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Differenzierungen zum Begriff der Gerechtigkeit

Zweiteilung bei Aristoteles (Nik.Eth V) und Ulpian, Dig. 10: "honeste vivere, alterum non laedere, suum cuique tribuere".
  1. ausgleichende (arithmetische) Gerechtigkeit (iustitia commutativa): Regelung der Bezüge zwischen den einzelnen Bürgern.Vollständiger Schadenersatz (Mengenausgleich) [das Prinzip des "strengen Rechts"].
  2. austeilende (geometrische)  Gerechtigkeit (iustitia distributiva): Verhältnismäßige Zuteilung nach Würde, Fähigkeit,... [das Prinzip der Billigkeit]
Die Gerechtigkeitsvorstellungen einer Gesellschaft sind (entsprechend ihrer differenzierten Struktur: Alter, Schicht, Geschlecht, Mobilität) heterogen. In der Hauptsache zwei Typen:
  1. "Politikgerechtigkeit": "egalitärer Etatismus": eine hauptsächlich vom Staat zu realisierende Angleichung der Lebenschancen.
    Drei verschiedene Normen gerechter Zuteilung:
    1. Leistungsgerechtigkeit: Die Verteilung knapper Ressourcen ("des Kuchens") erfolgt nach dem Prinzip: "Wer mehr leistet, soll auch mehr erhalten".
    2. Bedarfsgerechtigkeit: Die Verteilung knapper Ressourcen ("des Kuchens") erfolgt nach einer gesellschaftlich anerkannten Bedarfsfeststellung.
    3. Funktionalistische (produktivistische) Gerechtigkeit: Soziale Ungleichheiten (Lohnverzicht, Verringerung von Sozialkosten,...) sind "gerecht", wenn sie gesamtgesellschaftlich (längerfristig) nutzen. Es geht nicht um die Verteilung, sondern um die Vergrößerung des Kuchens.
  2. "Marktgerechtigkeit": "marktbasierter Individualismus": Die Ergebnisse des freien und individuellen Handelns von Marktteilnehmern gelten als gerecht.
Literatur:
  1. L. Leisering: Eine Frage der Gerechtigkeit. Armut und Reichtum in Deutschland, in: Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament", B 18/99, 30. Apr. 1999, S. 9-17
  2. J. Pieper: Über die Gerechtigkeit, München 1953
Sententiae excerptae:
w31
2
Ab alio expectes, alteri quod feceris.
Erwart vom andern, was du dem andern zugefügt. (Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu!)
Publil.Syr.A2

1267
Aequum atque iniquum regis imperium feras.
Ertrage die gerechte und auch die ungerechte Herrschaft eines Königs!
Sen.Med.195

1025
Alii sementem faciunt, alii metunt.
Der eine sät, der andere erntet.
vulgo (Erasmus adag.1,5,32)

1385
Altera tantum parte audita condemnare.
Nach dem Anhören nur einer Seite verurteilen.
Sen.apocol.14,2

28
audiatur et altera pars
auch die Gegenseite soll gehört werden
*Sen.Med.199

1550
Aurum auro expendetur, argentum argento exaequabitur.
Gold wird man mit Gold aufwiegen, Silber mit gleichem Silberwert.
Plaut.Rud.1087

1065
Bos hic non comedat, qui iam iuga ferre recusat.
Der Ochse, der sich weigert, das Joch zu tragen, soll auch nicht fresse. (Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.)
vulgo

2018
Deus non vult aut non potest opitulari suis; ita aut invalidus aut iniquus est!
Gott will oder kann seinen Anhängern nicht helfen: so ist er entweder ohnmächtig oder ungerecht
Min.Fel.12,2

1021
Dulcia non meruit, qui non gustavit amara.
Wer nicht geschmeckt hat Bitterkeit, verdient auch keine Süßigkeit.
vulgo

1938
Ego tibi pro ansere struthocamelum reddam.
Ich gebe dir für deine Gans einen Strauß zurück.
Petron.137,4

1999
egomet mi ignosco
Mir schenke ich Verzeihung
Hor.sat.1,3,23.

1595
Natura aequum iustumque composuit.
Die Natur hat Billigkeit und Gerechtigkeit gegründet.
Sen.epist.95,52

1579
Publice iubentur vetata privatim.
Was im Privatleben verboten ist, wird von Staats wegen geboten.
Sen.epist.95,30

1717
Redeunt Saturnia regna.
Es kehrt Saturnus' Regierung.
Verg.ecl.4,6

1801
Sera, tamen tacitis Poena venit pedibus.
Oft kommt auch spät noch die Strafe auf leisen Sohlen.
Tib.1,9,4

1803
Sera, tamen tacitis Poena venit pedibus.
Oft kommt auch spät noch die Strafe auf leisen Sohlen.
Tib.1,9,4

1318
Veneranda enim sunt iustitia, pietas, fides, fortitudo, prudentia.
Ehrwürdig sind Treue, Gerechtigkeit, Dankbarkeit, Mut, Klugheit.
Sen.epist.92,19


Literatur:
12 Fund(e)
1563
Balot, R.
Aristotle"s cititque of Phaleas: Justice, Equality, and Pleonexia
in: Herm.129/2001, 99

3410
Balot, Ryan
Aristotle"s cititque of Phaleas: Justice, Equality, and Pleonexia
in: Herm. 129/2001, 32

1474
Engisch, K.
Auf der Suche nach der Gerechtigkeit. Hauptthemen der Rechtsphilosophie
München (Piper) 1971

44
Friedrich, W.H.
Tod des Tyrannen. Poetische Gerechtigkeit.. (Geschichtschreibung, Herodot)
in: AuA 18/1972,97

3491
Hueber, Walter
Gerechtigkeitskonzeptionen bei Homer und Hesiod
1986

538
Johann, H.-T. (Hg.)
Gerechtigkeit und Nutzen. Studien zur ciceronischen und hellenistischen Naturrechts- und Staatslehre
Heidelberg (Winter) 1981

4417
Kerber, W. / Westermann, C. / Spörlein, B.
Gerechtigkeit
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.17, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981

3169
Klingner, Friedrich
Römische Geisteswelt
München, Ellermann, 5/1965

3492
Laumann, Wolfgang
Die Gerechtigkeit der Götter in der Odyssee, bei Hesiod und bei den Lyrikern
Rheinfelden, Schäuble, 1988

4426
Schwan, A.
Legitimation
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.27, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1982

1496
Seeck, Gustav Adolf
Nicht-Denkfehler und natürliche Sprache bei Platon. Gerechtigkeit und Frömmigkeit in Platons Protagoras
München (Beck) 1997 (Zetemata 96 )

3506
Wismann, Heinz
Der Begriff des Gesetzes bei Hesiod und den Vorsokratikern
in: Gesetz und Gesetzlichkeit in den Wissenschaften (2006), S.1-10

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