F.) Regeln

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  1. Zur Formenlehre:
    1. Kontraktion der e - Stämme
      1. Die Verba vocalia, deren Wortstock auf ε ausgeht, kontrahieren in allen Formen des Präsensstammes dieses ε mit dem folgenden Themavokal
      2. Merkregel:
        unkontrahiert
        kontrahiert
        ε + ε —>
        ει
        ε + ο —>
        ου
        sonst verschwindet ε (im Nu).
      3. Im Optativ Aktiv verwenden die verba contracta im Singular in der Regel das Moduskennzeichen -ιη- statt -ι- (Die Nebenformen mit -ι- sind in der Grammatiktabelle wiedergegeben). Dies ergibt veränderte Ausgänge:
         
        Ausgänge
        Formen
        1. Sgl.
        -οιμι —> -οίην
        ποιομι —> ποιοίη-ν
        2. Sgl.
        οις —> -οίης
        ποιος —> ποιοίη-ς
        3. Sgl.
        οι —> -οίη
        ποιο —> ποιοίη
      4. Als unkontrahierte Form des Infinitivs ist nicht ποιέ-ειν, sondern ποιέ-εν zu denken.
  2. Zum Satzbau (Syntax):
    1. Kasuslehre:
      1. οὐ σοὶ φθονῶ - ich beneide dich nicht
        1. Bei φθονῶ steht wie bei anderen intransitiven Verben der Dativ des entfernteren Objekts (εὔχομαι L.24; ὀνειδίζω L.34)
      2. ὠφελῶ τοὺς πένητας - ich nütze (helfe) den Armen; ich fördere (unterstütze) die Armen.
        ἀδικῶ τοὺς ἀνθρώπους - ich tue den Menschen Unrecht
        1. Der Akk. des äußeren Objekts steht bei Verben des Nützens und Schadens Verweis auf die Grammatik. Sie sind also abweichend von ihrer deutschen Bedeuung im Griechischen transitiv. So auch βλάπτω (L.11), κακῶς λέγω (L.11; L26).
      3. οἱ πένητες ὠφελοῦνται - man nützt (hilft) den Armen; die Armen werden gefördert (unterstützt).
        οἱ ἄνθρωποι ἀδικοῦνται - den Menschen wird Unrecht getan (man tut den Menschen Unrecht)
        1. Nur transitive Verben bilden im Griechischen und im Deutschen ein persönliches Passiv (ich, du...), intransitive Verben bilden ein unpersönliches Passiv (es, man).
      4. τοῦ δεξιοῦ κέρως ἡγεῖσθαι - den rechten Flügel führen
        1. Der Genitivus obiectivus Verweis auf die Grammatik steht nach Ausdrücken der Machtausübung. Vgl. L.15, L.17, L.44, L.46.
    2. Modi im Hauptsatz:
      1. εὐτυχοίης καὶ μὴ νοσοίης - du mögest glücklich und nicht krank sein! (Ach dass du... bist; hoffentlich bist du...!)
        1. Der erfüllbar gedachte Wunsch steht mit Optativ (ohne ἄν!) [cupitivus]. Die Negation ist μή. (L.36; L.43)
    3. Modi im Nebensatz:
      1. Indirekte Frage:
        1. ἀποροῦμεν, τί ποιῶμεν - wir wissen nicht, was wir tun sollen
          1. τί ποιῶμεν ist eine indirekte dubitative (deliberative) Frage. Vgl. L.30,
        2. συνεβουλεύετο, πῶς ἂν τὴν μάχην ἄριστα ποιοῖτο - er beriet sich, wie er die Schlacht wohl am besten gestalten könne
          1. πῶς ἂν ποιοῖτο ist eine indirekte potentiale Frage. Vgl. L.36, L.37, L.42, L.43
          2. πῶς ποιοῖτο wäre (ohne ἂν!) eine indirekte dubitative (deliberative) Frage mit Optativus obliquus nach Nebentampus: "wie er die Schlacht gestalten solle". Vgl. L.43
      2. Finalsatz
        1. Im Finalsatz heißt (ἵνα) μή - damit nicht. Aber nach Ausdrücken der Furcht heißt μή - dass, μὴ οὐ - dass nicht. Das Prädikat steht im Konjunktiv oder im Optativus obliquus.
          1. μὴ φθόνει, μὴ κακὸς δοκῇς - sei nicht neidisch, damit du nicht schlecht erscheinst. Aber:
          2. φοβοῦμαι, μὴ ἀδικῇς - ich fürchte, dass du Unrecht tust.
          3. φοβοῦμαι, μὴ οὐ μάχηται - ich fürchte, dass er nicht kämpft.
          4. ἐφοβεῖτο, μὴ οὐ μάχοιτο - er fürchtete, dass er nicht kämpf(t)e.
      3. Konditionalsatz
        1. als Iterativus der Gegenwart (vgl. L.31, L.36, L.41):
          1. μὴ μέγα φρονεῖτε, ἐὰν εὐτυχῆτε - prahlt nicht (nie), wenn (sooft) ihr glücklich seid.
        2. als Futuralis (Vgl. L.16, L.24, L.31, L.32, L.36, L.41;):
          1. ἐὰν ὑμεῖς ἡγῆσθε, νικήσομεν - wenn ihr führt, werden wir siegen.