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C. PLINIUS CALVISIO RUFO SUO S.
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Nescio, an ullum iucundius tempus
exegerim, quam quo nuper apud Spurinnam fui, adeo
quidem, ut neminem magis in senectute, si modo senescere
datum est, aemulari velim; nihil est enim illo vitae
genere distinctius. (2) Me autem, ut certus siderum
cursus, ita vita hominum disposita delectat. Senum
praesertim: nam iuvenes confusa adhuc quaedam et quasi
turbata non indecent, senibus placida omnia et ordinata
conveniunt, quibus industria sera, turpis ambitio
est.
(3) Hanc regulam Spurinna constantissime
servat; quin etiam parva haec - parva si non cotidie
fiant - ordine quodam et velut orbe circumagit.
(4) Mane lectulo continetur, hora
secunda calceos
poscit, ambulat milia passuum tria nec minus animum
quam corpus exercet. Si adsunt amici, honestissimi
sermones explicantur; si non, liber legitur, interdum
etiam praesentibus amicis, si tamen illi non gravantur.
(5) Deinde considit, et liber rursus aut sermo libro
potior; mox vehiculum ascendit, assumit uxorem singularis
exempli vel aliquem amicorum, ut me proxime. (6) Quam
pulchrum illud, quam dulce secretum! quantum ibi antiquitatis!
quae facta, quos viros audias! quibus praeceptis imbuare!
quamvis ille hoc temperamentum modestiae suae indixerit,
ne praecipere videatur. (7) Peractis septem milibus
passuum iterum ambulat mille, iterum residit vel se
cubiculo ac stilo reddit. Scribit enim et quidem utraque
lingua lyrica doctissima; mira illis dulcedo, mira
suavitas, mira hilaritas, cuius gratiam cumulat sanctitas
scribentis. (8) Ubi hora balinei nuntiata est - est
autem hieme nona, aestate octava -, in sole, si caret
vento, ambulat nudus. Deinde movetur pila
vehementer et diu; nam hoc quoque exercitationis genere
pugnat cum senectute. Lotus accubat et paulisper cibum
differt; interim audit legentem remissius aliquid
et dulcius. Per hoc omne tempus liberum est amicis
vel eadem facere vel alia, si malint. (9) Apponitur
cena non minus nitida quam frugi, in argento puro
et antiquo; sunt in usu et Corinthia, quibus delectatur
nec afficitur. Frequenter comoedis cena distinguitur,
ut voluptates quoque studiis condiantur. Sumit aliquid
de nocte et aestate; nemini hoc longum est; tanta
comitate convivium trahitur. (10) Inde illi post septimum
et septuagensimum annum aurium, oculorum vigor integer,
inde agile et vividum corpus solaque ex senectute
prudentia.
(11) Hanc ego vitam voto et cogitatione
praesumo, ingressurus avidissime, ut primum ratio
aetatis receptui canere permiserit.
Interim mille laboribus conteror,
quorum mihi et solacium et exemplum est idem Spurinna;
(12) nam ille quoque, quoad honestum fuit, obiit officia,
gessit magistratus, provincias rexit, multoque labore
hoc otium meruit. Igitur eundem mihi cursum, eundem
terminum statuo, idque iam nunc apud te subsigno,
ut, si me longius evehi videris, in ius voces ad hanc
epistulam meam et quiescere iubeas, cum inertiae crimen
effugero. Vale. |
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AN
CALVISIUS RUFUS |
Ich kann mich nicht erinnern, je
eine Zeit angenehmer zugebracht zu haben als neulich
bei Spurinna; so sehr, dass ich im Alter (wenn ich
je alt werde) keinem Àhnlicher werden möchte: denn
es gibt nichts Geordneteres als seine Lebensweise.
So wie der bestimmte Lauf der Sterne, so ergötzt mich
ein geregeltes Leben des Menschen, besonders der Greise.
Junge Leute kleidet noch eine gewisse Unordnung, fast
möchte ich sagen ein stĂŒrmisches Wesen: den Alten,
fĂŒr die es zu spĂ€t ist, tĂ€tig und unschicklich, ehrgeizig
zu sein, geziemt durchaus Ruhe und Ordnung.
(3) Diesen Grundsatz befolgt Spurinna
aufs folgerichtigste; sogar in Kleinigkeiten - Kleinigkeiten,
wenn sie nicht tÀglich geschehen - bewegt er sich
in einer gewissen Ordnung, und wie in einem Kreis.
(4) Morgens hÀlt er sich im Bett;
um die zweite Stunde lÀsst er sich ankleiden, geht
ungefĂ€hr 3000 Schritte. Dabei ĂŒbt er seinen Geist
nicht weniger als seinen Körper. Sind Freunde zugegen,
so werden die trefflichsten GesprĂ€che gefĂŒhrt, wo
nicht, so wird ein Buch gelesen: dies bisweilen auch
in Gegenwart von Freunden, wenn es ihnen anders nicht
zuwider ist. Hierauf setzt er sich und dann wird wieder
gelesen oder etwas gesprochen, was noch besser ist
als ein Buch; bald darauf steigt er in den Wagen,
in Begleitung seiner Gattin, die ihm ein Muster ihres
Geschlechts ist, oder er nimmt einen seiner Freunde
zu sich, wie mich neulich. Welch schöne, welch sĂŒĂe
Vertraulichkeit! Was hört man da aus der alten Zeit,
von welchen Taten, von welchen MĂ€nnern, in welche
Lehren wird man eingeweiht! Und doch hat sich seine
Bescheidenheit die Pflicht angelegt, nicht als Lehrer
gelten zu wollen. Nach einer Fahrt von 7000 Schritten
geht er wieder tausend, setzt sich dann eins aus will
oder begibt sich auf sein Zimmer und zu seinem Griffel
zurĂŒck. Denn der schreibt, und zwar in beiden Sprachen,
treffliche lyrische Gedichte. Diese haben eine wundersame
Lieblichkeit, Anmut, Munterkeit, deren Reiz durch
die sittliche Reinheit des Dichters erhöht wird. Ist
die Stunde zum Baden angesagt (was im Winter um die
neunte, im Sommer um die achte Stunde geschieht) so
geht er, wenn es windstill ist, unbekleidet in der
Sonne auf und ab. Hierauf macht er sich durch das
Ballspiel heftige und lange Bewegung: denn auch durch
diese LeibesĂŒbung kĂ€mpft er gegen das Alter an. Nach
dem Bad legt er sich und wartet noch ein wenig mit
dem Essen; inzwischen lÀsst er sich etwas Leichtes
und Angenehmes vorlesen. Diese ganze Zeit ĂŒber steht
als seinen Freunden frei, das selbe oder, wenn sie
wollen, etwas anderes zu tun. Ein ebenso niedliches
wie einfaches Mahl wird in echtem und altem Silber
aufgetragen. Er hat auch korinthische GefĂ€Ăe zum Gebrauch,
an denen er, jedoch ohne Leidenschaft, VergnĂŒgen findet.
Oft wird die Tafel durch Schauspieler unterhalten,
um die sinnliche Lust durch geistigen Genuss zu wĂŒrzen.
Man bleibt auch im Sommer bis in die Nacht bei Tisch.
Keinem dauert dies zu lang, auf so angenehme Weise
zieht sich das Mahl in die LĂ€nge. Darum hat er auch
nach dem vollendeten 77. Lebensjahr die ganze Kraft
seines Gehörs und Gesichtes; darum die Beweglichkeit
und Lebendigkeit des Körpers, und vom Alter gar nichts
als die Erfahrung.
(11) Ein solches Leben denke und
wĂŒnsche ich mir im Geiste und werde es mit gröĂter
Begierde anfangen, sobald nur dies VerhÀltnis meines
Alters mit gestattet, zum RĂŒckzug zu blasen.
Inzwischen reibe ich mich mit tausend
GeschĂ€ften auf, fĂŒr die mir eben auch Spurinna Trost
und Beispiel ist. (12) Denn auch er hat, solange es
die Ehre erforderte, Dienste getan, Ămter verwaltet,
Provinzen regiert und sich diese Ruhe durch viel Arbeit
verdient. Denn auch er hat, solange es die Ehre erforderte,
Dienste getan, Ămter verwaltet, Provinzen regiert
und sich diese Ruhe durch viel Arbeit verdient.
Also stecke ich mir die selbe Laufbahn, das selbe
Ziel, und will es jetzt bei dir unterschreiben, so
dass du, wenn du mich darĂŒber hinausgehen siehst,
mich vor diesem Brief belangst und mich auszuruhen
heiĂest, sobald ich dem Vorwurf der TrĂ€gheit entwichen
bin. Lebe wohl!
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