Mein
Referat handelt von dem zweiten Buch von Ciceros "de re publica"
über die Entstehung des Staates Roms. Zugrunde liegt die
Tusculum-Übersetzung von Karl Büchner in der vierten,
erweiterten Auflage von 1987 beim Artemis-Verlags, München.
In der Erörterung Ciceros beginnt Scipio
über seinen Freund Cato zu erzählen, der bei ihm
größte Achtung und Bewunderung gewann. Catos Ansicht
über die Erhaltung des Gemeinwesens basiert darauf, dass
meistens nur Einzelne ihr Gemeinwesen mit ihren eigenen Gesetzen
und Einrichtungen aufgebaut, wie zum Beispiel der Kreter Minos
und der Lakedämonier Lykurgos. Diese Ansicht stößt
bei Scipio
auf Widerspruch, denn er ist der Meinung, dass das Gemeinwesen
"nicht durch eines Mannes Geist, sondern vieler, nicht in einem
Menschenleben, sondern in vielen Generationen und Zeitaltern
aufgebaut worden [ist]" (cic. rep. II 2). Mit dieser Aussage
wollte er zum Vorschein bringen, dass niemand so vollkommen
sei, trotz aller Begabungen, das Kommende zu erkennen und danach
richtig zu handeln. Darauf begibt sich Scipio
in immer tiefere Gewässer dieses Themas. Nach ihm begann
die Errichtung des Gemeinwesens mit der Gründung der Stadt
Rom.
Romulus, der abstammt von Mars und unter Wölfen und später
bei Hirten aufwuchs, verschaffte sich durch grobe Lebensweise
und harte Arbeit großes Ansehen und Ruhm bei seinen Mitmenschen.
Romulus hatte das Ziel, eine Stadt zu gründen, sie zu besiedeln
und das Gemeinwesen zu erhalten. Nach sorgfältiger Überlegung
und mit Hilfe des Vogelflugs fand er den richtigen Ort zur Stadtgründung
nicht direkt am Meer liegend, wo sie vielen Gefahren ausgesetzt
wäre, neuen Sitten und Sprachen, Luxus, die sein Vorhaben
schließlich zunichte machen könnten. Das Meer stand
für "Verderbnis und Veränderlichkeit des sittlichen
Zustandes" (II 7). Das beste Beispiel für den inneren
Verfall eines Staates am Meer waren Karthago
und Korinth: Dort wurde Seehandel betrieben und die eigentlichen
Aufgaben, Bebauung der Felder und Übung an den Waffen wurden
vernachlässigt. Aus diesem Grund setzte er die Stadt ans
Ufer eines ununterbrochenen Flusses und gleichmäßig
fließenden Stromes im Landesinneren, von wo aus Feinde
erkannt würden und dennoch sie Export und Import betreiben
konnten.
Nach dieser klugen Handlung folgt für Scipio
der Vertrag zwischen Romulus und Titus Tatius. Durch die Entführung
sabinischer Jungfrauen zwang er deren König nach einem
unentschiedenen Kampf zu einem Vertrag, der besagte, dass das
Königtum geteilt und ihre Heiligtümer vereinigt werden
sollten. Nach dem Tode des Tatius wurde dem Romulus als einzigem
König alles zugesprochen, wodurch seine Macht gestärkt
wurde. Denn für Romulus war die Einzelherrschaft und die
königliche Vollmacht die Voraussetzung, einen Staat besser
zu leiten und der Rat der Väter, der Senat, gab ihm die
notwendige Unterstützung. Für die Nachwelt blieben
die Einrichtungen der Vogelschau und des Senats erhalten. Mit
seinem Tod, so glaubte man, wurde er unter den Göttern
aufgenommen.
Seine Nachfolger waren Numa Pompilius, Tullus Hostilius, Ancus
Marcius, Lucius Tarquinius, Servius Tullius und Tarquinius Superbus.
Direkt nach Romulus’ Tod wurde ein Interregnum zur Überbrückung
des Machtvakuums eingeführt. In dieser Zeit übernahm
der Senat die Staatsgeschäfte. Aus Sehnsucht nach Romulus
suchte und fand das Volk seinen Nachfolger bei den Sabinern
in Cures. Numa Pompilius versuchte die Römer von ihren
kriegerischen Gewohnheiten abzubringen und lehrte sie friedliche
Bestellung der Felder und religiöse Gebräuche, die
er aufs heiligste festsetzte. Er gründete den Markt, Spiele
und Festlichkeiten und lenkte die Römer vom Krieg zu Menschlichkeit,
Gottesfurcht und Sanftheit. So wurde auf natürlichem Weg
das Gemeinwesen erhalten, wobei Manilius
an diesem Punkt verdeutlicht, dass die Römer "nicht
durch überseeische und eingeführte Künste gebildet
worden sind, sondern durch angeborene und einheimische Tugenden"
(II 30).
Der dritte König, Tullus Hostilius, der sehr bescheiden
war und die königlichen Abzeichen nur auf Geheiß
des Volkes trug, spielte mit dem Gedanken, dass Kriege angekündigt
werden sollten, den er schließlich durch den Fetialkult
durchsetzte. Nach diesem Kult sollten alle Kriege, welche nicht
angekündigt wurden, für "ungerecht und ruchlos gehalten
werden" (II 31). Auch wenn er auf dieselbe mysteriöse Weise
wie Romulus, der während einer Sonnenfinsternis verschwunden
war, starb, er wurde vom Blitz getroffen, wurde ihm nicht zuteil,
dass man von ihm glaubte, unter die Göttern eingekehrt
zu sein.
Darauf folgte der König Ancus Marcius, der so wie Pompilius
ein Gesetz nach einer Volksbefragung einführte, die Latiner
besiegte und sie in den Staat eingliederte. Er fügte den
Aventin und den Caeliusberg der Stadt an und verteilte die gewonnenen
Äcker unter das Volk. Er erklärte alle Wälder
am Meer zu Staatseigentum und gründete eine Stadt an der
Mündung des Tibers, Ostia.
Nach dreiundzwanzig Jahren Königsherrschaft verstarb er.
Sein Nachfolger Lucius Tarquinius wurde wegen seiner Begabung,
Bildung und Gelehrsamkeit Freund des Königs Ancus. Er galt
beinahe auch als Teilhaber des Königtums, da er sich an
allen Plänen beteiligte. Er gewann das Volk für sich,
indem er alle Bürger unterstützte, ihnen half, sie
verteidigte und beschenkte. Aus diesem Grund war es selbstverständlich,
dass er als neuer König vom Volk akzeptiert wurde. Im Laufe
seiner Amtszeit verdoppelte er die Anzahl der Senatoren und
benannte sie um, von alten Väter zu Väter der älteren
Geschlechter. Er baute noch eine Ritterschaft auf, die er anschließend
wiederum verdoppelte, mit der er später die Äquer
und die Sabiner bezwang. Lucius wollte noch während der
Schlacht gegen die Sabiner dem Jupiter Optimus Maximus einen
Tempel auf dem Kapitol errichten. Nach achtunddreißig
Jahren Königsherrschaft verstarb auch dieser Mann.
Der sechste im Bunde war Servius Tullius, der als Knabe durch
seine Begabung dem Tarquinius auffiel, so dass dieser ihn später
als seinen Nachfolger einsetzte. Er trennte die Ritter von dem
Volk und teilte das Volk in fünf Klassen, so dass nicht
die Masse die meiste Macht habe, sondern jene, die am meisten
besitzen. Auf diesen folgte Tarquinius Superbus, der infolge
von vielen Kriegen und Siegen übermütig wurde. Er
wollte, dass man ihn fürchte und verlor den Überblick
über die Lenkung der Sitten, zugleich auch die Lenkung
der Seinen. Lucius Brutus, ein Privatmann, trat für die
Erhaltung der Freiheit ein und brachte das Volk schließlich
dazu, den Tyrannen mit seiner Familie und seinem Stamm zu vertreiben.
In der weiteren Entwicklung des Gemeinwesens wurden an Stelle
des Königs jährlich zwei Konsuln gewählt, die
die Befehlsgewalt hatten. Publius Valerius verabschiedete ein
Gesetz, nach dem kein Beamter einen römischen Bürger
töten oder schlagen durfte. Zehn Jahre nach den ersten
Konsuln wurde ein Diktator, Titus Larcius gewählt. Seine
Herrschaft glich beinahe der der Könige, da das Volk sich
nicht wehrte, fürstliche Männer von größtem
Ansehen behielten die größte Befehlsgewalt und das
Volk ging leer aus. Dieser Zustand dauerte bis zu dem Zeitpunkt,
als Postumus Cominius und Spurius Cassius Konsuln waren. Scipio
erinnert darauf nochmals daran, was er am Anfang seiner Erörterung
gesagt hatte, nämlich "wenn diese Verteilung von Recht,
Pflicht und Aufgabe im Staate nicht ausgeglichen ist, so dass
genügend Macht bei den Beamten, Ansehen im Rat der führenden
Männer und Freiheit beim Volke ist, dass dann dieser unveränderliche
Zustand des Gemeinwesens nicht bewahrt werden kann" (II
57).
Als das Volk von großen Schulden bedrückt war, besetzte
es den heiligen Berg und den Aventin. Man wählte darauf
aus Verzweiflung zwei Volkstribunen, die die Macht der Mächtigen
vermindern sollten. Dies half jedoch auch nicht viel, da die
weisesten und tapfersten mit Waffen und Rat das Gemeinwesen
schützten. Ein Grund für das Anwachsen ihrer Macht
war, dass sie die anderen an Ehre überragten und sich nicht
viel aus Genüssen machten. Vierundfünfzig Jahre nach
den ersten Konsuln brachten die Konsuln Spurrius Tarpeius und
Aulus Aternius ein Gesetz über Geldbuße und Haftgeld
ein. Wiederum mehrere Jahre später, als das Volk hilflos
dastand, wurde ein Plan gefasst, dass zehn Männer gewählt
werden sollten, die größte Gewalt ohne Berufungsmöglichkeiten
hatten und Gesetze schrieben. So entstand das weise Zehntafel
Gesetz. In diesem Zustand lag die ganze Macht und Befehlsgewalt
bei den fürstlichen Männern.
Als die ersten zehn Männer nach einem Jahr ihre Macht
an eine zweite Gruppe übertrugen, waren diese aber ungleich
ungerechter und wollten ihre Macht nicht mehr abgeben. Von diesen
zehn Männer stammt unter anderen auch das Gesetz, das besagt,
es dürfe keine Ehe zwischen den Vätern, den Patriziern,
und dem Volk geschlossen werden. So kam in Rom die Ungerechtigkeit
auf und der größte Umsturz des Gemeinwesens setzte
ein. Damit schließt Scipio,
der die gesamte Entwicklung darstellt, seine Umschreibung.
Nun stellt Tubero
die Frage, wie denn ein solch ideales Gemeinwesen erhalten werden
kann. Scipio
kommt zu dem klugen Mann, den der Staat braucht. Ein Mann, der
Ansehen und Führerqualitäten besitzt und mutig ist.
Der dem Volk gerecht hilft und diesem Eintracht verschafft.
Am Ende des Buches fordert Philus,
dass Scipio
eine genauere Definition über die Gerechtigkeit gibt, der
jedoch hält seine Erörterung für genug und verschiebt
die Fortsetzung auf den nächsten Tag.