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Werden  -  γένεσις
Zentrale Begriffe aus dem Bereich der griechischen Sprache und Geistesgeschichte

 

Werden  -  γένεσις
 
  1. Plat.Tim.27d-28a 
  2. Aristot.Met.1032a12-1032a27
Vergleiche:
Nach dem Lemma bei Liddell-Scott-Jones
γένεσις

.

Plat.Tim.27d-28a: Timaios beginnt zu Beginn seiner Rede
Die platonische Zweiteilung (Chorismos - χωρισμός) in eine intellegible Welt des Seins und eine nur vorstellbare Welt des Werdens kann man wohl kaum prägnanter vortragen, als dies Timaios zu Beginn seiner Rede tut. Außerdem stellt er fest, dass es in der Werdewelt keinen Entwicklungsprozess ohne Ursache (αἴτιον) geben kann. 
     Ἔστιν οὖν δὴ κατ' ἐμὴν δόξαν πρῶτον διαιρετέον τάδε· τί τὸ ὂν ἀεί, γένεσιν δὲ οὐκ ἔχον, καὶ τί τὸ γιγνόμενον μὲν ἀεί, ὂν δὲ οὐδέποτε; τὸ μὲν δὴ νοήσει μετὰ λόγου περιληπτόν, ἀεὶ κατὰ ταὐτὰ ὄν, τὸ δ' αὖ δόξῃ μετ' αἰσθήσεως ἀλόγου δοξαστόν, γιγνόμενον καὶ ἀπολλύμενον, ὄντως δὲ οὐδέποτε ὄν. πᾶν δὲ αὖ τὸ γιγνόμενον ὑπ' αἰτίου τινὸς ἐξ ἀνάγκης γίγνεσθαι· παντὶ γὰρ ἀδύνατον χωρὶς αἰτίου γένεσιν σχεῖν.    Meines Erachtens müssen wir nun zunächst folgendes unterscheiden: Was ist das, was ständig ist und keine Entstehung hat, und was ist das, was ständig wird, aber niemals ist? das eine wird im Denken mit der Vernunft fassbar, weil es immer es selbst bleibt, das andere wird wird mit vernunftfreier Wahrnehmung vorstellbar, weil es wird und vergeht, aber niemals seiend ist. Alles aber, was entsteht, entsteht notwendigerweise aus einer Ursache; denn nichts kann ohne Ursache Entstehung erlangen. 

Aristoteles bezeichnet mit οὐσία nicht wie Platon etwas von den Dingen substantiell Verschiedenes, sondern jede Einzelsubstanz die ihr τέλος realisiert hat. g¡nesiw und οὐσία sind also keine zwei durch einen χωρισμός getrennte Welten, sondern γένεσις ist der "Samen" für oder der "Weg" zur οὐσία:  γένεσις μὲν τὸ σπέρμα, οὐσία δὲ τὸ τέλος Aristot.PA 641b32; ὁδὸς εἰς οὐσίαν Aristot. Met. 1003b7

 

Aristot.Met.1032a12-1032a27 
Drei Arten des Werdens: a) φύσει, b) τέχνῃ, g) ἀπὸ ταὐτομάτου. [Der Zusammenhang von γένεσις, φύσις, ὕλη, εἶδος.  Dazu grundlegend:  Aristot.Met.1069b3-1069b34: Werden als eine μεταβολὴ des δυνάμει ὄντος in ein  ἐνεργείᾳ ὄν.]. "γένεσις" im Unterschied zur "ποίησις".
     Τῶν δὲ γιγνομένων τὰ μὲν φύσει γίγνεται τὰ δὲ τέχνῃ τὰ δὲ ἀπὸ ταὐτομάτου, πάντα δὲ τὰ γιγνόμενα ὑπό τέ τινος γίγνεται καὶ ἔκ τινος καὶ τί· τὸ δὲ τὶ λέγω καθ' ἑκάστην κατηγορίαν· ἢ γὰρ τόδε ἢ ποσὸν ἢ ποιὸν ἢ πού. αἱ δὲ γενέσεις αἱ μὲν φυσικαὶ αὗταί εἰσιν ὧν ἡ γένεσις ἐκ φύσεώς ἐστιν, τὸ δ' ἐξ οὗ γίγνεται, ἣν λέγομεν ὕλην, τὸ δὲ ὑφ' οὗ τῶν φύσει τι ὄντων, τὸ δὲ τὶ ἄνθρωπος ἢ φυτὸν ἢ ἄλλο τι τῶν τοιούτων, ἃ δὴ μάλιστα λέγομεν οὐσίας εἶναι - ἅπαντα δὲ τὰ γιγνόμενα ἢ φύσει ἢ τέχνῃ ἔχει ὕλην· δυνατὸν γὰρ καὶ εἶναι καὶ μὴ εἶναι ἕκαστον αὐτῶν, τοῦτο δ' ἐστὶν ἡ ἐν ἑκάστῳ ὕλη - καθόλου δὲ καὶ ἐξ οὗ φύσις καὶ καθ' ὃ φύσις [τὸ γὰρ γιγνόμενον ἔχει φύσιν, οἷον φυτὸν ἢ ζῷον] καὶ ὑφ' οὗ ἡ κατὰ τὸ εἶδος λεγομένη φύσις ἡ ὁμοειδής [αὕτη δὲ ἐν ἄλλῳ]· ἄνθρωπος γὰρ ἄνθρωπον γεννᾷ· - οὕτω μὲν οὖν γίγνεται τὰ γιγνόμενα διὰ τὴν φύσιν, αἱ δ' ἄλλαι γενέσεις λέγονται ποιήσεις.    Was entsteht, entsteht teils von Natur, teils durch Kunst, teils von selbst. Alles aber, was entsteht, entsteht durch etwas (bewirkt), aus etwas und als ein Was. Vom Was spreche ich entsprechend jeder Kategorie: Denn es entsteht nach Washeit, Größe, Beschaffenheit oder Ort. Natürlich ist das Werden, das aus der Natur erfolgt: das Woraus, ist der so genannte Stoff; das  Bewirkende, etwas von dem, was von Natur ist; das Was, Mensch, Pflanze oder sonst etwas derartiges, das wir im eigentlichen Sinn als Wesenheit bezeichnen. - Alles aber, was von Natur oder durch Kunst wird, hat einen Stoff. Denn jedes davon kann sowohl sein als auch nicht sein, dies aber ist der Stoff an einem jedem. - Überhaupt ist sowohl das, woraus es wird, Natur, als auch ist das, wonach es wird, Natur [denn was wird, hat eine Natur, wie eine Pflanze oder ein Lebewesen] als auch das, wodurch es wird, die nach der allgemeinen Form so genannte gleichförmige Natur. [Diese ist aber in einem anderen]: denn der Mensch zeugt den Menschen. - So entsteht also, was entsteht, auf Grund der Natur. Die anderen Arten des Werdens heißen aber "Verfertigungen". 

 

Sententiae excerptae:
w39
1258 Adhibe rationem difficultatibus: possunt et dura molliri et angusta laxari et gravia scite ferentes minus premere.
  Gehe Schwierigkeiten mit Vernunft an: Hartes kann gemildert, Enges gelockert werden und Schweres kann den, der es mit Bedacht trägt, weniger bedrücken.
  Sen.dial.9,10,4
1260 Admoneri bonus gaudet, pessimus quisque rectorem asperrime patitur.
  Der Gute freut sich ermahnt zu werden, gerade die Schlechtesten ertragen den, der sie belehrt, nur sehr schwer.
  Sen.dial.3,36,4
1264 Aequat omnes cinis. Impares nascimur, pares morimur.
  Die Asche macht alle gleich. Ungleich werden wir geboren, gleich sterben wir.
  Sen.epist-91,16
1273 Alienis perimus exemplis; sanabimur, si separemur modo a coetu.
  An fremden Beispielen gegen wir zugrunde; geheilt werden wir, wenn wir uns nur von der Masse abtrennen.
  Sen.dial.7,1,4
1340 Altius praecepta descendunt, quae teneris imprimuntur aetatibus.
  Lehren, die in zartem Alter verinnerlicht werden, dringen tiefer ein.
  Sen.dial.12,18,8
1337 Animus impleri debet, non arca.
  Der Geist, nicht die (Geld-)Kiste muss angefüllt werden.
  Sen.epist.92,31
28 audiatur et altera pars
  auch die Gegenseite soll gehört werden
  *Sen.Med.199
1608 Aurum argentumque fractum est et milliens conflatum, at omnibus saeculis Tuberonis fictilia durabunt.
  Das Gold und Silber ist zerbrochen und tausendmal eingeschmolzen; aber die irdenen Gefäße des Tubero werden alle Jahrhunderte überdauern.
  Sen.epist.95,73
1383 Beatus enim dici nemo potest extra veritatem proiectus.
  Glücklich kann niemand genannt werden, der außerhalb der Wahrheit steht.
  Sen.dial.7,5,2
1404 Bonum est laudari, sed praestantius est esse laudabilem.
  Gut ist es gelobt zu werden, besser, lobenswert zu sein.
  Ps.Sen.mor.
1839 Contemni turpe est, legem donare superbum.
  Schmählich, verachtet zu werden, doch stolz, die Strafe erlassen.
  Petron.18,6
435 Dulce etiam fugias, fieri quod amarum potest.
  Auch Süßes meide, weil es bitter werden kann.
  Publil.Syr.D22
1818 Ego adulescentulos existimo in scholis stultissimos fieri.
  Ich glaube, dass die jungen Leute in den Schulen nur verdummt werden.
  Petron.1,3
1784 Et nondum cani nigros laesere capillos, | nec venit tardo curva senecta pede.
  Noch nicht überwiegen meine grauen Haare die schwarzen, noch nicht kommt mein Alter gekrümmt daher mit nachgezogenem Fuß.
  Tib.3,5,15f.
1605 Et sine radice inutiles rami sunt et ipsae radices iis, quae genuere, adiuvantur.
  Die Zweige sind unnütz ohne Wurzel und die Wurzeln selbst werden durch das gefördert, was sie erzeugt haben.
  Sen.epist.95,64
1604 Ex inimico cogita fieri posse amicum, in illo amorem incites, in hoc odium modereris!
  Bedenke, dass aus einem Feind ein Freund werden kann, entfache in jenem die Liebe, beschwichtige in diesem den Hass.
  Sen.epist.95,63
1387 Facilius inter philosophos quam inter horologia conveniet.
  Eher werden noch die Philosophen übereinstimmen als die Uhren.
  Sen.apocol.2,2
1905 Homines (Crotone) aut captantur aut captant.
  Die Leute (in Croton) werden entweder betrogen oder betrügen.
  Petron.116,6
1606 In philosophia arcana illa admissis receptisque in sacra ostenduntur.
  In der Philosophie werden jene Geheimnisse (nur) denen offenbart, die in die heilige Gemeinschaft zugelassen und aufgenommen sind.
  Sen.epist.95,64
112 Maxima enim factorum per laborem perfici solent, perfecta vero afferunt iucunditatem.
  Denn die größten Taten werden durch Mühe vollbracht, sind sie aber vollbracht, bereiten sie Vergnügen.
  Priscian, Praeexercit. P.432, 16K.
1180 Nemo in vita teneri potest: calcare ipsas necessitates licet.
  Niemand kann im Leben gehalten werden: die Not selbst können wir niedertreten.
  Sen.epist.12,10
1008 Nihil tam certum est quam otii vitia negotio discuti.
  Nichts ist so gewiss, als dass die Laster der Untätigkeit durch Tätigkeit vertrieben werden.
  Sen.epist.56,9
1377 Non semper Saturnalia erunt.
  Die Saturnalien werden nicht ewig dauern. Es wird nicht immer Fassnacht sein.
  Sen.apocol.12,2
1208 Non subito inpulsi ac prostrati sumus: carpimur, singuli dies aliquid subtrahunt viribus.
  Wir werden nicht mit einem Schlag hingestreckt: wir werden stückweise weniger; jeder Tag entzieht uns etwas von unseren Kräften.
  Sen.epist.26,4
1116 Non venit vulnus ad cicatricem, in quo medicamenta temptantur.
  Die Wunde vernarbt nicht, an der viele Mittel versucht werden.
  Sen.epist.2,3
1233 Nonum prematur in annum.
  Eine gute Schrift muss lange gefeilt werden.
  Hor.ars 388
1185 Numquid accidere tibi, si damnaris, potest durius, quam ut mittaris in exilium, ut ducaris in carcerem?
  Wirst du verurteilt, was kann dir Härteres begegnen, als in die Verbannung geschickt oder in das Gefängnis gebracht zu werden?
  Sen.epist.24,3
1825 Nunc pueri in scholis ludunt, iuvenes ridentur in foro.
  Heutzutage spielen Kinder in der Schule und werden als junge Leute in der Öffentlichkeit ausgelacht.
  Petron.4,4
1966 Orbis vertitur tamquam mola, et semper aliquid mali facit, ut homines aut nascantur aut pereant.
  Der Tierkreis dreht sich wie ein Mühlstein und bewirkt immer etwas Schlechtes, dass die Menschen entweder geboren werden oder zugrunde gehen.
  Petron.39,13
1223 Otii vitia negotio discutiuntur.
  Die Laster der Untätigkeit werden durch Tätigkeit vertrieben.
  Sen.epist.56,9
146 Parturient montes, nascetur ridiculus mus.
  Kreißen werden die Berge und geboren wird eine lächerliche Maus.
  Hor.ars 139
1231 Quamvis vetus arbustum potest transferri.
  Ein Baum kann, sei er noch so alt, verpflanzte werden.
  Sen.epist.86,14
868 Quidquid futurum est summum, ab imo nascitur.
  Auch was das Höchste werden soll, fängt unten an.
  Publil.Syr.Q48
171 Rem tene, verba sequentur!
  Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen!
  Cato frg.80,2 (Jord.)
2038 saepe enim videmus fractos pudore, qui ratione nulla vincerentur.
  Denn oft sehen wir durch Scham überwältigt, wer durch keinen Vernunftgrund besiegt werden konnte.
  Cic.Tusc.2,48,3
948 Semper metuendum, quicquid irasci potest.
  Stets hüte dich (Gib immer acht) vor dem, was zornig werden kann! (Zu jeder Zeit ist fürchterlich, was zürnen kann.)
  Publil.Syr.S37
1096 Supplicum quaerit, qui sibi quaerit opes.
  Sein Todesurteil begehrt, wer Reichtum begehrt. (Die da reich werden wollen, fallen in Anfechtung und Stricke.)
  vulgo
186 talis sit rector, quales illi, qui reguntur
  so sei der Lenker, wie die, die gelenkt werden
  Hieron.ep.7,5
1300 Vacat animus molestia liber ad inspectum universi, nihilque illum avocat a contemplatione naturae.
  Die beschwerdenfreie Seele kann unbehindert das All schauen und nichts zieht sie ab von der Betrachtung der Natur.
  Sen.epist.92,6
1325 Voluptas non est digna, ad quam respiciat.
  Sinnenlust ist nicht wert, (von der Tugend) berücksichtigt zu werden.
  Sen.epist.92,24
Literatur:

6 Funde
1217  Altheim, F.
Sein und Werden in der Geschichte
Tübingen 1950
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141  Eichhorn, F.
Homers Ilias. Ihr..Werden und ihre..Gestalt
Horn (Berger) 1971
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3237  Rasmussen, D.
Autonomwerden des geographisch-ethnographischen.. in den Exkursen
in: Rasmussen: Caesar, WBG 1967 (WdF 43)
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3843  Schadewaldt, W.
Sinn und Werden der Vergilischen Dichtung
in: Hellas und Hesperien I, Zürich 1970 [in: Oppermann: Vergil WBG 1966 (WdF 19)]
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3537  Vergil / Osiander, Hertzberg
Die Gedichte des Publius Virgilius Maro:
  1. Die Idyllen und das Gedicht vom Landbau, übers. v. C.U.v.Osiander;
  2. Kleinere Gedichte, welche dem Virgil ugeschrieben werden, übers. v. W.Hertzberg;
  3. Die Aeneide, übers. v. W.Hertzberg
Stuttgart, Metzler, 1853
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2884  Warmuth, Georg
Autobiographische Tierbilder bei Horaz. Alle Tierbilder, die Horaz auf sich selbst bezieht, werden danach befragt, was der Dichter mit ihnen über sich selbst sagt und belegen so exemplarisch die autobiographische Dimension der Dichtung von Horaz.
Meisenheim, Olms Verlag 1992
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