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Beiträge zur Didaktik des gymnasialen Unterrichts im Fach Griechisch
im Hinblick auf die Nutzung elektronischer Medien

 

Es ist unbestritten, dass eine umfassende Didaktik der Einbeziehung der elektronischen Medien in den Altsprachlichen Unterricht ein überfälliges Desiderat ist. Studienseminare und sonstige fachdidaktische Institutionen sollten sich dieser Aufgabe vordringlich annehmen.
Hier sollen einige disparate Stellungnahmen als Materialsammlung zum Thema zusammengetragen werden, soweit sie uns bekannt geworden sind. Sie werden ergänzt durch Bemerkungen des Autors dieser Seite. Entsprechende Beiträge von Kollegen sind willkommen:

  • F.P.Waiblinger zu:  

    Neue Medien

    Die Möglichkeiten für den Einsatz des Computers im Unterricht sind bisher weder theoretisch noch empirisch untersucht. Die Fachdidaktik hat die Aufgabe, diese neuen Unterrichtsformen kritisch zu prüfen und da, wo sie sich als sinnvoll erweisen, an der Entwicklung der neuen Medien mitzuwirken. Dabei geht es vor allem um multimediale Unterrichtstechniken im Sprach- und Lektüreunterricht, die den traditionellen Unterricht ergänzen können. Die im Internet und auf CD ROM vorhandenen Datenbanken für die philologische Arbeit müssen unter dem Aspekt einer Verwendung im und für den Unterricht untersucht werden. Kriterien für die Entwicklung spezifischer Lernsoftware müssen ausgearbeitet werden.


  • Dr. Günther Wolf: Schwerpunkte des Computereinsatzes

    • Verwendung des Computers als Werkzeug zu Erstellung von Texten / Arbeitsblättern mit griechischen Zeichensätzen
    • Bearbeitung von Arbeitsaufträgen mit Hilfe von Multimedia-Produkten
    • Recherche im Internet

  • D.Fechner: Multimedia im altsprachlichen Unterricht, in AU 4+5/1998, S. 86

    Die neuen Medien bieten Möglichkeiten selbstbestimmten Vorgehens. Daher gilt es, diese - auch im Sinne der Motivation - zu nutzen. Hier kommt auch im wahrsten Sinne des Wortes mehr "Farbe" ins Spiel. Und wenn es gelingt, auf diesem Weg mehr junge Menschen anzusprechen und für die alten Sprachen zu gewinnen, sollte er in einem vernünftigen Sinne beschritten werden.


  • Martin Biastoch: Internet für Griechischlehrer, in: AU 1999, S. 69

    Bei aller Euphorie über die neuen Möglichkeiten des Netzes muss eines bedacht werden: Eine (Fach)didaktik für den Einsatz des Internet-Angebots in geisteswissenschaftlichen Fächern gibt es bisher allenfalls in Ansätzen. Auch für die alten Sprachen muss noch umfassend über Einsatz und Bedeutung dieser Ressource gearbeitet werden.
    Drei Thesen mögen hier vorerst genügen:

    1. Das Erlernen der sprachlichen Grundlagen (Wörter und Grammatik) kann durch kein Medium ersetzt werden
    2. Die traditionellen didaktischen Methoden und Zielsetzungen im Umgang mit Texten und Bildern, insbesondere die Methoden der Quellenkritik muss unbedingt auf alle Inhalte des Internet angewendet werden. Dies wird leider bei Angeboten erschwert, die Bildern und Texten keine oder nur spärliche Angaben (Bildlegende, Quelle, Verfasser) beigeben.
    3. Das Internet-Angebot wird den altsprachlichen Unterricht nicht revolutionieren, wird ihn aber modernisieren und bereichern können.

  • Ergänzende Bemerkungen vom  Autor dieser Seite:

    1. Unterrichtliche Funktionen (Arbeitsformen):
      1. Materialien:
        • Suchen:
          • In der Regel nur gezielt suchen: Wenn man was finden will, muss man wissen, was man sucht. "Wildes Suchen" kann zwar interessante Überraschungen bieten, mehr aber auch nicht. Der AU sollte nicht unbedingt zur Methode von "trial and error" erziehen.
          • Man sollte sich in der Technik der gewählten Suchmaschine auskennen, so dass man (bei einer Volltextsuche) sein Thema geschickt eingrenzen kann.
        • Sichten:
          • Alphabetische Suchroutinen machen das Durchwälzen von Ordnern überflüssig.
          • Eine elektronische Volltextsuche ist jedem gedruckten Stichwortindex an Schnelligkeit und Ergebnisfülle überlegen.
        • Speichern: Die Materialien verschwinden nicht auf Nimmerwiedersehen in einer Schublade oder einem Ordner, sondern bleiben ständig abrufbar präsent.
          • bei einer kompakten Unterrichtsplanung begibt sich der geübte Lehrer oder eine spezielle Arbeitsgruppe bereits vorher auf Suche, trifft gezielt eine Auswahl des Materials und hält es offline verfügbar.
          • die Fachschaft Griechisch sollte sich so, wie sie eine Diasammlung oder eine Bibliothek betreut, auch eine Sammlung von Computerdateien anlegen (Sinnvoll: Fachsaal oder Sammlungsraum  mit mindestens 1 Computer, selbst wenn er keinen Internetzugang besitzt).
      2. Erstellung von Arbeitsblättern:
        • Vorgefundene Dateien lassen sich leicht so verändern, dass sie als Arbeitsblätter dienen können:
          • Eigenständige Erschließung (Materialsammlung) oder Erarbeitung (Referat, Facharbeit) eines Themas aufgrund einer gezielten Materialsuche
          • Erstellung von Lückentexten (Schüler können die Richtigkeit der Ergänzungen gegebenenfalls selbst überprüfen)
          • Aufgabe, ausführliche Texte zusammenzufassen (Überschriften formulieren, den Hauptgedanken herausarbeiten)
          • Aufgabe, stichwortartige Aufzählungen differenzierter darzustellen.
          • Aufgabe, Bildmaterial mit Text zu versehen, bzw., zu Texten Illustrationen zu finden (etwa: Vorbereitung von Museumsbesuchen, Kunstausstellungen, kunstgeschichtliche Arbeiten)
      3. Bereicherung des traditionellen Unterrichts durch neue Medien und neue Arbeitsformen:
        • Die Einbeziehung elektronischer Medien führt zu einer spezifische Unterrichtsform, die sich mit keiner traditionellen Unterrichtsform vollständig deckt, aber auch keine ausschließt
          • Während sich traditionelle Unterrichtsformen (Frontal-, Nachbarschafts-, Gruppenunterricht; Stillarbeit, Wochenplan,...) in der Regel weitgehend gegenseitig ausschließen (Glaubensfrage), ist die Einbeziehung elektronischer Medien (bei entsprechendem Einsatz) sehr flexibel und methodenverträglich.
          • Sie kann daher (sinnvoll - d.h. eher sparsam und nur  additiv - eingesetzt) eine wesentliche Bereicherung (Auflockerung, Methodenvielfalt) darstellen.
        • Klare Differenzierung der notwendigen Arbeitsschritte:
          • Problembewußtsein wecken,
          • Sammeln und Werten von geeigneten Beiträgen (wobei das Problembewußtsein nachträglich geschärft wird und Vorüberlegungen zur Verarbeitung angestellt werden),
          • Verarbeitung des Materials: Ordnen und logisches Verknüpfen des ausgewählten Materials.
          • Darstellung der Ergebnisse.
    2. Rückwirkungen auf Schüler:
      1. Motivationssteigerung: da der Reiz des Neuen bald verblasst, sollte man
        • sich bald um sachgemäße Motivationssteigerungen bemühen,
        • die alternativen Arbeitsformen und Medien nur sparsam einsetzen,
        • nur in sinnvoll geplanter Verbindung mit traditionellen Arbeitsfomen und Arbeitsmitteln einsetzen (der Wechsel der Arbeitsweise muß sachlich aus dem Stand der Arbeit begründet sein).
      2. Steigerung der Fähigkeit, Disparates zu strukturieren (aufgrund der ungeordneten und unausgeglichenen Vielfalt des Angebots).
      3. Steigerung der Kritikfähigkeit
        • aufgrund des manifesten Qualitätsunterschieds der gefundenen Materialien und der Notwendigkeit, das Wesentliche zu erkennen und auszuwählen.
        • aufgrund der ständig notwendigen Reflexion bezüglich der Sinnhaftigkeit der gewählten Arbeitsmethode,
        • Die Sensibilisierung für den Unterschied zwischen vorgefundenem Material und der Eigenleistung in der Verarbeitung eines Themas, sollten den Schüler vor der allgegenwärtigen Versuchung bewahren, Vorgefundenes einfach zu übernehmen und als Eigenleistung abzuliefern.
    3. Rückwirkung auf die Unterrichtssituation:
      1. (Aufbrechen der örtlichen, zeitlichen, personalen Gebundenheit der konkreten Unterrichtssituation). Gegebenenfalls könnte ein Schüler dem Referat seines Großvaters, das er vor 50 Jahren in einem anderen Erdteil erarbeitet hat, begegnen.
      2. Größere Unabhängigkeit in der Lektüreauswahl (infolge der zunehmend grenzenlosen Verfügbarkeit von Texten)
      3. Steigerung der Rezeptions- und Transferleistungen durch stärkere Einbeziehung von Bildmaterial, Sekundärtexten, Tabellen, Planskizzen etc.)
      4. Möglichkeit des interaktiven Unterrichts
        • zwischen den Schülern (vernetzte Computer, e-mail)
          • Austausch von Materialien oder Hilfen bei der Arbeit mit dem Computer (über das Netzwerk durch den Lehrer steuerbar)
          • Hausaufgabenhilfe unter Einsatz von E-Mail, besser über ein Diskussionsforum, auch mit Chat)
          • Betreuung von Schülern, die längere Zeit abwesend sind (z.B. Krankheit, Auslandsaufenthalt) durch Lehrer oder Mitschüler (E-Mail, Diskussionsforum, Chat)
        • zwischen Schülern und ihrem Lehrer (Nutzung des in der Regel kostenfrei verfügbaren Webspace)
          • Bereitstellung von Arbeitsmaterialien, die sonst nur schwer zu beschaffen sind
          • Präsentation von Unterrichtsergebnissen: Protokolle, Referate, Facharbeiten (Protokollfunktion)
          • Erleichterung der Wiederholung (nützlich für Wiederholungen, Klassenarbeiten)
          • Motivation für Schüler und Lehrer bestimmte Themen und Aufgabenstellungen "publikationsreif" auszuarbeiten, bzw. Projektergebnisse zu protokollieren
        • zwischen dem Fachunterrichtsfach und Nachbarfächern
          • Möglichkeit fächerübergreifenden, klassenübergreifenden, jahrgangsübergriefenden, themenübergreifenden Unterrichts, ohne unbedingt auf die Mithilfe fremder Klassen oder Kollegen der Schule angewiesen zu sein.
        • Erleichterung der Interaktion zwischen Gymnasium und anderen Schulformen (Hauptschule, Realschulen, Universität, Museum etc.)
        • zwischen Schülern und Institutionen des öffentlichen Lebens (Kirche, Gewerkschaft, Parteien).
    4. Öffentlichkeitsarbeit
      • Werbewirksame Darstellung der unterrichtlichen Arbeit in der Öffentlichkeit bei gleichzeitiger Wahrung der unterrichtlichen Intimität.
      • Einbeziehung der Öffentlichkeit in den Unterricht durch Gestaltung eines Diskussionsforums.
      • Die Präsentation klassischer Stoffe mit modernen Mitteln der Technik zeigt schon äußerlich die grundsätzliche Möglichkeit ihrer zeitgemäßen Anpassung und Aktualisierung.
      • Befriedigung des Informationsbedarfs von Eltern, Kollegen, ehemaliger Schüler, Schulleitung etc.

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