Nostri consocii (Google, Affilinet) crustulis memorialibus utuntur. Concedis, si legere pergis.
 
 
 

Naturzustand
Zentrale Begriffe aus dem Bereich der griechischen Sprache und Geistesgeschichte

Naturzustand 

 

 Plat.Nom.678e-679e: Die edle Einfalt und sittliche Überlegenheit des unverbildeten Menschen im Naturzustand
Eine riesige Sintflut, so Platons Gedankenexperiment,  hat alle bisherigen menschlichen Kulturleistungen ausgelöscht: Der Mensch ist unter dem Zwang der Natur in den Naturzustand zurückgekehrt: tabula rasa est. So lässt sich nun die ursprüngliche Moral des Menschen im Naturzustand wie ein Experiment im Reagenzglas simulieren. Der Vergleich mit J.J.Rousseau führt zu überraschenden Parallelen.  
     (678e) ΑΘ. Πρῶτον μὲν ἠγάπων καὶ ἐφιλοφρονοῦντο ἀλλήλους δι' ἐρημίαν, ἔπειτα οὐ περιμάχητος ἦν αὐτοῖς ἡ τροφή. (679α) νομῆς γὰρ οὐκ ἦν σπάνις, εἰ μή τισιν κατ' ἀρχὰς ἴσως, ᾗ δὴ τὸ πλεῖστον διέζων ἐν τῷ τότε χρόνῳ· γάλακτος γὰρ καὶ κρεῶν οὐδαμῶς ἐνδεεῖς ἦσαν, ἔτι δὲ θηρεύοντες οὐ φαύλην οὐδ' ὀλίγην τροφὴν παρείχοντο. καὶ μὴν ἀμπεχόνης γε καὶ στρωμνῆς καὶ οἰκήσεων καὶ σκευῶν ἐμπύρων τε καὶ ἀπύρων ηὐπόρουν· αἱ πλαστικαὶ γὰρ καὶ ὅσαι πλεκτικαὶ τῶν τεχνῶν οὐδὲ ἓν προσδέονται σιδήρου, ταῦτα δὲ πάντα τούτω τὼ τέχνα θεὸς ἔδωκε πορίζειν τοῖς ἀνθρώποις, (β) ἵν' ὁπότε εἰς τὴν τοιαύτην ἀπορίαν ἔλθοιεν, ἔχοι βλάστην καὶ ἐπίδοσιν τὸ τῶν ἀνθρώπων γένος.    (678e) ATHENER: Zunächst schätzten sich die Menschen und begegneten einander infolge ihrer Einsamkeit liebevoll. Weiterhin stritten sie auch nicht um die erforderliche Nahrung; (679a) denn es herrschte - außer vielleicht anfangs für einige wenige -  kein Mangel an Weideland, womit sie damals überwiegend ihr Leben bestritten. An Milch und Fleisch hatten sie niemals Mangel. Außerdem versorgten sie sich reichlich und gut durch Jagd mit Nahrung. Auch an Bekleidung, Decken, Wohnung, gebranntem und ungebranntem Tongeschirr war keine Not. Denn die Töpfer- und Webkunst kommen ganz ohne Eisen aus: ein Gott hat sie den Menschen gegeben, dies alles sich zu verschaffen, damit das Menschengeschlecht, wenn es einmal in solch eine Not komme, sprießen und gedeihen könne. 

πένητες μὲν δὴ διὰ τὸ τοιοῦτον σφόδρα οὐκ ἦσαν, οὐδ' ὑπὸ πενίας ἀναγκαζόμενοι διάφοροι ἑαυτοῖς ἐγίγνοντο· πλούσιοι δ' οὐκ ἄν ποτε ἐγένοντο ἄχρυσοί τε καὶ ἀνάργυροι ὄντες, ὃ τότε ἐν ἐκείνοις παρῆν. ᾗ δ' ἄν ποτε συνοικίᾳ μήτε πλοῦτος συνοικῇ μήτε πενία, σχεδὸν ἐν ταύτῃ γενναιότατα ἤθη γίγνοιτ' ἄν· οὔτε γὰρ ὕβρις οὔτ' ἀδικία, ζῆλοί τε αὖ καὶ φθόνοι οὐκ ἐγγίγνονται. (ψ) ἀγαθοὶ μὲν δὴ διὰ ταῦτά τε ἦσαν καὶ διὰ τὴν λεγομένην εὐήθειαν· ἃ γὰρ ἤκουον καλὰ καὶ αἰσχρά, εὐήθεις ὄντες ἡγοῦντο ἀληθέστατα λέγεσθαι καὶ ἐπείθοντο. ψεῦδος γὰρ ὑπονοεῖν οὐδεὶς ἠπίστατο διὰ σοφίαν, ὥσπερ τὰ νῦν, ἀλλὰ περὶ θεῶν τε καὶ ἀνθρώπων τὰ λεγόμενα ἀληθῆ νομίζοντες ἔζων κατὰ ταῦτα· διόπερ ἦσαν τοιοῦτοι παντάπασιν οἵους αὐτοὺς ἡμεῖς ἄρτι διεληλύθαμεν.

Arm waren sie infolgedessen nicht sehr und gerieten auch nicht vor Armut in Streit miteinander. Reich aber konnten sie ohne Gold und Silber auch nie werden, so wie es damals bei ihnen der Fall war. In einer Gemeinschaft aber, in der weder Reichtum noch Armut zu Hause ist, dürften geradezu die edelste Sittsamkeit entstehen. Denn weder Frevelsinn noch Ungerechtigkeit, weder Eifersucht noch Neid entstehen da. (c) Gut waren sie also deswegen und - wie gesagt - wegen ihrer sittlichen Einfalt. Denn von allem, was sie hörten, Gutem und Bösem, glaubten sie in ihrer edlen Einfalt, es werde ganz wahr gesagt und machten es sich zu eigen. Denn Täuschung zu unterstellen aus Weisheit, wie heute, vermochte keiner. Sie hielten die Erzählungen über die Götter und Menschen für wahr und lebten danach. Deshalb waren sie durchaus so, wie wir sie eben geschildert haben.    
   (d) ΚΛ. Ἐμοὶ γοῦν δὴ καὶ τῷδε οὕτως ταῦτα συνδοκεῖ. (d) KLEINIAS: Ich jedenfalls und der hier (Megillos) glauben es so.     
   ΑΘ. Οὐκοῦν εἴπωμεν ὅτι γενεαὶ διαβιοῦσαι πολλαὶ τοῦτον τὸν τρόπον τῶν πρὸ κατακλυσμοῦ γεγονότων καὶ τῶν νῦν ἀτεχνότεροι μὲν καὶ ἀμαθέστεροι πρός τε τὰς ἄλλας μέλλουσιν εἶναι τέχνας καὶ πρὸς τὰς πολεμικάς, ὅσαι τε πεζαὶ καὶ ὅσαι κατὰ θάλατταν γίγνονται τὰ νῦν, καὶ ὅσαι δὴ κατὰ πόλιν μόνον αὐτοῦ, δίκαι καὶ στάσεις λεγόμεναι, (ε) λόγοις ἔργοις τε μεμηχανημέναι πάσας μηχανὰς εἰς τὸ κακουργεῖν τε ἀλλήλους καὶ ἀδικεῖν, εὐηθέστεροι δὲ καὶ ἀνδρειότεροι καὶ ἅμα σωφρονέστεροι καὶ σύμπαντα δικαιότεροι; τὸ δὲ τούτων αἴτιον ἤδη διεληλύθαμεν. ATHENER: Sollen wir nun nicht sagen, dass viele Generationen auf diese Art gelebt haben: Müssen sie nicht auf allen Gebieten weniger kunstfertig und ausgebildet gewesen sein, als diejenigen, die vor der Überschwemmung und heute leben, besonders aber im Kriegshandwerk, soweit es zu Land und zu Wasser heutzutage betrieben wird, soweit aber auch nur vor Ort in der Stadt, die so genannten Rechts- und Parteistreitigkeiten, die in Wort und in Tat alle nur denkbaren Kniffe ausdenken, um einander schlimmes Unrecht zuzufügen. Müssen sie aber nicht auch anständiger und tapferer und zugleich besonnener und überhaupt gerechter gewesen sein? Den Grund dafür haben wir schon besprochen.   
   ΚΛ. Ὀρθῶς λέγεις. KLEINIAS: Du hast Recht.

 

Sententiae excerptae:
w34
Literatur:

0 Funde

[ Homepage | Inhalt | Hellas 2000 | Stilistik | Latein | Latein. Lektüre | Lateinisches Wörterbuch | Lateinischer Sprachkurs | Lateinische Grammatik | Lat.Textstellen | Römische Geschichte | Griechisch | Griech. Lektüre | Griechisches Wörterbuch | Griechischer Sprachkurs | Griechische Grammatik | Griech.Textstellen | Griechische Geschichte | LandkartenBeta-Converter | Varia | Mythologie | Bibliographie | Ethik | Links | Literaturabfrage | Forum zur Homepage ]
Site-Suche mit Google
bottom - /grthem/naturzustand01.php - Letzte Aktualisierung: 20.09.2016 - 13:55