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Thuk.5,84-116,4 Melierdialog

1.) Ursachen der Expedition nach Melos und Verfahrensfragen (5,84-86)

Athenienses cum Meliis colloqium habent

 

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Athenienses in expeditionem mittuntur Argos , ubi trecentos suspectos comprehendunt

(1) Insequentis aetatis initio Alcibiades cum viginti navibus Argos profectus trecentos Argivos, qui adhuc suspecti erant et cum Lacedaemoniis sentire videbantur, comprehendit, et deposuerunt eos Athenienses in proximis insulis, quibus imperabant;  ( 5, 84, 1) Τοῦ δ' ἐπιγιγνομένου θέρους Ἀλκιβιάδης τε πλεύσας ἐς  Ἄργος ναυσὶν εἴκοσιν Ἀργείων τοὺς δοκοῦντας ἔτι ὑπόπτους εἶναι καὶ τὰ Λακεδαιμονίων φρονεῖν ἔλαβε, τριακοσίους ἄνδρας, καὶ κατέθεντο αὐτοὺς Ἀθηναῖοι ἐς τὰς ἐγγὺς νήσους, ὧν ἦρχον·  (5,84,1) Im nächstfolgenden Sommer kam Alkibiades mit 20 Schiffen nach Argos und nahm hier diejenigen Argeier, welche noch verdächtig zu sein und es mit den Lakedämoniern zu halten schienen, fest; 300 an der Zahl, worauf die Athener sie auf den ihnen unterworfenen benachbarten Inseln in Verwahrung gaben. 
et adversus Melum insulam Athenienses navigaverunt cum triginta suis navibus et sex Chiis et duabus Lesbiis et cum militibus ex suis mille et ducentis gravis armaturae et trecentis sagittariis et viginti hippotoxotis, sociorum vero et illorum, qui insulas incolebant, ferme mille et quingentorum armatorum manu. καὶ ἐπὶ Μῆλον τὴν νῆσον Ἀθηναῖοι ἐστράτευσαν ναυσὶν ἑαυτῶν μὲν τριάκοντα, Χίαις δὲ ἕξ, Λεσβίαιν δὲ δυοῖν, καὶ ὁπλίταις ἑαυτῶν μὲν διακοσίοις καὶ χιλίοις καὶ τοξόταις τριακοσίοις καὶ ἱπποτοξόταις εἴκοσι, τῶν δὲ ξυμμάχων καὶ νησιωτῶν ὁπλίταις μάλιστα πεντακοσίοις καὶ χιλίοις.  Demnächst unternahmen die Athener einen Zug gegen die Insel Melos mit 30 eigenen, 6 chiischen und 2 lesbischen Schiffen, so wie mit 1200 Hopliten aus ihrer eigenen Bürgerschaft, 300 Bogenschützen zu Fuß und 20 zu Pferde, ebenso 1500 Hopliten von den Bundesgenossen, insbesondere denen auf den Inseln. 

Causae belli Atheniensium cum Meliis. Quod priusquam incipiunt Athenienses , legatos ad Melios mittunt.

(2) Sunt autem Melii Lacedaemoniorum coloni et Atheniensibus parere nolebant ut ceteri insularum incolae, sed initio quidem neutris partibus adiuncti quiescebant; postea vero, cum Athenienses eos cogerent agrum ipsorum vastantes, bellum aperte gerere coeperunt.  (2) οἱ δὲ Μήλιοι Λακεδαιμονίων μέν εἰσιν ἄποικοι, τῶν δ' Ἀθηναίων οὐκ ἤθελον ὑπακούειν ὥσπερ οἱ ἄλλοι νησιῶται, ἀλλὰ τὸ μὲν πρῶτον οὐδετέρων ὄντες ἡσύχαζον, ἔπειτα ὡς αὐτοὺς ἠνάγκαζον οἱ Ἀθηναῖοι δῃοῦντες τὴν γῆν, ἐς πόλεμον φανερὸν κατέστησαν. (2) Die Melier aber sind eine Kolonie der Lakedämonier und wollten sich nicht gleich den übrigen Inselbewohnern Athen unterwerfen, sondern blieben anfangs ruhig, indem sie sich zu keiner der beiden Parteien hielten; dann aber gerieten sie, da die Athener sie durch Verwüstung ihres Landes mit Gewalt zwingen wollten, in offenen Krieg. 
(3) Quum igitur Atheniensium duces Cleomedes Lycomedis et Tisias Tisimachi filius cum hoc apparatu castra in eorum agro posuissent, antequam ullo maleficio agrum afficerent, legatos primum ad colloquia habenda miserunt.  (3) στρατοπεδευσάμενοι οὖν ἐς τὴν γῆν αὐτῶν τῇ παρασκευῇ ταύτῃ οἱ στρατηγοὶ Κλεομήδης τε ὁ Λυκομήδους καὶ Τεισίας ὁ Τεισιμάχου, πρὶν ἀδικεῖν τι τῆς γῆς, λόγους πρῶτον ποιησομένους ἔπεμψαν πρέσβεις.  (3) Die Feldherrn Kleomedes, der Sohn des Lykomedes, und Teisias, der Sohn des Teisimachos, bezogen daher mit jener Truppenmacht ein Lager auf ihrer Insel. Bevor sie jedoch an ihrem Land eine Gewalt verübten, schickten sie zuvor Gesandte, welche mit ihnen in Unterhandlung treten sollten. 
Quos Melii ad populum quidem non produxerunt, sed apud magistratus et optimates ea dicere iubebant, quorum causa venissent. Atheniensium vero legati haec verba fecerunt.  οὓς οἱ Μήλιοι πρὸς μὲν τὸ πλῆθος οὐκ ἤγαγον, ἐν δὲ ταῖς ἀρχαῖς καὶ τοῖς ὀλίγοις λέγειν ἐκέλευον περὶ ὧν ἥκουσιν. οἱ δὲ τῶν Ἀθηναίων πρέσβεις ἔλεγον τοιάδε·  Die Melier ließen diese nicht vor das Volk, sondern befahlen ihnen vor den Behörden und den Oligarchen vorzutragen, weshalb sie gekommen seien. Die Gesandten der Athener sprachen hier folgendermaßen: 

Melii cum essent coloni Lacedaemoniorum nec populari imperio uterentur, legatos Atticos non ad populum sed ad magistratus suos et oligarchas produxerunt, quos legati veniam petunt singulatim, quae dicenda habeant, proponendi, illis eodem modo respondentibus.

(85) "Quoniam non apud populum verba a nobis fiunt, ne multitudo, si nos perpetua oratione utamur et verba ad animos alliciendos apta, et quae a nullo refelli queant, faciamus, nobi semel auditis decipiatur (intellegimus enim nos ad paucos eo consilio nunc a vobis abductos esse), vos igitur, qui estis in isto consessu, tutius etiam agite.  (85) "ἐπειδὴ οὐ πρὸς τὸ πλῆθος οἱ λόγοι γίγνονται, ὅπως δὴ μὴ ξυνεχεῖ ῥήσει οἱ πολλοὶ ἐπαγωγὰ καὶ ἀνέλεγκτα ἐσάπαξ ἀκούσαντες ἡμῶν ἀπατηθῶσιν [γιγνώσκομεν γὰρ ὅτι τοῦτο φρονεῖ ἡμῶν ἡ ἐς τοὺς ὀλίγους ἀγωγή], ὑμεῖς οἱ καθήμενοι ἔτι ἀσφαλέστερον ποιήσατε· (85) "Unsere Rede richtet sich nicht an das Volk, damit nicht die große Menge durch einen zusammenhängenden Vortrag, wenn sie ein für allemal von uns verlockende und unwiderlegliche Dinge hört, verführt werde; denn dies, denken wir, will das besagen, dass ihr uns vor eine oligarchische Versammlung führt. Wohl, so wählt ihr, die ihr hier versammelt seid, einen noch sichereren Weg: 
Singulatim enim et ne vos quidem perpetua oratione utentes, sed ut quidque non commode a nobis dici videbitur, continuo resondentes iudicate. Ac primum quidem declarate, placeatne facere, ut dicimus." καθ' ἕκαστον γὰρ καὶ μηδ' ὑμεῖς ἑνὶ λόγῳ, ἀλλὰ πρὸς τὸ μὴ δοκοῦν ἐπιτηδείως λέγεσθαι εὐθὺς ὑπολαμβάνοντες κρίνετε. καὶ πρῶτον εἰ ἀρέσκει ὡς λέγομεν εἴπατε." Entscheidet Punkt für Punkt, entscheidet auch ihr nicht in einer langen Rede, sondern nehmt, wenn euch etwas nicht angemessen scheint, was wir sagen, sogleich das Wort und sprecht darüber eure Ansicht aus. Zunächst nun sagt, ob ihr mit unserem Vorschlag einverstanden seid!

Meliis haec non aequa videntur esse disceptatio, sed vincente causa sua, quae iusta putant, bellum, victa autem servitutem sibi paratam esse dicunt.

 (86) Meliorum vero consessus respondit:
"Aequitas quidem inter se per otium docendi non vituperatur, sed bellum, quod iam praesens est et non futurum, ab hac re manifesto discrepat. Videmus enim et vos ipsos eorum, quae dicentur, iudices venisse, et huius  colloquii exitum, si, ut par est, iure quidem vobis superiores fuerimus et propterea vobis non cesserimus, bellum nobis allaturum, sie vero oboediamus, servitutem."
(86) οἱ δὲ τῶν Μηλίων ξύνεδροι ἀπεκρίναντο· 
"ἡ μὲν ἐπιείκεια τοῦ διδάσκειν καθ' ἡσυχίαν ἀλλήλους οὐ ψέγεται, τὰ δὲ τοῦ πολέμου παρόντα ἤδη καὶ οὐ μέλλοντα διαφέροντα αὐτοῦ φαίνεται. ὁρῶμεν γὰρ αὐτούς τε κριτὰς ἥκοντας ὑμᾶς τῶν λεχθησομένων καὶ τὴν τελευτὴν ἐξ αὐτοῦ κατὰ τὸ εἰκὸς περιγενομένοις μὲν τῷ δικαίῳ καὶ δι' αὐτὸ μὴ ἐνδοῦσι πόλεμον ἡμῖν φέρουσαν, πεισθεῖσι δὲ δουλείαν."
Die Abgeordneten der Melier erwiderten hierauf: 
"Gegen die Billigkeit des Vorschlags, uns einander in Ruhe zu belehren, lässt sich nichts einwenden; der Krieg aber, welcher bereits gegenwärtig ist und nicht aus der Ferne droht, steht damit offenbar in Widerspruch. Denn wir sehen, dass ihr selbst als Richter über das, was gesagt wir, da seid, und dass das Ende der Rede nach aller Wahrscheinlichkeit uns, wenn unsere gerechte Sache siegt und wir deshalb nicht nachgeben, Krieg, wenn wir aber nachgeben, Knechtschaft bringt. 

 

  1. Informieren Sie sich über die geographische Lage und den politischen Status von Melos vor 416 v.Chr. und seinen politischen Versuch, zwischen den beiden Machtblöcken Neutralität zu bewahren!
  2. Welche Gründe geben die Athener für ihre Expedition nach Melos an?
  3. Kann man auch diese angeblichen Gründe nach einer ἀληθεστάτη πρόφασις hinterfragen?
  4. Wie lassen sich auf grund der angegebenen Gründe und der unterstellten ἀληθεστάτη πρόφασις die Leitlinien der athenischen Außenpolitik bestimmen?
  5. Wir kann man die politische Situation definieren, die Thukydides am Beispiel Melos idealtypisch repräsentieren will?
    • Melos zeigt den kleinen und schwachen Staat, der vergeblich versucht, zwischen den Gravitationszentren zweier übermächtiger Blöcke eine neutrale, blockfreie Haltung einzunehmen; 
    • Blockfreiheit bedeutet in einem solchen Kräftefeld ein erhebliches Risiko für Sicherheit und Souveränität, weil ein militärisch unterlegener Staat auch politisch erpressbar wird.
  6. Welches Verhandlungsverfahren schlagen die Athener den Meliern vor?
    1. Welchen Sinn hat es, dass die athenischen Gesandten nicht vor der Volksversammlung auftreten dürfen? 
      • Thukydides kann daran den grundsätzlichen Gegensatz zwischen dem demokratischen Athen und dem oligarchisch ausgerichteten Sparta kennzeichnen. Melos repräsentiert insofern Sparta.
      • Die Athener machen so auf die demokratische Opposition (τὸ πλῆθος; οἱ πολλοὶ, 85) in Melos aufmerksam, deren Loyalität sich die Oligarchen keinesfalls sicher sein können, vor denen sie sich eher hüten müssen. 
    2. Was bezwecken die Athener ihrerseits mit ihrem Vorschlag zur Verhandlungsführung?
      • Sie kommen den Meliern scheinbar entgegen und demonstrieren so Ihre Souveränität und die Überlegenheit Ihres Standpunktes: Sie werden in ihren Absichten nicht scheitern, selbst wenn sie den Meliern das größt mögliche Maß an Sicherheit bieten. 
      • Sie demonstrieren in der Form der Verhandlungsführung die oligarchische Struktur der melischen Politik, wo Politik an dem Volk und seinen Interessen vorbei gemacht wird. Die zusammenhängende Rede (ξυνεχὴς ῥῆσις, 85)  vor der Volksversammlung wäre die genuine Form einer demokratischen Politik gewesen.
      • Sie zeigen ihre rhetorische Überlegenheit, die sie nicht auf die Form der Rede angewiesen sein lässt, sondern ihnen auch die Form der Debatte als Möglichkeit anbietet. 
  7. Was haben die Melier an dem scheinbar so entgegenkommenden Verhandlungsangebot der Athener auszusetzen?
    • Das Positivum des Verfahrens erkennen sie durchaus; es ist die ἐπιείκεια τοῦ διδάσκειν καθ' ἡσυχίαν ἀλλήλους
    • Aber den  Athenern geht es nicht um ein διδάσκειν καθ' ἡσυχίαν ἀλλήλους; sie führen die Debatte nicht mit offenem Ausgang. Das Ergebnis ist nicht nur im politischen Willen der Athener vorweggenommen, sondern durch die Präsenz der militärischen Macht faktisch erzwungen. Sie ist eine Scheindebatte und dient nicht dem Zweck demokratischer Willensbildung. Sie wird als letzte Waffe im kalten Krieg eingesetzt, um angeblich den anderen, eher aber sich selbst vor den Verlusten des heißen Krieges zu bewahren. 
    • Eine echte Debatte (Diskurs) hätte repressionsfrei unter gleichwertigen Partner stattfinden müssen.
      • gleichwertig sind die Partner hier nicht, weil die Athener als Richter über die Melier auftreten (ὁρῶμεν γὰρ αὐτούς τε κριτὰς ἥκοντας ὑμᾶς τῶν λεχθησομένων, 86),
      • repressionsfrei ist der Diskurs nicht, weil Athen seine Armee hat aufmarschieren lassen. 
    • Die Melier sehen die ihnen verbleibende Wahlmöglichkeit deutlich: 
      • entweder sie fügen sich und verlieren ihre Autonomie (πεισθεῖσι - δουλείαν)
      • oder sie widersetzen sich unter Berufung auf ihr überlegenes Recht und riskieren in einem Krieg ihre Existenz (περιγενομένοις μὲν τῷ δικαίῳ -  πόλεμον)

       
 
Quellen und Materialien
Sententiae excerptae:
w43
Literatur:
2469  Deininger, Georg
Der Melier-Dialog ; (Thuk. V 85-113)
Erlangen-Bruck: Krahl, 1939
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