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Aufgabenvorschläge:
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Mit Vs. 34 setzt die äußere Handlung ein. Wie
verhalten sich Geschehensablauf und Erzählablauf zueinander?
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An welchem Punkt des Geschehens hätten Sie
als Erzähler mit der Handlung eingesetzt? An welchem Punkt
setzt Vergil ein?
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Warum beginnt der Dichter nicht, wie man nach dem
Proömium hätte erwarten können, mit der Abfahrt
von Troia oder der Eroberung Troias durch die Griechen?
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Informieren Sie sich oder achten Sie später
darauf, ob die fehlenden Passagen des Anfangs nachgetragen werden!
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Vergleichen Sie damit den Handlungseinsatz der Odyssee
Homers (Hom.Od.1,11)!
"«Wie Homer den Anfang des Trojanischen
Krieges weggelassen hat, so hat Virgil nicht mit dem Beginn
der Irrfahrt eingesetzt2)», so heißt es in
der antiken Virgil-Erklärung. Man bemerkte und lobte
es auch sonst im Altertum, dass Homer den Leser mitten in
die Geschichte «hineinreiße». Auf die Odyssee hat sich
der alte Erklärer nicht berufen, deren Anlage doch der
des Anfangs der Aeneis näher verwandt ist; in beiden
Gedichten beginnt der Dichter kurz vor dem Ende der Fahrten
und Abenteuer, vor dem Aufenthalt, bei dem der Held erzählen
wird, was ihm vorher widerfahren ist. Die Stelle, an der Virgil
die Handlung einsetzen lässt, entspricht genau derjenigen,
an der in der Odyssee Poseidon, der Feind und Verfolger, bemerkt,
dass sich Odysseus Scheria, der Insel der Phäaken, nähert,
wo ihm endlich gerettet zu werden bestimmt ist (Od.5,282ff).
Zornige Rede und dann der große Sturm: beides läuft
in den zwei Epen gleich." (F.
Klingner (1), S. 386).
[2) Serv.Dan.1, 34. Vgl. Quintilian 7,10,11 vom
Beginn einer Erzählung more Homerico a mediis vel
ultimis; Horaz, ars poet. 148f. - ] |
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In welcher Weise lässt der Dichter Iuno sich in
ihrem Monolog über das hinaus, was wir zuvor aus dem Mund der
Muse erfahren hatten, selbst
charakterisieren?
| "Man wird gut daran tun, den doppelten Aspekt
in der vergilischen Darstellung der Iuno nicht zu übersehen
[...] Einerseits ist und bleibt sie Göttin, die ihr numen
verletzt glaubt und entsprechend reagiert, Andererseits trägt
sie vielfach höchst menschliche Züge. Sie handelt wie
eine in ihrem Stolz verletzte Frau, die sich zu äußerstem
Hass hinreißen lässt. [...] Eine solche Mehrdeutigkeit
der Iuno bedarf keiner Harmonisierung. Diese typisch vergilische
Weise erlaubt dem Dichter die Mannigfaltigkeit der Aussage. (V.
Buchheit (1), S. 59, Anm. 222) |
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Wie muss man jetzt die Frage beantworten, warum Iuno
gegen das Fatum angeht, obwohl sie doch wissen müsste, dass sie
letztlich chancenlos ist?
Iuno kennt das Fatum genau (39: "quippe vetor
fatis"), handelt aber offen dagegen. Sie hält es für
ungerecht und für eine Herabwürdigung ihres numens,
ihres Ranges als regina deum, als Schwester und Gattin Iupiters.
Ist es wirklich ein Frevel (so Buchheit) oder nur eine emotionale
Unbeherrschtheit oder eine nachvollziehbare Trotzreaktion, die
für sie, abgesehen vom äußeren Scheitern, ohne
weitere Folgen bleiben wird?
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"Schon die ersten Worte
zeigen, sie [...] in offenem Widerstreit mit dem vom Schicksal
gegebenen Auftrag an Aeneas und die Seinen: ... nec posse
Italia Teucrorum avertere regem? Schon diese Frage muss
der Hörer als Widerstreit gegen das Fatum deuten, denn
dass die Göttin von dem Auftrag des Schicksals an Aeneas
weiß, ist bereits Vs. 20 (audierat) gesagt worden.
Trotzdem läßt sie der Dichter hier mit allem
Nachdruck aussprechen: quippe vetor fatis (Vs.39). Das ist
Überheblichkeit und Verblendung." (V.
Buchheit (1), S. 59 f.) |
"Überheblichkeit und Verblendung" sind üblicherweise
Kategorien, die herausragende Menschen betreffen, die ihre Grenzen
als Menschen nicht einhalten, sich Qualitäten des Göttlichen
anmaßen und dafür existentiell scheitern. Insofern
bleibt zu fragen, ob Götter überhaupt der "Überheblichkeit
und Verblendung" verfallen können. Scheitern können
sie jedenfalls nur in ihren Plänen, nicht aber existentiell:
ein Stoff, aus dem eher Komödien als Tragödien geschnitzt
werden. |
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Iuno gibt sich empört über das Missverhältnis
zwischen Minervas Erfolg und ihrem bisherigen Misserfolg in der Durchsetzung
ihrer persönlichen Absichten.
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Welche Züge des Beispiels hebt sie hervor,
um im Recht zu erscheinen?
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Verschweigt sie auch Unvergleichbares, um sich nicht
ins Unrecht zu setzen?
- was Iuno geflissentlich übersieht, ist dass Aias
ein Frevler war, und Minerva sowohl die verdiente Strafe als
auch den Willen der Götter an ihm vollzog (Sie hat den
Blitz von Iupiter, und nach der allgemeinen Sagenversion wollte
Neptunus Aias zunächst
aus dem Schiffbruch retten, musste ihm aber dann, weil er
erneut frevelte, den Todesstoß versetzen). Aeneas aber
ist der "vir pietate insignis", der es nicht verdient
hat, den Zorn der Götter zu spüren. Iuno setzt sich
also selbst ins Unrecht, indem sie sich mit offenbar niedrigen
Beweggründen in Gegensatz zu Iupiter, dem Fatum und den
positiven Ordnungskräften der Welt setzt.
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