De rerum natura1. Buch - deutsch |
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| Mutter der Aeneaden, o Wonne der Menschen und
Götter, Holde Venus! die unter den gleitenden Lichtern des Himmels Du das beschiffete Meer und die Früchte gebärende Erde Froh mit Lehen erfüllst; denn alle lebendigen Wesen Werden erzeuget durch dich und schauen die Strahlen der Sonne. |
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| Wann du, Göttin, erscheinst, entfliehen die Winde,
die Wolken Weichen vor dir; dir treibt die buntgeschmückete Erde Liebliche Blumen empor; dir lachen die Flächen des Meeres, Und es zerfließet in Glanz vor dir der beruhigte Himmel. Denn sobald sich die Frühlingsgestalt des Tages enthüllt hat |
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| Und entfesselt der zeugende Hauch des Favonius
auflebt, Künden die Vögel der Luft dich zuerst an, Göttin, und deinen Eintritt; deine Gewalt durchschüttert ihnen die Herzen. Rüstige Herden springen alsdann durch fröhliche Matten, Setzen durch reißende Ströme: so mächtig fesselt die Anmut |
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| Und dein zaubrischer Reiz die Natur der Lebenden
aller, Dass mit Begier dir jegliches folgt, wohin du es anlockst. Und so erregst du im Meer, auf Bergen, in reißenden Flüssen, Unter der Vögel belaubetem Haus, auf grünenden Auen, Allen tief in der Brust die schmeichelnde Liebe, wodurch sie |
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| Sich fortpflanzen mit brünstiger Lust in Art
und Geschlechtern. Weil denn du nur allein die Natur der Dinge regierest, Ohne dich nichts hervor an die Pforten des himmlischen Lichts tritt, Nichts den fröhlichen Trieb noch liebliches Wesen gewinnet, Wünsch' ich, o Göttliche, dich zur Gehilfin: zu schreiben die Verse, |
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| Die von der Dinge Natur an jetzt ich zu bilden
beginne Unseren Memmiussohn: ihm, den du, Göttin, vor allen Immer schmücken gewollt mit allen vortrefflichen Gaben. Um so mehr nun verleihe den Worten ewigen Liebreiz. Schaff auch, dass indessen das wilde Gewerbe des Krieges |
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| Mög' überall entschlummern in allen Landen und
Meeren. Denn du kannst nur allein mit süßem Frieden erfreuen Unser Menschengeschlecht, da die wilden Geschäfte des Krieges Mavors, der waffenmächtige, lenkt, der sich oft in den Schoß dir Hinwirft, niedergebeugt von ewiger Wunde der Liebe: |
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| Und so schauend empor, mit zurückgebogenem Nacken,
Weidet mit Lieb' er den gierigen Blick, anlechzend dich, Göttin! Und der Liegende schöpft aus deinem Munde den Odem. Ruht er, Herrliche, nun auf deinem geheiligten Schöße, Neige dich über ihn hin und gieße die liebliche Rede |
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| Nieder auf ihn, erflehend gefälligen Frieden
den Römern. Denn ich selber vermag dies Werk mit geruhigem Geist nicht Unter des Vaterlandes Gefahr und Stürmen zu fördern; Noch kann auch der herrliche Spross des Memmischen Stammes Sich dem gemeinsamen Wohl bei solchen Dingen entziehen. |
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| Aber, o Memmius, du, verleih ein müßiges Ohr
mir; Lege die Sorgen zurück und merk auf die Lehre der Wahrheit: Wirf das Geschenk, das ich dir mit treuem Fleiße bereitet, Nicht verachtend hinweg, bevor du es gänzlich geprüft hast. Denn von der himmlischen Dinge Natur, vom Wesen der Götter |
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| Will ich dir reden, und dir eröffnen die Kenntnis
der Stoffe, Draus die Natur schafft jegliches Ding, es mehrt, und ernähret, Und worein es die selbe Natur auflöset im Tode. Diese nennen wir auch in unserer Lehre den Grundstoff, Allerzeugende Körper, die Samen und Stoffe der Dinge, |
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| Auch ursprüngliche Körper, weil alles aus ihnen
entstanden. Aber die Götter müssen durch sich, und ihrer Natur nach, In der seligsten Ruh' unsterbliches Leben genießen, Weit von unserem Tun und unseren Sorgen entfernet. Denn von jeglichem Schmerze befreit, und befreit von Gefahren, |
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| Selbst sich in Fülle genug, nicht dürftig unseres
Beistands, Rührt sie nicht unser Verdienst, noch reizet sie unser Vergehen. Schmählichen Anblicks lag auf Erden das Leben der Menschen, Unter der Religion gewaltsam niedergetreten, Die vorstreckend das Haupt aus den himmlischen Regionen |
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| Mit entsetzlichem Blick herab auf die Sterblichen
drohte. Da trat auf ein grajischer Mann und wagte zuerst es, Aufzuheben dagegen das Äug' und entgegenzustreben: Nicht der Götter Ruf, noch Blitze, noch drohende Donner Schreckten ihn ab; sie reizten vielmehr nur schärfer des Geistes |
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| Angestrengeten Mut, die Riegel nieder zu brechen
Und der erste zu sein, die Natur aus dem Kerker zu lösen. Also hat obgesiegt des Geistes Kraft, und er drang noch Über die Grenzen hinaus der Flammenwälle des Aethers, Forschte mit Geist und Sinn das unermessliche Weltall. |
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| Von da kam er als Sieger zurück und lehrte, was
sein kann Und was nicht; und wie, beschränkt durch die eigenen Kräfte, Jeglichem Ding ein Ziel, ein endliches Maß ihm gesteckt sei. Und so lieget die Religion nun wieder zur Erde, Unter die Füße getreten; der Sieg erhebt uns zum Himmel. |
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| Doch ich fürchte hierbei, du mögest glauben,
es könnten Solche Lehren vielleicht auf verwegene Sätze dich führen, Hin auf des Lasters Bahn. Mitnichten; öfter vielmehr war Jene Religion die Mutter gräulicher Taten. So wie in Aulis einst, am Altar der göttlichen Jungfrau, |
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| Führer der Danaer, sie, die erwählten Häupter
der Helden, Iphianassas Blut abscheulicher Weise verspritzten. Als nun das Opferband, die zierlichen Locken umwindend, Ihr an der Wangen Paar in gleichen Enden herabfloss Und sie den Vater ersieht, der traurig an dem Altar steht, |
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| Ihm zur Seite die Priester, die vor ihr verbergen
den Mordstahl, Und hinblickend auf sie mit tränendem Auge die Bürger, Da verstummt sie vor Furcht, ihr sanken die Knie zur Erde. Ach, da half der Unglücklichen nicht, dass einst sie mit süßem Vaternamen zuerst den grausamen König beschenkt hat! |
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| Aufgehoben von Händen der Männer, die Zitternde,
ward sie Hin zum Altare geführt; nicht dass, nach vollendeter Weihe, Festlich sie kehrte zurück, bei jauchzenden Hymenäen: Nein, blutschänderisch fiel das keusche Opfer, vom Vater Hingeschlachtet, da selbst nun eben sie reifte dem Brauttag: |
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| Nur dass ein günstiger Wind der Griechen Flotte
befördre. Solche Verbrechen rät dem Menschen die Religion an! Aber auch du, befangen von Schreckenbildern der Dichter, Wie du immer es warst, wirst suchen dich uns zu entziehen. Denn ich könnte ja selbst dir Träum' erbilden in Menge, |
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| Umzustoßen damit die richtigen Gründe des Lebens
Und dir jegliches Glück mit Furcht und Schrecken zu trüben. Und in der Tat: denn wofern im Tode die Menschen ein sichres Ende der Mühsal sähen, so könnten mit einigem Grund sie Sich den Religionen und allem Drohen der Dichter |
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| Widersetzen: doch nun ist nirgends den Schrecken
des Todes Auszuweichen; es bleibt die Furcht vor ewigen Strafen. Und dies rühret daher, dass der Seele Natur nicht erkannt wird: Ob mit dem Körper sie ward, ob eingeflößt sie dem Körper, Ob sie mit diesem zugleich im Tode wieder vergehe; |
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| Ob sie die Nächte des Orkus besucht, die gewaltigen
Sümpfe, Oder durch göttliche Macht in andere Tiere verpflanzt wird? Wie es mein Ennius sang; er, welcher zuerst von des Pindus Lieblichen Höhen den Kranz von immergrünendem Laube Niedergebracht, ihm Ruhm bei allem italischem Volke. |
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| Dennoch gedenket auch er in seinen unsterblichen
Versen Acherusischer Räume, wohin nicht Körper noch Geist dringt; Sondern nur Schattengebilde, von bleichem, schaurigem Ansehn. Dorther sei, wie er sagt, des ewig blühnden Homerus |
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| Schattengestalt ihm erschienen, die heiße Tränen
vergossen Und ihm habe der Dinge Natur in Worten eröffnet. Darum wollen auch wir nicht allein der himmlischen Dinge Weise genau erforschen, den Lauf der Sonne, des Mondes, Und welch innere Kraft die irdischen Dinge regiere; |
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| Sondern vor allem mit Fleiß nachspüren, woraus
denn die Seele Stamm' und des Geistes Natur; was das sei, das oft uns im Wachen Vorkommt, uns noch im Schlaf nachher und in Krankheit erschrecket, Dass wir glauben, zu sehen, ja gegenwärtig zu hören |
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| Jene, deren Gebein schon längst die Erde bedeckt
hat. Zwar ich weiß es zu wohl, wie schwer es werde, der Griechen Dunkle Erforschungen klar in lateinischen Versen zu machen: Sonderlich da wir hierzu noch neuer Worte bedürfen, Weil die Sprache zu arm und die Gegenstände noch neu sind. |
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| Deine Vortrefflichkeit doch, das erhoffte Vergnügen
der süßen Freundschaft treibet mich an, nicht Fleiß noch Mühe zu scheuen, Heitere Nächte zu wachen und Wort und Verse zu suchen, Deinem Geiste die Dinge mit hellerer Fackel zu zeigen, |
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| Und zu enthüllen ihm ganz den Grund verborgener
Dinge. Durchaus müssen daher des Geistes Schrecken und Dunkel Nicht durch die Strahlen der Sonne, des Tages leuchtende Pfeile, Sondern sich durch der Natur Anschaun und Erkenntnis zerstreuen. Diese gehet bei uns ursprünglich von folgendem Satz aus: |
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| Dass aus Nichts nichts wird, selbst nicht durch
Willen der Götter. Denn so enge beschränket die Furcht die Sterblichen alle, Da sie so viel der Erscheinungen sehn, am Himmel, auf Erden, Deren wirkenden Grund sie nicht zu erfassen vermögen, Dass sie glauben, durch göttliche Macht sei dieses entstanden. |
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| Haben wir aber erkannt, dass aus Nichts nichts
könne hervorgehn, Werden wir richtiger sehn, wonach wir forschen; woraus denn, Und wie, alles entsteh', auch ohne die Hilfe der Götter. Könnten aber aus Nichts die Dinge werden, so könnt' auch |
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| Alles aus allem entstehn; nichts brauchte des
zeugenden Samens. Menschen könnte das Meer, die Erde die schuppigen Fische Zeugen und Vögel der Luft; dem Himmel entstürzten die Herden. Aller Tiere Geschlecht, die wilden sowohl als die zahmen, Würde, von ungewisser Geburt, bald Wüsten bewohnen, |
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| Bald das bebauete Land; nicht immer dieselbigen
Früchte Trüge der Baum; es könnt' ein jeglicher jegliches bringen. Denn woferne die Dinge des eigenen zeugenden Grundstoffs Nicht bedürfen, wie rühmten sie sich doch sicherer Abkunft? Nun, da jegliches Ding aus eigenem Samen erzeugt wird, |
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| Wird es nur ausgeboren und tritt hervor in den
Lichtraum Da, wo der Grundstoff ihm, wo die ersten Körper vorhanden. Und so kann es nicht sein, dass alles aus allem entstehe, Weil inwohnt dem besondern Ding ein besondres Vermögen. Ferner, warum schafft Rosen der Lenz, die Ernten der Sommer, |
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| Und einladend der Herbst die süßen Früchte des
Weinstocks ? Warum anders, als weil, wenn zu richtiger Zeit die bestimmten Stoffe zusammengeflossen, sich dann das Erschaffene kundtut: Unter der Witterung Gunst, und wann der belebete Boden Sicher den zarten Keim zum Lichte der Sonne hervorbringt. |
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| Käme das alles aus Nichts, so würden sie plötzlich
entstehen, Ohne bestimmete Folg', und nicht zur gehörigen Jahrszeit. Denn es wären die Stoffe nicht da, die an Zeugungsverbindung Hindern könnte des Jahrs ungünstig sich zeigender Einfluss. Auch zum Wachstum wäre die Zeit nicht nötig den Dingen |
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| Nach dem geschwängerten Keim, wofern aus Nichts
sie erwüchsen. Plötzlich würde zum Jüngling das Kind, es schöss' aus der Erde, Plötzlich entstanden, der Baum: dergleichen doch nimmer geschiehet, Wie es am Tage liegt; denn alles erwachset allmählich, Wie sich's gehört, aus eigenem Samen, erhält dann im Fortwuchs |
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| Art und Geschlecht; so, dass du hieraus gar deutlich
erkennest. Alles erwachs' und nähre sich nur aus eigenem Grundstoff. Dazu kommt, dass ohne des Jahrs bestimmete Regen Nicht die erfreuliche Brut hervor kann treiben die Erde; Dass, der Nahrung beraubt, kein Tier sein Leben erhalten, |
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| Oder auch sein Geschlecht fortpflanzen könnte:
so, dass wir Müssen in mehreren Dingen vielmehr gemeinsamen Urstoff Anerkennen, wie oft den Worten die Lettern gemein sind, Als dass wir könnten ein Ding annehmen ohne den Grundstoff. Ferner, wie konnte Natur nicht Menschen erschaffen von solcher |
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| Größe, dass sie das Meer mit den Füßen könnten
durchwaten, Berge zerreißen mit Händen und ganze Säklen durchleben? Darum, weil den bestimmeten Stoff sie jeglichem Dinge Angewiesen, woraus sich erzeugt, was aus ihm entstehn kann. |
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| Sicher bleibt es sonach: aus Nichts wird nichts;
denn die Dinge Haben zu ihrer Entstehung des Zeugungssamen vonnöten, Aufzusprießen durch ihn zum Anhauch milderer Lüfte. Endlich, dieweil wir sehen die angebaueten Felder Fruchtbarer als die wüsten, den Keim durch Fleiß sich verbessern, |
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| Muss die Erde ja doch ursprüngliche Teile verbergen,
Die wir, indem mit dem Pfluge die fruchtbaren Schollen wir wenden Und aufwühlen den Boden der Erd', erwecken zum Auftrieb. Wären solche nicht da, so würd' auch jegliche Pflanze Besser von selber gedeihn als unter der Pflege des Menschen. |
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| Diesem kommt noch hinzu, dass Natur in die eigenen
Stoffe Alles wieder zerlegt, dass nichts sie gänzlich vernichtet. Wäre vergänglich ein Ding in jedem der Teile, so würd' es, Schnell den Augen entrückt, sogleich auch völlig zugrund gehn; Kraft nicht wäre vonnöten, die Teile desselben zu trennen |
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| Oder die innre Verbindung von ihm auflösen zu
können. Nun, da ein unvergänglicher Stoff den Dingen zum Grund liegt, Lässet, wofern nicht äußerer Schlag dieselben zertrümmert Oder innere Kraft durchs Leere schleicht und sie auflöst, Ihren Untergang die Natur nicht sichtbar uns werden. |
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| Sollt' auch ferner die Zeit das, was allmählich
sie wegnimmt, Gänzlich verzehren, sogar vernichten im eigenen Grundstoff: Woher brächte denn Venus die Arten lebendiger Wesen Immer wieder ans Licht? die buntgestaltete Erde, Woher nähme sie Stoff, das Hervorgebrachte zu nähren, Wachstum ihm zu verleihn, zu bereiten jedem sein Futter? |
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| Woher nähmen das Meer und die lauteren Quellen
den Vorrat, Und die nie versiegenden Flüsse? Wie nährte der Aither Seine Gestirne? Was nur besteht aus sterblicher Masse, Hätten schon lange die Zeit und die vorigen Tage verzehret. Waren die Stoffe jedoch, woraus das Gesamte bestehet |
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| Und noch stets sich erneut, schon da im vergangenen
Zeitraum, Nun, so sind sie gewiss begabt mit ewiger Dauer, Und es können zu Nichts nicht wiederkehren die Dinge. Endlich bedürft' es ja nur zu jegliches Dinges Vernichtung Ein und derselbigen Kraft, wofern nicht dauernder Grundstoff, |
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| Mehr oder minder verknüpft, in engeren Banden
sich hielte: Schon die Berührung wäre des Tods hinlängliche Ursach. Denn woferne die Stoffe nicht ewig fester Natur sind, Könnte geringste Gewalt in ihrer Verbindung sie lösen. Doch nun, da die Verflechtung der uranfänglichen Teile |
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| Selber verschieden ist und ewig die Dauer des
Grundstoffs, Bleiben die Dinge so lang im eigenen Wesen gesichert, Bis zu heftige Kraft, nach Maß des Gewebes, sie anfällt. Kein Ding kehret daher in Nichts zurück; ja getrennet Kehren sie alle zurück in die ersten Körper des Urstoffs. |
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| Zwar der Regen vergeht, wann Vater Aether von
oben Niedergegossen ihn hat zum Mutterschoße der Erde: Aber die glänzende Saat steigt auf, mit grünenden Zweigen Schmückt sich der Baum und wächst und trägt die lastenden Früchte. Davon nährt sich der Menschen Geschlecht, die Geschlechter der Tiere; |
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| Fröhliche Städte blühn von Scharen munterer Knaben,
Und es ertönt überall von jungen Vögeln der Laubwald. Daher legt das gesättigte Vieh auf blumigen Auen Nieder den schweren Leib; aus seinem strotzenden Euter Quillt der glänzende milchige Saft. Das üppige Saugkalb |
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| Scherzet auf junger Flur mit noch unsicherem
Schenkel, Von der lauteren Milch die zarten Sinne berauschet. Nichts geht unter demnach von allem, was wir erkennen; Eins stellt immer Natur aus dem andern her, und sie lässt nur Immer Neues entstehn aus anderer Dinge Verwesung. |
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| Auf denn! und da ich gelehrt, dass aus Nichts
nichts könne hervorgehn, Noch auch wieder in Nichts das Geborene könne zurückgehn: Dass kein Zweifel dich fasst an dieses Satzes Gewissheit, Weil du nicht siehst mit Augen die Uranfänge der Dinge, Höre von Körpern anjetzt, die ganz unleugbar in Dingen |
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Anerkennen du musst, obgleich
nicht sichtbar dem Auge. Erst: die erregte Gewalt des Windes peitschet das Meer auf; Mächtige Schiffe stürzt er dahin und jaget die Wolken. Unterweilen durchläuft sein reißender Wirbel die Felder, Strecket die hohen Bäume zu Boden und braust um den Bergwald, |
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Krachend zersplittert er ihn;
so rast mit scharfem Geräusche Schäumend empor und tobt mit drohendem Donner die Meerflut. Winde demnach sind Körper, obgleich unsichtbar dem Auge: Diese durchstreichen Länder und Meer und Wolken des Himmels, Reißen im plötzlichen Wirbel mit sich, was ihnen entgegnet. |
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Nicht auf andere Art auch fluten
sie, alles verwüstend, Als wann der vollere Strom im eilenden Zuge dahinschießt, Den von den Bergen herab die häufigen Güsse der Regen Angeschwellet; er reißt die Trümmer des Waldes und Bäum' und Büsche mit sich hinfort; die Joche der Brücken vermögen |
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Nicht entgegenzuhalten dem
Stoß der drängenden Wogen. Und so setzt er zuletzt, von trübenden Wassern geschwollen, Gegen den Steindamm an, und unter gewalt'gem Geräusche Stürzt er diesen in Schutt: dann wälzet die brausende Woge Unter sich Felsen und Stein, nichts widerstehet dem Flutschwall. |
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| Ebenso müssen sich auch forttreiben die Stöße
des Windes, Der wie ein mächtiger Strom nach allen Seiten sich hinwirft, Vor sich die Dinge drängt, durch häufige Stöße sie umstürzt, Bald im Kreise sie dreht und sie mit sich reißet im Wirbel. |
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| Ganz unleugbar daher sind
Wind' unsichtbare Körper, Da sie an Eigenschaften und Kraft so ähnlich sich zeigen Strömen mächtiger Flut, die jeder für Körper erkennet. Ferner empfinden wir auch der Dinge verschiedne Gerüche, Sehen indessen nicht, dass solche die Nase berühren. |
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Auch die Hitze sehen wir nicht,
noch können die Kälte Wir mit dem Aug' erfassen, so wenig als Stimmen und Töne. Alles dieses jedoch muss körperlicher Natur sein; Denn wie könnten sie sonst den Sinn anstoßen und rühren? Nur der Körper berührt und lässet sich wieder berühren. |
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| Aufgehängte Gewänder am wellenbrechenden Ufer Feuchten sich an; sie trocknen der Sonn' entgegengespreitet: Dennoch sehen wir nicht, wie solche die Nässe des Wassers Einziehn, oder wie dieses am Strahl der Sonne verdunstet. Also löst sich das Nass in mindere flüchtige Teil' auf, |
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Die nicht fähig man ist, mit
der Schärfe des Auges zu fassen. Ring' am Finger verdünnt das Tragen mehrerer Jahre; Wasser, das niederfällt von der Traufe, höhlet den Stein aus; In der Furche zerreibt das Eisen sich endlich am Pfluge. |
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Tritt nicht der Fuß der Menge
zuletzt den steinernen Pfad aus? Siehet man nicht die Hände von ehernen Bildern der Götter, Nächst den Toren der Stadt, vom Berühren der Wandrer geschmälert ? Augenscheinlich daher ist's, dass sich dieselben vermindern: |
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| Aber wie dieses geschieht, und welche Teilchen
von ihnen Jegliche Zeit ablöst, das hat die Natur uns verhehlet. Wiederum, was die Natur und Zeit den Dingen hinzusetzt, Ihren mächtigen Wuchs befördernd, erspüret das Auge |
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| Ebenso wenig als das, was Alter und Krankheit
hinwegnimmt. Was die Felsen des Meeres vom fressenden Salze verlieren, Wird in keinem Punkte der Zeit dem Auge bemerkbar: Und so führt die Natur durch verborgene Körper ihr Werk aus. Doch nicht alles ist dicht zusammengedränget im Ganzen |
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| Durch der Körper Natur; denn es ist in den Dingen
ein Leeres. Das zu erkennen wird nützlich dir sein in mancherlei Rücksicht; Wird dich den schwankenden Zweifeln entziehn, der steten Verwirrung Über des Ganzen Natur, dem Misstraun unserer Worte. Unberührbar, ein lediger Ort ist aber das Leere. |
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| Wäre nicht solch ein Raum, wie könnten sich Dinge
bewegen? Immer wäre das Eigne der Körper, zu hemmen, zu hindern, Jedem im Wege, zu jeglicher Zeit; nichts rückte von dannen, Weil in der Dinge keinem der Grund zu weichen vorhanden. |
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Aber nun sehen im Meer, am
Himmel, auf Erden wir manches Sich auf mancherlei Art, nach mancherlei Richtung bewegen; Welche Dinge jedoch, wofern kein Leeres vorhanden, Nicht der steten Bewegungen nur beraubet sich fänden, Sondern auch ganz und gar selbst nicht zur Entstehung gelangten, |
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Weil von allen Seiten gedrängt,
still stünde die Masse. Ferner, obgleich die Dinge für dicht wir pflegen zu halten, Magst du hieraus doch ersehn, dass dieselben lockrer Natur sind. Seihet in Höhlen sich nicht des Wassers lauteres Nass durch Und umtränet den Fels mit dickgeschwollenen Tropfen? |
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| Teilet die Speise sich nicht in den ganzen Körper
des Tiers aus? Bäume wachsen und schütten die Frucht zur schicklichen Jahrszeit, Weil der nährende Saft, durch Wurzeln und Fasern gesauget, Sich in dem ganzen Stamm durch Äst' und Zweige verbreitet. Wände durchdringet der Schall und fliegt durch verschlossene Türen, |
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| Und der erstarrende Frost durchschleichet das
Mark der Gebeine. Wäre der Raum nicht da, wodurch sich die Körperchen drängen, Wahrlich es würden sich nie dergleichen Erscheinungen zeigen. Endlich bemerken wir noch in Körpern ähnlicher Größe Ganz verschiednes Gewicht. Wär' eben dieselbige Masse |
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| Körper im Wollenknäul als im Blei, so müsste
die Schwere Beiden die nämliche sein: denn eigentümlich den Körpern Ist es, niederzudrücken; dagegen es aber dem Leeren Ganz am Gewichte fehlt. Was gleich ist also an Größe, |
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| Minder schwer an Gewicht, scheint mehr von dem
Leeren zu haben; Dahingegen, was schwer, notwendig Teile des Festen Mehr besitzet und minder in sich des Leeren verschließet. Klar ist also, dass das, was mit dem Verstand wir erforschen, Sei mit den Dingen gemischt, und dieses benennen wir Leeres. |
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| Dass kein Irrtum dich hier abführe vom Wege der
Wahrheit, Muss ich, was einige falsch einwenden, bestreiten im voraus. Nämlich sie sagen: es weiche das Wasser den drängenden Fischen, Öffne denselben die flüssige Bahn, weil diese beim Fortgehn Hinter sich lassen den Raum, wo zusammenfließen die Flut kann. |
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Jede Bewegung finde nur statt
auf ähnliche Weise, Jede Verändrung des Orts, ob erfüllt gleich alles durchaus sei. Dies ist alles jedoch aus falschen Gründen genommen: Denn wo könnte der Fisch zuletzt hindringen, wofern ihm Raum nicht gäbe die Flut? und wohin nur sollte das Wasser |
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Weichen, wofern sich in ihm
der Fisch nicht könnte bewegen ? Schlechterdings ist daher zu leugnen der Körper Bewegung, Oder man muss zulassen der Dinge Gemisch mit dem Leeren, Aus dem jedes sich nimmt den Anfang seiner Bewegung. Wann zwei Körper von ebener Fläche, zusammengestoßen, |
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| Plötzlich wieder sich trennen, so muss das Leere,
das dadurch Zwischen ihnen entsteht, mit Luft sich wieder erfüllen. Strömte mit eilendem Hauche sogleich auch diese zusammen, Dennoch vermag sie es nicht, auf einmal sämtliche Räume Auszufüllen; sie muss den einen Ort nach dem ändern, |
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| Immer den nächsten zuerst, in der Folge das Ganze
besetzen. Glaubt man vielleicht, es sprängen daher auseinander dieKörper, Weil sich dazwischen die Luft zuvor schon habe verdichtet, Irrt man; ein Leeres entsteht da, wo es zuvor nicht gewesen; Wieder auch füllet sich an, was zuerst ein lediger Raum war. |
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Auch nicht lässt sich die Luft
auf solcherlei Weise verdichten. War' es, so könnte doch nicht sie ohne die Hülfe des Leeren In sich hinein sich ziehn, in eins zusammen sich drängen. Und so mag man sich auch noch manche der Zweifel ergrübeln; Immer doch muss man gestehn, es sei in den Dingen ein Leeres. |
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Mehrere könnt' ich dir noch
von diesen Beweisen hinzutun, Überzeugende Kraft und Glauben den Worten zu schaffen: Aber Gemütern schärferen Sinns sind diese geringen Spuren der Wahrheit genug, das Weitere selber zu forschen. Gleich den Hunden — sobald auf die sichern Spuren des Weges |
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| Einmal geleitet sie sind, des bergumschweifenden
Wildes Lager sie leicht aufwittern und Laub und Büsche durchstöbern —, Also magst du auch selbst in diesen Dingen erforschen, Wie aus dem einen das andere kömmt; in versteckete Winkel Dringen, hervorzuziehn aus ihnen die Beute der Wahrheit. |
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Säumst du jedoch und trittst du zurück vom Glauben der Sache, Kann ich, mein Memmius, dir mit geringer Mühe geloben, Einen so reichen Strom, aus den Quellen selber geschöpfet, Auszugießen aus voller Brust, mit lieblicher Zunge, Dass ich befürcht', es möcht' ein trägeres Alter sich eher |
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| Mir durch die Glieder schleichen und lösen die
Bande des Lebens, Ehe zuvor mein Vers von jeglichem einzelnen Satze Alle die Schar der Beweise zum Ohr dir ließe gelangen: Lass demnach das begonnene Werk uns weiter verfolgen. Also die ganze Natur, sie durch sich selber, bestehet |
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| Aus zwei Dingen allein, aus Körpern nämlich und
Leerem: Jene liegen in diesem; dies macht die Bewegungen möglich. Schon der gemeine Sinn beweist, dass Körper vorhanden: Könnt' auf diesen sich nicht der Glaube zuvörderst begründen, Auf was sollten wir denn in den Dingen, welche wir nicht sehn, |
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| Stützen uns können, Beweis von ihnen zu fällen
und Urteil? Wär' auch, ferner, nicht Raum noch Ort, der Leeres benannt wird, Worin sollten sich denn die Körper befinden ? wie könnten Ihren verschiedenen Gang und Weg und Richtung sie nehmen ? Hievon hast du jedoch den Beweis schon oben gehöret. |
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| Wiederum gibt es auch nichts, das ganz von dem
Körper verschieden, Auch von dem Leeren getrennt und gleichsam dritter Natur sei. Sei, was immer es will, so ist es doch irgendein Etwas, Das, groß oder auch klein, zum mindesten wirklich doch da ist. |
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| Lässt sich's berühren, so leicht und gering es
immer auch sein mag, Wird es gehören zur Zahl der Körper und mehren die Summe; Ist es doch unberührbar und so, dass es nirgends den Durchgang Einem der Körper verwehrt, so ist es der Raum und das Leere. |
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| Übrigens, was nur für sich Bestand hat, wirket
entweder, Oder es wird gebraucht und von fremder Wirkung getrieben, Oder gestattet in sich der Dinge Verändrung und Dasein. Leiden aber und Tun ist ohne den Körper nicht möglich; Raum zu gewähren vermag allein das ledige Leere: |
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| Folglich lässt in der Zahl der selbst bestehenden
Dinge Außer Körper und Raum kein drittes Wesen sich denken; Eines, das mit dem Sinn jemals wahrnehmen wir könnten, Oder auch das der Verstand erreichen könnte durch Schlüsse. Alles, was Namen hat, das findst du vereinet in diesen |
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| Beiden, oder es ist, wie du siehst, von ihnen
Erfolg nur. Aber vereint ist das, was ohne Zerstörung des Ganzen Niemals trennen sich lässt, auf keinerlei Weise sich sondern; Wie von dem Stein die Schwere, vom Feuer die Wärme, vom Wasser Nässe, vom Körper Berührung und Nichtberührung vom Leeren. |
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| Freiheit, Knechtschaft jedoch und Reichtum oder
auch Armut, Krieg und Frieden und was dem ähnlich ferner benannt wird, Das, ob es ist, ob nicht, das Wesen der Dinge nicht angreift, Pflegen wir, und mit Recht, Erfolg und Ereignis zu nennen. So auch bestehet für sich die Zeit nicht. Selber die Dinge |
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| Geben uns erst den Begriff von dem, was ehe geschehen,
Was jetzt wirklich geschieht und was in der Folge noch sein wird. Keiner hat an und für sich die Zeit jemals noch empfunden, Ganz von der Dinge Bewegung getrennt, in friedlicher Ruhe. Endlich, wenn irgend man sagt vom Raube der Tochter des Tyndars, |
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| Von dem Troianischen Krieg als Dingen, die seien,
so lass dich Nicht bereden, dies Sein für wirklich bestehend zu halten. Denn die Geschlechter der Menschen, bei denen sich solches ereignet, Hat die vergangene Zeit unwiderruflich entführet. Einiges kann man hievon Ereignisse nennen des Landes, |
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| Andres Ereignis des Heers, was irgend dergleichen
sich zutrug. War die Materie nicht, der Dinge dauernder Grundstoff, War nicht Ort noch Raum, worinnen sich alles ereignet: Hätte wohl je die schöne Gestalt der Tochter der Leda In des phrygischen Fremdlinges Herz den Funken geworfen, |
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| Welcher in Brand ausschlug und blutigen Schlachten
den Ruhm gab ? Auch nie hätten bei schweigender Nacht die Söhne der Graien, Aus dem Bauche geschüttet des balkengerippeten Rosses, Priamus' Burg in Flammen gesetzt. So, dass du aus diesem Deutlich erkennest, es seien geschehene Dinge durchaus nicht, |
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| So wie die Körper, von eignem Bestand und eigenem
Wesen, Noch auch unter den Namen des leeren Raumes zu fassen; Sondern vielmehr von der Art, sie Ereignisse nennen zu müssen, Beides, der Körper, des Raums, in welchem sich jegliches zutrug. Ferner noch sind die Körper zum Teil Elemente des Urstoffs, Teils Zusammenverein von diesen Urelementen. |
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| Keine Gewalt kann je den uranfänglichen Teilen Etwas entreißen; sie siegen zuletzt durch Dichte des Körpers. Freilich scheinet es schwer, sich zu überzeugen, dass etwas Durchaus dichter Natur in den Körpern finden sich lasse. Dringt ja der himmlische Blitz durch Mauern und Wände der Häuser |
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Wie das Geschrei und der Schall;
das Eisen glühet im Feuer. Springen doch Felsen selbst durch glühenden Dunst auseinander; Starrendes Gold wird zum Fließen erweicht in flammender Hitze; Selber des Erzes Eis zerschmilzt durch die Flamme bewältigt. Glut durchströmet das Silber, so wie auch die stechende Kälte: |
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Fühlen wir's doch, wenn nach
Zechergebrauch die Hand den Pokal fasst Und man von oben ihn füllt mit labendem Tau des Getränkes. So sehr scheint es, dass nichts ganz durchaus dichter Natur sei. Aber dieweil die Vernunft, ja selber der Dinge Natur uns Zwinget: wohlan, so lass in wenigen Versen dir zeigen, |
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| Dass dergleichen es gibt, die ewig fester Natur
sind; Welche wir Samen der Dinge, die Uranfänge benennen, Und aus welchem das All der jetzigen Dinge geschaffen. Erstlich hab' ich gezeigt, dass zwei verschiedne Naturen |
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| Zweier Dinge vorhanden: die Körper, der fassende
Ortraum. Beide müssen durchaus für sich bestehen und rein sein. Denn wo sich öffnet der Raum und das, was wir Leeres benamen, Kann der Körper nicht sein; und da wo sich Körper befinden, Lässt sich der leere Raum auf keinerlei Weise gedenken. |
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| Drum sind dicht und des Leeren beraubt die Körper
des Urstoffs. Da in erzeugten Dingen sich nun das Leere befindet, Muσσ notwendig ein Stoff, der dicht ist, solches umgeben. Niemand kann mit Vernunft von einem der Dinge behaupten, Dass es Leeres enthalte, wenn nicht zugleich er das Dichte |
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| Zugibt, welches in sich das Leere begreifet
und einschließt. Außer dem festen Verein der Grundmaterie aber, Was könnt' irgend noch sein, das Leere zusammenzuhalten? Also kann die Materie nur, die dichter Natur ist, Ewiger Dauer sein, wenn das übrige alles sich auflöst. |
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| Gäb' es übrigens nicht ein ledigstehendes Leere,
Alles wäre dann dicht; und wären nicht Körper vorhanden, Welche den Raum ausfüllen, die freien Orte besetzen, Würde der sämtliche Raum nichts sein als ein lediges Leeres. Gegenseitig trennt sich demnach das Leere vom Körper; |
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| Volles herrscht nicht allein, und ebenso wenig
das Leere: Volles scheiden demnach begrenzte Körper vom Leeren. Diese können nun nicht durch Schläge von außen zertrümmert Werden noch aufgelöst, durchdrungen in innrer Verbindung, |
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| Oder durch Mittel anderer Art erweicht und geschwächet; Was ich eben zuvor dir oben erwiesen schon habe. Denn wie es scheint, kann nichts zerstoßen ohne das Leere Oder zerbrochen werden, noch auch zerleget in Teile; Feuchtigkeit nichts einsaugen, in nichts die Kälte sich schleichen, |
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| Noch eindringen das Feuer, das alle Dinge verzehret.
Ja, so mehr nur ein Ding des Leeren enthält und verschließet, Desto leichter auch wird's von jenen Kräften zerstöret. Sind nun dichter Natur die uranfänglichen Körper Und des Leeren beraubt, so sind notwendig sie ewig. |
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| Wäre der Grundstoff nicht von ewiger Dauer, so
wäre Jegliches Ding schon längst in Nichts versunken und alles Wäre, was irgend wir sehen, aus Nichts von neuem geboren. Doch da ich eben gezeigt, dass aus Nichts nichts könne hervorgehn, Auch das Erschaffene nicht in Nichts sich könne verkehren, |
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| Müssen die Ursprungsteile von ewig fester Natur
sein, In die jegliches Ding im endlichen Wechsel sich auflöst, Dass hinlänglicher Stoff zur Wiedererneuerung da sei. Einfach dichter Natur sind also die Körper des Urstoffs; Denn wie könnten sie sonst, fortdauernd durch ewige Zeiten, |
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| Seit undenklicher Frist noch immer die Wesen
erneuen? Endlich: hätte Natur der Zermalmung und Teilung der Dinge Keine Grenzen gesetzt, so wäre längst schon der Grundstoff Solcherweise vernichtet durch alle vergangene Zeiten, Dass nichts könnte von ihm von gewisser Zeit der Empfängnis |
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| Hin an das höchste Ziel der Lebensblüte gelangen.
Leichter wird jegliches Ding, wie man sieht, getrennt und zerstöret, Als von neuem erbaut; drum könnte, was voriger Tage Unermessliche Zeit, die langen vergangenen Jahre Haben in Teile zerstückt und aufgelöst und zerstreuet, |
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| Nimmer durch alle Folge der Zeit sich wieder
ergänzen. Aber nun ist ein sicheres Ziel der Zerstörung gesetzet; Und wir sehen daher, dass jegliches wieder sich herstellt, Jeglichem Dinge nach Art feststeht das bestimmete Zeitmaß, Um in gehöriger Frist zur Blüte des Alters zu kommen. |
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| Über dieses: so fest auch immer die Körper des
Urstoffs, Kann aus allen sich doch das Weiche wiederum bilden, Luft und Wasser und Erd' und die feurigen Dünste; nach Art wie Solches geschieht und welcherlei Kraft sie zusammen verbindet: Da nun einmal gemischt in den Dingen sich findet das Leere. |
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| Wären hingegen \veich die uranfänglichen Stoffe:
Wie dann das Eisen entstünd' und woher die Kräfte des Kiesels, Ließe sich schwer ausforschen; denn durchaus fehlte noch immer Aller Dinge Natur die letzte festere Stütze. Kräftig sind sie daher, weil dicht ihr Wesen und einfach; |
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| Und je gedrängter sie nur sich verbinden, halten
sie fester Alle Dinge zusamm und erweisen die mächtige Grundkraft. Sollt' auch ferner kein Ziel der Körper Zerstörung gesetzt sein, Müssen einige doch aus jenen unendlichen Zeiten, Übrig geblieben bis jetzt, in der Welt vorhanden sich finden, |
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| Welche der allgemeinen Gefahr entrissen sich
hätten. Aber wenn alle so schwach und gebrechlich in ihrer Natur sind, Leuchtet nicht ein, wie sie immer, geplagt von unzähligen Stößen, Konnten die ewige Zeit ausdauern und noch sich erhalten. Endlich: indem die Natur die Grenzen des Lebens und Wachstums |
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| Jedem nach Art bestimmt und unverbrüchlich ihr
Bund steht, Was ein jegliches kann, was nicht erreichen es könne, Nichts sich verändert, ja alles durchaus sein Wesen so fest hält, Dass die Vögel sogar in den eigenen Gattungen immer |
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| Eben dieselben Farben auf ihrem Gefieder uns
zeigen: So erhellet daraus, dass ein unzuverändernder Grundstoff Untergeleget sei: denn könnten nur einmal der Dinge Uranfänge wanken, auch diese besieget noch werden, Dann wär' es ungewiss, was werden könnte, was nicht kann |
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| Werden, auf welcherlei Art die eigenen Kräfte
beschränkt sind Jegliches Dinges, das Ziel, das jedem am Ende gesteckt ist. Auch nicht immer würden der Tiere Geschlechter und Arten Lebensweis' und Instinkt und Natur der Eltern ererben. Da nun ferner ein äußerster Punkt in jeglichem Körper |
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| Da ist, den mit dem Auge wir keinesweges erfassen, Muss unteilbar er sein, das Kleineste seiner Natur nach. Niemals hat er besonders für sich als Körper bestanden, Kann auch nie so bestehn, er ist ja selber des andern Erster und letzter Teil: es reihen dann ähnliche Teilchen |
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| Eins an das andre sich an und füllen, zusammen
in einen Dichten Haufen gedrängt, des Körpers ganze Natur aus. Da nun diese für sich nicht können bestehen, so müssen Fest sie zusammenhangen, dass nichts voneinander sie losreißt. Einfach dichter Natur sind also die ersten der Körper, |
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| Hängen dichte gedrängt in den kleinesten Teilen
zusammen; Nicht durch Zusammenkunft fremdartiger Teile verbunden, Sondern vielmehr durch die Kraft des ewig einfachen Wesens: Nichts lässt je die Natur abstreifen von ihnen noch mindern, Sondern bewahrt sie vielmehr zu ewigen Samen der Dinge. |
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| Nähme man übrigens nicht ein Kleinestes an, so
bestände Jeglicher Körper, so klein er auch ist, aus unendlichen Teilen. Immer ließe die Hälfte sich wiederum teilen zur Hälfte, Ins Unendliche fort; nichts setzete Schranken den Dingen. Wäre dann Unterschied vom kleinesten Dinge zum größten? |
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| Keiner fürwahr; denn obschon die Summe der sämtlichen
Dinge Selber unendlich ist, so würde das kleineste Ding doch Gleich dem Gesamten selbst aus unendlichen Teilen bestehen. Aber dagegen sträubt sich Vernunft und verweigert den Glauben Zuzusagen; du musst daher durch Gründe besieget |
|
| Eingestehn, dass es gibt, die nicht mit Teilen
begabt sind Und von der kleinsten Natur: und ist dem also, so musst du Gleichermaßen gestehn, dass sie dicht und ewig zugleich sind. Endlich wofern die Natur, der Wesen Schöpferin, alles Nicht durch ihre Gewalt auflöst' in die kleinesten Teile, |
|
| Würde sie nichts daraus auch wiederum können
ersetzen. Denn wofern es gebricht an Zufluss mehrerer Teilchen, Fehlt die gehörige Kraft, durch welche der zeugende Stoff wirkt, Fehlen Verbindungen mancherlei Art, der Trieb und die Schwere Und der Zusammenstoß, die Bewegung, die alles hervor bringt. |
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| Deshalb scheinet es auch, dass die, die das Feuer
als Grundstoff Aller Dinge gewähnt, aus diesem, dem einzigen Feuer, Alles lassen entstehn, sich weit von dem Wahren entfernen. Unter ihnen voran, als Held und Führer des Haufens, Steht Heraklitus; mehr berühmt ob der dunkelen Sprache |
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| Unter den eiteln Köpfen als unter den ernsteren
Griechen, Welche nach Wahrheit forschen. Denn Toren lieben am meisten Und bewundern nur das, was unter verschrobenen Worten Sie zu entdecken meinen: für wahr gilt ihnen, was irgend Schön um die Ohren klingt, geschminket mit lieblichem Wortschall. |
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| Fragen möcht' ich, woher der Dinge Verschiedenheit
käme, Wären sie all' allein wahrhaftig aus Feuer erschaffen. Sind die Teile derselben Natur wie das Ganze des Feuers, Mag man verdichten, verdünnen, sie bleiben doch immer dieselben: |
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| Heißer würde die Kraft bei zusammengedrängeten
Teilen, Jene gelinder sein, wo diese getrennt und zerstreut sind. Dies ist alles, was kann entstehen aus solcherlei Ursach, Doch bei weitem noch nicht, dass solche Verschiedenheit könnte Unter den Dingen sein aus dichterm und dünnerem Feuer. |
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| Nähmen sie ferner noch an, dass Leeres in Dingen
gemischt sei, Könnten das Feuer sie doch bald dicht, bald dünner sich denken; Doch weil ihnen zuviel hierin, wie sie sehen, entgegen Und sie des reinen Leeren Natur erkennen nicht wollen, Scheun sie den schwierigen Pfad und verlieren darüber den wahren: |
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| Sehen auch wieder nicht ein, dass, fehlte das
Leere den Körpern, Alles zusammengepresst zu einem Klumpen sich setzte, Der nichts könnte von sich wegschleudern, wie brennendes Feuer Licht hinschießet und um sich verströmt die feurigen Dünste: Wo du es deutlich ersiehst, dies könne nicht dichter Natur sein. |
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| Bilden sie aber sich ein, das Feuer könne verlöschen,
Wann es zusammen sich drängt, und zu anderem Körper sich bilden, Und behaupten sie noch, dass durchaus solches geschehe: Nun, so sinket in Nichts die gänzliche Masse des Feuers, Und es entstehet aus Nichts ein neugeschaffenes Wesen. |
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| Denn was einmal verändert aus seinem Wesen hinausgeht,
Stirbt in dem Augenblick als das, was es eben zuvor war. Etwas muss sich vom Feuer daher festbleibend erhalten, Dass nicht alles zuletzt in Nichts zerfalle von Grund aus, Wieder aus Nichts erzeugt aufgrüne die Fülle der Dinge. |
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| Ist es nun ausgemacht, dass bestimmte Körper
der Art sind, Die sich in ihrer Natur stets unverändert erhalten, Aber durch Trennung, Verbindung, durch Wechsel des Orts und der Lage Ändern der Dinge Natur und andre Erscheinungen machen: Dann ist's allzugewiss, dass solche nicht feuriger Art sind. |
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| Denn was läge daran, ob Teilchen sich trennten,
entfernten, Andre sich wieder verbänden und wechselten Ordnung und Lage, Wann sich des Feuers Natur doch immer in allen erhielte: Feuer könnte nur sein, was irgend aus ihnen entstünde. Aber die Sache verhält nach meiner Meinung sich also: |
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| Ordnung, Zusammenfluss, Bewegung einiger Körper,
Ihre verschiedne Figur und Lage bewirken das Feuer: Ändern diese, so ändert damit der Sache Natur sich. Jene Körper jedoch sind keinesweges dem Feuer Ähnlich, noch Dingen der Art, die Teilchen könnten den Sinnen Senden und unser Gefühl durch Anstoß könnten berühren. |
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Aber zu sagen, es sei das Feuer alles in allem, Nichts sei wesentlich da von den Dingen allen als Feuer, Wie es doch jener tut: das scheinet mir völliger Unsinn. Sinnen ruft er zu Hülf und streitet doch wider die Sinne; Schwächet den Glauben an die, von denen der Glaube doch ausgeht, |
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Durch die selbst, wie er sagt, was er Feuer nennet, erkannt wird. Feuer, vermeint er, erkennten allein die Sinne mit Wahrheit, Alles übrige nicht, so klar es auch immer nur sein mag; Welches mir eben so leer als albern und töricht zu sein scheint. Woran hielten wir uns ? was könnt' uns ferner gewiss sein, |
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| Wären die Sinne es nicht? wie bezeichnen wir
Wahres vom Falschen? Könnte man nicht vielmehr, statt alles das andre zu leugnen Und das Feuer allein zum Wesen der Dinge zu machen, Diesem seine Natur absprechen, das übrige lassen? Beides wäre jedoch zu sagen ähnliche Torheit. |
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| Daher scheinen sowohl die, welche das Feuer zum
Grundstoff Aller Dinge gemacht, aus Feuer erschaffen das Ganze, Als auch, welche die Luft angeben zur zeugenden Ursach Oder aus sich das Wasser allein die sämtlichen Dinge Bilden lassen, wie die, die alles erschaffen aus Erde, |
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| Glauben, es könn' umwandeln in alle Naturen sich
diese: Alle scheinen mir weit vom Wahren entfernet zu irren. Gleich ist jenen der Fall, die die Urelemente verdoppeln, Paaren Feuer und Luft, verbinden Wasser und Erde: Auch mit jenen, die alles aus vier Elementen hervorgehn |
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| Lassen: aus Feuer und Luft und Erd' und Wasser
das Ganze. Diesen stehet voran Empedokles aus Agrigentum, Welchen das Eiland trug an dreifach spitziger Küste, Das, vom Ionischen Meer in weiten Bogen umflutet, Rings anspritzt mit salzigem Schlamm die bläuliche Woge. |
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| Der durch den schmalen Sund sich drängende reißende
Meerstrom Trennt es von Aeolus' Land. Hier ist der Schlund der Charybdis, Hier der Aetna, drohend mit unterirdischem Donner, Wieder zu sammeln die Wut der Flammen, die Rachen aufs neue Aufzureißen, herauszuspein den gewaltigen Glutstrom |
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| Und an des Himmels Gewölbe die leuchtenden Blitze
zu schießen. Ob aus mancherlei Gründen dies Land den Völkern der Erde Als ein Wunder erscheint und wert, dass sie solches besuchen, Reich an allerlei Gut und ausgerüstet mit Männern: Hat es doch nichts, wie es scheint, das herrlicher, heiliger, teurer, Wunderbarer auch sei, in dem eigenen Schoße getragen |
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| Als den einzigen Mann. Ja, selber die hohen
Gesänge Seiner göttlichen Brust, die Erforschungen, die er uns kund tat, Sprechen so laut es aus, dass in seinem Gemüte man ansteht, Ob auch wirklich der Mann erzeugt aus sterblichem Blut sei. Doch hat dieser und andre, von denen zuvor wir gesprochen, |
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| Ihm in mehreren Stücken so ungleich, weit ihm
geringer — Ob sie auch manches ersonnen, das wohl und von göttlichem Anhauch, Wie aus des Herzens heiligem Sitz — weit würdigern Ausspruch. Sicherer solchen erteilt als herab vom Delphischen Dreifuß Und aus dem Lorbeer Apolls die pythische Priesterin: dennoch |
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| Sind gescheitert auch sie an den ersten Gründen
der Dinge, Haben durch großen Fall die eigene Größe bezeichnet. Erstlich nehmen sie an Bewegung ohne das Leere, Lassen auch Körper zu, die weich und lockrer Natur sind: Sonne, Feuer und Luft; und Erd' und Tier' und Gewächse, |
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| Ohne das Leere jedoch denselben unterzumischen.
Dann auch, weil ins Unendliche fort die Teilung sie treiben, Durchaus leugnen den Punkt, wo der Körper Zerbrechlichkeit aufhört, Auch kein Kleinstes erkennen, — obschon uns das Auge belehret, Dass die äußerste Spitze des Dings das Kleinste von ihm sei: |
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| Leicht zu schließen hieraus, was ganz unsichtbar
dem Auge Sich an das Äußerste setzt, das sei in den Dingen das Kleinste. Weiter noch halten sie auch die Uranfänge der Dinge Weicher Natur; da uns doch die Ansicht lehret, das Weiche Muss' erst werden erzeugt und sei hinfälligen Wesens. |
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| Und so müssten zurück die Dinge nun wieder in
Nichts gehn, Müsste wieder aus Nichts aufsprossen die Fülle der Wesen: Beides doch hast du gesehn, wie es weit abweiche vom Wahren. Auch sind jene sich selbst feindselig untereinander, Sind sich auf mancherlei Art verderblich und würden daher, |
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| Wenn sie zusammentreffen, sich selbst auf reiben;
vielleicht auch Würden sie eilend zerfliegen, so wie bei gedrängtem Gewitter Blitze zerfliegen und Regen und Wind vom treibenden Sturme. Endlich, wenn alles, was ist, nur aus vier Dingen entstünde Und in solche zurück auch alles sich wiederum löste: |
|
| Wie sind diese denn doch Elemente der Dinge zu
nennen, Nicht die Dinge vielmehr Elemente von ihnen? da beide Wechselnd sie sich erzeugen, Gestalt und Farbe verändern, Ja, die ganze Natur, seit allen undenklichen Zeiten. |
|
| Solltest du glauben vielleicht, es vermischten
sich Feuer und Erde Und die himmlische Luft und der Tau der reinen Gewässer So, dass nichts beim Verein in ihrer Natur sich verändre: Sage, wie könnte sich doch ein Geschöpf aus ihnen erzeugen, Nicht ein beseeltes, auch nur ein unbeseeltes, ein Baum nur? |
|
| Jedes behauptete stets, obgleich in gemengeten
Haufen, Seine Natur; es würde gemischt auch neben der Erde Luft sich zeigen, auch unter der Flut sich Feuer befinden. Stoffe müssen jedoch bei Erzeugung und Schaffung der Dinge Bergen ihre Natur und nicht sie bemerkbar uns machen; |
|
| Dass am Erschaffenen nichts hervorzustechen vermöge,
Welches im Gegenspruch mit des Dinges eigner Natur sei. Ja, vom Himmel fangen sie an und den Feuern des Himmels: Lassen zuerst in luftigen Hauch das Feuer sich wandeln, Draus sich Regen erzeugen, aus Regen aber die Erde: |
|
| Lassen dann wieder zurück von der Erde sich jegliches
wenden, Wasser zuerst, dann Luft, zuletzt das Feuer entstehen. Also im ewigen Wechsel, vom Himmel zur Erde, von dieser Wieder empor zu Gestirnen der Welt. Unmöglicherweise Dürfte jedoch dies sein der Gang ursprünglicher Körper. |
|
| Immer ein Unveränderndes muss in Dingen hervorstehn,
Dass nicht alles zuletzt in Nichts versinke von Grund aus. Denn was einmal verändert aus seinen Grenzen heraustritt, Stirbt in dem Augenblick als das, was zuvor es gewesen. Aber da diese, wovon wir eben gesprochen, sich oftmals |
|
| Umgestalten, so müssen auch sie notwendig aus
andern Körpern wieder bestehn, die keine Veränderung leiden: Dass nicht alles zuletzt in Nichts sich wieder verkehre. Füglicher könnte man so sich der Körper Eigenschaft denken: Dass, wenn einige nun das Feuer geschaffen, dieselben |
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| Könnten, bei einiger Teile Verminderung, anderer
Zusatz, Bei veränderter Folge der Ordnung, Bewegung und Lage, Luft ausbilden, und so sich andre verwandeln in andres. Aber du sagest, es ist doch augenscheinlich, dass alles Aus der Erd' aufwächst in die Luft und so sich ernähret: |
|
| Und woferne das Jahr versaget gedeihliche Wittrung,
Wann nicht schwanken die Büsche, beschwert vom träufelnden Regen, Nicht ein ergiebig Geschenk von Wärme die Sonne bereitet, Wachsen die Saaten nicht auf, nicht Bäume noch lebende Wesen. Wahr ist's: kämen auch nicht dem Körper trockene Nahrung, |
|
| Flüssiger Trank zu Hülfe, so würd' er schwinden,
es würde Aus Gebeinen und Nerven gar bald das Leben sich lösen. Und so nähren wir uns durch gewisse Dinge; so werden Andere wieder genährt durch Gebrauch von anderen Dingen. Aber woher? als weil in den vielen verschiedenen Dingen |
|
| Vielerlei Grundstoff liegt, der mehreren Dingen
gemein ist; Und so mag das Verschiedene sich vom Verschiedenen nähren. Noch liegt mächtig daran, mit welchem die nämlichen Stoffe In der Verbindung stehn, die Lage, die wechselnde Wirkung; |
|
| Denn aus ähnlichem Stoff sind Erd' und Himmel
gebildet, Und die Sonn' und das Meer; aus ähnlichem Pflanzen und Tiere: Nur der verschiedene Grad verschiedener Mischung bestimmt sie. Ja, du kannst es sogar in unsern Versen bemerken, Wo viel Lettern du siehst, die mehreren Worten gemein sind; |
|
| Und doch musst du gestehn, dass Worte sowohl
als die Verse Nicht sich gleichen im Ton, noch nach dem verschiedenen Inhalt. Solches vermögen allein durch veränderte Stellung die Lettern: Wie weit mehreres noch gewähren die Stoffe der Dinge, Durch der Verbindungen Zahl verschiedene Wesen zu schaffen. |
|
| Lass die Homöomerie des Anaxagoras jetzt uns Auch noch beleuchten! So nennt der Grieche sie; aber die Armut Unserer Sprache versaget das Wort, die Sache zu nennen, Fällt es auch gleich nicht schwer, sich auszulegen mit Worten Jene Homöomerie als Grundursache der Dinge. |
|
| Alles, so sagt er, sei in den kleinsten Teilen
sich ähnlich: Knochen nämlich entstünden aus kleinen winzigen Knöchlein, Und die innern Teil' aus den kleinsten inneren Teilen; So auch das Blut aus vielen zusammengeronnenen Tröpflein Blutes; die Luft aus Pünktchen der Luft; aus kleineren Schollen |
|
| Könnte die Erd' erwachsen; aus Fünkchen Feuers
das Feuer; Wasser aus Wassertröpfchen. So lässt er die übrigen Dinge Alle auf ähnliche Art in seinen Gedanken entstehen. Aber er leugnet durchaus die Natur des Leeren in Dingen, Noch gibt Grenzen er zu, die der Körper Teilung gesetzt sind. |
|
| Solchergestalt nun scheinet er mir in beidem
mit jenen, Die wir oben benannt, auf ähnliche Weise zu irren. Überdies denkt er sich auch die Grundelemente der Dinge Viel zu gebrechlich und schwach, wenn anders Stoffe sie heißen. Sie, die den Dingen selbst durchaus an Beschaffenheit gleich sind, |
|
| Leiden wie diese, vergehn, dass nichts vom Verderben
sie abhält. Sprich, was möchte hiervon beim Drucke gewaltiger Kräfte Noch ausdauern, dem Tod zu entfliehn, ihm unter den Zähnen? Feuer? Wasser? die Luft? was sonst? das Blut? und die Knochen? Nichts, wie immer mich deucht; denn billig sind ja die Teile |
|
Eben vergänglich wie das, was überwiegende
Kräfte |
|
| Ist es auch klar, dass Blut und Geäder und Knochen
und Nerven Aus fremdartigen Teilen bestehn: denn möchte man sagen, Dass die Speisen vielmehr vermischete Körper enthalten, Kleine Teile von Knochen, Geäder und Nerven und Blute: Würde nur folgen daraus, dass Trank und Speise nun selber |
|
| Aus fremdartigen Dingen zusammengesetzet erscheinen,
Nämlich aus Knochen und Nerven, gemischt mit Adern und Blute. Ebenso ist's mit dem übrigen auch, was wächst aus der Erde; Ist's in der Erde bereits, so muss die Erde bestehen Aus fremdartigen Teilen, die aus ihr selber hervorgehn. |
|
| Wend es auf jegliches an, es gelten dieselbigen
Worte: Sind in dem Holze Flammen und Rauch und Asche verstecket, Nun, so bestehet das Holz aus ihm fremdartigen Teilen, Aus fremdartigen Teilen, die aus dem Holze hervorgehn. |
|
| Zwar zur Ausflucht bleibt ihm hier ein Winkel
noch offen, Dessen er auch sich bedient, indem er alles in allem Mischen sich lässt auf verborgene Art: doch zeige sich das nur, Was in der Mischung das mehreste sei, am meisten hervorsticht Und am leichtesten hin nach der Oberfläche sich wendet. |
|
| Aber die Wahrheit stößet zurück auch diese Behauptung:
Müssten die Früchte nicht oft, von des Mühlsteins Kräften zermalmet, Zeichen geben des Bluts, vielleicht auch anderer Dinge, Die der Körper ernährt? Vom Stein am Steine gerieben Flösse wieder das Blut: auch würd' auf nämliche Art oft |
|
| Kräutern enttröpfeln der Saft, an Geschmack und
Süße vergleichbar Jenem, welchen im Euter verbirgt das wollige Schafvieh. Ja, oft würden sich auch in zerriebenen Schollen der Erde Kräuter verschiedener Art und Körner zeigen und Zweige, |
|
| Hin und wieder zerstreut, klein untergestecket
dem Erdreich. Und es wäre zuletzt selbst in dem gesplissenen Holze Rauch und Asche zu sehn und kleine verborgene Funken. Aber da augenscheinlich hievon sich nirgends nichts kund tut, Ist es begreiflich und klar, dass so nicht die Dinge gemischt sind: |
|
| Sondern es müssen vielmehr verschiedene Samen
der Dinge Vielen Dingen gemein verborgener Weise gemischt sein. Aber, sagst du, geschieht es nicht oft auf hohen Gebirgen, Dass die erhabenen Gipfel benachbarter Bäume, vom Südwind Angeregt, sich entzünden, indem mit Gewalt er sie anreibt, |
|
| Bis die Flamme zuletzt in lichter Lohe herausschlägt?
Wohl, das weiß ich: das Feuer jedoch wohnt selber im Holz nicht; Samen der Hitze sind's, die, durch das gewaltige Reiben Häufig zusammengeführt, den Brand erzeugen im Walde. Wär' in den Bäumen bereits versteckt die gebildete Flamme, |
|
| Könnte fürwahr sie sich nicht nur Augenblicke
verbergen, Sondern sie griff' umher, verzehrete Wald und Gebüsche. Also bemerkest du wohl, was eben zuvor ich berühret, Sehr viel liege daran, mit welchen die nämlichen Stoffe Seien verbunden und wie in der Lage zusammen sie treffen, |
|
| Welche Bewegung und Stoß sie wechselseitig sich
geben. Eine geringe Veränderung nur derselbigen Stoffe Schaffet Feuer aus Holz: beinah auf die nämliche Weise, Wie man aus ähnlichen Lettern, nur durch die geringe Versetzung, Worte bildet verschiedenen Lauts, verschiedner Bedeutung. |
|
| Glaubest du endlich, die Dinge, die wir mit den
Augen erkennen, Könnten nicht anders entstehn, als wenn der Materie Körper Ähnlich mit ihnen und gleicher Natur und gleicher Gestalt sind, Nun, so tue Verzicht auf alles, was Stoffe wir nennen: Bald auch werden sie noch auflachen mit schütterndem Kichern |
|
| Oder mit salziger Flut Gesicht und Wange benetzen. Auf, und vernimm das übrige noch in hellerem Tone! Zwar, ich weiß es zu wohl, wie schwierig die Dinge: doch stechend Hat mit dem Thyrsus durchbohrt die Hoffnung des Lobes das Herz mir; Und sie hat mir zugleich in die Brust getrieben der Musen |
|
| Süßes Verlangen, wovon ich angeregt und begeistert
Ungebahnte Gefilde der Pieriden durchwandre, Die kein Fuß noch betrat: die ungekosteten Quellen Will ich suchen und schöpfen und neue Blumen mir brechen, Meinem Scheitel daraus den herrlichen Kranz zu bereiten, |
|
| Womit keinem zuvor die Muse die Schläfe verhüllt
hat. Denn ich singe vorerst von erhabenen Dingen und suche Aus dem verstricketen Netz der Religionen die Seele Loszuwinden; und dann verbreit' ich noch über das Dunkle Lichten Gesang, mit dem Reiz der Musen alles besprengend; |
|
| Denn auch dieses ist nicht, wie es scheint, ohn'
alle Bedeutung: Sondern wie heilende Ärzte, wann Kindern sie widrigen Wermut Wagen zu reichen, zuvor den Rand des Bechers benetzen Mit dem gelblichen Safte des süßen Honigs, damit sie Täuschen den unvorsichtigen Sinn und die kindische Lippe, |
|
| Die indessen verschlucket den Trank des bitteren
Wermuts Und durch solches Benehmen getäuscht und doch nicht betrogen, Sondern vielmehr erquickt Gesundheit und Leben empfanget. Also nunmehr auch ich, da den meisten widrig und herb scheint Diese Lehre, die nicht hinlänglich von ihnen erforscht ist, |
|
| Und der Pöbel davor zurücke schaudert: so wollt'
ich Im süßredenden Liede der Pieriden die Gründe Dir auslegen und gleichsam besprengen mit Honig der Musen, Ob es auf diese Weise vielleicht mir möge gelingen, Fest dir zu halten den Geist in meinen Versen, bis ganz du |
|
| Schauest der Dinge Natur und ihre geschmückete
Bildung. Hab' ich dir also gezeigt, dass die dichten Körper des Urstoffs, Unüberwunden durch Zeit, in steter Bewegung sich treiben; Lass uns entwickeln an jetzt, ob die Summe derselben begrenzt sei Oder ob unbegrenzt? ob das Leere, das von uns erforscht ward, |
|
| Heiß' es Raum oder Ort, worinnen sich alles
ereignet, Ob durchaus es beschränkt und endlich in seiner Natur sei Oder sich ohne Maß aufschließt in grenzlosen Tiefen? Aber es ist das All von keiner Seite begrenzet: Wär' es, so müsst' ein Äußerstes sein; doch scheint es, dass nirgends |
|
| Könn' ein Äußerstes sein, wo sich nicht ein endlicher
Punkt zeigt, Über welchen hinaus nicht weiter die Kräfte des Sinns gehn. Aber da außer dem All nichts ferner sich lasset gedenken, Ist kein Äußerstes da, kein Maß noch Ende der Dinge. |
|
| Sei wo du willst in ihm, und in welchen Gegenden,
immer Wird von dem Ort, wo du bist, sich eben dieselbige Weite, Sich ein unendliches All nach allen Seiten erstrecken. Nimm, es wäre der Raum des Alls in Grenzen geschlossen: Würde, wer sich zum äußersten Rand desselben erhübe, |
|
| Einen beflügelten Pfeil von da zu werfen; obgleich er Diesen mit angestrengeter Kraft fortschleuderte; würd' er Solchen weiter hinaus, wohin er ihn sendete, treiben, Oder würde zuletzt ihn etwas hindern und obstehn? Eines oder das andere musst durchaus du bekennen: |
|
| Jegliches sperrt den Ausgang dir; und es zwingt zum Geständnis, Dass ein unendliches All ohn' alle Schranken sich öffne. Immer würde ja sonst der Wechsel bleiben: entweder, Dass so ein Etwas sei, das den Pfeil zu fliegen verhindre. Nicht zu gelangen dahin zu dem Ziel, nach dem er gesandt ward; Oder auch, flog er hinan, so kam er vom äußersten Rand nicht. |
|
| Immer verfolg' ich dich so: wohin du das äußerste Ziel steckst,
Werd ich dich immer befragen, was sei aus dem Pfeile geworden ? Bis du erkennest zuletzt, dass nirgends ein Ende bestehn kann, Dass der unendliche Raum die Flucht nur immer erweitert. Wäre noch, ferner, der Raum des Ganzen in sichere Grenzen |
|
| Eingeschlossen, beschränkt von allen Seiten und endlich,
Dann so hätte die Masse des Stoffs durch eigene Last sich Längst zu Boden gesenkt und wäre zusammengeflossen; Nichts könnt' unter dem Dache des Himmels sich weiter ereignen; Ja, der Himmel wäre dann nicht, noch die leuchtende Sonne: |
|
| Alle Materie lag' seit schon undenklichen Zeiten Fest im Klumpen vereint, in den sie sich niedergesenket. Aber anjetzt — da nirgends die Ruhe den zeugenden Körpern Zugestanden, indem durchaus kein Unterstes da ist, Wo sie zusammenfließen und Sitz erhalten sie könnten — |
|
| Werden in unaufhörlichem Trieb die sämtlichen Dinge Immer erregt von jeglicher Seite, die Körper des Urstoffs Auch von unten herauf, aus unendlichen Tiefen geführet. Letztlich sehen wir noch, wie eins vom andern begrenzt wird: Luft begrenzet die Berge, hinwieder die Berge den Luftraum; |
|
| Erde begrenzet das Meer, das Meer umschließet die Erde. Aber was sollt' umgrenzen das All? — Die glänzenden Flüsse, Wann im beständigen Zuge sie Ewigkeiten durchströmten, Könnten sie nicht des Raums unendliche Tiefen durchlaufen; |
|
| Ja, es würden von ihnen des Fortschritts Spuren nicht merkbar. Also dehnt unermesslich sich aus die Fülle des Daseins, Aller Grenzen beraubt, und hin nach jeglicher Seite. Selbst der Dinge Natur versaget dem Ganzen Beschränktheit, |
|
| Da sie die Körper mit Leerem, das Leere wieder mit Körpern Einschließt, wechselnd dadurch sie beide der Grenzen beraubt hat. Setzte durch seine Natur nicht eines dem andern die Schranken, Und es täte sich doch unermesslich die Leere des Raums auf, Könnten dann Erd' und Meer und die leuchtenden Himmelsgewölbe, |
|
| Ja, der Menschen Geschlecht, die heiligen Leiber der Götter Nur die geringste Frist einer einzigen Stunde bestehen? Haufen des Stoffes würden von allgemeinerer Masse Abgestoßen, zerstreut in dem großen Leeren sich treiben; Oder es hätte vielmehr, zu Erschaffung der Dinge, der Urstoff |
|
| Nie sich zusammengefügt, weil nichts in Banden ihn festhielt.
Denn in der Tat, mit Bedacht und wohlüberlegeter Weise Haben die Stoffe sich nicht in gehörige Ordnung verfüget Noch den Vertrag gemacht zu Bewegungen untereinander: Sondern da viele davon auf mancherlei Weise verändert, |
|
| Im unendlichen All durch Stöße getrieben, sich banden, Jegliche Art des Vereins und jede Bewegung versuchend, Sind sie endlich dadurch in solcherlei Lage gekommen, Durch die jetzo besteht die Summe geschaffener Wesen. Da nun alles einmal zur schicklichen Ordnung gelangt war |
|
| Und sich in dieser erhielt im Lauf unendlicher Jahre, Sehen die Flüsse wir nun mit reichlichem Strome der Wasser Nähren das unersättliche Meer; von der Sonne gebrütet Ihre Geburten die Erd' erneuen; der Tiere Geschlechter Froh aufblühn, und belebt hinwandeln die Lichter des Aethers. |
|
| Nimmer vermöchten sie das, fänd nicht ein ewiger Zufluss
Neuer Materie statt, das Verlorene stets zu ergänzen. So wie der Nahrung beraubt hinschwindet das Leben der Tiere Und sich der Körper verzehrt, so müsste sich alles verzehren, |
|
| Wann der zeugende Stoff, vom richtigen Wege geleitet, Irgend aus einem Grund nicht immer die Nahrung gewährte. Selbst auch der äußere Stoß der Elemente vermag nicht Diese vereinete Masse der Dinge zusammenzuhalten: Könnte davon sich ein Teil, durch wiederholete Schläge |
|
| Aufgehalten, verweilen, bis andre sie wieder ersetzen, Würden zurückzuspringen sie doch zuweilen genötigt, Würden den Stößen zugleich sie Raum und Gelegenheit schaffen, Dass sie ergriffen die Flucht und los von der Masse sich trieben. Immer ist also vonnöten des Stoffes ergiebiger Zufluss: |
|
| Ja, damit es auch nicht an Zutrieb fehle von außen, Brauchet die Urmaterie stets unendlichen Vorrat. Hüte vor allem dich nur, in die Meinung jener zu fallen, Welche glauben, dass alles allein hinstrebe nach einem Mittelpunkte der Welt; und deshalb könne der Weltraum |
|
Frei bestehen für sich, ohn' allen äußeren Antrieb: |
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| Etwa so, wie in der Flut sich zeigen die Bilder der Dinge?
Auch auf männliche Art, behaupten sie, gingen die Tiere Aufrecht unten und fielen von da in den unteren Himmel Ebenso wenig hinab, als wir in den oberen Luftraum Aufzuschwingen uns selbst mit unserem Körper vermögen. |
|
| Diesen scheine die Sonne, wann wir die Gestirne der Nacht
sehn, Und sie teilten mit uns abwechselnd die Zeiten des Himmels; Ihre Dauer der Nacht gleich' unserer Dauer des Tages. Aber ein eitler Wahn verführet die törichten Menschen, Weil anfänglich bereits verkehrt sie die Straße genommen. |
|
Ist bei unendlichem Raum noch irgend an Mitte zu denken? Fand' auch wirklich sie statt, wie sollte deswegen sich etwas Mehr ansetzen daselbst und dort auch lieber bekleiben Als an jeglichem Ort, der noch so entfernet von da ist? Denn es müssen der Raum und der Ort, den Leeres wir nennen, |
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| Sei es die Mitte, sei sie es nicht, auf ähnliche Weise Weichen jedem Gewicht, wo immer dasselbe sich hinträgt. Nirgends auch ist ein Punkt, wo die Körper, beraubet der Schwerkraft, Sind sie dahin gelangt, frei könnten sich halten im Leeren: Auch ist nirgends das Leere zur Unterstützung der Dinge, |
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| Sondern dass seine Natur den Durchgang jedem gewähre. Nicht aus dem Grunde daher, als besiegt von Lust nach der Mitte, Werden in ihrer Verbindung zusammengehalten die Dinge. Übrigens sagen sie selbst, nicht sämtliche Stoffe besäßen Nach der Mitte den Trieb; nur Stoffe der Erde, des Wassers, |
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| Und die Wogen des Meers und die bergabströmenden Flüsse; Gleichsam alles nur das, was aus irdischem Körper bestehet. Aber die dünnere Luft und Feuer, sagen sie ferner, Strebe vom Mittelpunkte hinweg: drum flimmre der Aether Rings von leuchtenden Sternen, und darum nähre die Sonne |
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| Ihre Flammen im Himmelsblau: weil jegliche Hitze Auf von der Mitte fliehend sich dort als Feuer versammle. Also nährten sich auch aus der Erde die lebenden Wesen, Und es könnte der Baum nicht grünen empor zu der Spitze, Flöss' aus der Erd' ihm nicht allmählich der nährende Saft zu. |
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| Aber, sagen sie noch, das All umschließet der Himmel, Dass nicht die Feste der Welt, wie flüchtige Flammen mit einmal Aufgelöset, zerflieg' im großen unendlichen Leeren Und ihr folge das übrige noch auf ähnliche Weise, Oben herab einbrechen des Himmels Donnergewölbe |
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| Und sich eilig entzieh' den Füßen die Erde, dass unter Allgemeinem Ruin der Erd' und des Himmels sich alles, Aufgelöst in die Stoffe, zerstreu' im unendlichen Weltraum: So, dass im Augenblicke der Zeit nichts ferner zurückbleibt |
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| Als ein verödeter Raum und die blinden Körper des Urstoffs.
Denn wo irgend zuerst die Grundmaterie nachlässt, Da eröffnet sich auch den Dingen die Pforte des Todes, Und es drängt sich hinaus der ganze versammelte Urstoff. Hast du, mein Memmius, dies, von geringem Bemühen geleitet, |
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| Völlig erkannt — denn eins wird heller dir werden durchs
andre —, Dann wird finstere Nacht dir nicht die Wege bedecken, Dass zum Verborgensten nicht der Natur du solltest gelangen: Also zündet ein Ding dem ändern Dinge das Licht an. |
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