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(I)
Vorkonventlonelle Ebene
Auf dieser Ebene reagiert
das Kind bereits auf kulturelle Regeln und Maßstäbe
von "gut" und "böse", "recht"
oder "unrecht"; doch es versteht diese Maßstäbe
im Sinne der physischen oder lustbetonten Konsequenzen der Handlung
(Bestrafung, Belohnung, Austausch von Vorteilen) oder im Sinne
der physischen Macht der Personen, die die Regeln und Maßstäbe
zur Geltung bringen (Eltern, Lehrer usw.). |
Stufe
1: Die Orientierung an Strafe und Gehorsam
Die physischen Konsequenzen der Handlung bestimmen
ihr Gut- oder Bösesein ohne Rücksicht auf den menschlichen
Sinn oder Wert dieser Konsequenzen. Vermeidung von Strafe
und fragloses Nachgeben gegenüber der Macht werden als
Selbstzweck bewertet und nicht etwa im Sinne des Respekts
vor der moralischen Ordnung, die durch Strafe und Autorität
gestützt wird (die letztere Orientierung gehört
zu Stufe 4). |
Stufe
2: Die instrumentell-relativistische Orientierung
Rechthandeln besteht in der Handlung, die die eigenen
Bedürfnisse und gelegentlich die von anderen als Mittel
(instrumentell) befriedigt. Die menschlichen Beziehungen werden
im Sinne von Austauschbeziehungen des Marktes verstanden.
Elemente von Fairneß, Gegenseitigkeit und Gleichheit
des Teilens sind vorhanden, doch sie werden stets in physisch-pragmatischer
Weise verstanden. Gegenseitigkeit ist eine Angelegenheit des
"Kratz du meinen Rücken, dann kratz ich dir deinen",
nicht aber der Loyalität, Dankbarkeit und Gerechtigkeit. |
(II)
Konventionelle Ebene
Auf dieser Ebene wird
das Erfüllen der Erwartungen der eigenen Familie, Gruppe
oder Nation als Selbstzweck gewertet, ohne Rücksicht
auf unmittelbare und offensichtliche Konsequenzen. Die Einstellung
ist nicht nur bestimmt durch Konformität [Anpassung]
gegenüber persönlichen Erwartungen und gesellschaftlicher
Ordnung, sondern durch Loyalität, aktive Aufrechterhaltung,
Unterstützung und Rechtfertigung der Ordnung und Identifikation
mit den Personen oder der Gruppe, die als Träger der
Ordnung auftreten. |
Stufe
3: Die interpersonale Konkordanz- oder "good boy
- nice girl"-Orientierung
Gutes Verhalten ist das, was anderen gefällt
oder ihnen hilft und von ihnen gebilligt wird. Es herrscht
weitgehende Konformität gegenüber stereotypen Vorstellungen
vom "natürlichen" oder Mehrheitsverhalten.
Es wird außerdem häufig aufgrund der zugehörigen
Intention beurteilt - die Formel "Er meint es gut"
wird zum ersten Mal wichtig. Man gewinnt die Zustimmung der
anderen durch Nett-Sein ("being nice"). |
Stufe
4: Die Orientierung an "Gesetz und Ordnung"
Auf dieser Stufe herrscht die Orientierung an Autorität,
fixierten Regeln und an derAufrechterhaltung der sozialen
Ordnung. Das rechte Verhalten besteht darin, dass man seine
Pflicht tut, Respekt vor der Autorität zeigt und die
gegebene soziale Ordnung um ihrer selbst willen aufrechterhält. |
(III)
Nachkonventionelle Ebene
Auf dieser Ebene herrscht
ein deutliches Bemühen, moralische Werte und Prinzipien
zu bestimmen, die unabhängig von der Autorität der
Gruppen und Personen, die diese Prinzipien vertreten, und
unabhängig von der Identifikation des Individuums mit
diesen Gruppen gültig sind und Anwendung finden. |
Stufe
5: Die legalistische Orientierung am Sozialvertrag
Rechthandeln wird bestimmt im Sinne allgemeiner Individualrechte
und im Sinne von Maßstäben, die von der gesamten
Gesellschaft kritisch überprüft und akzeptiert worden
sind. Es herrscht ein deutliches Bewußtsein der Relativität
persönlicher Wertungen und Meinungen und eine entsprechende
Forderung nach Regeln für Verfahren der Konsensbildung
[übereinstimmende Meinungsbildung]. Sofern das Rechte
nicht auf verfassungsmäßiger und demokratischer
Übereinkunft beruht, ist es eine Angelegenheit persönlicher
"Werte" und "Ansichten". Daraus ergibt
sich eine Betonung des "rechtlichen Standpunkts"
("legal point of view") aber unter Berücksichtigung
der Möglichkeit, das Recht im Sinne vernünftiger
Erwägungen des gesellschaftlichen Nutzens zu ändern
(jedenfalls eher, als es im Sinne der Formel "Gesetz
und Ordnung" von Stufe 4 einzufrieren). Abgesehen vom
rechtlichen Bereich sind freie Übereinkunft und Vertrag
das verbindliche Element der Verpflichtung. Dies ist die "offizielle"
Moral der amerikanischen Regierung und Verfassung. |
Stufe
6: Die Orientierung am universalen ethischen Prinzip
Das Rechte wird bestimmt aufgrund der Gewissensentscheidung
im Einklang mit selbstgewählten ethischen Prinzipien,
die sich auf logischen Zusammenhang, Universalität und
logische Widerspruchslosigkeit berufen. Diese Prinzipien sind
abstrakt und ethisch (wie beispielsweise der kategorische
Imperativ KANTS); es handelt sich nicht um konkrete moralische
Regeln wie die Zehn Gebote. Im Kern geht es um universale
Prinzipien der Gerechtigkeit, der Gegenseitigkeit (Reziprozität)
und Gleichheit menschlicher Rechte sowie der Achtung
vor der Würde der Menschen als individueller Personen. |
- Als
Interpretationsgrundlage für Polybios VI 6
- http://www.xenodochy.org/ex/lists/moraldev.html
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