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Publius Ovidius Naso

METAMORPHOSES - Verwandlungen

LIBER III - lateinisch - deutsch

5. Narcissus und Echo (3,339-510)

 
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  5. Narcissus und Echo (3,339-510)  
Ille per Aonias fama celeberrimus urbes
Jener, gefeiert vom Ruf in allen aonischen Städten,
inreprehensa dabat populo responsa petenti;
prima fide vocisque ratae temptamina sumpsit
caerula Liriope, quam quondam flumine curvo
inplicuit clausaeque suis Cephisos in undis
vim tulit: enixa est utero pulcherrima pleno
Gab dem fragenden Volk unfehlbar wahre Bescheide.
Wie untrüglich sein Wort, das nahm am ersten die blaue
Nymphe Liriope wahr. Einst mit dem gewundenen Strome
Engte Kephisos sie ein, und als sie die Wellen umschlossen,
Übt' er Gewalt. Vom befruchteten Schoß der schönsten der Nymphen
infantem nymphe, iam tunc qui posset amari,
Narcissumque vocat. de quo consultus, an esset
tempora maturae visurus longa senectae,
fatidicus vates 'si se non noverit' inquit.
vana diu visa est vox auguris: exitus illam
Wand sich ein Kind ans Licht, schon damals würdig der Liebe
Und Narkissos genannt. Befragt, ob diesem bestimmt sei,
Einst an Jahren gereift langwährendes Alter zu schauen,
Sprach: "Wenn er sich nicht kennt!" der schicksalkündende Seher.
Lang schien eitel und leer sein Ausspruch. Doch ihn bewähren
resque probat letique genus novitasque furoris.
namque ter ad quinos unum Cephisius annum
addiderat poteratque puer iuvenisque videri:
multi illum iuvenes, multae cupiere puellae;
sed fuit in tenera tam dura superbia forma,
Tat und Erfolg und die Art des Tods und die Neuheit des Wahnsinns.
Jetzo hatte bereits der Kephisier eines zu fünfzehn
Jahren gefügt und konnte so Knabe erscheinen wie Jüngling.
Viele begehrten sein der Jünglinge, viele der Mädchen.
Aber es war in der zarten Gestalt so fühlloser Hochmut:
nulli illum iuvenes, nullae tetigere puellae.
adspicit hunc trepidos agitantem in retia cervos
vocalis nymphe, quae nec reticere loquenti
nec prior ipsa loqui didicit, resonabilis Echo.
Corpus adhuc Echo, non vox erat et tamen usum
Keiner bewegte sein Herz von den Jünglingen, keines der Mädchen.
Ihn nahm wahr, wie er trieb in die Netze die schüchternen Hirsche,
Einst die klangreiche Nymphe, die weder versagen die Antwort,
Noch kann sprechen zuerst, die alles erwidernde Echo.
Noch war Echo ein Leib, nicht Laut, und die Lippen gebrauchte
garrula non alium, quam nunc habet, oris habebat,
reddere de multis ut verba novissima posset.
fecerat hoc Iuno, quia, cum deprendere posset
sub Iove saepe suo nymphas in monte iacentis,
illa deam longo prudens sermone tenebat,
Nicht zu anderem Dienst als jetzt die schwatzende Nymphe,
Dass sie zurück nur gab von gereihten Worten die letzten.
Das war Iunos Werk, weil oftmals, wenn im Gebirge
Leicht sie hätte ertappt bei Iupiter liegende Nymphen,
Jene mit langem Gespräch die Göttin geflissentlich aufhielt,
dum fugerent nymphae. postquam hoc Saturnia sensit,
'huius' ait 'linguae, qua sum delusa, potestas
parva tibi dabitur vocisque brevissimus usus,'
reque minas firmat. tantum haec in fine loquendi
ingeminat voces auditaque verba reportat.
Bis die Nymphen geflohn. Wie solches Saturnia merkte,
Sprach sie: "Der Zunge Gewalt, die mich arglistig betrogen,
Soll dir gering hinfort, und kurz der Stimme Gebrauch sein!"
Drohungen folgte die Tat. Sie aber verdoppelt die Laute
Immer am Schluss und sendet zurück die vernommenen Worte
ergo ubi Narcissum per devia rura vagantem
vidit et incaluit, sequitur vestigia furtim,
quoque magis sequitur, flamma propiore calescit,
non aliter quam cum summis circumlita taedis
admotas rapiunt vivacia sulphura flammas.
Als sie nun den Narkissos erblickt, der in pfadlosen Fluren
Schritt umher, und erglüht, da folgt sie heimlich den Spuren,
Und je mehr sie ihm folgt, umso drängender spürt sie die Flamme,
Nicht in anderer Art, als wenn leicht zündender Schwefel
Vorn um die Fackel getupft auffängt die genäherte Flamme.
o quotiens voluit blandis accedere dictis
et mollis adhibere preces! natura repugnat
nec sinit, incipiat, sed, quod sinit, illa parata est
exspectare sonos, ad quos sua verba remittat.
forte puer comitum seductus ab agmine fido
O, wie wollte sie oft schon nahen mit kosenden Worten
Und sanft bitten und flehn! Ihr wehrt die Natur und vergönnt nicht,
Dass sie rede zuerst. Doch steht sie, was jene gestattet,
Harrend der Töne bereit, darauf sie gebe die Antwort.
Laut sprach eben verirrt von der Schar der treuen Begleiter
dixerat: 'ecquis adest?' et 'adest' responderat Echo.
hic stupet, utque aciem partes dimittit in omnis,
voce 'veni!' magna clamat: vocat illa vocantem.
respicit et rursus nullo veniente 'quid' inquit
'me fugis?' et totidem, quot dixit, verba recepit.
Jener: "Ist jemand da?" Und "da" antwortete Echo.
Jener erstaunt und wendet den Blick nach jeglicher Seite.
"Komm!" so tönt sein schallender Ruf. Sie rufet den Rufer.
Rückwärts schaut er und spricht, da wiederum keiner erschienen:
"Warum fliehst du mich?" Was er sprach, dasselbe vernahm er.
perstat et alternae deceptus imagine vocis
'huc coeamus' ait, nullique libentius umquam
responsura sono 'coeamus' rettulit Echo
et verbis favet ipsa suis egressaque silva
ibat, ut iniceret sperato bracchia collo;
Jetzt╬┐ bleibet er stehn; getäuscht von des Zweigesprächs Bilde,
Sagt er: "Vereinen wir uns!" und Echo, die keinem der Töne
Antwort gäbe so gern, lässt: "Einen wir uns!" sich vernehmen,
Und sie selber entzückt ihr Wort, und sie tritt aus dem Walde,
Um den ersehneten Hals die liebenden Arme zu schlingen.
ille fugit fugiensque 'manus conplexibus aufer!
ante' ait 'emoriar, quam sit tibi copia nostri';
rettulit illa nihil nisi 'sit tibi copia nostri!'
spreta latet silvis pudibundaque frondibus ora
protegit et solis ex illo vivit in antris;
Aber er flieht und entreißet im Fliehn der Umschlingung die Hände:
"Eher", so ruft er, "den Tod, als dass du mir nahtest in Liebe!"
Echo erwiderte nichts denn: "Dass du mir nahtest in Liebe!"
Sie, die Verschmähte, birgt sich im Wald, mit Laub das verschämte
Antlitz deckend, und lebt fortan in entlegenen Höhlen.
sed tamen haeret amor crescitque dolore repulsae;
extenuant vigiles corpus miserabile curae
adducitque cutem macies et in aera sucus
corporis omnis abit; vox tantum atque ossa supersunt:
vox manet, ossa ferunt lapidis traxisse figuram.
Aber die Liebe verbleibt und wächst vom Schmerz der Verachtung.
Wachende Sorge verzehrt den kläglich vergehenden Körper;
Siechtum macht einschrumpfen die Haut, und die Säfte des Leibes
Schwinden gesamt in die Luft. Nur Stimme ist übrig und Knochen.
Stimme verbleibt; zu Gestein - so sagen sie - wurden die Knochen.
inde latet silvis nulloque in monte videtur,
omnibus auditur: sonus est, qui vivit in illa.
Sic hanc, sic alias undis aut montibus ortas
luserat hic nymphas, sic coetus ante viriles;
inde manus aliquis despectus ad aethera tollens
Seitdem birgt sie der Wald, und nie im Gebirge gesehen,
Wird sie von allen gehört. Als Schall nur lebt sie beständig.
So war diese von ihm, so andere Nymphen der Wellen
Oder der Berge verhöhnt, so früher die männliche Scharen.
Endlich die Hände gestreckt zum Himmel begann ein Verschmähter
'sic amet ipse licet, sic non potiatur amato!'
dixerat: adsensit precibus Rhamnusia iustis.
fons erat inlimis, nitidis argenteus undis,
quem neque pastores neque pastae monte capellae
contigerant aliudve pecus, quem nulla volucris
"So mag lieben er selbst, so nie das Geliebte besitzen!"
Seinem gerechten Gebet stimmt zu die rhamnusische Göttin.
Schlammlos war ein Quell mit silbern erglänzenden Wellen,
Den niemals ein Hirt, noch am Berge geweidete Ziegen
Hatten berührt, noch anderes Vieh, den keiner der Vögel
nec fera turbarat nec lapsus ab arbore ramus;
gramen erat circa, quod proximus umor alebat,
silvaque sole locum passura tepescere nullo.
hic puer et studio venandi lassus et aestu
procubuit faciemque loci fontemque secutus,
Hatte getrübt, kein Wild, kein niedergefallener Baumzweig.
Rings war Rasen umher, den nahe Bewässerung nährte,
Und ein Gebüsch, das den Ort nicht ließ von der Sonne erwärmen.
Hier einst lagerte sich vom Eifer der Jagd und von Hitze
Müde der Knabe, gelockt von dem Quell und der Schöne der Stätte.
dumque sitim sedare cupit, sitis altera crevit,
dumque bibit, visae correptus imagine formae
spem sine corpore amat, corpus putat esse, quod umbra est.
adstupet ipse sibi vultuque inmotus eodem
haeret, ut e Pario formatum marmore signum;
Während den Durst zu löschen er strebt, wird anderer Durst wach;
Denn im Trinken vom Schein des gesehenen Bildes bezaubert,
Liebt er einen Wahn: er hält für Körper, was Schatten.
Sich anstaunt er selbst, und starr mit dem selbigen Blicke
Ist er gebannt wie ein Bild aus parischem Marmor gefertigt;
spectat humi positus geminum, sua lumina, sidus
et dignos Baccho, dignos et Apolline crines
inpubesque genas et eburnea colla decusque
oris et in niveo mixtum candore ruborem,
cunctaque miratur, quibus est mirabilis ipse:
Liegend betrachtet er stets gleichwie zwei Sterne die Augen,
Schaut mit Entzücken das Haar, das Apollons würdig und Bacchus',
Schaut den elfenen Hals und die Glätte der bartlosen Wangen
Und des Antlitzes Reiz und in schneeiger Weiße die Röte;
Alles bewundert er selbst, was wert ihn macht der Bewundrung;
se cupit inprudens et, qui probat, ipse probatur,
dumque petit, petitur, pariterque accendit et ardet.
inrita fallaci quotiens dedit oscula fonti,
in mediis quotiens visum captantia collum
bracchia mersit aquis nec se deprendit in illis!
Sich ersehnt er betört; der preist, wird selber gepriesen,
Der da strebet, erstrebt, und zugleich entzündet und brennt er.
Wie oft naht er umsonst mit Küssen der trügenden Quelle!
Wie oft mitten hinein, den gesehenen Hals zu ergreifen,
Taucht er die Arm' in die Flut und fasst sich nicht in den Wellen!
quid videat, nescit; sed quod videt, uritur illo,
atque oculos idem, qui decipit, incitat error.
credule, quid frustra simulacra fugacia captas?
quod petis, est nusquam; quod amas, avertere, perdes!
ista repercussae, quam cernis, imaginis umbra est:
Unkund, was er erblickt, glüht für das Erblickte der Jüngling:
Der sein Auge betrügt, der Wahn auch hält es gefesselt.
Was, Leichtgläubiger, strebst du vergebens nach flüchtigem Scheinbild?
Nirgends ist, was du begehrst; sieh weg, und es flieht das Geliebte;
Schatten ist, was du gewahrst, vom widergespiegelten Bilde!
nil habet ista sui; tecum venitque manetque;
tecum discedet, si tu discedere possis!
Non illum Cereris, non illum cura quietis
abstrahere inde potest, sed opaca fusus in herba
spectat inexpleto mendacem lumine formam
Nichts ist eigen daran; mit dir nur kam und verbleibt er,
Weggehn wird er mit dir, wenn wegzugehn du vermöchtest.
Nicht das Verlangen nach Ruh' und nicht das Verlangen nach Speise
Kann von dem Ort ihn ziehn: im beschatteten Grase gelagert
Schaut er die leere Gestalt mit unersättlichen Blicken
perque oculos perit ipse suos; paulumque levatus
ad circumstantes tendens sua bracchia silvas
'ecquis, io silvae, crudelius' inquit 'amavit?
scitis enim et multis latebra opportuna fuistis.
ecquem, cum vestrae tot agantur saecula vitae,
Und er vergeht durch das eigne Gesicht und ein wenig erhoben
Spricht er, die Arme gestreckt zu den ringsum stehenden Wäldern:
"Hat je einer geliebt, ihr Wälder, mit härteren Qualen?
Denn ihr wisst es und waret schon vielen gelegnes Versteck.
Seid ihr, da euer Bestand so viele Jahrhunderte währet,
qui sic tabuerit, longo meministis in aevo?
et placet et video; sed quod videoque placetque,
non tamen invenio' - tantus tenet error amantem -
'quoque magis doleam, nec nos mare separat ingens
nec via nec montes nec clausis moenia portis;
Eines gedenk in der Länge der Zeit, der also geschmachtet?
Vor mir steht es und lockt; doch was dasteht so verlockend,
Ach, ich find' es ja nicht. So fesselt den Liebenden Irrwahn.
Was noch mehret den Schmerz, nicht trennt uns die Weite des Meeres,
Nicht ein Gebirg', ein Weg, noch Mauern mit sperrenden Toren:
exigua prohibemur aqua! cupit ipse teneri:
nam quotiens liquidis porreximus oscula lymphis,
hic totiens ad me resupino nititur ore.
posse putes tangi: minimum est, quod amantibus obstat.
quisquis es, huc exi! quid me, puer unice, fallis
Karges Gewässer verbietet zu nahn. Selbst möcht' er umarmt sein;
Denn so oft ich den Mund darbiete den lauteren Wellen,
So oft kommt er zu mir mit aufwärts strebendem Antlitz.
Fast, fast scheint er berührt. Wie klein, was die Liebenden scheidet!
Wer du auch seist, komm her! Was trügst du mich, einziger Knabe?
quove petitus abis? certe nec forma nec aetas
est mea, quam fugias, et amarunt me quoque nymphae!
spem mihi nescio quam vultu promittis amico,
cumque ego porrexi tibi bracchia, porrigis ultro,
cum risi, adrides; lacrimas quoque saepe notavi
Wer entführet dich mir? Mir sind doch Alter und Bildung
Nicht so, dass du sie fliehst; mich liebten ja sehnlich die Nymphen.
Hoffnung, ich weiß nicht welche, verheißt dein freundliches Antlitz;
Streck' ich die Arme nach dir, so streckst du von drüben die Arme;
Lach' ich, lachst du mir zu; auch sah ich zum öfteren Tränen,
me lacrimante tuas; nutu quoque signa remittis
et, quantum motu formosi suspicor oris,
verba refers aures non pervenientia nostras!
iste ego sum: sensi, nec me mea fallit imago;
uror amore mei: flammas moveoque feroque.
Wenn ich weinte, bei dir; dem Nicken auch nickst du entgegen,
Und, soviel mir verrät des reizenden Mundes Bewegung,
Gibst du Worte zurück, die mir nicht dringen zu Ohren.
Ich bin, merk' ich, es selbst. Nicht täuscht mich länger mein Abbild.
Liebe verzehrt mich zu mir; ich errege und leide die Flamme.
quid faciam? roger anne rogem? quid deinde rogabo?
quod cupio mecum est: inopem me copia fecit.
o utinam a nostro secedere corpore possem!
votum in amante novum, vellem, quod amamus, abesset.
iamque dolor vires adimit, nec tempora vitae
Was tun? Soll ich flehn? Mich anflehen lassen? Um was dann?
Was ich begehre, ist mein. Zum Darbenden macht mich der Reichtum.
Dass ich vom eigenen Leib mich doch zu trennen vermöchte!
Was kein Liebender wünscht, ich wünsche mir fern, was ich liebe.
Weg schon nimmt mir die Kräfte der Schmerz, und meinem Leben
longa meae superant, primoque exstinguor in aevo.
nec mihi mors gravis est posituro morte dolores,
hic, qui diligitur, vellem diuturnior esset;
nunc duo concordes anima moriemur in una.'
Dixit et ad faciem rediit male sanus eandem
Bleibt kein langer Bestand, und im frühesten Alter vergeh' ich.
Mir ist der Tod nicht schwer, da im Tod aufhören die Leiden;
Ihm nur, den ich geliebt, ihm wünscht' ich ein längeres Leben.
Nun miteinander vergehn wir zwei in der einzigen Seele."
Sprach's und kehrte zurück sinnlos zu dem nämlichen Bilde,
et lacrimis turbavit aquas, obscuraque moto
reddita forma lacu est; quam cum vidisset abire,
'quo refugis? remane nec me, crudelis, amantem
desere!' clamavit; 'liceat, quod tangere non est,
adspicere et misero praebere alimenta furori!'
Und er trübt mit Zähren die Flut, und im kreisenden Wasser
Wurde verdunkelt das Bild. Wie er weggehn sah die Erscheinung,
Rief er: "Wo fliehest du hin? O bleib und verlasse so fühllos
Mich, den Liebenden, nicht. Was nicht zu berühren vergönnt ist,
Lass mich wenigstens schaun und nähren den traurigen Wahnsinn."
dumque dolet, summa vestem deduxit ab ora
nudaque marmoreis percussit pectora palmis.
pectora traxerunt roseum percussa ruborem,
non aliter quam poma solent, quae candida parte,
parte rubent, aut ut variis solet uva racemis
Während er klagt, zertrennt er das Kleid vom obersten Saume;
An die enthüllte Brust dann schlägt er mit marmornen Händen,
Und die geschlagene Brust ward sanft mit Röte bezogen,
So wie der Apfel sich zeigt, der weiß zur Hälfte, zur Hälfte
Rot aussieht, und wie mit gesprenkelten Beeren die Traube,
ducere purpureum nondum matura colorem.
quae simul adspexit liquefacta rursus in unda,
non tulit ulterius, sed ut intabescere flavae
igne levi cerae matutinaeque pruinae
sole tepente solent, sic attenuatus amore
Wenn sie, gereift noch nicht, sich purpurn pflegen zu färben.
Als er solches erblickt im wieder geklärten Gewässer,
Trug er länger es nicht: wie gelbliches Wachs an gelindem
Feuer gemach hinschmilzt und wie von der wärmenden Sonne
Taut in der Frühe der Reif, so auch von der Liebe verzehret
liquitur et tecto paulatim carpitur igni;
et neque iam color est mixto candore rubori,
nec vigor et vires et quae modo visa placebant,
nec corpus remanet, quondam quod amaverat Echo.
quae tamen ut vidit, quamvis irata memorque,
Schwindet er hin und vergeht allmählich vom inneren Feuer.
Nicht ist die Farbe wie sonst mit der Weiße vereinigte Röte;
Hin ist die blühende Kraft und was eben entzückte das Auge,
Und nicht bleibet der Leib, den früher ersehnete Echo.
Als die aber es sah, obgleich voll Zorn und gedenkend,
indoluit, quotiensque puer miserabilis 'eheu'
dixerat, haec resonis iterabat vocibus 'eheu';
cumque suos manibus percusserat ille lacertos,
haec quoque reddebat sonitum plangoris eundem.
ultima vox solitam fuit haec spectantis in undam:
Fühlte sie Leid, und so oft der Bejammernswürdige: "Wehe!"
Ausrief, hallte das Wort sie nach und erwiderte: "Wehe!"
Und wenn jener im Schmerz sich schlug mit den Händen die Arme,
Gab auch diese zurück die nämlichen Töne des Schlagens.
Also sprach er zuletzt, im gewohnten Gewässer sich spiegelnd:
'heu frustra dilecte puer!' totidemque remisit
verba locus, dictoque vale 'vale' inquit et Echo.
ille caput viridi fessum submisit in herba,
lumina mors clausit domini mirantia formam:
tum quoque se, postquam est inferna sede receptus,
"Ach, du Knabe, geliebt umsonst", - gleich viele der Worte
Hallte der Ort - "leb wohl!" "Leb wohl!" auch redete Echo.
Kraftlos ließ er das Haupt nun sinken auf grünendem Rasen;
Tod umnachtet den Blick, der bewundert des Blickenden Schönheit.
Da auch noch, wie er längst dem Reich der Toten gehörte,
in Stygia spectabat aqua. planxere sorores
naides et sectos fratri posuere capillos,
planxerunt dryades; plangentibus adsonat Echo.
iamque rogum quassasque faces feretrumque parabant:
nusquam corpus erat; croceum pro corpore florem
Schaut er sich selbst in der stygischen Flut. Die Naiaden, die Schwestern,
Trauern und weihen dem Bruder vom Haupt Haarlocken; es trauern
Auch die Dryaden um ihn: beistimmt den Trauernden Echo.
Scheiter besorgte man schon und schwingende Fackel und Bahre:
Da war nirgends der Leib. Für den Leib ist sichtbar ein Blümlein
inveniunt foliis medium cingentibus albis.
Safrangelb, um die Mitte besetzt mit schneeigen Blättern.
 
 
 
Sententiae excerptae:
w35
105 Labitur occulte fallitque volatilis aetas.
  Unbemerkt entgleitet und t├Ąuscht uns die fl├╝chtige Zeit.
  Ov.met.10,519
120 nihil est annis velocius
  nichts ist schneller als die Jahre
  Ov.met.10,520
224 perlucidior vitro
  durchsichtiger als Glas
  Hor.c.1,18,16 (cf.Ov.met.13,791)
Literatur:
4229  D├Ârrie, H.
Echo und Narcissus (Ov.Met.III 341-510). Psychologische Funktion in Spiel und Ernst.
in: AU 10, 1, 1967, 54ff.
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4182  Ovid / Albrecht
Metamorphosen : lateinisch, deutsch / P. Ovidius Naso. ├ťbers. und hrsg. von Michael von Albrecht,
Stuttgart : Reclam, 2010
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4194  Ovid / Anderson
Ovid's Metamorphoses. Ed. with introduction and commentary by William Scovil Anderson Books 1-5. Book 6-10.
University of Oklahoma Press, 1972 ff.
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4193  Ovid / B├Âmer
Publius Ovidius Naso. Metamorphosen, Kommentar. I. Buch 1-3, 1966 II. Buch 4-5,1976 III. Buch 6-7 IV. Buch 8-9, 1977 V. Buch 10-11, 1980 VI. Buch 12-13, 1982 VII. Buch 14-15, 1986.
Heidelberg, Winter, 1966-1986
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4195  Ovid / Bosselaar
P. Ovidii Nasonis Metamorphoseon libri I-XV. Textus et commentarius. Naar de Editie van D.E. Bosselaar in vijfde Druck uitgegeven door Boricus A. van Proosdij.
Leiden 1968.
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4196  Ovid / Breitenbach
Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. Epos in 15 B├╝chern. ├ťbersetzt und hg. von Hermann Breitenbach.
Z├╝rich 2,1964.
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4199  Ovid / Eichert
Vollst├Ąndiges W├Ârterbuch zu den Verwandlungen des Publius Ovidius Naso
Hildesheim, Olms, 1972 (Ndr. Hannover 1878)
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4200  Ovid / Gierig
P. Ovidii Nasonis Metamorphoses. Recensuit, varietate lectionis notisque instruxit Gottlieb Erdmann Gierig. Index verborum. Index nominum. I. Buch 1-7 II. Buch 8-15
Lipsiae (Sumtu E.B.Schwickerti) 3/1821
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4192  Ovid / Haupt, Ehwald
Publius Ovidius Naso. Metamorphosen, hg. u. erkl. v. M. Haupt und R. Ehwald, korrig. und. bibliograph. erg. v. M.v.Albrecht. Bd. I: Buch 1-7 Bd. II: Buc 8-15-
Z├╝rich, Dublin 5,1966
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4201  Ovid / Rode, Fink
Ovid, Metamorphosen. Das Buch der Mythen und Verwandlungen. ach der ersten deutschen Prosa├╝bersetzung durch August v. Rode neu ├╝bersetzt und herausgegeben v. Gerhard Fink.
Patros, Albatros, 2005
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4197  Ovid / R├Âsch
Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. In deutsche Hexameter ├╝bertragen und hg. von Erich R├Âsch. Mit einer Einf├╝hrung von Niklas Holzberg.
M├╝nchen, Z├╝rich 11,1988.
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4204  Ovid / Rubricastellanus, Frei
P. Ovidii Nasonis Metamorphoses selectae, composuit Rubricastellanus, pinxit Martin Frei.
Stuttgart, Klett 1/1997
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4198  Ovid / Suchier
Publius Ovidius Naso. Metamorphosen. ├ťbers. v. R. Suchier
M├╝nchen 1959
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4206  Ovid / Suchier
Publius Ovidius Naso, Metamorphosen, mit den Radierungen von pablo Picasso. ├ťbersetzung von Suchier.
Wiesbaden (Drei Lieien Verlag)
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4208  Ovid / Vo├č
Ovid, Verwandlungen, ├╝bersetzt v. Joh. Hch. Vo├č (Auswahl)
Leipzi (Reclam 356-357a)
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