De rerum natura2. Buch - deutsch |
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| Süß ist's, anderer Not bei tobendem Kampfe der
Winde Auf hoch wogigem Meer vom fernen Ufer zu schauen; Nicht als könnte man sich am Unfall andrer ergötzen, Sondern dieweil man es sieht, von welcher Bedrängnis man frei ist. |
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| Süß auch ist es, zu schaun die gewaltigen Kämpfe
des Krieges In der geordneten Schlacht, vor eignen Gefahren gesichert. Aber süßer ist nichts, als die wohlbefestigten heitern Tempel innezuhaben, erbaut durch die Lehre der Weisen: Wo du hinab kannst sehn auf andere, wie sie im Irrtum |
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| Schweifen, immer den Weg des Lebens suchen und
fehlen; Streitend um Geist und Witz, um Ansehn, Würden und Adel; Tag und Nacht arbeitend mit unermüdetem Streben, Sich zu dem Gipfel des Glücks, empor sich zu drängen zur Herrschaft. O unseliger Geist, o blinde Herzen der Menschen! |
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| In welch finsterer Nacht und unter welchen Gefahren
Wird dies Leben verbracht, der Moment! Es liegt ja vor Augen, Dass die Natur für sich so heiß nichts fordert, als dass wir, Ist nur der Körper von Schmerzen befreit, des Geistes genießen, Frohen Gefühls, entfernet von Furcht und jeglicher Sorge. |
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| Und so sehen wir ein, es sei zur Erhaltung des
Körpers Weniges nur vonnöten, ihm jeglichen Schmerz zu benehmen: Ja, dass Ergötzlichkeiten sogar sich häufig erbieten, Wie sie zuweilen selbst die Natur nicht süßer erheischet. |
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| Halten im weiten Saal nicht goldene Jünglingsgestalten
Flammende Fackeln empor, den nächtlichen Schmaus zu erhellen; Glänzt nicht von Silber das Haus, und widerstrahlt es von Gold nicht; Schallt nicht Zithergesang zurück von getäfelten Wänden: Nun, so lagert man sich vertraut auf weichlichen Rasen, |
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| Neben dem rinnenden Bach, im Schatten erhabener
Bäume, Pfleget des Körpers froh, obwohl bei geringem Vermögen. Sonderlich dann, wann die Witterung lacht, wann die fröhliche Jahrszeit Wieder die grünende Flur mit Blumen und Blüten bestreuet. Wahrlich nicht schneller entweicht die Fieberhitze vom Körper, |
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| Ob auf Purpur du dich und gestickten Teppichen
wälzest, Oder gemeines Gewand um deine Schultern herumschlägst. Mögen demnach nicht Schätze, noch Gold, noch Adel, noch Herrschaft Körperlich Wohl befördern, so ist gar leicht zu ermessen, Dass sie weniger noch zum Wohl des Gemütes vermögen. |
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| Müsste denn sein, wann du siehst das Bild des
Krieges erwecken Deiner Legionen Gewühl auf offenem Marsfeld, Deiner Geschwader Gewühl auf weiter Fläche sich tummeln, Dass, von diesem verscheucht, die zitternde Furcht vor den Göttern Samt den Schrecken des Todes entflöhn aus deinem Gemüte |
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| Und das Leben dir frei und ledig ließen von
Sorgen. Finden wir aber, dass dies nur Spiele der Kinder und Tand sei, Dass in der Tat die Furcht im Menschen, die nagende Sorge, Nicht vor Waffengetöse sich scheut noch drohenden Lanzen, Sondern sich dreist unter Könige mischt und unter der Dinge |
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| Herrscher, und dass sie sich nicht verblenden
lässet vom Goldglanz, Noch vom strahlenden Lichte des purpurfarbenen Kleides: Zweifelst du noch, dies sei nicht alles Mangel an Einsicht? Um so mehr, da so tief noch der Menschen Leben die Nacht drückt. Denn wie die Kinder erzittern und alles fürchten im Finstern, |
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| Also fürchten auch wir beim hellen Lichte des
Tages Dinge, die eben nicht mehr verdieneten, Furcht zu erwecken, Als was die Kinder im Finstern erschreckt und womit sie die Angst täuscht. Durchaus müssen daher des Geistes Schrecken und Dunkel Nicht durch die Strahlen der Sonne, des Tages leuchtende Pfeile, |
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| Sondern sich durch der Natur Anschaun und Erkenntnis
zerstreuen. Auf, und lass dir nunmehr entwickeln, durch welche Bewegung Jene zeugenden Körper die mannigfaltigen Dinge Hier durch Vereinigung bilden und dort durch Trennung zerstören; Welche Kraft so zu wirken sie treibt; die Beweglichkeit, welche |
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| Ihnen eigen, den Weg durchs unendliche Leere
zu machen: Du, mein Memmius, leih ein still aufmerkendes Ohr mir! — Keine Materie hängt ganz unzertrennbar zusammen: Denn wir sehen es ja, wie alle die Dinge sich mindern, Gleichsam schwinden dahin vom langaufzehrenden Alter, |
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| Bis sie endlich die Zeit den Augen gänzlich
entrückt hat. Aber die Summe selbst scheint unverändert zu bleiben; Denn die Teilchen, die stets den Körpern entweichen, vermindern Hier die Masse, vergrößern sie dort: wann jenes veraltet, Dränget sich dieses hervor zu neuer Jugend und Blüte, |
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| Bleibt nicht dauernd auch da. So wird die Summe
des Ganzen Immer wieder erneut, so borgt man das Leben von andern. Ein Volk steiget empor, ein anderes sinket danieder; Die jetzt lebende Welt ist nicht in kurzem dieselbe: So wie die Läufer der Bahn nimmt einer die Fackel vom andern. |
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| Irrig und ungereimt zu denken wär' es, die Stoffe
Könnten im Trieb nachlassen und so, durch Verweilen, den Dingen Einen veränderten Stand und neue Bewegungen geben. Weil im Leeren sie schwärmen, so treibet sie eigene Schwere Oder auch äußerer Stoß: denn oftmals, wenn sie im Fortschuss |
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| Gegeneinanderprallen, geschieht's, dass schnell
auseinander Wieder sie springen; und leicht ist das zu begreifen, da hart ist Ihre Natur und schwer durch Dichtheit, nirgends im Rücken Etwas entgegensteht, sie aufzuhalten vermögend. Ja, damit du noch mehr, wie die Körperchen alle sich jagen, |
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| Einsiehst, denke zurück, dass nichts im ganzen
Gesamten Irgend das Unterste sei; kein Punkt für Körper des Urstoffs, Fest zu stehen; ein Raum ohn' alle Grenzen und Ende Dehnt sich ins Unermessliche aus nach jeglicher Seite. Dies nun zeigt' ich bereits und bewährt' es durch sichere Gründe. |
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| Ist nun dieses gewiss, so ist auch unter des
Urstoffs Körpern nirgends die Ruh' im unermesslichen Weltraum: Sondern sie jagt ein beständiger Trieb nach mancherlei Richtung, Sprenget die einen weiter zurück, wenn zusammen sie treffen, Und verbindet im engeren Raum die ändern durch Anstoß. |
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| Was nun dichter zusammengedrängt in näheren Räumen
Wieder zurücke springt, wird durch die verworrenen Formen In sich selber verschränkt und bildet Stoffe der Felsen, Mächtige, starre des Eisens und andere Körper von der Art, |
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| Wenige nur. Was ferner jedoch im Leeren herumschwärmt,
Springt auch weiter zurück und wechselt in weiteren Räumen Seinen verlängerten Lauf; und dieses schaffet die Luft uns, Locker und dünn, und das Licht der herrlich strahlenden Sonne. Übrigens schwärmen im Raum viel Körperchen, die mit den Dingen |
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| Keinen Verein erhalten und, ausgeschlossen von
diesem, Nie zu gemeinsamem Trieb zusammengesellen sich können. Hievon kann ich dir leicht ein Vorbild geben, das immer Uns vor den Augen schwebt. Schau, wie sich im Strahle der Sonne, Welchen sie zwischendurch in schattige Örter der Häuser |
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| Einschießt, Körperchen drehn und untereinander
sich mischen, Viele, auf mancherlei Art, im eigenen glänzenden Lichtstrahl. Schlachten erregen und Kampf sie in ununterbrochenem Kriege, Gleichsam streitend in Scharen ; sie sammeln und trennen sich wieder, Sonder Ruhe noch Rast: wodurch dir ein deutliches Bild wird, |
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| Wie sich im Leeren jagen die uranfänglichen Stoffe,
— Lässt sich ein Beispiel anders, von Dingen, welche so groß sind. Durch so geringe geben, die Spur nur ihrer Erkenntnis. Auch verdienen sie noch um so mehr Betrachtung, die Körper, Die in der Sonne Strahl in solcher Verwirrung sich treiben, |
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| Weil ihr treibendes Irren auf innre verborgne
Bewegung Aller Materie zielt. Denn oftmals wirst du sie sehen, Wie vom geheimen Stoß sie erregt die Richtung verändern ; Rückwärts bald, bald dahin und dorthin, nach jeglicher Seite Hingetrieben durch ihn. Von diesem lieget der Grund schon |
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| Im ursprünglichen Triebe der erstem Körperchen
aller. Diese bewegen sich erst durch sich selbst, dann erregen sie andre Durch verborgenen Stoß, die von engem Verein und die gleichsam |
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| An der Materie Urkraft selbst angrenzend zunächst
sind; Diese reizen nachher auch andere größere Teilchen. Also steigt von Stoffen empor die Bewegung und zeigt sich Unseren Sinnen zuletzt: so dass sich auch jene bewegen, |
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| Die wir im Sonnenlichte zu sehn vermögen; der
Stoß nur, Welcher solches bewirkt, erscheint nicht deutlich dem Auge. Lass dich, mein Memmius, jetzt mit wenigem annoch belehren, Welche Beweglichkeit sei des Urstoffs Körpern verliehen. Wann Aurora mit Licht aufs neue die Erde bestreuet |
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| Und das gefiederte Chor, die dünneren Lüfte
durchstreichend Im entlegenen Forst, mit hellen Gesängen ihn anfüllt, Dann wird jeder gewahr, wie schnell die erwachende Sonne Mit dem Strahlengewande die ganze Gegend bekleidet. |
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| Aber der wärmende Strahl, den Sol von oben herabschießt,
Und sein glänzendes Licht gehn nicht durch die ledigen Räume; Sondern sie werden somehr in ihrem Laufe verspätet, Da sie durch Wogen der Luft sich gleichsam schlagen; auch einzeln Geht nicht jedes der Teilchen für sich des wärmenden Lichtstrahls, |
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| Sondern zusammengefasst und gleichsam zusammengeballet;
So dass, unter sich selbst gehemmt und durch äußeren Obstand Aufgehalten, den Weg langsamer sie müssen vollenden. Doch die von einfach dichter Natur, wann solche durchs Leere Streichen, hindert sie nichts von außen; und einzeln, als Teilchen, |
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| Streben sie einzig allein zum Punkte, zu dem
sie begonnen. Und so müssen sie weit an schneller Bewegung und Eile Übertreffen die Strahlen des Sols: im nämlichen Zeitpunkt, Wo nun die Blitze der Sonne die Himmelsräume durchschießen, Müssen sie mehrere Male die ähnlichen Weiten durchmessen. |
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| Denn in der Tat, sie werden sich nicht aus Bedenken
verweilen; Auch erforschen sie nicht mit Sorgfalt jeglichen Umstand, Sich zu belehren, wodurch die Führung der Dinge bewirkt wird. Einige doch, Unwissende, streiten dagegen und sagen, Dass die Materie nicht ohn' allen göttlichen Einfluss |
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| Menschlichen Dingen so sehr sich anzueignen vermöge:
Jahreszeiten zu wechseln und Früchte der Erde zu schaffen; Ja, auch das übrige noch, wozu die Sterblichen antreibt Und sich zeiget als Führerin selbst die göttliche Wollust, Dass sie in schmeichelnder Lust fortpflanzen sich mögen, damit nicht |
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| Untergehe der Menschen Geschlecht. Doch wann
sie es wähnen, Dass für diese die Götter allein nur alles erschaffen, Fallen sie tiefer hinab vom richtigen Wege der Wahrheit. Denn wenn ich auch die Natur ursprünglicher Stoffe nicht kennte, Würd' ich mir doch getraun, aus des Himmels Beschaffenheit selber |
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| Dreist zu behaupten, und noch aus mehreren anderen
Gründen: Dieses Gebäude der Welt, mit solchen Mängeln behaftet, Sei kein göttliches Werk zu unserm Gebrauche geschaffen. Doch dies werd' ich, mein Memmius, dir in der Folge noch dartun: Lass von der Stoffe Beweglichkeit jetzt die Rede mich enden. |
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| Hier nun scheint mir der Ort, dir noch zu beweisen,
es könne Sich durch eigene Kraft aufwärts kein Körper bewegen. Lass nicht etwa hierin die Flammenkörper dich täuschen: Aufwärts steigen sie zwar und wachsen empor in die Höhe; Saaten auch wachsen empor und Pflanzen und herrliche Bäume, |
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| Da durch eignes Gewicht doch alles zur Erde sich
hinsenkt. Springet das Feuer empor zum Giebel und Dache des Hauses Und umzüngelt Gebälk und Sparren mit eilender Flamme, Darf man nicht glauben, es tu' es von selbst, ohn' äußeren Antrieb; Etwa so wie das Blut, aus unsern Adern entlassen, |
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| Rasch in die Höhe hüpft und die Purpurröte verspritzet.
Sieh doch, mit welcher Gewalt das Wasser Balken und Bohlen Wieder zur Höhe stößt: je tiefer man solche hinabdrückt Und mit mächtiger Kraft sie senkrecht dränget zu Boden, Desto heftiger nur speit aufwärts wieder die Flut sie, |
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| Dass noch ein größerer Teil als zuvor von ihnen
herausspringt. Niemand zweifelt jedoch, dass diese durch eigene Schwere Abwärts würden gedrückt im leeren und nichtigen Raume. Ebenso mögen die Flammen, emporgetrieben vom Lufthauch, Aufwärts steigen, obgleich im Kampf mit der eigenen Schwere, |
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| Welche dagegen streitet und nieder sie suchet
zu leiten. Siehe die Fackeln der Nacht, die hoch den Himmel durchfliegen: Wie sie die flammigen Furchen in langen Streifen dahinziehn, Wo nur immer Natur den Fortgang ihnen gewährt hat! Siehst du nicht Sterne herab vom Himmel fallen zur Erde? |
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| Streuet nicht allerwärts vom erhabenen Gipfel
die Sonne Aus die strahlende Glut und besät mit Lichte die Felder? Abwärts gießt sich demnach das Feuer der Sonne zur Erde. Ebenso siehst du den Blitz die Gewitterwolken durchkreuzen; Der sich entreißende Strahl trifft hier, trifft dorten zusammen. |
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| Aber die flammende Kraft stürzt nieder gewöhnlich
zur Erde. Noch verlang' ich, mein Memmius, dir zur Erkenntnis zu bringen, Dass die Körper des Stoffs, da sie senkrecht fallen im Leeren Durch ihr eignes Gewicht, in nicht zu bestimmenden Zeiten, Noch am bestimmten Ort von der Bahn abtreiben ein wenig; |
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| Wenig, soviel du nur magst die mindeste Änderung
heißen. Fände dieses nicht statt, so fielen die Körper gerade Wie die Tropfen des Regens herab, durch Tiefen des Leeren: Anstoß würde nicht sein, nichts würd' auch treffen zusammen; Und so hätte Natur nichts bilden können noch schaffen. |
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| Möchte man sagen, vielleicht sind schwere Stoffe
vorhanden, Welche schneller deshalb in gerader Richtung durchs Leere Fallen, getrieben von oben herab, auf die unteren leichtern, Also bewirkend den Stoß zur lebenerzeugenden Regung. Wer dies saget, verfehlet bei weitem die richtigen Gründe: |
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| Denn in der Luft, im Wasser beschleuniget jeglicher
Körper Seinen natürlichen Fall, dem Maß nach seines Gewichtes, Weil die leichtere Luft, das dichtere Wasser nicht können Jegliches Ding aufhalten auf ein und die nämliche Weise; Sondern wann schwereres drückt, so müssen sie schneller entweichen. |
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| Aber der leere Raum setzt niemals sich einem
der Dinge Irgend auf eine Weis' entgegen, so dass es den Weg nicht Nehmen könne dahin, wohin es die eigne Natur treibt. Alles muss sich daher, ob bei ungleichem Gewichte, Abwärts treiben mit nämlicher Eil' im ruhigen Leeren. |
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| Nie kann also das Schwere herab aufs Leichtere
stürzen, Noch erzeugen den Stoß, der aller Entstehungen Grund wird. Und so müssen durchaus sich ein wenig beugen die Stoffe; Aber das mindeste nur; denn niemals geben wir eine |
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| Schräge Bewegung zu; die Erfahrung streitet
dagegen. Zeigt ja der Augenschein, kein Körper, stürzend von oben, Könne sich schräg hinab durch eigene Schwere bewegen: Aber ob solcher durchaus vom geraden Wege nicht etwas |
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| Abweicht, könnte das wohl die Schärfe des Auges
bemerken? Ferner, wenn alle Bewegung genau aneinander geknüpft ist, Also dass stets ein Glied bestimmt erregte das andre; Wenn nicht läge der Grund, der auf Abweichungen hinzielt, Schon in den ersten Keimen des Stoffs, zu zerreißen des Schicksals |
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| Bande, damit nicht ewig sich Folg' ankettet
an Folge: Woher ließe sich dann der freie Wille gedenken? Dieser dem Schicksal entrissene Wille der lebenden Wesen, Durch den jegliches geht, wohin es die eigene Lust führt. Auch wir beugen die Richtung, in unbestimmetem Zeitlauf |
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| Und an unbestimmetem Ort, nach eigener Willkür.
Denn wer zweifelte noch, dass unsrer Bewegungen jede Erst im Willen entsteht, von da in die Glieder sich fortpflanzt? Siehst du nicht, wann zum Lauf dem Renner die Schranken sich öffnen, Dass sein Schenkel die Bahn so schnell durchbrechen nicht könne, |
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| Als sie der Sinn schon erreicht? denn alle die
Fülle der Stoffe Muss durch den ganzen Körper erregt, durch alle Gelenke Sich versammeln, vereint dem Triebe des Sinnes zu folgen. So, dass hieraus du erkennst, es entspringe die Regung im Herzen, |
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| Geh' anfänglich hervor aus eigenem Willen der
Seele Und in den Körper von da und in alle Gelenke des Körpers. Anders verhält es sich doch, wann überwiegende Kräfte Auf uns stoßen und uns mit Gewalt hinzwingen zum Fortgang. |
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| Klar ist's, dass sich alsdann die sämtliche Masse
des Körpers Wider den Willen bewegt und fortgerissen mit werde, Bis der Wille zuletzt die Obhand wieder gewonnen. Daraus magst du ersehn, obgleich die äußere Kraft oft Viele treibet und zwingt, auch wider den eigenen Willen, |
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| Ja, mit Gewalt sie reißt, dass dennoch in unserer
Brust selbst Etwas noch sei, das sich könn' entgegen ihr setzen und streiten; Und auf dessen Geheiß die angehäufeten Stoffe Müssen Gehorsam leisten in allen Gelenken und Gliedern, Dass sie den Fortschuss hemmen, sich wieder in Ruhe zurückziehn. |
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| Eben dasselbe musst du demnach erkennen im Grundstoff:
Dass noch ein anderes sei, das außer dem Stoß und der Schwere Ihn in Bewegung setz' und erteile dies innre Vermögen: Weil aus Nichts nichts wird, wie bereits die Erfahrung es lehret. Eigene Schwere verhindert, dass äußere Wirkung des Stoßes |
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| Alles allein nicht vermag. Dass aber im Innern
der Geist selbst Nicht notwendig bestimmt zu jeder der Handlungen werde, Gleichsam gefesselt sei, jedwedes zu dulden und leiden, Dieses bewirkt allein die geringe Beugung der Stoffe Am verschiedenen Ort und in nicht zu bestimmenden Zeiten. |
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| Dichter waren die Stoffe der Urmaterie niemals Denn sie vermehret sich nicht und nichts geht unter von solcher. Um deswillen auch ist die Bewegung, in welcher die Stoffe Gegenwärtig noch sind, schon seit undenklichen Zeiten Eigen ihnen gewesen und wird auch ferner es noch sein. |
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| Was sie erzeugten vordem, das wird auf nämliche
Art auch Künftig wieder erzeugt; denn dasselbe Maß und Bedingnis Ihres Vermögens, Wachstums und Seins wird immerhin bleiben, Wie die Natur nach ihrem Gesetz es jeglichem zuteilt: Nichts, was irgend nur ist, mag ändern die Summe der Dinge. |
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| Denn wo wäre der Ort, wohin die Teilchen des
Urstoffs Sollten dem All entfliehn? wo sollten auch wieder die neuen Kräfte sich sammeln, zu dringen ins All, zu verändern der Dinge Ganze Natur, den Lauf und die Ordnung ihrer Bewegung? Wundre dich übrigens nicht, dass bei dem beständigen Umtrieb |
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| Aller Urelemente das Ganze doch scheine zu ruhen
— Ausgenommen was sich durch eigene Kräfte beweget —, Weil von der Sinne Bezirk entfernt liegt alle Natur uns Jener Urelemente. Da diese du selber nun nicht kannst Sehen, entziehet sich auch den Augen ihre Bewegung. |
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| Selbst die Dinge, die wir mit den Augen erkennen,
verbergen Ihre Bewegungen oft, durch weitere Fernen des Ortraums. Gleiten über die Hügel die wolletragenden Herden, Äsend die frohe Weidung, wo immer ein jegliches einlädt Lieblicher Kräuter Genuss, vom frischen Taue beperlet; |
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| Lämmerchen spielen gesättigt umher und stutzen
zusammen: Aber von weitem scheinet uns dies ein verworrener Haufe, Gleichsam ein weißer Fleck auf grünlichem Boden bestehend. Gleichermaßen, wenn nun, das Bild des Krieges erweckend, Mächtige Legionen die Ort' im Laufe besetzen: |
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| Auf zum Himmel steiget der Blitz, es leuchtet
die Erde Ringsum wider vom ehernen Glanz, und unter dem Fußtritt Tönt von der Männer Gewalt der Boden; das laute Geschrei prallt Weit von den Bergen zurück, bis hin zu Gestirnen des Himmels; Scharen der Reiter fliegen umher und lassen im Fluge |
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| Strecken der Felder zurück, die erzittern unter
dem Hufschlag Dennoch scheinen sie uns, von gewissen Höhen des Berges, Unbeweglich zu stehn, und der Blitz auf den Feldern zu weilen. Auf, und höre nunmehr die Eigenschaften der Körper Urerzeugenden Stoffes: wie mannigfaltig an Formen |
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| Diese sind, an Figur wie sehr voneinander verschieden.
Nicht, dass wenige nur sich ähnlich wären an Bildung, Sondern weil alle durchaus nicht allen anderen gleich sind. Auch begreiflich ist das; denn da die Menge so groß ist, Dass, wie ich oben gelehrt, nicht Maß noch Summe sie kennet, |
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| Können auch alle sie nicht gleich sein an Figur
und an Umriss. Nimm nun ferner das Menschengeschlecht, der schuppigen Fische Stumme Herden, das Vieh der Weide, die Tiere des Waldes Und das bunte Geflügel, das teils an lustigen Wassern |
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| Fröhlich zusammenkömmt, an Ufern der Quellen
und Seen, Teils, Bewohner des Waldes, die stillen Haine durchschwirren: Sieh, wie jegliches doch, nach Art der eigenen Gattung, Sich auszeichnet vom andern, an Färb' und Bildung verschieden. Und wie könnte denn sonst das Junge die Mutter, die Mutter |
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| Wieder ihr Junges erkennen ? Und gleichwohl zeigt
die Erfahrung, Dass sie sich untereinander so gut wie die Menschen erkennen. Oft vor der Götter Bild, am weihrauchdampfenden Altar Fällt das geschlachtete Kalb, die warmen Ströme des Blutes Hauchend aus seiner Brust: dann irrt die verwaisete Mutter |
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| Durch die grünenden Triften umher und lässt in
den Boden Eingedrücket die Spur der doppelt gespaltenen Klauen. Jeglichen Ort durchspähet ihr Äug', ob irgend sie möchte Wieder erblicken ihn, den Säugling, den sie vermisset. Und nun stehet sie da und füllt mit Klagen den Laubwald, |
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| Kehrt oft wieder zurück zum Stall, durchbohret
von Sehnsucht. Nicht die zarten Weiden, die Kräuter, erfrischet vom Taue, Reizen sie nicht, noch der Strom, der hoch am Ufer dahinstreicht; Nichts ergötzt ihr Gemüt, nichts kann den Kummer ihr wenden; Nicht die übrige Zucht der Kälber auf fröhlichem Anger |
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| Kann ihr anders richten den Sinn, noch heben
die Sorge: So sehr hanget das Herz an dem Eigenen, an dem Bekannten. Auch das meckernde Böckchen erkennt die gehörnete Mutter, Und das wollige Schaf am Geblök das stutzige Lämmchen. Und so findet sich jegliches da, wohin die Natur ruft, |
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| Auch das säugende Wild, am eigenen Euter der
Mutter. Nimm noch jegliche Art von Samen und Körnern; du wirst sie Ganz gleich unter sich nie, auch selbst in der eigenen Gattung, Finden; es läuft an Form stets etwas Verschiedenes unter. Auch das Muschelgeschlecht malt, wie wir es sehen, der Erde |
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| Schoß auf ähnliche Art allda, wo mit sanfterer
Welle Schläget das Meer den saugenden Sand der gekrümmeten Ufer, Und so müssen aus ähnlichem Grund die Samen der Dinge, Da sie das Werk der Natur und nicht nach bestimmtem Modelle |
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| Sind von Menschen geformt, in Figur verschieden
auch schweben. Leicht begreift es sich nun, weswegen das Feuer des Blitzes Schneller und heftiger wirkt als Feuer entstanden aus Fackeln: Weil es sich sagen ließe, dass jenes Feuer des Himmels |
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| Feiner in seinem Stoff', aus kleinern Figuren
bestehe. Deshalb dringet es auch durch Öffnungen, welche das Feuer Nicht zu durchdringen vermag, das aus Holz und Kerzen erzeugt wird. Licht durchdringet das Horn; doch dies drängt von sich das Wasser: Aber warum? deshalb, weil kleiner die Stoffe des Lichtes |
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| Körperlich sind, als woraus bestehet das lautere
Wasser. Schnell und ohne Verzug, wie man sieht, fließt Wein durch die Seihe, Dahingegen das Öl nur langsam tröpfelt und zaudert, Weil die Stoffe vielleicht von diesem größer, vielleicht auch Mehr aneinandergehakt und mehr ineinander verschränkt sind: |
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| Dies ist Ursach, warum so behend nicht einzelne
Teilchen Auseinandergezogen sich trennen können von andern, Durchzufließen durch jedes der einzelnen Löcher der Seihe. Kommt noch diesem hinzu, dass der Saft der Milch und des Honigs Süß in dem Munde zerfließt, hingegen bitterer Wermut |
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| Oder das strenge Centaurium ihn mit Ekel verziehen. Leicht erkennt man daraus, was lieblich die Sinne berühret, Muss' aus glatten bestehn und rundlichen Körpern des Urstoffs, Dahingegen, was bitter und streng, den Sinnen zuwider, |
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| Mehr sich verbindet in sich durch hakenförmige
Körper. Dieses pfleget daher die feineren Gänge der Sinne Aufzureizen und durchzureißen die Teile des Körpers. Endlich was bös oder gut, was hold oder widrig den Sinnen, Streitet unter sich selbst durch verschiedenart'ge Figuren. |
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| Denke dir etwa nicht, es bestehe der rasselnden
Säge Scharfes Geräusch aus ebenso glatten und schlüpfrigen Stoffen Als das melodische Lied, das reg' durch die Saiten der Künstler Mit dem belebenden Finger erweckt und bildet dem Ohre. Auch ganz anderer Teilchen Figur dringt ein in die Nase |
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| Von dem eklen Geruche der faulenden gärenden
Äser, Als wann der Bühne frisch nun enthaucht der kilikische Safran Und der Altar aufdampft panchäische Opfergerüche. Auch die gefälligen Farben, an welchen das Auge sich weidet, Halte mit jenen du nicht aus ähnlichen Stoffen bestehend, |
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| Welche durchstechen das Äug' und gleichsam Tränen
erzwingen, Oder den grauen und schmutzigen auch, die hässlich dem Anblick. Denn was den Sinnen behagt und den Augen schmeichelt, das alles Ist ursprünglich begabt mit einer gefälligen Glätte; Alles, was widrig hingegen und rauh und ihnen beschwerlich, |
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| Findet sich immer bereits schon harsch und widrig
im Grundstoff. Aber es gibt der Körperchen auch, die weder für glatte Noch für krumme zu halten, an denen die Spitzen gebogen; Sondern sie scheinen vielmehr vorragende Eckchen zu haben, Minder zu stechen damit die Sinne, als solche zu kitzeln: |
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| Unter diese gehört Weinrahm und saftiger Alant.
Endlich beweist auch noch das Gefühl, dass brennendes Feuer Und der gefrorene Reif, gezahnt auf verschiedene Weise, Auf verschiedene Art auch unsere Sinne verletzen. Denn das Gefühl, das Gefühl, bei allen unsterblichen Göttern! |
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| Ist die Empfindung des Körpers, wann äußre Berührung
entweder Eindringt oder im Innern erzeugt uns etwas beleidigt; Oder auch süßer Erguss ergötzet in Werken der Liebe; Oder wann Teile des Stoffs selbst gegeneinander im Körper Streiten und also erregt den Sinn ineinander verwirren: |
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| Wie du es selber erfährst, wenn irgend an einen
der Teile Deines Körpers du dich mit deiner eigenen Hand schlägst. Welches beweist, dass die Stoffe, die so verschiedne Gefühle Wecken können, auch selbst gar sehr verschieden an Form sind. Endlich: alles, was dicht und hart den Sinnen erscheinet, |
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| Muss durch Stoffe, die hakiger sind, zusammengehalten,
Gleichsam ästig verschränkt, fest aneinander sich schließen. Unter diese gehört vor den übrigen allen der Demant, Steht in der Reihe voran und scheut den gewaltsamen Schlag nicht: Auch das Kieselgeschlecht und des Eisens trotzende Härte |
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| Und das tönende Erz an den Angeln mächtiger
Tore. Aber was nass und feucht aus flüssigen Körpern bestehet, Muss aus glatten vielmehr und gerundeten Stoffen erzeugt sein. Auch das Gesäme des Mohns ergießt sich beinahe wie Wasser, Weil die geballten Kügelchen, los von jeder Verbindung, |
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| Frei fortschießen und leicht hinrollen von neigender
Fläche. Endlich, was irgend du siehst sich augenblicklich zerstreuen, Als den Nebel, den Rauch, die Flamme, wofern auch die Stoffe Alle nicht glatt und rund, so müssen doch nicht sie verschränkt sein, |
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| Noch auch verwickelt in sich: wie könnten sie
Steine durchdringen Oder zerstechen die Haut? Auch nicht aneinander sich hängen, Wie man an Kletten es sieht: woraus gar leicht du erkennest, Dass sie aus spitzigen mehr als verwickelten Stoffen bestehen. Dass du Dinge bemerkst, die bittern Geschmackes, doch flüssig, |
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| Wie die Nässe des Meers, darf keinesweges dich
wundern: Denn das Flüssige kommt von runden und schlüpfrigen Stoffen; Aber mit diesen vermischt sind rauhe und schmerzliche Stoffe, Welche doch nicht notwendig gehakt aneinander sich halten; Kuglicht müssen sie sein, obgleich von höckriger Bildung, |
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| Hinzurollen, und doch zugleich zu verletzen die
Sinne. Auch zum klaren Beweis, dass Rauhes und Glattes gemischt sei In den Stoffen, woraus Neptunus' Körper bestehet, Sind ja Mittel zu scheiden sie da, und sie einzeln zu sehen. Eben dasselbe Nass wird süß, wann öfters geläutert |
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| Durch den Boden es fließt und dann in der Grube
sich mildert: Denn es lässt an der Rinde zurück das widrige Seesalz, Welches, da rauh sein Stoff, auch leicht an der Erde bekleibet. Füglich knüpfen wir hier an diese Lehre noch jene, |
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| Die auch ihren Beweis von derselben entlehnet;
dass nämlich Alle Figuren des Stoffs in bestimmtem Maße nur wechseln. Wär's nicht also, so müsst' ein Teil von denselben an Umfang Unzuermessend sein; doch können bei ähnlicher Kleinheit Ihrer Körper sie nicht so sehr in Verschiedenheit ändern. |
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| Lass den winzigen Körper um drei, um mehrere
Teile Größer werden und nimm die Teile desselbigen Körpers Alle, setze, was oben, zuunterst, zur Rechten, was links ist: Alle verschiedne Figuren, die diese Versetzungen geben, Hast du nun völlig versucht; und willst du sie weiter verändern, |
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| Musst du mehrere noch und andere Teile hinzutun,
Und stets mehrere noch, je mehr du zu ändern gedenkest. Immer müsste daher mit neuer Bildung die Masse Sich auch vergrößern; woraus hinlänglicher Grund sich ergibet, Um zu glauben, es müsse begrenzt der Stoffe Figur sein: |
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| Denn man müsste fürwahr von ungeheuerer Größe
Manche sich denken; wozu, wie oben gesagt, der Beweis fehlt. |
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| Und nun lägen dir schon die barbarischen köstlichen
Kleider, Meliböischer Purpur, in Blut thessalischer Schnecken Eingetaucht, es läge der goldenen Pfauengeschlechter Lachender Reiz besiegt von neueren Farben darnieder. |
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| Smyrnas Gerüche würden verschmäht, die Süße des
Honigs Und der Schwanengesang und die holden phöbeischen Lieder, Wechselnd auf Saiten; auch sie verstummten aus ähnlichem Grunde: Denn ein Neueres stets, ein Besseres, käme zum Vorschein. Rückwärts könnten auch so zum Schlimmern schreiten die Dinge: |
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| Immer etwas dem Auge, dem Ohr, dem Geschmack
und Gerüche Widriger als zuvor durch neue Verändrungen werden. Aber da dies nicht ist, vielmehr da den Dingen gesetzt ist Grenze von beiden Seiten, zusammenzuhalten das Ganze, Muss die Verschiedenheit auch in der Stoffe Figuren begrenzt sein. |
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| Gleichergestalt auch ist das Maß der brennenden
Hitze Bis zu dem Winterfrost auf beiderlei Seiten bestimmet. Denn das Ganze des Jahrs ist Kält' und Hitze; dazwischen Liegen die lauen Wechsel, die Stufenleiter erfüllend. Auseinander stehn sie daher in bestimmeten Grenzen, |
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| Sind an beiderlei Enden mit schneidender Schärfe
bezeichnet; Hier mit Flammen besetzt, und dort mit dem starrenden Eisfrost. Füglich knüpf ich annoch an diese Lehre die andre, Die auch ihren Beweis von solcher entlehnet: dass nämlich Sich die Zahl derjenigen Stoffe, die gleich an Figur sind, Ins Unendliche hin erstrecke: sofern ja beschränkt ist |
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| Ihrer Formen verschiedene Art, so folgt, dass
die Anzahl Jener unendlich sei, die an Form und an Bildung sich gleichen, Oder es wäre beschränkt die gesamte Summe des Urstoffs Selber; wovon ich jedoch zuvor schon zeigte den Urgrund. Nun da ich dieses gelehrt, so will ich, mein Memmius, annoch Zwar in wenigen, doch süß redenden Versen dir dartun, |
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| Dass die Körper des Stoffs durch ununterbrochenen
Fortschuss Seit undenklicher Zeit erhalten die sämtlichen Dinge. Seltner sehen wir zwar gewisse Geschlechter der Tiere, Obgleich ihre Natur auf mehrere Fruchtbarkeit deutet; Eben dieselben jedoch sind häufig in anderen Ländern, |
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| Andern Orten und Strichen der Erd' und füllen
die Zahl aus. So wie vor ändern man sieht im Geschlecht vierfüßiger Tiere, Am Elefanten mit Schlangenrüssel; mit Tausenden ihrer Gürtet India sich wie mit elfenbeinerner Brustwehr, Dass man nicht durchzubrechen vermag: so groß ist die Anzahl |
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| Derer, von welchen wir hier nur einzelne wenige
sehen. Aber gesetzt, es gäb' auch ein Ding von natürlichem Aufwuchs, Einzig in seiner Art, wo nirgends das Gleiche sich fände: Wäre der Vorrat nicht unendlich des ähnlichen Grundstoffs, Aus dem erzeugt erwachsen es könnte, so wäre sein Dasein |
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| Nimmer möglich, noch Nahrung dafür, noch weiterer
Fortwuchs. Stelle dir einmal vor, es sei zu den einzelnen Dingen Nur ein beschränkter zeugender Stoff im Ganzen vorhanden: Wie und wo, auf welcherlei Art, durch welches Vermögen Sollte sich dieser zusammen, im Ozeane der Stoffe, |
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| Unter den Strudel gemengt fremdartiger Teile,
verbinden ? Nirgends kann ich den Grund von solcher Vereinigung finden: Sondern, so wie die wogige See, nach gewaltigem Schiffbruch, Ruderbänke und Mast und Segelstangen und Steuer, Kiel und Schnäbel der Schiffe, das bunte flutende Schnitzwerk |
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| Weit an alle Küsten zerstreut entlegener Länder, Dass sie ein Zeichen werden, ein Beispiel lehrend die Menschen, Nie des gewaltigen Meeres verborgener Tücke zu trauen, Ja, noch dann es zu scheun und nicht sich darauf zu verlassen, Wann sie die spielende Flut mit buhlender Freundlichkeit anlacht: |
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| Ebenso würden, woferne die Zahl von einigen
Stoffen Eingeschränket man nimmt, von wechselnden Wogen des Urstoffs Ewig umhergewälzt, sie nie zur Verbindung gelangen, Nie festsetzen sich können und nie sich vergrößern durch Wachstum. |
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| Aber dass dieses geschieht, das sehen wir dennoch
vor Augen; Dass sich Wesen erzeugen und dass das Erzeugete fortwächst: Und wir schließen daraus, die Zahl ursprünglicher Körper Sei in jeglicher Art, das Ganze zu stützen, unzählbar. Und so behalten denn nicht die Bewegungen, welche zerstören, |
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| Immer die Oberhand, zu begraben ewig die Wohlfahrt
Aller Dinge; noch können auch die, die Zeugung und Wachstum Fördern, erschaffene Wesen in ewiger Dauer erhalten. Und so führt sich der Krieg der uranfänglichen Körper Seit undenkbarer Zeit mit gleichem Verlust und Gewinn fort. |
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| Hier erhalten den Sieg die lebenerweckenden Dinge,
Werden dort überwunden: es mischt ins Leichengepränge Sich das Gewimmer des Kindes, das auf zur Schwelle des Tags blickt: Niemals löset die Nacht den Tag ab, oder das Frührot Wieder die Nacht, dass sie nicht das Wimmern hörten des Säuglings, |
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| Eingemischt in Gestöhn, dem Begleiter des Tods
und der Bahre. Eins nur präge dir fest in den Sinn und erhalt es darinnen: Dass in der Dinge Natur, so weit uns diese bekannt ist, Nichts sei, welches aus einerlei Art der Stoffe bestehe; |
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| Nichts von allem, das nicht aus vermischtem
Samen erzeugt sei: Und je mannigfacher ein Ding an Vermögen und Kraft ist, Um so verschiedener ist's an Art und Gestalten der Stoffe. Also die Erde vorerst: sie hat Urkörper, durch welche |
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| Jenes unendliche Meer durch die Flüsse wälzenden
Quellen Immer sich wieder erneut: sie hat auch Stoffe des Feuers, Denn der Boden der Erd' entbrennt an verschiedenen Orten; Aber am heftigsten rast mit wütenden Flammen der Aetna. |
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| Ferner noch hat sie die Stoffe, woraus sie glänzende
Saaten, Fröhliche Büsche lässt aufsteigen zum Nutzen des Menschen; Auch dass sie hangende Zweige daraus und blühende Krauter Kann darreichen zum Futter dem bergdurchschweifenden Wilde. Darum wird sie zugleich die große Mutter der Götter |
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| Und der Tiere benannt, die Erzeugerin unsers
Geschlechtes. Diese, so sangen vordem die weisen Dichter der Graien, Sitzt auf dem Wagen und treibt die doppelspännigen Löwen: Anzudeuten damit, groß schwebe die Erd' in dem Luftraum, Könn' auch wieder sich nicht auf die Erde stützen die Erde. |
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| Wilde Tiere gesellte man bei; zu lehren, so wild
auch Sei ein Geschlecht, so werd' es bezähmt durch Liebe der Eltern. Eine Mauerkron' umschließt das erhabene Haupt ihr, Weil an erhabenen Orten sie Festen traget und Städte. Also gekrönt durchzieht sie die weiten Strecken der Länder; |
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| Schauer erregend erscheinet das Bild der göttlichen
Mutter. Auch wird diese von Völkern, nach altem geheiligtem Brauche, Mutter von Ida benannt: sie geben auch Scharen der Phryger Ihr zum Geleit, weil erst, wie sie sagen, von phrygischer Grenze Über der Erde Kreis der Fruchtbau seie gekommen. |
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| Auch entmannete Priester begleiten sie: also
zu deuten, Dass, wer die Mutter nicht ehrt, den Dank versaget den Eltern, Unwert sei, ein lebend Geschlecht zum Lichte zu bringen. Pauken donnern von schlagender Hand, die gehöhleten Zymbeln Schallen umher, es brüllt mit heiserem Rufe das Krummhorn, |
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| Phrygischer Pfeifen Ton reizt heftiger noch die
Gemüter. Spitzige Waffen trägt man voran, die Zeichen der Rachwut, Um zu erschrecken, durch Furcht vor der Göttin erhabenen Hoheit, Undankbare Gemüter, des Pöbels frevelnde Sinnen. Fährt sie in solchem Pomp nun durch die erhabenen Städte, |
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| Stummbeglückend die Menschen mit ihrem schweigenden
Segen, Streuen sie Silber und Erz auf alle Straßen des Weges, Spenden ihr reichliche Gaben und überschneien mit einem Rosenschauer die Göttin und deren begleitend Gefolge. Aber ein andrer bewaffneter Trupp, ihn nennen die Griechen |
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| Phryg'sche Kureten: sie spielen verteilt in
Reihen zusammen, Stampfen nach Maß und Takt, betränt mit Blute, den Boden. Schüttelnd auf ihren Häuptern die furchtbar wallenden Büsche Stellen sie jene Kureten aus Dikte vor, die man saget, Dass in Kreta sie einst das Wimmern des Jupiters bargen, |
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| Als die Knaben umtanzten in fliegenden Reihen
den Knaben Und bewaffnet im Takt an die Schilde schlugen die Schwerter, Dass Saturnus ihn nicht, ihn ergreifend, möchte verschlingen Und der Mutter ins Herz die ewige Wunde versetzte: |
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| Darum begleiten sie auch die große Mutter in
Waffen; Oder auch anzudeuten, die Göttin verlange, mit Waffen Und mit tapferem Mut sein väterlich Land zu verteid'gen, Sich zu rüsten, der Schutz und die Zierde der Eltern zu werden. Ist dies alles nun gleich gar schön und trefflich ersonnen, |
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| Weicht es doch gänzlich ab vom richtigen Grunde
der Wahrheit. Denn es müssen die Götter, durch sich und ihrer Natur nach, In der seligsten Ruh unsterbliches Leben genießen, Weit von unserm Tun und unseren Sorgen entfernet. Frei von jeglichem Schmerz und befreit von allen Gefahren, |
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| Selbst sich in Fülle genug, nicht unserer Dinge
bedürftig, Rührt sie nicht unser Verdienst noch reizet sie unser Vergehen. Zwar Empfindung und Sinn ist gänzlich der Erde versaget; Aber da solche besitzt die Stoffe zu mancherlei Dingen, Bringt sie vieles hervor ans Licht auf vielerlei Weise. |
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Will nun einer das Meer Neptunus
nennen, die Feldfrucht Ceres, vielmehr missbrauchen des Bacchus göttlichen Namen, Als das Getränk mit selbst ihm eigner Benennung bezeichnen: Sei es doch unbenommen auch ihm, zu sagen, der Erdkreis Sei die Mutter der Götter, wofern nur die Sache gemeint ist. |
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Grasend findet sich oft auf derselben
Weide zusammen |
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| Ahmen sie nach die Sitten der Art, zu der sie
gehören. Solche Verschiedenheit ist der Grundmaterie eigen, Selbst in jeglichem Gras und selbst in dem Wasser der Flüsse. Ferner, das nämliche Blut, dieselbigen Knochen und Adern, Farben und Feuchtigkeiten, Gedärm und Nerven und Sehnen |
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| Sind bei jeglichem Tier nach dem Anschein immer
dieselben, Da sie doch unter sich selbst weit voneinander verschieden, Ganz aus verschiedner Figur der Anfangsstoffe sich bilden. Ebenso ist es mit dem, was das Feuer flammend verzehret; Nähret es sonst auch nichts, so sind doch Teilchen darinnen, |
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| Feuer zu schleudern von sich, in die Höhe zu
schießen den Lichtstrahl, Funken zu sprühen und weit umher zu zerstreuen die Asche. Wenn du das übrige noch mit ähnlichem Geiste durchwanderst, Wirst du finden, dass stets von mehreren Dingen die Körper Samen verbergen in sich, verschiedne Figuren enthaltend. |
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| Endlich finden wir noch viel Dinge, worin sich
die Farbe Mit dem Geruch und Geschmacke vereint; besonders in Gaben, Wo die Religion durch schändlichen Tausch sich versühnet: Diese bestehen sonach aus vielgestaltetem Grundstoff. Denn der Geruch dringt ein, wohin der Geschmack nicht gelanget; |
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| Wieder zu anderem Sinn der Geschmack und die
Nahrung des Saftes: Welches den Unterschied der Grundgestalten erweiset. Dieser verschieden gestaltete Stoff verbindet zu einer Masse sich nun, und alles besteht aus gemischetem Samen. Also bemerkest du selbst zum Teil in unseren Versen |
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| Lettern, die vielen Worten gemein, da die Wort'
und die Verse Immer zusammengesetzt aus andern Lettern bestehen. Nicht weil diese vielleicht nur selten in jenen erschienen, Oder der Worte nicht zwei aus sämtlichen ähnlich sich fänden; Sondern indem überhaupt nicht alle in allem sich gleich sind. |
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| Eben auch, wenn sich gemeinsamer Stoff bei anderen
Dingen Findet in großer Zahl, so können sie untereinander, Was das Ganze betrifft, doch sehr verschiedner Natur sein: Dass man behaupten könnte mit Recht, aus anderen Stoffen Sei das Menschengeschlecht und Tier' und Pflanzen entstanden. |
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| Stelle dir aber nicht vor, dass alle auf allerlei
Weise Sich verbinden; du sähst voll Ungeheuer die Welt dann. Menschen mit Tiergestalt, zuweilen aus lebenden Körpern Wachsende Zweige des Baums, und oft mit Gliedern des Seetiers In Verbindung gesetzt des Landtiers mancherlei Glieder. |
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| Alsdann würde Natur auf allgebärender Erde Wilde Chimären weiden, mit flammenschnaubendem Rachen. Dass doch niemals dergleichen geschieht, ist klar; denn wir sehen, Dass aus eigenem Samen erzeugt, in eigener Mutter, Alles in seiner Art sich erhalten könne beim Fortwuchs. |
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| Und dies muss notwendig geschehn nach bestimmten
Gesetzen. Denn die besonderen Stoffe, die jeglichem eigen gebühren, Scheiden aus jeder Nahrung sich ab in die eignen Gefäße Und erregen darin, sobald sie verbunden sich haben, Schickliche Lebensbewegung; hingegen die Teile, die fremd sind, Wirft die Natur von sich: viel andere fliehen unmerkbar |
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| Aus dem Körper hinweg, von anderen wieder getrieben.
Sie sind's, welche sich nicht zum Gebrauch des Körpers verbinden, Nicht zustimmen und nicht eintreten zur Lebensbewegung. Denke doch nicht, dies Gesetz beschränke die tierische Welt nur; Irgend ein ähnlicher Grund setzt alle Ding' auseinander. |
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| Denn wie jegliches Ding, das erzeugt wird, anderen
ungleich Ist in seiner Natur, so muss auch jedes beinahe Aus verschiedner Figur ursprünglicher Stoffe bestehen: Nicht dass wenige nur von ähnlichen Formen sich fänden, Sondern indem überhaupt nicht alle in allem sich gleich sind. |
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| Ist. nun verschieden der Stoff, so sind verschieden
die Räume, Zwischengänge, Gewicht, die Art der Verbindung, der Forttrieb Und der Zusammenstoß und Bewegung: welche die Tierwelt Nicht nur, welche sogar das weite Meer und die Erde Scheiden, und welche zurück von dem Erdraum halten den Himmel. |
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| Auf, und vernehme du jetzt die Worte, die süßes
Bemühen Ausgeforschet: dass nicht, was weiß dem Auge sich darstellt, Weiß erscheine deshalb, weil weiße Stoffe der Grund sind; Oder, was schwarz aussieht, aus schwarzem Samen erzeugt sei: Noch auch jegliches Ding, das irgend gefärbt wir erblicken, |
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| Also sich zeige, dieweil schon ähnliche Farbe
von dieser In der Materie selbst, in dem Ursprungsstoffe, vorhanden. Alle Materie ist ganz ohne Farbe; den Dingen Weder hierinnen gleich, noch ungleich ihnen zu nennen. Sagst du, der menschliche Geist vermöge nicht Körper zu fassen |
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| Solcherlei Art, so irrest du sehr und täuschest
dich gänzlich. Nimm dir den Blindgebornen doch: die göttliche Sonne Hat er nimmer gesehn, doch kennet er, durch das Gefühl bloß, Dinge, die nie im Leben mit Farbe verbunden ihm waren. Ebenso lässt sich verstehn, wie die Seele Begriffe von Körpern |
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| Machen sich könne, die nicht mit Farbe von außen
getüncht sind. Selbst die Dinge, die wir bei Nacht und im Dunkeln betasten, Unterscheiden sich uns, obgleich wir die Farbe nicht fühlen. Was die Erfahrung bezeugt, lass jetzt durch Gründe mich dartun. Jegliche Farbe verwandelt sich leicht in jegliche Farbe; |
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| Aber das dürfen doch nie die Urelemente der Dinge.
Stets muss etwas bestehn, das unveränderlich bleibe, Soll nicht alles in Nichts von Grund aus wieder sich kehren: Denn was irgend verlässt die Grenzen des eigenen Daseins, Stirbt als das, was es war, wird augenblicklich ein andres. |
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| Hüte dich also, den Stoff mit wechselnden Farben
zu tünchen, Soll ins völlige Nichts zuletzt nicht alles zurückgehn. Sind die Stoffe nun gleich nicht farbig ihrer Natur nach, Sind sie dennoch begabt mit mannigfaltigen Formen, Wechselnde Farben daraus von allerlei Arten zu schaffen. |
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| Dann auch lieget noch viel an Mischung und Lage
der Stoffe, Wie sie sich unter sich selbst und wieder zu andern verhalten, Welche Bewegung sie geben und welche sie wieder empfangen; Also dass leicht sich hieraus ein rechenschaftlicher Grund gibt, Wie, was kurz noch zuvor von Farbe dunkel und schwarz war, |
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| Könn' urplötzlich darauf sich in Marmorweiße
verwandeln. Ebenso wird auch das Meer, von heftigen Winden erreget, Umgewandelt in Wogen von heller und glänzender Weiße. Sagen ließe sich dann, dass das, was öfters wir schwarz sehn, Wann es die Stoffe durchmischt, die Ordnung derselben verändert, |
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| Einige sich vermindern und andre dagegen vermehren,
Dieses auf einmal alsdann sich weiß und glänzend erzeige. Wären die Fluten des Meeres jedoch schon dunkel im Grundstoff, Dann so könnten auf keinerlei Art ins Weiße sie wandeln; Möchtest du noch so sehr ineinander jagen die Stoffe, |
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| Nimmer würden ins Weiße sie übergehen, die dunkeln.
Wären die Samen jedoch, aus denen der einfache, klare Meeresschimmer besteht, mit verschiedenen Farben gefärbet, Wie man ein Viereck oft und andre bestimmte Figuren Bildet aus anderen Formen und unterschiednen Figuren: |
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| Müsste man auch, wie hier die verschiedenen
Formen im Viereck, So in der Fläche des Meers und in jeder lauteren Glanzflut Bunte, und weit voneinander verschiedene Farben bemerken. Übrigens zeigt sich die äußre Figur vollkommen im Viereck, |
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| Sind auch die Glieder, woraus es besteht, verschieden
an Bildung: Aber verschiedene Farb' an den Dingen verhindert es gänzlich, Dass dasselbige Ding einfarbig jemals erscheine. Irgendein Grund, der uns noch verführen könnte, den Stoffen Einzuräumen die Farbe, zerfällt und verlieret sich gänzlich, |
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| Wenn man bedenket, dass nicht aus weißen entstünde
das Weiße, Noch, was Schwärze man nennt, aus schwarzen, vielmehr aus verschiednen. Weit natürlicher ist's, dass Weißes aus Stoffen entspringe Ganz farbloser Natur, als dass es aus schwarzen sich zeuge, Oder aus jeglicher Farbe, mit welcher es gänzlich im Streit liegt. |
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| Ferner, da ohne Licht nicht können bestehen die
Farben, Aber hervor ans Licht ursprüngliche Stoffe nicht treten, Folgt natürlich hieraus, dass diese von Farben entblößt sind. Wie kann Farbe sich eignen dem lichtberaubeten Dunkel? Sie, die sich selbst verändert im Licht und verschieden zurückglänzt, |
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| Je nachdem sie der Strahl schief oder gerade
getroffen. An dem Gefieder der Tauben, womit sich Hals und ihr Nacken Rings umkränzt, kannst dieses du schaun im Strahle der Sonne: Anders gewandt erscheinet es rot, im Glanz des Pyropus, |
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| Wieder anders Lasur, in grüne Smaragden gemischet. So auch des Pfauen Schweif; zur volleren Sonne gewendet, Wandelt auf ähnliche Art er die mannigfaltigen Farben. Da nun des Lichtes eigener Wurf die Wirkung hervorbringt, Ist es auch klar, dass, ohne das Licht, nicht solches geschähe. |
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| Ferner noch, da die Pupille durch andere Stöße
gereizt wird, Wann sie das Weiße fühlt, durch andere wieder vom Schwarzen, Wieder auf andere Art von jeglicher anderen Farbe, Auch an der Farbe des Dinges, wofern du solches berührest, Wenig lieget, vielmehr an der Form und der eigenen Bildung: |
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| Also erhellt, dass Stoffe durchaus nicht Farbe
bedürfen, Sondern verschiedener Formen, verschiedne Gefühle zu wecken. Sollte gewisser Farben Natur bestimmten Figuren Eigen nicht sein, und könnte daher mit jeglicher Farbe |
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| Jegliche Bildung der Stoffe bestehn: wie kommt
es, dass Dinge Nicht auf ähnliche Art in jegliche Farbe sich kleiden? Dann so traf es sich wohl, dass zuweilen den fliegenden Raben Weißer Schimmer entglänzte, vom weißen Gefieder und Flügel; Schwarze Schwanen entstünden, aus schwarzem Samen erzeuget, |
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| Oder auch einfach und bunt, in jeder beliebigen
Färbung. Ja du bemerkest sogar, je kleiner man Dinge zerteilet, Desto mehr nur verliert sich die Farbe, die endlich verschwindet. So wenn man Gold zerreibet zu feinem Staube, des Purpurs |
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| Glänzendes Rot zerlegt in die aller zartesten
Fäden: Welches dir klar erweist, dass, ehe zum Stoffe sie kehren, Alle die Teilchen zuvor aushauchen jegliche Farbe. Endlich, indem du Ton und Geruch nicht jeglichem Körper |
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| Zugestehest, so räumest du ein, dass Körper
es gebe Ohne Ton und Geruch: auf ähnliche Weise begreift sich's, Dass, indem wir nicht alles mit Augen zu fassen vermögen, Dennoch Körper vorhanden, die also der Farbe beraubt sind, Wie des Geruches und wie des tönenden Schalles die andern: |
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| Und es erkennt der forschende Geist nicht minder
dieselben, Als die in anderen Dingen auch anderer Zeichen entbehren. Bilde dir aber nicht ein, als seien die Körper des Urstoffs Nur der Farbe beraubt: auch mangelt es ihnen an Wärme, |
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| Sowie an Kälte: sie sind tonlos und ledig des
Saftes; Auch verhauchen sie nicht aus dem Körper eigne Gerüche. So, wann aus Majoran und Myrrhen und aus des Jasmines Nektarblüten man Duft süß hauchender Salben bereitet, Suchen vor allem man muss, wo möglich, geruchlosen Öles |
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| Reine Natur, wovon kein Hauch die Nerven berühret:
Dass es im mindesten nicht die eingemischeten Düfte Mit dem eignen Geruch ansteck' und solche verderbe. Und so müssen, aus ähnlichem Grund, ursprüngliche Stoffe |
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| Weder Geruch noch Ton zu den Dingen bringen,
die durch sie Werden erzeugt: weil nichts aus sich selbst entlassen sie können. Aus demselbigen Grund sind eben die Stoffe geschmacklos, Können nicht Kälte von sich, noch Wärme, noch Hitze versenden. Alles übrige noch, hinfällig der eignen Natur nach: |
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| Nämlich das Schmeidige, Brüchige, Hohle, von
lockerem Körper, Dies muss gänzlich getrennt von allem ursprünglichem Stoff sein, Wenn wir auf unvergänglichen Grund das Wesen der Dinge Wollen erbauen, worauf doch das Heil des Ganzen gestützt ist, Und nicht wieder in Nichts hingeben, was irgend nur da ist. |
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| Nunmehr fordr' ich dich auf mir einzugestehen,
dass alles, Was nur Empfindung hat, aus unempfindlichen Stoffen Sei zusammengesetzt. Dagegen streitet Erfahrung Nicht noch der Augenschein; sie führen beide vielmehr uns Selbst bei der Hand und zwingen zu glauben, dass, wie ich behaupte, |
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| Aus unfühlendem Stoffe die lebenden Wesen erzeugt
sind. Siehet man nicht aus stinkendem Mist lebendige Maden Kriechen, wenn häufiger Regen den Boden in Fäulnis gesetzt hat? Siehet man nicht überdem, wie alle die Dinge sich wandeln? |
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| Wasser sich wandelt in grünendes Laub, die blühenden
Auen In der Tiere Natur, in unsere Leiber die Tiere? Ebenso geben auch wir, durch unsere Körper, dem Raubtier Kräfte zuweilen, zuweilen den fittichmächtigen Vögeln. Also verkehrt die Natur die Nahrung in lebende Wesen |
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| Und erzielet aus ihr Sinn und Empfindung für
alle: Nicht auf andere Art, als wie sie die Flammen aus dürrem Holz entwickelt und wie in Feuer sie alles verkehret. Wirst du nunmehr es gewahr, dass es sei von großer Bedeutung, Wie sich in Lage geordnet die Stoffe befinden, mit welchen |
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| Anderen Stoffen gemischt sie Bewegung empfangen
und geben ? Ferner, was ist's, das selbst das Gemüt uns oftmals erschüttert, Das uns erregt und in uns verschiedne Gefühle hervortreibt, Wenn das Empfindliche nicht aus Unempfindlichem herkommt? Wahr ist's, Stein' und Holz und Erde, zusammengemischet, |
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| Können zwar nicht die lebendige Kraft des Gefühles
erzeugen: Doch man erinnre sich nur der Bedingung, die ich gesetzet, Dass nicht jeglicher Stoff, woraus die Erschaffungen werden, Immer und alsogleich das Empfindungsvermögen erzeuge; Sondern, dass viel zuvörderst daran gelegen, wie klein sie |
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| Sind und von welcher Figur, sie, die das Empfindende
wirken: Dann an der Ordnung, Bewegung, der Lage gegeneinander, Wo von allem du nichts an Holz und Schollen gewahr wirst. Diese bringen jedoch, wofern sie in Fäulnis geraten, Maden und Würmer hervor: weil, wann nun die Nässe hinzudringt, |
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| Solche die Körper des Stoffs aus den vorigen
Ordnungen rücket Und sie also vereint, dass sie lebende Wesen gebären. Ferner noch, wenn das Empfindende sie aus empfindlichen Stoffen Lassen erzeugen und diese so fort aus Empfindlichem wieder, Machen die Stoffe sie weich: denn alles Empfindende wohnet |
|
| Nur in den inneren Teilen, in Adern und Nerven;
und diese Sind von weicher Natur, in ihrer Erschaffung vergänglich. Aber gesetzt, es könnten auch sie fortdauernd sich halten, Müssten entweder sie doch Empfindung haben des Teiles, Oder sie wären auch selbst gleichartig vollendeten Tieren. |
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| Teile können jedoch durchaus nicht für sich empfinden;
Keiner der Teile nimmt der anderen Glieder Gefühl an: Auch vermag nicht die Hand, noch irgendein anderes Gliedmaß Abgetrennet vom Leib und allein Empfindung erhalten. Übrig bleibt, dass sie ganz an Gefühl vollkommenen Tieren |
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| Gleichen, von allen Seiten den Lebenssinn zu
vereinen. Aber wie hießen sie nun ursprüngliche Stoffe der Dinge? Könnten, als wirkliche Tiere, vermeiden die Wege des Todes Sie, die mit jedem Geschöpf, das sterblich, einer Natur sind? Doch es sei ihm nun so; was könnte durch ihre Verbindung |
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| Anders werden als bloßes Gemisch und Schwärme
von Tieren? So wie Menschen und zahmes Vieh und Tiere der Wildnis Nicht, miteinander vereint, durch Zeugung etwas bewirken: Immer müssten daher sie empfinden nach unserer Weise. Aber verlieren vielleicht die empfindenden Stoffe, verbunden |
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| Nun mit andern, das eigne Gefühl und nehmen ein
anders? Wozu gabst du, was wieder du nimmst? — So bleibet denn immer Das, was zuvor wir gesucht: weil nämlich die Eier der Vögel Können in Küchelchen sich verwandeln, und weil des Gewürmes Wimmelnde Heere kriechen aus nassem und faulendem Boden. |
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| Kann auch Sinn und Gefühl aus Nichtgefühle hervorgehn. Möchte man sagen, aus Nichtempfindendem könn' insofern nur Etwas Empfindendes kommen, als solches Veränderung leidet, Gleichsam durch eine Geburt hervor zum Leben gebracht wird: Dieser möge vorerst aus Gründen begreiflich sich machen, |
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| Dass nichts kömmt zur Geburt als durch die Vereinung
des Urstoffs, Nichts verändert auch wird durch ähnliche Wiedervereinung: So, dass Empfindung zuvor nicht statt hat, ehe das Tier nicht Selbst gebildet schon ist. Die Stoffe, woraus es sich bildet, Liegen im Wasser zuvor, in der Luft zerstreut, in der Erde |
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| Und in dem Erderzeugten und können auch, wann
sie zusammen Sind getreten, sogleich die schickliche Lebensbewegung Nicht ausfinden, wodurch des Tiers allschauende Sinnen Angezündet, ihm selbst den Schutz zur Erhaltung gewähren. Ferner, wann irgendein Tier ein Schlag trifft, härter als solchen |
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| Seine Natur erträgt, so wirft er sogleich es
danieder, Und in dem Augenblick ist Sinn und Gefühl in Verwirrung. Auseinander gelöst wird nämlich der Stoffe Verbindung Und die Lebensbewegung gehemmt, bis gänzlich zerrüttet Alle Materie nun im Baue der sämtlichen Glieder |
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| Los von dem Körper trennet die Lebensknoten
der Seele Und dann diese zerstreut durch alle Kanäle hinausjagt. Denn was könnte der Schlag wohl anders bewirken, als dass er Alle Teile zerstößt und ihre Verbindungen aufhebt? Doch es ereignet sich auch, wann minder gewaltig der Schlag traf, |
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| Dass nun wieder die Reste der Lebensbewegungen
siegen; Siegen, und sie den Tumult des tödlichen Streiches besänft'gen, Alles nun wieder in Gang und die vorige Lage versetzt wird, Gleichsam die in dem Körper schon herrschende Todesbewegung Wieder zerstreut und entzündet der halberloschene Sinn wird. |
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| Denn was wäre der Grund, der diese Reste zum
Leben Wiederum riefe zurück, zur Besinnung vom Rande des Todes, Nicht hingehen sie ließe die fast vollendete Laufbahn? Über dieses; wo findet sich Schmerz als da, wo in Gliedern, |
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| In den lebendigen Teilen die Stoffe gewaltig
gereizet, In dem innersten Sitz erschüttert werden? und wieder Folgt ein schmeichelnd Gefühl bei hergestelleter Ordnung. Ist es hieraus nicht klar, dass weder Schmerz noch Vergnügen Eigen den Stoffen sei? da sie selbst nicht Teilchen besitzen. |
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| Die durch veränderten Gang Empfindungen litten des Schmerzes Oder welche durch ihn des Vergnügens Süße genössen: Und so sind sie durchaus beraubt jedweder Empfindung. Endlich, wenn jeglichem Tiere zu seinem Empfindungsvermögen Stoffe empfindsamer Art sind beizulegen, so möcht' ich |
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| Wissen, woraus der Mensch doch eigentümlich bestünde? Nämlich die Stoffe kichern und werden vom Lachen erschüttert, Oder ein Tränentau fließt ihnen die Wangen herunter? Auch verstehen sie klug von der Mischung der Dinge zu sprechen, Forschen den Stoffen nach, aus welchen sie selber gemacht sind? |
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| Sintemal sie belebt und gleich sind eignen Geschöpfen, Müssen aus anderen Stoffen auch sie zusammengesetzt sein, Diese wieder aus andern, dass nirgends ein Ende zu finden. Denn ich folgere fort: was spricht und lacht, wie du sagest, Klug auch ist, das besteht aus andern, die Gleiches vermögen. |
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| Ist nun dieses, wie jeder erkennt, wahnsinnig und rasend,
Kann man lachen und sprechen und kluge Sachen bedenken, Ohne aus Stoffen zu sein, die ähnliches tun und vermögen: Sollten denn andere Dinge, die wir mit Empfindung begabt sehn, |
|
| Minder aus Elementen bestehn, die des Sinnes beraubt sind?
Sind wir nicht alle zuletzt aus himmlischem Samen entsprungen, Alle von Einem Vater? von ihm empfanget die Erde, Sie, die gütige Mutter, die Tropfen schmelzenden Regens Und erzeuget im Schöße die glänzenden Saaten und Bäume |
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| Samt dem Menschengeschlecht und allen Geschlechten der Tiere, Denen das Futter sie reicht, womit sie die Leiber ersätt'gen Und fortpflanzen die Art und der Süße des Lebens genießen: Und so wird ihr mit Recht der Muttername gewähret. Auch kehrt wieder zurück zur Erde, was aus ihr entstanden, |
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| Was von dem Aether kam, steigt aufwärts wieder zum Aether,
Zu den Gewölben des Himmels. So ganz zerstöret der Tod nicht Alle Dinge, dass selbst der Materie Grund er zernichte: Sondern er trennt die Verbindungen nur; dann füget er anders Wieder zusammen, bewirkt die Verwandlung der äußeren Formen, |
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| Ändert Farb' und Gestalt, bis zuletzt zur Empfindung die
Dinge Wiedergelangen, die auch zur gesetzten Zeit sich verlieret. Daraus magst du ersehn, von welcher Bedeutung es seie, Wie, und mit welchen, die Stoffe gemischt und zusammengefügt sind, Welche Bewegungen sie mitteilen und wieder erhalten. |
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| Bilde dir auch nicht ein, dass minder deshalben die Stoffe
Ewiger Dauer sind, dieweil du in äußeren Dingen Immer sie schwanken siehst, entstehen und plötzlich verschwinden. Auch in unseren Versen sogar kommt vieles darauf an, Wie sie zusammengestellt, wie jedes darinnen gemischt sei. |
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| Eben dieselben Lettern bezeichnen Himmel und Erde Und die Sonne, das Meer und die Fluss', und eben die selben Saaten und Bäum' und Tier'; und sind sie nicht alle die gleichen, Ist's doch der größere Teil: die Stellung ändert die Sachen. Ebenso ist's mit den Dingen auch selbst: verändern die Stoffe |
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| Zwischenräume und Gang' und Bindung, die Schwere, den Antrieb Und den Zusammenstoß, Bewegung und Ordnung und Lage, Ändern sie in der Figur, - so ändern auch selber die Dinge. Nunmehr wende den Geist auf tiefere Sätze der Wahrheit: Neue Sache verlangt mit Gewalt ins Ohr dir zu dringen, |
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| Neuer Dinge Gestalt dir hin vor die Augen zu treten. Aber es ist kein Ding so leicht zu begreifen, dass anfangs Schwerer den Eingang nicht zum Glauben es fände; und nichts ist Wieder so wunderbar und so groß, dass nicht durch Gewohnheit Nach und nach die Bewundrung verlör', und mindre die Achtung. |
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| Nimm das glänzende Blau und die reine Farbe des Himmels Und das strahlende Licht der irrenden Himmelsgestirne Und den Mond und den herrlichen Glanz der leuchtenden Sonne: Würde zum erstenmal dies alles dem Auge des Menschen Dargestellet, als trät' es hervor nun eben am Schauplatz, |
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| Könnte was Wundernswürdigers wohl man nennen, nur etwas,
Das die Menschen zuvor nie hoffen durften zu sehen? Nein, in der Tat, so groß und so herrlich wäre der Anblick. Dennoch würdiget kaum, des Schauspiels müde, nur einer, Aufzuschlagen die Augen zum leuchtenden Tempel des Himmels. |
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| Darum wolle du nicht, von der Neuheit selber erschrecket,
Werfen die Gründe von dir, vielmehr mit geschärfetem Urteil Prüfen dieselben; und findst du sie wahr, so reiche die Hand mir; Findest du aber sie falsch, so rüste dagegen zum Kampf dich. Denn es suchet der denkende Geist, da unendlich der Raum ist |
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| Außer den Mauern der Welt, was weiter noch möchte daselbst
sein, Das mit dem Sinn des Gemüts erreichen er könne; wohin er Einen freieren Wurf des Gedankens zu richten vermöge. Erstlich, es ist in dem All, wie gesagt, kein Ende der Dinge; Nirgends, von keiner Seite, nicht unten, noch oben; zur Rechten |
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| Nicht, noch zur Linken: es spricht die Sache sich selbst
durch sich laut aus, Und es leuchtet hervor aus des Unbegrenzten Natur schon. Unwahrscheinlich daher ist's, dass bei unendlichem Raume, Bei unzählbarer Zahl der Stoffe, welche die Tiefen Allenthalben durchschwärmen, von ewiger Rege getrieben, |
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| Dass sich nur eine Welt, nur dieser Himmel gebildet, Jener unendliche Stoff ohn alle Wirkung geblieben. Und vorzüglich auch noch, da die Welt das Werk der Natur ist; Selbst sich von ungefähr, aus freien Stücken, der Dinge Samen gegeneinander auf mancherlei Weise getroffen, |
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| Sonder Absicht und Zweck, zufällig zusammengedränget; Endlich in solcher Gestalt sich vereinet haben zur Masse, Dass sie im plötzlichen Wurfe der Ursprung wurden von großen Dingen: der Erde, des Meers, des Himmels, der lebenden Wesen. Dass kein Zweifel demnach zur Überzeugung dir obsteht, |
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| Dass die Materie nicht an anderen mehreren Orten Gleiche Verbindungen habe, wie diese Verbindung der Welt ist, Welche der Aether umfasst mit weit umschließenden Armen. Wo die Materie nun in ergiebiger Menge vorhanden, Wo es an Raum nicht gebricht, kein Ding, das hindert, im Weg ist, Da muss etwas entstehn, da müssen die Wesen sich bilden. |
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Ist nun die Zahl der Stoffe so groß, dass
solche zu zählen Nicht hinreichte das Alter von allen erschaffenen Wesen; Bleibt fortdauernd dieselbige Kraft, dieselbe Natur da, Hinzuschleudern an jeglichen Ort die Samen der Dinge, Auf die nämliche Art, wie sie hierher wurden geworfen: |
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| Könntest du zweifeln, dass nicht in anderen Gegenden andre
Erden noch sind, ein andres Geschlecht der Tiere, der Menschen ? Dazu kömmt, dass in weiter Natur kein Wesen zu finden, Das nur einzig in Art, nur einzig entstehet und aufwächst: Immer gehört es zu einem Geschlecht, und eben der Art sind |
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| Mehrere da. So ist's vorzüglich bei lebenden Wesen; Mehrere sind der Arten des bergdurchschweifenden Wildes Und des Doppelgeschlechts der Menschen, der schuppigen Fische Stummen Herden, der sämtlichen Schar geflügelter Wesen. Dieses beweiset uns klar, dass Erd' und Meer und der Himmel, |
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| Und die Sonne, der Mond und alle die übrigen Dinge Auf die nämliche Art, nicht einzig, sondern unzählbar Da sind: ihnen das Ziel so gewiss vom Schicksal gesteckt sei, Und sie eben sowohl aus sterblicher Masse bereitet Als ein jedes Geschlecht, so zahlreich solches in Art ist. |
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| Hast du dieses erkannt, so wird hinfort die Natur dir Frei erscheinen und fern von der Herrschaft stolzer Gebieter, Alles bewirkend durch sich, ohn allen göttlichen Einfluss. Denn bei der Götter heiligem Sinn, die in friedlicher Ruhe Ungestöret genießen ein ewig heiteres Leben: |
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| Wer vermöchte dies All, das Unbegrenzte, zu lenken; Wer mit mächtiger Hand zu halten die leitenden Zügel? Wer vermöchte zugleich die Himmel alle zu drehen Und mit ätherischem Feuer zu dünsten die fruchtbaren Erden? Gegenwärtig zu sein an allen Orten, zu allen |
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| Zeiten? damit er den Tag in Wolken hülle, des Himmels Auen mit Donner erschüttre; dann Blitze schleudre, die eignen Tempel damit zu stürzen; darauf voll Grimm in die Wüsten Ziehend übe noch da das Geschoss, das öfters vorüber Schuldigen geht, hinschmettert den Unverschuldeten, Biedern? |
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| Nach der Geburtszeit unserer Welt und nach dem entstandnen Erstgeborenen Tag des Meeres, der Erde, der Sonne Kamen von außen hinzu noch viele der Körper, noch viele Samen von außen herbei, aus dem großen Ganzen geschleudert: Dass die Erde, das Meer dadurch anwachsen noch könne |
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| Und sich erweitern daraus der Raum des himmlischen Hauses,
Höher sich hebe sein Dach, von der Erd' aufsteige der Luftraum. Denn aus jeglichem Ort wird jedem der eigene Grundstoff Zugeteilet durch Trieb und wendet zu seiner Natur sich. Wasser erwächst zum Wasser, durch erdige Stoffe die Erde, |
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| Feuer schmiedet das Feuer, zum Aether steiget der Aether:
Bis die Vollenderin dann, die schaffende rege Natur, sie Alle zum letzten Ziel des eigenen Wuchses gebracht hat. Dieses geschiehet, sobald die schöpfenden Lebensgefäße Mehr nicht fassen des Stoffs, als ihnen entweichet und abgeht: |
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| Dann erreichen die Dinge die höchste Stufe des Zustands;
Hier beschränkt die Natur durch eigene Kräfte den Anwuchs. Denn was immer in fröhlichem Wuchs aufschießet und groß wird, Nach und nach zu den Stufen des reiferen Alters emporklimmt, Nimmt mehr Stoffe zu sich, als es austreibt: weil die Gefäße |
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| Leichter die Nahrung empfangen und selbst so weit nicht gedehnt
sind, Viel zu entlassen davon, den Aufwand größer zu machen, Als der Ertrag einbringt und der Mensch durch die Speise zu sich nimmt: Denn nur allzu gewiss entdünstet gar vieles den Dingen Und entweichet davon; doch bis sie den Gipfel des Wachstums |
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| Völlig haben erreicht, muss mehr ansetzen sich ihnen. Nachher bricht allmählich die Zeit Vermögen und Mannkraft, Und es schmilzt das Leben dahin zur schlimmeren Hälfte. Denn je größer ein Ding an Umfang oder an Masse, Nimmt man den Zuwachs ihm, so werden nur mehrere Teile |
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| Allenthalben von ihm zerstreuet und weiter versendet: Selbst auch die Nahrung verteilt nicht mehr so ganz und so leicht sich; Und sie reichet nicht hin, bei solch ausströmender Menge, Zu des Verlustes Ersatz, durch den die Natur sich erneuet. Also verzehrt sich ein Ding, indem sich dasselbe durch Abgang |
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| Mindert, auch alles zuletzt den äußeren Schlägen erlieget: Denn die Nahrung entgeht mit dem hohen Alter dem Körper; Niemals lassen auch ab die hämmernden Körper, von außen Zu zermalmen ein Ding und feindlich es niederzuschlagen. Also werden, bekämpft von allen Seiten, des Weltbaus |
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| Mächtige Mauern dereinst in Schutt und Ruinen zerfallen.
Alles muss sich allein durch Speise wieder ergänzen, Wird durch Speise gestützt und unterhalten durch Speise. Aber umsonst; es nehmen nicht mehr den nötigen Zufluss Auf die Gefäße; hinlänglichen Dienst versagt die Natur auch. |
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| Solches erweist die entkräftete Zeit: die erschöpfete Erde
Bringt kaum kleine Tiere hervor; sie, die alle Geschlechter Sonst erzeugte, die Mutter von Ungeheuern Gestalten. Denn nicht hat, wie mich dünkt, die Geschlechter lebender Wesen Niedergelassen ein goldenes Seil vom Himmel zur Erde, |
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| Noch das Meer sie erzeugt, noch die klippenschlagenden Wogen,
Sondern die Erde, die jetzt sie ernährt, die hat sie geboren. Auch hat üppige Saat, auch hat sie den fröhlichen Weinstock, Selbst, aus eigener Kraft, zuerst dem Menschen gestiftet. Sie gab liebliche Zucht auf fröhlichen Angern und Weiden, |
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| Deren Gedeihen wir kaum durch Fleiß und Arbeit erzwingen.
Wir ermatten den Stier, erschöpfen die Kräfte des Landmanns; Kräfte, die nun kaum mehr den trägen Feldern genug sind: Also verzehrt sich der Keim, so mehret sich Arbeit und Mühe! Und schon schüttelt das Haupt der graue Pflüger und seufzet, |
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| Dass ihm die Arbeit so oft hinab ins Eitle gefallen. Dann vergleicht er die Zeit, die jetzt ist, mit der vergangnen, Preiset der Väter Glück. Auch klaget der traurige Winzer, Wann er die vorige Zeit durchschaut, die veraltete Rebe Und die Götter an, den nicht mehr günstigen Himmel. |
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| Schilt, wie doch ehemals, wo mehrere Frömmigkeit herrschte,
Auch bei begrenzetem Gut die Menschen gemächlicher lebten, Als weit weniger Acker und Feld für den einzelnen da war. Aber er sieht nicht ein, wie alles allmählich sich abzehrt, Alles zu Grabe geht, von dem langen Alter ermattet. |
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