus, nulli fuerunt, qui illa artificiose digesta generatim componerent; nihil est enim, quod ad artem redigi possit, nisi ille prius, qui illa tenet, quorum artem instituere vult, habet illam scientiam, ut ex eis rebus, quarum ars nondum sit, artem efficere possit. Cic.de_orat.1,186.Gar viele freilich haben hierüber aus gewissen Gründen eine andere Ansicht. Erstlich nämlich hielten in früheren Zeiten die Männer, die im Besitz dieser Wissenschaft waren, zur Behauptung und Vermehrung ihrer Macht es nicht für gut, dass ihre Wissenschaft veröffentlicht würde; denn nachdem Gnaeus Flavius zuerst die Rechtsformeln öffentlich ausgestellt hatte und dadurch das Rechtsverfahren zur allgemeinen Kenntnis gekommen war, fehlte es doch an Männern, die jenen Stoff kunstgerecht nach Klassen verteilt und angeordnet hätten. Denn von keinem Gegenstand lässt sich ein wissenschaftliches Lehrgebäude aufstellen, wenn nicht der, der die Dinge, die er wissenschaftlich anordnen will, kennt, zuvor jene Wissenschaft sich angeeignet hat, durch die er einen noch nicht kunstgerecht geordneten Stoff in eine kunstgerechte Form bringen kann. Ich sehe, während ich mich kurz fassen wollte, habe ich mich etwas zu dunkel ausgedrückt; doch ich will den Versuch machen und mich, wo möglich, deutlicher erklären.
Iam vero ipsa per sese quantum adferat eis, qui ei praesunt, honoris, gratiae, dignitatis, quis ignorat? Itaque, ut apud Graecos infimi homines mercedula adducti ministros se praebent in iudiciis oratoribus, ei, qui apud illos πραγματικoί vocantur, sic in nostra civitate contra amplissimus quisque et clarissimus vir, ut ille, qui propter hanc iuris civilis scientiam sic appellatus a summo poeta est:
egregie cordatus homo, catus Aelius Sextus,
multique praeterea, qui, cum ingenio sibi auctore dignitatem peperissent, perfecerunt ut in respondendo iure auctoritate plus etiam quam ipso ingenio valerent. Cic.de_orat.1,198.
Ferner, wer weiß nicht, wie viel Ehre, Gunst und Ansehen diese Kenntnis an und für sich denen gewährt, die in dem Besitz derselben sind? Bei den Griechen freilich leisten Menschen aus dem geringsten Stand – sie heißen bei ihnen Pragmatiker (Geschäftsführer) – für einen geringen Lohn den Rednern in den Gerichten ihre Dienste; aber in unserem Staat findet gerade das Gegenteil statt. Denn die angesehensten und berühmtesten Männer, wie jener, der wegen seiner Kenntnis im bürgerlichen Recht so von dem größten Dichter gepriesen wird:
Trefflich verständiger und sehr kundiger Aelius Sextus,
und außerdem viele andere brachten es, nachdem sie sich durch ihre Geistesgaben Ansehen erworben hatten, bei der Erteilung von Rechtsbescheiden dahin, dass sie durch ihre Rechtsaussprüche mehr noch als durch ihre Geistesgaben zu hoher Geltung gelangten.
est enim sine dubio domus iuris consulti totius oraculum civitatis; testis est huiusce Q. Muci ianua et vestibulum, quod in eius infirmissima valetudine adfectaque iam aetate maxima cotidie frequentia civium ac summorum hominum splendore celebratur. Cic.de_orat.1,200.Denn das Haus eines Rechtsgelehrten ist ohne Zweifel ein Orakel der ganzen Bürgerschaft; wovon unseres Quintus Mucius Tür und Vorhalle zeugt, die ungeachtet seiner sehr schwachen Gesundheit und seines schon angegriffenen Alters täglich von einer großen Menge der Bürger und der angesehensten Männer besucht wird.
'Mihi vero' inquit Mucius 'satis superque abs te videtur istorum studiis, si modo sunt studiosi, esse factum; nam, ut Socratem illum solitum aiunt dicere perfectum sibi opus esse, si qui satis esset concitatus cohortatione sua ad studium cognoscendae percipiendaeque virtutis; quibus enim id persuasum esset, ut nihil mallent esse se, quam bonos viros, eis reliquam facilem esse doctrinam; sic ego intellego, si in haec, quae patefecit oratione sua Crassus, intrare volueritis, facillime vos ad ea, quae cupitis, perventuros, ab hoc aditu ianuaque patefacta.' Cic.de_orat.1,204."Ich aber sollte meinen", versetzte Mucius, "du habest der Lernbegierde dieser jungen Männer, wenn sie anders lernbegierig sind, reichlich Genüge geleistet. Denn so wie man von Sokrates erzählt, er habe zu sagen gepflegt, seine Arbeit sei vollendet, wenn jemand durch seine Ermahnung hinlänglich zu dem Streben angefeuert sei, die Tugend kennen zu lernen und in sich aufzunehmen; denn wem die Überzeugung beiwohne, dass er nichts lieber zu sein wünsche als ein guter Mann, dem sei die übrige Lehre leicht – so weiß ich, dass auch ihr, wenn ihr die Bahn betreten wollt, die euch Crassus durch seinen Vortrag eröffnet hat, ihr sehr leicht zum Ziel eurer Wünsche gelangen werdet, da er euch ja den Zugang und die Tür dazu eröffnet hat."
'Peto igitur' inquit Crassus 'a te, quoniam id nobis, Antoni, hominibus id aetatis oneris ab horum adulescentium studiis imponitur, ut exponas, quid eis de rebus, quas a te quaeri vides, sentias.' 'Deprehensum equidem me' inquit Antonius 'plane video atque sentio, non solum quod ea requiruntur a me, quorum sum ignarus atque insolens, sed quia, quod in causis valde fugere soleo, ne tibi, Crasse, succedam, id me nunc isti vitare non sinunt; Cic.de_orat.1,207."Nun, lieber Antonius", sagte Crassus, "da nun einmal die Lernbegierde dieser jungen Männer uns Alten diese Bürde auferlegt, so bitte ich dich, deine Ansichten über die Gegenstände zu entwickeln, über die sie, wie du siehst, von dir belehrt zu werden wünschen." "Da sehe und fühle ich mich", erwiderte Antonius; "ganz und gar betroffen, nicht allein, weil man Dinge von mir verlangt, deren ich unkundig und ungewohnt bin, sondern auch weil unsere jungen Freunde mir jetzt nicht das zu vermeiden gestatten, wovor ich mich bei den gerichtlichen Verhandlungen so sehr zu hüten pflege, nämlich dein Nachfolger, Crassus, im Reden zu sein.
Genus autem hoc sermonum positum in hominum veterum auctoritate, et eorum inlustrium, plus nescio quo pacto videtur habere gravitatis; Cic.Lael.4.dGespräche dieser Art, die sich auf das Zeugnis alter und noch dazu hoch angesehener Männer stützen, scheinen mir – ich kann mir den Grund nicht erklären – mehr Nachdruck und Gewicht zu haben.
Numquam ego dicam C. Fabricium, M'. Curium, Ti. Coruncanium, quos sapientes nostri maiores iudicabant, ad istorum normam fuisse sapientes. Cic.Lael.18.eNie könnte ich behaupten, dass Gaius Fabricius, Manius Curius, Titus Coruncanius, Männer, die unsere Vorfahren für weise erklärt haben, nach dem Maßstab jener Philosophen weise gewesen seien.
Quare sibi habeant sapientiae nomen et invidiosum et obscurum; concedant, ut viri boni fuerint. Cic.Lael.18.fLassen wir ihnen daher den beneidenswerten und ungewissen Ruhm der Weisheit; nur mögen sie zugeben, dass die genannten Männer tugendhaft waren.
Qui ita se gerunt, ita vivunt, ut eorum probetur fides, integritas, aequitas, liberalitas, nec sit in eis ulla cupiditas, libido, audacia, sintque magna constantia, ut ii fuerunt, modo quos nominavi, hos viros bonos, ut habiti sunt, sic etiam appellandos putemus, quia sequantur, quantum homines possunt, naturam optimam bene vivendi ducem. Cic.Lael.19.bWer sich so verhält, so lebt, dass seine Verlässlichkeit, Lauterkeit, Gerechtigkeit, seine edle Denkweise anerkannt wird, dass sich keine Begehrlichkeit, Lüsternheit, keine freche Anmaßung an ihm zeigt, dass er die große Charakterstärke besitzt, die den soeben genannten Männern eigen war, – solche Männer sollten wir, glaube ich, tugendhaft nennen, wofür sie von jeher galten, weil sie, soweit es für einen Menschen möglich ist, der Natur als bester Führerin zu einem guten Leben, folgen.
Iam virtutem ex consuetudine vitae sermonisque nostri interpretemur nec eam, ut quidam docti, verborum magnificentia metiamur virosque bonos eos, qui habentur, numeremus, Paulos, Catones, Galos, Scipiones, Philos; Cic.Lael.21.aWir wollen uns die Tugend so denken, wie man sie nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch des gemeinen Lebens bestimmt, ohne sie nach der Art gewisser Philosophen (Stoiker) in einem überspannten Wortgepränge darzustellen; und wir wollen unter die tugendhaften Männer diejenigen zählen, die wirklich als solche gelten, Männer wie Paulus, Cato, Galus, Scipio und Philus.
Ex hoc numero nobis exempla sumenda sunt, et eorum quidem maxime, qui ad sapientiam proxime accedunt. Cic.Lael.38.cAus der Zahl dieser Männer müssen wir die Beispiele holen und zwar besonders solche, die dem Ziel der Weisheit am nächsten stehen.
Nam hoc quidem in talibus viris quid attinet dicere, si contendisset, impetraturum non fuisse, cum illi sanctissimi viri fuerint, aeque autem nefas sit tale aliquid et facere rogatum et rogare. Cic.Lael.39.dBei so würdigen Männern lässt sich voraussetzen, dass eine solche Zumutung vergeblich gewesen wäre, da jene Männer höchst gewissenhaft waren, ist es aber gleich unerlaubt, eine solche Bitte zu erfüllen, als sie zu äußern.
fecit idem, quod viginti annis ante apud nos fecerat Coriolanus. His adiutor contra patriam inventus est nemo; itaque mortem sibi uterque conscivit. Cic.Lael.42.eEr handelte gerade wie 20 Jahre früher bei uns Coriolanus. Für diese Männer fand sich kein Beistand gegen das Vaterland. Darum entleibten sich beide selbst.
multaeque res sunt, in quibus de suis commodis viri boni multa detrahunt detrahique patiuntur, ut iis amici potius quam ipsi fruantur. Cic.Lael.58.aEs gibt auch vieles, wo rechtschaffene Männer ihrem eigenen Vorteil selbst Abbruch tun oder tun lassen, um den Genuss davon lieber dem Freund als sich selbst zuzuwenden. –
Sunt igitur firmi et stabiles et constantes eligendi; cuius generis est magna penuria. Et iudicare difficile est sane nisi expertum; Cic.Lael.62.cMänner von festem, sicherem und beständigem Charakter sind es also, die wir uns zu Freunden wählen müssen. Davon gibt es freilich wenige; und ohne Prüfung ist ohnehin die Beurteilung schwer.
In talibus ea, quam iam dudum tractamus, stabilitas amicitiae confirmari potest, cum homines benevolentia coniuncti primum cupiditatibus iis, quibus ceteri serviunt, imperabunt, deinde aequitate iustitiaque gaudebunt, omniaque alter pro altero suscipiet, neque quicquam umquam nisi honestum et rectum alter ab altero postulabit, neque solum colent inter se ac diligent sed etiam verebuntur. Cic.Lael.82.cNur unter solchen Menschen kann sich jene Beständigkeit der Freundschaft, von der wir schon lange reden, kräftigen, wenn Männer, die das Wohlwollen verbindet, zunächst diejenigen Gelüste beherrschen, deren Sklaven andere sind, sodann an Billigkeit und Gerechtigkeit Gefallen finden, einer für den andern gern alles übernimmt und nur das von dem anderen verlangt, was schicklich und recht ist; wenn sie sich gegenseitig nicht nur achten und lieben, sondern auch eine sittliche Scheu voreinander haben.
Quam ob rem, quamquam blanda ista vanitas apud eos valet, qui ipsi illam allectant et invitant, tamen etiam graviores constantioresque admonendi sunt, ut animadvertant, ne callida assentatione capiantur. Cic.Lael.99.aObgleich nun diese schmeichlerische Nichtigkeit nur bei denen Eingang findet, die den Schmeichler selbst dazu herausfordern und anstiften, so muss man doch auch Männer von ernsterem und festerem Sinn ermahnen, darauf zu achten, nicht in den Schlingen raffinierter Schmeichelei gefangen zu werden.
Vicissim autem senes in adulescentium caritate acquiescimus, ut in vestra, ut in Q. Tuberonis; Cic.Lael.101.cUmgekehrt finden wir als Greise Ruhe und Erholung in der Liebe junger Männer, wie in der eurigen und der des Quintus Tubero.
credo vos, iudices, mirari, quid sit, quod, cum tot summi oratores hominesque nobilissimi sedeant, ego potissimum surrexerim, is qui neque aetate neque ingenio neque auctoritate sim cum his, qui sedeant, comparandus. Cic.S.Rosc.1.aIhr wundert euch vielleicht, Richter, wie es kommt, dass, da so viele treffliche Redner und Männer aus den edelsten Geschlechtern hier sitzen, gerade ich mich erhebe, da ich mich doch weder an Alter, noch an Talent noch Ansehen mit denen, die hier sitzen, messen kann.
quae me igitur res praeter ceteros impulit, ut causam Sex.Rosci reciperem? quia, si qui istorum dixisset, quos videtis adesse, in quibus summa auctoritas est atque amplitudo, si verbum de re publica fecisset, id, quod in hac causa fieri necesse est, multo plura dixisse, quam dixisset, putaretur. Cic.S.Rosc.2.bWas ist es denn nun, das mich vor anderen bewog, die Verteidigung des Sextus Roscius zu übernehmen? Ich antworte: Wäre einer jener Männer von höchstem Ansehen und Rang, die ihr hier anwesend erblickt, aufgetreten, hätte er sich über die Lage des Staates geäußert, was bei diesem Rechtsfall unvermeidlich ist; so würde man seinen Worten eine viel größere Bedeutung unterlegen, als sie wirklich hätten.
forsitan quaeratis, qui iste terror sit et quae tanta formido, quae tot ac talis viros impediat, quo minus pro capite et fortunis alterius, quem ad modum consuerunt, causam velint dicere. Cic.S.Rosc.5.bIhr fragt vielleicht, was das für Schreckbilder und Besorgnisse seien, die so viele und so tüchtige Männer abhalten, Leben und Gut eines andern nach ihrer Gewohnheit verteidigen zu wollen.
Sex. Roscius, pater huiusce, municeps Amerinus fuit, cum genere et nobilitate et pecunia non modo sui municipi verum etiam eius vicinitatis facile primus, tum gratia atque hospitiis florens hominum nobilissimorum. Cic.S.Rosc.15.aSextus Roscius, der Vater dieses Mannes hier, Bürger der Freistadt Ameria, war durch Abkunft, Ansehen, Vermögen nicht nur in seiner freien Vaterstadt, sondern auch in der dortigen Nachbarschaft wohl gewiss der erste Mann; er war aber auch durch die Gunst und Gastfreundschaft der angesehensten Männer ausgezeichnet.
nam statim Chrysogonus et ipse ad eos accedit et homines nobilis adlegat, qui peterent, ne ad Sullam adirent, et omnia Chrysogonum, quae vellent esse facturum, pollicerentur. Cic.S.Rosc.25.dDenn augenblicklich b sich Chrysogonus selbst an sie heran und schickt auch angesehene Männer zu ihnen, mit der Bitte, nicht zu Sulla zu kommen; sie sollten versprechen, Chrysogonus werde alle Ihre Wünsche erfüllen.
etenim si id, quod praeclare a sapientibus dicitur, voltu saepe laeditur pietas, quod supplicium satis acre reperietur in eum, qui mortem obtulerit parenti, pro quo mori ipsum, si res postularet, iura divina atque humana cogebant? Cic.S.Rosc.37.bDenn wenn nach dem treffenden Ausdruck weiser Männer durch eine Miene schon manchmal die Kindespflicht verletzt wird, könnte man eine Strafe finden, die streng genug wäre gegen den, der dem Vater den Tod gebracht hat, für den er nach göttlichem und menschlichem Recht nötigenfalls selbst sterben müsste?
at hercule maiores nostri longe aliter et de illo et de ceteris talibus viris existimabant itaque ex minima tenuissimaque re publica maximam et florentissimam nobis reliquerunt. Cic.S.Rosc.50.cAber fürwahr, unsere Vorfahren haben über ihn und andere Männer dieses Schlages ganz anders geurteilt. Darum haben sie den zuvor so kleinen und beschränkten Staat zu der höchsten Blüte gebracht und so uns hinterlassen.
neque ego haec eo profero, quo conferenda sint cum hisce, de quibus nunc quaerimus, sed ut illud intellegatur, cum apud maiores nostros summi viri clarissimique homines, qui omni tempore ad gubernacula rei publicae sedere debebant, tamen in agris quoque colendis aliquantum operae temporisque consumpserint, ignosci oportere ei homini, qui se fateatur esse rusticum, cum ruri adsiduus semper vixerit, cum praesertim nihil esset, quod aut patri gratius aut sibi iucundius aut revera honestius facere posset. Cic.S.Rosc.51.aÜbrigens erwähne ich dies nicht, weil es mit dem zu vergleichen wäre, wovon jetzt die Rede ist, sondern um folgendes zu verdeutlichen: Da zu den Zeiten unserer Vorfahren die größten und berühmtesten Männer, die stets berufen waren, am Staatsruder zu sitzen, doch ziemliche Mühe und Zeit auf den Ackerbau verwendeten, ist es einem Mann, der sich für einen Landmann erklärt, zu verzeihen, wenn er beständig auf dem Land gelebt hat; zumal da er nichts hätte tun können, was seinem Vater erwünschter, ihm selbst angenehmer und in der Tat ehrenvoller gewesen wäre.
vere nihil potes dicere; finge aliquid saltem commode, ut ne plane videaris id facere, quod aperte facis, huius miseri fortunis et horum virorum talium dignitati inludere. Cic.S.Rosc.54.cZutreffend weißt du nichts zu sagen. So erdichte doch wenigstens etwas Passendes, damit man nicht ganz und gar von dir glauben muss, du tust das, was du freilich offenbar tust, nämlich du spottest des Schicksals dieses Unglücklichen, und der Würde dieser so angesehenen Männer.
quid ergo est? ita tamen quaestus te cupidum esse oportebat, ut horum existimationem et legem Remmiam putares aliquid valere oportere. Cic.S.Rosc.55.bWas folgt hieraus? Du hättest dich wenigstens nur insoweit deiner Gewinnsucht hingeben sollen, dass du auf das Urteil dieser Männer und auf das Remmische Gesetz billige Rücksicht genommen hättest.
sed, si ego hos bene novi, litteram illam, cui vos usque eo inimici estis, ut etiam Kal. omnis oderitis, ita vehementer ad caput adfigent, ut postea neminem alium nisi fortunas vestras accusare possitis. Cic.S.Rosc.57.daber, wenn ich anders diese Männer recht kenne, werden sie euch jenen Buchstaben, dem ihr so gram seid, dass ihr sogar alle Kalenden hasst, so gewaltig auf die Stirn prägen, dass ihr in der Folge sonst niemanden als den Verfall eures eigenen Glücks werdet anklagen können.
"quis ibi non est volneratus ferro Phrygio?" non necesse est omnis commemorare Curtios, Marios, denique Memmios quos iam aetas a proeliis avocabat, postremo Priamum ipsum senem, Antistium, quem non modo aetas sed etiam leges pugnare prohibebant. Cic.S.Rosc.90.a"Wer ist dort nicht durch den phrygischen Mordstahl verwundet worden?" Es ist nicht nötig, alle zu erwähnen, Männer wie Curtius, Marius, Mamercus, schließlich Memmius, die ihr Alter schon vom Kampf fernthielt, endlich jenen hochbejahrten Priamus, den Antistius, den nicht nur das Alter, sondern auch die Gesetze vom Kriegsdienst freisprachen.
recte igitur maiores, cum, qui socium fefellisset, in virorum bonorum numero non putarunt haberi oportere. Cic.S.Rosc.116.gMit Recht haben also unsere Vorfahren geurteilt, dass, wer einen Genossen hintergangen habe, aus der Zahl der rechtlichen Männer getilgt sein solle.
at vero T. Roscius non unum rei pecuniariae socium fefellit, quod, tametsi grave est, tamen aliquo modo posse ferri videtur, verum novem homines honestissimos, eiusdem muneris, legationis, offici mandatorumque socios, induxit, decepit, destituit, adversariis tradidit, omni fraude et perfidia fefellit; Cic.S.Rosc.117.aAber Titus Roscius hat nicht einen einzelnen Genossen eines Geldgeschäftes hintergangen, was, obwohl es arg wäre, doch noch erträglich scheinen könnte, sondern er hat neun sehr ehrenwerte Männer, seine Mitbeamten, Mitgesandten, mitverpflichtete, mitbeauftragte Leute angeführt, hintergangen, den Gegnern preisgegeben, durch alle Arten von Tücke und Treulosigkeit betrogen.
postulabant homines nobilissimi atque integerrimi nostrae civitatis quos iam antea nominavi; qui ita vixerunt talesque a populo Romano putantur, ut, quicquid dicerent, nemo esset, qui non aequum putaret. Cic.S.Rosc.119.dEs waren die angesehensten und würdigsten Männer unseres Vaterlandes, die ich bereits genannt habe, die es verlangten, Männer, die so gelebt haben und beim römischen Volk in solcher Achtung stehen, dass jedermann, was sie auch sagten, für billig hielt.
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