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| Belege des Suchbegriffs aus ausgewählten Texten (vollständig: Caes.Gall., Cic.Arch., Cic.S.Rosc., Cic.Lael.) |
| At Catilina ex itinere plerisque consularibus, praeterea optumo quoique litteras mittit: se falsis criminibus circumventum, quoniam factioni inimicorum resistere nequiverit, fortunae cedere, Massiliam in exilium proficisci, non quo sibi tanti sceleris conscius esset, sed uti res publica quieta foret neve ex sua contentione seditio oreretur. Sall.Cat.34,2 | Catilina aber sandte von unterwegs an die meisten Konsularen und außerdem an alle herausragenden Mitglieder der Aristokratie schriftliche Erklärungen: er sei von einem Gewebe falscher Beschuldigungen umgarnt; weil er sich unfähig gefühlt habe, der Meute seiner Feinden die Stirn zu bieten, weiche er der Notwendigkeit und gehe nach Massilia in die Verbannung; nicht als fühle er sich eines so schweren Verbrechens schuldig, sondern damit der Staat ruhig bleibe und nicht aus seinem Privatstreit eine Empörung entstehe. |
| nam si digna poena pro factis eorum reperitur, novom consilium adprobo; sin magnitudo sceleris omnium ingenia exuperat, his utendum censeo, quae legibus conparata sunt. Sall.Cat.51,8 | Wenn sich nämlich eine ihren Taten entsprechende Strafe finden lässt, so heiße ich eine außerordentliche Maßregel gut; wenn aber die Größe ihres Verbrechens alles Denken übersteigt, so stimme ich dafür die Strafe zu verhängen, die durch die Gesetze geboten ist. |
| an quia gravius est verberari quam necari? quid autem acerbum aut nimis grave est in homines tanti facinoris convictos? Sall.Cat.51,23 | Vielleicht weil Geißelung schmerzlicher ist als Tötung? Kann denn gegen Leute, die eines so schweren Verbrechens überführt sind, von Schmerzhaftem oder gar zu Hartem die Rede sein? |
| Tu, Iuppiter, qui isdem, quibus haec urbs auspiciis a Romulo es constitutus, quem Statorem huius urbis atque imperi vere nominamus, hunc et huius socios a tuis ceterisque templis, a tectis urbis ac moenibus, a vita fortunisque civium omnium arcebis et homines bonorum inimicos, hostis patriae, latrones Italiae scelerum foedere inter se ac nefaria societate coniunctos aeternis suppliciis vivos mortuosque mactabis. Cic.Catil.1,33 | Dann wirst du, Iupiter, dessen Bild unter der selben heilbedeutenden Weihe wie diese Stadt von Romulus aufgerichtet wurde, du, den wir mit Recht den Erhalter dieser Stadt und des Reiches nennen, diesen Menschen und seine Genossen von deinen Altären und anderen geweihten Plätzen, von den Wohnungen und Mauern der Stadt, vom Leben und Vermögen aller Bürger fernhalten und alle Hasser der Gutgesinnten, die Feinde des Vaterlandes, die Räuber Italiens, die durch einen Bund des Verbrechens und eine fluchwürdige Gemeinschaft unter sich vereint sind, mit ewigen Strafen im Leben und im Tod in reichem Maße heimsuchen. |
| ita loqui homines: quod iudicia tam diu facta non essent, condemnari eum oportere, qui primus in iudicium adductus esset; huic autempatronos propter Chrysogoni gratiam defuturos; de bonorum venditione et de ista societate verbum esse facturum neminem; ipso nomine parricidi et atrocitate criminis fore, ut hic nullo negotio tolleretur, cum ab nullo defensus esset. Cic.S.Rosc.28.b | Es sagten daher diese Leute, weil so lange kein Gericht gehalten worden sei, müsse man den, der zuerst vor Gericht gestellt werde, verurteilen. Diesem aber werde es wegen der Gunst des Chrysogonus an Beschützern fehlen; den Güterverkauf und jene Genossenschaft werde wohl niemand erwähnen; schon das Wort Vatermord und das Empörende des vorgeworfenen Verbrechens werde es möglich machen, diesen, da er von niemandem verteidigt werde, ohne Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. |
| quid ab his tot maleficiis sceleris abesse videtur? tamen haec aliis nefariis cumulant atque adaugent, crimen incredibile confingunt, testis in hunc et accusatores huiusce pecunia comparant; Cic.S.Rosc.30.b | Sollte man denken, dass die Missetaten des Verbrechens noch höher getrieben werden könnten? Und doch erhöhen und krönen sie diese noch durch andere Frevel: sie erdichten ein unglaubliches Verbrechen; Zeugen und Ankläger dingen sie gegen diesen mit seinem eigenen Geld; |
| criminis confictionem accusator Erucius suscepit, audaciae partis Roscii sibi poposcerunt, Chrysogonus autem, is qui plurimum potest, potentia pugnat. Cic.S.Rosc.35.b | Die Erdichtung des angeschuldigten Verbrechens hat als Ankläger Erucius übernommen; die Rolle der Dreistigkeit haben die Roscier sich zugeteilt; Chrysogonus, der so großen Einfluss hat, besitzt die Waffe der Macht. |
| tametsi te dicere atque enumerare causas omnis oportebat, et id erat certi accusatoris officium, qui tanti sceleris argueret, explicare omnia vitia ac peccata fili, quibus incensus parens potuerit animum inducere, ut naturam ipsam vinceret, ut amorem illum penitus insitum eiceret ex animo, ut denique patrem esse sese oblivisceretur; quae sine magnis huiusce peccatis accidere potuisse non arbitror. Cic.S.Rosc.53.c | Gleichwohl hättest du auch alle Ursachen angeben und aufzählen sollen, und es wäre die Pflicht eines glaubwürdigen Anklägers, der eines so großen Verbrechens beschuldigte, alle Fehler und Vergehen des Sohnes zu entwickeln, durch die der Vater gereizt wurde und auf den Gedanken kommen konnte, das Naturgefühl selbst zu unterdrücken, die tief eingepflanzte Liebe aus seiner Brust zu verbannen, kurz zu vergessen, dass er Vater ist, was, wie ich glaube, ohne große Vergehen dieses Mannes nicht der Fall sein konnte. |
| haec cum sint omnia, tamen exstent oportet expressa sceleris vestigia, ubi, qua ratione, per quos, quo tempore maleficium sit admissum. quae nisi multa et manifesta sunt, profecto res tam scelesta, tam atrox, tam nefaria credi non potest. Cic.S.Rosc.62.d | Und wenn das alles auch da ist, so müssen doch noch ausdrückliche Spuren des Verbrechens vorhanden sein, wo, auf welche Weise, durch wen und zu welcher Zeit der Frevel vollzogen wurde. Wenn diese nicht zahlreich und offenbar sind, so kann wahrhaftig eine so frevelhafte, abscheuliche und ruchlose Tat nicht als glaubwürdig erscheinen. |
| tanti malefici crimen, cui maleficio tam insigne supplicium est constitutum, probare te, Eruci, censes posse talibus viris, si ne causam quidem malefici protuleris? Cic.S.Rosc.72.c | Glaubst du, Erucius, die Anschuldigung eines solchen Verbrechens, für das eine so ausgezeichnete Strafe bestimmt ist, vor solchen Männern beweisen zu können, wenn du nicht einmal die Ursache des Verbrechens anzuführen weißt? |
| ubi eos convenit? qui conlocutus est? quo modo persuasit? 'pretium dedit'; cui dedit? per quem dedit? unde aut quantum dedit?nonne his vestigiis ad caput malefici perveniri solet? Cic.S.Rosc.74.b | Wo ist er mit ihnen zusammengekommen? Mit wem hat er gesprochen? Wie hat er sie dazu überredet? Hat er Geld gegeben? Wem hat er es gegeben? Durch wen? Von wem hat er es und wie viel gab er? Pflegt man nicht durch solche Spuren auf den Ursprung eines Verbrechens zurückgeleitet zu werden? |
| cum Ameriae Sex. Rosci domus, uxor liberique essent, cum tot propinqui cognatique optime convenientes, qua ratione factum est, ut iste tuus cliens, sceleris tui nuntius, T. Roscio Capitoni potissimum nuntiaret? Cic.S.Rosc.96.g | Da in Ameria das Haus, die Gattin, die Kinder des Sextus Roscius und so viele seiner Angehörigen und Verwandten waren, die mit ihm in bestem Einverständnis lebten, wie kam es, dass dieser dein Schützling, der Verkünder deines Verbrechens, es gerade dem Titus Roscius Capito meldete? |
| responde, Blaese, ubi cadaver abieceris: ne hostes quidem sepultura invident. cum osculis, cum lacrimis dolorem meum implevero, me quoque trucidari iube, dum interfectos nullum ob scelus, sed quia utilitati legionum consulebamus, hi sepeliant.' Tac.ann.1,22,2. | Antworte, Blaesus, in welchen Winkel hast du den Leichnam geworfen? Selbst dem Feind versagt man das Grab nicht. Wenn ich mit Küssen, mit Tränen meinem Schmerz genügt habe, dann lass auch mich hinwürgern! Nur möge, da wir nicht wegen seines Verbrechens, sondern in Sorge um das Wohl der Legionen den Tod fanden, Kameradenhand uns bestatten. |
| Haec vulgo iactata super id, quod nullo auctore certo firmantur, prompte refutaveris. quis enim mediocri prudentia, nedum Tiberius tantis rebus exercitus, inaudito filio exitium offerret, idque sua manu et nullo ad paenitendum regressu? quin potius ministrum veneni excruciaret, auctorem exquireret, insita denique etiam in extraneos cunctatione et mora adversum unicum et nullius ante flagitii compertum uteretur? Tac.ann.4,11,1. | Dieses allgemein verbreitete Gerücht lässt sich abgesehen davon, dass es keinen sicheren Gewährsmann für sich hat, leicht widerlegen. Denn welcher einigermaßen besonnene Mensch, ganz zu schweigen von dem durch eine so große Schule gegangenen Tiberius, würde dem Sohn, ohne ihn zu hören, den Tod darreichen, und dies mit eigener Hand, ohne jede Möglichkeit zur Reue? Warum hätte er nicht viel eher den, von dessen Hand der Giftbecher kam, foltern, nach dem Angeber forschen und die zaudernde Bedenklichkeit, die ihm sogar gegen Fremde eigen war, auch gegen den einzigen Sohn anwenden sollen, den er zuvor keines Verbrechens schuldig befundenen hatte? |
| sed quia Seianus facinorum omnium repertor habebatur, ex nimia caritate in eum Caesaris et ceterorum in utrumque odio quamvis fabulosa et immania credebantur, atrociore semper fama erga dominantium exitus. ordo alioqui sceleris per Apicatam Seiani proditus tormentis Eudemi ac Lygdi patefactus est. neque quisquam scriptor tam infensus extitit, ut Tiberio obiectaret, cum omnia alia conquirerent intenderentque. Tac.ann.4,11,2. | Aber weil Seianus als unerschöpflicher Quell aller möglichen Untaten galt, schenkte man bei des Kaisers übergroßer Liebe zu ihm und bei dem Hass aller anderen gegen die beiden auch den fabelhaftesten und unnatürlichsten Dingen Glauben; immer übertreibt ja das Gerede beim Tod der Machthaber ins Grässliche. Überdies wurde der Hergang des Verbrechens durch des Seianus Gattin Apicata verraten und durch Folterung des Eudemus und Lygdus ans volle Licht gezogen. Auch ist kein Geschichtsschreiber aufgetreten, der gegen Tiberius so feindselig gewesen wäre, ihm solches zur Last zu legen, während sie sonst alles gegen ihn aufsuchten und aufbauschten. |
| multos secreta Poppaeae mathematicos, pessimum principalis matrimonii instrumentum, habuerant: e quibus Ptolemaeus Othoni in Hispania comes, cum superfuturum eum Neroni promisisset, postquam ex eventu fides, coniectura iam et rumore senium Galbae et iuventam Othonis computantium persuaserat fore, ut in imperium adscisceretur. sed Otho tamquam peritia et monitu fatorum praedicta accipiebat, cupidine ingenii humani libentius obscura credendi. nec deerat Ptolemaeus, iam et sceleris instinctor, ad quod facillime ab eius modi voto transitur. Tac.hist.1,22,2. | Die Geheimnisse der Poppaea hatten viele Astrologen, die schlimmsten Werkzeuge der fürstlichen Ehe, beschäftigt. Einer von ihnen, Ptolemaeus, Othos Begleiter in Hispanien, hatte ihm verheißen, er werde Nero überleben und, als der Erfolg ihm Glauben erwarb, auf die Mutmaßung und das Gerede derer hin, die Galbas Alter und Othos Jugend in Rechnung stellten, ihn überredet, er werde zur Thronfolge berufen werden. Otho jedoch nahm es als Vorhersage eines Kundigen an, die sich auf Winke des Schicksals gründe, wie es für den menschlichen Geist einen besonderen Reiz hat, das Rätselhafte zu glauben. Ptolemaeus ließ nicht ab und wurde bald der Anstifter des Verbrechens, wozu von solchem Wunsch der Übergang sehr leicht ist. |